DOSSIER mit 74 Beiträgen

Investigativer Journalismus

Journalistin bietet Polizei fragwürdigen Deal an

Sehr selten und sehr seltsam: Eine Journalistin des von Sat.1 geht eine weitreichende Kooperation mit der Polizei ein im Zuge ihrer Recherche über die problematische Therapieform der Psycholyse. Gemeinsam planen sie eine Razzia. Schliesslich gibt die Reporterin, als sie undercover an einer Therapiesitzung teilnimmt, das Kommando für den Zugriff eines 50-köpfigen Sondereinsatzkommandos. Der Einsatz wird von ihren Sat.1-Kameras gefilmt. Die Polizei wiederum wartet mit einer proaktiven Information der Medien bis die Reportage in der Sendung «Akte 20.18» ausgestrahlt wurde. Die vom Medienmagazin ZAPP befragen Fachleute halten das Vorgehen alle für verwerflich bis widerrechtlich, sowohl was die Rolle der Reporterin angeht, als auch das Verhalten der Polizei.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Investigativer Journalismus auf die Ohren

Die NZZ hat eine Liste zusammengestellt mit den «besten investigativen Podcasts», idealer Hörstoff für die Sommerferien. Auf der Liste figurieren bekannte Produktionen wie «Serial» und andere True-Crime-Serien. Aber auch weniger bekannte Produktionen finden sich unter den 15 Empfehlungen, etwa «The Tip Off», ein Podcast, in dem die Datenjournalistin Maeve McClenaghan von den Recherchen anderer Investigativjournalisten berichtet.

Jahrestagung Netzwerk Recherche: Livestream

Heute und morgen findet beim NDR in Hamburg die Jahrestagung des Netzwerks Recherche statt. Die zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen können per Livestream mitverfolgt werden. Der Titel der diesjährigen Tagung lautet «Alternative: Fakten!». Thematisch geht es um Online-Recherche, Datenjournalis­mus, Einsteiger-Workshops, Recherchieren im Lokalen, Presse- und Auskunftsrecht, neue Finanzierungsmodelle und natürlich: die Pressefreiheit.

Er deckte die ganz grossen Skandale auf

Seit fast sechs Jahrzehnten enthüllt er die bestgehüteten Geheimnisse, enthüllt Skandale wie das Massaker von My Lai im Vietnamikrieg oder die Folter im Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak. Die Rede ist von Seymour Hersh. Im Alter von 81 Jahren blickt er in einer Autobiografie auf sein reichhaltiges Reporterleben zurück. Alan Rusbridger hat das schlicht mit «Reporter – A Memoir» betitelte Buch gelesen und in der New York Times besprochen. Hersh gehöre zur raren Sorte der Journalisten, die als einsame Wölfe jagten, schreibt der frühere Guardian-Chefredaktor. Doch der einsame Wolf kann sich auch verrennen, wenn das Korrektiv eines Kollektivs fehlt. In den letzten Jahren wurde die Glaubwürdigkeit seiner Recherchen mehrfach angezweifelt und selbst langjährige Vertraute weigerten sich, seine Artikel zu veröffentlichen.

Seltsame Ermittlungsmethoden im Mordfall Kuciak

Auch drei Monate nach dem Mord an Reporter Jan Kuciak in der Slowakei gibt es keine heisse Spur zu möglichen Tätern und ihren Hintermännern. Als kürzlich die tschechische Journalistin Pavla Holcova, eine Kollegin Kuciaks, von der slowakischen Polizei zu einem Gespräch gebeten wurde, dachte sie, dass ihre Informationen für die Ermittlungen dienlich sein könnten. Als sie aber in Bratislava der Polizei gegenüber sass, fand sie sich in einer Verhörsituation wieder: «Die Polizei schien mehr interessiert an unserer internen Kommunikation und der Kooperation mit anderen Medien», schreibt das Recherchenetzwerks OCCRP, für das Holcova und Kuciak arbeiteten.

«Was uns antreibt, ist der Umgang mit Steuergeld»

Weil niemand ihre Recherche zur «Medienförderung» via staatlicher Inserate veröffentlichen wollte, gründete eine Gruppe österreichischer Medienschaffender die Plattform «Dossier». Seit der Gründung vor fünf Jahren ist «Dossier» zu einer zwölfköpfige Investigativ-Redaktion herangewachsen, die sich hauptsächlich mit Korruption und anderer problematischer Ver(sch)wendung öffentlicher Gelder beschäftigt. Journalismus Y hat für die Medienwoche «Dossier» in Wien besucht. Sahel Weiterlesen …

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«Panama Papers» bringen Staatskassen viel Geld

Die Enthüllung der «Panama Papers» hat sich gelohnt – nicht nur für die Medien, die an der Auswertung beteiligt waren, sondern, wie sich nun zeigt, auch für die Finanzämter der deutschen Bundesländer. Sie können sich über 140 Millionen Euro an Steuernachzahlungen und Strafeinnahmen freuen. Insgesamt wurden aufgrund der Recherchen in Deutschland 71 Strafverfahren geführt, in 2000 Fällen laufen die Ermittlungen noch.

Der beste Schweizer Lokaljournalismus

Im Rahmen des Swiss Press Award wird jährlich die beste Arbeit im Lokaljournalismus ausgezeichnet. Gestern Abend gewann Pascale Burnier, Redaktorin von «24 Heures», den Preis für ihre Recherche, in der sie aufzeigen konnte, wie Mitarbeiter der Gewerkschaft Unia zusammen mit Patrons der Baubranche in gemeinsamer Absprache die kantonale Arbeitslosenkasse um Millionen von Franken betrogen.