DOSSIER mit 11 Beiträgen

Behördenkommunikation

Eine Lektion in Regierungsnichtkommunikation

Seit drei Jahren löchert der Journalist Tilo Jung für sein Format «Jung & naiv» auf der Bundespressekonferenz regelmässig die deutschen Regierungsvertreter mit ebenso simplen wie kritischen Fragen. Gestern ging es um einen Exportstopp für Waffen an die Krieg führenden Parteien im Jemen. Jung wollte wissen, ob das Ausfuhrverbot auch die USA betreffe, die ja in Jemen ebenfalls aktiv seien. Eine Antwort auf die eigentlich einfache Frage erhält der Journalist aber keine. Stattdessen führt Regierungssprecher Steffen Seibert einen minutenlangen Eiertanz auf, um nichts sagen zu müssen. Als ein anderer anwesender Journalist Jung sekundiert und einwirft, dass der Kollege vielleicht einfach wissen möchte, «ob wir an die USA Waffen exportieren», folgt zuerst peinliches Schweigen und schliesslich die Floskel, dass alles gesagt sei, was es dazu zu sagen gebe – also nichts.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Grassierende Verarmung der fernmündlichen Kommunikation

Journalistinnen und Journalisten kennen die Situation besonders gut, aber nicht nur sie. Behörden, Firmen und Organisationen wollen nur noch per E-Mail kommunizieren. Telefon geht zwar schon noch, aber nur, wenn das Gesagte schriftlich bestätigt wird. Das generiert vor allem Leerlauf. Martin Wilhelm beklagt diesen Trend im Tages-Anzeiger und plädiert für den Griff zum Hörer, denn «am Telefon lassen sich Nachfragen stellen, Missverständnisse vermeiden und eine Beziehung zum Gegenüber aufbauen. Das Beharren auf Schriftlichkeit lässt auch die Kommunikation verarmen.»

Ringen um den Platz im Bundesbüchlein

Der Bundesrat will das Abstimmungsbüchlein neu gestalten und rückt damit ein delikates Thema in den Fokus: Welche Informationen müssen vor einer Abstimmung gegeben werden und was darf weg gelassen werden?

Polizei verzichtet auf Herkunftsnennung: die Medienethiker vom Dienst

Die Stadtpolizei Zürich nennt die Herkunft von Straftätern nur noch auf Anfrage. Man wünschte sich sehr, dass diese staatliche Massnahme nicht notwendig geworden wäre. Die Zürcher Stadtpolizei nennt ab sofort in den Medienmitteilungen die Nationalität von Tatverdächtigen, respektive Täterinnen und Tätern nicht mehr. Diese neue Praxis zielt vor allem auf die Berichterstattung über Straftaten wie Weiterlesen …

Ad Content

Medien wollen Nationalität von Kriminellen kennen, Stadtpolizei Zürich nennt sie nicht mehr

In Zukunft wird die Stadtpolizei Zürich darauf verzichten, die Herkunft von Tatverdächtigen und Tätern zu nennen. Indem man die Nationalität nenne, werde suggeriert, damit lasse sich die Tat ein Stück weit erklären – was aber nicht der Fall sei, wie der linke Polizeivorsteher Richard Wolff findet. Um seinen Entscheid zu fundieren, befragte Wolff auch Praktiker. Weiterlesen …

WhatsApp, Kapo?

Behörden und Beamte haben längst auch die Sozialen Medien für sich entdeckt. So machen insbesondere Polizeistellen immer wieder von sich reden, wenn sie überraschend direkt und oft auch witzig die neuen Plattformen für ihre Kommunikation nutzen, am meisten auf Twitter oder Facebook. Die Kantonspolizei Zürich setzt neu auch den beliebten Messenger WhatsApp ein als direkten Weiterlesen …