DOSSIER mit 103 Beiträgen

Medienfreiheit

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Die Trümmer der türkischen Presse

Am Sonntag wählt die Türkei ihr Parlament und ihren Präsidenten. In den Medien dominierte während des vorgezogenen Wahlkampfes die Stimme der Regierungspartei AKP. Ein weiteres Beispiel für die massive Beschneidung der Medienvielfalt und Pressefreiheit in der bewegten Geschichte der türkischen Medien. Doch der Kahlschlag ist auch das Ergebnis einer langjährigen Medienkonzentration unter starkem staatlichen Einfluss. Weiterlesen …

Journalistenverband vergaloppiert sich nach Babtschenko-«Mord»

Nach der gestellten Ermordung des russischen Journalisten und Autors Arkadi Babtschenko am Dienstag in Kiew, meldete sich der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands DJV umgehend zu Wort und forderte alle EU-Staaten auf, ernsthaft über einen Boykott der Fussball-WM in Russland nachzudenken. Bei Politikern möge eine solche vorschnelle Forderung noch durchgehen, schreibt Velten Schäfer in der Tageszeitung «Neues Deutschland», «nicht aber bei einem Vertreter der auf sich selbst so stolzen freien Presse – schon gar nicht im viel zitierten Medienkrieg um die Ukraine.» In einem Atemzug zu sagen, «konkret» wisse man nichts, aber irgendwie doch genug für dramatische politische Forderungen, sei das Gegenteil von Journalismus.

«Journalistenmord» als Agententhriller Marke Hollywood

Spektakuläre Wende im Fall des am Dienstag als ermordet gemeldeten russischen Journalisten Arkadi Babtschenko: der vermeintlich Getötete lebt. Gestern Abend trat Babtschenko zusammen mit dem ukrainischen Geheimdienstchef vor die Medien. Die Tat war offenbar nur inszeniert, um die Hintermänner eines realen Mordkomplotts zu identifizieren. «Kiew hatte wohl geplant, Russland vor dem Hintergrund der empörten Weltöffentlichkeit auf die Anklagebank setzen zu können. Stattdessen kann nun der Kreml Kiew beschuldigen, die internationale Gemeinschaft getäuscht zu haben», schreibt Maksym Drabok auf dw.com. Der Agententhriller Marke Hollywood wirft viele Fragen auf, gerade auch, wie Medien künftig über Mordfälle berichten sollen. Klar ist indes schon jetzt: «Die Regierung in Kiew manövriert sich ins Abseits, falls sie keine überprüfbaren Beweise liefern kann, die das Vorgehen der Sicherheitskräfte rechtfertigen.»

«Jetzt kann es jeden treffen»

Gestern Abend wurde in Kiew der russische Journalist Arkadi Babtschenko hinterrücks erschossen. Es ist dies ein weiterer Mord in einer ganzen Reihe gewaltsamer Tötungen von Medienschaffenden in der Ukraine. Alle Opfer standen in Gegnerschaft zur aktuellen russischen Politik und waren deshalb in das Nachbarland geflohen, von wo aus sie in vermeintlicher Sicherheit ihrer Arbeit nachgehen wollten. Babtschenko wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt mit seiner schonungslosen Schilderung der Kriege unter Putin, an denen er als Soldat in jungen Jahren selbst teilgenommen hatte. Ein Kollege des Ermordeten meinte, wenn es Babtschenko getroffen habe, dann könne es jetzt jeden treffen. Markus Ackeret kommentiert dazu in der NZZ: «Der Mord an diesem mutigen, unangepassten, aber, wie alle seine Freunde betonten, umso lebenslustigeren Journalisten und Schriftsteller ist deshalb – unabhängig davon, wer ganz genau hinter der Tat steckt – ein Ausdruck des gesellschaftlichen und politischen Klimas.»
Update: Der Mord an Babtschenko war offenbar eine Inszenierung des ukrainischen Geheimdienstes, der Journalist lebt.

Wegen Erdoğan-Cover: Schlagzeilenaushang unter Polizeischutz

Die aktuelle Titelgeschichte des französischen Nachrichtenmagazins «Le Point» erzürnt einen Teil der türkischen Gemeinde Frankreichs. Auf dem Cover prangt das Antlitz von Recep Tayyip Erdoğan unter der Schlagzeile «Der Diktator». In einem Vorort von Avignon zwangen Erdoğan-Sympathisanten einen Kioskmitarbeiter den Aushang zu entfernen. Auf Geheiss des lokalen Bürgermeisters sorgten Polizeikräfte dafür, dass die Werbung für das Heft wieder an seinen Platz kam.

Ad Content

«Im Silicon Valley gibt es einen blinden Fleck bezüglich Privatsphäre»

Rebecca MacKinnon arbeitete als CNN-Korrespondentin in Peking und Tokio. Heute engagiert sie sich gegen die Privatisierung des Internets. Als Mitherausgeberin des «Corporate Accountability Index» zeigt MacKinnon Jahr für Jahr die Versäumnisse auf der Industrie-Giganten bei Datenschutz und Transparenz. Als Vorstandsmitglied des «Committee to Protect Journalists» setzt sie sich zudem für die Medienfreiheit ein. Unermüdliche Kämpferin Weiterlesen …