DOSSIER mit 74 Beiträgen

Satire

JOURNALISMUS

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Wilder Ritt durch die Medienmisere

Das kann nur «Die Anstalt»: Das Satireformat des ZDF mit Max Uthoff, Claus von Wagner und Gästen – diesmal u.a. Hazel Brugger – bringt ebenso unterhaltsam wie auch faktentreu die real existierende Misere der Medien auf den Punkt. Dabei scheut die öffentlich-rechtliche Sendung auch nicht vor Kollegenschelte zurück. Gleich eingangs der aktuellen Sendung bekommt «Hart aber fair» mit Frank Plasberg ihr Fett weg. Bei der «Anstalt» heisst der Polit-Talk «Hart aber leer» und moderiert wird er von Frank Blasbalg. Und so geht es fünfzig Minuten weiter mit bissiger Satire quer durch die Medienlandschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Rettet die Medien! Was taugen die neuen Business-Modelle im Journalismus?

Während sich die traditionellen Verlage mit dem Journalismus immer schwerer tun, wagen sich Medien-Startups vor. Sie suchen ihre Leserinnen und Leser an Tankstellen, bieten Zeitungen Gratis-Content oder versprechen gleich die Rettung der Demokratie. Aber bieten die Startups wirklich Inhalte, die die Leserinnen und Leser nicht schon in den herkömmlichen Medien verschmäht haben? Oder sind sie einfach dankbare PR-Vehikel? Und auch bei den Newcomern stellt sich die Frage: Wer soll das bezahlen? Die Startups haben unterschiedliche Antworten: Sponsoren, klassische Werbung, die Crowd. Welches Modell funktioniert wirklich? Über diese und weitere Fragen diskutieren Fachleute am Communication Summit 2019.

«Watson» und der Aura-Analytiker

Es kann eigentlich nur Satire sein. Wie anders lässt sich sonst erklären, dass ein gewesener Tages-Anzeiger-Chefredaktor und aktuell als Politikredaktor bei «Watson» beschäftigter Journalist, einen «Aura-Analytiker» zum Schicksal von Donald Trump befragt? Der Hellsichtige, ein Schweizer, der in Südamerika lebt, darf dann Banalitäten von sich geben, wie: «Eine meiner Voraussagen zur Amtszeit von Trump war, dass sie das amerikanische Justizsystem sehr stark beeinflussen werde.» Das kann natürlich nur jemand vorhersagen, der Trumps Aura sieht… So überrascht es nicht, dass das Publikum irritiert auf dieses unfreiwillig komische, aber gar nicht lustige Interview reagiert. In den Kommentaren fragt man sich, ob der Autor das Gefäss verfehlt habe. Schliesslich führt «Watson» auch einen Sektenblog. Andere wieder sehen das «Allzeittief» des Autors erreicht.

Da ging Jan Böhmermann zu weit

Der deutsche TV-Satiriker Jan Böhmermann mischt sich regelmässig und gerne in politische Debatten ein. Mit der Veröffentlichung eines sogenannten «Hassreports» ging er nun allerdings einen Schritt zu weit. In dem 129-seitigen Papier dokumentierte die von Böhmermann initiierte Netzbewegung «Reconquista Internet» exemplarisch fünfzig «Schmutz-Tweets» und Hassnachrichten. Doch darin finden sich auch Wortmeldungen, die durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind. «Es werden Namen und Profilbilder von Menschen verbreitet, die nur eine Meinung, frei von jeglicher strafrechtlicher Relevanz, kundtun», schreibt dazu die Netzinitiative «Hooligans Gegen Satzbau», die mit Satire und Ironie besonders menschenverachtende und nationalistische Aussagen im Netz aufgreift, im Kern also das gleiche Ziel verfolgt, wie Böhmermann es angeblich tut.

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Renato Kaiser entschuldigt sich bei den Wichsern

Ein Zuschauer des Schweizer Fernsehens SRF beschwerte sich bei der Ombudsstelle über die Verwendung des Begriffs «Wichser» in einer Talk-Sendung zur Fussball-WM im vergangenen Sommer. Der Satiriker Renato Kaiser bezeichnete damals den Fussballer Cristiano Ronaldo mehrfach als solchen. Das ging den Verantwortlichen von SRF zu weit, sie entschuldigten sich dafür. Und auch Ombudsmann Roger Blum zückt die Rote Karte. Was aber macht der Gerügte? Renato Kaiser wäre nicht Renato Kaiser, wenn er nicht in seiner ihm eigenen Art noch eins draufsetzen würde – und sich wortgewaltig bei den Wichsern entschuldigt.

Jessica Gmür erklärt die SRG-Standortpolitik

Sie sind zurück, und wie: Die beiden Westschweizer Satiriker und Parodisten Vincent Veillon und Vincent Kucholl kommentieren das Zeitgeschehen in alter neuer Frische im wöchentlichen Radioformat «120 Secondes», das sie nach einer kreativen Schaffenspause mit mehreren Bühnenprogrammen, wiederbelebt haben. Ob Armee, Politik oder Medien – alle kriegen sie ihr fett weg. Und jetzt sogar der eigene Arbeitgeber. In der jüngsten Folge von «120 Secondes» nimmt eine Jessica Gmür, mit verstellter Stimme gespielt von Vincent Kucholl, die als Projektverantwortliche Rationalisierung Infrastruktur und Gebäude bei der Generaldirektion der SRG vorgestellt wird, zum Entscheid der SRG Stellung, das Radiostudio Bern nach Zürich zu verlegen. Gmür begründet das so: «Das Rationalisierungsprojekt Gebäude und Infrastruktur besteht darin, die Infrastruktur und die Gebäude zu rationalisieren, um sie rationeller zu machen.»