DOSSIER mit 30 Beiträgen

Lokaljournalismus

JOURNALISMUS

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Die Lebensversicherung einer Lokalzeitung

Sie berichten vom unterklassigen Fussballspiel und vom Konzert der Musikgesellschaft, sie tun das für wenig Geld und mit viel Leidenschaft. Freie Mitarbeiter sind für Lokalzeitungen Gold wert. Das Mindener Tageblatt windet ihnen nun ein Kränzchen, betont, wie ohne sie eine breite Berichterstattung über das lokale Leben gar nicht möglich wäre. «Von alt bis jung, vom Experten bis zum Allrounder, vom Akademiker bis zum Arbeiter. Unsere Schreiber müssen genauso vielfältig sein wie unsere Leser», schreibt Lokalredaktorin Nadine Conti.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Lokaljournalismus 2.0 – Gespräche mit vier Medienmachern

Für eine vierteilige Serie hat die Werbewoche mit den Gründern und Machern von junger Schweizer Online-Medien gesprochen. Gemeinsam ist ihnen indes einzig der lokale Fokus der Berichterstattung. Ansonsten unterscheiden sie sich doch deutlich – etwa, was den wirtschaftlichen Erfolg angeht. So hat die Basler News-Plattform barfi.ch den Betrieb bereits wieder eingestellt, während in der gleichen Stadt mit «Prime News» eine Neugründung sich zu etablieren versucht. In Zürich hat Werbewoche-Redaktorin Ann-Kathrin Kübler mit den Leuten von Tsüri und Hello Zurich gesprochen, die beide Stadtgeschichten erzählen, sich aber im Medienmarkt ganz unterschiedlich positionieren.

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Sie haben sich durch Zürichs Nächte getrunken

Nach zwölf Jahren endet im Zürcher Tages-Anzeiger die Rubrik «Wir trinken Zürich». Nach dreissig Folgen und ebenso vielen Nächten, welche die «Bellevue»-Truppe des Tages-Anzeigers gemeinsam trinkend verbracht hatte, ist Schluss. Noch einmal wird getrunken und in Nostalgie geschwelgt. Was das Spezielle an WTZ für die Autoren selbst ausmachte, bringt Marcel Reuss auf den Punkt: «Das Gefühl, Teil einer kleinen grossen Band gewesen zu sein, deren Instrumente gefüllte Gläser und Worte waren.»

Missbrauch des Vertrauens in Lokalmedien

Die von russischen Kreisen betriebene Kampagne zur Verunsicherung und Destabilisierung der amerikanischen (Medien)öffentlichkeit machte sich auch das weiterhin grosse Vertrauen in Lokalmedien zu Nutze. So stammten 48 Twitter-Accounts, die den Anschein erweckten, Lokalzeitungen zu repräsentieren, aus der bekannten «Troll-Fabrik» Internet Research Agency in St. Petersburg. Twitter hat sie inzwischen gelöscht. Es handelte sich dabei quasi um «Schläfer-Konten», die bisher nur unverdächtige Lokal-News veröffentlicht haben, aber später für propagandistische Zwecke hätten eingesetzt werden können.

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So gewinnt das Lokale

Wenn der Journalismus eine Zukunft hat, dann im Lokalen. Aber nicht einfach so. Der Medienwandel ist überall spürbar. Welche Voraussetzungen künftiger Lokaljournalismus erfüllen muss, haben 13 Chefredaktoren und Redaktionsleiterinnen aus Deutschland, Belgien und der Schweiz in zehn Thesen formuliert. Vieles klingt vertraut und zeitlos. Das geht von Faktentreue über die richtige Äquidistanz zum Gegenstand der Berichterstattung über strikte Trennung von Fakten und Kommentar. Erstaunlich: Digitale Kommunikation, Internet und Social Media finden keine explizite Erwähnung und sind wohl als Querschnittsthemen einfach mitgemeint. Ob das reicht?

Weniger Lokaljournalismus –> geringere Wahlbeteiligung

Dass sich der Zustand der Medien auf das Funktionieren der politischen Prozesse auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie der Uni Zürich: Je tiefer die Auflage der lokalen Zeitungen und je weniger die Medien über lokale Politik berichten, desto tiefer die Wahlbeteiligung. Für den Autor der Studie, den Politikwissenschaftler Daniel Kübler, ist darum klar: «Der Wandel im Mediensystem birgt Gefahren für die politische Partizipation auf lokaler Ebene und damit für die Demokratie.» Kübler fordert darum, dass nicht-kommerzielle Akteure wie Stiftungen, Parteien oder lokale Behörden vermehrt aktiv werden sollten und neue, journalistische Nachrichtenangebote schaffen. Wobei man sich damit gleich das nächste Problem einhandelt: Wie unabhängig können behördenfinanzierte Medien informieren?