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	<title>Christian Röthlisberger | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Ich war Bobby California»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 13:11:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fünf Jahre lang sorgte er mit seinen scharfen Kommentaren in Online-Diskussionen zur Medienzukunft für rote Köpfe. Mit Zähnen und Klauen verteidigte ein unbekannter Journalist die Ehre seines Berufsstandes – und nervte damit einen Teil der Mitdiskutanten gehörig. Jetzt zeigt Bobby California sein Gesicht. Es gehört Andreas Gossweiler. Die MEDIENWOCHE hat ihn getroffen. Weshalb diese Aufregung? <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">«Ich war Bobby California»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fünf Jahre lang sorgte er mit seinen scharfen Kommentaren in Online-Diskussionen zur Medienzukunft für rote Köpfe. Mit Zähnen und Klauen verteidigte ein unbekannter Journalist die Ehre seines Berufsstandes – und nervte damit einen Teil der Mitdiskutanten gehörig. Jetzt zeigt Bobby California sein Gesicht. Es gehört Andreas Gossweiler. Die MEDIENWOCHE hat ihn getroffen.</strong></p>
<p>Weshalb diese Aufregung? Aus der zeitlichen Distanz betrachtet, mutet die epische Debatte nachgerade bizarr an. Zum Jahresausklang 2009 lagen sich Journalisten und Blogger in den Haaren. Über fünf Tage und in hundert Kommentaren lieferten sie sich auf medienspiegel.ch einen <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002521.html" target="_blank">Schlagabtausch zur Zukunft der Medien</a> im Allgemeinen und zum Online-Journalismus im Speziellen. Sind Blogger die neuen Journalisten, was leisten Medienblogs?</p>
<p>Unerbittlich und scharf im Ton prasselten Argumente aufeinander nieder, manchmal auch Beleidigungen. Alles in allem aber grosses Kino in der kleinen Welt der Medienblogger. «Da könnte man ein super Cabaret-Stück daraus machen, wenn man es auf einer Bühne vorlesen würde», sagt ein sichtlich amüsierter Andreas Gossweiler. Der 47-jährige Journalist zählte unter seinem Pseudonym Bobby California zu den eifrigsten Debatteuren. Jetzt sitzt Gossweiler entspannt im Café Mandarin beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich, trinkt ein Mineralwasser und sieht eigentlich ganz freundlich aus. Gossweiler arbeitet als Redaktor der Zeitschrift <a href="http://www.gesundheitstipp.ch/suchen/?search_text=andreas+gossweiler&amp;search_maxage=01.01.1999&amp;search_minage=27.10.2011&amp;search_in=all&amp;search_mag=-1&amp;search_author=&amp;select_mag=false&amp;tab=artikel&amp;showopt=0&amp;dooptsearch=1" target="_blank">«Gesundheitstipp»</a>. In den Journalismus eingestiegen war der gelernte Grafiker nach einem Praktikum beim «Beobachter». Danach schrieb er als freier Journalist und als Redaktor beim Anzeiger von Uster.</p>
<p>Gossweiler hat die Monsterdebatte von Ende 2009 ausgedruckt und zum Gespräch mitgebracht; es sind 24 A-4 Seiten. Mit Leuchtmarker hat er jene Stellen markiert, wo Bobby am heftigsten angegriffen wurde. «Solche Sprache würde ich nie verwenden», verteidigt sich der Journalist. Damit meint er Kommentare, wie: «Bobby California dreht durch und kotzt über alles, was auch nur zwischen den Zeilen an seinem Ast rüttelt, auf dem er als anonymer Holzveredler sitzt.»</p>
<p>Es waren weniger Bobbys Argumente, als das pseudonyme Auftreten, das Blogger wie Christian Röthlisberger alias <a href="http://www.henusodeblog.blogspot.com/" target="_blank">bugsierer</a> zu solch heftigen Äusserungen hinreissen liessen: «Am meisten auf den Sack ging mir, dass Bobby immer den redlichen Schurni gab und gleichzeitig latent aus dem anonymen Hinterhalt auf (fast) alles schoss, was ihm vors Korn kam», schreibt Röthlisberger auf Anfrage der MEDIENWOCHE. Mit seiner mutwilligen Unkenntlichkeit trieb Gossweiler seine Gegenüber, wovon der Grossteil mit offenem Visier zum Schlagabtausch angetreten waren, regelmässig zur Weissglut und befeuerte damit eine Debatte in der Debatte.</p>
<p>Der unbändige Wunsch ihn zu enttarnen, trieb bisweilen bunte Blüten. Einmal schlug jemand vor, ihm mithilfe der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stilometrie" target="_blank">Stilometrie</a> auf die Schliche zu kommen. Doch Gossweiler gelang es, seine wahre Identität geheim zu halten. «Die totale Anonymität war aber nie mein Ziel», relativiert der Journalist sein Mimikry. «Es gab auch Leute, die wussten, dass ich Bobby bin.» Es sei ihm darum gegangen, seinen bürgerlichen Name vor der Suchmaschine Google zu verbergen.</p>
<p>Seine pseudonyme Netzidentität fand Andreas Gossweiler im Plattenregal bei <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Curt_Boettcher" target="_blank">Curt Boettcher</a>. Der wenig bekannte, und wie Gossweiler findet, geniale Songschreiber, Produzent und Sänger aus Wisconsin, schrieb einst die Songzeile: «Changed my named to Bobby California.» Und so tat es auch Gossweiler. Ab 2006 entwickelte sich der unbekannte Bobby zu einer Konstanten in der medienkritischen Online-Debatte in der Schweiz, vornehmlich auf dem <a href="http://www.google.com/search?q=%22bobby+california%22+site%3Amedienspiegel.ch&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Blog medienspiegel.ch</a> und später auch mit <a href="http://bobbycalifornia.blogspot.com/2011/04/warum-papier-praktischer-ist.html" target="_blank">seinem eigenem Blog</a>.</p>
<p>Seit ein paar Wochen ist Bobby Geschichte. Andreas Gossweiler hat genug. «Die Diskussion &#8217;neue Medien gegen alte Medien&#8216; interessiert mich nicht mehr. Da wurde alles gesagt.» Auf die nicht enden wollenden Debatten trifft das durchaus zu. Je länger die Diskussionen dauerten, desto weniger gaben sie her.</p>
<p>Dennoch kann Martin Hitz, der mit seinem Blog medienspiegel.ch dem verbalen Ringkampf eine Plattform bot, Bobbys Auftritten auch etwas Positives abgewinnen: «Ich denke, dass er vor allem die Rolle des advocatus diaboli gespielt hat – häufig etwas gar missionarisch, oft aber auch mit gut formulierten Argumenten, die immer wieder zu hitzigen, aber durchaus auch substanziellen Debatten führten.»</p>
<p>«Missionarisch» würde Gossweiler nicht auf sich sitzenlassen. Doch frei von Emotionen sei auch er nicht gewesen. «Wenn es heisst, du seist inkompetent, ist es schwierig nüchtern zu bleiben.» Das störe ihn aber nicht. Solange man anständig bleibe, dürften die Emotionen auch mal hochgehen.</p>
<p>Sein Anliegen sei eigentlich ein ganz selbstverständliches gewesen: «Mir ging es als Journalist darum aufzuzeigen, wie aufwändig professioneller Journalismus wirklich ist.» Vehement wehrte sich Bobby und wehrt sich Gossweiler gegen die Prognose, wonach Amateure, Blogger, Bürgerjournalisten, das zu leisten imstande seien, was bisher Journalisten taten. «Ein Journalist bei einem bezahlten Titel macht etwas anderes als ein Blogger oder ein Mitarbeiter einer Gratiszeitung.»</p>
<p>Das wurde mitunter so wahrgenommen, als verteufle er das ganze Web und wolle das Rad der Mediengeschichte zurückdrehen. Was sicher auch daran liegt, dass Bobby California in diesen Diskussionen, wo er kaum auf Verbündete zählen konnte, seine Positionen plakativer darstellte, als sie nun Andreas Gossweiler in einem ruhigen Gespräch unter vier Augen wiedergeben kann.</p>
<p>Andreas Gossweiler ein Netz-Phobiker? Keineswegs, wie ihm auch seine Gegenspieler attestieren. Schliesslich wusste er die Klaviatur der Online-Medien geschickt zu bedienen und baute mit einem Pseudonym eine Marke im Netz auf. Ihm sei einfach aufgefallen, dass gewisse Leute völlig unrealistische Heilserwartungen ins Internet projizierten. Und das störe ihn.</p>
<p>Seine heftigsten Widersacher, darunter auch Medienwoche-Autor und <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/27/bobby-california/" target="_blank">Blogger Ronnie Grob</a>, ziehen eine gemischte Bilanz nach fünf Jahren Bobby California: «In den Diskussionen empfand ich seine kreativen Beleidigungen belebend, leider hat seine starre Haltung viele Gespräche erschwert und langweilig gemacht.» Das Verdienst von Gossweiler und seinem pseudonymen Alter Ego sei es gewesen, konservativen Schweizer Journalisten, die den neuen Entwicklungen aus dem Web ablehnend gegenüberstehen, eine Identität gegeben zu haben. «Ich fürchte», meint Ronnie Grob weiter, «die Gruppe, die er repräsentiert, ist gar nicht so klein.»</p>
<p>Ganz ähnlich sieht es auch Christian Röthlisberger, Texter und Blogger, der den Zorn von Bobby California immer wieder auf sich gezogen hatte. «Er war für mich die Ikone eines aufgescheuchten Berufsstandes, der sich vom Netz überrollt fühlt und erst jetzt langsam-langsam-langsam aus der Deckung auftaucht.» Zu seiner <a href="http://agossweiler.wordpress.com/" target="_blank">Zukunft im Netz unter Klarnamen </a>wünscht ihm Röthlisberger Glück und zieht einen Schlussstrich unter die jahre- und ellenlangen Wortwechsel: «Die Netzgemeinde ist weniger nachtragend, als Bobby meint.»</p>
<p>So milde und versöhnlich die Worte von Grob und Röthlisberger auch gemeint sein mögen, für Bobby wären sie mit Bestimmtheit eine Steilvorlage zu einer heftigen Replik. Doch dazu kommt es nicht mehr. Bobby ist Geschichte und Andreas Gossweiler will sich nicht mehr öffentlich an der Diskussion «neue Medien gegen alte Medien» beteiligen. Als Redaktor schreibt Gossweiler weiterhin über Gesundheitsthemen und in seinem neuen Blog über <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/08/28/88/" target="_blank">sub-originelle Namen von Coiffeursalons</a>, <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/08/21/motiers-2011/" target="_blank">Kultur in der Westschweiz</a> oder <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/10/15/schade-um-den-guterbahnhof/" target="_blank">bedrohtes historisches Bauerbe</a>. Themen mit vergleichsweise geringem Aufreger- und Debattenpotenzial.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">«Ich war Bobby California»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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