DOSSIER mit 24 Beiträgen

Twitter

Der falsche Parmelin

Als Verteidigungsminister der Schweiz und Mitglied der SVP gibt man offensichtlich ein beliebtes Ziel ab für Twitter-Witzbolde. Nachdem bereits im Namen von Ueli Maurer ein gefälschter Account in Betrieb gesetzt wurde, traf es nun auch Maurers Nachfolger Guy Parmelin. Ein @GuyParmelinCH begrüsste gestern mit einem viersprachigen Willkommen! die Twitter-Gemeinde. Heute setzte er eine offensichtliche Fake-News ab und vermeldete den Tod von Irans Revolutionsführer Ali Khamenei. Und im dritten Tweet wird der Schabernack aufgelöst: «This account is hoax created by Italian journalist Tommasso Debenedetti.» Ob da jemand kalte Füsse bekommen hat? Auch das Verteidigungsdepartement hat reagiert und die Löschung des Fake-Accounts beantragt, gemäss einem Bericht von Matthias Bärlocher auf Nau.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

«Der dritte Weltkrieg wird mit einem Tweet beginnen»

Wer bis heute Twitter nicht genutzt hat und es dann doch noch tun will, hat es nicht einfach. Denn auch Nicht-Nutzer machen sich ein Bild des Kurznachrichtendienstes. Sie wissen zum Beispiel, dass Twitter die von US-Präsident Trump bevorzugte Kommunikationsplattform ist, oder sie wissen, dass sich regelmässig Shitstorms entladen. Nichtsdestotrotz wollte es Boris Pofalla wissen. Der «Welt»-Journalist eröffnete 2018 ein Twitter-Konto. Er hätte es besser sein lassen sollen. Denn was er da sieht, gefällt ihm gar nicht, gibt aber immerhin ausreichend Stoff her für einen Text aus der beliebten Gattung der Selbstversuche. Twitter weckt bei Pofalla Weltuntergangsstimmung, wenn er schreibt: «Alle anderen Medien, sozial oder nicht, haben sich längst bei Twitter angesteckt, es verändert die Welt, selbst wenn man es selbst niemals benutzt. Twitter ist ein tribalisierendes Affektmedium. Der nächste Weltkrieg, da bin ich mir sicher, wird mit einem Tweet beginnen.»

Twitter kappt den chronologischen Feed in Dritt-Apps

Wer Twitter via Web oder mit der offiziellen App nutzt, kriegt den Nachrichtenstrom algorithmisch vorsortiert präsentiert; nicht nur aktuelle Kurzmeldungen werden angezeigt, sondern auch solche, die Twitter für passend hält. Bis jetzt gab es eine grosse und gar nicht geheime Hintertür, den Twitter-Feed weiterhin streng chronologisch geordnet zu nutzen. Apps wie Tweetbot, Tweetdeck oder Twitterrific boten diese Nutzungsmöglichkeit. Auch war Twitter in diesen Apps werbefrei. Damit ist nun Schluss: Twitter dreht den Drittentwicklern den Saft ab, respektive verlangt dafür prohibitiv hohe Gebühren, die man nie an die Endnutzer weitergeben könnte. Der Schritt lässt sich zusammenfassend so erklären: «Solange es ums Wachstum geht, sind externe Apps genehm. Sobald sie das eigene Geschäftsmodell untergraben, geht es ihnen an den Kragen», schreibt Dennis Horn im WDR-Blog Digitalistan.

Das wundersame Wiedererstarken von Twitter

Wie einst Phönix schwingt sich Larry, der Twitter-Vogel, aus den Flammen empor. Buzzfeed beschreibt das Wiedererstarken der Kurznachrichtenplattform, nachdem man vor zwei Jahren allenthalben Abgesänge auf Twitter lesen konnte. Das Magazin «The New Yorker» schrieb damals gar von «The End of Twitter». Doch es sollte anders kommen. Das unerwartete Wiederaufleben könne auf vier Hauptfaktoren zurückgeführt werden, schreibt Alex Kantrowitz: Twitters Zugeständnis, nie wie Facebook zu werden und sich auf News zu konzentrieren, während Facebook sich aus diesem Bereich zurückzog. Der Entscheid, erstklassige Live-Videos zu pushen. Die Anweisung von CEO Jack Dorsey an sein Produktteam, alles zu überdenken. Und ein wichtiges Element vieler grosser Comebacks: Glück.

Im Stahlgezwitscher

Die beiden Autoren Jörg Scheller und Wolfang Ullrich versuchen sich an einem «noch nicht etablierten Genre». Sie rezensieren den Twitter-Account des Medientheoretikers und Philosophen Norbert Bolz. Das erweist sich als sehr ergiebiges Unterfangen. Denn Bolz, der seit sechs Jahren unter dem Motto «Die Wahrheit in einem Satz» twittert, durchlief in dieser Zeit einen politischen Gesinnungswandel, der sich anhand seiner Tweets sehr schön dokumentieren lässt; es ist eine Radikalisierung, die sich nach dem «Flüchtlingsjahr» 2015 abzuzeichnen begann. Zwar finden sich auch heute noch die für Bolz typischen kalenderspruchartigen Sentenzen, wie etwa «Kunst täuscht, ohne zu betrügen». Aber auf den grössten Zuspruch stossen klar seine Äusserungen gegen Merkel, Flüchtlinge und Political Correctness. Bolz hat bei AfD & Co. eine neue Fangemeinde gefunden.
(Aufgrund der grossen Beliebtheit dieses Beitrags, ist gegenwärtig zur die bei Google gespeicherte Version aufrufbar.)

Fussball gucken auf Twitter

Von wegen Kurznachrichtendienst: Zumindest in den USA wird Twitter auch eine Plattform für Live-Fussball. Das Social-Media-Unternehmen hat mit der US-Liga MLS einen Vertrag unterzeichnet für die Übertragung von 24 Spielen pro Saison. Die Ankündigung von Twitter kommt nur einen Tag nachdem Facebook bekanntgegeben hat, die Exklusivrechte an Live-Spielen der Baseball-Liga MLB gesichert zu haben. Aber Fussball in den USA? Wer will das schauen? Offenbar immer mehr Leute. Bei den beliebtesten Sportarten ist Fussball auf dem besten Weg, sich hinter Football und Basketball auf Platz drei festzusetzen und dort Baseball zu verdrängen.

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Lügen haben schnelle Beine

Man hat es ja vermutet, aber jetzt bestätigt es eine Studie des Massachusetts Institute of Technology MIT: Falschmeldungen verbreiten sich auf Twitter schneller und erreichen mehr Leute als faktisch korrekte Tweets. Auch sogenannte Bots, also automatisierte Nutzerkonten, tragen zur Verbreitung bei, sind aber nicht das Hauptproblem. «Es sind Menschen, die für die besondere Dynamik von Falschmeldungen verantwortlich sind», sagt Studienautor Sinan Aral gegenüber Radio Ö1. Als Grund für die Bereitschaft, Falschmeldungen zu teilen, nennt Aral deren Newswert: «Menschen gewinnen an sozialem Status, wenn sie neue Informationen weitergeben. Sie werden als Insider angesehen.»