von Nick Lüthi

Leider nur gut gemeint

Der Verband Schweizer Medien setzt zur Ehrenrettung der Branche an und behauptet einfach mal: «Fake News? Nicht in der Schweizer Presse». Eine unnötige und kontraproduktive Kampagne.

Das Gegenteil von gut ist bekanntlich nicht schlecht, sondern gut gemeint. Gut gemeint ist auch eine aktuelle Kampagne des Verbands Schweizer Medien gegen «Fake News». Die Kernbotschaft, welche der Verlegerverband auf Inseraten vermitteln will, lautet: «Fake News? Nicht in der Schweizer Presse». In der penetranteren Variante prangt der Slogan prominent auf Inseraten mit einer Ergänzung im Kleingedruckten, wonach Glaubwürdigkeit an erster Stelle stehe und die Schweizer Medien dafür sorgten, dass man Lügen von Fakten unterscheiden könne. In der diskreteren Version stehen die Aussagen prominenter Personen im Zentrum, welche «die Wichtigkeit einer funktionierenden Medienlandschaft darlegen» sollen.

Zwar gibt es nichts dagegen einzuwenden, wenn sich eine Branchenorganisation für die Sache ihrer Mitglieder stark machen will, das ist ihre Aufgabe. Aber die Glaubwürdigkeit und Professionalität der Medien verteidigen zu wollen unter Verwendung eines dermassen breitgetretenen Reizbegriffs wie «Fake News», grenzt an grobe Fahrlässigkeit. Als «Fake News» geht heute alles durch von politischer Propaganda bis Flüchtigkeitsfehler. Anstatt eine positive Botschaft ins Zentrum zu rücken, nämlich das Bemühen um Faktentreue und Wahrhaftigkeit, prangt nun unter einem Vergrösserungsglas der abgelutschteste aller Schmähbegriffe.

Richtig problematisch wird es mit dem zweiten Teil des Slogans: «Fake News? Nicht in der Schweizer Presse». Heisst: Wir sind fehlerfrei. Nun braucht niemand eine Lupe zu nehmen, um tagtäglich kleinere und grössere Verfehlungen in Schweizer Medien zu finden. So verkommt die gut gemeinte Kampagne zum Bumerang. So lange nur schon ein simples Korrigendum zu viel verlangt scheint, wirft das ein schlechtes Licht auf das Qualitätsverständnis. Und irgendwo ruft bestimmt einer: Fake News!

Zielführender wäre es, die Arbeitsweise der Medien zu erklären, zum Beispiel Tage der offenen Redaktionstür zu organisieren, Making-of von – verunglückten – Recherchen zu publizieren und grundsätzlich eine aktivere Fehlerkultur zu pflegen. Aber das lässt sich halt nicht auf einen simplen Slogan reduzieren und kostet ein bisschen mehr als ein paar Füllerinserate zu texten. Vom klammen Verlegerverband darf man nicht mehr erwarten. Der Ball liegt bei den Redaktionen. Als erster Schritt könnten sie darauf hinwirken, dass die Inserate in ihren Medien nicht veröffentlicht werden.

Kommentieren

*Pflichtfelder

Ihre Persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben.

Leserbeiträge

Andreas Häuptli 17. März 2017, 02:05

Unter „Fake News“ verstehen wir absichtlich lancierte Falschinformation. In der Schweizer Presse ist dies nicht der Fall – gedruckt und digital. Es wird nach journalistischen Grundsätzen gearbeitet. Auch dann passieren noch Fehler, das ist so, und wohl kaum vermeidbar. „…Arbeitsweise der Medien erklären…“: In den Inseraten wird diese Arbeitsweise kurz und knapp erklärt.

Antworten...

Raphael Lüthi 20. März 2017, 07:23

Ich bin mir sicher das die schweizer Medienhäuser sich absichern gegen plumpe „fake news“ Artikle. Wenn ich mir ein Beispiel an die SRF nehme, finde ich das sie eher zu den Leitmediendazu gehören. Ich sehe eher das sie lückenhaft die Schweizer Bevölkerung informieren.

Man möge sich an den furchtbaren Berichten aus Aleppo errrinern. Immer mit der Aussage: Machthaber Assad der Schlächter und die indiskriminierende Bombadierung der Russen.

Hören wir was in Mossul läuft oder was mit Yemen ist?

Nichts von der SRF.

Ist es weil die „Guten“ dort am Morden sind?

Lückenpresse ist genau so perfide wie Lügenpresse.

Antworten...