von Nina Fargahi

In den Ferien den «Medienhype» aussitzen?

Der Gemeindeammann von Buchs weilt in den Ferien und wünscht sich, der Fall der nicht eingebürgerten Funda Yilmaz möge nur ein Medienhype gewesen sein. Doch hier geht es nicht um eine aufgebauschte Skandalisierung, sondern um die legitime Thematisierung des Skandalösen.

«Was die Appenzeller beim Frauenstimmrecht, sind nun die Buchser bei der Einbürgerungspolitik: die Dorftrottel der Weltpresse.» Das schreibt Patrick Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Wochenende».

Und tatsächlich, Buchs ist seit dem Fall von Funda Yilmaz weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Vielgelesene und renommierte News-Portale wie der «Guardian» und der «Spiegel» haben ausgesprochen negativ über die Einbürgerungspolitik der Gemeinde berichtet.

Urs Affolter, der Gemeindeamman von Buchs, sprach in der «Aargauer Zeitung» von einem «Medienhype». Ein Medienhype bezeichnet in der Kommunikationswissenschaft eine massive Berichterstattung, in deren Fokus Dringlichkeit und Relevanz eines Themas übertrieben werden. Eine aufgebauschte Skandalisierung in den Medien also.

Verständlich, dass Gemeindeammann Affolter hofft, die Medienberichterstattung zum Fall Funda Yilmaz möge versiegen – und damit auch sein Problem aus der Welt verschwinden. Schliesslich trägt er als höchster Buchsemer die Verantwortung dafür, dass die Einbürgerungskommission seine Gemeinde weltweit in ein schiefes Licht gerückt hat. Buchs steht nun als Inbegriff schweizerischer Intoleranz. Selbst einige SVP-Politikerinnen halten das Vorgehen der Buchser Einbürgerungskommission für unhaltbar. Fragt sich, welche Konsequenzen Gemeindeammann Affolter aus diesem Fall ziehen will, und ob er an einen Rücktritt denkt.

Allerdings weilt der FDP-Lokalpolitiker seit zwei Wochen in den Ferien – ohne Abwesenheitsmeldung. Die Gemeindekanzlei lässt ausrichten, dass man «zum Thema Einbürgerungen keine Stellung mehr nimmt». Eine allzu behagliche Haltung, während die Zeichen auf Sturm stehen.

Im Unterschied zu kurzlebigen Medienhypes rückt dieser Fall medial das Thema der Schweizerischen Einbürgerungspraxis in den Fokus. Ein offenbar gärender und beschwiegener Missstand tritt an die Oberfläche, wobei die Medien als Katalysatoren fungieren. Absurditäten in der Politik offenzulegen, gehört zur journalistischen Aufklärungsarbeit. Auf Missstände zu reagieren und die Verantwortung für seine Behörden zu tragen, gehört zum Pflichtenheft eines demokratisch gewählten Würdenträgers. Insofern kann nicht von einem Medienhype gesprochen werden, sondern von notwendiger Kritik und offenbar fehlender Einsicht der Gemeindeleitung von Buchs.

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