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	<title>Attentat Paris | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Die Ameisenmühle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Nov 2015 21:37:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Ameisen]]></category>
		<category><![CDATA[Attentat Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Parabel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>War da was in Griechenland? Was macht eigentlich Sepp Blatter? Gab es einen TGV-Unfall mit zehn Toten? Alles kein Thema in den Medien. Mega-Ereignisse, wie jetzt gerade die Attentate von Paris, vernebeln das Erinnerungs- und Beobachtungsvermögen. Warum das so ist, beschreibt unser Autor mit einer Parabel aus dem Tierreich. Bei Wanderameisen kann man das Phänomen <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/die-ameisenmuehle/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>War da was in Griechenland? Was macht eigentlich Sepp Blatter? Gab es einen TGV-Unfall mit zehn Toten? Alles kein Thema in den Medien. Mega-Ereignisse, wie jetzt gerade die Attentate von Paris, vernebeln das Erinnerungs- und Beobachtungsvermögen. Warum das so ist, beschreibt unser Autor mit einer Parabel aus dem Tierreich.<br />
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Bei Wanderameisen kann man das Phänomen beobachten, dass sie in eine Todesspirale geraten. Die nahezu blinden Insekten orientieren sich bei ihren Märschen an der Pheromonspur ihrer Vorgänger. Überkreuzen sich diese Botenstoffe, beginnen die Ameisen im Kreis zu laufen. Wegen der dadurch entstehenden Selbstverstärkung schliessen sich immer mehr an, was im Tod durch Erschöpfung ganzer Heere endet.</p>
<p>Übertragungen von Naturphänomenen auf menschliche Verhaltensweisen sind nicht unproblematisch. Aber dieses Beispiel ist dermassen schlagend, dass seine Anwendung auf den aktuellen Zustand der Massenmedien, der öffentlichen Kommunikation in sogenannten sozialen Plattformen und die politische Meinungsbildung auf der Hand liegt.</p>
<p>Die erste Ähnlichkeit besteht im Phänomen des Kreisens um eine Monothematik. Arabischer Frühling, Griechenland, Flüchtlingsschwemme, Fussball-Skandal, Islamischer Staat oder das Erstarken rechtsnationaler Bewegungen: Der öffentliche Diskurs ist jeweils nur in der Lage, einem einzigen Thema nachzulaufen. Es erscheinen unzählige Artikel und Meldungen, niemand kann die Kommentare und die Wortmeldungen in den sozialen Medien überblicken, Politiker verbeissen sich mit grösster Energie in das Massenphänomen. Die Duftspur des jeweiligen Monothemas verstärkt sich unablässig selbst, im Gegensatz zu Ameisen kommunizieren die menschlichen Teilnehmer an der jeweiligen Debatte auch untereinander. In Talkshows, aber vor allem in den sozialen Medien gerät das eigentliche Thema immer mehr aus dem Fokus. Es wird darüber geredet und geschrieben, wie geredet und geschrieben wird, was gesagt werden darf und was nicht, welche Haltung, welche Motive hinter einer Aussage stehen, wohin Aussagen führen könnten.</p>
<p>Diese Todesspirale kann nur durch zwei Dinge beendet werden. Seltener durch allgemeine Erschöpfung aller Teilnehmer, häufiger dadurch, dass ein neues Thema das alte verdrängt. Mit geradezu ameisenhaftem Gedächtnis verschwindet meistens schlagartig ein Kreislauf wie Griechenland aus dem europäischen Diskurs, wird die islamistische Terrorgefahr beispielsweise durch die Nachrufe für Helmut Schmidt ersetzt, die wiederum durch die Attentate von Paris. Eine neue Meinungsmühle entsteht, während die Teilhaber an einem aus der Mode geratenen Rundlauf verzweifelt die sich verflüchtigende Duftspur weiterverfolgen wollen. Bis sie sich frustriert in die Büsche schlagen oder begeistert die neue Witterung aufnehmen.</p>
<p>Wenn Ameisen über intellektuelle Vertreter verfügen würden, gäbe es oberhalb des Fussvolks auf einer Metaebene eine zweite Mühle und darüber eine dritte und vierte. Hier würden Ameisen mit besonders grossen Köpfen abgehoben das Kreislaufen weiter unten kommentieren. Sie würden Ausdrücke wie «diskursive Disparitäten» oder «Entmythologisierung der Jetztzeit» verwenden und sich ineinander in Knäueln verbeissen. Hätten Ameisen ein Wort dafür, würden sie das «Feuilleton» nennen. Die auf diesen Metaebenen stolzierenden Ameisen würden allerdings den Ausdruck «meinungsbildende Kommentatoren» vorziehen, während sie das Gekrabbel unter ihnen mit unverkennbarem Haut-Goût betrachteten. Gefangen im eigenen Kreislauf.</p>
<p>Wenn Ameisen Menschen wären, hätten sie natürlich auch Politiker und Staatenlenker. Sobald diese einen solchen Kreisel entdeckten, würden sie zuerst sagen: «Wir müssen die Sorgen der Bürger draussen im Lande ernst nehmen.» Dann würden sie damit beginnen, Stoppschilder aufzustellen, Regeln für einen geordneten Kreisverkehr zu erlassen, je nach ideologischer Ausrichtung Links- oder Rechtsdrehung des Marsches verlangen, vor den Gefahren einer Bewegung in die falsche Richtung nachdrücklich warnen. Mit dem Lieblingssatz: «Ein Fortschreiten in die falsche Richtung führt in den Untergang.»</p>
<p>Sobald sich in der Mitte der Todesspirale ein genügend hoher Haufen von verendeten Ameisen gebildet hätte, würden menschliche Ameisen, die in ihren höheren Gefilden und als Beobachter über eigene Nahrungsquellen verfügten, zum ewig gleichen Nachruf anheben: «Ich habe gewarnt und schon immer gesagt, dass das ganz schlimm enden wird.» Anschliessend machten sie sich auf die Suche nach einem neuen Ameisenheer, dessen Marsch sie begleiten können.</p>
<p>Welch ein Glück, dass Menschen keine Ameisen sind und ihnen im Verhalten keinesfalls ähneln.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/die-ameisenmuehle/">Die Ameisenmühle</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Kalkulierte Provokation</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Nov 2015 09:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
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		<category><![CDATA[Attentat Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Matussek]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer sich öffentlich äussert, gerät schnell in die Versuchung, Halbgares weiterzutwittern, irgendetwas Unbestätigtes zu liken und so die Spekulationsmaschine auf Hochtouren zu bringen. Davor sind auch Medienschaffende nicht gefeit. Es wird aber kein Essen besser, wenn dir alle ihren Senf auf den Teller spucken. Beobachtungen nach dem Tod von Helmut Schmidt und den Anschlägen von <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich öffentlich äussert, gerät schnell in die Versuchung, Halbgares weiterzutwittern, irgendetwas Unbestätigtes zu liken und so die Spekulationsmaschine auf Hochtouren zu bringen. Davor sind auch Medienschaffende nicht gefeit. Es wird aber kein Essen besser, wenn dir alle ihren Senf auf den Teller spucken. Beobachtungen nach dem Tod von Helmut Schmidt und den Anschlägen von Paris.<br />
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Die Nachricht vom Tod des Jahrhundertpolitikers Helmut Schmidt war keine Stunde alt, als sich die deutsche CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach zu Worte meldete. «Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag» – dieses Zitat Schmidts aus dem Jahr 1981 verbreitete Steinbach auf Twitter. Und versuchte mit einem 34 Jahre alten Spruch eines eben Verstorbenen Stimmung zu machen gegen die Flüchtlinge in Deutschland. Der Tweet wurde hundertfach geteilt; eine Welle der Empörung schwappte durchs Netz und gipfelte in Kommentaren wie diesem: «Einfach nur geschmack- und pietätlos, was aus dem Hirn einer kotzhässlichen Nazi-Tochter da entfleucht. Geh in den Wald, friss Zyankali, du asoziales Stück Dreck».</p>
<p>Während ich diese Zeilen schreibe, treffen immer neue Meldungen aus Paris ein. Barak Obama spricht von einem «Anschlag auf die Menschheit», Angela Merkel sagt sichtlich bewegt «wir weinen mit ihnen». Ich bin geschockt, traurig über diesen erbärmlichen Anschlag, der uns alle zum Ziel hatte, unsere Werte, unsere Freiheit, die Art, wie wir leben. Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, steure immer neue Newsseiten an, lese Liveticker, stelle gleichzeitig das Radio an und CNN – ein Reflex aus der Golfkriegszeit.</p>
<p>Wer sich hilflos fühlt, sehnt sich nach Informationen. Informationen sind die wichtigste Nahrung gegen Unsicherheit. Ich sehne mich nach jemandem, der mir erklärt, was das zu bedeuten hat. Der keine Spekulationen liefert, sondern Fakten. Der vielleicht auch einmal sagt: «Wir wissen nichts Neues. Aber wenn wir etwas Neues wissen, teilen wir es mit Dir. Genau hier.»</p>
<p>Während ich also fassungslos dem Nachrichtenstrom folge, nutzen Wirrköpfe und Scharfmacher die Anschläge für ihre rechten Parolen: «Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und einer Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen», schreibt «Welt»-Autor Matthias Matussek auf Facebook. Und beendet seinen Kommentar mit einem lachenden Smiley.</p>
<p>Und Roger Liebi, Präsident der SVP Stadt Zürich, twittert: «Schlimm, dass man zugelassen hat, dass sich die islamische Brut in unserer Gesellschaft ausbreiten konnte. Wer warnte, wurde verunglimpft.» Die Reaktion folgt postwendend: «Ich verunglimpfe jetzt auch mal ganz direkt, ohne meine sonst übliche sarkastische Zurückhaltung: ARSCHLOCH», schreibt eine Userin.</p>
<p>Was haben Steinbach, Matussek und Liebi gemeinsam? Sie wissen genau, was sie tun. Sie missbrauchen tragische Ereignisse für ihre eigenen Zwecke. Sie zündeln, provozieren und vertrauen auf den Empörungsreflex. Sie halten uns ein Stöckchen hin – und wir alle springen. Der Aufschrei ist gewollt, der Erregungssturm kalkuliert.</p>
<p>Steinbach, Matussek und Liebi können das aushalten. Erst durch die Vervielfältigung in den sozialen Medien, erst durch die zahlreichen Kommentare, katapultieren sie sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Steinbachs Entgleisungen wurden von FAZ.de, Spiegel online und zahlreichen weiteren News-Seiten aufgegriffen.</p>
<p>Was also tun? Bringen wir unsere Abscheu anders zum Ausdruck. Indem wir Dumpfbacken und Hetzer einfach nicht beachten. Ignorieren. Totschweigen. Heizen wir den Krawall nicht weiter an, lassen wir uns von Leuten wie Steinbach, Matussek und Co. nicht länger instrumentalisieren. Das ist schwierig, keine Frage. Gerade Medienschaffende tragen eine besondere Verantwortung. Sie sollten Hetzbotschaften von relevanten Meinungsäusserungen unterscheiden können und nicht selbst an der Eskalationsspirale mitdrehen. Das geschieht auch, wenn man Hetzer als solche kennzeichnet und sich von ihnen distanziert.</p>
<p>So meldete sich zwei Stunden nach dem Post von Matussek Jan-Eric Peters, Chefredaktor der Welt-N24-Gruppe auf Facebook: «Die zivilisierte Welt hat gerade andere Probleme als ein durchgeknalltes Posting. Aber damit das klar ist: Ich distanziere mich im Namen der ‹Welt›, die für andere Werte steht, für Freiheit und Menschlichkeit. Die Gedanken unserer Redaktion gehören den Opfern von Paris. Alles weitere intern nach dieser langen Nacht, die noch nicht zu Ende ist.» Im Fall von SVP-Mann Roger Liebi, der nach zahlreichen empörten Reaktionen seinen Twitter-Account gelöscht hat und sich in eine falsche Ecke gedrängt sah, übernehme ich das gerne gleich selbst: «Einfach mal Klappe halten.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/">Kalkulierte Provokation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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