von Journalismus Y

Zum Ende von Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine

2016 war bisher ein schlechtes Jahr für Jugendmedien: Mit Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine wurden gleich drei Projekte aus wirtschaftlichen Gründen beerdigt. Doch braucht es überhaupt Medien speziell für Jugendliche? In der aktuellen Episode unseres Podcasts «Journalismus Y» lassen die Autoren ehemalige Mitarbeitende der drei eingestellten Medien zu Wort kommen und diskutieren über das Potenzial einer Publizistik für die junge Zielgruppe.

Das liebe Geld

Bei Joiz kam das Ende relativ abrupt: Im Sommer 2016 zog sich ein grösserer Investor von der geplanten Finanzierungsrunde zurück. Innert kürzester Zeit hätte man Ersatz finden müssen, was nicht gelang. Und so musste Joiz seinen Konkurs anmelden. Seinem Publikum mitgeteilt hat Joiz diese schlechte Nachricht per Facebook-Live-Hangman. Am nächsten Morgen kamen bereits die Konkursverwalter.

Beim Young Swiss Magazine vollzogen sich die Schritte eigentlich sehr ähnlich, nur langsamer. Bis 2014 wurde Young Swiss (früher Euro26) von der Mobiliar als Hauptsponsor getragen. Alle jungen Mobiliar-Kunden waren automatisch Mitglied, bekamen das Magazin nach Hause und weitere Vorteile, z.B. gratis Eintritt in über 150 Museen der Schweiz.

Medien nicht mehr nötig

Besonders interessant ist der Hauptgrund, weshalb die Mobiliar ihr Sponsoring beendete: «Viele Firmen suchen heutzutage nicht mehr einen externen Partner um junge Leute zu erreichen, sondern bauen eigene Kanäle auf.»

Sie müssen dafür heute nicht mehr den Umweg über die Medien nehmen, sondern können diese Kontaktaufnahme selbst bewerkstelligen. Auf ihren Websites, zum Beispiel mit Content Marketing, oder aber in den sozialen Medien.

Mit der Mobiliar fielen auch die meisten Mitglieder von Young Swiss weg. Sie hätten ihr Abo aktiv verlängern und selber bezahlen müssen. Nur wenige taten das aber auch. Also hätte das Magazin potenzielle neue Leserinnen und Leser ansprechen und bekannter werden müssen. Carole Barmettler muss rückwirkend feststellen: «Das ist uns letztlich nicht gelungen.»

«Handbremse» bei NZZ Campus

Bei NZZ Campus war es kein Investor, der sich zurückzog, sondern das Mutterhaus. Am 27. Oktober zitiert es seinen Geschäftsführer Steven Neubauer: «Das Magazin hatte im Werbemarkt nicht den gewünschten Erfolg. Zudem blieb der Transfer von ‹NZZ Campus› zur ‹Neuen Zürcher Zeitung› und zur ‹NZZ am Sonntag› hinter den Erwartungen.»

SRF interviewte daraufhin den ehemaligen Chefredakteur Ronald Schenkel. Er beklagte im Interview, dass NZZ Campus durchaus auf einem guten Weg gewesen sei, aber zu wenig Unterstützung von oben erhalten habe: «Wenn man mit angezogener Handbremse fährt, dann geht’s einfach nicht.»

Die Parallelen – Die Unterschiede

Die Mobiliar, die NZZ und ein unbekannter Investor, der sich bei Joiz zurückgezogen hat: Sie alle glaubten nicht mehr an eine rentable Zukunft der drei Jugendmedien. Die NZZ versuchte, mit dem Campus ein jüngeres Zielpublikum zu erreichen als bei ihren Hauptmedien. Dies gelang ihr durchaus, aber offenbar stimmte für den Verlag der Return on investment nicht.

Das Fazit

Uns führte die ganze Diskussion zu einer zentralen Frage:

Braucht es denn Medien speziell für Junge?

Oder muss vielleicht nicht eher die Lebenswelt der unter 35-Jährigen in «normalen» Publikationen stärker stattfinden?

Wir waren uns nicht ganz einig, aber hört selbst und diskutiert vor allem mit. Was denkt ihr?

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Leserbeiträge

simon 26. November 2016, 07:42

schönes Feature!

(ja, Musik war ok, da es ein Feature war (mit O Tönen und so). Bei reinen Diskussionspodcasts bitte weglassen.)

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Robert Vogel 28. November 2016, 08:29

Ja, es bräuchte Medien für Junge Leute. Nur kann die Finanzierung nicht mit den üblichen Quellen erfolgen.
Auf der Grafik können Sie sich die Geldquellen aussuchen.
https://swisspropaganda.wordpress.com/das-netzwerk/#weiterlesen

Bei Abstimmungen könnte mann, wenn man es denn auch möchte, die massiv veränderten Lebenseinstellungen der Jungen Menschen sehen.

http://dasnetz.net/2016/alte-frauen-lieben-ueberwachung-junge-leute-hassen-ueberwachung/

Alte Leser glauben noch was in der Zeitung steht. Junge wissen das es meist totale Propaganda ist.
Die US-Amerikanischen Medeien/Rüstungskonzerne gehen gerne an die Beerdigung von Schweizer Medienhäuser und füllen fortan ihre Google/Facebookkassen und können dem eigenen Zensor langsam die Zügel lockern.

Schade für die Blätter. Nur hatten sie jemals eine Change?

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Ueli Custer 29. November 2016, 05:16

„Junge wissen, dass das, was in der Zeitung steht, meist total Propaganda ist“. Mit andern Worten: Dieses faktenfreie, aus dem Ausland importierte „Wissen“ ist mindestens für Simon Tatsache.
Mir graut vor einer direkten Demokratie in der eine Mehrheit solche hohlen Behauptungen glaubt. Wahrscheinlich glauben diese Leute, dass irgend eine graue Macht die Hirnzellen aller Journalistinnen und Journalisten „gehackt“ hat sodass sie jetzt alle das denken, was ihnen irgendeine geheime Macht einprogrammiert. Auch Junge sollten den Unterschied zwischen Computern und Menschen kennen…

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