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	<title>Duzis | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Das Du als strategischer Vorteil</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/05/19/das-du-als-strategischer-vorteil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 May 2014 11:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Duzis]]></category>
		<category><![CDATA[Urner Wochenblatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Zweifelsfall per Sie mit Politikern und anderen Auskunftsperson. Dafür plädierte unlängst unser Kolumnist und Bundeshausredaktor Antonio Fumagalli. Davon hält Carmen Epp wenig. Als Lokaljournalistin weiss sie, dass das Du auch Türen öffnen kann. Entscheidend ist dabei das Beharren auf einer klaren Rollenverteilung. Ist ein Journalist mit einem Politiker per Du, gerät er schnell unter <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/19/das-du-als-strategischer-vorteil/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zweifelsfall per Sie mit Politikern und anderen Auskunftsperson. <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/" target="_self">Dafür plädierte unlängst</a> unser Kolumnist und Bundeshausredaktor Antonio Fumagalli. Davon hält Carmen Epp wenig. Als Lokaljournalistin weiss sie, dass das Du auch Türen öffnen kann. Entscheidend ist dabei das Beharren auf einer klaren Rollenverteilung.<br />
<span id="more-19676"></span><br />
Ist ein Journalist mit einem Politiker per Du, gerät er schnell unter den Generalverdacht: zu nah, nicht mehr objektiv, unprofessionell. Ich verstehe zwar die Skepsis, kann ein absolutes Duzis-Verbot allerdings nicht unterstützen. Mit Auskunftspersonen per Du zu sein, bringt gerade Lokaljournalisten meines Erachtens mehr Vor- als Nachteile – vorausgesetzt, die Rollenverteilung bleibt klar.</p>
<p>Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin wohl mit schätzungsweise jeder dritten Auskunftsperson, mit der ich als Journalistin regelmässig zu tun habe, per Du. Dazu gehören auch fünf der sieben Regierungsmitglieder des Kantons Uri, der Stabschef der Kantonspolizei, der Polizeikommandant und schätzungsweise jeder vierte Landrat.</p>
<p>Der Hauptgrund dafür ist schnell gefunden. Ich arbeite dort, wo ich aufgewachsen bin: im Kanton Uri. Einige der besagten Personen kenne ich von früher, aus einer Zeit also, in der ich noch nicht Journalistin war. Mit einigen verbindet mich sogar ein Verwandtschaftsverhältnis. Oder sie sind Bekannte von Bekannten. Kurzum: Man kennt sich in Uri. So wird das Du hier womöglich schneller angeboten als beispielsweise in einer Grossstadt, wo sich Menschen nicht zwingend zweimal begegnen.</p>
<p>Dass diese Nähe ein Problem sein könnten, daran habe ich zu Beginn meiner journalistischen Karriere nicht gedacht. Im Gegenteil: Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Einsätze als Freischaffende vor nun fast neun Jahren, als ich mich durch jedes neue Du – mit dem Gemeindepräsidenten, dem Kulturschaffenden, ja sogar mit dem damaligen Bildungsdirektor – regelrecht geehrt fühlte. Auch wenn es naiv scheinen mag – und das war ich damals wohl auch: Dass man mir, der Neuen, der Unbekannten, das Du anbot, galt für mich als Zeichen der Anerkennung und des Respekts. Bestand jemand hingegen über längere Zeit und nach mehreren Begegnungen weiterhin auf dem Sie, empfand ich das als Misstrauensvotum.</p>
<p>So nahm die Anzahl der Personen, mit denen ich per Du bin, immer weiter zu. Ernsthafte Gedanken darüber mache ich mir erst seit meiner Festanstellung vor viereinhalb Jahren, als ich es schliesslich regelmässiger mit Max oder eben Herrn Muster zu tun bekam. Der Problematik und Brisanz des Du bei Journalisten wirklich bewusst wurde ich mir dann erst, als ich die Ausbildung am MAZ antrat. Hier war die Frage «Du oder Sie?» immer mal Thema, sei es unter Mitstudierenden oder im Unterricht. Die Dozierenden vertraten fast ausnahmslos eine Nulltoleranz, wenn es um Du-Angebote geht. Wer als Journalist ein Du annimmt, lässt sich zu Manipuliermasse degradieren – so die vorherrschende Meinung.</p>
<p>Da stand ich also, mit einem Rucksack voller Du’s der letzten Jahre, der auf einmal ganz verdächtig roch. Was nun? Sollte ich etwas das Sie bei allen bisher geduzten Personen wieder zurückfordern? Mit der Begründung, nicht mehr länger als Manipuliermasse, sondern als Journalistin wahrgenommen zu werden?</p>
<p>Es gab kein Zurück mehr. Aber wollte ich das überhaupt? Meine Antwort ist klar: Nein. Nicht weil es unmöglich wäre, ein Sie zurückzufordern. Sondern vielmehr weil ich die kategorische Skepsis gegenüber dem Du nicht teilen kann. Ich bin nicht automatisch manipulierbarer, nur weil ich mit jemandem per Du bin. Meine Fragen an Regierungsratsmitglieder sind nicht weniger kritisch, nur weil ich sie in der zweiten Person singular stelle. Und meine Rolle als Journalistin wird keine andere, nur weil man mich mit «Carmen», statt mit «Frau Epp» anspricht.</p>
<p>Das Du wird hinsichtlich seiner Wirkung oft überschätzt. Ein einziges Wort kann nicht ein ganzes Machtgefüge zu Fall bringen. Es sagt letztlich auch wenig aus über die Beziehung zweier Menschen. Ein Du macht aus einer Person noch lange keinen Kumpel. Umgekehrt legitimiert es auch nicht dazu, das Gegenüber weniger zu respektieren, nur weil man es duzt.</p>
<p>Gleichzeitig wird das Du aber auch unterschätzt. Weil es meiner Erfahrung nach mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt. So steckt mir eine Person, mit der ich auf Du und Du bin, wohl eher eine Geschichte, als wenn dieses förmliche Sie zwischen uns steht. Daraus zu schliessen, dass deswegen die professionelle Distanz fehlt, halte ich für falsch. Weil meine Rolle als Journalistin unabhängig der Ansprechform stets klar ist. Nicht weil ich die Person nun duze oder sieze. Sondern weil ich mir den Respekt als Journalistin erarbeite. Durch seriöses und faires Schaffen. Und weil ich mein Gegenüber stets respektvoll behandle – ob nun gesiezt oder geduzt.</p>
<p>Nicht wer duzt wird zur Manipuliermasse, sondern jene, die ihre Rolle als Journalisten von einem einzigen Wort abhängig machen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/19/das-du-als-strategischer-vorteil/">Das Du als strategischer Vorteil</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Dann bleiben wir doch lieber per Sie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2014 10:27:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
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		<category><![CDATA[Duzis]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Distanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nirgends kommen sich Journalisten und Politiker so nah wie im Bundeshaus. Im Klüngel die professionelle Distanz zu wahren, ist nicht immer ganz einfach. Ein Duzis anzunehmen, fällt oft leichter, als auf dem «Sie» zu bestehen. Kürzlich traf ich an einem Samstagnachmittag mitten in Zürich auf eine Nationalrätin. Sie mit Kinderwagen auf dem Weg in ein <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nirgends kommen sich Journalisten und Politiker so nah wie im Bundeshaus. Im Klüngel die professionelle Distanz zu wahren, ist nicht immer ganz einfach. Ein Duzis anzunehmen, fällt oft leichter, als auf dem «Sie» zu bestehen.<br />
<span id="more-19254"></span><br />
Kürzlich traf ich an einem Samstagnachmittag mitten in Zürich auf eine Nationalrätin. Sie mit Kinderwagen auf dem Weg in ein Café, ich auf dem Velo unterwegs zu einem Freund. Wir kennen uns, so wie man als Inlandredaktor manche Parlamentarier kennt – man trifft sich allvierteljährlich in der Wandelhalle, telefoniert dazwischen ab und zu und begegnet sich an Pressekonferenzen.</p>
<p>Besagte Nationalrätin ist nicht viel älter als ich. Würden wir uns an einer Party, im Flugzeug oder an der Migros-Kasse begegnen und wüssten wir nicht voneinander, was unser beruflicher beziehungsweise politischer Hintergrund ist, würden wir uns zweifellos duzen. Doch nicht hier an der Strassenkreuzung im Kreis 4. Wir unterhielten uns völlig entspannt über die (angeblich) stimmfaule Jugend, Doppelbürgerschaften und die Bepflanzung von Dachterrassen. Nach einer Viertelstunde verabschiedeten wir uns, wie wir uns schon begrüsst haben: Mit einem «Sie».</p>
<p>Das ist auch gut so. Das Duzis schafft eine Nähe, die im Umgang mit Politikern problematisch sein kann. Wie kaum eine andere Berufsgattung haben die Volksvertreter ein ureigenes Interesse daran, sich mit den Journalisten gut zu stellen. Als ich das erste Mal in der Wandelhalle war, hatte ich noch dieses überhöhte Bild der «Arena»-Matadoren vor mir. Schnell merkte ich, dass der Hase anders läuft: Es ist einfacher, mit einem Parlamentarier ins Gespräch zu kommen als mit einem Amnesty-Vertreter an der Bahnhofsstrasse. Das gilt sogar für diejenigen, die im Ratssaal sitzen. Müssen sie nicht gerade ein Votum halten oder findet nicht gerade eine Abstimmung statt, lassen sich die Damen und Herren National- und Ständeräte von den Weibeln gerne nach draussen bitten.</p>
<p>Sie tun dies in aller Regel beflissen und äusserst zuvorkommend. Dabei ist es nicht immer einfach, die Distanz zu wahren, die zur Ausübung unseres Berufs nötig ist. Ich versuche zumindest in der Grussform eine Abgrenzung aufrechtzuhalten. Die Parlamentarier sind nicht unsere Feinde. Sie sind aber auch nicht unsere Freunde – obschon einem gewisse Parlamentarier selbstverständlich sympathischer sind als andere.</p>
<p>Als Neuling im Bundesberner Medienkuchen – ich bin seit November dabei – habe ich da natürlich leicht reden: Ich bin selten in eine Situation geraten, in der ich meine journalistische Unabhängigkeit zu hinterfragen begonnen hätte. Das Duzis wurde mir noch nicht oft angeboten – und wenn, habe ich es bei der nächsten Begegnung auch schon wieder «vergessen».</p>
<p>Dass die Situation für altgediente Redaktoren schwieriger ist, liegt auf der Hand. Wer seit zehn Jahren durch die Wandelhalle spaziert, ist unter den Parlamentariern bekannter als manch einer ihrer Ratskollegen. Da lässt sich eine gewisse Kumpanei kaum vermeiden. Und sie kann journalistisch durchaus fruchtbar sein: Der Parteipräsident, der Kommissionssprecher und im besonderen Mass der Hinterbänkler sind eher versucht, einem ihnen seit langem bekannten Journalisten eine potentielle Geschichte zu stecken.</p>
<p>Doch auch für die langjährigen «Bundeshäusler» ist der Grat zwischen der nötigen Empathie, um an möglichst exklusive Informationen zu kommen, und der Gefahr der Beeinflussung schmal. Die Grussform muss nicht zwingend ein Ausdruck von zu viel Nähe sein, kann aber. Legt man das «Sie» und das «Du» in die journalistische Waagschale, finde ich, dass sie auf die Seite des «Sie» kippen sollte. Es ist ja auch das längere Wort.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/">Dann bleiben wir doch lieber per Sie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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