von Matthias Strasser

«Nicht entmutigen lassen»

Nach dem Vorbild der deutschen Jugendmedientage hat der Verband Junge Medien Schweiz am vergangenen Wochenende nach Zürich eingeladen. Über 70 junge und angehende Journalistinnen und Journalisten folgten dem Aufruf. Sie vernetzten sich untereinander und mit den Grossen der Branche. Im Zentrum der vielfältigen Diskussionen stand immer wieder die Frage, wie der Berufseinstieg gelingt.

Das Publikum klatscht lange. Elia Blülle, Mitorganisator und Sprecher der ersten Schweizer Jugendmedientage dankt dem Organisationskomitee für den grossen Einsatz. Die tiefen, schwarzen Augenringe reichen als Bestätigung für den geleisteten Einsatz. Das Team um Dominik Galliker und Luzia Tschirky brachte nach zehnmonatiger Vorbereitung am vergangenen Wochenende junge Medienschaffende aus der Deutschschweiz mit gestandenen Berufsleuten zusammen.

Die Erwartungen haben sie erfüllt. «Wir haben bisher ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten», sagt Co-Projektleiterin Luzia Tschirky einen Tag nach dem Anlass. «Nach diesem Erfolg hoffen wir natürlich, den Anlass langfristig in der Schweiz etablieren zu können.» Interesse besteht jedenfalls: Der Anlass in Zürich war komplett ausgebucht. Und den hohen Ansprüchen an sich selbst sind die Organisatoren gerecht geworden. «Einzig am Freitag hatten wir zu wenig Apéro», so Tschirky.

Viel vorgenommen hatte sich auch OK-Mitglied Konrad Weber: Für das Podium vom Freitagabend wollte er nicht weniger, als Hansi Voigt, dem scheidenden Chefredaktor von 20 Minuten Online, entlocken, wo er künftig arbeiten werde. «Das war mein Anspruch», so der Multimedia-Redaktor von SRF.

Weber hatte Erfolg. Nachdem er Hansi Voigt mit dem Hinweis auf den freien Chefredaktoren-Posten bei Zeit Online aufs Glatteis geführt hatte, war schnell klar, dass Voigt zumindest intensiv über ein Engagement beim deutschen Onlineportal nachgedacht hatte. Verständlicherweise wollte er nicht definitiv Stellung beziehen, es bestehe aber beiderseits Interesse.

Neben der Podiumsdiskussion hatten die jungen Journalisten die Gelegenheit an Tischgesprächen und bei Redaktionsbesuchen mit gestandenen Medienmachern ihr Netzwerk aufzubauen und zu erweitern. In Workshops gab es die Gelegenheit diverse Formen der Berichterstattung zu erlernen und auszuprobieren. So bestand während des gesamten Wochenendes ein eigens eingerichteter Newsroom, der online und mit einer zweimal erscheinenden Zeitung «Zooom!» vom Anlass berichtete.

Nicht zuletzt ging es immer wieder um die Frage, was junge Journalisten heute für den Berufseinstieg mitbringen müssen. Die Antworten waren so vielfältig wie die eingeladenen Gäste. Bertram Weiss, GEO-Redaktor, fordert in erster Linie Motivation und Durchhaltewillen. Man solle sich von dem, was man heute in einer Redaktion erlebt, nicht entmutigen lassen.

Und MAZ-Studienleiterin Alexandra Stark gab zu bedenken, dass auch junge Journalistinnen und Journalisten ihr Smartphone zwischendurch abstellen können müssen. Zeit für Erholung oder einen Kaffee in der Sonne sei wichtig. Vielleicht nehmen sich die Organisatoren diesen Ratschlag ja erstmal zu Herzen. Auf dass die schwarzen Augenringe wieder verschwinden mögen.

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