Streit um Strategie: Direktorin geht

Verena Vonarburg
Nick Lüthi, 25. November 2015, 17:04

Nach zwei Jahren als Geschäftsführerin des Verbands Schweizer Medien wird Verena Vonarburg ab kommenden Frühjahr für Ringier als Cheflobbyisten arbeiten. Sie wechselt damit zu jenem Unternehmen, das den Verlegerverband im Streit verlassen hatte.

Üblicherweise wählen Zurücktretende salbungsvolle Worte, würdigen ihren bisherigen Arbeitgeber, loben die gute Zusammenarbeit, selbst dann, wenn man sich nicht in gegenseitigem Einvernehmen getrennt hat. Verena Vonarburg dagegen spricht Klartext über die Gründe ihres Rücktritts als geschäftsführende Direktorin des Verbands Schweizer Medien VSM: «Nach meinem Dafürhalten täte der Verband gut daran, stärker nach Verbündeten Ausschau zu halten und konstruktiv-innovativ zu Gunsten des Medienplatzes Schweiz unterwegs sein.»

Die Sätze versteht, wer ihren künftigen Arbeitgeber kennt. Kurz nach der Mitteilung des VSM teilte Ringier mit, dass Verena Vonarburg ab Frühjahr 2016 den neu geschaffenen Posten eines Head of Public Affairs Ringier Group (deutsch: Cheflobbyistin) bekleiden wird. Damit wechselt Vonarburg zu jenem Medienhaus, das den Verlegerverband jüngst im Streit verlassen hatte. Ringier entschied sich für den Alleingang, weil das Unternehmen zusammen mit Swisscom und SRG eine Werbeallianz geschmiedet und dies an der Verbandsspitze zu empörten Reaktionen geführt hatte. Insbesondere Tamedia sieht im Joint-Venture einen medienpolitischen Affront und hält Ringiers Engagement für einen «Verrat».

Eine Haltung, die Verena Vonarburg so nicht teilt, aber als Geschäftsführerin mittragen musste, zumal nach dem Ringier-Austritt die Tamedia-Haltung zur dominanten wurde. In ihrem Rücktrittsschreiben ans Verbandspräsidium schreibt Vonarburg: «Ich bin nicht der Meinung, dass das geplante Joint Venture die Existenz der privaten Medien in der Schweiz in Frage stellt.» Vielmehr sieht die scheidende Direktorin in der Werbeallianz auch Chancen: «Wo sich Kooperationschancen zugunsten des Medienplatzes Schweiz bieten, sollte man diese erst einmal nüchtern prüfen, statt reflexartig gegen einen vermeintlichen Verrat opponieren.» Zusammen mit Verbandspräsident Hanspeter Lebrument habe sie versucht, die Wogen zu glätten, was aber nun offenbar nicht gelungen ist. Deshalb habe sie sich für den Rücktritt entschieden. Es sei an der Zeit, dass jemand die Geschäftsleitung übernehme, «der die Haltung des Verbandes vollumfänglich teilt.»

Damit wird sich die Tamedia-Linie innerhalb des Verbands durchsetzen. Ob dies im Interesse der gesamten Branche ist, die der VSM repräsentierten sollte, darf allerdings bezweifelt werden. Der Konfrontationskurs gegen die Werbeallianz im Allgemeinen und die SRG im Speziellen könnte sich zu einem nervenaufreibenden, aber wenig zielführenden Kleinkrieg entwickeln, wie ihn der Verband in der Vergangenheit bereits gegen Google geführt hatte – nur um nach Jahren zu merken, dass Kooperation doch mehr bringt als Konfrontation.

Der Abgang Vonarburgs bedeutet für den Verlegerverband einen herben Verlust. In den knapp zwei Jahren ihres Wirkens hat sich die langjährige Journalistin nach Kräften darum bemüht, der Branchenorganisation ein moderneres Gesicht zu geben. Mit neuen Kommunikationsmitteln und Kampagnen ist das ganz gut gelungen. Auch als Lobbyistin konnte die in Bundesbern gut vernetzte Vonarburg ihr Gewicht in die Waagschale werfen und diskret hinter den Kulissen wirken. Das Rüstzeug dazu hatte sie vor der Verbandsarbeit als PR-Beraterin in der Agentur Furrer Hugi & Partner erworben. Davon wird nun auch ihr neuer Arbeitgeber Ringier profitieren.

Nick Lüthi
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Nick Lüthi

Leiter MEDIENWOCHE

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