DOSSIER mit 217 Beiträgen

Medienethik

National Geographic blickt kritisch auf rassistische Berichterstattung früherer Jahre

Löbliche Initiative des traditionsreichen US-Magazins National Geographic. Chefredaktorin Susan Goldberg stellt sich in der aktuellen Ausgabe der Vergangenheit ihrer Publikation. Der Titel ihres Leitartikel spricht Klartext: «Über Jahrzehnte haben wir rassistisch berichtet». Es schmerze gerade sie, als erste Chefredaktorin und dazu von jüdischer Herkunft, «die schrecklichen Geschichten aus der Vergangenheit des Magazins zu erzählen», schreibt Goldberg. Das April-Heft zum Thema Rasse, könne aber nicht ohne einen selbstkritischen Blick auskommen. Ein Historiker hat das Heft auf die bis in die 1970er-Jahre verbreitete rassistische Berichterstattung durchleuchtet.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

«Newsmavens» zeigt eine weibliche Sicht auf die Welt

«Wäre die Berichterstattung in Europa eine andere, würden mehr Frauen in den Newsrooms grosser Medienunternehmen den Ton angeben?», fragt «Der Standard». Eine Antwort, wie das aussehen könnte, liefert seit jüngst die Plattform «Newsmavens». Die polnische Journalistin Zuzanna Ziomecka hat das Portal im letzten Oktober gegründet. Journalistinnen aus ganz Europa kuratierien hier die Nachrichten und präsentieren so eine dezidiert weibliche Sicht auf die News.

Mangelhafte Qualität: Tages-Anzeiger zieht grosses Lebrument-Porträt zurück

Philipp Loser, Inlandredaktor des Tages-Anzeigers, schrieb jüngst auf einer ganzen Zeitungsseite, was man in der Branche schon lange munkelt: Um das Bündner Medienhaus Somedia soll es nicht zum Besten stehen. Harte Belege für die Behauptung lieferte Loser allerdings nicht. Auch verzichtete er darauf, mit Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument zu sprechen. Nun zeigt sich: Der Artikel hätte in dieser Form nicht erscheinen dürfen. Wie die «Weltwoche» berichtet, entschied sich Tamedia, den Text zurückzuziehen. Begründung: «Der Artikel entspricht nicht unseren Vorstellungen über Qualität im Journalismus, weil er weitgehend auf anonymen Quellen basiert, der Porträtierte nicht zu Wort kommt und verschiedene, negative Werturteile nicht belegt sind.»

Getötete Journalisten: unterschiedliche Massstäbe

Christoph Sydow fragt auf Spiegel Online: Wo bleibt der Aufschrei? Es geht um die (ausbleibenden) Reaktionen auf den Tod des palästinensischen Journalisten Yaser Murtaja. Trotz Schutzweste mit gut sichtbarer Aufschrift «Press» wurde der 30-Jährige von einem Scharfschützen der israelischen Armee tödlich verletzt, als er jüngst über die gewalttätigen Proteste im Gazastreifen berichtete. Murtaja arbeitete unter anderem für Al Jazeera, BBC und Vice. Weder internationale Solidaritätsbekundungen oder Hashtag-Kampagnen folgten auf den Tod des Journalisten. Man will sich offenbar nicht dem Verdacht aussetzen, mit Terroristen zu sympathisieren, denn wer weiss, ob das ein «richtiger» Journalist war. Das entspricht ganz der Sichtweise des israelischen Verteidigungsministers Avigdor Liebermann: «Man muss verstehen, dass es keine unschuldigen Menschen in Gaza gibt. Jeder ist mit der Hamas verbunden, die werden alle von der Hamas bezahlt.» So wird unabhängige Berichterstattung a priori delegitimiert.

Auto-Attacke: politische Instrumentalisierung und Medienschlamperei

Inzwischen ist man es sich gewohnt, dass nach einer Gewalttat, die von der Machart her nach einem Anschlag aussieht, sofort versucht wird, daraus politisches Kapital zu schlagen. Nach der tödlichen Auto-Attacke von Münster war es, wenig überraschend, die AfD, die sich insinuierend zu Wort meldete und einen Konnex zur deutschen Flüchtlingspolitik machte. Doch auch internationale Medien trugen nicht eben dazu bei, die Umstände des Vorfalls zu erhellen. So wollte ein rumänischer TV-Sender wissen, dass der Täter ein Kurde gewesen sei. Eine Quelle zur Aussage gab es keine. Und schon fast lustig ist der Übersetzungsfehler britischer Medien, die aus dem deutschen Satzfragment, beim Täter «soll es sich um Jens R. handeln», kurzerhand den vollen Namen Jens R. Handeln bastelten.

Munter sprudelt die Quelle

Wie hält es die Qualitätszeitung «Tages-Anzeiger» mit dem Verwenden anonymer Zitate? Sie fischt gerne im Trüben. «Mir fehlen die Worte», sagt Augenzeuge Peter M.* «Tagi-Ressortleiter Philipp Loser ist dafür bekannt, dass er Fact und Fiction ungeniert vermischt», sagt Tagi-Redaktorin Petra O.* (*Namen der Redaktion bekannt). Ich gestehe: Ich habe Peter M. und Petra O. samt Weiterlesen …

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Witz lass nach

Scherze zum 1. April waren wohl mal der Versuch, den Winter gemeinsam lachend zu vertreiben. Heute stellen viele Firmen Aprilscherze ins Netz, um im Gespräch zu bleiben. Wie der Humor nach und nach seine Unschuld verloren hat.

Die Korrektur von Falschmeldungen bringt oft nicht mehr viel

Erstmals haben Wissenschaftler in Deutschland untersucht, wie sich die Korrektur von Falschmeldungen im Netz verbreitet. Der – wenig überraschende – Befund: Fake läuft besser als Fakten. «Die Forscher schlussfolgern, emotionale, sensationelle Falschmeldungen würden sich schlicht schneller verbreiten, als nüchterne, sachliche Widerlegungen», schreibt Karolin Schwarz auf Motherboard Vice. Nur in Einzelfällen kann erreicht werden, dass die korrekte Meldung mehr Interaktionen in sozialen Medien erzeugt als die ursprüngliche Falschmeldung. Das ist etwa dann der Fall, wenn der Absender der Korrektur besonders schnell reagiert.
Studie «Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017» Stiftung Neue Verantwortung, 26. März 2018