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	<title>Der Postillon | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 07 Sep 2020 17:41:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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		<title>Attila Hildmann und die Satire: Verstehen Sie Spass?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/07/attila-hildmann-und-die-satire-verstehen-sie-spass/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2020 17:41:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Der Postillon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wird Attila Hildmann von Angela Merkel bezahlt? Nach einem «Postillon»-Artikel muss der Vegankoch und Verschwörungstheoretiker seinen Fans erklären, was eine Satireseite ist.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/07/attila-hildmann-und-die-satire-verstehen-sie-spass/">Attila Hildmann und die Satire: Verstehen Sie Spass?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wird Attila Hildmann von Angela Merkel bezahlt? Nach einem «Postillon»-Artikel muss der Vegankoch und Verschwörungstheoretiker seinen Fans erklären, was eine Satireseite ist.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/07/attila-hildmann-und-die-satire-verstehen-sie-spass/">Attila Hildmann und die Satire: Verstehen Sie Spass?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wenn aus «Postillon»-Satire Ernst wird</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/09/13/bei-hitler-satire-hoert-fuer-die-polizei-der-spass-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Sep 2018 14:22:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Der Postillon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Der Postillon» ist ein Satiremagazin. Doch Satire verstehen bekanntlich nicht alle. So auch die bayrische Polizei nicht. Sie ermittelt gegen einen Mann, der auf Facebook einen «Postillon»-Beitrag gelikt hat, auf dem neben AfD-Mann Bernd Höcke ein Hitler-Porträt zu sehen ist. «Und weil es sich bei dem ‹Like›-Klick für den ‹Postillon›-Hitler um einen möglichen Verstoss gegen den Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches (‹Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen›) handelt», schreibt Martin Bernstein in der «Süddeutschen Zeitung», ermittle nun die Polizei. Die Sache ist doppelt absurd. Gegen den gleichen Mann läuft bereits ein Verfahren, weil er verbotenerweise die Flagge der Kurdenmiliz YPG auf seinem privaten Facebook-Profil gezeigt hatte. Das tat er, indem er einen Beitrag des Bayrischen Rundfunks mit einem entsprechenden Bild teilte. Medien dürfen das nach Gesetz, Privatpersonen aber nicht. Im Zuge dieser Ermittlungen stiess die Polizei auf den Hitler-Like, aus dem sie dem 27-Jährigen nun einen weiteren Strick zu drehen versucht.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/13/bei-hitler-satire-hoert-fuer-die-polizei-der-spass-auf/">Wenn aus «Postillon»-Satire Ernst wird</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>«Der Postillon» ist ein Satiremagazin. Doch Satire verstehen bekanntlich nicht alle. So auch die bayrische Polizei nicht. Sie ermittelt gegen einen Mann, der auf Facebook einen «Postillon»-Beitrag gelikt hat, auf dem neben AfD-Mann Bernd Höcke ein Hitler-Porträt zu sehen ist. «Und weil es sich bei dem ‹Like›-Klick für den ‹Postillon›-Hitler um einen möglichen Verstoss gegen den Paragrafen 86a des Strafgesetzbuches (‹Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen›) handelt», schreibt Martin Bernstein in der «Süddeutschen Zeitung», ermittle nun die Polizei. Die Sache ist doppelt absurd. Gegen den gleichen Mann läuft bereits ein Verfahren, weil er verbotenerweise die Flagge der Kurdenmiliz YPG auf seinem privaten Facebook-Profil gezeigt hatte. Das tat er, indem er einen Beitrag des Bayrischen Rundfunks mit einem entsprechenden Bild teilte. Medien dürfen das nach Gesetz, Privatpersonen aber nicht. Im Zuge dieser Ermittlungen stiess die Polizei auf den Hitler-Like, aus dem sie dem 27-Jährigen nun einen weiteren Strick zu drehen versucht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/13/bei-hitler-satire-hoert-fuer-die-polizei-der-spass-auf/">Wenn aus «Postillon»-Satire Ernst wird</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Verstehen Algorithmen Satire?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/06/verstehen-algorithmen-satire/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 2017 11:32:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Der Postillon]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Titanic]]></category>
		<category><![CDATA[Tim Wolff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Algorithmen Fake-News identifizieren und eliminieren sollen, droht Satire mit entsorgt zu werden. Tim Wolff, Chefredaktor der «Titanic», nimmt das gelassen, obwohl die Folgen der Gleichbehandlung von Fake-News und Satire schon heute gut sichtbar sind. Das Internet hat ein Problem: Millionen Falschnachrichten, sogenannte Fake-News, wabern durch die Untiefen des Netzes, die den politischen Diskurs vergiften <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/06/verstehen-algorithmen-satire/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Algorithmen Fake-News identifizieren und eliminieren sollen, droht Satire mit entsorgt zu werden. Tim Wolff, Chefredaktor der «Titanic», nimmt das gelassen, obwohl die Folgen der Gleichbehandlung von Fake-News und Satire schon heute gut sichtbar sind.<br />
<span id="more-33094"></span><br />
Das Internet hat ein Problem: Millionen Falschnachrichten, sogenannte Fake-News, wabern durch die Untiefen des Netzes, die den politischen Diskurs vergiften und im Verdacht stehen, die US-Präsidentschaftswahl beeinflusst zu haben. So wurde eine Falschmeldung über eine angebliche Unterstützung des Papstes für Donald Trump fast eine Million Mal auf Facebook gelikt und geteilt. Facebook sieht sich seitdem wachsender Kritik ausgesetzt, nicht genügend gegen solche Falschnachrichten zu unternehmen. Nachdem der Konzern im August vergangenen Jahres sein News-Team entlassen und durch Algorithmen ersetzt hat, sind in dem Nachrichtenmodul (nur in den USA verfügbar) wiederholt Fake-News eingespielt worden. Ein Grund für die Flut an Falschmeldungen ist das lukrative Anzeigengeschäft. So verdiente in einer mazedonischen Kleinstadt eine ganze Armada von Clickworkern Geld mit frei erfundenen Nachrichten, die sich über Facebook rasant verbreiteten. Ein Geschäftsmodell, das auch andernorts zum Geldverdienen animierte.</p>
<p>Die Debatte um Falschnachrichten im Netz erhitzt zunehmend die Gemüter. In Deutschland riefen Unionspolitiker dazu auf, Fake-News strafrechtlich zu sanktionieren, die Bundesregierung plant, ein Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen einzurichten, aus Angst, Desinformationskampagnen im Internet könnten den Bundestagswahlkampf beeinflussen. In Tschechien hat am 1. Januar eine 20-köpfige Behörde, die gegen Fake-News vorgehen soll, die Arbeit aufgenommen. Aber auch Facebook bleibt nicht untätig und hat ein Tool patentieren lassen, das automatisiert Fake-News identifizieren und entfernen soll. Das System soll mithilfe eines maschinell lernenden Moduls einen «Score» berechnen, der eine Wahrscheinlichkeit indiziert, mit der der Content zu beanstanden ist. Das technische Problem besteht jedoch darin, dass sich Fake-News viel schwerer identifizieren lassen als etwa Pornographie oder Hasskommentare (anhand auffälliger oder eindeutiger Hashwerte oder Schlüsselwörter).</p>
<p>Bevor man Falschnachrichten filtert, müsste man freilich erst mal klären, was man darunter versteht. Was ist wahr, was ist falsch? Seit der Antike streiten die Gelehrten, was Wahrheit eigentlich bedeutet. Wenn ein Tech-Konzern nun behauptet, er könne Unwahrheiten mit einem Software-Tool filtern, zeigt das, wie vermessen das ist. In der binären Logik der Algorithmen gibt es keine Graustufen. Doch was passiert, wenn die Maschine einen «Wahrheitsscore» – man fühlt sich bei derlei Begrifflichkeiten unweigerlich an Orwells Wahrheitsministerium erinnert – von 60 Prozent ausspuckt? Ist das dann wahr oder falsch? Vermag ein Algorithmus zwischen Fake-News und Satire zu differenzieren?</p>
<p>Die Satireseite «Der Postillon» ist bereits auf einer US-Liste für Fake-News gelandet. Der «B.S. Detector» – B.S. steht für Bullshit –, der von dem Aktivisten und Journalisten Daniel Sieradski entwickelt wurde, warnt Nutzer im Internet vor «nicht vertrauenswürdigen Quellen». Verdächtige Seiten werden mit einem Balken markiert: «Diese Webseite ist keine verlässliche Nachrichtenquelle. Grund: Verschwörungstheorie.» Die Browsererweiterung beruht nach Angaben des Entwicklers auf einer «professionell kuratierten Liste» von «nicht vertrauenswürdigen und fragwürdigen Quellen». Wer das definiert, ist unklar. Zu den klassifizierten Fallgruppen gehört neben Fake-News, Clickbait und Staatsnachrichten «repressiver Staaten» auch Satire. Das heißt, Satire wird schon von vorherein mit der Propaganda autoritärer Regime und Falschmeldungen gleichgesetzt und auf den Index gesetzt.</p>
<p>Wenn man sich die Seite des «Postillon» ansieht, fällt vor allem der sprachliche Witz in den Überschriften auf. Diese lauten zum Beispiel: «Nafri, EHu, Peng-Peng: Das ist die Geheimsprache der Polizei». Oder: «Mindestlohn steigt um 34 Cent: Neureiche Friseurin weiss gar nicht, wohin mit all dem Geld». Der Postillon hat mit dieser humoristischen Berichterstattung bei den Lesern Erfolg, gerade in Zeiten, wo es in den Nachrichten herzlich wenig zu lachen gibt. Die Beiträge werden auf Facebook regelmässig zehntausendfach geteilt.</p>
<p>Trotzdem scheinen nicht alle Leser die Ironie zu erkennen. In den Leserkommentaren entstehen zum Teil regelrechte Shitstorms empörter Wutbürger, weil sie das, was sie lesen, für bare Münze nehmen. Das ist zum Beispiel die Meldung «30 Millionen Krawallmacher wegen nächtlicher Ruhestörung festgenommen», eine Anspielung auf die feucht-fröhliche Silvesternacht. Streng genommen handelt es sich hier um eine Falschmeldung, die sich leicht falsifizieren liesse. Die Ironie entwickelt sich erst im Lauf der Meldung. Man merkt, dass die Überschrift ironisch gebrochen ist («Krawallmacher» als Echo auf die Polemik über das polizeiliche Codewort «Nafri» für Nordafrikaner). «Bei Grosseinsätzen im gesamten Bundesgebiet ist es der Polizei gelungen, in der Nacht vom 31.12. auf den 1.1. rund dreissig Millionen Krawallmacher festzunehmen», heisst es in dem Satirebeitrag. «Ein Sprecher der Polizei erklärte, dass schon zuvor den ganzen Tag über vereinzelte Explosionen zu vernehmen gewesen seien: «Da hatten wir schon so ein Gefühl, dass uns eine unruhige Nacht bevorsteht. Als dann gegen 23:45 Uhr immer mehr laut grölende Menschen auf die Strasse traten, wurde schnell deutlich, dass die von 22 bis 6 Uhr geltende Nachtruhe in Gefahr war.» Teile der Meldung sind frei erfunden, aber doch komisch. Das zeigt, dass die Grenze zwischen Fake-News und Satire fliessend ist. Doch wenn der Mensch schon Probleme hat, Satire zu erkennen, und die Öffentlichkeit wochenlang darüber streitet, ob Jan Böhmermanns Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan nun ein Schmähgedicht oder Satire oder gar ein Hybrid (so die These des Tübinger Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen) darstellt, wie soll dann eine Maschine diese Nuancen erkennen? Algorithmen kennen keine Ironie.</p>
<p>Satire hatte es schon immer schwer, doch in Zeiten automatisierter Faktencheckportale, die Texte in ihre Einzelteile zerlegen und damit jeglicher Ambivalenz berauben, droht sie ins Räderwerk der Maschinen zu geraten. Wenn Facebook nun den Staubsauger anwirft, würden Meldungen wie die des «Postillon» mitaufgesaugt und als Unrat entsorgt. Das zeigt, dass die Anti-Fake-News-Agenda, der sich Facebook und andere Technologie-Konzerne verschrieben haben, autoritär und antiaufklärerisch ist. Durch die Verbannung von Falschnachrichten immunisiert man sich gegen jeglichen Diskurs. Normen werden nicht mehr ausgelegt, sondern mathematisch festgesetzt.</p>
<p>Die Tendenz geht dahin, dass Industriegiganten die Deutungshoheit über Satire bekommen und Nachrichten mit einer Art Gütesiegel zertifizieren. Nach dem Motto: Das darf man lesen, das nicht. Man kann das bereits bei Fotos beobachten. Facebook hat in der Vergangenheit wiederholt Fotos wegen Nacktheit zensiert, etwa Gustave Courbets Gemälde «Der Ursprung der Welt», Nickt Uts preisgekrönte Fotografie des Napalm-Mädchens aus dem Vietnamkrieg oder jüngst das Bild einer Neptun-Statue in Bologna. Ein ungeheuerlicher Vorgang: Private Unternehmen disponieren über Grundrechte und legen deren Grenzen fest. Ironischerweise produzieren automatisierte Systeme durch die erratische Blockierung von Satireseiten selbst Falschnachrichten, weil die Prüfung ein Ergebnis suggeriert, das unwahr ist.</p>
<p>Bei den Machern der Satireseiten sieht man die Entwicklung dennoch gelassen. Auf die Frage, ob er befürchte, dass Inhalte durch Facebooks neues Anti-Fake-News-Tool zensiert werden, antwortet Tim Wolff, Chefredakteur der Satirezeitschrift «Titanic», auf Anfrage der MEDIENWOCHE: «Befürchten? Nein. Wir hatten letztens schon unseren Spass mit der erratischen Facebook-Zensur und würden uns über weitere Auseinandersetzungen freuen.» Es werde spannend, ob erst der Mensch oder die Maschinen Ironie ohne grössere Verluste verstehen werden, so Wolff. «Meine Erfahrung lässt mich vermuten: die Algorithmen werden das Rennen machen.» Immerhin: Den Humor haben die Satiriker noch nicht verloren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/06/verstehen-algorithmen-satire/">Verstehen Algorithmen Satire?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wahre Lügen aus dem Posthorn</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 09:58:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Der Postillon]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Sichermann]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Web]]></category>
		<category><![CDATA[Bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Titanic]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Postillon hat sich mit plausibel klingenden, jedoch frei erfundenen Nachrichten zu einem kleinen Massenmedium gemausert. Der rasche Erfolg der Internet-Zeitung hat Betreiber Stefan Sichermann schon nach wenigen Jahren einen Vollzeitjob eingebracht. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt der 31-Jährige, woher er die Inspiration nimmt und wie viele Leser er hat. Seit einigen Wochen wohnt <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/der-postillion.jpg" class="alignleft" width="120" height="104" /> <a href="http://www.der-postillon.com/">Der Postillon</a> hat sich mit plausibel klingenden, jedoch frei erfundenen Nachrichten zu einem kleinen Massenmedium gemausert. Der rasche Erfolg der Internet-Zeitung hat Betreiber Stefan Sichermann schon nach wenigen Jahren einen Vollzeitjob eingebracht. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt der 31-Jährige, woher er die Inspiration nimmt und wie viele Leser er hat.<br />
<span id="more-30422"></span><br />
Seit einigen Wochen wohnt der in Ansbach aufgewachsene Stefan Sichermann wieder in Süddeutschland, in Fürth, bald soll er Vater werden. Studiert und per Magister abgeschlossen hat er alte Geschichte, mittlere Geschichte und englische Linguistik, und auch wenn er mal Lehrer werden wollte, versteht er sich als typischer Geisteswissenschaftler. Sowie als Journalist, arbeitet er doch seit 2009 regelmässig für Bildblog.de. 2011 kündigte er die Festanstellung bei einer Werbeagentur, seitdem arbeitet er selbständig.</p>
<p><strong>Stefan, Du bist der Erfinder von Schlagzeilen wie <a href="http://www.der-postillon.com/2011/09/zucker-enthalt-viel-zu-viel-zucker.html">«Zucker enthält viel zu viel Zucker»</a> oder <a href="http://www.der-postillon.com/2010/11/herzattacke-9-live-moderator-erreicht.html">«Herzattacke: 9-Live-Moderator erreicht Notrufzentrale nicht»</a>. Wie bist Du auf die Idee des Postillon gekommen? Und machst Du das eigentlich ganz alleine?</strong><br />
Ich mach das nach wie vor quasi alleine. Quasi, denn der <a href="http://www.der-postillon.com/search/label/Newsticker">Newsticker</a> entsteht mittlerweile grösstenteils aus Hinweisen der Leser. Ich wurde 2008 von einem Arbeitskollegen motiviert, ein Blog zu eröffnen (siehe dazu <a href="http://www.der-postillon.com/p/der-postillon-1845-2010.html">Der Postillon 1845-2011</a>). Da ich keine persönlichen Sachen schreiben wollte und damals ganz gerne <a href="http://www.theonion.com/">The Onion</a> las, kam ich darauf, auch mal lustige Nachrichten im Stil dieser Website zu schreiben. Postillon hab ich das Projekt getauft, weil ich dachte, das sei ein schöner Zeitungsname.</p>
<p><strong>Dein Business ist ja auch das Nachrichtengeschäft. Oder?</strong><br />
Im Prinzip ja, wobei ich nicht aus erster Hand berichte, auch wenn ich das manchmal vortäusche. Ich bin davon abhängig, was andere berichten, nehme das auf und spinne das dann weiter oder verdrehe das.</p>
<p><strong>Der Postillon hat ja ein, sagen wir, «eigenes» Wahrheitsverständnis. Bei wie viel Prozent der Leser kommt das an?</strong><br />
Ich behaupte, 97 Prozent der Leser verstehen das, die regelmässigen sowieso. Von jenen Lesern, die über Suchmaschinen kommen, nehmen einige die Meldungen für bare Münze, was manchmal für Erheiterung in den Kommentaren sorgt. Ich habe mal über einen den Weltuntergang prophezeihenden Astrophysiker <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/wirrer-astrophysiker-prophezeit.html">geschrieben</a>, darauf folgte ein <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/wirrer-astrophysiker-prophezeit.html#comment-173514551246838665">Kommentar</a>, «wie herzerfrischend dumm» ich doch sei, ich solle mich bei diesem Professor entschuldigen («Wetten, dass der Autor nicht den Schniedel in der Hose hat, sich bei Stichner zu entschuldigen und hier in den Kommentaren öffentlich Abitte zu leisten?»).</p>
<p><strong>Was waren die bisher meistgelesenen Storys?</strong><br />
Der Artikel <a href="http://www.der-postillon.com/2011/06/razzia-bei-kinoto-zwingt-millionen-user.html">«Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen»</a> hatte 65.000 Facebook-Likes und wurde über 1 Million mal aufgerufen. Generell laufen netzaffine Themen ziemlich gut, auch wenn man über Facebook schreibt, hat man bereits einen Startvorteil. Wie Artikel über Flattr gut geflattert werden, werden Artikel über Facebook auf Facebook häufig geteilt. Auf den Rängen 2 und 3 der All-Time-Favorites sind <a href="http://www.der-postillon.com/2011/03/dr-carlos-theodore-de-bienmontana-csu.html">«Dr. Carlos-Theodore de Bienmontaña (CSU) erhebt Anspruch auf Guttenbergs Nachfolge»</a> und <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/legendares-bernsteinzimmer-in-keller.html">«Legendäres Bernsteinzimmer in Keller von Hypo Real Estate aufgetaucht»</a>. Meist sind es tagesaktuelle Artikel, die viele Leser anziehen, der komplette Nonsens schafft es nicht so oft zur ganz grossen Populariät.</p>
<p><strong>Meine Erfahrung ist: Entweder findet jemand den Postillon äusserst witzig &#8211; oder gar nicht. Wie reagieren jene, die Deine Arbeit nicht witzig finden?</strong><br />
In den Kommentaren wird sehr gern behauptet, dass das alles nicht lustig sei. Ich glaube, es ist eine Art Humor, die nicht jedem auf Anhieb sympathisch ist. Wer den Postillon zum ersten Mal liest, findet ihn oft einfach nur doof. Dass da jemand einfach lügt, das verstehen viele Leute nicht. Nach drei, vier gelesenen Artikel und dem Verständnis der Masche ändert aber manch einer seine Meinung.</p>
<p><strong>Gibt es historische Vorbilder für Deine Tätigkeit aus der Vor-Internet-Zeit?</strong><br />
Beim Start kannte ich nichts dergleichen, inzwischen weiss ich, dass es einige Projekte gab, die als Vorbild gut geeignet wären. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Welt_im_Spiegel">Welt im Spiegel</a> war eine Beilage in der Pardon, die Nonsens-Nachrichten gemacht hat, meist etwas weniger tagesaktuell und viel bizarrer. Projekte wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weekly_World_News">Weekly World News</a> schreiben oft aus purer Sensationslust und weniger mit einem humoristischen Ansatz.</p>
<p><strong>Du scheust Dich nicht, Tabuthemen wie sexueller Missbrauch oder Kinderpornografie anzupacken. Hast Du da nicht manchmal etwas Angst vor der Veröffentlichung?</strong><br />
Definitiv. Ich erwäge das jeweils auch genau und lasse mich, gerade bei heiklen Themen, von Freunden und Bekannten beraten. Ich habe schon ein paar kleinere und mittlere Shitstorms hinter mir, doch in der Regel ging es immer gut. Man muss auch mal provozieren: Satire ohne Zähne geht ja nicht.<br />
Ein Beispiel, wo die Leute auf die Barrikaden gegangen sind, war eine angebliche <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/technikjournalisten-und-fanboys.html">Spekulation um die Form des Sargs von Steve Jobs</a>, die bereits einen Tag nach dessen Tod online ging. Darauf wurde reagiert, wie es sonst nur bei religiösen Themen passiert: Geschmacklos, niveaulos, pietätlos, unangemessen, etc. Es wurde auch gedroht, den Postillon nicht mehr zu lesen, was ja bei einer Online-Zeitung kein so grosses Drohpotential hat. Die damals geäusserte <a href="http://www.der-postillon.com/2011/10/technikjournalisten-und-fanboys.html#comment-4437988566359242286">Forderung</a>, noch etwas abzuwarten, ist zu einem Running Gag geworden, der inzwischen einigermassen wahllos in die Kommentare neuer Storys geschrieben wird. Jemand hat sogar ein <a href="https://userscripts.org/scripts/show/122042">Skript</a> geschrieben, um solche Kommentare zu filtern.</p>
<p><strong>Wie viele Leser hat der Postillon? Wie viel Umsatz machst Du damit? Deinen früheren Job in der Werbebranche hast Du ja gekündigt …</strong><br />
Rund 20.000 &#8211; 25.000 Unique Visitors täglich. Eine Geschichte, die gut läuft bringt auch mal einen Tag mit 100.000 Besuchern. Was die Einnahmen betrifft: Ich kann davon leben. Die Website generiert um die 2000 Euro im Monat, dazu kommt die Tätigkeit für das <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a>. Zukünftig geplant sind übrigens Videonachrichten und ein Postillon-Buch.</p>
<p><strong>Hättest Du erwartet, derartigen Erfolg zu haben? Inzwischen zieht ja jede halbwegs lustige Story hunderte Facebook-Likes nach sich.</strong><br />
Anfangs hoffte ich nur auf etwas Aufmerksamkeit, aber inzwischen ist das Projekt zu einem Vollzeitjob angewachsen, der jeden Tag acht Stunden Arbeit abfordert: Etwa drei Stunden täglich investiere ich in das Lesen von Nachrichten &#8211; das ist ein angenehmer Teil, weil ich auch gerne Nachrichten lese. Der Rest der Zeit beansprucht das Schreiben von Storys, die Pflege der Website und die Vermarktung.</p>
<p><strong>Wie entsteht ein Postillon-Artikel?</strong><br />
Die Idee entsteht beim Lesen von Nachrichten, manchmal aber aus einer Partyunterhaltung, wo ich mir dann sofort im Handy ein paar Stichworte notiere. Wenn die Idee gut ist, dann ist die Ausarbeitung das kleinere Problem, inzwischen habe ich ja auch etwas Übung.<br />
Ein Postillon-Artikel sollte eine klare Aussage haben, die bereits in der Überschrift klar wird. Der Text ist dann die Ausgestaltung des Gags, die Beleuchtung von verschiedenen Seiten. Das ist nicht ganz leicht, denn der Unfug, den ich schreibe, muss inhaltlich plausibel sein.</p>
<p><strong>Im Wallraff-Film «Informationen aus dem Hinterland?» (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iLQUDthXUbo">Video</a>) schreibt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Wallraff#Die_.E2.80.9EAnti-BILD-Trilogie.E2.80.9C">Hans Esser</a> einen Artikel über ein Hochhaus in Hannover. Eine im obersten Stockwerk wohnende Frau wird zitiert, das Badewasser schwappe bei Stürmen schon mal über. Wie weit weg ist der Postillon eigentlich von «Bild»?</strong><br />
Ziemlich weit, der Anspruch ist ein ganz anderer, die Zielgruppe auch. Der grösste Unterschied ist, dass ich reale Situationen ins Humoristische verdrehe. «Bild» ist deutlich direkter, und weniger um die Ecke gedacht.</p>
<p><strong>Die Konkurrenz schläft auch nicht. Der Kojote hatte zum Beispiel grossen Erfolg mit Storys wie <a href="http://www.kojote-magazin.de/2010/gewagt-junger-berlin-besucher-laeuft-ohne-bierflasche-in-der-hand-durch-mitte/964/">«Gewagt: Junger Berlin-Besucher läuft ohne Bierflasche in der Hand durch Mitte»</a>. Wie gehst Du damit um? Gibt es noch andere Mitbewerber?</strong><br />
Es gibt in Deutschland <a href="http://www.eine-zeitung.net/">Eine Zeitung</a> und <a href="http://www.kojote-magazin.de/">Der Kojote</a>, in Österreich die <a href="http://www.salaminews.at/">Salami News</a>. Mich macht zwar Konkurrenz immer etwas nervös, aber grundsätzlich ist sie natürlich zu begrüssen, ich find das inspirierend. Wenn man in den englischsprachigen Raum schaut, dann findet man solche Angebote wie Sand am Meer.</p>
<p><strong>Ist Dein Name, «Sichermann», eigentlich echt? Im Postillon scheint ja nichts besonders sicher zu sein …</strong><br />
Ja, der ist echt, das ist kein Künstlername.</p>
<p><strong>Was hat es mit dem Gründungsjahr 1845 auf sich?</strong><br />
Das Gründungsjahr 1845 ist willkürlich gewählt. Ich wollte dem Postillon durch eine lange Geschichte einfach (noch) mehr Seriösität verleihen.</p>
<p><strong>Das Logo zeigt ein Steckenpferd auf Rädern und ein Posthorn &#8211; was hat es zu bedeuten?</strong><br />
Eine seriöse Zeitung braucht ein seriöses Logo. Das Posthorn steht dabei für den Postillon, das Steckenpferd war damals das wichtigste Transportmittel (und es zeigt, dass der Postillon nicht ganz ernst gemeint ist). Ein wenig erinnert es auch daran, dass ich den Postillon anfangs noch als Hobby (Steckenpferd) betrachtet habe. Gemalt hat es übrigens meine überaus talentierte Partnerin.</p>
<p><strong>Wer ist eigentlich <a href="http://www.der-postillon.com/search/label/Timmy">der kleine Timmy</a>? Hat er wirklich kein Mitleid verdient?</strong><br />
Der kleine Timmy (9) ist einfach die Personifikation des kleinen unschuldigen Jungen. Ein Vorbild in der Realität gibt es eigentlich nicht. Er dient vor allem dazu zu zeigen, wie ungerecht die Welt manchmal ist. Es ist schwierig zu erklären, aber es macht einfach Spass, ihn zu quälen.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Stefan Sichermann wurde am 13. Januar 2012 per Telefon geführt.<br />
Offenlegung: Stefan Sichermann und Ronnie Grob arbeiten beide regelmässig für Bildblog.de.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/19/wahre-lugen-aus-dem-posthorn/">Wahre Lügen aus dem Posthorn</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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