DOSSIER mit 66 Beiträgen

Satire

JOURNALISMUS

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«Eine Pointe kostet ungefähr 70 Franken»

Ade Sommerpause: Am Sonntag startet die Satiresendung «Giacobbo/Müller» des Schweizer Fernsehens in die neue Staffel. Zeit für ein Gespräch mit dem Winterthurer Kabarettisten Viktor Giacobbo (62).

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Zeitkritik mit Zitterstrich

Der Winterthurer Ruedi Widmer gehört zu den profiliertesten Karikaturisten der Schweiz. Nun hat er ein Buch mit Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren veröffentlicht.

Ist Cervelat-Gate ein Cervelat-Fake?

SVP-Nationalrat Andreas Glarner hatte die Schlagzeilen der Medien auf sicher, als er in einem seiner berüchtigten Facebook-Postings davon berichtete, wie ihn eine Mutter aus dem Aargau anrief und sich beschwerte, dass ihr Kind keine Cervelat-Wurst am Schulfest auf den Grill legen dürfe – aus Rücksicht auf muslimische Mitschüler. Ob es diese Mutter wirklich gibt, weiss bis heute niemand. Nun kommt das Online-Satire-Format «Beta-Show Deluxe» und behauptet: Wir haben Glarner angerufen! Cervelat-Gate als Cervelat-Fake. Überprüfen lässt sich freilich auch das nicht. Es liegt darum genauso die Vermutung auf der Hand, dass die Satiriker als Trittbrettfahrer aufgesprungen sind, zumal sie den Fake-Anruf nirgends dokumentiert haben.

Das Ende der komischen Kunst

Die Süddeutsche Zeitung hat jüngst ihren langjährigen Zeichner Dieter Hanitzsch geschasst, weil dieser den israelischen Premier Benjamin Netanjahu unvorteilhaft dargestellt hatte. Vorwurf: Antisemitismus. Wobei es auch prominente und politisch unverdächtige Gegenstimmen gab. In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung «Der Freitag» nimmt der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Jürgen Roth den Vorgang zum Anlass, den «inquisitorischen Wahn» zu geisseln, der letztlich der politischen Karikatur den Garaus mache. «Es wütet, ausgehend von einer über ihrem Diversity-Mantra verrückt gewordenen, ungebildeten, moralpolitisch verhärteten, feindfixierten postmodernen Linken, ein regressiv-antiaufklärerischer, antiliberaler Opferkult, der die wechselseitige Infantilisierung aller forciert.» Einen Beleg für diese Tendenz sieht Roth in der Forderung eines Feuilleton-Journalisten der Süddeutschen Zeitung, Karikaturen hätten «künftig ganz auf das Stilmittel der Überzeichnung zu verzichten». Damit wäre die komische Kunst in jeglicher Spielart aus der Welt, für immer, so Roth.

Wilder Ritt durch die Medienmisere

Das kann nur «Die Anstalt»: Das Satireformat des ZDF mit Max Uthoff, Claus von Wagner und Gästen – diesmal u.a. Hazel Brugger – bringt ebenso unterhaltsam wie auch faktentreu die real existierende Misere der Medien auf den Punkt. Dabei scheut die öffentlich-rechtliche Sendung auch nicht vor Kollegenschelte zurück. Gleich eingangs der aktuellen Sendung bekommt «Hart aber fair» mit Frank Plasberg ihr Fett weg. Bei der «Anstalt» heisst der Polit-Talk «Hart aber leer» und moderiert wird er von Frank Blasbalg. Und so geht es fünfzig Minuten weiter mit bissiger Satire quer durch die Medienlandschaft.

Satirischer Mordaufruf hat keine juristischen Folgen

Das deutsche Satiremagazin «Titanic» veröffentlichte im letzten Herbst eine Tweet, wo der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz mit einem Fadenkreuz auf der Brust abgebildet war. Dazu der Text: «Zeitreise in Österreich – Endlich möglich: Baby-Hitler töten!» Das ist keine öffentliche Aufforderung zu Straftaten, befand nun ein Gericht in Berlin. Ob es sich um eine Beleidigung handelt, klärten die Gerichte nicht, weil Kurz keinen entsprechenden Strafantrag gestellt hatte.

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So wird die Schweiz pressefrei

Es gibt ihn noch, den guten alten Nebelspalter! Das traditionsreiche Satireblatt fiel in den letzten Jahren immer wieder mit originellen Mediensatiren auf. So auch diesmal zum Tag der Pressefreiheit. Chefredaktor Marco Ratschiller blickt in die Glaskugel und sieht, wo sich die Schweizer Medien bis 2020 hinbewegen: Markus Somm wird Tamedia-Hyperchefredaktor, Watson verzichtet auf Buchstaben und SDA/Keystone wird Parkplatzvermieter, um nur einige Schlagzeilen dieser «vorgezogenen Presseschau» zu nennen. Am Ende bleibt eine pressefreie Schweiz.