von Nick Lüthi

Ein geschlossenes Grünbuch

Die SRG hat ein Papier zur Service-public-Debatte veröffentlicht. Anders als es die Deklaration vermuten lassen würde, handelt es sich weniger um einen Diskussionsbeitrag als um ein Positionspapier: Hier stehen wir und hier wollen wir bleiben.

An öffentlichen Dokumenten, was die SRG macht, wofür sie steht und wie sie sich und ihre Zukunft sieht, mangelt es fürwahr nicht. Sei es im jährlichen Geschäftsbericht auf der Unternehmensseite im Web, den Publikationen der Trägerschaft oder mit interaktiver Grafik legt die SRG regelmässig Rechenschaft ab über ihr Tun und erklärt sich wortreich.

Nun kommt ein weiteres Dokument dazu – nicht irgendeines, sondern ein «Grünbuch», also ein Diskussionspapier in der Tradition der sogenannten Farbbücher. Dasjenige der SRG heisst: «Für alle – Wofür wir einstehen. Wie wir handeln. Was wir versprechen.» Die 44 Seiten der SRG lesen sich über weite Strecken als Zustandsbeschreibung und Existenzlegitimation, ergänzt um ein paar Zukunftsversprechen: Die SRG als tragende Säule der direkten Demokratie, als Garant für gelebte Solidarität zwischen den Sprachregionen, als Bollwerk in einer auseinanderdriftenden Medienlandschaft. Um all das auch weiterhin gewährleisten zu können, müsse man vor allem das junge Publikum mit massgeschneiderten Angeboten erreichen. Die Mischfinanzierung aus Gebühren und Werbung bringe nur Vorteile für alle Akteure. Kurz: Einen starken Medienplatz Schweiz gibt es nur mit einer starken SRG.

Die SRG verkauft sich gewieft und gekonnt, das Grünbuch kommt als fundiertes und fulminantes Plädoyer für ein Weiter-wie-bisher daher. Nur: Taugt das Dokument, wie es vorgibt, auch als Diskussionsbeitrag? Natürlich hängt das nicht allein vom Absender ab, sondern ebenso von den Adressaten, in diesem Fall von Politik, Gesellschaft und der privaten Konkurrenz der SRG.

Da in dem neuen Dokument lediglich wiederholt und an einem Ort zusammentragen wurde, was die SRG und ihre Exponenten in den letzten Monaten und Jahren bereits zigfach kundgetan haben, werden sich auch allfällige Reaktionen auf das Grünbuch, so sie denn erfolgen, in bekannten Bahnen bewegen.

Bis jetzt, gut eine Woche nach Veröffentlichung, ist es trotz Begleitkommunikation mittels eines Medienfrühstücks und dem wohl nicht ganz zufällig terminierten Auftritt von SRG-Generaldirektor Roger de Weck in der Talk-Show «Schawinski», ruhig geblieben. Ein paar Zeilen in ein paar verstreuten Medien war bisher alles, was das Diskussionspapier an Reaktionen auszulösen vermochte. Das ist selbstverständlich nicht der alleinige Massstab für die Wirkung des Papiers, könnte aber darauf hinweisen, dass ein eigentliches Diskussionsangebot fehlt. Vor uns liegt ein geschlossenes Grünbuch, kein offenes.

Angesichts der vielen Unbekannten auf dem Weg in die nähere und fernere Medienzukunft irritiert die Gewissheit mit der die SRG ziemlich genau zu wissen vorgibt, wie sie ihren Weg gehen wird. Einem Unternehmen, das «allein den Menschen in diesem Land» gehört, wie die SRG einleitend zum Grünbuch festhält, und sich «nur ihnen verpflichtet» sieht, stünde es gut an, in einem Diskussionspapier einen offeneren Horizont zu zeichnen.

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