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	<title>Attentat | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:09:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Doppelt daneben: Das falsche Bild für die falsche Sache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Reto Camenisch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2017 15:17:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[World Press Photo]]></category>
		<category><![CDATA[Bildjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Attentat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>World Press Photo leistet dem Bildjournalismus einen Bärendienst. Mit der Auszeichnung des «Attentats in Ankara» rückt die Organisation von den eigenen Prinzipien ab, sich um die Geschichte hinter den Bildern kümmern zu wollen. Das Gegenteil tut sie, wenn sie einem Attentäter eine zweite Plattform bietet. Der diesjährige Hauptpreis ging an den türkischen AP-Fotografen Burhan Özbilici, <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/21/doppelt-daneben-das-falsche-bild-fuer-die-falsche-sache/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>World Press Photo leistet dem Bildjournalismus einen Bärendienst. Mit der Auszeichnung des «Attentats in Ankara» rückt die Organisation von den eigenen Prinzipien ab, sich um die Geschichte hinter den Bildern kümmern zu wollen. Das Gegenteil tut sie, wenn sie einem Attentäter eine zweite Plattform bietet.<br />
<span id="more-33108"></span><br />
Der diesjährige Hauptpreis ging an den türkischen AP-Fotografen Burhan Özbilici, welcher mehr zufällig als geplant am 19.  Dezember 2016 auf jener Galerievernissage in Ankara aufkreuzte, wo der russische Botschafter Andrej Karlow während einer Ansprache erschossen werden sollte. Der 59-jährige Fotograf wird gleichzeitig mit anderen anwesenden Fotografen und Videojournalisten, unmittelbar nachdem der Attentäter den russischen Botschafter erschiesst, seine Kamera zücken und das Grauenhafte dokumentieren. Wie Herr Özbilici dann später heroisch zu verstehen gab, tat er das unter Lebensgefahr. Auch erwähnt Kollege Özbilici, dass er zumindest für «guten Journalismus» gestorben wäre, wenn dieses Schicksal ihn ereilt hätte.</p>
<p>Ob man dieses Bild publizieren darf, sollte oder muss, darüber kann man geteilter Meinung sein. Der «innere Gerichtshof», wie Immanuel Kant die Moral einst nannte, bedeutet nicht für jeden Menschen und jeden Kulturkreis das gleiche. Der Schweizerische Presserat hat diesbezügliche Bilder und deren Publikationsmöglichkeiten klar definiert und sich dazu fallbezogen und mehrmals geäussert. Mit Verweis auf die Menschenwürde, sowie das Leid der Betroffenen und die Gefühle ihrer Angehörigen, mahnt der Presserat zu einem äusserst zurückhaltenden Umgang.</p>
<p>World Press Photo sieht das anders und zeichnete das Bild vom Attentat in Ankara aus. World Press Photo ist eine Non-Profit Organisation. Was aber nicht heisst, dass in dieser Firma nicht auch Geld verdient wird. Dieser Aspekt scheint mir von Bedeutung zu sein, wissen wir doch alle, dass kontinuierliche Medienpräsenz mittel- und langfristig auch ökonomische Faktoren sind. Im Weiteren interessiert mich das Bild nicht zwingend in Bezug auf moralische-ethische Beurteilungen, sondern viel mehr, ob dieses Bild den mitgelieferten Konditionierungen und inhaltlichen Argumenten standhalten kann.</p>
<p>World Press Photo lässt uns wissen, dass dieses Pressefoto die Verkörperung dessen sei, «was das Weltfoto des Jahres ist und sein muss», und dass genau dieses Bild die brutale, rücksichtslose und krude Gegenwart reflektiere. Die trump’sche Genauigkeit dieser Behauptung und die Präzision dieser Gegenwartsanalyse ist ebenso verstörend, wie das Bild, respektive der Inhalt des prämierten Bildes.<br />
 <br />
Wir sehen auf diesem einen triumphierenden, um sich schreienden Mörder neben dem am Boden liegenden, sterbenden russischen Botschafter. Raum und Plattform erhält in diesem Bild nicht der gewaltsame Tod eines Menschen, sondern die verwerflich rohe Tat eines Verblendeten. Es geht in dieser Fotografie nicht um das Opfer oder die Tat, sondern um den Täter und seine Bühne. Das ist es also, was ein gutes journalistisches Bild ist und zu sein hat?</p>
<p>Die Frage steht im Raum, ob World Press Photo solche Haltungen und Positionen tatsächlich als richtig, gar förderungswürdig betrachtet. Offensichtlich oder zumindest nicht alle Jurymitglieder, denn der Juryvorsitzende und Magnum-Fotograf Stuart Franklin distanzierte sich öffentlich mit den Worten, dass es moralisch problematisch sei, ein Bild zu zeigen, das ausschliesslich Plattform für einen Schlächter und Mörder sei. Vergleichbar verächtlich, wie das Zeigen von Enthauptungen durch IS-Terroristen.<br />
 <br />
Mit dieser Meinung, dieser Einschätzung steht Franklin nicht alleine. So etwa positionieren sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung gegen das Bild und verweigern eine Publikation. Tristan Brenn, Chefredaktor Fernsehen SRF findet die internationale Kritik berechtigt: «Der Mörder hatte seine Bühne – und man gibt sie ihm posthum gleich wieder!» Dominique Eigenmann, Deutschland-Korrespondent des Tages-Anzeigers, nennt das Bild das «pornographischste Mörderbild des Jahres».<br />
 <br />
Phil Corbett, bei der New York Times für die Einhaltung ethischer Standards verantwortlich, antwortete auf die Frage, warum er für die Publikation dieses Bildes gewesen sei mit den sonderbaren Worten, «dass das Bild die schockierende Natur der Attacke viel eindrücklicher zeige, als es eine blosse Beschreibung getan hätte». Als Fotograf bin ich komplett gegenteiliger Meinung, denn ich weiss aus tiefer Erfahrung, dass Bilder eben nicht alles können. Die geschriebene Sprache kann gewisse Vorgänge viel präziser und feinstofflicher wiedergeben. Braucht es das Bild eines aus 10’000 Meter abgestürzten Flugzeugpassagiers um zu beschreiben, was sich hier Schreckliches zugetragen hat? Die Kernfrage ist und bleibt die journalistische Relevanz.<br />
 <br />
Es geht auch in keinster Weise darum, bildliche Darstellungen von Gewalt oder Tod im Absoluten zu verhindern. Wenn man solches Bildmaterial publiziert, müsste man aber genau wissen, warum und wieso. Wem oder was nützten solche Publikationen? Oder wer erfährt einen Mehrwert, wer profitiert tatsächlich?<br />
 <br />
Um auf Burhan Özbilicis Bild zurückzukommen: Es ist schlicht und ergreifend das falsche Bild, weil es inhaltlich nicht der richtigen Sache dient. Es beschäftigt sich nicht mit dem Opfer, sondern ausschliesslich mit dem Täter und zwar in einen Ausmass, das unangemessen und empörend ist; das Motiv verherrlicht das Attentat. Aus formaler Sicht ist das prämierte Bild eher simpel und weist eine «Präzision» auf, welche man heute von jedem durchschnittlich geübten Fotografen erwarten darf. Um es aber in andere Höhen zu hieven, werden dieser Art Bilder Kräfte, Lesearten und – was ich noch peinlicher finde – Intentionen des Autors angedichtet, welche noch dünner sind, als das eigentliche Bild selber. Es ist die Eigenschaft der Dummheit, dass sie sich selber als das Mass aller Dinge begreifen will und somit selber nicht merken kann, wie sie sich selber deklassiert.<br />
 <br />
Beispielsweise sagte Burhan Özbilici in einem Interview, dass er «beim Fotografieren sehr darauf bedacht war, die lange Tradition von gutem, unabhängigen Journalismus und News Photos zu repräsentieren». Zwei Sätze später antwortet er auf die Folgefrage der Journalistin, was ihm denn während des Attentats durch den Kopf gegangen sei: Nichts!<br />
 <br />
Oder Lars Boering, Executive Director von World Press Photo, sagte in einem Interview mit Paris Match am 7. September 2015 über zeitgenössischen Bildjournalismus: «Wir werden jeden Tag mehr und mehr von Bildern überflutet. Um so mehr müssen wir uns um die Geschichte hinter den Bildern kümmern». Offensichtlich hat er seine eigene Aussage vergessen, nimmt diese selber nicht ernst oder hat schlicht und ergreifend keine Ahnung, wovon er redet. Da wird schneller geschnattert, als sorgfältig betrachtet.<br />
 <br />
Bilder wie jenes von Burhan Özbilici dienen nicht der exakten journalistischen Darstellung und schon gar nicht der Weiterentwicklung und Förderung journalistischer Fotografie. Dieses hier mit einer der bekanntesten Auszeichnungen geförderte fotografische Niveau ist sowas von abgelaufen und von vorgestern. Diese Art Bilder haben wir tausendfach gesehen, sie vermitteln loopmässig immer wieder dieselben stumpfen und leeren Inhalte.<br />
 <br />
Als bigott erweist sich auch die Haltung der Bildindustrie, welche nicht den Mut hat, sich als eigentlicher Nutzniesser solcher Vulgaritäten zu outen. Sie behaupten vehement, dass diese Bildwelten einer grösseren Sache diene. Oh Boy!</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/21/doppelt-daneben-das-falsche-bild-fuer-die-falsche-sache/">Doppelt daneben: Das falsche Bild für die falsche Sache</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Zusammenstehen für das freie Wort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob &#124; Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2015 14:52:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Attentat]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Hebdo]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ermordung von Mitarbeitern der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» ist ein Anschlag auf das freie Wort und auf Medienschaffende aller Art. Zur Verteidigung der Medien- und Meinungsfreiheit taugt nur die gelebte Solidarität. Und die muss weiter gehen als minutenweises Schweigen und «Je-suis-Charlie»-Bekenntnisse. 12 Personen wurden am 7. Januar bei einem Attentat auf die Redaktion der <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/08/zusammenstehen-fuer-das-freie-wort-2/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ermordung von Mitarbeitern der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» ist ein Anschlag auf das freie Wort und auf Medienschaffende aller Art. Zur Verteidigung der Medien- und Meinungsfreiheit taugt nur die gelebte Solidarität. Und die muss weiter gehen als minutenweises Schweigen und «Je-suis-Charlie»-Bekenntnisse.<br />
<span id="more-22593"></span><br />
12 Personen wurden am 7. Januar bei einem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris getötet, 11 weitere zum teil schwer verletzt. Unter den Opfern befinden sich mit Chefredaktor Stéphane «Charb» Charbonnier, Cabu, Wolinski, Tignous und Honoré fünf der herausragendsten politischen Zeichner Frankreichs. Mit Bernard Maris und Elsa Cayat kamen zwei Autoren des Blatts ums Leben. Weitere Opfer sind der Korrektor Mustapha Ourad und Frédéric Boisseau, ein Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung, sowie Michel Renaud, ein Gast der Redaktion und die beiden Polizisten Ahmed Merabet und Franck Brinsolaro.</p>
<p>Der Anschlag ist ein Angriff auf das freie Wort und nicht auf eine einzelne Publikation oder bestimmte Journalisten und Karikaturisten. Egal, wer sich in welcher Form öffentlich artikuliert, ob als Journalist, Blogger, oder auch nur auf Twitter und Facebook, war mit der Tat gemeint. Ein Ziel hat der Anschlag bereits erreicht: Wer künftig Karikaturen veröffentlicht, die den Propheten Mohammed in unvorteilhafter Pose zeigen, wird sich zweimal überlegen, ob er das tut.</p>
<p>Dass die Angst unmittelbar in den Redaktionen angekommen ist, zeigte etwa der britische Telegraph, der zwar ein Cover von Charlie-Hebdo zeigte, das Mohammed-Motiv aber unkenntlich machte. Bei aller verständlichen und nachvollziehbaren Vorsicht im Moment des Schreckens bedeutet das aber auch, dass man dem Narrativ der Terroristen stattgibt und der Satire eine Mitverantwortung für die Tat unterschiebt. Dieser perversen Logik folgte auch die Schweizer Medienministerin Doris Leuthard. Ein Tweet, den ihr Departement absetzte, beginnt mit der Warnung: «Satire ist kein Freipass». Erst danach folgt die Verurteilung der Gewalttat. Was sie damit genau meinte, konnte eine Sprecherin von Leuthards Departement nicht erklären.</p>
<p>Der brutale Angriff auf «Charlie Hebdo» ist nicht der erste Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Zu erinnern ist an die 2005 publizierten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen">Mohammed-Karikaturen</a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Westergaard">Kurt Westergaard</a>, der darauf bedroht und bis heute von der dänischen Polizei geschützt werden muss. In einem <a href="http://www.fr-online.de/kultur/mohammed-karikaturist-kurt-westergaard---ich-bin-eine-persona-non-grata-,1472786,27519590.html">Interview mit Klaus Staeck in der Frankfurter Rundschau</a> zeigte sich Westergaard enttäuscht, dass sich viele Intellektuelle «schnell aus der Debatte zurückgezogen» hätten: «Einige meiner Kollegen, die mit mir zusammen für ‹Jyllands-Posten› Karikaturen zum Thema Islam gezeichnet haben, waren hinterher sogar bereit, sich zu entschuldigen. Ich sehe bis heute nicht ein, weshalb und wofür ich mich entschuldigen soll. Ich habe nur meine Arbeit getan.» Den Mut, die Karikatur nachzudrucken, hatten nur wenige in den westlichen Medien, so Roger Köppel als Chefredakteur der «Welt» &#8211; der darauf mit Glück <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amir_Abdur_Rehman_Cheema">einem Attentat entging</a>. Herauszuheben ist übrigens die <a href="http://www.perlentaucher.de/appell/trauer-um-charlie-hebdo.html">Redaktion des Perlentauchers</a>, die sich seit 2005 nie gescheut hat, all diese Fragen immer und immer wieder zu besprechen und zu verhandeln, ganz ohne verborgene politische Agenda.</p>
<p>Wie immer nach Terroranschlägen wird nun der Ruf laut nach noch schärferen Sicherheits- und Überwachungsmassnahmen – obwohl der Anschlag gerade zeigt, dass die Behörden keinen ausreichenden Schutz bieten konnten. Sollen Journalisten nun gezwungen werden, Schutzwälle und Sicherheitsmassnahmen um ihre Redaktionsgebäude aufzubauen? Das kann und darf nicht die Lösung sein. Wenn Journalisten nicht mehr angstfrei leben und schreiben können, ist dies der Anfang vom Ende der freien Gesellschaft.</p>
<p>Wenn Satire selbst in Westeuropa das Todesurteil bedeuten kann, dann erfordert es mehr als nur ein stabiles Rückgrat, um standhaft zu bleiben. Stéphane «Charb» Charbonnier, Chefredaktor und einer von vier ermordeten Charlie-Zeichnern, brachte nach früheren Morddrohungen zum Ausdruck, was die Arbeit als politischer Zeichner für ihn und sein Leben bedeutet: «Ich habe keine Angst vor Vergeltungsmassnahmen. Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, kein Ansehen. Das klingt ein wenig schwülstig: Aber ich ziehe es vor, aufrecht zu sterben als auf den Knien zu leben.» Jetzt ist er aufrecht gestorben, in seiner Redaktion.</p>
<p>Die überwältigende Solidaritätswelle, die sowohl im Netz als auch auf Plätzen und Strassen überall auf der ganzen Welt aufbrandet, wird schon in ein paar Tagen wieder abebben. Für Karikaturisten, Zeichnerinnen und Journalisten geht der Alltag schon heute weiter. Sie müssen akzeptieren, dass sie ihr Beruf in Todesgefahr bringt. Und zwar nicht in Afghanistan oder im Irak, sondern in Frankreich, wie zuvor schon in Deutschland, Dänemark oder Schweden. Diesen Druck vermag nur gelebte Solidarität abzumildern. An erster Stelle steht das Vertrauen in Kollegen, die einem den Rücken freihalten und alles unternehmen, damit gesagt werden kann, was gesagt werden muss.</p>
<p>In Frankreich spielt diese Solidarität. Noch am Tags des Anschlags gaben Le Monde, France TV und Radio France bekannt, Personal und Infrastruktur bereitzustellen, damit «Charlie Hebdo» auch weiterhin erscheinen kann. Das ist mehr als nur materielle Unterstützung. Wichtiger ist das ideelle Bekenntnis zu einem manchmal unangenehmen Zeitgenossen, der den Finger dorthin hält, wo es wehtut. Die Unabhängigkeit des Journalismus kann nur kollektiv verteidigt werden. Wenn dieser Gemeinschaftssinn erst durch ein Attentat wieder auf die Traktandenliste rückt, zeigt das auch, wie wenig man sich bisher um die Grundwerte kümmerte – respektive: sie einfach für gegeben hielt.</p>
<p>Wer nicht bereit ist, das von unseren Vorvätern hart erkämpfte freie Wort zu ertragen, soll zu spüren kriegen, dass er sich nicht auf den Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft bewegt. Wer in einem freien und demokratischen Staat leben will, muss das freie Wort aushalten können, auch wenn es unangenehm ist. Die Grenzen setzt das Gesetz. Hetze gegen Gruppen unterliegt der Strafe, ebenso rassistische Äusserungen. Aber Witz und Spott, auch wenn er schmerzt, müssen alle ertragen können. Und es muss darum das Ziel jedes Journalisten und Satirikers sein, diese Freiheit zu verteidigen.</p>
<p>Neben den Getöteten und ihren Familien sind die Opfer der Tat auch die Muslime, die von vielen Menschen, auch Journalisten, mit Terroristen gleichgesetzt werden, mit oder ohne Absicht. Die Gleichsetzung ist falsch und muss dringend unterlassen werden. Es gilt die Religionsfreiheit, auf die Muslime genauso Anspruch haben wie alle anderen Glaubensgemeinschaften auch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/08/zusammenstehen-fuer-das-freie-wort-2/">Zusammenstehen für das freie Wort</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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