DOSSIER mit 64 Beiträgen

Satire

JOURNALISMUS

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Wilder Ritt durch die Medienmisere

Das kann nur «Die Anstalt»: Das Satireformat des ZDF mit Max Uthoff, Claus von Wagner und Gästen – diesmal u.a. Hazel Brugger – bringt ebenso unterhaltsam wie auch faktentreu die real existierende Misere der Medien auf den Punkt. Dabei scheut die öffentlich-rechtliche Sendung auch nicht vor Kollegenschelte zurück. Gleich eingangs der aktuellen Sendung bekommt «Hart aber fair» mit Frank Plasberg ihr Fett weg. Bei der «Anstalt» heisst der Polit-Talk «Hart aber leer» und moderiert wird er von Frank Blasbalg. Und so geht es fünfzig Minuten weiter mit bissiger Satire quer durch die Medienlandschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Das Ende der komischen Kunst

Die Süddeutsche Zeitung hat jüngst ihren langjährigen Zeichner Dieter Hanitzsch geschasst, weil dieser den israelischen Premier Benjamin Netanjahu unvorteilhaft dargestellt hatte. Vorwurf: Antisemitismus. Wobei es auch prominente und politisch unverdächtige Gegenstimmen gab. In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung «Der Freitag» nimmt der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Jürgen Roth den Vorgang zum Anlass, den «inquisitorischen Wahn» zu geisseln, der letztlich der politischen Karikatur den Garaus mache. «Es wütet, ausgehend von einer über ihrem Diversity-Mantra verrückt gewordenen, ungebildeten, moralpolitisch verhärteten, feindfixierten postmodernen Linken, ein regressiv-antiaufklärerischer, antiliberaler Opferkult, der die wechselseitige Infantilisierung aller forciert.» Einen Beleg für diese Tendenz sieht Roth in der Forderung eines Feuilleton-Journalisten der Süddeutschen Zeitung, Karikaturen hätten «künftig ganz auf das Stilmittel der Überzeichnung zu verzichten». Damit wäre die komische Kunst in jeglicher Spielart aus der Welt, für immer, so Roth.

Satirischer Mordaufruf hat keine juristischen Folgen

Das deutsche Satiremagazin «Titanic» veröffentlichte im letzten Herbst eine Tweet, wo der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz mit einem Fadenkreuz auf der Brust abgebildet war. Dazu der Text: «Zeitreise in Österreich – Endlich möglich: Baby-Hitler töten!» Das ist keine öffentliche Aufforderung zu Straftaten, befand nun ein Gericht in Berlin. Ob es sich um eine Beleidigung handelt, klärten die Gerichte nicht, weil Kurz keinen entsprechenden Strafantrag gestellt hatte.

So wird die Schweiz pressefrei

Es gibt ihn noch, den guten alten Nebelspalter! Das traditionsreiche Satireblatt fiel in den letzten Jahren immer wieder mit originellen Mediensatiren auf. So auch diesmal zum Tag der Pressefreiheit. Chefredaktor Marco Ratschiller blickt in die Glaskugel und sieht, wo sich die Schweizer Medien bis 2020 hinbewegen: Markus Somm wird Tamedia-Hyperchefredaktor, Watson verzichtet auf Buchstaben und SDA/Keystone wird Parkplatzvermieter, um nur einige Schlagzeilen dieser «vorgezogenen Presseschau» zu nennen. Am Ende bleibt eine pressefreie Schweiz.

Viele Zuschauer sind wichtiger als viel Geld

Vom Studio auf die Bühne: Das bekannte Westschweizer Komiker-Duo Vincent Veillon und Vincent Kucholl, geht nach dem Ende ihrer wöchentlichen TV-Show «26 Minutes» auf Bühnentournee. Sie wollen über Geld sprechen im Programm «Le Fric». Im Gespräch mit Sascha Buchbinder für die «Zeit» liefern Vincent & Vincent einen Vorgeschmack und reden über ihr Verhältnis als Künstler zum Geld, wie sie etwa bei Festivals zur Bedingung machen, dass ihre Vorstellungen bezahlbar sind. «Wir wollen möglichst viele Zuschauer, nicht möglichst viel Geld», sagt dazu Vincent Veillon.

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Satire darf alles – aber das dann doch nicht!

Der Coup war gelungen. «Titanic» führte die «Bild»-Zeitung vor. Die Empörung war gross. Und dem Satiremagazin Applaus gewiss. Autor Moritz Hütgen, der die «Bild» aufs Glatteis führte mit der erfundenen Geschichte, wonach der Juso-Vorsitzende mit russischen Trollen konspiriere, tritt nach vollbrachter Tat beim russischen Staatssender RT auf. Verwirrung. Ist das auch Teil der satirischen Inszenierung oder schlicht eine Grenzüberschreitung? Das Medienmagazin Meedia dokumentiert die kritischen Reaktionen auf Hütgens Auftritt. Die «Bild»-Zeitung wiederum hat den Steilpass dankend angenommen und die «Titanic» der Kumpanei mit einem Regime gescholten, «zu dessen Agenda die Zersetzung freier Medien gehört».

«Titanic» hat «Bild» mit gefälschten E-Mails aufs Glatteis geführt

Mitte Februar berichtete die «Bild»-Zeitung prominent darüber, dass der deutsche Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert mit einem russischen Internet-Agitator in Kontakt gestanden habe. Es soll darum gegangen sein, wie der Russe Kühnerts Kampagne gegen die neue grosse Koalition unterstützen könnte. Als vermeintliche Belege für die Korrespondenz zeigte «Bild» einige E-Mail-Ausschnitte. Für Fachleute war schnell klar: es handelt sich um Fälschungen. Jetzt meldet sich das Satire-Magazin «Titanic» zu Wort. Alles Fake, sie habe der «Bild» die gefälschten Mails untergejubelt: «Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und ‹Bild› druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.» Nur: Ob diese Version stimmt, oder ob die «Titanic» nicht einfach einen Fake auf den Fake draufgesetzt hat, wissen nur die Satiriker selbst.