Ein Leben ohne ist möglich. Aber nicht sinnvoll.

Nik NIethammer
Nik Niethammer, 15. Februar 2016, 10:18

Zeig mir deinen Homescreen und ich sage dir, wer du bist oder zumindest: wie du dich digital organisierst. Ein Blick auf das Smartphone unseres Kolumnisten zeigt vor allem eins: Der Mann hält Ordnung. Keine unbeantwortete Meldung, «Inbox zero» ist möglich.

Neulich fiel einer Kollegin das Handy ins Klo. Sehr grosse Aufregung, Wehklagen, Weltuntergangsstimmung. Ohne ihr Handy sei sie nichts. Nein: weniger als nichts. Vom Leben abgetrennt. Wie furchtbar, sagen die einen. Wie angenehm, die anderen.

Aber jetzt mal ehrlich – Hand hoch: Wer mag sein Handy nicht? Frei nach Loriot – ein Leben ohne ist möglich. Aber nicht sinnvoll. Mein Hosentelefon ist mein Alleskönner, ist mobiles Büro, Notizzettel, Archiv, Kamera, Radio, Agenda, Kompass, Taschenlampe, Höhenmesser. Kürzlich habe ich mit meinem Handy einen Nagel eingeschlagen. Ach ja, und telefonieren kann es auch.

Auf meinem Iphone 6 sind jetzt gerade 134 Apps installiert. Ich habe 16’391 Fotos abgelegt und 577 Videos, die insgesamt 73 GB belegen. Ich habe meinen Homescreen straff geordnet und schichte selten um. Wenn doch, muss es gute Gründe geben – ich hab schon den ganzen Screen wieder umgebaut, weil mich eine App am neuen Ort gestresst hat.

Mein Homescreen ist eher klassisch aufgebaut: Facebook (2066 Freunde, keine Anfragen ausstehend), Twitter (718 Follower, ich folge 891), LinkedIn (2020 Kontakte) und Xing (498 Kontakte). Die Auswahl der Bilder für unser ElternMagazins organisiere ich via Dropbox. Mit WhatsApp kommuniziere ich privat und beruflich; auch das Telefonieren funktioniert erstaunlich gut. Ich will mir allerdings nicht vorstellen, wer da alles mithören kann.

In meinem Mail-Account herrscht Ordnung wie im Feinkostladen. Im Posteingang hängt keine einzige ungelesene Nachricht, obwohl 15 Newsletter und durchschnittlich 60 Mails pro Tag eingehen. Ich versuche jede Nachricht innerhalb eines Tages zu beantworten. Immer mit Anrede. Immer mit Betreff. Oft schick ich sofort eine kurze Statusmeldung: «Ich habe Ihre Mail erhalten, melde mich später.» Mit Notizen organisiere ich meine Projekte und Ideen. Hatte ich früher stets Stift und Notizblock dabei, tippe ich heute to do-Listen, Einkaufszettel, kluge Gedanken und die Geburtstagswunschzettel unserer Kinder in mein Handy.

Meine Lieblingsapp derzeit: Hipstamatic; Objekt «Jane», Film «Blanko». Hat die meisten Filter, macht die besten Bilder – grossartig. Shazam verzückt mich beinahe täglich. Ich liebe Musik, habe die App in unmittelbarer Daumennähe platziert. Shazam ist mit Spotify verlinkt; meine Playlist umfasst aktuell 749 Titel, täglich kommen neue dazu. Wann ich zum letzten Mal eine CD gekauft habe? Das muss Jahre her sein. «Globi bei der Feuerwehr» – für unsere Kinder. Spotify-Premium lasse ich mir 9,99 Euro/Monat kosten; ich würde auch das doppelte bezahlen. Eine Kritik? Ich mag den Song «Wild Horses» von Mick Jagger. Kein Treffer auf Spotify. Schade, der Titel wurde nicht freigegeben. Vielleicht kann mal jemand Mick sagen, er soll sich nicht so anstellen.

Auf Seite 2: Pinterest, Instagram. Periscope, (coole Sache, ich hab mir kürzlich ein Live-Konzert von AC/DC in Adelaide angesehen), Snapchat, Snapseed, Vimeo, und Flickr. Ich bin auf allen Plattformen angemeldet, stöbere regelmässig drauf rum.

Unterwegs lese ich am liebsten Süddeutsche Zeitung, Spiegel online, BILD, NZZ und Tages-Anzeiger. Ich habe mehr als 40 Zeitungs- und Zeitschriften-Apps installiert. Blendle, Flipboard und Issuu sind meine Favoriten.

Einige Seiten steure ich regelmässig via Browser (Firefox) an: serienjunkies.de (macht die besten Recaps meiner Lieblingserien Fargo, The Bridge und Narcos), radsport-news.com (alle News rund um den Radsport) und den neuen Blog von Stefan Niggemeier uebermedien.de («Wir wollen Medien besser kritisieren»).

«10 vor 10» und «heute-show» schaue ich auf Zattoo (der Premium-Dienst kostet 99,99 Euro/Jahr), die Radklassiker und die Tour de France auf dem Europlayer von Eurosport – dafür lass ich 59,99 Euro/Jahr springen. Ich nutzte regelmässig die Mediatheken von SRF, ARD und ZDF, die Radioapp von SRF3 (warum stürzt die so oft ab?) und von SWR3 – mein Lieblingssender mit meinen Lieblingsmoderatoren Kai Karsten und Kristian Thees. Ich bin mit Frank Laufenberg und Elmar Hörig gross geworden – die reiferen Leser unter Ihnen werden sich erinnern…

MountainBike Pro trackt meine BikeTouren – seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 2014 hab ich exakt 142’358 Höhenmeter in den Beinen. Spiele? Fehlanzeige. Halt, nein, da ist ein Spiel, die Ski Challenge von Swisscom. Nutz ich allerdings selten. Kann süchtig machen.

Nik Niethammer

Chefredaktor Elternmagazin Fritz+Fränzi. Zuvor Chefredaktor TeleZüri/Tele24, Sat.1, Schweizer Illustrierte, Radio 1.

  • Artikel teilen, weiterleiten, drucken


  •  


Schreiben Sie einen Beitrag
  • (wird nicht veröffentlicht oder weitergegeben)
  • *Pflichtfelder
  • E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren zu diesem Beitrag abonnieren.

Leserbeiträge


  1. Pierre Rothschild, 17. Februar 2016, 14:38

    Schön, dass es Leute gibt, die - wie ich - am gleichen Tag alle Mails beantworten. Noch nie war es so einfach, einen "Brief" zu beantworten.... Ich verstehe die vielen Kollegen nicht, die alles liegen lassen und sich Tage später melden.

    Denn die schnelle Antwort ist nicht nur Anstand, sie ist auch Kontrolle. Wichtige Mails können auch mal unter "Spam" und "Werbung" verschwinden. Ein schneller Dialog ist auch hier wesentlich. image description

    Antworten...