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	<title>Data-Journalism | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Es braucht einen langen Atem»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
		<category><![CDATA[dpa]]></category>
		<category><![CDATA[Christina Elmer]]></category>
		<category><![CDATA[Data-Journalism]]></category>
		<category><![CDATA[Datablog]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal erzählen Zahlen mehr als Worte. Zum Berufsalltag von Christina Elmer gehört es, diese verborgenen Geschichten ausfindig zu machen und mit den Mitteln des Datenjournalismus für das Publikum aufzubereiten. Die Redaktorin für Infografiken bei der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählt, welche speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten diese in Mode gekommene Disziplin des Journalismus erfordert. Was sind die <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/22/es-braucht-einen-langen-atem/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal erzählen Zahlen mehr als Worte. Zum Berufsalltag von Christina Elmer gehört es, diese verborgenen Geschichten ausfindig zu machen und mit den Mitteln des Datenjournalismus für das Publikum aufzubereiten. Die Redaktorin für Infografiken bei der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählt, welche speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten diese in Mode gekommene Disziplin des Journalismus erfordert.<br />
<span id="more-28895"></span><br />
<strong>Was sind die wichtigsten Grundlagen, um Datenjournalismus zu betreiben?</strong><br />
Ganz praktisch braucht man ein Verständnis für Statistik und Zahlen. Und einen langen Atem, weil man oft schwer an die Daten herankommt und die Geschichte darin auch nicht immer sofort sieht.</p>
<p><strong>Was ist denn das Neue am Datenjournalismus? Das gab es doch schon immer …</strong><br />
Was es immer schon gab, war die Geschichte, die dann mit den vorliegenden Daten ergänzt wird. Das Neue ist die Idee, eine These, eine Story aus den Daten heraus starten zu können, also <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Data_driven_journalism">Data-Driven-Journalism</a>. Für viele definiert sich Journalismus weiterhin darüber, gut formulieren zu können, – Daten finden die wenigsten Kollegen wirklich spannend. In einem Seminar sagte mal jemand: «Wenn ich Mathe gekonnt hätte, wäre ich doch nicht Journalistin geworden!»</p>
<p><strong>Was sind für Dich die wichtigsten Datenquellen?</strong><br />
Im deutschsprachigen Raum:<br />
1) die Statistischen Ämter insgesamt<br />
2) die Bundesministerien<br />
3) Forschungsinstitute, zb für Gesundheit das Robert-Koch-Institut<br />
4) je nach Bereich Verbände und Vereine (die sind aber oft nicht im Web anzutreffen)<br />
Einen Überblick bekommt man auf <a href="http://offenedaten.de/">offenedaten.de</a>, die fassen als Metakatalog zusammen, was es an offenen Daten gibt in Deutschland. Von dort aus gelangt man dann direkt zu den Datenquellen für alle möglichen Themenbereiche.<br />
Für internationale Fragen suche ich auf Websites von Organisationen wie UN, ILO, WHO, IWF und OECD. Dort sind die Daten aber oft nicht ganz so handlich aufbereitet, und es etwas länger, sich in die Hintergründe einzulesen.</p>
<p><strong>Wie findet man den richtigen Ansprechpartner? Und mailt man den einfach an, wenn man eine Anfrage hat?</strong><br />
Um auf neue Quellen zu stossen, google ich zunächst gerne – am besten mit der erweiterten Suche, wo man ganz gezielt nach Formaten und Quellen suchen kann. Bei Datenveröffentlichungen ist dann oft eine Ansprechsperson angegeben. Am besten bewährt hat sich da die Ebene der Sachbearbeiter, die direkt an den Daten arbeiten. Denn beim Pressesprecher kommt man oft nicht weiter, bei denjenigen, die ein Statement dazu abgeben können, auch nicht.</p>
<p><strong>Was wünschst Du Dir von denen, die Daten zur Verfügung stellen?</strong><br />
Auf jeden Fall müssen die Daten öffentlich zugänglich sein. Am besten sind maschinenlesbare Werte, die man mit vielen Programmen abrufen kann. An <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/CSV_%28Dateiformat%29">CSV</a>-Dateien zum Beispiel kann man mit jedem Programm rangehen. Persönlich verwerte ich viel mit Excel. Wenn es sich um umfangreiche Daten handelt, arbeite ich auch gerne mit Datenbank-Formaten.</p>
<p><strong>Zweifelst Du manchmal auch an Statistiken, die Dir zur Verfügung stehen? Gibt es gefälschte Statistiken?</strong><br />
Bei internationalen Quellen zweifle ich manchmal, weil ich da keinen Einblick habe, wie die Behörden den in einzelnen Ländern arbeiten. Daten werden ja nie alleine veröffentlicht, sondern immer mit einem Metadatenblatt – jeder Datenjournalist sollte wissen, wie man so eins liest. Wenn solche Metainformationen nicht existieren, ist das erst recht ein Grund, zu zweifeln. Es lohnt sich, das auch unter Aktualitätsdruck genau zu prüfen.</p>
<p><strong>Aber diese Zeit fehlt doch in den Redaktionen. Lesen nicht viele Journalisten nur die Pressemeldung zur Studie? Wenn es gut kommt, auch mal das Fazit?</strong><br />
Das glaube ich auch. Leider ist es nicht weit verbreitet, nochmals bei den Details einzusteigen. Aber wenn einem etwas auffällt und man dem nachgeht, kann man eine Geschichte erzählen, die so niemand anders hat. Die Pressemitteilungen kann der Leser ja auch selbst lesen, dazu braucht er keine Journalisten.</p>
<p><strong>Hast Du ein Beispiel?</strong><br />
Ein schönes ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elterngeld">Elterngeld</a>: Jedes Jahr verbreitete das Familienministerium Jubelmeldungen, dass es gut angenommen und auch von immer mehr Vätern beantragt werde, etc. Das statistische Bundesamt liefert dazu jeweils ein Datenblatt, auf dem steht, welche Sätze verteilt wurden und wie lange Elterngeld ausbezahlt wurde. Es stellte sich heraus, dass die Hälfte nur den Mindestsatz erhält, es sich dabei also um Studenten, Arbeitslose oder Geringverdiener handelt. Geplant war das Elterngeld aber, um ganz normal Beschäftigte dazu zu bewegen, eine Pause für das Kind einzulegen. Die meisten Väter beanspruchten das Elterngeld nur für ein paar Monate, die Mütter dagegen zum grössten Teil ein volles Jahr. Das stand zwar in den Daten drin, nicht aber in der Pressemitteilung des Ministeriums.</p>
<p><strong>Wie geht ihr mit gemachten Fehlern um? Fremden? Eigenen?</strong><br />
So schnell und so offen wie möglich berichtigen. Wenn der Fehler bereits raus ist, verschicken wir zusätzlich auch eine Achtungsnotiz mit hoher Priorität. Wir müssen den Fehler am selben Tag noch bemerken, denn sonst steht er bereits in der Zeitung. Daher ist der Druck da, unbedingt richtig zu arbeiten und mit dem Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip nochmals nachzuprüfen.</p>
<p><strong>Was war der schlimmste Fehler, der Dir je passiert ist?</strong><br />
Einmal bin ich um eine Zeile verrutscht, das war mir tierisch peinlich. Zum Glück konnte dieser Fehler noch zurückgehalten werden.</p>
<p><strong>Wer macht den besten Datenjournalismus weltweit / im deutschsprachigen Raum?</strong><br />
Der «Guardian» liefert Glanzlichter, oder die «New York Times», die sind im infografischen Bereich stark. Über Datenjournalismus lesenswert ist das <a href="http://blog.zeit.de/open-data/">Open Data Blog</a> von Lorenz Matzat bei der Zeit.</p>
<p><strong>Wie entsteht eine Infografik, die mehr ist als nur eine Abbildung offensichtlicher Fakten? Kannst Du ein Beispiel geben?</strong><br />
Bei den <a href="http://www.guardian.co.uk/world/the-war- logs">«Afghanistan Warlogs»</a> beispielsweise entsteht durch die interaktive Darstellungsart eine ganz neue Art von Storytelling. Der Nutzer selbst entscheidet, was ihm wichtig ist. Das ist doch motivierender, als eine Geschichte vorgekaut zu kriegen. Wir versuchen auch, unsere Regionalkunden mit interaktiven Infografiken zu erreichen – in der Form eines Dienstes namens RegioData, der ihnen die Daten für ihr Verbreitungsgebiet aus einer Statistik liefert. Damit wollen wir den Zeitungen ermöglichen, Datenjournalismus für ihre Region zu machen. Bislang nutzen aber leider nur wenige Redaktionen dieses Angebot. Insgesamt ist Datenjournalismus hierzulande auch noch nicht weit verbreitet. Es ist fast wie ein Teufelskreis: Weil Journalisten nicht daran gewöhnt sind, so zu arbeiten, fragen sie nicht nach Daten. Und weil niemand nach den Daten fragt, ist auch wenig Druck da, die Informationsfreiheit zu verstärken. Und weil die Informationsfreiheit nicht so gross ist, kommen auch Journalisten nicht richtig auf Ideen.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zu Wikileaks?</strong><br />
Durchaus positiv, auch wenn man in einzelnen Fällen nicht alles gut finden muss. Da ist es wichtig, genau abzuwägen: Einerseits sollen Daten dafür sorgen, mehr Transparenz in eine von Interessen geleitete Informationspolitik zu bringen. Andererseits müssen Informationen über einzelne Personen auf jeden Fall gut geschützt werden.</p>
<p><strong>Du hast die Wichtigkeit der richtigen Nutzung von Suchmaschinen erwähnt. Wie hast Du das gelernt? Gibt es da auch offizielle Anleitungen?</strong><br />
Ich habe das in einem Uniseminar gelernt, Trainings dazu gemacht und dann auch selbst Trainings gegeben. Wir machen jedes Jahr Schulungen für Recherche im Internet, was hilft, den Horizont zu erweitern. Journalisten sollten selber vermehrt einen Spiel- und Jagdtrieb entwickeln – es liegt so viel rum, das nicht gefunden und darum auch nicht ausgewertet wird. Mein Eindruck ist, dass die Fülle von Informationen in der heutigen Medienwelt für viele Journalisten abschreckend wirkt – so geht das Selbstexplorative noch stärker verloren. Wer für einen Themenbereich zuständig ist, ist dann schnell mal überfordert, weil er ja dazu gezwungen ist, alles mitzukriegen.</p>
<p><strong>Was rätst Du Konsumenten von Infografiken, auf was müssen sie achten?</strong><br />
Es gibt vielfältige Manipulationsmöglichkeiten. Beachten sollte man auf jeden Fall die Skala – wo fängt sie an, wo hört sie auf? Welche Farben werden verwendet, welche sind besonders auffällig? Wie ist das Umfeld, in dem die Infografik präsentiert wird? Ist ein (Emotionen auslösendes) Foto hinterlegt? Welche Auswahl wurde getroffen? Habe ich das Gefühl, dass ich einen vollständigen Themenüberblick erhalte? Wenn die Grafik nicht vermitteln kann, was sie aussagen will, dann ist sie vielleicht eher Design als Journalismus.</p>
<p><strong>Was kannst Du über Deutschland sagen, nachdem Du so viele<br />
Regionalstatistiken angelegt hast?</strong><br />
Es gibt einzelne Regionen, die immer wieder vorkommen, bei sozialen Themen, bei demografischen Entwicklungen, beim Unterschied zwischen Stadt und Land. Viele Entwicklungen, die deutschlandweit zu beobachten sind, spielen sich im Regionalen oft viel differenzierter ab, beispielsweise bei der hausärztlichen Versorgung.</p>
<p><strong>Wie haben sich die Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen entwickelt?</strong><br />
Bei bestimmten Themen ist der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland noch sehr stark, besonders bei historisch gewachsenen Themen wie der Kinderbetreuung.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Christina Elmer wurde am 20. Mai 2011 in Berlin geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/22/es-braucht-einen-langen-atem/">«Es braucht einen langen Atem»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Wikileaks in der zweiten Reihe</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:14:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[WIkileaks]]></category>
		<category><![CDATA[Data-Journalism]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ Online]]></category>
		<category><![CDATA[Swiss Papers]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Interesse der Medien an Wikileaks hat spürbar nachgelassen. Mit der dramatischen Entwicklung im arabischen Raum geniesst die Gegenwart wieder Vorrang gegenüber der Vergangenheit. Nicht überall: Von anderen Medien wenig beachtet, haben sich NZZ und Le Temps daran gemacht, die von Wikileaks veröffentlichten «Swiss Papers» auszuwerten. Ein Datensatz, zwei Herangehensweisen. Plötzlich waren die «Swiss Papers» <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Interesse der Medien an Wikileaks hat spürbar nachgelassen. Mit der dramatischen Entwicklung im arabischen Raum geniesst die Gegenwart wieder Vorrang gegenüber der Vergangenheit. Nicht überall: Von anderen Medien wenig beachtet, haben sich NZZ und Le Temps daran gemacht, die von Wikileaks veröffentlichten «Swiss Papers» auszuwerten. Ein Datensatz, zwei Herangehensweisen.<br />
<span id="more-28732"></span><br />
Plötzlich waren die «Swiss Papers» da – und kaum jemand nahm Notiz davon; keine Schlagzeilenflut, keine «Breaking News», kein «Enthüllung!»-Geschrei, wie das vor nicht allzu langer Zeit der Fall war, sobald das Stichwort Wikileaks die Runde machte. Fast 6000 unveröffentlichte Depeschen aus der US-Diplomatenkorrespondenz mit einem Bezug zur Schweiz hat «Le Temps» am Abend des 10. Februar von Wikileaks erhalten. Eine Kopie davon reichte die Genfer Zeitung der NZZ weiter.</p>
<p>Während sich Le Temps umgehend daran machte, die Dokumente nach publikationswürdigen Informationen zu durchstöbern, blieb es bei der NZZ zuerst einmal ruhig. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/die_schweiz_in_5814_wikileaks-depeschen_1.9485733.html" target="_blank">Eine knappe Mitteilung</a>, wonach die Zeitung im Besitz der «Swiss Papers» sei, platzierte die NZZ gut versteckt irgendwo im Blatt. Fast eine Woche lang tat sich nichts, abgesehen von einem <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/wikileaks__wo_ist_transparenz_sinnvoll_wo_schaedlich_1.9512793.html" target="_blank">Gastbeitrag eines HSG-Ökonomen</a>, der sich kritisch zur Veröffentlichung von diplomatischer Korrespondenz äusserte. Ausserdem geriet Wikileaks erneut ins Zwielicht, nachdem der Aussteiger Daniel Domscheit-Berg in seinem Buch ein wenig schmeichelhaftes Bild von Julian Assange und seinem Projekt zeichnete. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/wikileaks_hat_die_oeffentlichkeit_getaeuscht_1.9498131.html" target="_blank">Ein Interview mit dem ehemaligen Assange-Gefährten</a>, das die NZZ am Sonntag und später auch NZZ Online veröffentlichten, bereitete das Terrain nicht eben auf ideale Weise für Wikileaks-Enthüllungen im Hause NZZ vor.</p>
<p>Bei Le Temps gab es keine solchen erschwerenden Begleitumstände. Hier ging man forsch zur Sache und hausierte offensiv mit dem exklusiven Stoff. Bereits am Samstag 12. Februar, zwei Tage nachdem die Zeitung die Dokumente erhalten hatte, veröffentlichte sie erste Erkenntnisse aus der Analyse der «Swiss Papers». Zwei Artikel zu Erpresssungsversuchen der kolumbianischen Farc-Rebellen gegen den Westschweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, sowie zu einem internen Memo der US-Diplomatie für die Sprachregelung bei Medienanfragen zum Fall Tinner. Von da an ging es weiter im Takt. Seit einer Woche veröffentlicht Le Temps jeden Tag mindestens zwei Artikel mit Erkenntnissen und Schlüssen aus den «Swiss Papers».</p>
<p>Nach einer ersten Sichtung der Dokumente hat sich die NZZ gegen einen täglichen Publikationsrhythmus entschieden. Stattdessen bot die NZZ am letzten Samstag auf einer Doppelseite eine Tour d&#8217;Horizon quer durch die Depeschen . «Unter dem Newsaspekt sind die Dokumente nicht interessant», sagt NZZ-Nachrichtenchef Luzi Bernet. Deshalb zog man es vor, ein Gesamtbild zu zeichnen und konnte sich so auch Zeit lassen.</p>
<p>Ein deutlicher Unterschied zwischen NZZ und Le Temps zeigt sich online. Während die Westschweizer für die Serie eigens ein Logo schufen und unter letemps.ch ein <a href="http://www.letemps.ch/swiss_papers" target="_blank">Dossier «Swiss Papers»</a> (nur mit Anmeldung zugänglich) eröffneten, wo sie neben den Zeitungsartikeln auch die zitierten Originaldateien im Volltext ablegen, sucht man auf nzz.ch vergeblich nach etwas Vergleichbarem. Die NZZ bietet keine Extras im Web. Urs Holderegger, Redaktionsleiter NZZ Online, macht für diese Zurückhaltung inhaltliche Gründe geltend: «Aufgrund der Einschätzung der Inlandredaktion, dass die Wikileaks-Dokumente <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/unspektakulaer_und_trotzdem_relevant_1.9598321.html" target="_blank">keine bahnbrechenden Neuigkeiten</a> enthalten, haben wir uns für ein zurückhaltendes Vorgehen entschieden.» Auf eine Publikation der Originaldokumente habe man aus Datenschutzgründen verzichtet, so Holderegger.</p>
<p>Aber auch Le Temps beschränkt sich im Netz letztendlich auf bewährte und wenig innovative Formate. Online dient nur als Verlängerung von Print. Dynamische Elemente sucht man vergeblich. Wer erwartungsfroh die <a href="http://www.letemps.ch/Page/Uuid/6106e03c-3627-11e0-aa25-511990c3a24b/" target="_blank">«Infographie» </a>anklickt, findet jene durchschnittliche Infografik, die am Samstag vor einer Woche bereits in der Zeitung zu sehen war.</p>
<p>Bei der NZZ rührt die Zurückhaltung im Netz auch daher, dass man dem «Datenjournalismus» und seinen Versprechen nicht traut. Stefan Betschon, der als IT-Redaktor die Dateien inspizierte und für seine Redaktionskollegen so aufbereitete, dass sie damit arbeiten konnten, hält wenig von diesem Trendbegriff, mit dem der Journalist zum Programmierer wird und die Maschine recherchieren lässt. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/die_konzentration_auf_das_wesentliche_1.9598240.html" target="_blank">Betschon schreibt</a>: «Der Begriff des Data-Journalismus weckt die Hoffnung, dass Computerprogramme ohne menschliches Zutun aus grossen Datensammlungen die menschlich bewegenden Geschichten herausschälen könnten, Antworten lieferten auf nie gestellte Fragen. Doch das ist eine Illusion.»</p>
<p>Manpower also und nicht Rechenleistung. Den beiden Zeitungen stehen jedoch nur beschränkte Kapazitäten zur Verfügung. In Genf sind es sieben Redaktoren, bei der NZZ maximal acht, die sich seit mehr als einer Woche nur noch um das eine Thema kümmern. Da bleibt das eine oder andere liegen. Je nach Entwicklung der Nachrichtenlage muss Wikileaks hinten anstehen. So gut sind die Redaktionen auch nicht mehr dotiert, dass sich eine Gruppe über Wochen für eine Sonderaufgabe abmelden kann.</p>
<p>Sicherlich wäre aus den «Swiss Papers» mehr rauszuholen, als das, was uns Le Temps und NZZ bisher präsentiert haben. Grenzen setzen hier einerseits die personellen Möglichkeiten, andererseits die ungewohnte und neue Aufgabe, Tausende von Dokumenten innert nützlicher Frist auszuwerten. Die beiden Zeitungen mögen in der Schweiz zu den führenden Publikationen zählen. Im internationalen Vergleich zeigt der Umgang mit den Wikileaks-Dokumenten doch deutlich den Unterschied zu den ganz Grossen der Branche.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/wikileaks-in-der-zweiten-reihe/">Wikileaks in der zweiten Reihe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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