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	<title>Axel Springer Schweiz | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Die Bilanz geht in die Welt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/05/02/die-bilanz-geht-in-die-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Knöpfli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 May 2014 10:57:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Bilanz]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Boldt]]></category>
		<category><![CDATA[Manager-Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» von Axel Springer erhält eine Schwester, aber eine nicht ganz selbständige: Die deutsche «Bilanz» wird heute erstmals der Tageszeitung «Die Welt» beigelegt und startet so aus der Poleposition. Im Gegensatz zu anderen Printbabys muss das deutsche Wirtschaftsmagazin «Bilanz» nicht erst gedeihen. «Bereits mit der Erstausgabe ist die «Bilanz» quasi das auflagen- <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/02/die-bilanz-geht-in-die-welt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz» von Axel Springer erhält eine Schwester, aber eine nicht ganz selbständige: Die deutsche «Bilanz» wird heute erstmals der Tageszeitung «Die Welt» beigelegt und startet so aus der Poleposition.<br />
<span id="more-19386"></span><br />
Im Gegensatz zu anderen Printbabys muss das deutsche Wirtschaftsmagazin «Bilanz» nicht erst gedeihen. «Bereits mit der Erstausgabe <a href="http://www.bilanz-magazin.de" target="_blank">ist die «Bilanz»</a> quasi das auflagen- und reichweitenstärkste Wirtschaftsmagazin Deutschlands», sagt Chefredaktor Klaus Boldt (55). Der Grund: Die deutsche Ausgabe erscheint als monatliches Supplement der Tageszeitung «Die Welt» (220&#8217;000 Exemplare), sie muss sich also am Kiosk nicht direkt gegen die starke Konkurrenz behaupten. Boldt: «Das ist natürlich ein Vorteil. So können wir uns auf die journalistischen Inhalte fokussieren und müssen zunächst nicht auf Auflage und Reichweite schauen.»</p>
<p><strong>Boldt will Massstäbe setzen</strong><br />
Apropos Konkurrenz: Der deutsche Markt ist nicht arm an Wirtschaftsmagazinen. Boldt selbst arbeitete lange für das Manager-Magazin (Spiegel-Gruppe) mit rund 110‘000 verbreiteten Exemplaren; weiter existieren Capital von Gruner + Jahr (139&#8217;000 Exemplare), die Wirtschaftswoche der Handelsblatt GmbH (165&#8217;000 Exemplare) oder Focus Money (130&#8217;000 Exemplare) – um nur einige zu nennen. Andrerseits musste vor zwei Jahren die Financial Times Deutschland ihr Erscheinen einstellen. Hat der deutsche Markt tatsächlich auf einen Impuls aus der Schweiz gewartet? «Wir sind davon überzeugt, dass sich die «Bilanz» im Lesermarkt etablieren wird. Auch die Rückmeldungen aus der Anzeigenvermarktung sind sehr ermutigend», sagt Boldt. Die erste Ausgabe ist bei einem Preis von 20&#8217;000 Euro pro Seite ausverkauft – ohne Einführungsrabatt.</p>
<p>In einem Punkt ist sich Boldt sicher: Die Schweizer «Bilanz» sei eine starke Medienmarke, die für «exzellenten Journalismus» stehe. So wurde die Liste mit den «300 reichsten Schweizern», die das Magazin jährlich publiziert, weltweit mehrfach kopiert. Auch Boldt selbst hat beim Manager-Magazin eine deutsche Liste der 500 Reichsten nach Schweizer Vorbild entwickelt.</p>
<p>Sein Anspruch an das deutsche Magazin «Bilanz» ist entsprechend hoch: «Wir wollen Massstäbe setzen und das beste und jüngste Wirtschaftsmagazin des Landes machen.» Dafür baut er ein Redaktionsteam aus Wirtschaftsexperten inklusive Netz freier Autoren auf. Und natürlich werde man auch einen Austausch mit der Schweizer «Bilanz» haben.</p>
<p><strong>«Bilanz» gegen Manager-Magazin?</strong><br />
Das sieht auch «Bilanz»-Chefredaktor Dirk Schütz so, der aber beim Artikelaustausch auf Grenzen hinweist – inhaltlich (etwa nationaler Fokus) und punkto Erscheinungsweise: Die Schweizer «Bilanz» hat 23 Ausgaben pro Jahr, jene in Deutschland nur elf.</p>
<p>Offen ist, ob die deutsche «Bilanz» auch eine Liste der Reichsten lancieren wird – trotz der Bestehenden des Manager Magazins. Schütz kann sich das «gut vorstellen». Auch Boldt meint: «Die Liste ist sehr aufmerksamkeitsstark und das Knowhow für eine deutsche Version haben wir. Dennoch müssen wir genau schauen, was zum Profil der deutschen «Bilanz» passt. Vielleicht wäre eine Luxusausgabe mit Rangliste die passende Lösung für den deutschen Lesermarkt.»</p>
<p><strong>Schon eine erwachsene welsche Schwester</strong><br />
Die Schweizer Zeitschrift «Bilanz» wurde Mitte der 1970er Jahre vom Jean-Frey-Verlag als Monatstitel lanciert. 2007 kaufte Axel Springer Verlag und Titel. Die französischsprachige Ausgabe Bilan ist eine Lizenzausgabe der «Bilanz» und wurde 1989 unter Führung von Edipresse lanciert. 2011 ging sie in den Besitz von Tamedia über. Beide Zeitschriften publizieren jährlich die Liste der «300 reichsten Schweizer». 2005 wechselten sie gemeinsam zu einer 14täglichen Erscheinungsweise. Chefredaktor der «Bilanz» ist Dirk Schütz, jener von Bilan heisst Stéphane Benoit-Godet.</p>
<p>Die «Bilanz» erscheint aktuell mit einer verkauften Auflage von 38’654 Exemplaren und hat 144’000 Lesern (Reichweite 3.1%), eine Anzeigenseite kostet 14’900 Franken. Bei Bilan beträgt die Auflage 13’035 Exemplare, die Reichweite 65’000 Leser (4.4%) und für 1/1 Seite bezahlt man 9’900 Franken.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/02/die-bilanz-geht-in-die-welt/">Die Bilanz geht in die Welt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jenseits der Kuschelatmosphäre</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/07/jenseits-der-kuschelatmosphaere/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/08/07/jenseits-der-kuschelatmosphaere/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Aug 2013 07:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Beat Balzli]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Handelszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt am Sonntag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beat Balzli wechselt von der Spitze der Handelszeitung in die Chefredaktion der zehnmal auflagenstärkeren Welt am Sonntag und wird somit zu einem der mächtigsten Schweizer Journalisten. Im Interview mit der MEDIENWOCHE spricht der 47-Jährige über den Umbau der Handelszeitung, über das Wirken von Spin Doctors in der Sonntagspresse und gibt Tipps, wie man zu einem <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/07/jenseits-der-kuschelatmosphaere/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Beat Balzli wechselt von der Spitze der Handelszeitung in die Chefredaktion der zehnmal auflagenstärkeren Welt am Sonntag und wird somit zu einem der mächtigsten Schweizer Journalisten. Im Interview mit der MEDIENWOCHE spricht der 47-Jährige über den Umbau der Handelszeitung, über das Wirken von Spin Doctors in der Sonntagspresse und gibt Tipps, wie man zu einem guten Rechercheur wird.<br />
<span id="more-15135"></span><br />
<em>Beat Balzli finanzierte schon sein Studium der Volks- und Betriebswirtschaft mit Texten für die damalige LNN und die Handelszeitung. In den 1990er-Jahren mussten Schweizer Banken aufgrund seiner Recherchen die Existenz von herrenlosen Holocaust-Geldern einräumen, was im 1997 erschienenen Buch <a href="http://www.amazon.de/Treuh%C3%A4nder-Reichs-Verm%C3%B6gen-Naziopfer-Spurensuche/dp/3859322133">«Treuhänder des Reichs»</a> nachzulesen ist. Nach vielen Jahren beim «Spiegel» war er für drei Jahre Chefredaktor bei der Handelszeitung, die er als «eines der wenigen Printprodukte der Schweiz, das in diesem Jahr konstante Leserzahlen ausweisen kann», <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/eigener-sache-liebe-leserin-lieber-leser-473153">hinterlässt</a>. Auf den 1. September 2013 wird Balzli in die Chefredaktion der «Welt»-Gruppe <a href="http://www.axelspringer.de/presse/Personalien-WELT-Gruppe-Beat-Balzli-Stellvertretender-Chefredakteur-Sven-Clausen-neu-im-Investigativ-Ressort-Claudia-Kade-und-Martin-Scholz-ergaenzen-Redaktion_18562967.html">wechseln</a>, wo er für eine der wichtigsten und besten Sonntagszeitungen Deutschlands, die «Welt am Sonntag», zuständig sein wird.</p>
<p>Beat Balzli antwortet ohne Verzögerung, nur wenn er nicht gleich eine gute Antwort weiss, sagt er zuerst mal «Das ist eine gute Frage». Ein Mann, den man problemlos in jede Talkshow einladen könnte, wenn er denn einer Talkshow-Redaktion nicht vielleicht manchmal ein Stück zu vorsichtig und zu professionell wäre. Dass er ein Schweizer ist, merkt man an der Häufigkeit des in seine Sätze eingestreuten Wörtchens «relativ». Wir treffen uns Berlin-untypisch früh, schon um 9 Uhr, in der Lobby des Mercure Hotel unweit der Axel-Springer-Gebäude und suchen uns das erstbeste Café, in dem wir dann auch gleich trotz offenem Eingang bei angenehmen Temperaturen sitzen.</em></p>
<p><strong>Sie sind in Hamburg geboren, in Luzern aufgewachsen, haben im deutschen und im Schweizer Journalismus gearbeitet. Was unterscheidet die Schweiz von Deutschland, was kann man voneinander lernen?</strong><br />
In der Schweiz herrscht eine Konkordanzkultur, in Deutschland geht es öfter um die Konfrontation. In den deutschen Medien wird der Themenwettbewerb härter geführt, politische Affären oder Skandale werden konsequenter verfolgt und von verschiedenen Medien aufgegriffen. In der Schweiz springen manche Medien nicht auf die Geschichten der anderen auf &#8211; vielleicht auch, weil man sie der Konkurrenz nicht immer gönnt.</p>
<p><strong>Bei der Rückkehr in die Schweiz habe Sie <a href="http://www.investigativ.ch/aktuell/detail/agendasetting-soll-sache-der-journalisten-sein.html">fast der Schlag getroffen</a>: «Das Ausmass des Einflusses der PR-Leute hierzulande ist erschreckend; ihre Präsenz hat ein Ausmass erreicht, das nicht mehr gesund sein kann.» Welche Medien meinen Sie konkret?</strong><br />
Darunter leiden fast alle Medien. Oft kommt man an ihnen schlicht nicht vorbei. Die PR-Leute versuchen allerdings besonders auf die einflussreiche Schweizer Sonntagspresse zu zielen, weil das eine gute Plattform für sie ist. Das Agendasetting ist am Sonntag ausgeprägter als in Deutschland. Der Einfluss dieser Spin Doctors im Politik- und Wirtschaftsjournalismus ist mitunter beeindruckend.</p>
<p><strong>Was sagen Sie Werbekunden, die Ihnen nach kritischen Artikeln mit einem Anzeigenboykott drohen?</strong><br />
Denen sage ich, dass sie als Privatleute auch gerne profilierte Zeitungen und guten Journalismus lesen wollen, dass Anzeigenboykotte etwas von gestern sind. Und das sind sie auch: es gibt zwar auch heute noch Anzeigenboykotte, aber es nicht mehr so ein Problem wie vielleicht noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Die grossen, professionell geführten Konzerne drohen nicht mehr einfach so.</p>
<p><strong>Beim Handelszeitung-Antritt haben Sie zuerst mal einiges beim Personal geändert. Warum?</strong><br />
Die Handelszeitung war früher Chronist – eine Art Tageszeitung, die einmal die Woche rauskommt. Mein Ziel, daraus eine klassische Wochenzeitung zu machen, habe ich erreicht. Diese Disziplin liegt nicht jedermann, darum haben wir gute Leute eingekauft, die diesem Anspruch gerecht werden.</p>
<p><strong>Die Handelszeitung ist gut gemacht und auch für Wirtschaftslaien gut verständlich. Aber ist sie nicht für Fachleute zu trivial, während die Laien auch andere Produkte lesen können?</strong><br />
Die Handelszeitung ist nicht trivialer geworden, sondern vom Niveau her anspruchsvoller, aber verständlicher produziert. Wir haben uns vorgenommen, auch die komplizierten Themen so darzustellen, dass sie von Leuten gelesen werden, die zwar wirtschaftlich überdurchschnittlich interessiert sind, aber nicht spezialisiert in allen technischen Disziplinen. Die Texte haben wir enttechnisiert, die technischen Feinheiten in eine Box ausgelagert, für jene, die es ganz genau wissen wollen. Gerade von weiblichen Lesern haben wir dazu sehr gutes Feedback erhalten.</p>
<p><strong>Was läuft schief im Schweizer Journalismus?</strong><br />
Läuft denn etwas schief? Es gibt sehr gut gemachte Produkte im Schweizer Journalismus. Was manchmal etwas fehlt, ist die Ambition, der Anspruch. Die Textarbeit beispielsweise spielt im Vergleich zu Deutschland oft eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommt, dass der Schweizer Medienmarkt abgeschottet ist: Es gibt nur wenige Leute, die mal im Ausland gearbeitet haben und dort ganz andere Macharten von Medien kennengelernt haben. Der Wettbewerbsdruck im Ausland ist ein ganz anderer. Ich kann nur jedem Nachwuchsjournalisten empfehlen, ins Ausland zu gehen und dort mal andere Luft zu schnuppern.</p>
<p><strong>Wieso machen das Schweizer Journalisten nicht? Sind sie zu bequem, zu harmoniebedürftig?</strong><br />
Es existiert nun mal ein Kulturunterschied. Auf Schweizer Redaktionen herrscht eher Kompromissklima, die Journalisten haben mehr Freiheiten und werden nicht so hart geführt vom Management. In deutschen Redaktionen ist die Konkurrenz unter den Kollegen um die Geschichten viel härter, sie werden hierarchischer geführt. Die manchmal beinahe kuschelige Atmosphäre, wie man sie in Schweizer Redaktionen antrifft, ist in Deutschland sicher nicht so ausgeprägt.</p>
<p><strong>Wer macht es denn gut im Schweizer Journalismus?</strong><br />
Was die Textqualität anbetrifft, gibt es im Magazinbereich und auch am Sonntag gute Beispiele.</p>
<p><strong>Was unterscheidet die Handelszeitung von der Bilanz? Wieso soll ich beide Axel-Springer-Produkte lesen?</strong><br />
Die Handelszeitung, so wie ich sie gemacht habe, setzt auf intelligenten Hintergrund, auf Investigation, auf einfache Erklärungen komplexer Materien. Teil des Profils ist eine gewisse Kontroverse, man soll sich daran reiben können. Die Bilanz bietet auch intelligenten Hintergrund und Recherche. Sie setzt dabei aber mehr auf Köpfe, auf Personifizierung, auf Glamour- und Lifestyle-Geschichten. Das lässt sich mit einem Hochglanzprodukt besser machen.</p>
<p><strong>Nach Ihrem Abgang bei der Handelszeitung attestieren Ihnen viele, das Blatt besser gemacht zu haben. Gleichzeitig sind einige der Mitarbeiter nicht gut auf Sie zu sprechen. Sie hätten einen «diktatorischen und autoritären Führungsstil», ist im «Schweizer Journalist» (Ausgabe 06-07/2013) zu lesen.</strong><br />
Wenn ein Blatt in relativ kurzer Zeit relativ fundamental umgebaut wird, dann findet sich immer jemand, der mit diesen Entwicklungen nicht einverstanden ist und dann einen Medienjournalisten als Ventil benutzt. Das erscheint mir völlig normal. Die Fluktuationsrate bei der Handelszeitung ist freilich auffallend tief, das spricht dafür, dass vielen von unseren Mitarbeitern die Arbeit offenbar ein bisschen Spass macht. Und das, obwohl unsere Leute immer wieder Angebote erhalten haben von der Konkurrenz.</p>
<p><strong>Weiter steht im Artikel, dass Sie den Mitarbeitern eher wenig Freiraum zugestehen.</strong><br />
Damit die Zeitung ein homogenes Produkt ist, muss man eine klare Linie vorgeben. Gewisse Leute nennen das vielleicht Unfreiheit, doch grundsätzlich geniesst ein Wochenjournalist viele Freiheiten. Es ist zudem illusorisch, zu glauben, ein Chefredaktor könne alles vorgeben. Der Chef schreibt nicht die Zeitung, das macht das Team.</p>
<p><strong>Würde festangestellten Journalisten nicht ein freier Tag pro Woche gut tun, an dem sie draussen Geschichten fischen, finden, recherchieren könnten? Ein Journalismus, der nur noch konkurrenzschielend termingebundenen Content verwaltet, ist doch ein Problem.</strong><br />
Bei einer Wochenzeitung mit einer relativ kleinen Mannschaft gibt es nun mal einen gewissen Produktionsdruck. Sie können sich nicht, wie zum Beispiel beim «Spiegel», für eine Geschichte vier oder fünf Wochen ausklinken. Sonst kriegen wir schlicht das Blatt nicht voll. Eine Handelszeitung oder auch eine Bilanz bietet den Journalisten aber verhältnismässig viele Freiheiten, um nach Geschichten zu fischen &#8211; wenn sie das denn wollen.</p>
<p><strong>Der Artikel trug den Titel «Beförderung eines Ungeliebten» &#8211; aber müssen Journalisten überhaupt geliebt werden?</strong><br />
Nein, das ist das Problem von vielen Journalisten: Sie wollen geliebt werden. Journalisten müssen nicht geliebt werden, Journalisten müssen respektiert werden.</p>
<p><strong>Ist die Handelszeitung ein Karrieresprungbrett? Martin Spieler hat danach zur Sonntagszeitung gewechselt, Sie zur «Welt»-Gruppe.</strong><br />
Offenbar war es für zwei Leute ein gutes Sprungbrett, um danach zu General-Interest-Titeln zu wechseln.</p>
<p><strong>Formal werden Sie vom Chefredaktor zum stv. Chefredaktor. Warum ist es trotzdem ein Aufstieg?</strong><br />
Die Welt am Sonntag hat eine verkaufte Auflage von über 400′000 Exemplaren [mehr als zehnmal mehr als die Handelszeitung &#8211; verkaufte Auflage 2012: 36&#8217;689 Exemplare]. Das ist eine andere Dimension. Der Einfluss eines solchen Blattes ist viel grösser als der eines Nischentitels. Folglich werde ich vermehrt unter Beobachtung stehen, kann also mehr mit guten Sachen auffallen, aber auch mehr falsch machen. Welchen Titel ich tragen werde, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe, einen General-Interest-Titel zu führen in einem Sonntagsmarkt, der noch nicht so ausgereizt ist wie der in der Schweiz.</p>
<p><strong>Was macht die Welt am Sonntag besonders gut?</strong><br />
Dank dem <a href="http://investigativ.welt.de/das-team/">Investigativteam</a> unter der Leitung von Jörg Eigendorf konnten viele gute Recherche-Geschichten platziert werden. Es wurde generell viel investiert in die journalistische Exzellenz, was auch zu einigen Auszeichnungen und zu einer steigenden Zitierungsquote geführt hat. Immer wieder fällt die WamS zudem mit spannenden Reportagen und prominenten Interviewpartnern auf. Der Trend ist also vielversprechend, und ich möchte ihn fortsetzen.</p>
<p><strong>Was möchten Sie konkret umsetzen?</strong><br />
Das kann ich Ihnen heute nicht sagen, sowas können die Kollegen ja nicht bei Ihnen erfahren. Wie auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jan-Eric_Peters">Jan-Eric Peters</a> bereits betont hat, wird der Magazin-Style der Zeitung weiter zunehmen.</p>
<p><strong>Ist das Magazinige die einzige Strategie, mit der sich Zeitungen von Online abheben können?</strong><br />
Das ist einfach gesagt, aber die Frage ist, wer es tatsächlich macht. Die Zeitung als statisches Medium muss die grossen Zusammenhänge erklären und nicht mehr der Tagesakualität hinterherrennen. Da ist online einfach schneller. Printprodukte müssen heute viel innovativer sein, als sie das früher waren. Trends erspüren, Themen setzen, grosse Geschichten erzählen: Das sind die einzigen Chancen, die Printmedien heute noch haben. Und das Wochenende ist meiner Meinung nach die Zeit, in der Printprodukte noch lange, lange gelesen werden.</p>
<p><strong>Freuen Sie sich auf die Zusammenarbeit mit Ulf Poschardt in der Chefredaktion der «Welt»? Beim SZ-Magazin wurde er ja nach dem Tom-Kummer-Skandal entlassen.</strong><br />
Ulf Poschardt ist ein sehr netter Kollege, sehr dynamisch und sehr kreativ. Natürlich freue ich mich auf die Zusammenarbeit.</p>
<p><strong>Ist Ihre erste Silicon-Valley-Reise bereits geplant? Das Axel-Springer-Kader ist ja derzeit sehr oft dort.</strong><br />
Diese Frage wird mir dauernd gestellt, noch ist meines Wissens nichts geplant.</p>
<p><strong>Der Axel-Springer-Verlag verdient viel Geld mit digitalen Inhalten. Was sind Ihre Konzepte, online Geld zu verdienen?</strong><br />
Die Aufgaben sind in der Welt-Gruppe klar aufgeteilt, ich bin nicht direkt für online zuständig. Aber selbstverständlich sollen WamS-Inhalte auch online noch besser daherkommen für eine nachhaltige Zukunft der digitalen Marken-Abos.</p>
<p><strong>Worin unterscheiden sich gute Autorenstücke online von denen in Print?</strong><br />
Gut geschriebene Stücke werden online und in Print gelesen. Das ist jetzt wissenschaftlich nicht erhärtet, aber ich glaube, online ermüdet der Leser schneller. Es gibt auch eine natürliche Aufmerksamkeitsgrenze bei der Länge der Stücke.</p>
<p><strong>Wie wird man ein guter Rechercheur?</strong><br />
Ein guter Rechercheur ist misstrauisch, hat eine gesunde Distanz zum Objekt, das er beschreibt und hat natürlich den unbedingten Willen zur Geschichte. Das heisst, er tätigt nicht drei Telefonanrufe, nicht zehn, sondern dreissig, wenn es sein muss. Einen potentiellen Informanten ruft er zehnmal an, und das auch um zehn Uhr abends.<br />
Es gibt tausend Methoden und Techniken, Datenjournalismus und vieles mehr, doch am Schluss entscheidet nur, ob Sie die richtigen Leute zum Reden kriegen. Per E-Mail erzählt ihnen sowieso niemand was und per Google können Sie auch keine Investigativgeschichte machen. Sie müssen das Vertrauen der Leute gewinnen, mit ihnen telefonieren und sich mit ihnen in einem Café treffen. Das bedeutet auch, dass man mal einen Informanten trifft, wenn am Samstag draussen die Sonne scheint. Gute Investigativleute zeichnet aus, dass sie Biss haben und die Geschichte wirklich wollen.<br />
Mit einer guten Investigativgeschichte kriegt man vor allem eines: Richtig viel Ärger. Und diesen Ärger müssen Sie aushalten wollen, das will verständlicherweise längst nicht jeder. Sie sind als Investigativjournalist tendenziell nicht sehr beliebt, haben tendenziell viel mit Anwälten zu tun (was nicht immer Spass macht), und dann es gibt immer auch ein Restrisiko, dass Ihnen jemand ein Verfahren anhängt.</p>
<p><strong>Wie ist das, wenn man die Zeitung wechselt? Kann man da das aufgebaute Kontaktnetz mitnehmen?</strong><br />
Zum Teil. Viele Journalisten sind ja der Meinung, dass die Informanten mit Ihnen persönlich reden. Das ist eine Fehleinschätzung: die Informanten reden mit den Gatekeepern der Plattform. Sobald Sie die Plattform nicht mehr vertreten, fallen Teile Ihres Netzwerkes weg, das ist völlig normal. Nach beinahe zehn Jahren beim «Spiegel» habe ich natürlich noch ein paar Kontakte. Ein gewisses Grundnetzwerk bleibt und wächst.</p>
<p><strong>Wie baut man sich ein Kontaktnetz auf?</strong><br />
Sie müssen auffallen durch Ihre Geschichten. So erarbeiten Sie sich einen Ruf, kombiniert mit der Marke ist das Ihr Kapital. So kommen Leute zu Ihnen, und nicht zu anderen. Wenn Sie jedoch x mal verbrannte Erde hinterlassen haben und beispielsweise Informanten über den Tisch gezogen haben, rächt sich das irgendwann.<br />
Kontakte müssen natürlich auch gepflegt werden, es muss nicht bei jedem Gespräch eine Geschichte herausspringen. Wenn Sie sich nur immer für konkrete Geschichten melden, dann funktioniert die Beziehung irgendwann nicht mehr. Es ist etwas Langfristiges: Mir haben viele Kontakte über Jahre hinweg einfach nur mal Dinge erklärt, und irgendwann dann aber plötzlich einen Knaller geliefert.</p>
<p><strong>Was haben Sie beim «Spiegel» gelernt?</strong><br />
Eine Geschichte gut zu schreiben, sie klar zu strukturieren, einen hohen Qualitätsanspruch einzuhalten. Der Druck auf die Journalisten, seriös zu arbeiten und eine pingelige Textarbeit zu machen, ist beim «Spiegel» hoch.</p>
<p><strong>Sind Leute, die ständig von «investigativem Journalismus» sprechen, Angeber?</strong><br />
Nicht alle, die behaupten, Sie seien Investigativjournalisten, sind Investigativjournalisten. Es ist ein Modewort, das ich fast nicht mehr hören kann, denn es impliziert, dass auf der einen Seite wichtige Investigativjournalisten stehen – und auf der anderen harmlose Schreiberlinge. Das darf nicht so sein: Alle Journalisten müssen recherchieren, auch Kulturjournalisten beispielsweise dürfen sich ihre Storys nicht nur auf einer Quelle aufbauen. Ohne Recherche ist Journalismus einseitig und oberflächlich.</p>
<p><strong>Was sagen Sie zu den Veröffentlichungen der «Sonntagszeitung» zu den Offshore-Leaks?</strong><br />
Das war jetzt nicht ganz so explosiv wie gedacht. Einem grossen Aufwand steht ein eher bescheidenes Ergebnis gegenüber. Aber das ist nicht die Schuld der beteiligten Journalisten. Vor 15 oder 30 Jahren hätten diese Daten sicher ganz anders eingeschlagen, aber inzwischen haben Leute, die sehr viel Geld besitzen, dazugelernt. Viele von ihnen sind inzwischen sehr gut beraten und verspüren keine Lust mehr, Schwarzgeld zu produzieren oder überhaupt Illegales zu machen. Die wollen nur noch legal Steuern sparen.</p>
<p><strong>Wie stehen Sie zu den Enthüllungen über die Überwachungstätigkeiten von Regierungen?</strong><br />
Sobald Überwachungstätigkeiten nicht mehr in rechtsstaatlichen Bahnen verlaufen, sind sie natürlich hart zu kritisieren, deshalb ist der aktuelle Aufschrei auch teilweise gerechtfertigt. Die Empörung fällt allerdings nicht ganz so gross aus, weil heute viele Menschen im Internet viel von sich preisgeben &#8211; und das völlig normal finden.</p>
<p><strong>Sobald sich ein Terroranschlag ereignet, rufen die Medien: «Skandal! Wie konnte das passieren?» &#8211; Und jetzt rufen die Medien: «Skandal! Wieso überwacht uns der Staat?» Ist das nicht widersprüchlich?</strong><br />
Wenn man die Medien als Ganzes nimmt, waren sie noch nie besonders stark, eine klare Linie zu haben. Man springt auf das, was aktuell ist, und verheddert sich dann auch mal in einen Widerspruch.</p>
<p><strong>Bereits mit Mitte 20 durften Sie für die «Handelszeitung» lange Artikel zur Wirtschaftsförderung, zu Asylbewerbern als Wirtschaftsfaktor oder zum Abstimmen via Computer schreiben. Werden heutigen Jungjournalisten die gleichen Chancen eingeräumt?</strong><br />
Ja. Mit guten Geschichten kommt man mit 18 ins Blatt und mit 80.</p>
<p><strong>Braucht Journalismus Grossraumbüros?</strong><br />
 Es ist teilweise laut in Grossraumbüros, manche Mitarbeiter fühlen sich gestört, man kann sich schlechter konzentrieren, vertrauliche Gespräche zu führen ist sehr schwierig. Aber es spricht neben dem Kostenvorsteil auch noch ein anderes Argument dafür: Das Know-How der Journalisten wird besser genutzt, weil sie mitkriegen, was bei ihren Kollegen läuft. Man tauscht sich viel mehr aus. Die Schwarmintelligenz kann sich so besser entfalten.</p>
<p><strong>Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften eines Journalisten?</strong><br />
Unendliche Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Hartnäckigkeit.</p>
<p><strong>Versuchte schon mal jemand, Sie zu bestechen?</strong><br />
Nein. Direkte Bestechungsversuche gab es bisher keine. Firmen und Verbände versuchen teilweise, Chefredakteure für Moderationen sehr, sehr, sehr fürstlich zu bezahlen. Das habe ich immer abgelehnt, man sieht sich doch stets zweimal. Solche Honorare laufen nicht unter Bestechung, sie stellen aber Filz her und Interessenskonflikte.</p>
<p><strong>Welchen Artikel hätten Sie lieber nicht veröffentlicht?</strong><br />
Bei der «Sonntagszeitung» wurde mal ein Artikel von mir mehrfach verschoben. Bei der Veröffentlichung war er dann falsch, weil sich inzwischen die Lage verändert und ich das nicht nachrecherchiert hatte. Um was es ging, weiss ich nicht mehr, das ist schon so lange her. Wir mussten dann eine Korrektur drucken, es war mir unendlich peinlich.</p>
<p><strong>Wann kommt der grosse Finanz- und Börsencrash, der massive Auswirkungen auf den einzelnen Bürger hat?</strong><br />
Die Frage ist, ob es eine neue Hyperinflation geben wird oder nicht. Die Nationalbanker behaupten zwar, den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg aus der Geldschwemme zu finden, aber daran zweifle ich. Es ist beunruhigend, in welchen Dimensionen die Geldmengen und die Bilanzen der Nationalbanken wachsen und wie die Zentralbanken in eine Abhängigkeit der Politik geraten.</p>
<p><strong>Ist das Internet grossartig oder schrecklich?</strong><br />
Grossartig! Nichtsdestotrotz hat es den Job des Printjournalisten massiv erschwert. Manchmal wünscht man sich als Chefredakteur, zwanzig Jahre früher geboren zu sein. Eine Zeitung zu führen, muss ja damals unglaublich entspannend gewesen sein. Die Entwicklung der Technik hat aber auch vieles erleichtert: 1994 bei der Sonntagszeitung hatten wir einen Agenturticker und ein Telefon, so haben wir recherchiert.</p>
<p><strong>Warum weiss man eigentlich kaum etwas über das Innenleben des «Spiegel»?</strong><br />
Das hat sicher damit zu tun, dass der Verlag den Mitarbeitern gehört, sie sich mit dem Produkt identifizieren und tendenziell loyaler sind.</p>
<p><strong>Werden Sie nach der Zeit bei der «Welt» als Unternehmer in die Schweiz zurückkehren?</strong><br />
(Lacht) Wenn Sie ein Objekt haben, das ich kaufen kann? Verleger zu sein wäre reizvoll, aber auch ein hartes Geschäft. Roger Köppel könnte Ihnen sicher ein Lied davon singen. Aktuell ist das aber natürlich kein Thema für mich.</p>
<p><strong>Kurt W. Zimmermann schreibt in einer aktuellen Kolumne, dass Journalisten, die selbst zu Unternehmern werden, alle bald zugeben, dass sie zuvor viel zu kritisch waren gegenüber der Wirtschaft.</strong><br />
Das ist richtig. Journalisten haben eine Tendenz, zu unterschätzen, was es bedeutet, eine Firma zu führen. Wenn Unternehmenslenker etwas sanieren und umbauen müssen, geht das eben nicht ohne das Fällen von harten Entscheiden. Schlimme Presse ist aber garantiert – egal, ob die Firma gerettet wird oder Pleite geht.</p>
<p><strong>Was viele nicht wissen: Sie stellen eigene Fotografien aus. Hätten Sie auch Fotograf werden können?</strong><br />
Ja. Die <a href="http://www.beatbalzli.com/">Website</a> liegt derzeit leider etwas brach, diese Leidenschaft werde ich aber sicher wieder aufgreifen &#8211; spätestens wenn ich pensioniert bin.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Beat Balzli wurde am 19. Juli 2013 in Berlin geführt. Die Fotos sind von René Worni.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/07/jenseits-der-kuschelatmosphaere/">Jenseits der Kuschelatmosphäre</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Potpourri de luxe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 07:53:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um neue Werbekunden anzulocken, lancieren Zeitungen und Zeitschriften Magazinbeilagen zu Luxus- und Lifestyle-Themen. Sie sind in erster Linie willkommene Möglichkeit, das schwächelnde Inserategeschäft der Stammblätter zu stützen. Daraus machen auch die Chefredaktoren keinen Hehl. Kürzlich in einem Zürcher Szenelokal. Der Vater mit seiner halbwüchsigen Tochter. Sie in Jeans und Indianer-Mokassins, er mit Tweed-Veston und Seidenfoulard. <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Potpourri de luxe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/10/Text-Bild.jpg" alt="" width="120" height="124" /> Um neue Werbekunden anzulocken, lancieren Zeitungen und Zeitschriften Magazinbeilagen zu Luxus- und Lifestyle-Themen. Sie sind in erster Linie willkommene Möglichkeit, das schwächelnde Inserategeschäft der Stammblätter zu stützen. Daraus machen auch die Chefredaktoren keinen Hehl.<br />
<span id="more-28933"></span><br />
Kürzlich in einem Zürcher Szenelokal. Der Vater mit seiner halbwüchsigen Tochter. Sie in Jeans und Indianer-Mokassins, er mit Tweed-Veston und Seidenfoulard. Der Senior zu seinem blonden Spross:<br />
&#8211; Hast du dir schon überlegt, ob du ans Gymnasium gehen oder eine Lehre absolvieren möchtest?<br />
&#8211; Mhm. Ich will etwas Stylisches machen.<br />
&#8211; Was heisst das?<br />
&#8211; Mann Papi. So Zeugs halt mit Mode, Party und Reisen und so.<br />
Der Vater verstummt. Und überlegt. Die Halbwüchsige kramt in der ledrigen Beuteltasche und zückt das neue «Stil Magazin» der «NZZ am Sonntag» hervor. Darauf der Vater:<br />
&#8211; Du möchtest also Kulturjournalistin werden?<br />
&#8211; Kultur? Das ist für Alte. Ich will Models stylen und so. Das ist doch voll der Luxus-Job.<br />
Der Vater verstummt erneut und bleibt still, bis der Kaffee ausgetrunken und die Quiche aux légumes verspeist sind.</p>
<p>Es irritiert zunächst, wenn renommierte und journalistisch ambitionierte Titel wie eine «NZZ am Sonntag» oder die «Bilanz» auf Lifestyle- und Luxus-Supplements setzen, wo der Journalismus in erster Linie dazu da ist, den Platz zwischen den Inseraten zu füllen. Rasch wird aber klar: die Neulancierungen sind attraktive Mitfinanzierungsmodelle der Hauptblätter.</p>
<p>Seit 2010 wurden in der Deutschschweizer Medienlandschaft fünf neue Beilagen zum Thema Lifestyle und Luxus lanciert. Die zum Axel Springer Verlag gehörenden Titel «Bilanz», «Handelszeitung» und «PME Magazine» geben seit 2010 gemeinsam vier Mal jährlich «First – das Magazin für guten Stil» heraus. «Wir haben Leser, die sich sehr für Lifestyle, Stil und Luxus interessieren. Die entsprechenden Inhalte in diesen Titeln noch weiter auszubauen, wäre aber einer Verwässerung ihres Charakters als Wirtschaftsmagazine gleichgekommen», sagt Pierre-André Schmitt, Chefredaktor von «First». Da sei es auf der Hand gelegen, die Lifestyle-Themen mit einem Supplement zu transportieren.</p>
<p>Und diese bietet Werbekunden eine Plattform, wie Markus Köchli, Gesamtleiter Specials der «Handelszeitung», sagt: «Im Gesamtrahmen von über 90 Fach-Specials pro Jahr ist es wichtig, dass auch der Lifestyle-Bereich angesprochen wird. Zugegebenermassen sind diese Specials sowohl für die Leserinnen und Leser wie aber auch für die Werbewirtschaft interessant. Natürlich wollen wir eine Plattform bieten für gezielte Werbung, die sonst in der Wirtschaftspresse nicht vorkommt.» Kommerziell müssten die Luxus-Beilagen  immer gewinnbringend sein, sonst verzichte die «Handelszeitung» darauf.</p>
<p>Der Tamedia-Verlag gründete seit 2010 drei neue Beilagen. Der «Tages-Anzeiger» bringt drei Mal jährlich «Luxus», die «Sonntagszeitung» gleich oft «Finest» und die «Finanz und Wirtschaft» zusammen mit «Bilan» vier Mal jährlich «Luxe» – ein zweisprachiges Heft. Laut Res Strehle, Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», bewegt sich die «Luxus»-Beilage nicht im «Ultra-Luxus-Segment», sondern in einem Bereich, den sich auch Tages-Anzeiger-Leser leisten können. Ausserdem achte man auf Schweizer Produkte und Protagonisten, «Prada und Gucci kommen möglicherweise in der Modestrecke vor, aber nicht als Story». Strehle sagt, dass neue Werbekunden Ziel der Gründung waren.</p>
<p>Diego Quintarelli, Verlagsleiter bei der «Sonntagszeitung», sagt: «Ein Produkt, das nur für den Werbemarkt konzipiert wird, funktioniert nicht». Und Martin Coninx, Geschäftsführer bei der «Finanz und Wirtschaft», hält ganz dagegen: «Bei der gemeinsamen Publikation von Finanz und Wirtschaft und Bilan stand bei der Lancierung das Journalistische und nicht eine Kostenoptimierung im Mittelpunkt. Wir publizieren ein sprachübergreifendes Produkt, das für Romands und Deutschschweizer interessant ist. Da die Publikation seit der ersten Ausgabe auch wirtschaftlich sehr erfolgreich ist, sehen wir unser redaktionelles Konzept bestätigt.»</p>
<p>Die jüngste aller Lifestyle-Beilagen ist das «Stil Magazin» der «NZZ am Sonntag». Es ersetzt seit dem 28. August 2011 den früheren Stil-Bund, der für Anzeigenkunden hochwertiger Konsumgüter im Laufe der Jahre zu wenig attraktiv wurde. «Mit dem Stil Magazin können wir nun diesen Werbekunden wieder eine qualitativ erstklassige Plattform bieten», sagt Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag».</p>
<p>Das Magazinformat bietet bessere Druckqualität, bessere Gestaltungsmöglichkeiten und ermöglicht einen Ausbau des Inhalts. Bereits der Stil-Bund war bei seiner Gründung vor bald zehn Jahren eine Pioniertat. Das «Stil Magazin» folgt seinem Vorläufer und trifft nicht zuletzt dank einer zurückhaltenden Optik den Zeitgeist.</p>
<p>Seit sechs Jahren gibt es im Hause «NZZ» das «Magazin Z – Die schönen Seiten». Die Hochglanzbeilage erhalten sowohl Leser der Tagesausgabe, als auch der «NZZ am Sonntag». «Das Magazin Z ist die Welt der Träume, des Hedonismus, des reinen Luxus. Das Stil Magazin ist lebensnaher. Es bringt Ratschläge für die konkrete Lebensgestaltung», wie Felix E. Müller erklärt. Solche Ratschläge sind beispielsweise Tipps für den spontanen Sonntagsausflug – auf der letzten Seite zum Ausschneiden.</p>
<p>Schon vor 2010 haben Zeitungen und Zeitschriften auf Luxus und Lifestyle gesetzt. Einer der Pioniere ist die «Weltwoche» mit ihrer Stilausgabe – im November 2007 lanciert, habe der Werbeumsatz stetig und markant erhöht werden können, wie Jean-Claude Plüss, Leiter Werbemarkt, sagt. Den Erfolg erklärt Plüss so: «Die Stilausgaben haben ein Gesicht. Sie sind publizistisch und optisch eigenständig positioniert». Dies zeigt sich nicht zuletzt der Gestaltung der Titelseiten.</p>
<p>Dort spielt die «Weltwoche» gekonnt mit Schriftarten- und graden, mit Texteffekten wie 3-D-Drehungen, Folgepfaden und Abschrägungen. Entwickelt und produziert vom renommierten deutschen Büro Borsche. Das gefällt auch den Werbekunden: «Durch die Stilausgaben gewannen wir neue Kunden, die auch den Weg ins Hauptblatt gefunden haben», so Jean-Claude Plüss.</p>
<p>Zurück zu Vater und Tochter im Szenelokal. Als die Quiche aux légumes verspeist ist, legt der Senior seinem Spross nahe, dass dieses den Luxus-Begriff doch differenziert anschauen sollte:<br />
&#8211; Sind für dich nur Models und Modehefte Luxus?<br />
&#8211; … und Louis Vuitton und Paris Hilton und so.<br />
&#8211; Sind Liebe, Familie und Gesundheit nicht auch Luxus für dich?<br />
&#8211; Hä? Papi, das sind doch Menschenrechte.</p>
<p><em>Die Luxus- und Lifestyle-Beilagen <a href="https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0AuZv5IS6RhDqdEREbFhkT2VZLW4zT0lIaEZ1eElHRmc&amp;hl=en_US" target="_blank">im Überblick</a>.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/24/potpourri-de-luxe/">Potpourri de luxe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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