von Nina Fargahi

«Achtung! Unbestätigt, bitte selbst recherchieren!»

Politische Fake News sind darauf ausgelegt, dass man sie möglichst reflexartig teilt. Nur so erreichen sie ihre manipulative Wirkung. Der pseudo-kritische Hinweis beim Teilen, wonach es sich um unbestätigte Meldungen handeln könnte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil.

«Bürgerkrieg in Süditalien», lautet die Schlagzeile eines flüchtlingsfeindlichen «Berichts», wonach sich in Italien «blutige Auseinandersetzungen zwischen illegal eingereisten Nordafrikanern und der einheimischen Bevölkerung» zugetragen haben sollen. Es ist gar von Kopfschüssen die Rede, von hilfloser Polizei, von Reisewarnungen. Migranten würden «die Armee angreifen». Auch die Mafia sei involviert.

Was wie ein schlechter Thriller klingt, ist natürlich frei erdichtet. Der Bayrische Rundfunk hat sich die Meldung in einem Faktencheck genauer angeschaut und schreibt: «Dieses Szenario ist erfunden.» Die Herkunft des Inhalts sei nicht nachvollziehbar, die Internetseite verfügt nur über ein leeres Impressum.

Eine klassische Fake News also, die darauf ausgelegt ist, eine möglichst grosse Verbreitung zu erreichen. Und tatsächlich wird sie denn auch tausendfach geteilt und verbreitet via Social Media. Auffällig ist nun aber, wie sie geteilt wird. Das geschieht oft mit einem vorangestellten Hinweis auf eine mögliche Falschinformation: Manche kommentieren die Meldung mit: «!Achtung! Unbestätigt, bitte selbst recherchieren!» Oder schreiben: «Trotz Dementi aus Italien stelle ich den Beitrag mit Vorbehalt zur Diskussion.»

Könnte man davon ausgehen, dass durchaus ein Sensorium für Fake News besteht – selbst bei Leuten, die Hetze verbreiten? Ein Hoffnungsschimmer? Oder doch nur eine taktische Masche?

Denn die erfundene Meldung über einen Bürgerkrieg in Italien wird trotzdem geteilt und verbreitet, nur hat man ihr einen seriösen Anstrich verleiht. Man bietet so auch weniger Angriffsfläche. Aber schliesslich geht es weiterhin darum, die eigene angsterfüllte Weltsicht zu reproduzieren, und wenn dabei die Wahrheit auf der Strecke bleibt.

Ein User im Internet, der dieser Fake News auf den Leim gegangen ist, schreibt über den Faktencheck des Bayrischen Rundfunks: «Vielleicht ist diese sogenannte Feststellung eines Fakes ja selbst ein Fake. Das Internet beweist eh nichts! Hier schreibt jeder was er will und jeder glaubt was er will.»

Eine Lüge bleibt allerdings eine Lüge, auch wenn man selbst daran glaubt. Und sie glaubhaft darstellt. Jedenfalls muss die allgemein anerkannte These zumindest relativiert werden, wonach Medienkonsumenten vor der vorsätzlichen Verbreitung von Falschmeldungen zurückschreckten, wenn sie um den Umstand der Fälschung Bescheid wissen. Selbst die nackte Wahrheit scheint manch einem keine Ehrfurcht mehr einzuflössen.

Bild: Montage/DanLuVisiArt, via Deviant Art

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