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	<title>Auslandjournalismus | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Journalismus: Bekenntnisstrudel statt Wissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2015 15:20:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Telepolis]]></category>
		<category><![CDATA[Ramon Schack]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Medienwelt entwickelte sich in den letzten Jahren in einem weltweit bisher nicht dagewesenen Umfang. Einerseits war und ist dieses eine Folge des technischen Fortschritts, zum Anderen lag dem die Erkenntnis zugrunde, dass Informationen große Profite auf dem Markt abwerfen, wenn sie verbreitet werden. Die Entdeckung, dass Information ein lukratives Geschäft sein kann, führte in <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43495/1.html">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Medienwelt entwickelte sich in den letzten Jahren in einem weltweit bisher nicht dagewesenen Umfang. Einerseits war und ist dieses eine Folge des technischen Fortschritts, zum Anderen lag dem die Erkenntnis zugrunde, dass Informationen große Profite auf dem Markt abwerfen, wenn sie verbreitet werden. Die Entdeckung, dass Information ein lukratives Geschäft sein kann, führte in der westlichen Welt zum Zufluss des Großkapitals in die Medien.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/04/journalismus-bekenntnisstrudel-statt-wissen/">Journalismus: Bekenntnisstrudel statt Wissen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wer kann, zieht hier hin</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/07/wer-kann-zieht-hier-hin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Feb 2013 13:26:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tageswoche]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Monika Zech]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Monika Zech von der «Tageswoche» verbringt Mitte Januar drei Tage in Berlin-Neukölln. Ihr Bericht darüber bleibt an der Oberfläche und kommt mindestens fünf Jahre zu spät. Der Titel des Artikels ist faktisch falsch. So ist das keine Alternative zur «Basler Zeitung». «Albtraum Multikulti», «Schmuddelecke», «Wer kann, zieht hier weg». Ja, das ist mal wieder mal <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/07/wer-kann-zieht-hier-hin/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Monika Zech von der «Tageswoche» verbringt Mitte Januar drei Tage in Berlin-Neukölln. Ihr Bericht darüber bleibt an der Oberfläche und kommt mindestens fünf Jahre zu spät. Der Titel des Artikels ist faktisch falsch. So ist das keine Alternative zur «Basler Zeitung».<br />
<span id="more-31162"></span><br />
«Albtraum Multikulti», «Schmuddelecke», «Wer kann, zieht hier weg». Ja, das ist mal wieder mal ein <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2013_05/international/506915/wer-kann-zieht-hier-weg.htm">Artikel</a> über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Neuk%C3%B6lln">Berlin-Neukölln</a>, den Bezirk, den sich deutschsprachige Journalisten so oft vorknöpfen, wenn sie über «Ausländer» schreiben. Es ist die Titelgeschichte der «Tageswoche» vom 1. Februar, der «Zeitung aus Basel», die zwar explizit <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/die-nicht-anti-baz-auf-kurs--aber-noch-unrentabel-1.17718124">«keine Anti-BaZ»</a> sein möchte, aber doch gegründet wurde als Alternative zur «Basler Zeitung» im Zuge der Neuordnung ihrer Besitzverhältnisse.</p>
<p>Wenn es als Fallschirmjournalismus bezeichnet wird, wenn Journalisten ohne Vorkenntnisse in Kriegsgebiete geschickt werden, so könnte man die Neukölln-Reportage von Monika Zech als Easyjetjournalismus bezeichnen: Gemäss Text war sie zweimal in einer «Döner-Bude», hat einmal mit einem Imam geredet und ist einmal an einer Stelle vorbeigelaufen, an der kurz zuvor ein Mann zwei Frauen <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article112796852/Doppelmord-in-Neukoellner-Baeckerei-schockiert-Berlin.html">erschossen hatte</a>. Und sie hat mit Bezirksbürgermeister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Buschkowsky">Heinz Buschkowsky</a> geredet, auf dessen (teilweise aktuellen, teilweise überholten) Einschätzungen vieles im Text beruht.</p>
<p>Lesenswert und nachvollziehbar an der Reportage und am Interview ist das, was die Neuköllner erzählen. Die Journalistenfragen scheinen sich zu gleichen, Buschkowsky jedenfalls <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2013_05/international/505627/unser-feind-heisst-ignoranz.htm">sagt schon gelangweilt</a>:</p>
<blockquote><p>Jetzt kommt wohl die Frage, die 80 Prozent aller Journalisten stellen: «Sind Sie nicht so eine Art Sarrazin light?»</p></blockquote>
<p>Auf Anfrage erzählt Monika Zech, dass sie zwar nicht das erste Mal in Berlin war, aber das erste Mal in Neukölln, ein Drei-Tage-Trip mit Easyjet. Die Lektüre von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neuk%C3%B6lln_ist_%C3%BCberall">«Neukölln ist überall»</a> sei der Ausgangspunkt für den Artikel gewesen, doch besser hätte sie das Buschkowsky-Buch für eine Überprüfung der Lage in Basel genommen: «Hier in Basel gibt es ja auch eine grosse Kultur des Wegschauens.» Es sei jedoch klar, dass niemand seine Kinder in Schulen bringen will, die, wie in Neukölln, von einem Wachschutz bewacht werden. Zum Titel räumt Zech selbstkritisch ein, er sei misslungen: «Er führt auf die falsche Fährte, ich würde heute deshalb einen anderen wählen.»</p>
<p>Der Titel der Story, «Wer kann, zieht hier weg», beruht etwa auf dem Stand von 2006 oder vorher; inzwischen hat sich sehr vieles getan, was in einem kurzen Absatz als «Szene der Kreativen und Möchtegern-Kreativen» abgetan wird. Gab es 2007 rund um die <a href="https://maps.google.de/maps?q=Weserstra%C3%9Fe,+Berlin&#038;hl=de&#038;ie=UTF8&#038;sll=52.484479,13.441&#038;sspn=0.013721,0.027037&#038;oq=Weserstrae,+Berlin&#038;hnear=Weserstra%C3%9Fe,+Berlin&#038;t=m&#038;z=14">Weserstrasse</a> vielleicht zwei sogenannt «hippe» Kneipen, sind es 2013 Dutzende, was zu einem geräuschvollen Nachtleben inklusive Konflikten mit den Nachbarn führt. Es gibt unzählige Ateliers und Galerien, eine Schar von Freiberuflern, die tagsüber in Cafés arbeiten, und <a href="http://www.coworking.de/regions/1-berlin">auf coworking.de</a> sind mindestens 7 Neuköllner Co-Working-Gemeinschaften verzeichnet. Dazu kommen viele Touristen, vor allem im Sommer. Seit 2010 das riesige <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tempelhofer_Feld#Tempelhofer_Feld_als_Park_ab_2010">Tempelhofer Feld</a> eröffnet wurde, ist der direkt in der Anflugschneise des vormaligen Flughafens Tempelhof gelegene Stadtteil zu einem durchaus lebenswerten Teil der Stadt geworden. Die ehemalige Rütli-Oberschule ist inzwischen eine Vorzeigeschule, die den Namen <a href="http://www.campusrütli.de/">«Campus Rütli 2.0»</a> trägt. 2006 noch hatten, so ist zu hören, Boulevardreporter Schülern 50 Euro offeriert, wenn sie mit einem Stein in der Hand und grimmigem Blick für die Kamera posierten.</p>
<p>Bereits 2010 war <a href="https://www.taz.de/!60084/">in der «taz»</a> zu lesen, wie sich Menschen bei Wohnungsbesichtigungen drängen, wie der Wohnraum knapp wird, wie bedürftige Menschen durch die Mietsteigerungen an den Rand der Stadt gedrängt werden. Und bereits 2010 regten sich Leute (ironisch oder auch nicht) über diese Neuzuzüger furchtbar auf:</p>
<p><iframe src="https://player.vimeo.com/video/16116523?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" width="450" height="253" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe> </p>
<p><a href="http://vimeo.com/16116523">Offending the Clientele</a> from <a href="http://vimeo.com/retsina">Sender FN / Retsina-Film</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p><a href="http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/statistiken/statistik_ot.asp?sageb=12004&#038;PTyp=600&#038;creg=B&#038;anzwer=5&#038;bok=1&#038;bbok=1">Wohnten im</a> Dezember 2007 306&#8217;713 Menschen im Bezirk Neukölln, waren es im September 2012 321&#8217;834, es zogen also in den letzten Jahren kumuliert rund 15&#8217;000 Menschen in den Bezirk, darunter viele junge Spanier, Italiener, US-Amerikaner oder Briten. Berlin-Neukölln ist seit über hundert Jahren Lebensraum für kleine Angestellte, Arbeiter, Arbeitslose. Und derzeit ein internationales Magnet für kreative und pseudokreative Menschen mit kleinem Einkommen, «Wer kann, zieht hier hin» muss es also heissen, nicht «Wer kann, zieht hier weg». Das wäre die Geschichte, die man im Januar 2013 hätte erzählen müssen. Gut möglich, dass sich die Lage sehr schnell wieder ändert, sobald sich die Wirtschafts- oder Schuldenkrise zuspitzt oder aber die Lebenshaltungskosten steigen.</p>
<p>Wirklich schlecht wird es mir bei der «Tageswoche»-Bildunterschrift «Multikulti wie es gefällt: Buntes Treiben am wöchentlichen Türkenmarkt am Maybachufer, im derzeit hippen ‹Kreuzkölln›». Multikulti wie es gefällt! Unter einem Bild von zwei Marktbesucherinnen mit Kopftuch! Buntes Treiben! Das ist einfach nur oberflächlicher Blödsinn mit grösstmöglicher Distanz zum Objekt der Berichterstattung, man könnte fast von einer «Kultur des Wegschauens» sprechen. So einen provinziellen Quatsch mag man nicht mal der «Basler Zeitung» zutrauen.</p>
<p>Offen bleibt die Frage nach dem «Multikulti wie es nicht gefällt» &#8211; die eine Reportage mit diesem Titel beantworten müsste. Doch der Leser erhält kaum Einblicke in «Armut, Parallelgesellschaften und Gewalt». Trotz Besuch bleibt Neukölln eine grösstenteils unbeleuchtete «Schmuddelecke».</p>
<p><a href="http://www.tageswoche.ch/de/2013_05/international/506915/wer-kann-zieht-hier-weg.htm">Wer kann, zieht hier weg</a> (von Monika Zech)<br />
<a href="http://www.tageswoche.ch/de/2013_05/international/505627/unser-feind-heisst-ignoranz.htm">«Unser Feind heisst Ignoranz»</a> (Interview mit Heinz Buschkowsky)<br />
<a href="http://www.tageswoche.ch/de/2013_05/basel/506878/integriert-ist-wer-keinen-aerger-macht.htm">Integriert ist, wer keinen Ärger macht</a> (von Matthias Oppliger)</p>
<p><small>Offenlegung: Ronnie Grob wohnt in Berlin.</small></p>
<p><strong>Nachtrag</strong>, 8. Februar 2013, 9:15 Uhr: Dass der «Tageswoche» einige der erwähnten Entwicklungen durchaus bekannt sind, hat sie <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2012_28/kultur/438086/der-sexy-arm-der-freiheit.htm">im Juli 2012 bewiesen</a>, als sie Schweizer in Berlin porträtierte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/07/wer-kann-zieht-hier-hin/">Wer kann, zieht hier hin</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wer liest den Economist?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/08/03/wer-liest-den-economist/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Aug 2012 10:56:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Fredy Gsteiger]]></category>
		<category><![CDATA[Economist]]></category>
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		<category><![CDATA[Marina Haydn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch nie gab es ein so reichhaltiges und leicht verfügbares Angebot an internationalen Medien. Wir können uns jederzeit und überall umfassend über das Weltgeschehen informieren – und tun das auch: Ausländische Qualitätstitel, etwa der Economist, legen in der Schweiz kräftig zu. Gleichzeitig reisst die Klage über den Niedergang des Auslandjournalismus nicht ab. Ein Widerspruch? Die <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/03/wer-liest-den-economist/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/weltkugel.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" />Noch nie gab es ein so reichhaltiges und leicht verfügbares Angebot an internationalen Medien. Wir können uns jederzeit und überall umfassend über das Weltgeschehen informieren – und tun das auch: Ausländische Qualitätstitel, etwa der Economist, legen in der Schweiz kräftig zu. Gleichzeitig reisst die Klage über den Niedergang des Auslandjournalismus nicht ab. Ein Widerspruch?<br />
<span id="more-30516"></span><br />
Die Medienlandschaft wird so intensiv vermessen wie noch nie. Jeder Klick im Netz, jeder Senderwechsel mit der Fernbedienung, jedes neue Zeitungsabonnement findet Eingang in mehr oder weniger verlässliche Statistiken. Dennoch fallen immer wieder Kategorien und Nutzungsformen zwischen Stuhl und Bank. Eine solche Messlücke klafft bei der Nutzung ausländischer Medien. In den für die Branche massgeblichen Auswertungen sucht man vergeblich nach den Schweizer Zahlen von New York Times, Le Monde oder Economist. Damit bleiben die Angaben der Verlage die einzigen einigermassen verlässlichen Quellen. Von Interesse sind die Zahlen deshalb, weil sie zeigen könnten, ob internationale Medien den Rückgang der Auslandberichterstattung in Schweizer Medien zu kompensieren vermögen.</p>
<p>Eine bisher wenig bekannte Erfolgsgeschichte schreibt der Economist in der Schweiz. Die Wochenzeitschrift erreicht mit einer Auflage von 18&#8217;314 Exemplaren die höchste Marktpenetration ausserhalb ihres Heimmarkts in Grossbritannien. Im vergangenen Jahr konnte die gedruckte Auflage in der Schweiz um mehr als tausend Exemplare zulegen. Der Erfolg kommt nicht von Ungefähr. Vor zwei Jahren hat der Economist-Verlag in Genf <a href="http://www.interns.economist.com/europe/geneva" target="_blank">eine Niederlassung eröffnet</a> und betreut von dort aus die Märkte Europas, Afrikas und des Nahen Ostens. «Das Büro in Genf hat uns auch geholfen, die Position in der Schweiz zu stärken», sagt Marina Haydn, Circulation Director in der Genfer Niederlassung. «Wir bearbeiten den Markt aktiv, zum Beispiel mit einer Inseratekampagne in &#8218;Le Temps&#8216; und NZZ, sowie auf ausgewählten Online-Plattformen». Für den Erfolg in der Schweiz hat Haydn zwei Erklärungen. Zum einen zählt sie die grosse Zahl gutqualifizierter, englischsprachiger Ausländer zum Kernpublikum. Zum anderen vermutet sie, dass der Economist in der Schweiz auch deshalb so stark sei, weil es hier keine nationalen Nachrichtenmagazine oder Wochenzeitungen gibt, wie etwa in Deutschland «Der Spiegel» oder «Die Zeit».</p>
<p>Die beiden deutschen Publikationen sind es denn auch, die hinter dem Economist zu den auflagenstärksten internationalen Nachrichtenmedien in der Deutschschweiz zählen. «Der Spiegel» setzt wöchentlich 16&#8217;750 Exemplare ab und «Die Zeit» zwischen 11- und 15&#8217;000. Wie es bei der Online-Nutzung aussieht, lässt sich nicht ganz so einfach eruieren. Die New York Times teilte der MEDIENWOCHE mit, dass sie die Zugriffszahlen nicht nach Ländern aufgeschlüsselt öffentlich zur Verfügung stelle. Von anderen Verlagen erhält man zwar Nutzerzahlen, aber von jedem etwas andere, so dass sie einen Vergleich nicht zulassen.</p>
<p>Eine – wenn auch nur rudimentäre – Möglichkeit, mit einem einheitlichen Massstab zu messen, bietet «Google Insight for Websites». Damit lassen sich die Daily Unique Visitors von Websites nach der Herkunft aus einzelnen Ländern geordnet darstellen. Auch wenn die Zahlen nur beschränkt aussagekräftig sind, lässt sich damit deutlich zeigen, dass die Zugriffe aus der Schweiz auf internationale Nachrichtenseiten mehr als nur Quantité négligeable sind. Als Beispiel <a href="http://trends.google.com/websites?q=spiegel.de%2C+bbc.co.uk%2C+cnn.com%2C+lemonde.fr%2C+nzz.ch&amp;geo=CH&amp;date=all&amp;sort=0" target="_blank">ein Vergleich</a> zwischen BBC, CNN, Le Monde, Der Spiegel und der NZZ als Referenzgrösse für ein Schweizer Medium mit ausgebauter internationaler Berichterstattung (siehe nachfolgende Grafik). Auch wenn die NZZ erwartungsgemäss mit grossem Abstand an der Spitze der Nutzung liegt, erreichen die ausländischen Sites doch beträchtliche Werte. Kumuliert liegen die täglichen Zugriffszahlen dieser vier Sites gar auf dem Niveau der NZZ.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/google-trends-for-websites-spiegel.de-bbc.co_.uk-cnn.com-lemonde.fr-nzz.ch.jpg" alt="" width="475" height="194" /></p>
<p>Was man aus diesen Zahlen herauslesen darf, bleibt indes umstritten. Ist es zulässig, sie in Relation zur Auslandberichterstattung von Schweizer Medien stellen? Oder bleibt ein schweizerischer Blick auf die Weltpolitik unerlässlich um das globale Geschehen in den innenpolitischen Kontext einordnen zu können? Um diese Fragen ging es auch auf einer <a href="http://www.drs4news.ch/www/de/drs4/sendungen/drs4aktuell/5728.sh10227495.html" target="_blank">Podiumsdiskussion</a> beim Treffen der Auslandkorrespondenten vom Schweizer Radio Anfang Juni.</p>
<p>Die Szene kommt einem vertraut vor: Professor Kurt Imhof warnt wortreich und mit einem Hang zur Dramatik vor den fatalen Folgen für die Demokratie, wenn Schweizer Medien ihre Auslandberichterstattung weiter vernachlässigten. Mit seiner Klage hat Imhof im Studio Bern ein Heimspiel. Schliesslich kann sich das gebührenfinanzierte Radio ein weltumspannendes Netz an Berichterstattern leisten und ist damit von der professoralen Kritik ausgenommen. Den Prügelknaben gibt an diesem Juninachmittag Michael Hug. Als Chefredaktor der Berner Zeitung führt er kein Auslandressort mehr. Die internationale Berichterstattung bestreitet die BZ mit pfannenfertig angelieferten Zeitungsseiten von der Nachrichtenagentur SDA. Für Imhof eine Steilvorlage. Der Wegfall unterschiedlicher Perspektiven auf das Weltgeschehen sei ausserordentlich fatal. Und Imhof weiter: «Wenn die Medien nicht mehr selbst Erfahrungen einsammeln über geostrategische Umwälzungen, dann ist die Schweiz weniger dafür gewappnet, sich in dieser Welt zu positionieren.» So weit, so bekannt. Schliesslich ist die Klage über den Niedergang der Auslandberichterstattung in Schweizer Medien nicht ganz neu.</p>
<p>Was sich im heruntergedimmten Konferenzsaal des Radiostudios Bern zunächst als Blockgottesdienst anlässt, erfährt erst eine Irritation, als Nicola Forster bestehende Gewissheiten in Frage stellt. Der Präsident des aussenpolitischen <a href="http://www.foraus.ch/de/" target="_blank">Think-Tanks FORAUS</a> mag nicht in den Chor der Pessimisten einstimmen. Ihm bereitet der Zustand der schweizerischen Auslandberichterstattung keine Sorgen, denn die Schwäche der einen, ist die Stärke der anderen. «Die Möglichkeiten, sich zu einem günstigen Preis über internationale Zusammenhänge zu informieren, war noch nie so gut wie heute», stellt Forster fest. Der junge Jurist sagt das auch deshalb, weil er die oft als glorreich verklärte Vergangenheit des Auslandjournalismus als aktiver Medienkonsument nicht selbst erlebt hat. Als sich sogar Lokalzeitungen eigene Korrespondenten in den Metropolen der Welt leisten konnten, interessierte sich Forster noch nicht für Aussenpolitik. Heute liest er Economist, Guardian oder Huffington Post. «Die Breite des Angebots und seine permanente Verfügbarkeit wiegen den fehlenden Schweizbezug weitgehend auf», findet Forster.</p>
<p>Was dem aussenpolitisch engagierten Juristen als Selbstverständlichkeit erscheint, ist dem Medien- und Öffentlichkeitssoziologen ein Gräuel. Kurt Imhof kann Forsters Sichtweise wenig abgewinnen. Er hält sie für ein Zerrbild der Realität. Von der Verfügbarkeit internationaler Medien dürfe man nicht auf deren Relevanz für die innenpolitische Debatte schliessen, zumal es sich bei der Nutzung ausländischer Informationsmedien um einen «schmalen Elitekonsum» handle. Mit anderen Worten: Economist &amp; Co. vermögen nicht zu kompensieren, was Schweizer Medien vernachlässigen. Für Imhof ist klar: «Relevanz für Publikum und Politik konstituiert sich sozial über die Filterfunktion nationaler Medien.»</p>
<p>Eine spezifische Schweizer Optik ist sicherlich unabdingbar auf den aussenpolitisch bedeutsamsten Korrespondentenposten in Brüssel und Berlin. Bei der EU und in der deutschen Hauptstadt werden Entscheide gefällt, die den Gang der schweizerischen Innenpolitik nachhaltig beeinflussen. Wenn dagegen die x-ten Gespräche zum Atomprogramm des Iran stattfinden und ein Schweizer Radiokorrespondent darüber berichtet, dann ist der einzige Schweizbezug oft nur die Tatsache, dass der Reporter mit einem Schweizer Akzent spricht. Was den Gehalt der Berichterstattung angeht, könnte man aber genauso gut mit einem beliebigen internationalen Qualitätstitel Vorlieb nehmen.</p>
<p>Als diplomatischer Korrespondent vom Schweizer Radio berichtet <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/ueber-uns/team/12395.fredy-gsteiger-information.html" target="_blank">Fredy Gsteiger</a> regelmässig über Vorgänge der globalen Diplomatie. Gsteiger ist sich bewusst, dass nicht in jeden Bericht eine spezifische Schweizer Sicht einfliessen kann, aber das geschehe «doch öfter, als man das auf den ersten Blick vermuten würden». Wieviel Swissness in einem einzelnen Beitrag stecke, sei aber nicht der entscheidende Punkt. Vielmehr gehe es darum, schreibt Gsteiger auf Anfrage der MEDIENWOCHE weiter, dass sich die Schweiz – gerade als reiches und international vernetztes Land – weiterhin oder gar wieder verstärkt einen eigenen Blick auf die Welt leisten muss, um sich eine eigene Deutung der internationalen Geschehnisse vorzubehalten. Das liest sich wie ein frommer Wunsch. Als einzige Schweizer Medien unterhalten die NZZ und Schweizer Radio ein eigenes, weltumspannendes Korrespondentennetz, das eine kontinuierliche Berichterstattung aus aller Welt gewährleistet.</p>
<p>So lange es keine verlässlichen Zahlen und wissenschaftlichen Untersuchungen über die Nutzung internationaler Nachrichtenmedien in der Schweiz gibt, bleiben Aussagen über deren Leistung für den innenpolitischen Diskurs einigermassen spekulativ. Was aber ausser Zweifel steht: Mit dem umfassenden internationalen Medienangebot im Web haben die Möglichkeiten massiv zugenommen, sich kompetent über das Weltgeschehen zu informieren. Wenn Kurt Imhof in diesem Zusammenhang von einem «schmalen Elitekonsum» spricht, dann stellt sich die Frage: war das nicht schon immer so? Nur weil Schweizer Medien früher ausführlicher über das Weltgeschehen berichteten, heisst das noch lange nicht, dass sich damals auch mehr Leute dafür interessiert hatten. Und wenn es tatsächlich nur eine Elite sein sollte (wie schmal oder breit die auch immer sein mag), die sich für eine aussenpolitische Berichterstattung interessiert, dann kann die sich heute ein umfassenderes und differenzierteres Bild des Weltgeschehens machen. Das alleine ist schon ein Gewinn.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/03/wer-liest-den-economist/">Wer liest den Economist?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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