«Seien wir nett zur Zukunft»

Bücher
Claude Bürki, 9. September 2015, 11:20

Wir hatten es kürzlich bereits davon auf dieser Seite: Warum Print vielleicht doch bewahrt werden sollte. Nun scheint es gerade wieder en vogue zu sein, sich auf die Tugenden der gedruckten Zeitung zurückzubesinnen. Hermann Petz sieht darin sogar die Zukunft – aber dafür muss Print einiges besser machen als heute.

Wenn ein Zeitungsmacher ein Buch mit diesem Titel schreibt, liegt der Verdacht nahe, dass er die gedruckte Zeitung lobhudeln will. Man kann es ihm nicht verdenken: Denn der Autor des Buches, Hermann Petz, ist Vorstandsvorsitzender der österreichischen Unternehmensgruppe Moser Holding AG. Er lässt es indes nicht bei schierer Lobhudelei bewenden, so ist das nicht. Vielmehr stellt er sich auch die Frage, was eine gedruckte Zeitung in Zukunft besser machen könnte. Und er stellt fest, dass eine gut gemachte, gedruckte Zeitung Garant für den Online-Erfolg sein kann. Er ist zudem der dezidierten Meinung, dass die Printmarke eine digitale Zeitung «branden» hilft und ihr zu einem positiven Image im Netz verhilft. Aber er schreibt auch: Nur grosse oder spezialisierte journalistische Marken verdienen ihr Geld im Netz.

Als Zeitungsmann wartet er – ohne zu langweilen – mit Thesen auf, die seines Erachtens die Zukunft einer Zeitung festigen. Petz liefert mit diesen und vielen anderen Thesen, die das Buch besonders lesenswert machen, hohen Erkenntnisgewinn für alle, die sich mit der Qualität des Journalismus’ – online oder offline – befassen. Der ausführlichen Beschreibung und Wertung der verschiedenen Online-Geschäftsmodelle entzieht sich der Verfechter des gedruckten Wortes ebenfalls nicht, und er schlägt sogar versöhnliche Töne an: «Seien wir nett zur Zukunft»; denn eine Hoffnung sei es zwar, dass die Menschen in Zukunft vielleicht mehr als heute gewillt seien, für Inhalte im Internet zu bezahlen. Doch es würden andere Massstäbe an die Storys im Netz gelegt. Eine fade Tortengrafik hole keinen Leser hinter dem Ofen hervor. Und: Die gedruckte Zeitung sei das Medium der Klugen, aber wenn es die nicht mehr gebe (die Klugen), habe auch die beste Zeitung keine Chancen mehr. Und er gibt – auf der vorletzten Seite des Buches – zu bedenken: «Meist fehlt denjenigen Menschen, die sich nur noch im Netz informieren, die Zeit, der Informationsflut überhaupt gerecht zu werden – geschweige denn, sich mit den Inhalten, Quellen und Intentionen des dort Gefundenen auseinandersetzen zu können.»

Print gewinne, so Petz, in allen Kategorien, inklusive der Werbung. Die gedruckte Tageszeitung liege immer noch vor dem digitalen Auftritt, auch was Werbewirksamkeit anbelange. «Ein Faktum, das vor allem Werber, die bislang noch vor allem auf Verbreitung über digitale Kanäle setzen, stutzig machen sollte.» Petz setzt in seinem Buch Fakten gegen Mythen und zeigt: Print lebt – und wie!

Die Medienlandschaft hat sich stark verändert. Dennoch ist die Bedeutung von Print ungebrochen. Print und Internet erfüllen unterschiedliche Leserbedürfnisse und Print hält sich auch in einer digitalisierten Welt als Basis für Qualitätsjournalismus: als Plattform professioneller Themenfindung, Recherche und Selektion, als redlicher Welterklärer.

Gewidmet ist das Buch allen Qualitätszeitungen und insbesondere der «Tiroler Tageszeitung» anlässlich ihres 70. Geburtstags. ISBN 978-3-7099-7199-4, erschienen im Haymon-Verlag.

Claude Bürki

Claude Bürki

Kommunikationsberater und Publizist

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