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	<title>Schweizer Journalistinnen in aller Welt | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 05 Feb 2020 13:06:34 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>Von den Kaninchenzüchtern im Freiamt zu Arnold Schwarzenegger in Hollywood</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/08/29/von-den-kaninchenzuechtern-im-freiamt-zu-arnold-schwarzenegger-in-hollywood/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Miriam Suter]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Aug 2019 14:28:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Hollywood]]></category>
		<category><![CDATA[Marlène von Arx]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Filmreporterin Marlène von Arx (53) berichtet als freischaffende Journalistin aus Hollywood über die glamouröse Welt des Kinos. Angefangen hatte sie im Freiamt als Lokaljournalistin. Als sie in die USA zog, wollte sie eigentlich bald wieder zurückkehren. Das ist nun fast 30 Jahre her und sie ist bis heute in Los Angeles geblieben. Als die <a href="https://medienwoche.ch/2019/08/29/von-den-kaninchenzuechtern-im-freiamt-zu-arnold-schwarzenegger-in-hollywood/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Filmreporterin Marlène von Arx (53) berichtet als freischaffende Journalistin aus Hollywood über die glamouröse Welt des Kinos. Angefangen hatte sie im Freiamt als Lokaljournalistin. Als sie in die USA zog, wollte sie eigentlich bald wieder zurückkehren. Das ist nun fast 30 Jahre her und sie ist bis heute in Los Angeles geblieben.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-72037" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/08/MW-Portrait-Marlene-von-Arx_20190829-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Als die junge Marlène von Arx für das Freiämter Tagblatt schrieb, gehörten die Schreibmaschine und der analoge Fotoapparat zur Standardausrüstung einer Journalistin. «Das war eine super Schule und im Rückblick echt lustig», erzählt von Arx. «Ich ging am Wochenende an eine Kaninchenzüchter-Veranstaltung, schrieb etwas darüber und warf den getippten Entwurf in den Briefkasten der Redaktion, zusammen mit einer Schwarz-Weiss-Filmrolle.» Heute arbeitet von Arx als Kulturreporterin, lebt und arbeitet in Hollywood und interviewt die Schwergewichte der Szene – von <a href="https://www.aargauerzeitung.ch/panorama/people/george-clooney-im-grossen-interview-so-will-er-donald-trump-die-stirn-bieten-131871406" target="_blank" rel="noopener">George Clooney</a> bis <a href="https://www.tagblatt.ch/kultur/ich-konnte-heulen-vor-gluck-ld.1057462?reduced=true" target="_blank" rel="noopener">Lady Gaga</a>.</p>
<p>Wie kommt man von Kaninchenzüchtern nach Los Angeles? «Der Weg war eigentlich gar nicht so lang», sagt von Arx. Als Teenager las die Reporterin die Zeitschrift Bravo und fand dort ihr journalistisches Vorbild: Die Filmredaktorin Frances Schönberger, die bereits in den 1970er-Jahren aus Hollywood berichtete. «Ich habe mir gedacht, dass ich auch in Hollywood leben und schreiben will, wenn ich mal 45 bin.» Sie ging 20 Jahre früher hin.</p>
<blockquote><p>«Das war eine Zeit ohne Computer, ohne Google. Ich hatte einen Word Processor zuhause, einen Fax, um meine Artikel in die Schweiz zu schicken.»</p></blockquote>
<p>Die Liebe zum Film entdeckte von Arx noch während der Kanti: Damals fuhr sie mit dem Zug vom Freiamt nach Aarau ins Kino. Es war «Kramer vs. Kramer» mit Dustin Hoffman, der von Arx den Film als Kunstform näher brachte: «Dieser Film hat mich derart berührt, dass ich wusste: Darüber will ich schreiben».</p>
<p>Nach der Matura fing sie an, bei der Fernsehzeitschrift TR7 zu schreiben. Nach vier Monaten Sprachaufenthalt in Paris wollte sie eigentlich noch weiter bis nach Amerika, vielleicht noch Italien. Es sollte anders kommen: «Mein Chef bot mir dann an, mich nach Los Angeles zu schicken mit einem redaktionellen Fixum, damit ich die Miete bezahlen kann.» 1991, einen Tag vor Ausbruch des Zweiten Golfkriegs, reiste von Arx in die USA.</p>
<p>Die 90er-Jahre, die goldenen Zeiten für freie Journalist*innen? Von Arx relativiert: «Man muss sich vorstellen; Das war eine Zeit ohne Computer, ohne Google. Ich hatte einen Word Processor zuhause, einen Fax, um meine Artikel in die Schweiz zu schicken, und meine Telefonrechnung betrug über 400 Franken im Monat». Von Arx schrieb damals regelmässig für die NZZ und den Sonntagsblick, sowie für die Fernsehzeitschriften TR7 und «Tele» – einer der ersten Aufträge war ein Telefon-Interview mit Peter Fonda: «Ich weiss nicht einmal mehr, wie ich dieses Gespräch aufgenommen habe, so lange ist das her», sagt von Arx und lacht.</p>
<p></p>
<p>In Hollywood zu bleiben war nie ihr Plan. Zurück in die Schweiz wollte von Arx aber nur mit einer sicheren Stelle: «Ins Kinderzimmer zurück daheim wollte ich nicht. Aber ich habe von den USA aus keine Stelle gefunden.» Von Arx blieb, zuerst eher aus Not, später aus Tugend: Sie wurde Mitglied bei der Hollywood Foreign Press Association, der Organisation aus Filmjournalist*nnen, die jährlich die Golden Globes verleihen: «Dadurch habe ich einen wahnsinnig guten Zugang zu wichtigen Leuten erhalten, man kommt sehr viel herum. Das hat mir sehr gefallen – hätte ich dieses Netzwerk nicht, dann wäre ich schon lange wieder in der Schweiz.»</p>
<blockquote><p>«Das sind alles Profis, die sagen dir während eines Interviews nichts, was sie nicht gedruckt sehen wollen.»</p></blockquote>
<p>Auch im glamourösen Hollywood ist das Leben als Filmjournalistin heute ein härteres als früher. Die Stars reisen mehr, erzählt von Arx, geben auch in Europa Interviews, die Redaktionen in der Schweiz sind nicht mehr angewiesen auf Material von Freischaffenden vor Ort. Missgunst unter den Journalist*innen spüre sie aber keine.</p>
<p>Ist das Leben in Hollywood wirklich so glamourös, wie man es sich vorstellen könnte? «Ach, das mit dem Glamour», sagt von Arx, lehnt sich zurück und grinst. Sie erzählt, dass die grossen Filmpremieren natürlich Teil des Jobs sind. Natürlich gäbe es jeweils eine Afterparty, «aber die dauern nicht bis in die frühen Morgenstunden». Oft seien die grossen Stars dann gar nicht mehr dabei – im Gegensatz zu solchen Anlässen in London: «Dort bleiben die Darsteller*innen, trinken auch mal einen zu viel. L.A. ist da wirklich das pure Gegenteil, die Premiere ist Teil vom Business: Die Stars putzen sich heraus, zeigen sich, bleiben dann vielleicht zehn Minuten im VIP-Bereich der Party und gehen dann wieder. Die dürfen ja auch alle keine Augenringe haben am nächsten Tag.» Eine wirkliche Beziehung zu den Stars baue man als Journalistin auch in Hollywood nicht auf, sagt von Arx. Auch die Kultur des Gegenlesens existiert kaum: «Das sind alles Profis, die sagen dir während eines Interviews nichts, was sie nicht gedruckt sehen wollen».</p>
<p>Nach all den Jahren in der Branche ist von Arx nicht mehr nervös vor Interviews: «Es klingt vielleicht blöd», erklärt sie, «aber ich habe die ja alle schon so oft getroffen.» Viel mehr habe sie sich gefreut, als sie vor kurzem an einem Schwingfest in der Ostschweiz den Schwinger Samuel Giger gesehen habe. Oder als sie an einem Event auf Roger Federer traf: «Ich war ja schon Tennisfan, bevor der überhaupt auf der Welt war.»</p>
<blockquote><p>«Kürzlich fragte ich Journalistenschüler, ob sie sich eigentlich bewusst seien, dass uns die Stars mit ihren Social-Media-Aktivitäten praktisch überflüssig machen.»</p></blockquote>
<p>Ihre Arbeit werde heute stark von den Social-Media-Aktivitäten der Stars beeinflusst, sagt von Arx: «Die haben heute ja praktisch alle Instagram. Kürzlich nahm ich an einer Diskussion an einer Journalistenschule in Los Angeles teil und fragte die Schüler, ob sie sich eigentlich bewusst seien, dass uns die Stars dadurch praktisch überflüssig machen.» Aber auf seinem Instagram-Account gibt Brad Pitt keine Interviews. «Nein, aber die Promotionsarbeit findet dort statt. Die Stars posten auf Instagram das, was sie der Welt erzählen wollen.» Und die Branche reagiert: Es gäbe auch Schweizer Schauspielerinnen, die von Arx erzählen, dass sie unter einer gewissen Followerzahl nicht einmal zu Castings zugelassen werden.</p>
<p>Mit <a href="https://www.instagram.com/moviemarlene/?hl=de" target="_blank" rel="noopener">Social Media</a> macht von Arx aber auch gute Erfahrungen. So hat sie eine regelmässige Kolumne <a href="https://www.bluewin.ch/de/suche.html#q=Marl%C3%A8ne%20von%20Arx" target="_blank" rel="noopener">bei Bluewin</a> erhalten. «Auf einem Filmevent von Sony lernte ich eine Redaktorin kennen, wir befreundeten uns auf Facebook. Ich bot über diesen Kanal eine Geschichte an und daraus wurde eine anhaltende, regelmässige Zusammenarbeit.» Zu ihren regelmässigen Kunden gehören heute ausserdem CH Media, «Schweizer Illustrierte», «Style», «Frame» und das «Migros Magazin».</p>
<p>Wie schlägt man sich als freie Journalistin durch in Hollywood, einer Welt, die nicht nur oberflächlich, sondern auch ganz schön teuer ist? «Ich brauche nicht viel Geld», sagt von Arx, «und ich habe das Glück, dass meine Wohnung ‹rent controlled› ist. Das heisst, die Miete darf pro Jahr um nicht mehr als einen gewissen Betrag erhöht werden.» Anders als sonst in den USA üblich.</p>
<blockquote><p>«Niemand war in Hollywood wirklich überrascht vom Fall Weinstein – dass es aber so schlimm war, das wussten wohl die wenigsten.»</p></blockquote>
<p>Spricht man mit einer Filmjournalistin aus Hollywood, kommt man nicht darum herum, auch über den Produzenten Harvey Weinstein zu sprechen. Der Fall sei noch immer dauerpräsent und habe grosse Wellen geworfen in der Branche, erzählt von Arx: «Niemand war wirklich überrascht – dass es aber so schlimm war, das wussten wohl die wenigsten.» Der Zusammenhalt, der sich unter Hollywoods Frauen gebildet hat, sei enorm wichtig. Vor dem Fall, erzählt von Arx, sei der Konkurrenzdruck gerade unter Schauspielerinnen im Fokus gestanden: «Die durften ja kaum zugeben, dass sie sich auch privat kennen und vielleicht sogar mögen.» In der Post-Weinstein-Zeit ist das anders. Dass momentan noch viel über Quoten läuft, findet von Arx in Ordnung. Die Berner Schauspielerin und Regisseurin Yangzom Brauen erzählte von Arx im Interview vom harten Einstieg in die Filmbranche. Für von Arx ist Yangzom ein Beispiel, das gut aufzeigt, warum Quoten der richtige Weg sein können: «Natürlich ist sie sich bewusst, dass nebst Ihres Könnens gleich zwei Pluspunkte für sie sprechen: Sie ist eine Frau und eine Minderheit, weil sie keine Amerikanerin ist. Aber momentan sind solche Veränderungen wichtig.» Und auch, wie über Frauen geschrieben wird, habe sich seither verändert. Sie sei allerdings verwundert darüber, wie lange das nun schon andauert und wie viele Journalist*innen noch immer extrem oberflächlich über Frauen schrieben, erzählt von Arx: «Ich selber schreibe schon seit Dekaden nicht mehr über die Äusserlichkeiten von Frauen.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/08/29/von-den-kaninchenzuechtern-im-freiamt-zu-arnold-schwarzenegger-in-hollywood/">Von den Kaninchenzüchtern im Freiamt zu Arnold Schwarzenegger in Hollywood</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Mit 800 Franken im Monat komme ich durch»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias von Wartburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2018 09:11:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Berner Journalistin Camilla Landbø lebt mit ihrem Sohn in La Paz und arbeitet dort als freie Korrespondentin. Nach Bolivien hat es sie via Mexiko und Argentinien verschlagen. Der Konzentrationsprozess der Schweizer Medien geht auch an ihr nicht spurlos vorbei. Dass Camilla Landbø Journalistin wurde, entschied sich Ende der 1990er Jahren vor einem Abfalleimer der <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Berner Journalistin <a href="https://www.camillalandboe.com/" rel="noopener" target="_blank">Camilla Landbø</a> lebt mit ihrem Sohn in La Paz und arbeitet dort als freie Korrespondentin. Nach Bolivien hat es sie via Mexiko und Argentinien verschlagen. Der Konzentrationsprozess der Schweizer Medien geht auch an ihr nicht spurlos vorbei.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-57563" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Dass Camilla Landbø Journalistin wurde, entschied sich Ende der 1990er Jahren vor einem Abfalleimer der Universität Bern. Landbø hatte soeben eine Biologievorlesung verlassen und all ihre Uni-Unterlagen in den Abfall gekippt.</p>
<p>Nach dem Gymnasium hatte Camilla Landbø ein klares Ziel: Meeresbiologin. «Ich dachte ich werde der zweite Jacques-Yves Cousteau», sagt die 43-Jährige und lacht. Doch dann, nach anderthalb Jahren an der Uni, verliess sie eine Vorlesung über Vögel und steuerte auf den Abfalleimer zu. «Zwei Mitstudentinnen waren dermassen begeistert vom Studium, da merkte ich, dass ich diese Leidenschaft nicht teile.» Als die Unterlagen im Abfall lagen, wusste Camilla Landbø: «Ich muss raus in die Welt.» Danach bereiste die Studienabbrecherin Mexiko und merkte, dass sie vielen spannenden Geschichten begegnete, die sie erzählen wollte. Ein neues Berufsziel war gefunden. </p>
<p>Insgesamt reiste Camilla Landbø damals fünfmal nach Mexiko. Während einem Zwischenstopp in der Heimat begann sie für das Burgdorfer Tagblatt als freie Mitarbeiterin zu schreiben. Bei einem nächsten Zwischenhalt heuerte sie bei der «Berner Zeitung» an. Nach einem Jahr lehnte sie ein Angebot für eine Festanstellung ab und arbeitete weitere zwei Jahre als Freie um danach wieder auf Reisen zu gehen.</p>
<p>2006 brach Camilla Landbø ihre Zelte in der Schweiz definitiv ab. Zuerst bereiste sie Brasilien. «Mein Grossvater kam aus Brasilien und ich fühlte mich von Anfang an daheim», sagt Landbø. Sie suchte Familienangehörige und den Geburtsort ihres Grossvaters. Neben ihren südamerikanischen Wurzeln ist Landbø halbe Norwegerin (daher der Name mit dem ø) und hat Vorfahren im Tessin. Nach Brasilien bereiste sie Argentinien und liess sich in Buenos Aires nieder, wo sie während sieben Jahren als freie Korrespondentin arbeitete. Am Anfang sei es mit dem Schreiben noch langsam vorwärts gegangen, sagt sie: «Ich schrieb den einen und anderen Bericht für die ‹Welt›, WoZ oder ‹das Parlament› in Deutschland.» In dieser Zeit habe sie phasenweise auch noch Deutschunterricht gegeben. Später habe sie dann, dank regelmässigen Aufträgen, voll auf den Journalismus setzen können.</p>
<p>Danach wollte die Bernerin eine kurze Auszeit vom Journalismus nehmen. «Um neue Ideen, Inspiration und Geschichten zu finden», wie sie im Gespräch mit der MEDIENWOCHE sagt. Sie nahm eine saisonale Servicestelle in einem Restaurant in der Berner Altstadt an. Kurz vor der Abreise in Südamerika nach Bern stellte sie fest, dass sie schwanger war. Ihr Sohn kam in Bern zur Welt und aus der kurzen Auszeit wurde eine längere.</p>
<p>Damals lancierte sie die Internetplattform <a href="https://www.babybaern.ch" rel="noopener" target="_blank">Baby Bärn</a>. Eine Infoseite für Eltern in Bern. Was gibt es alles für Hütedienste? In welchem Restaurant hat es einen Wickeltisch? Wo werden stillende Mütter nicht blöd angestarrt? Mittlerweile komme mit Werbeanzeigen auf der Seite schon «ein kleiner Betrag» rein, sagt Landbø. Aber Baby Bärn reichte ihr auf die Dauer nicht: «Schon nach zwei Jahren zog es mich wieder weg.» Sie habe die Freiheit als freie Korrespondentin vermisst. Nach viereinhalb Jahren in der Schweiz zog sie wieder los.</p>
<p>Seit November 2017 lebt sie in Bolivien in La Paz auf 3600 Meter über Meer. «Ich hatte hier schon Freunde und das Leben in La Paz ist etwa halb so teuer wie in Buenos Aires», so Landbø. «Pro Monat brauche ich aktuell nur 800 Franken.» Momentan lebt sie noch zur Untermiete. Aber auch mit eigener Wohnung würden die Lebenskosten tief bleiben, sagt sie. </p>
<p>Das Interview für diesen Text wurde per Skype geführt. Camilla Landbø sitzt in einem Kaffee und gönnt sich ihre Morgenzigarette. Die Internetverbindung reicht für ein Standbild (sie vor einem bunten Wandgemälde, die Zigi in der linken Hand) und scheppernden Ton. Sie habe eben ihren Sohn in die Kindertagestätte gebracht. Landbø lebt hier als alleinerziehende Mutter. «Der Begriff ‹hauptzuständig› ist mir lieber», interveniert sie. Trotz mieser Tonqualität des Skype-Anrufes ist zu hören, dass sie dabei grinst. Aber sie meint es schon ernst: «Ich möchte das ewig traurige Bild der alleinerziehenden Mütter entkräften: Ich bin hauptzuständig und der Vater, der in Buenos Aires lebt, ist nebenzuständig.» Das klinge doch viel positiver, sagt sie.</p>
<p>Aber, wie geht das überhaupt, freie Korrespondentin und dann noch die Hauptzuständigkeit für ein kleines Kind? «Das geht sehr gut», sagt sie und fügt an: «Grössere Recherchen versuche ich jeweils mit einer Reise zu kombinieren. Mein 5-jähriger Sohn begleitet mich dann jeweils.» Vor wenigen Tagen sei sie von einer Reportagereise auf der Isla del Sol zurückgekehrt. Auf der Bolivianischen Insel im Titicacasee traf sie einen Schamanen. Daraus entsteht ein Artikel für das katholische <a href="https://www.kontinente.org/" rel="noopener" target="_blank">Magazin «Kontinente»</a>.</p>
<p>«Mein Sohn geniesst diese Reisen sehr, aber ich muss längst nicht für jeden Text umherreisen.» Als langjährige Korrespondentin in Südamerika habe sie sich ein Netzwerk aufgebaut. «So kann ich bei Bedarf meine Kontakte vor Ort anzapfen und komme so schnell zu verlässlichen Informationen.» Der letzte solche Artikel handelte von Abtreibungen in Argentinien: «Abtreibung als Privileg für Reiche». Der ist in der Schweiz im «St. Galler Tagblatt», in Zeitungen in Deutschland und Österreich erschienen. Dank ihrem Kontaktnetz findet sie oft mehrere Abnehmer für einen Text. «2015 hatte ich ein <a href="https://derstandard.at/2000012314398/Pepe-Mujica-Vielleicht-bin-ich-ein-wenig-Anarchist" rel="noopener" target="_blank">Interview mit Pepe Mujica</a>, damaliger Präsident von Uruguay, sieben Mal verkauft.» Dafür musste der Text aber auch ins Französische und Italienische übersetzt werden. Kürzlich machte Camilla Landbø aber die Erfahrung, dass Zweitverwertungen innerhalb der Schweiz immer schwieriger werden: «Ich habe einen ehemaligen Kollegen bei der BZ kontaktiert und ihm eine Geschichte angeboten. Wegen der Zusammenlegung der Tamedia-Redaktionen verwies er mich direkt nach Zürich. Dort hiess es, wegen der Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung könne man keine Texte von freien Korrespondentinnen mehr nehmen.» </p>
<p>Trotzdem ist Camilla Landbø zuversichtlich, weiterhin Abnehmer für ihre Geschichten zu finden. «Beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Nachrichten-Agentur" rel="noopener" target="_blank">Agenturdienst KNA</a> in Deutschland kann ich regelmässig Texte liefern. Und auch sonst baue ich mein Abnehmernetz weiter aus – auch ausserhalb der Schweiz.» Sie habe mittlerweile Kontakt zu Redaktionen in Deutschland, Österreich und Luxemburg. «Man vergisst oft, dass es diverse Länder mit deutschsprachigen Medien gibt. Zum Beispiel auch Liechtenstein, dort bin ich aktuell in Kontakt mit einer neuen Redaktion.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/">«Mit 800 Franken im Monat komme ich durch»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Im ersten Moment war das Auswandern für meine Laufbahn ein Fehler»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/12/07/im-ersten-moment-war-das-auswandern-fuer-meine-laufbahn-ein-fehler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias von Wartburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Dec 2017 14:09:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Sara Lisa Schäubli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zürcherin Sara Lisa Schäubli lebt in Hamburg und arbeitet dort als freie Journalistin. Den Einsteig ins Berufsleben ausser Landes hatte sie sich einfacher vorgestellt. Inzwischen hat sie ihre Nische gefunden – nicht zuletzt dank geschicktem Networking. Ausgewandert ist sie aus Liebe. Vor drei Jahren zog Sara Lisa Schäubli zu ihrem Mann nach Hamburg. Das <a href="https://medienwoche.ch/2017/12/07/im-ersten-moment-war-das-auswandern-fuer-meine-laufbahn-ein-fehler/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/12/07/im-ersten-moment-war-das-auswandern-fuer-meine-laufbahn-ein-fehler/">«Im ersten Moment war das Auswandern für meine Laufbahn ein Fehler»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zürcherin <a href="https://www.saralisa-schaeubli.com/" target="_blank" rel="noopener">Sara Lisa Schäubli</a> lebt in Hamburg und arbeitet dort als freie Journalistin. Den Einsteig ins Berufsleben ausser Landes hatte sie sich einfacher vorgestellt. Inzwischen hat sie ihre Nische gefunden – nicht zuletzt dank geschicktem Networking.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-50754" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/12/MW-Sara-Lisa-Schaeubli_20171207.jpg" alt="" width="1024" height="686" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/12/MW-Sara-Lisa-Schaeubli_20171207.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/12/MW-Sara-Lisa-Schaeubli_20171207-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/12/MW-Sara-Lisa-Schaeubli_20171207-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/12/MW-Sara-Lisa-Schaeubli_20171207-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
Ausgewandert ist sie aus Liebe. Vor drei Jahren zog Sara Lisa Schäubli zu ihrem Mann nach Hamburg. Das Ziel war von Anfang an klar: In Hamburg als Journalistin zu arbeiten. «Und ich dachte auch, dass das total einfach wird», sagt die 28-Jährige heute. «Hamburg, Medienstadt, unzählige Verlage, da wird sich schon was finden, malte ich mir aus.»</p>
<p>Es kam alles anders. Erst musste Sara Lisa Schäubli ihr Studium an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) abschliessen. Den Kommunikations-Bachelor (Vertiefung Journalismus) im Sack jobbte sie weiterhin als Barkeeperin.</p>
<p>Daneben verfolgte sie diverse Projekte. Letztes Jahr eröffnete sie zum Beispiel einen Pop-Up-Store für Printmagazine. «Im ABC Magazin-Laden bot ich während zwei Monaten einen Raum für unabhängige Printmagazine.» Man konnte die Magazine, zum Beispiel «Reportagen» aus der Schweiz, kaufen, oder sich für fünf Euro pro Stunde quer durch das Angebot lesen. Das Projekt, durch Crowdfunding finanziert, zog viele Leute an. Einmal veranstaltete sie zum Beispiel eine Lesung mit einer Autorin von «Reportagen». «Das alles war super spannend und ideal um neue Kontakte in der Medienszene zu knüpfen.» Aber finanziell sei es ein «totales Verlustgeschäft» gewesen.</p>
<blockquote><p>Ganz oben steht ein Überbleibsel aus der Heimat: Eine Büchse Ovomaltine.</p></blockquote>
<p>Während dem Skype-Interview für diesen Text sitzt Sara Lisa in ihrer Küche. An der Wand hinter ihr hängt der Durchlauferhitzer für das warme Wasser. Küchengeräte und Vorräte sind auf vier Regalbretter an der Wand verstaut. Ganz oben steht ein Überbleibsel aus der Heimat: Eine Büchse Ovomaltine. «Ja, das ist mein Arbeitsplatz und es ist total nervig.» Die Sitzhaltung am Küchentisch sei fern jeglicher Ergonomie.</p>
<p>Denn seit einiger Zeit sitzt Sara Lisa Schäubli oft am Computer. Seit Anfang 2017 arbeitet sie als freie Journalistin. «Seit zwei, drei Monaten kann ich sagen, dass es mit den Aufträgen wirklich gut läuft.» Schäubli entschied sich aus mehreren Gründen für den freien Journalismus: «Ich fühlte mich mit dem Gedanken, hier jeden Tag in einer Redaktion zu sitzen, nicht wohl. Das habe ich zum Glück früh genug gemerkt.» Aber sie räumt auch ein, dass es, trotz Medienstadt, nur sehr wenige freie Stellen gibt. Die Konkurrenz sei gross, sagt sie und fügt an: «Im ersten Moment war das Auswandern für meine Laufbahn ein Fehler.» Denn ihr Studium an der ZHAW sei in Deutschland kaum bekannt. «Potentielle Arbeits- oder Auftraggeber kann man hier mit diesem Papier nicht beeindrucken», so Schäubli.</p>
<blockquote><p>«Plötzlich merkte ich, dass der freie Journalismus genau das ist, was zu mir und meiner Situation passt.»</p></blockquote>
<p>Mit dieser Ausgangslage drängte es sich auf: «Plötzlich merkte ich, dass der freie Journalismus genau das ist, was zu mir und meiner Situation passt.» Und so baute sie sich eine eigene Webseite, druckte Visitenkärtchen «Sara Lisa Schäubli – freie Journalistin». «Im Moment als ich diese Visitenkärtchen das erste mal in den Händen hielt, wurde es wahr. Freie Journalistin. Weil ich das mit genug Selbstvertrauen angegangen bin, hat sich der Rest fast von alleine ergeben.»</p>
<p>Dank ihrem Magazin-Laden hatte sie schon diverse Kontakte geknüpft. Auch zu anderen freischaffenden Journalisten. Die ersten Aufträge erhielt Sara Lisa vom Magazin SZENE Hamburg. Dort schrieb sie zum Beispiel die Reportage «St. Pauli – zwischen Dorf und Metropole». «Das SZENE Hamburg war für mich der ideale Einstieg. Das Magazin ist vom Stil und Inhalt nahe beim Berner Magazin Bewegungsmelder wo ich in meinen Anfängen in der Schweiz geschrieben habe.»</p>
<p>Mittlerweile kann Sara Lisa Schäubli für weitere Auftraggeber schreiben. Am Anfang wurde sie teilweise, selbst für Deutsche Verhältnisse, miserabel bezahlt. «Ich muss sagen, die Verhandlungen um das Honorar fielen mir am Anfang sehr schwer. Als Berufseinsteigerin, die wenn überhaupt nur Schweizer Zahlen kannte, hatte ich null Ahnung, was ich verlangen kann.» Für eine Reportage ziemlich am Anfang führte sie sechs verschiedene Interviews und schrieb knapp 12&#8217;000 Zeichen. Honorar: 300 Euro. «Solche Aufträge nehme ich nicht mehr an. Ich verlange jetzt mindestens 250 Euro pro Tag.»</p>
<p>Und es kommen jetzt auch auch Aufträge aus der Schweiz dazu. Schäubli hilft beim Aufbau des Lifestyle-Portals NZZ Bellevue. Sie ist für das Ressort Reisen und Entdecken zuständig und kann momentan regelmässig Texte liefern.</p>
<blockquote><p>«Ja, tausendfünfhundert. Das reicht. Unsere Wohnung ist aber mit 700 Euro schon sehr günstig.»</p></blockquote>
<p>Sara Lisa Schäubli braucht momentan auch nicht viel zum Leben. An den gemeinsamen Haushalt mit ihrem Mann steuert sie im Monat 1500 Euro bei. «Von diesen 1500 Euro kann ich dann auch noch sparen und etwas für die Ferien zur Seite legen.» Als Schweizer denkt man sofort, dass man sich verhört hat. Aber: «Ja, tausendfünfhundert. Das reicht. Unsere Wohnung ist aber mit 700 Euro schon sehr günstig.» Ihr Mann lebt schon seit 8 Jahren in der Zweizimmerwohnung – ohne Mietzinserhöhung.</p>
<p>Darum kann sich Sara Lisa Schäubli jetzt auch ein externes Büro leisten. In einem Haus in dem diverse Ateliers untergebracht sind, wird bald ein Schreibtisch frei. «Ich freue mich wirklich sehr darauf, nicht mehr daheim arbeiten zu müssen.» Arbeite sie nämlich daheim in der Küche, könne sie kaum zwischen Arbeit und Freizeit trennen. «Viele sagen ja, dass sie im Homeoffice ständig abgelenkt seien und kaum zum Arbeiten kämen. Bei mir ist das Gegenteil der Fall.» Es komme vor, dass sie Abends um 23 Uhr merke, dass sie immer noch am Arbeiten sei und vielleicht langsam eine Pause bräuchte. «Ich muss lernen, mich abzugrenzen, denn ich habe so viel Leidenschaft für das, was ich tue und bin noch am Anfang und voller Energie.»</p>
<blockquote><p>In ihrer Freizeit baut sie momentan mit einer Freundin ihr eigenes Magazin auf.</p></blockquote>
<p>Aber auch mit externem Bürotisch wird es Sara Lisa Schäubli schwer fallen, sich abzugrenzen. In ihrer Freizeit baut sie momentan mit einer Freundin ihr eigenes Magazin auf. Es soll ein «Fanzine» über St. Pauli werden, sagt sie. Das Ziel sei es, dass sich die Leuten die dort wohnen und arbeiten, neu in ihr Viertel verlieben. «Es passiert schnell, dass man als Bewohner ins Nörgeln kommt, es gibt auch viel um sich aufzuregen, aber wir wollen lösungsorientiert an die Sache gehen.» So soll es ein Reisemagazin für Einheimische werden in dem die Bewohner aus St. Pauli zu Wort kommen. «Wie Lokaljournalismus nur ohne Einschränkungen. Weil man nicht von Anzeigekunden abhängig ist kann man es genau so machen, wie man es sich vorstellt.»</p>
<p>Das Magazin soll gratis verteilt werden. Darum arbeiten auch alle Beteiligten kostenlos. «Ich finde es wichtig, dass man sich nicht nur fragt, ‹was bringt mir Geld?›, sondern auch überlegt, ‹was macht mir Spass?›»</p>
<p>Bild: <a href="http://normanhoppenheit.com/" rel="noopener" target="_blank">Norman Hoppenheit</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/12/07/im-ersten-moment-war-das-auswandern-fuer-meine-laufbahn-ein-fehler/">«Im ersten Moment war das Auswandern für meine Laufbahn ein Fehler»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>In Tel Aviv hängen geblieben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/08/09/in-tel-aviv-haengen-geblieben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias von Wartburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Aug 2017 11:08:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Joëlle Weil]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zürcher Journalistin Joëlle Weil (28) lebt seit vier Jahren in Tel Aviv und schreibt für Schweizer Zeitungen und Magazine. Freier Journalismus sei für sie in Israel einfacher als in der Schweiz. Vor vier Jahren musste sich Joëlle Weil entscheiden. Nach einer Festanstellung bei der Schweizer Illustrierte liess eine neue Stelle auf sich warten. Was <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/09/in-tel-aviv-haengen-geblieben/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zürcher Journalistin Joëlle Weil (28) lebt seit vier Jahren in Tel Aviv und schreibt für Schweizer Zeitungen und Magazine. Freier Journalismus sei für sie in Israel einfacher als in der Schweiz.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-45930" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/08/MW-Joelle-Weil-01-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Vor vier Jahren musste sich <a href="http://www.joelleweil.ch/" target="_blank">Joëlle Weil</a> entscheiden. Nach einer Festanstellung bei der Schweizer Illustrierte liess eine neue Stelle auf sich warten. Was tun? Übergangsjob, Freier Journalismus oder doch in die PR wechseln? Joëlle Weil entschied sich für – Ferien. «Ich wollte eine Auszeit von sechs Monaten nehmen. Dabei vielleicht ein, zwei Texte schreiben.» Und: Während dieser Zeit wollte Joëlle Weil, aus den Ferien, eine neue Stelle in der Schweiz finden.</p>
<p>Weil flog nach Tel Aviv. Die 28-Jährige kennt die Israelische Grossstadt als Ferienort aus ihrer Kindheit und Jugend. «Tel Aviv war mir genug bekannt, dass ich mich schnell daheim fühlen konnte und trotzdem fremd genug, dass es sich noch als Abenteuer anfühlte.»</p>
<blockquote><p>«Die Geschichten liegen hier auf der Strasse»</p></blockquote>
<p>Zum Ferienmachen oder Jobsuchen ist Weil aber gar nicht gekommen. In Tel Aviv angekommen, drohte Iran mit einem Militärschlag gegen Israel. «Da war ich eigentlich noch im Ferienmodus.» Sie konnte aber schnell den ersten Artikel schreiben. «Ich realisierte, dass ich gar keine Pause machen muss, die Geschichten liegen hier auf der Strasse.»</p>
<p>Nach einem halben Jahr merkte Weil, dass sie «irgendwie vom freien Journalismus leben kann.» Sie hängte ein weiteres halbes Jahr an und ist mittlerweile seit vier Jahren im Nahen Osten. </p>
<p>Während Joëlle Weil die Fragen für diesen Text per Skype beantwortet, sitzt sie in einem Café im Zentrum von Tel Aviv. «Eines meiner Arbeits-Cafés. Ich sitze oft hier. Die nehmen es einem auch nicht übel, wenn man fünf Stunden hier ist und nur einen Kaffee bestellt.» Der Lärmpegel im Arbeits-Café ist mindestens so hoch wie in einem Newsroom. Weil hat ihr Smartphone auf dem Tisch hingestellt und stützt sich mit ihren Ellenbogen auf. Haare offen, schwarzes Top, Lesebrille.</p>
<blockquote><p>«Für die harten Polit-Storys greifen die Redaktionen lieber auf die eigenen Korrespondenten zurück.»</p></blockquote>
<p>Neben ihrer wöchentlichen <a href="https://www.blickamabend.ch/joelle-weil" target="_blank">Kolumne im Blick am Abend</a> schreibt Weil zwischen ein und vier Texte pro Monat. Zum Beispiel <a href="https://nzzas.nzz.ch/gesellschaft/riot-girl-janna-jihad-aktivistin-ld.1300636" target="_blank">«Riot Girl» für die NZZ am Sonntag</a> über ein 10-jähriges palästinensisches Mädchen, welches die Zusammenstösse mit der Israelischen Armee in ihrem Dorf in der Westbank mit der Kamera dokumentiert. Oder «Das vegane gelobte Land», wo Weil für das Vegan-Magazin über Esskultur in Israel schreibt. Momentan porträtiert sie für das Sonntagsblick-Magazin einen ultraorthodoxen transsexuellen Mann, der heute in Jerusalem als Frau lebt. Weil hat sich zum Ziel gemacht, sich künftig stärker mit harten Polit-Storys zum Nahost-Konflikt zu positionieren. «Als Freelancer ist das jedoch sehr schwer. Da greifen die Redaktionen lieber auf die eigenen Korrespondenten zurück. Oder es kommen die zum Zug, die das schon sehr lange machen.»</p>
<p>Sie ist überzeugt, als Freie in Zürich hätte sie deutlich mehr Mühe als in Tel Aviv. «Nur schon finanziell: Die Lebenskosten sind hier tiefer, so habe ich weniger Druck und mehr Zeit für meine Geschichten.» Konkret muss Joëlle Weil neben dem Honorar der Kolumne im Blick am Abend, das sie nicht verraten will, um die 2000 Franken einnehmen. «Damit komme ich über die Runden, habe aber noch nichts zur Seite gelegt.» </p>
<blockquote><p>«Arabisch zu lernen, braucht extrem viel Disziplin.»</p></blockquote>
<p>Viele Storys schnappt sie in lokalen Medien oder im Gespräch mit der Bevölkerung auf. «Es gibt eigentlich keinen Ecken in diesem Land, der vom Israelischen TV nicht bis ins Detail besprochen wird. Da gibt es oft gute Geschichten, die ich weiter verfolgen kann.» Ausserdem seien die Israelis sehr offen und hätten ein grosses Mitteilungsbedürfnis. «Wenn man noch fliessend Hebräisch spricht, kommt man sehr schnell ins Gespräch und schnell zu neuen Ideen für Geschichten», sagt Weil während sie ihre langen Locken mit beiden Händen nach Hinten streicht. Weil hatte bereits als Kind Hebräisch gelernt. Jetzt lernt sie Arabisch. Den ersten Arabischkurs besuchte sie 2014. Ein Jahr später zog sie für eine intensive Lernphase für einen Monat in ein arabisches Dorf. «Arabisch zu lernen, braucht extrem viel Disziplin.»</p>
<p>Dank ihren Sprachkenntnissen hat Weil in Tel Aviv eine Art Nische gefunden. Neben ihr gibt es in Tel Aviv nur wenige andere Journalisten, die fliessend hebräisch sprechen. «Das habe ich bei vielen Reportagen gemerkt, dass mir das einen unglaublichen Vorteil bringt.» In der Schweiz wäre sie nur eine unter vielen. </p>
<p>Dass Medien mit Aufträgen auf sie zugehen, komme selten vor. «Während des Gaza-Kriegs 2014, da sind einige Anfragen gekommen, auch aus Deutschland.» Aber sonst sei es halt wie bei jedem Freien: «Es hat niemand auf dich gewartet. Und wenn du dich nicht anbietest, hast du keine Arbeit», sagt Weil und muss sich dabei Mühe geben, die Lärmkulisse ihres Arbeits-Cafés zu übertönen. </p>
<blockquote><p>«Als freie Journalistin arbeitest du viel bewusster. Halb ausgereifte Ideen nimmt kaum eine Redaktion.»</p></blockquote>
<p>Joëlle nippt an ihrem Wasser, im Glas schwimmt eine Mange Grünzeug. «Das ist Nana, israelische Pfefferminze.» Vor dem Interview sei sie mit ihrem Hund Gassi gegangen – bei 30 Grad am Schatten. «Darum brauche ich zum Kaffee eine Erfrischung.»</p>
<p>Nach vier Jahren Tel Aviv zieht die freie Journalistin eine positive Bilanz. Die Erfahrung sei für sie äusserst wertvoll. «Als freie Journalistin arbeitest du viel bewusster. Musst dich viel stärker mit den Geschichten auseinandersetzen. Halb ausgereifte Ideen nimmt kaum eine Redaktion.» </p>
<p>Warum ist sie eigentlich nicht schon lange offizielle Nahost-Korrespondentin für eine Redaktion? «Das wäre in absehbarer Zukunft sicher ein toller Karriereschritt. Aber auch als Freie gefällt es mir hier sehr gut.»</p>
<p>Man merkt, Joëlle Weil fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimat, ist längst keine Touristin mehr. Auch die latente Terrorbedrohung macht ihr keine Mühe. Das sei längst Normalität geworden. «Und ich bin so oder so ein furchtfreier Mensch. Da müssten mir schon acht düstere Männer im Dunkeln folgen, dass es mir mulmig würde.» Und ausserdem habe sie das Gefühl, dass Israel beinahe sicherer sei als Europa. «Dieses Land ist schon seit seiner Gründung in Alarmbereitschaft.» </p>
<p>Joëlle Weil sieht neben dem Tisch zu Boden. «Shismo sitz!» Sie richtet die Kamera auf ihren Hund, ein Husky-Mischling. Er war ein Wachhund bei einer arabischen Familie. «Ich habe ihn aus seiner misslichen Lage frei gekauft. ‹Shu-ismo› heisst auf Arabisch, ‹wie heisst er›. Ich musste immer wieder fragen, wie er heisst, so wurde das sein neuer Name.» </p>
<blockquote><p>«Rückkehr in die Schweiz? Israel ist beruflich ein viel zu spannendes Pflaster.»</p></blockquote>
<p>Joëlle Weil ist inzwischen in Tel Aviv fest verankert. Sie hat nicht nur einen Hund, seit einem Jahr ist sie mit einem Israeli zusammen. Hund, Freund, Job: Kommt Joëlle Weil gar nie mehr zurück in die Schweiz? «Ou, wenn ich jetzt das so sagen würde, bekäme meine Mutter beim Lesen einen Heulkrampf.» Und doch, wenn sie ehrlich ist, dann ist die Schweiz momentan keine Option. «Israel ist beruflich ein viel zu spannendes Pflaster.» Es fühle sich an, wie als Modeliebhaber in einen Second-Hand-Laden zu stöbern: «Man kann einfach wühlen und dann finden man immer irgendwas Spannendes.»</p>
<p>Das Portfolio von Joëlle Weil unter <a href="http://www.joelleweil.ch/" target="_blank">www.joelleweil.ch</a>.</p>
<p><small>Bilder: Joëlle Weil/zvg</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/09/in-tel-aviv-haengen-geblieben/">In Tel Aviv hängen geblieben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Es läuft so gut, ich kehre noch lange nicht zurück»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/05/15/es-laeuft-so-gut-ich-kehre-noch-lange-nicht-zurueck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias von Wartburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2017 20:41:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Hirschi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Journalistin Eva Hirschi lebt einen Traum: Seit einem Jahr reist sie für unbestimmte Zeit um die Welt und verdient ihr Geld mit Journalismus – unter anderem betreut sie den Nachtdienst von Watson. Freier Journalismus sei auch von unterwegs nicht einfach, aber sehr wohl möglich. «Eine Schweizer Journalistin auf Weltreise ohne Rückflugticket.» So präsentiert sich Eva <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/15/es-laeuft-so-gut-ich-kehre-noch-lange-nicht-zurueck/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/15/es-laeuft-so-gut-ich-kehre-noch-lange-nicht-zurueck/">«Es läuft so gut, ich kehre noch lange nicht zurück»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Journalistin <a href="http://www.evahirschi.ch/" target="_blank" rel="noopener">Eva Hirschi</a> lebt einen Traum: Seit einem Jahr reist sie für unbestimmte Zeit um die Welt und verdient ihr Geld mit Journalismus – unter anderem betreut sie den Nachtdienst von Watson. Freier Journalismus sei auch von unterwegs nicht einfach, aber sehr wohl möglich.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/05/eva.jpg" alt="" width="1024" height="683" class="alignnone size-full wp-image-50760" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/05/eva.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/05/eva-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/05/eva-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/05/eva-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
«Eine Schweizer Journalistin auf Weltreise ohne Rückflugticket.» So präsentiert sich Eva Hirschi ihren Abonnenten auf der <a href="https://www.instagram.com/eva_hirschi/" target="_blank" rel="noopener">Fotoplattform Instagram</a>. Beim Durchscrollen ihrer Bilder wird klar, die Reisejournalistin sitzt nicht nur hinter ihrem Laptop: Hashtag NewYork, Hashtag Brooklyn, Hashtag streetart. Danach einen Sonnenuntergang geknipst von einer Rooftopbar, Hashtag nofilter. Zwei Wochen später ein Foto aus Toronto. 13 Bilder später einen Finnwal. «The highligt of my Canada trip.» Es folgen Bilder aus Marokko, Senegal, Südafrika, Äthiopien, Bali, Nepal, Indien, Sri Lanka, Singapur, Myanmar, Malaysia, Honkong, Yunnan (Provinz im Südwesten Chinas), Taiwan und Südkorea. Nach fünfzehn Sonnenuntergängen, siebzehn exotischen Foodpornbildern, und elf Strandfotos steigt im Journalist in der Schweiz die Frage auf: «Reisen und gleichzeitig arbeiten &#8211; wie macht die das nur?» &#8211; «Ursprünglich wollte ich gar nicht so lange gehen», sagt Eva Hirschi. Sie sitzt in einem Café in Seoul der Hauptstadt Südkoreas. Im Hintergrund laute Frauenstimmen. Bei ihr ist es 17:05 Uhr – in der Schweiz sieben Stunden früher. Sie lächelt in die Kamera und erklärt via Skype: «Ich hatte keine Ahnung, ob es finanziell aufgehen würde. Jetzt läuft es aber so gut, dass ich noch lange nicht zurück muss.»</p>
<p><strong>«Gäbe mehr Geschichten, als ich umsetze»</strong><br />
Eine Weltreise zu machen, sei schon lange ihr grosser Traum gewesen, sagt die 26-Jährige. Nach dem Studium kam der perfekte Moment. «Ich hatte keine Wohnung, keinen Ehemann, keine Kinder, keinen Hund.» Bereits während des Studiums hat Hirschi als freie Journalistin geschrieben. Seit sie auf Weltreise ist, erscheinen regelmässig Texte von unterwegs. «New York einmal anders» Schweiz am Sonntag, «Bielerin fördert junge Frauen in Äthiopien» Bieler Tagblatt, «Kurkuma: Hustensaft wird In-Getränk» Migros-Magazin. An Inhalten mangelt es nicht: «Ich entdecke so viele spannende Sachen. Es gäbe deutlich mehr Geschichten, als ich schlussendlich umsetze.»</p>
<p>Im kleinen Café in Südkorea werden Kaffeebohnen gemahlen, dass man kurz kein Wort mehr versteht. Als der Lärm vorbei ist, will ich von ihr wissen, ob denn die potenziellen Storys ihre Reiseroute bestimmen. «Nein, gar nicht. Ich gehe dort hin, wo ich Leute kenne. Während meines Studiums der Internationalen Beziehungen in Genf lebte ich in einer WG, in der immer wieder internationale Austauschstudenten wohnten. So kenne ich Leute auf der ganzen Welt. Ich bin gerne mit Locals unterwegs, weil man so das Land besser kennenlernt und auch viel besser zu Geschichten kommt.»</p>
<p>Ganz ohne Reisebudget ist Eva Hirschi nicht gestartet. Während einer siebenmonatigen Schwangerschaftsvertretung bei NZZ Campus konnte sie «ziemlich viel auf die Seite legen». Dieses Geld war am Anfang der Reise auch nötig, als sie reihenweise Absagen erhielt. «Die Redaktionen haben immer weniger Budget für Reisejournalismus. Viele lassen einfach die eigenen Redaktoren, wenn sie in den Ferien sind, noch schnell einen Reiseartikel schreiben.»</p>
<p><strong>Nachtschicht für Watson</strong><br />
Seit sie von unterwegs auch noch für Watson arbeitet, ist der finanzielle Druck weg. «Ich hatte eigentlich gar keinen Job gesucht, als mich Maurice Thiriet, der Chefredaktor von Watson, auf Twitter angeschrieben hat.» Bei Watson waren 20 Stellenprozente in der Nachtschicht frei. Eva Hirschi hat sich beworben, aus dem Senegal per Skype ein Bewerbungsgespräch geführt und die Stelle erhalten. Später reist sie für die Einführung nach Bali. Dort lebt ein anderer Watson-Nachtschichtler. Dank Zeitverschiebung ist es da während der Nachtschicht taghell. «Hier in Südkorea ist es jetzt praktisch, da kann ich morgens um sechs beginnen und bin um zwei Uhr nachmittags fertig. Als ich bei Watson angefangen habe, war ich in Indien und Sri Lanka und musste dort um 03:00 Uhr aufstehen.»</p>
<p>Die Nachtschicht beginnt um 23:00 Uhr Schweizer Zeit. Ab dann ist Eva Hirschi alleine für Watson.ch verantwortlich. Sie muss schauen, was über die Agenturen reinkommt, um das dann «watsonmässig» aufzubereiten. «Dabei mache ich alles: Schweiz, International, People, Wirtschaft. Wenn ich ein Thema sehe, welches die Nachrichtenagenturen nicht haben, dann schreibe ich auch mal selber einen Artikel.» Ausserdem schaltet sie während der Nacht Kommentare frei und betreut die Social-Media-Accounts von Watson. Um 01:00 Uhr Schweizer Zeit sitzt Hirschi in einem Café irgendwo auf der Welt und durchforstet das E-Paper der Aargauer Zeitung nach Geschichten, die man für Watson übernehmen könnte. Um 06:00 Uhr übergibt sie dem Frühschichtler in Zürich und arbeitet noch eine Stunde mit. «Dieser Job ist wirklich ein Glücksfall. Mit einer guten Internetverbindung kann ich von überall aus arbeiten.» Nur: eine zuverlässige Internetverbindung ist längst nicht überall vorhanden. «Das Nachtschichtteam ist sehr flexibel. Ich kann meine Schichten auch mal so legen, dass ich ein paar Wochen nicht für Watson arbeite. Das war zum Beispiel nötig, als ich nach Myanmar ging.»</p>
<p><strong>Bilanz nach einem Jahr</strong><br />
Eva Hirschi ist nun exakt ein Jahr unterwegs und das Rückflugticket hat sie noch lange nicht gebucht. «Es macht wirklich Spass und ich bin froh, dass es so gut klappt», sagt sie. Einnahmen und Ausgaben seien ziemlich ausgeglichen. «Am Anfang bereiste ich mehrheitlich Länder, wo das Leben sehr günstig ist. Jetzt gehe ich noch einmal nach China, dann aber nach Japan, Neuseeland und Australien. Das wird natürlich viel teurer, aber ich habe mein Pensum bei Watson auf 40 Prozent erhöht, von daher geht das gut.»</p>
<p>Und sie ist überzeugt, auch ohne Job bei Watson könnte sie sich die Weltreise mit Journalismus finanzieren. «Dann hätte ich einfach mehr Texte geschrieben.» Es sei wie in der Schweiz als Freelancer: Nicht einfach aber möglich. Einen Nachteil sieht Hirschi trotzdem. «Ich erhalte das Honorar jeweils erst, wenn die Texte publiziert wurden. Und Reiseartikel sind relativ zeitlos und werden entsprechend nicht sofort gedruckt. Das Migros-Magazin zum Beispiel plant die Reiseartikel ein ganzes Jahr im Voraus. Daher muss ich teilweise lange auf das Geld warten.»</p>
<p>Wenn es also nicht das Geld ist, dann muss Eva Hirschi doch eines Tages vom Heimweh nach Hause getrieben werden. «Heimweh hatte ich noch nie. Schon als Kind nicht. Klar ich vermisse meine Familie und Freunde. Aber viele von ihnen kommen mich auf meiner Reise besuchen.» Geht die Reise also für immer so weiter? «Finanziell wäre es möglich. Ich habe bei Watson für ein weiteres halbes Jahr unterschrieben. So lange reise ich bestimmt noch.» Hirschi überlegt kurz. «Aber ewig werde ich nicht weite machen. Irgendwann werde ich meine Leute in der Schweiz dann doch zu sehr vermissen.»</p>
<p><strong>Work-Travel-Balance</strong><br />
Bis es aber so weit ist, ist Eva Hirschi darauf bedacht, dass die Work-Life-Balance, oder in ihrem Fall die Work-Travel-Balance, stimmt. «Ich will etwas von der Welt sehen und nicht die ganze Zeit in Cafés sitzen.» Denn neben den Nachtschichten und den Reisetexten schreibt Eva Hirschi auch eigene Artikel für ihren Blog. Ausserdem betreut sie die Social-Media-Kanäle einer Schweizer Kommunikationsagentur. Dazu schreibt sie ehrenamtlich für eine Reisewebsite. Als wäre das noch nicht genug, notiert Hirschi regelmässig ihre Erfahrungen. Zum Beispiel als sie in Indien in einem abgelegenen Dorf von einem Hund gebissen wurde und im Spital niemand auch nur ein Wort Englisch sprach. «Vielleicht entsteht daraus einmal ein Buch.» Unterdessen tönt im Café in Seoul Bruno Mars aus den Boxen: «Today I don&#8217;t feel like doing anything.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/15/es-laeuft-so-gut-ich-kehre-noch-lange-nicht-zurueck/">«Es läuft so gut, ich kehre noch lange nicht zurück»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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