von Nick Lüthi

Unter der Güllendusche

Politik und Peinlichkeiten: Auch beim zweiten Auftritt von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in der «brisanten Talk-Sendung am Schweizer Fernsehen» interessierte sich Roger Schawinski weniger für sein Gegenüber als für die eigenen Thesen und Vermutungen.

Roger Schawinskis Markenzeichen als Talker ist die Einstiegsfrage. Doch gestern Abend konnte er sein «Wer sind sie?» nicht bringen, denn Christoph Mörgeli war bereits zum zweiten Mal innert eines halben Jahres Gast beim «besten Talker der Schweiz». Geladen war der SVP-Nationalrat als einer der Exponenten der «Zuviele-Deutsche-in-der-Schweiz»-Debatte. Zu seinem zweiten Auftritt in der Talkshow kam er deshalb, weil Natalie Rickli, die mit ihren Äusserungen für ein erneutes Aufflackern der Anti-Deutschen-Stimmung gesorgte hat, nicht als Gast antreten will.

Weshalb Schawinski das leidlich breitgetretene Thema weiter beackern will, bleibt sein Geheimnis. In der Sache gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen, die SVP-Position ist hinlänglich bekannt und medial ausgewalzt. Und auch den Anspruch, die wichtigste Persönlichkeit der Woche einzuladen, konnte Schawinski mit Mörgeli nicht einlösen.

Und so galoppiert Schawinski in gewohnt hohem Tempo, das ihn regelmässig die Schlusssilben verschlucken lässt, kreuz und quer durch Privates und Politisches, getrieben von den vorbereiteten Text- und Video-Einspielern, die den Rhythmus der Sendung diktieren und denjenigen des Gesprächs brechen. Ein Dialog entsteht so nicht. Vielmehr sucht Schawinski nach der Bestätigung von Thesen und Vermutungen. «Sie wollen eine schwache Regierung», wirft er Mörgeli an den Kopf und spielt als Beleg eine elfjährige Aussage ein. Als der Politiker zu relativeren und in den damaligen Kontext einzuordnen versucht, drückt Schawinski einfach noch einmal auf sein iPad und spielt die Videosequenz ein zweites Mal ab.

Zum eigentlichen Thema der Sendung, den Deutschen in der Schweiz, haben die beiden nichts Neues zu sagen. Mörgeli weist gleich zu Beginn der Sendung den Vorwurf zurück, wegen seiner Nicht-Berufung auf einen Lehrstuhl vor zwei Jahren die Kampagne gegen Deutsche in der Schweiz losgetreten zu haben. Schawinski wiederum unterstellt Mörgeli einen Hang zur Provinzialität, weil dieser nie im Ausland gelebt hat.

Als das Gespräch schliesslich doch noch in politische Bahnen mündet, dauert es nicht lange, bis es in die unvermeidbaren Untiefen des Privaten und Intimen abgleitet. Diesmal geht es um das Haupthaar des Politikers und die Frage, ob das nun natürlich gewachsen oder künstlich drapiert sei. Bei Mörgelis erstem Auftritt interessierte sich Schawinski für dessen primäres Geschlechtsorgan und allfällige Funktionsstörungen infolge eines Autounfalls. Selbst seinem ärgsten politischen Gegner (wozu Schawinski Mörgeli wahrscheinlich zählt) wünscht man nicht, mit solchen Intimitäten in der Öffentlichkeit konfrontiert zu werden.  Mörgeli nimmt es gelassen und wiederholt zum Schluss nur, was er schon nach dem letzten Auftritt bei Schawinski gesagt hatte: Das Gespräch habe sich angefühlt wie eine Güllendusche.

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Leserbeiträge

Mara Meier 09. Mai 2012, 03:17

„…weil Natalie Rickli … für ein erneutes Aufflackern der Anti-Deutschen-Stimmung gesorgte (!) hat“? Bitte nicht korrigieren. Ist lustig.

Die groteske Güllendusche Nr. 2 und das – bei aller Abneigung gegen die politischen Positionen – souveräne Tefloverhalten des Herrn Mörgeli macht „den Mann mit der Frisur“ irgendwie, ja, ähm: sympathisch? So sägt der Buddhist Schawinski einer armen Zuschauerin, die sich für unbestechlich hielt, die Hosen ab.

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Uli HUber 09. Mai 2012, 03:35

Mörgeli will eine möglichst schwache Regierung? Das hatten wir doch schon mal: Als der machtgeile Versager Blocher im Bundesrat war!

SVP Führer trauen schönen Männern nicht? Kein Wunder, wenn man das hämisch grinsende Ohrfeigengesicht eines Fehr sieht oder den potthässlichen Chüngelgrind von Blocher…
Sollten wir nicht eher einer schönen SVP- Frauen misstrauen?
Rickli ist eine Katastrophe für freund-nachbarliche Beziehungen mit Deutschland. Stammen nicht auch die Blochers auch von dort?

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Herbert Urfer 11. Mai 2012, 12:46

Der Schawinski ist so etwas wie der Heino der Talkmaster. Seit Jahren hat er seine Interviewer-Gepflogenheit beibehalten, bringt keinen neuen Stil und schafft es trotzdem immer noch, ein paar Zuseher/Zuhörer vor den Bildschirm zu locken.

Den Mörgeli kann man mögen oder ablehnen; aber wenn er sich mit Schawinski duelliert, ist er auch bei Mörgeli-Gegnern auf der Gewinnerseite…

Fazit: Selbst-Beweihräucherung des Talkers ohne neue Erkenntnisse zum Gast.
*gähn!

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