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	<title>Bildblog | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:05:40 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Lust und Leiden eines Linksammlers</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2015 07:37:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Kuratieren]]></category>
		<category><![CDATA[6vor9]]></category>
		<category><![CDATA[Blogwerk]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum höre ich nach fast neun Jahren auf mit der wochentäglichen Linkempfehlung «6 vor 9» auf Bildblog.de? Weil die Auswahl und Präsentation von Links alltäglicher geworden ist. Weil die Zukunft des Journalismus immer noch nicht geklärt ist. Und weil es eben kein Kinderspiel ist, Medienkritik jeden Morgen fehlerfrei zusammenzufassen. Wiederholungen Wenn mich nach neun Jahren «6 <a href="https://medienwoche.ch/2015/07/06/lust-und-leiden-eines-linksammlers/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/07/06/lust-und-leiden-eines-linksammlers/">Lust und Leiden eines Linksammlers</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Warum höre ich nach fast neun Jahren auf mit der wochentäglichen Linkempfehlung <a href="http://www.bildblog.de/ressort/6-vor-9/">«6 vor 9» auf Bildblog.de</a>? Weil die Auswahl und Präsentation von Links alltäglicher geworden ist. Weil die Zukunft des Journalismus immer noch nicht geklärt ist. Und weil es eben kein Kinderspiel ist, Medienkritik jeden Morgen fehlerfrei zusammenzufassen.<br />
<span id="more-25101"></span></p>
<h3>Wiederholungen</h3>
<p>Wenn mich nach neun Jahren «6 vor 9» etwas nicht mehr interessiert, dann ist es die Frage nach der Zukunft des Journalismus und die entsprechenden Thesen dazu. Ich kann es versichern: Diese Frage wurde inzwischen von allen möglichen Personen in allen möglichen Variationen gestellt. Den Leser hat sie wahrscheinlich noch nie interessiert und einige Verleger und Journalisten auch nur so weit, als es sie selbst betrifft. Die Antworten darauf sind so oder so wertlos, weil spekulativ. Wie die Zukunft wohl wird? Ob es Gott gibt? Wie er wohl aussieht? Man kann sich darüber endlos unterhalten. Und viel Zeit damit vertun.</p>
<p>Repetitiv sind leider auch die Persönlichkeitsverletzungen, die Falschmeldungen und die Rudelbildungen von Journalisten. Auch wenn ich mir einbilde, dass konstante Medienkritik durchaus etwas verbessert und verbessert hat. In einzelnen Redaktionen. Bei einzelnen Journalisten. Bei einigen Themen.</p>
<h3>Kuratieren ist Alltag geworden</h3>
<p>Als am 2. August 2006 der <a href="http://www.bildblog.de/9924/6-vor-9/">erste Beitrag</a> von «6 vor 9» auf <a href="http://www.medienlese.com/">Medienlese.com</a> online ging, da waren regelmässige Linksammlungen etwas Seltenes. Links auf Blogs waren noch seltener. «Wieso sollte man das überhaupt tun?», fragten die Journalisten damals. Dass es nicht drum geht, was drauf steht, sondern was drin ist, haben einige von ihnen bis heute nicht verstanden. Es benötigte jahrelange Überzeugungsarbeit, dass Journalisten sich überhaupt dazu bequemten, sich mit dem zu beschäftigen, was ausserhalb ihrer bekannten Medienwelt geschieht. Das gilt auch für die Medienkritik. Jene Themen, die «6 vor 9» seit Jahren thematisiert, finden erst seit Kurzem endlich den Weg in die etablierten Medien, zuletzt zum Beispiel als vierseitige Titelgeschichte in der <a href="http://www.presseverein.ch/2015/06/journalismus-in-der-glaubwuerdigkeitskrise/">«Zeit» vom 25. Juni 2015</a> zur Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus.</p>
<p>Erfunden haben die Linksammlung Peter Hogenkamp und ich im damaligen Büro des Blogwerk-Verlags in St. Gallen. Das Rad haben wir damit keineswegs neu erfunden &#8211; <a href="https://www.perlentaucher.de/">Perlentaucher.de</a> beispielsweise war vor «6 vor 9» um 9 Uhr da, und ist es immer noch. Zum Erfolg der Rubrik geführt hat hoffentlich ihre Qualität. Vor allem aber bemerkt wurde die Konstanz ihrer Veröffentlichung, denn ausgefallen ist die Rubrik noch nie, und meistens war sie auch um 9 Uhr online, wenn auch nicht immer:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Sensationell verschlafen. &#8222;6 vor 9&#8220; kommt heute Stunden später.</p>
<p>— Ronnie Grob (@ronniegrob) <a href="https://twitter.com/ronniegrob/status/93951362068516864">July 21, 2011</a></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor allem Kreativarbeiter in Berlin, für die 11 Uhr morgens noch tiefste Nacht ist, sind mit dieser Leistung tief zu beeindrucken. Hierzu ist zweierlei anzumerken. A) Hätten alle die Arbeitsmoral und die Zuverlässigkeit von Journalisten, würde das Wirtschaftsleben zusammenbrechen. B) Einer der Gründe für den Erfolg von Tageszeitungen ist, dass sie eben täglich erscheinen. Warum sollte das für das Internet nicht auch gelten?</p>
<p>Nachahmer haben sich auch gefunden. Die Linkrubrik auf <a href="http://etailment.de/">Etailment.de</a> heisst etwa «Kurz vor 9», die Linkrubrik auf <a href="http://www.medienrot.de/">Medienrot.de</a> «3 vor 6». Die nach wie <a href="http://blog.ronniegrob.com/2012/03/26/5-vor-10-insm-vs-6-vor-9-bildblog/">deutlichste Kopie</a> kommt von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Unter dem Titel <a href="http://www.insm-oekonomenblog.de/">«5 vor 10»</a> veröffentlicht die «Denkfabrik» seit Jahren Links zu Wirtschaftsthemen. Das Vorbild ist bis in die Details unverkennbar.</p>
<p>Heutzutage gibt es Links zu Medienthemen, wo man hinschaut, und sie verbreiten sich auch immer schneller: die Facebook-Seite von <a href="https://www.facebook.com/medienwoche.ch">Medienwoche.ch</a>, die Links im Meedia-Newsletter, <a href="http://www.turi2.de/">Turi2</a>, <a href="http://wirres.net/">Wirres</a> von Felix Schwenzel, das <a href="http://www.evangelisch.de/blogs/altpapier">Altpapier</a> und dann natürlich in den Sozialen Medien, vor allem unter Journalisten auf Twitter und neuerdings auch auf Linksammlung spezialisierte <a href="http://niu.ws" target="_blank">Dienste wie niu.ws</a> von Blogwerk-Gründer und «6 vor 9»-Miterfinder Peter Hogenkamp.</p>
<h3>Der Druck, keine Fehler zu machen</h3>
<p>Seit 2009 ist die Rubrik bei Bildblog.de und somit unter der täglichen Beobachtung von kritischen Journalisten, Medienkritikern, Deutschlehrern und Tippfehlerfindern. Das Ziel, jeden Tag eine Ausgabe zu liefern, die keinen Quatsch behauptet und keinen solchen verlinkt, ist nicht leicht zu erreichen. Schliesslich muss, wer sich als Besserwisser auf das hohe Ross der Medienkritik setzt, selbst unangreifbar sein. Das jeden Tag zu erreichen, ist eine nicht zu unterschätzende Belastung. Denn anders als die anderen Bildblog-Beiträge und journalistische Beiträge überhaupt wurde «6 vor 9» noch nicht einmal gegengelesen. Nennen wir es Eigenverantwortung auf hohem Niveau, so klingt das sofort überheblich. Tatsache ist, dass ich nicht darum herum kam, täglich mindestens zwei Stunden einzurechnen für das Lesen und Finden der verlinkten Beiträge, sowie eine Stunde für das Schreiben von «6 vor 9». Mit etwas Routine geht&#8217;s auch etwas schneller, und vielleicht macht meine Nachfolgerin Natalie Mayroth nicht so ein Drama draus wie ich, und liefert das schneller und besser.</p>
<h3>Korrektes Verlinken auch heute nicht selbstverständlich</h3>
<p>Bis heute können viele nicht richtig verlinken. Ihre Links zeigen auf die Hauptseite, auf die Kommentare, auf eine falsche Seite oder funktionieren erst gar nicht erst. Unkorrektes Verlinken wird aber auch von den Verlagen befördert, die ihre Seiten aufsplitten. Um zu mehr Seitenaufrufen und in der Folge zu mehr Werbung zu gelangen. Als Beispiel Faz.net. Der korrekte Link zur (auf einer Seite angezeigten) Story «Helikopter-Eltern: Lasst uns in Ruhe!» ist:</p>
<p><small><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/helikopter-eltern-kinder-brauchen-auch-ruhe-13645923.html?printPagedArticle=true">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/helikopter-eltern-kinder-brauchen-auch-ruhe-13645923.html?printPagedArticle=true</a></small></p>
<p>Doch als Standard zeigt Faz.net die gesplittete Seite an:</p>
<p><small><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/helikopter-eltern-kinder-brauchen-auch-ruhe-13645923.html">(&#8230;) 13645923.html</a></small></p>
<p>Klickt man im Text auf «Artikel auf einer Seite», gelangt man immer noch nicht zum korrekten Link, sondern hierher:</p>
<p><small><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/helikopter-eltern-kinder-brauchen-auch-ruhe-13645923.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">(&#8230;) 13645923.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2</a></small></p>
<p>Wer seine Leser ernst nimmt, macht es <a href="https://twitter.com/sixtus/status/611069270471127040">wie Mario Sixtus</a>:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">(Macht ihr eigentlich auch immer erst den URL hübsch, schneidet Müll-Parameter ab und so, bevor Ihr einen Link auf Twitter postet?)</p>
<p>— Mario Sixtus ?? (@sixtus) <a href="https://twitter.com/sixtus/status/611069270471127040">June 17, 2015</a></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Feedback</h3>
<p>Bildblog-Verlinkungen bleiben selten unbemerkt. Einige der verlinkten Websites zählen gar so viele Besucher wie sonst das ganze Jahr nie. <a href="http://pro2koll.de/2012/01/11/es-war-ein-sturmischer-tag-in-meinem-kleinen-blog/">Pro2koll.de schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>«Mein letzter Artikel hat heute, an nur einem Tag, so viele Unique Visits erhalten, wie ich nicht mal im gesamten Jahr 2010 hatte.»</p></blockquote>
<p>Und <a href="http://www.einvideogehtumdiewelt.blogspot.de/">Einvideogehtumdiewelt.blogspot.de berichtet</a>:</p>
<blockquote><p>«Innerhalb der ersten Stunde (!) nach Veröffentlichung verzeichne ich hier auf diesem Blog 1072 Besucher&#8230; Und im Laufe des Tages werden es 5643 Zugriffe.»</p></blockquote>
<p>Konkret wirken sich die Verlinkungen je nach Tag und Thema unterschiedlich aus, aber Linkpower hatte die Rubrik schon:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Danke <a href="https://twitter.com/BILDblog">@BILDblog</a>, ihr habt mir heute über 47.000 Zugriffe auf <a href="http://t.co/HdbiFZjm">http://t.co/HdbiFZjm</a> beschert. <a href="https://twitter.com/hashtag/korkenknallen?src=hash">#korkenknallen</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/hhbue?src=hash">#hhbue</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/enteignetspringer?src=hash">#enteignetspringer</a></p>
<p>— Kersten Artus (@Kersten_Artus) <a href="https://twitter.com/Kersten_Artus/status/141569285976899584">November 29, 2011</a></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Ratet mal, wann <a href="https://twitter.com/BILDblog">@BILDblog</a> Links zu Journalisten-Tools.de veröffentlicht hat? Danke für so viel Traffic! <a href="http://t.co/jge84c6iwK">http://t.co/jge84c6iwK</a></p>
<p>— Journalisten-Tools (@journalist_tool) <a href="https://twitter.com/journalist_tool/status/545278535590768641">December 17, 2014</a></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Zuwendung und Linkgeiz</h3>
<p>Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen einer Verlinkung. Wer (im besten Fall positive) Zuwendung erhält, fühlt sich in seiner Tätigkeit bestärkt und macht weiter mit seiner Arbeit. Im Unterschied zur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paraphrasierung">Paraphrasierung</a>, welche die ursprüngliche Arbeit verwischt, ja vernichtet, weist der Link auf den Urheber, auf seine Arbeit, auf seine Verdienste hin. «6 vor 9» mag von einigen Leuten als Zusammenfassung von dem, was gerade so an Medienkritik aktuell ist, gelesen worden sein. Im Zentrum aber standen immer die Links, also die Hinweise auf die kreative Arbeit verschiedenster Urheber.</p>
<p>Um so stossender ist der Linkgeiz der etablierten Medien. Einige der dort angestellten Journalisten glauben, in einer eigenen Liga zu spielen und scharwenzeln lieber um Exponenten der Elite, als sich, und sei es auch nur mal zur Abwechslung, mit den Äusserungen von Bloggern abzugeben, sie gar mit einem Link zu würdigen. Sollte nicht die sogenannte vierte Gewalt Anwalt der Bürger sein, aller Bürger? Die Auseinandersetzung zwischen Bloggern und Journalisten ist eben auch ein Kampf «Neue vs. Etablierte». Und das bedeutet manchmal auch «Junge vs. Alte», «Machtlose vs. Mächtige» oder «Nicht-Akademiker vs. Akademiker». Das Internet hat den bisher ohnmächtig der Macht ausgelieferten eine Stimme verliehen. Aber was ist, wenn Journalisten und Medienkritiker diese Stimmen ignorieren? Dann ändert sich (vorerst) nichts.</p>
<p>Zuwendung ist für alle wichtig, für Publizisten jedoch überlebenswichtig. Die grosse Journalistin Margrit Sprecher hat die Probleme unserer Branche <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">2009</a> mal so zusammengefasst:</p>
<blockquote><p>«Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird. Ihre Artikel werden zusammengestrichen oder, noch schlimmer, der bestellte Text erscheint nie und wird auch nicht bezahlt. Das beschädigt das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss: Selbstvertrauen.»</p></blockquote>
<p>Hat sich das seither verbessert? Ich zweifle daran. In den Teppichetagen des Journalismus gehört es zur Attitüde, stets vor Selbstvertrauen zu strotzen. Zweifeln dürfen alle anderen.</p>
<p>Erfreulich ist es also, wenn es mit dem Setzen von Links gelingt, den Schreiber zu bestärken. Und dem Leser neue Welten zu eröffnen. «Dies ist das dritte Blog bisher, dass ich komplett bis zu seinem Anfang gelesen habe, fasziniert von einem Einblick in eine Welt, über die man immer soviel abstrakt in den Medien liest, oder manchmal amüsiert/entsetzt ‹Gespräche› in der S-Bahn belauscht, die aber ansonsten fremd bleibt», <a href="https://fraufreitag.wordpress.com/2010/10/23/nachtrag-zum-gestrigen-besucheransturm/#comment-2870">schrieb jemand</a> unter einen Beitrag von Lehrerin Frau Freitag über den <a href="https://fraufreitag.wordpress.com/2010/10/23/nachtrag-zum-gestrigen-besucheransturm/">«Besucheransturm»</a> nach einer <a href="http://www.bildblog.de/23765/intouch-daily-star-medienkompetenz-2-0/">6-vor-9</a>&#8211;<a href="https://fraufreitag.wordpress.com/2010/10/20/wenn-fakten-uberfordern/">Verlinkung</a>.</p>
<h3>Kritik</h3>
<p>Selbstverständlich gab es nicht nur Lob als Rückmeldung, sondern auch <a href="https://twitter.com/dborch/statuses/12235355948326912">Kritik</a>:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en" data-conversation="none">
<p dir="ltr" lang="de"><a href="https://twitter.com/torstenk">@torstenk</a> Danke. <a href="https://twitter.com/hashtag/Bildblog?src=hash">#Bildblog</a> lese ich nicht mehr, seitdem die mit 6 vor 9 ein Reality Distortion Shield vor sich hertragen.</p>
<p>— Detlef Borchers (@dborch) <a href="https://twitter.com/dborch/status/12235355948326912">December 7, 2010</a></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bei einigen Verlinkungen wusste ich schon im Voraus, dass sie mehrere kritische E-Mails nach sich ziehen werden. Gut stehen die Chancen zum Beispiel, wenn überzogene Politische Korrektheit mit guten Argumenten in Frage gestellt wird. Sagen wir es so: Meinungs- und Redefreiheit in Deutschland gilt schon. Aber eigentlich vor allem dann, wenn es auch «stimmt», was gesagt wird. Alle anderen sollten besser mal schweigen. Die Sichtweise auf die Redefreiheit in Deutschland ist eine ganz andere als die angelsächsische geprägte, wahrhaft liberale Freedom of Speech. Als Beispiel sei diese Zuschrift aus der Redaktion eines grossen deutschen Wochenmagazins erwähnt:</p>
<blockquote><p>Dass Sie Ihre Leser für mündig halten, in allen Ehren: aber ich finde es schon sehr mutig, wie wenig Berührungsängste Sie da haben.</p></blockquote>
<p>Leserpost nach einer Verlinkung lautet aber auch mal so:</p>
<blockquote><p>bin ich behindert im kopf oder WAS ZUR HÖLLE IST DA LOS? ihr findet diesen typen doch nicht gut? geschweige denn den artikel dazu?!? der typ verteidigt broder und KELEK!!! (&#8230;) wieso promotet ihr das? oder wolltet ihr nur darauf hinweisen, was der typ für scheiße labert??</p></blockquote>
<p>Ich bin davon überzeugt, dass eine freie und offene Debatte für Demokratien wichtig ist, weshalb ich eigentlich interessante Beiträge nur dann nicht verlinkt habe, wenn sie in einer ganz und gar unangemessenen Form daher kamen. <a href="http://www.bildblog.de/28438/bild-spiegel-kommentare/">Sogar «Bild»</a> hat es schon mal mit einem medienkritischen Beitrag in «6 vor 9» geschafft, und das will etwas heissen auf Bildblog.de.</p>
<h3>Dank</h3>
<p>Bildblog-Mitgründer Stefan Niggemeier hat den Sinn und Zweck von «6 vor 9» mal <a href="https://www.facebook.com/BILDblog/posts/10152031931003121?comment_id=28957628&amp;notif_t=comment_mention">so zusammengefasst</a>, und ich bin hier, wie in journalistischen Fragen oft, einig mit ihm:</p>
<blockquote><p>&#8222;6 vor 9&#8220;, so wie ich es verstehe &#8211; aber die Auswahl liegt allein bei Ronnie Grob &#8211; verlinkt interessante, lesenswerte Beiträge, gerade auch solche, die der vorherrschenden Meinung widersprechen. Eine Verlinkung bedeutet nicht, sich mit dem verlinkten Inhalt gemein zu machen, den Autor zu &#8222;fördern&#8220; oder ihm &#8222;die Stange zu halten&#8220;, sondern nur, seinen Beitrag für lesenswert zu halten.</p></blockquote>
<p>Ich danke Stefan und allen Mitarbeitern bei Bildblog, dass sie diese innere Meinungsfreiheit ermöglicht haben. Etwas wie «6 vor 9» würde vielen anderen Medien auch gut stehen.</p>
<p>Erneut ausdrücklich danken möchte ich auch den 62 Spendern um Initiant <a href="https://twitter.com/sachark" target="_blank">@sachark</a>, die das Format 2009, als es von der Einstellung bedroht war, mit 2000 Euro <a href="http://www.foerderland.de/digitale-wirtschaft/netzwertig/news/artikel/in-eigener-sache-wir-stellen-medienlesecom-ein/" target="_blank">in drei Tagen gerettet hatten</a>. Und natürlich allen Unterstützern von Bildblog.</p>
<h3>Learnings</h3>
<p>Ich bin als Blogger in den Journalismus gekommen und habe sehr unbescheiden gleich als Medienkritiker und Alleinverantwortlicher für eine medienjournalistische Linksammlung angefangen. Ein Risiko, fürwahr: Denn wer nicht zuerst mal die Schwimmhilfen montiert und im seichten Wasser planscht, sondern sich gleich auf den 10-Meter-Sprungturm wagt, erreicht das kalte Wasser nicht immer formvollendet und riskiert gar einige Bauchlandungen. So war mir zu Beginn offenkundig gar nicht so klar, dass die korrekte Kennzeichnung von Zitaten etwas Wichtiges ist. Also sind <a href="http://www.bildblog.de/9924/6-vor-9/">die</a> <a href="http://www.bildblog.de/9925/6-vor-9-2/">ersten</a> <a href="http://www.bildblog.de/9926/6-vor-9-3/">Ausgaben</a> ohne erschienen, im simplen Copy-Paste-Modus. Auch andere Fehler habe ich stets in aller Öffentlichkeit gemacht. Das ist das Risiko des freien Bloggers, den kein erfahrener Chefredaktor von den ärgsten Sünden abhält. Tatsächlich aber waren diese neun Jahre äusserst lehrreich für mich. Darüber, was man nicht machen sollte im Journalismus, weiss ich nun einiges. Alles andere bleibt auszuprobieren.</p>
<h3>Mehr zu «6 vor 9»</h3>
<blockquote><p>«Es ist harte Arbeit, diese sechs Links zu finden.»</p></blockquote>
<p>Peter Sennhauser, <a href="http://www.foerderland.de/digitale-wirtschaft/netzwertig/news/artikel/von-blogwerkern-und-mistkratzern/">2007</a></p>
<blockquote><p>«Varianz und Kontinuität, zwei klassische Nachrichtenfaktoren, stechen bei 6 vor 9 besonders hervor.»</p></blockquote>
<p>Marc Reichwein, <a href="http://meedia.de/2011/08/01/bildblog-links-funf-jahre-6vor9/">2011</a></p>
<blockquote><p>«Am Montag um 8.54 Uhr waren sie wieder da, pünktlich wie Hui Buh»</p></blockquote>
<p>Süddeutsche Zeitung, <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/zukunft-von-bildblog-wann-leser-ihr-portemonnaie-zuecken-1.2332759">2015</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/07/06/lust-und-leiden-eines-linksammlers/">Lust und Leiden eines Linksammlers</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Fünf Jahre alter Steuersünder-Pranger in der Schweiz entdeckt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/26/fuenf-jahre-alter-steuersuender-pranger-in-der-schweiz-entdeckt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2015 12:44:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Steuersünder]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=5035</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine Nachricht aus der Schweiz versetzt die deutsche Medienlandschaft seit Sonntag in Aufruhr. Fast alle von ihnen berufen sich auf die Schweizer «Sonntagszeitung» und behaupten, dass die Schweizer Steuerverwaltung «jetzt» damit «begonnen» habe, «die Namen möglicher deutscher und anderer ausländischer Steuerbetrüger im Internet zu veröffentlichen.» Bloss: Das stimmt gar nicht.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/26/fuenf-jahre-alter-steuersuender-pranger-in-der-schweiz-entdeckt/">Fünf Jahre alter Steuersünder-Pranger in der Schweiz entdeckt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Nachricht aus der Schweiz versetzt die deutsche Medienlandschaft seit Sonntag in Aufruhr. Fast alle von ihnen berufen sich auf die Schweizer «Sonntagszeitung» und behaupten, dass die Schweizer Steuerverwaltung «jetzt» damit «begonnen» habe, «die Namen möglicher deutscher und anderer ausländischer Steuerbetrüger im Internet zu veröffentlichen.» Bloss: Das stimmt gar nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/26/fuenf-jahre-alter-steuersuender-pranger-in-der-schweiz-entdeckt/">Fünf Jahre alter Steuersünder-Pranger in der Schweiz entdeckt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Absturz des Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/25/absturz-des-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2015 18:58:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Germanwings]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als BILDblogger schaut man jeden Tag in die Abgründe des Journalismus, aber es gibt Tage, an denen vor lauter Abgründen kaum noch Journalismus zu sehen ist. Gestern war so ein Tag.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/25/absturz-des-journalismus/">Absturz des Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als BILDblogger schaut man jeden Tag in die Abgründe des Journalismus, aber es gibt Tage, an denen vor lauter Abgründen kaum noch Journalismus zu sehen ist. Gestern war so ein Tag.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/25/absturz-des-journalismus/">Absturz des Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die von der ‘Bild’ sind ja nicht doof — aber eben schlechte Menschen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/11/die-von-der-bild-sind-ja-nicht-doof-aber-eben-schlechte-menschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2015 11:49:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kiosk]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Bildzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=3981</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit fast fünf Jahren verkauft Winfried Buck in seinem Kiosk in Hamburg-Ottensen keine «Bild»-Zeitung mehr. Wir haben ihn besucht</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/11/die-von-der-bild-sind-ja-nicht-doof-aber-eben-schlechte-menschen/">«Die von der ‘Bild’ sind ja nicht doof — aber eben schlechte Menschen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit fast fünf Jahren verkauft Winfried Buck in seinem Kiosk in Hamburg-Ottensen keine «Bild»-Zeitung mehr. Wir haben ihn besucht</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/11/die-von-der-bild-sind-ja-nicht-doof-aber-eben-schlechte-menschen/">«Die von der ‘Bild’ sind ja nicht doof — aber eben schlechte Menschen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Journalist lässt bei Google löschen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/09/22/journalist-laesst-bei-google-loeschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 10:46:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Journalist]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Bild am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Recht auf Vergessen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=1044</guid>

					<description><![CDATA[<p>Google hat nun auch Texte des «Bildblogs» aus seinen Trefferlisten entfernt. Beantragt hat das ein Journalist der «Bild am Sonntag».</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Google hat nun auch Texte des «Bildblogs» aus seinen Trefferlisten entfernt. Beantragt hat das ein Journalist der «Bild am Sonntag».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/22/journalist-laesst-bei-google-loeschen/">Journalist lässt bei Google löschen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Bild dir keine Meinung: Journalist lässt bei Google löschen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/09/18/bild-dir-keine-meinung-journalist-laesst-bei-google-loeschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Paszti]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2014 12:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Recht auf Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fragwürdige Recherchemethoden, unverpixelte Fotos von Beschuldigten, Geschichten, die beim näheren Hinsehen keine sind – mit kritischem Nachhaken zur Arbeit der Bild und anderer deutscher Medien hat sich das Bildblog einen Namen gemacht. Nun hat man dort Nachricht von Google bekommen: Der Suchmaschinenkonzern teilte mit, dass man vier Bildblog-Einträge aus bestimmten Suchergebnislisten entfernt hat.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/18/bild-dir-keine-meinung-journalist-laesst-bei-google-loeschen/">Bild dir keine Meinung: Journalist lässt bei Google löschen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="Apple-style-span" style="color: #464646;">Fragwürdige Recherchemethoden, unverpixelte Fotos von Beschuldigten, Geschichten, die beim näheren Hinsehen keine sind – mit kritischem Nachhaken zur Arbeit der Bild und anderer deutscher Medien hat sich das Bildblog einen Namen gemacht. Nun hat man dort Nachricht von Google bekommen: Der Suchmaschinenkonzern teilte mit, dass man vier Bildblog-Einträge aus bestimmten Suchergebnislisten entfernt hat.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/18/bild-dir-keine-meinung-journalist-laesst-bei-google-loeschen/">Bild dir keine Meinung: Journalist lässt bei Google löschen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wahre Lügen aus dem Posthorn</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 09:58:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Web]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Titanic]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Der Postillon]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Sichermann]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=6441</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Postillon hat sich mit plausibel klingenden, jedoch frei erfundenen Nachrichten zu einem kleinen Massenmedium gemausert. Der rasche Erfolg der Internet-Zeitung hat Betreiber Stefan Sichermann schon nach wenigen Jahren einen Vollzeitjob eingebracht. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt der 31-Jährige, woher er die Inspiration nimmt und wie viele Leser er hat. Seit einigen Wochen wohnt <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/der-postillion.jpg" class="alignleft" width="120" height="104" /> <a href="http://www.der-postillon.com/">Der Postillon</a> hat sich mit plausibel klingenden, jedoch frei erfundenen Nachrichten zu einem kleinen Massenmedium gemausert. Der rasche Erfolg der Internet-Zeitung hat Betreiber Stefan Sichermann schon nach wenigen Jahren einen Vollzeitjob eingebracht. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt der 31-Jährige, woher er die Inspiration nimmt und wie viele Leser er hat.<br />
<span id="more-30422"></span><br />
Seit einigen Wochen wohnt der in Ansbach aufgewachsene Stefan Sichermann wieder in Süddeutschland, in Fürth, bald soll er Vater werden. Studiert und per Magister abgeschlossen hat er alte Geschichte, mittlere Geschichte und englische Linguistik, und auch wenn er mal Lehrer werden wollte, versteht er sich als typischer Geisteswissenschaftler. Sowie als Journalist, arbeitet er doch seit 2009 regelmässig für Bildblog.de. 2011 kündigte er die Festanstellung bei einer Werbeagentur, seitdem arbeitet er selbständig.</p>
<p><strong>Stefan, Du bist der Erfinder von Schlagzeilen wie <a href="http://www.der-postillon.com/2011/09/zucker-enthalt-viel-zu-viel-zucker.html">«Zucker enthält viel zu viel Zucker»</a> oder <a href="http://www.der-postillon.com/2010/11/herzattacke-9-live-moderator-erreicht.html">«Herzattacke: 9-Live-Moderator erreicht Notrufzentrale nicht»</a>. Wie bist Du auf die Idee des Postillon gekommen? Und machst Du das eigentlich ganz alleine?</strong><br />
Ich mach das nach wie vor quasi alleine. Quasi, denn der <a href="http://www.der-postillon.com/search/label/Newsticker">Newsticker</a> entsteht mittlerweile grösstenteils aus Hinweisen der Leser. Ich wurde 2008 von einem Arbeitskollegen motiviert, ein Blog zu eröffnen (siehe dazu <a href="http://www.der-postillon.com/p/der-postillon-1845-2010.html">Der Postillon 1845-2011</a>). Da ich keine persönlichen Sachen schreiben wollte und damals ganz gerne <a href="http://www.theonion.com/">The Onion</a> las, kam ich darauf, auch mal lustige Nachrichten im Stil dieser Website zu schreiben. Postillon hab ich das Projekt getauft, weil ich dachte, das sei ein schöner Zeitungsname.</p>
<p><strong>Dein Business ist ja auch das Nachrichtengeschäft. Oder?</strong><br />
Im Prinzip ja, wobei ich nicht aus erster Hand berichte, auch wenn ich das manchmal vortäusche. Ich bin davon abhängig, was andere berichten, nehme das auf und spinne das dann weiter oder verdrehe das.</p>
<p><strong>Der Postillon hat ja ein, sagen wir, «eigenes» Wahrheitsverständnis. Bei wie viel Prozent der Leser kommt das an?</strong><br />
Ich behaupte, 97 Prozent der Leser verstehen das, die regelmässigen sowieso. Von jenen Lesern, die über Suchmaschinen kommen, nehmen einige die Meldungen für bare Münze, was manchmal für Erheiterung in den Kommentaren sorgt. Ich habe mal über einen den Weltuntergang prophezeihenden Astrophysiker <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/wirrer-astrophysiker-prophezeit.html">geschrieben</a>, darauf folgte ein <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/wirrer-astrophysiker-prophezeit.html#comment-173514551246838665">Kommentar</a>, «wie herzerfrischend dumm» ich doch sei, ich solle mich bei diesem Professor entschuldigen («Wetten, dass der Autor nicht den Schniedel in der Hose hat, sich bei Stichner zu entschuldigen und hier in den Kommentaren öffentlich Abitte zu leisten?»).</p>
<p><strong>Was waren die bisher meistgelesenen Storys?</strong><br />
Der Artikel <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/razzia-bei-kinoto-zwingt-millionen-user.html">«Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen»</a> hatte 65.000 Facebook-Likes und wurde über 1 Million mal aufgerufen. Generell laufen netzaffine Themen ziemlich gut, auch wenn man über Facebook schreibt, hat man bereits einen Startvorteil. Wie Artikel über Flattr gut geflattert werden, werden Artikel über Facebook auf Facebook häufig geteilt. Auf den Rängen 2 und 3 der All-Time-Favorites sind <a href="http://www.der-postillon.com/2011/03/dr-carlos-theodore-de-bienmontana-csu.html">«Dr. Carlos-Theodore de Bienmontaña (CSU) erhebt Anspruch auf Guttenbergs Nachfolge»</a> und <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/legendares-bernsteinzimmer-in-keller.html">«Legendäres Bernsteinzimmer in Keller von Hypo Real Estate aufgetaucht»</a>. Meist sind es tagesaktuelle Artikel, die viele Leser anziehen, der komplette Nonsens schafft es nicht so oft zur ganz grossen Populariät.</p>
<p><strong>Meine Erfahrung ist: Entweder findet jemand den Postillon äusserst witzig &#8211; oder gar nicht. Wie reagieren jene, die Deine Arbeit nicht witzig finden?</strong><br />
In den Kommentaren wird sehr gern behauptet, dass das alles nicht lustig sei. Ich glaube, es ist eine Art Humor, die nicht jedem auf Anhieb sympathisch ist. Wer den Postillon zum ersten Mal liest, findet ihn oft einfach nur doof. Dass da jemand einfach lügt, das verstehen viele Leute nicht. Nach drei, vier gelesenen Artikel und dem Verständnis der Masche ändert aber manch einer seine Meinung.</p>
<p><strong>Gibt es historische Vorbilder für Deine Tätigkeit aus der Vor-Internet-Zeit?</strong><br />
Beim Start kannte ich nichts dergleichen, inzwischen weiss ich, dass es einige Projekte gab, die als Vorbild gut geeignet wären. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Welt_im_Spiegel">Welt im Spiegel</a> war eine Beilage in der Pardon, die Nonsens-Nachrichten gemacht hat, meist etwas weniger tagesaktuell und viel bizarrer. Projekte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weekly_World_News">Weekly World News</a> schreiben oft aus purer Sensationslust und weniger mit einem humoristischen Ansatz.</p>
<p><strong>Du scheust Dich nicht, Tabuthemen wie sexueller Missbrauch oder Kinderpornografie anzupacken. Hast Du da nicht manchmal etwas Angst vor der Veröffentlichung?</strong><br />
Definitiv. Ich erwäge das jeweils auch genau und lasse mich, gerade bei heiklen Themen, von Freunden und Bekannten beraten. Ich habe schon ein paar kleinere und mittlere Shitstorms hinter mir, doch in der Regel ging es immer gut. Man muss auch mal provozieren: Satire ohne Zähne geht ja nicht.<br />
Ein Beispiel, wo die Leute auf die Barrikaden gegangen sind, war eine angebliche <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/technikjournalisten-und-fanboys.html">Spekulation um die Form des Sargs von Steve Jobs</a>, die bereits einen Tag nach dessen Tod online ging. Darauf wurde reagiert, wie es sonst nur bei religiösen Themen passiert: Geschmacklos, niveaulos, pietätlos, unangemessen, etc. Es wurde auch gedroht, den Postillon nicht mehr zu lesen, was ja bei einer Online-Zeitung kein so grosses Drohpotential hat. Die damals geäusserte <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/technikjournalisten-und-fanboys.html#comment-4437988566359242286">Forderung</a>, noch etwas abzuwarten, ist zu einem Running Gag geworden, der inzwischen einigermassen wahllos in die Kommentare neuer Storys geschrieben wird. Jemand hat sogar ein <a href="https://userscripts.org/scripts/show/122042">Skript</a> geschrieben, um solche Kommentare zu filtern.</p>
<p><strong>Wie viele Leser hat der Postillon? Wie viel Umsatz machst Du damit? Deinen früheren Job in der Werbebranche hast Du ja gekündigt …</strong><br />
Rund 20.000 &#8211; 25.000 Unique Visitors täglich. Eine Geschichte, die gut läuft bringt auch mal einen Tag mit 100.000 Besuchern. Was die Einnahmen betrifft: Ich kann davon leben. Die Website generiert um die 2000 Euro im Monat, dazu kommt die Tätigkeit für das <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a>. Zukünftig geplant sind übrigens Videonachrichten und ein Postillon-Buch.</p>
<p><strong>Hättest Du erwartet, derartigen Erfolg zu haben? Inzwischen zieht ja jede halbwegs lustige Story hunderte Facebook-Likes nach sich.</strong><br />
Anfangs hoffte ich nur auf etwas Aufmerksamkeit, aber inzwischen ist das Projekt zu einem Vollzeitjob angewachsen, der jeden Tag acht Stunden Arbeit abfordert: Etwa drei Stunden täglich investiere ich in das Lesen von Nachrichten &#8211; das ist ein angenehmer Teil, weil ich auch gerne Nachrichten lese. Der Rest der Zeit beansprucht das Schreiben von Storys, die Pflege der Website und die Vermarktung.</p>
<p><strong>Wie entsteht ein Postillon-Artikel?</strong><br />
Die Idee entsteht beim Lesen von Nachrichten, manchmal aber aus einer Partyunterhaltung, wo ich mir dann sofort im Handy ein paar Stichworte notiere. Wenn die Idee gut ist, dann ist die Ausarbeitung das kleinere Problem, inzwischen habe ich ja auch etwas Übung.<br />
Ein Postillon-Artikel sollte eine klare Aussage haben, die bereits in der Überschrift klar wird. Der Text ist dann die Ausgestaltung des Gags, die Beleuchtung von verschiedenen Seiten. Das ist nicht ganz leicht, denn der Unfug, den ich schreibe, muss inhaltlich plausibel sein.</p>
<p><strong>Im Wallraff-Film «Informationen aus dem Hinterland?» (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iLQUDthXUbo">Video</a>) schreibt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Wallraff#Die_.E2.80.9EAnti-BILD-Trilogie.E2.80.9C">Hans Esser</a> einen Artikel über ein Hochhaus in Hannover. Eine im obersten Stockwerk wohnende Frau wird zitiert, das Badewasser schwappe bei Stürmen schon mal über. Wie weit weg ist der Postillon eigentlich von «Bild»?</strong><br />
Ziemlich weit, der Anspruch ist ein ganz anderer, die Zielgruppe auch. Der grösste Unterschied ist, dass ich reale Situationen ins Humoristische verdrehe. «Bild» ist deutlich direkter, und weniger um die Ecke gedacht.</p>
<p><strong>Die Konkurrenz schläft auch nicht. Der Kojote hatte zum Beispiel grossen Erfolg mit Storys wie <a href="http://www.kojote-magazin.de/2010/gewagt-junger-berlin-besucher-laeuft-ohne-bierflasche-in-der-hand-durch-mitte/964/">«Gewagt: Junger Berlin-Besucher läuft ohne Bierflasche in der Hand durch Mitte»</a>. Wie gehst Du damit um? Gibt es noch andere Mitbewerber?</strong><br />
Es gibt in Deutschland <a href="http://www.eine-zeitung.net/">Eine Zeitung</a> und <a href="http://www.kojote-magazin.de/">Der Kojote</a>, in Österreich die <a href="http://www.salaminews.at/">Salami News</a>. Mich macht zwar Konkurrenz immer etwas nervös, aber grundsätzlich ist sie natürlich zu begrüssen, ich find das inspirierend. Wenn man in den englischsprachigen Raum schaut, dann findet man solche Angebote wie Sand am Meer.</p>
<p><strong>Ist Dein Name, «Sichermann», eigentlich echt? Im Postillon scheint ja nichts besonders sicher zu sein …</strong><br />
Ja, der ist echt, das ist kein Künstlername.</p>
<p><strong>Was hat es mit dem Gründungsjahr 1845 auf sich?</strong><br />
Das Gründungsjahr 1845 ist willkürlich gewählt. Ich wollte dem Postillon durch eine lange Geschichte einfach (noch) mehr Seriösität verleihen.</p>
<p><strong>Das Logo zeigt ein Steckenpferd auf Rädern und ein Posthorn &#8211; was hat es zu bedeuten?</strong><br />
Eine seriöse Zeitung braucht ein seriöses Logo. Das Posthorn steht dabei für den Postillon, das Steckenpferd war damals das wichtigste Transportmittel (und es zeigt, dass der Postillon nicht ganz ernst gemeint ist). Ein wenig erinnert es auch daran, dass ich den Postillon anfangs noch als Hobby (Steckenpferd) betrachtet habe. Gemalt hat es übrigens meine überaus talentierte Partnerin.</p>
<p><strong>Wer ist eigentlich <a href="http://www.der-postillon.com/search/label/Timmy">der kleine Timmy</a>? Hat er wirklich kein Mitleid verdient?</strong><br />
Der kleine Timmy (9) ist einfach die Personifikation des kleinen unschuldigen Jungen. Ein Vorbild in der Realität gibt es eigentlich nicht. Er dient vor allem dazu zu zeigen, wie ungerecht die Welt manchmal ist. Es ist schwierig zu erklären, aber es macht einfach Spass, ihn zu quälen.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Stefan Sichermann wurde am 13. Januar 2012 per Telefon geführt.<br />
Offenlegung: Stefan Sichermann und Ronnie Grob arbeiten beide regelmässig für Bildblog.de.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/">Wahre Lügen aus dem Posthorn</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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