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	<title>Edipresse | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Es gibt keine Alternative»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/12/14/es-gibt-keine-alternative/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Dec 2012 08:51:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Pietro Supino]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Tonini]]></category>
		<category><![CDATA[Edipresse]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Kall]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[20 Minuten]]></category>
		<category><![CDATA[CEO]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Per Ende Jahr tritt Martin Kall als CEO von Tamedia zurück. Nach zehn Jahren an der Spitze der Unternehmensleitung wechselt er in den Verwaltungsrat des Zürcher Medienunternehmens. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE blickt Kall zurück auf die Entwicklung Tamedias von einem «bedeutenden KMU» zum gesamtschweizerischen Medienhaus, die er mit Akquisitionen und Kooperationen massgeblich vorangetrieben hat. <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/14/es-gibt-keine-alternative/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Per Ende Jahr tritt Martin Kall als CEO von Tamedia zurück. Nach zehn Jahren an der Spitze der Unternehmensleitung wechselt er in den Verwaltungsrat des Zürcher Medienunternehmens. Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE blickt Kall zurück auf die Entwicklung Tamedias von einem «bedeutenden KMU» zum gesamtschweizerischen Medienhaus, die er mit Akquisitionen und Kooperationen massgeblich vorangetrieben hat. Für die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre, die Kommerzialisierung der mobilen Mediennutzung, kennt Kall kein Rezept. Er weiss nur, dass daran kein Weg vorbeiführt.<br />
<span id="more-30572"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Derzeit wird wieder einmal heftig und teils aufgeregt über die Zukunft der Zeitung und der Medien überhaupt debattiert. Gibt es irgendetwas, was dazu noch nicht gesagt wurde?</strong><br />
Martin Kall: Was mir auffällt, ist ein viel zu grosser Pessimismus in der Branche. Dabei wäre doch eigentlich Optimismus nötig. Gerade wenn man einmal zurückliegt in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Ausserdem sollte man nicht von Einzelfällen, wie nun der Einstellung der Financial Times Deutschland oder der Insolvenz der Frankfurter Rundschau, aufs Ganze schliessen.</p>
<p><strong>Wie erklären Sie sich diese notorisch pessimistische Haltung in weiten Kreisen der Branche?</strong><br />
Wir leben davon, dass wir viele Menschen beschäftigen, die sehr sensibel auf Veränderungen reagieren, die Themen aufspüren, bevor sie überhaupt allgemein wahrgenommen werden. Das gehört zum Journalismus, wie auch ein ausgeprägtes Interesse an Dingen, die schlecht laufen. Ich bin aber überzeugt, dass das Thema Zeitungskrise in ein paar Wochen wieder vom Tisch ist.</p>
<p><strong>Was die Branche wohl noch eine Weile beschäftigen wird, ist die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Würden Sie sich für ein solches Gesetz ins Zeug legen?</strong><br />
Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass es viel grundlegendere Themen gibt im Bereich unserer zukünftigen digitalen Geschäftsmodelle als neue Gesetze. Überall, wo wir versuchen, den Staat zu Hilfe zu rufen, ist meine Erfahrung gewesen, dass es im Endeffekt erhebliche Nachteile mit sich bringt. Das Verhältnis zu Google müsste viel mehr unter dem Blickwinkel des Wettbewerbsrechts betrachtet werden und weniger des Urheberrechts. Missbraucht Google seine dominante Marktposition?</p>
<p><strong>Welches Verhältnis hat Tamedia zu Google?</strong><br />
Natürlich ist uns auch bewusst, dass Google eine Dienstleistung erbringt, die Menschen in aller Welt als unersetzlich anschauen. Aber gleichzeitig spüren wir gerade im Werbemarkt den enormen Druck, der für digitale Geschäftsmodelle von Google ausgeht. Das macht uns in Teilen auch grosse Sorgen.</p>
<p><strong>Wenn Sie Google des Monopols bezichtigen, so könnte man das in gewisser Weise ja auch von Tamedia behaupten mit seiner dominanten Stellung in der Schweiz.</strong><br />
Das lässt sich so natürlich nicht vergleichen. Wir haben uns sehr frühzeitig gefragt, was liegt im Interesse dieses Medienmarktes Schweiz. Die Wettbewerbskommission hat in all den Jahren, in denen ich hier war, in jedem einzelnen Fall das Dossier sehr genau geprüft. In einem Fall, als sich Espace Media an 20 Minuten beteiligen wollte, hat sie uns das untersagt. Wir sind dann bis zum Bundesgericht und haben dort mit einer einzigen Auflage die Genehmigung erhalten. Das Wettbewerbsrecht ist aber nur die eine Seite. In einem Land, das so dezentral ist und kulturell vielfältig, wie die Schweiz ist, wird derjenige, der stark ist, besonders genau beobachtet. Und das ist für uns mindestens genauso wichtig.</p>
<p><strong>Vor zehn Jahren haben Sie Tamedia als «bedeutendes KMU» beschrieben. Heute stehen sie einem Konzern vor. Was ist vom KMU geblieben?</strong><br />
Es geht um den Spirit. Wenn das Unternehmen so gross ist, dass es sich in einem Teilbereich von seinen Märkten, von seinen Mitarbeitenden entfernt, an Schnelligkeit verliert – das assoziiere ich mit dem Begriff Konzern. Das wollen wir vermeiden. Eine Riesenstärke von Tamedia ist die Familie, die das Unternehmen mehrheitlich besitzt. Ein Eigentümer, der tagtäglich selber im Unternehmen ist, unser Verwaltungsratspräsident Pietro Supino. Dadurch können wir schnell entscheiden.</p>
<p><strong>Ihr Vorgänger, Michel Favre, bezeichnete seine Amtsdauer als «eine Zeit, in der sich Tamedia grundlegend verändert hat». Von Ihren zehn Jahren kann man das erst recht sagen.</strong><br />
Ganz wichtige Dinge haben sich auch in meinen zehn Jahren nicht verändert. Denn wir bauen ja auch auf die Stärken unserer DNA.</p>
<p><strong>Was macht Tamedia im Kern aus?</strong><br />
Das ist zum Beispiel die Verankerung im politischen Journalismus mit traditionsreichen Medien, «24 Heures» hat in diesem Jahr den 250. Geburtstag gefeiert. Aus diesen Hauptmedien haben sich viele andere Aktivitäten entwickelt. Die Überzeugung, dass wir in diesem politischen System eine wichtige Rolle und Funktion wahrnehmen, zählt auch zu unserer DNA. Wie auch die Überzeugung, dass wir als privates Unternehmen diese Dienstleistung aus eigener Kraft und nicht mit Hilfe des Staates erbringen. Daran hat sich überhaupt nichts geändert in all den Jahren. Eine Veränderung, die ohne Rücksicht auf die Tradition erfolgt, ist immer gefährlich und sollten wir möglichst meiden.</p>
<p><strong>Sie sagten schon vor längerer Zeit, die Zeitungsbranche in der Schweiz sei keine Wachstumsbranche – um kurz darauf mit Espace Media und Edipresse zwei grosse Zeitungshäuser zu kaufen.</strong><br />
Auf den ersten Blick mag das als Widerspruch erscheinen. Auf den zweiten hoffentlich nicht. Schon Anfang der 1990er Jahre war klar, dass der Zeitungsmarkt nicht mehr wachsen wird. In einem solchen Markt gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder den Markt verlassen oder die eigene Marktposition stärken, um dem Druck zu begegnen, der in einem rückläufigen oder stagnierenden Umfeld automatisch entsteht. Das Zweite war unsere Antwort.</p>
<p><strong>Ist die Investition ins Zeitungsgeschäft nicht einfach die Akkumulation eines Klumpenrisikos?</strong><br />
Eine Strategie, mit der man Schwerpunkte setzt, führt automatisch zur Frage: Neigen wir vielleicht zu stark in eine Richtung? Aber ich glaube, Tamedia ist auf die strukturellen Veränderungen in diesem Markt gut vorbereitet. Die Hauptherausforderung in den nächsten Jahren wird das digitale Geschäft sein. Wird es uns gelingen, neben der Pflege des Printmediengeschäfts hier einen Bereich zu entwickeln, der substanziell zur Zukunft und Gesundheit von Tamedia beiträgt?</p>
<p><strong>Beim digitalen Geschäft hofft nun die Zeitungsbranche auf den Erfolg von Bezahlmodellen mittels Paywall. Weshalb erst jetzt?</strong><br />
Wir haben zwischen 2005 und 2011 erheblich in unsere kostenlosen Online-Angebote von Newsnet und 20min.ch investiert und jedes Jahr unsere durchaus ambitionierten Businesspläne übertroffen. Wir hatten sogar zweistellige Umsatzrenditen im Online-Bereich. Dann kam der durchschlagende Erfolg der Smartphones. Die Zahl der Desktop-Nutzer stagniert oder ist sogar leicht rückläufig und die mobilen Nutzer fangen an, die Desktop-Nutzer zu überholen. Mittelfristig heisst das, dass wir für die bezahlten Zeitungen digital eine zweite Erlösquelle finden müssen. Und die Paywall ist jetzt unser Weg dorthin.</p>
<p><strong>Aber «20 Minuten Online» bleibt gratis?</strong><br />
Ja, bei einem reichweitenstarken Medium wie «20 Minuten» besteht eine gute Chance, auch langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Bei den anderen Newsportalen steht der Erfolg beim Publikum im Kontrast zur kommerziellen Entwicklung.</p>
<p><strong>Woher soll das Geld kommen?</strong><br />
Das ist die entscheidende Frage. Wir haben noch kein funktionierendes Modell gefunden. Aber wir sind zuversichtlich. Beim Desktop haben wir auch lange von vielen in der Branche gehört, dass die Umsätze nicht kommen. Nun haben wir sie und erst noch in einem äusserst erfreulichen Rahmen. Mit Online-Anzeigen erreichen wir heute vergleichbare Umsätze wie mit Zeitungsinseraten. Bei der mobilen Nutzung sind wir aber noch um den Faktor zehn schlechter. Wir müssen nun eine gewisse Geduld aufbringen und den Werbekunden dieses Medium erklären.</p>
<p><strong>Sie erlebten in Ihrer Zeit an der Spitze von Tamedia fette Jahre und auch magere. 2003 war ganz schwach. Stimmt das Gerücht, dass sie nach dem schwachen Ergebnis auf den Lohn verzichtet hatten?</strong><br />
(lacht) Nicht auf den Lohn, so weit bin ich nicht gegangen. Der Verwaltungsrat und ich haben uns damals bewusst gesagt, wir müssen einen Beitrag leisten und haben unser Grundgehalt um zehn Prozent reduziert. Wir hätten diese Reduktion auch verlängert, wenn wir nicht schon 2004 wieder ein anständiges Ergebnis erzielt hätten.</p>
<p><strong>Sind Sie eine sparsame Person?</strong><br />
Das bin ich auf jeden Fall. Nicht dass ich mir das asketisch auferlegen müsste. Ich habe einfach mehr Freude daran, ein Buch zu lesen oder mit Freunden zusammen zu sein, Sport zu treiben, als einkaufen zu gehen. Wenn ich auf Geschäftsreisen bin, versuche ich sparsamer zu sein, als wenn ich privat unterwegs bin. Das sind wir als Angestellte auch denjenigen schuldig, für die wir arbeiten und mit deren Geld wir umgehen. In einer Branche, die so unter Druck steht wie die unsere, steht eine gewisse Sparsamkeit allen gut an. Das bewundere ich an der Schweiz, dass viele Führungskräfte in allen Bereichen der Gesellschaften, ja sogar Bundesräte äusserst bescheiden auftreten. Das ist nicht nur wirtschaftlich eine vernünftige, sondern auch eine sympathische Haltung.</p>
<p><strong>Sie sind ja nicht nur als Privatperson für Sparsamkeit bekannt, sondern auch als Tamedia-Chef. Gerade im redaktionellen Bereich haben sie einige Male im grossen Stil Stellen abgebaut.</strong><br />
Das ist eindeutig so, wir haben viele schmerzliche Schritte machen müssen, und zwar nicht nur in den Redaktionen, sondern viel stärker in Verlagen und Druckereien. Wir haben uns auch von Aktivitäten getrennt und dafür gute Lösungen gefunden. Zum Beispiel mit den neuen Eigentümern für unsere Radio- und Fernsehsender, die wir verkauft haben.</p>
<p><strong>Vielen Medienschaffenden in schlechter Erinnerung ist die Entlassung von 52 Journalisten beim Tages-Anzeiger im Mai 2009.</strong><br />
Für eine stolze Redaktion war das natürlich ein erheblicher Einschnitt. Und den durchzusetzen in einer solchen Institution ist immer sehr schwierig. Wir, auch ich hätten das zudem kommunikativ besser unterstützen können.</p>
<p><strong>Was viele Journalisten nicht verstehen, sind die hohen Renditeerwartungen in einem Geschäft, das eigentlich in erster Linie der Öffentlichkeit verpflichtet sein sollte.</strong><br />
Um unabhängig zu bleiben und nicht in die Fänge des Staats oder von Unternehmen mit anderen als publizistischen Interessen zu geraten, braucht es zuerst die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die verlangt dann halt, dass man am Ende solche Entscheidungen trifft. Das ist manchmal notwendig, muss aber auf eine anständige Art erfolgen, beispielsweise mit einem Sozialplan. Aber was ich auch sagen muss: Tamedia hat heute immer noch die personell am besten dotierten Redaktionen der Schweizer Medien. Ich könnte das in jeder Kategorie belegen.</p>
<p><strong>Stossend ist doch vor allem, dass ein kerngesundes Unternehmen, das zweistellige Umsatzrenditen ausweist, massenweise Journalisten entlässt.</strong><br />
Das ist kein Widerspruch. Denn auch jemand der gesund ist, geht zur Vorsorge und handelt auch, bevor es zu spät ist.</p>
<p><strong>Es gibt aber kein Naturgesetz, das besagt eine zweistellige Profitmarge zu erzielen.</strong><br />
Wenn Sie Zweidrittel ihres Umsatzes auf dem Werbemarkt erwirtschaften und wenn es ein konjunktursensibles Geschäft ist, dann sind sie in einer Krise ganz schnell bei null. Man braucht ein gewisses Sicherheitspolster.</p>
<p><strong>Spielt die weitverzweigte Eigentümerfamilie eine Rolle als Profittreiber?</strong><br />
In keiner Weise. Auch andere Medienunternehmen, mit denen wir uns vergleichen, etwas Schibsted oder Axel Springer, erbringen diese Leistung. Das ist absolut notwendig.</p>
<p><strong>Im Mai 2011 kündigten sie an, in den nächsten zwei Jahren 200 neue Stellen schaffen zu wollen in den digitalen Medien, ein Grossteil davon in den Redaktionen. Dieses Ziel haben sie kürzlich nach unten korrigiert. Weshalb?</strong><br />
Wir haben die Investitionen wie geplant vorgenommen, aber weitere Ausbauschritte unterlassen, weil die Umsätze der News-Sites zu stagnieren begannen, obwohl unsere Nutzerzahlen weiter explosionsartig angestiegen sind. Bei den Display-Anzeigen ist es sogar so, dass die Umsätze genau so rückläufig sind wie bei der Print-Werbung. Wir sind hier mitten in einer Digitalrevolution. Wir erleben eine wiederholte Veränderung des Marktes. Eine hohe Agilität und die Bereitschaft zu sagen, jetzt ändern wir etwas, ist dabei wichtig.</p>
<p><strong>Das heisst aber auch: Wenn die Mobile-Werbung nicht anzieht, wird es wiederum zu schmerzhaften Einschnitten kommen.</strong><br />
Wichtig ist nun, dass wir uns bewusst werden, welche Veränderungen vor sich gehen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass unsere starken Medienmarken, die für Nachrichtenkompetenz und Hintergrund stehen, ein Leben im Digitalen haben. Wir spüren ja, dass die Nutzer das wollen! Es gibt keine Alternative dazu. Wir müssen einfach den Mut haben, zu experimentieren.</p>
<p><strong>Bei Tamedia scheint mir die Experimentierfreude aber nicht besonders ausgeprägt zu sein.</strong><br />
Wir überlegen uns die Dinge sehr, sehr genau, aber wir haben in den letzten Jahren sehr mutig investiert in Dinge, an die kein Mensch geglaubt hatte. Ob dies nun die Pendlerzeitung ist oder eine Investition in Doodle. Unser Mut war erheblich, aber auch die Bereitschaft zu sagen, das ist jetzt anders gelaufen und nicht so gut, wie wir uns das gedacht haben, das machen wir falsch. Dann korrigieren wir es.</p>
<p><strong>Übernehmen ist immer noch einfacher als selber erfinden. Wann ist die Basler Zeitung an der Reihe, wo ja mit Rolf Bollmann ein CEO an der Spitze steht, der immer noch für seinen alten Arbeitgeber Tamedia tätig ist?</strong><br />
Wir haben nie ein Interesse daran gehabt, die Basler Mediengruppe zu übernehmen und sie hat uns auch kein Kaufangebot unterbreitet. Seit drei, vier Jahren arbeiten wir ganz bewusst mit anderen Medienunternehmen zusammen, mit dem Ziel, dass sie selbständig bleiben. Ein Beispiel ist Basel, ein anderes das Bieler Tagblatt. Für das Bieler Tagblatt drucken wir die Zeitung und arbeiten auch redaktionell und bei den Stelleninseraten zusammen. Wir haben die Freiburger Nachrichten gestärkt, indem wir ihnen den Murtenbieter und den Anzeiger von Kerzers gegeben haben. Wir sind am Zürcher Oberländer beteiligt mit 37 Prozent. Wir hätten ein Leichtes tun und versuchen können, alle Aktien zu kaufen. Wir haben das ganz bewusst nicht getan.</p>
<p><strong>Mit welcher Strategie geht Tamedia in die Zukunft?</strong><br />
Die Medienlandschaft kann nur vielfältig bleiben, wenn man in Teilbereichen, die für das einzelne Unternehmen nicht von existenzieller Bedeutung sind, klug zusammenarbeitet. Viele mittelgrosse Schweizer Medienunternehmen machen den fatalen Fehler, immer noch Industriekapazitäten im Druck aufrechtzuerhalten. Diese Unternehmen sollten in ihre redaktionelle Kompetenz investieren, in die Werbevermarktung und das Lesermarketing. Alles andere sollten sie demjenigen Partner übertragen, der ihnen die beste Dienstleistung anbietet. Wenn die Basler Mediengruppe das beherzigt, hat sie eine langfristige Perspektive.</p>
<p><strong>Daraus höre ich: Der Druckauftrag der BaZ ist so gut wie bei Tamedia und die Druckerei in Basel kann abgewickelt oder veräussert werden.</strong><br />
Da müssen wir zuerst einmal sehen, was die Eigentümer mit der Druckerei machen wollen. Wir hoffen natürlich, dass wir der leistungsfähige Partner sind. Das war immer unsere Stärke in der Zusammenarbeit mit den Baslern, deshalb hat sich diese Zusammenarbeit unter verschiedensten Eigentümern über Jahre gehalten. Das hat uns wahrscheinlich unterschieden von allen anderen, die immer nur das Ziel hatten, alles besitzen zu wollen.</p>
<p><strong>Ein wichtiges Geschäftsfeld, bei dem Tamedia gleichsam zum Erfolg verdammt ist, ist der Stellenmarkt mit jobs.ch. Tamedia hat dafür zusammen mit Ringier 400 Millionen Franken ausgegeben. Ärgert es Sie, dass jobs.ch vor ein paar Jahren für einen Bruchteil des heutigen Kaufpreises erhältlich gewesen wäre?</strong><br />
Wir wurden damals gefragt und hätten die Möglichkeit gehabt, zu kaufen. Aber wir hatten keinerlei positive Erfahrung mit Online-Märkten. Ausserdem waren wir mit der Akquisition von Espace Media beschäftigt. Und schliesslich sollte man nicht mit Dingen hadern, die hinter einem liegen, sondern daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen. Wir haben einmal unterschätzt, welches Potenzial jobs.ch hat. Beim zweiten Mal ergreifen wir deshalb die Möglichkeit.</p>
<p><strong>Sie bleiben der Tamedia als Verwaltungsrat erhalten. Droht ihnen da nicht langweilig zu werden nach einer so langen Zeit mit operativer Verantwortung?</strong><br />
Die Befürchtung gibt&#8217;s schon auch. Vor allem bei meiner Frau, die sich fragt: Was macht der nun mit all seiner Zeit und Energie. Ich versuche sie zu beruhigen. Wir werden dann sehen, ob mir das wirklich fehlt. Ich überlege auch, mich an ein, zwei Unternehmen selbst zu beteiligen, um auch die Freude am selber machen zu erleben.</p>
<p><strong>Was war eigentlich der Grund dafür, dass sie sich vor eineinhalb Jahren entschieden hatten, als CEO aufzuhören?</strong><br />
Ich kann ehrlich gesagt nicht begründen weshalb. Irgendwie habe ich mir das immer so vorgestellt, dass ich mit 50 aufhöre zu arbeiten, jetzt bin ich 51. Ausserdem kann man nicht als Führungsperson von seinen Mitarbeitern Flexibilität fordern und dann selbst ewig an seinem Stuhl kleben.</p>
<p><strong>Für Ihren Nachfolger, Christoph Tonini, wird es nicht ganz einfach, wenn sein Vorgänger im Verwaltungsrat sitzt und gewissermassen einer seiner Vorgesetzten ist. Haben Sie das Verhältnis zu ihm geklärt?</strong><br />
Ich habe sowohl den Verwaltungsrat als auch den Verleger wie auch meinen Nachfolger mehrmals gefragt, ob sie es wirklich für einen Gewinn halten, wenn ich in den Verwaltungsrat wechsle. Bisher gab es immer ein eindeutiges Votum, dass sie mich weiterhin an Bord haben wollen. Wenn es aber nicht funktioniert, werde ich das sofort korrigieren.</p>
<p><strong>Als Aussenstehender könnte man den Eindruck gewinnen, dass Sie in den zehn Jahren an der Spitze von Tamedia praktisch alles erreicht haben, was sie erreichen wollten. Welches war ihre grösste Niederlage?</strong><br />
Die Frage erinnert mich an diese schrecklichen Fernsehsendungen, wer ist der grösste Schweizer, wer ist der Sportler des Jahres. Ich habe mir angewöhnt, auf diese Frage nicht mehr zu antworten. Denn es wäre unnatürlich zu glauben, dass es für Niederlagen so etwas wie ein Ranking gibt.</p>
<p><strong>Es gibt aber bestimmt Momente, an die sie sich weniger gerne zurückerinnern.</strong><br />
Am schwersten waren für mich die Momente, in denen wir erhebliche Restrukturierungen durchführen mussten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir den Zeitschriftenbereich halbierten und sehe noch die Gesichter der Mitarbeiter vor mir. Auch Tele Züri gehört dazu. Ich war viel mit Markus Gilli und Andreas Meili unterwegs, um für den Sender zu kämpfen. Wenn dann Regierungsräte und Stadträte Tele Top den Vorzug gaben, ohne dass sie den Sender je geschaut hatten, wie mir dies ein Politiker sagte, dann empfinde ich das für diejenigen als eine Ohrfeige, die sich über Jahre in einem schwierigen Geschäft gegen eine übermächtige Konkurrenz aus dem In- und Ausland erfolgreich gewehrt haben.</p>
<p><strong>Aber im Nachhinein hat es sich als Glücksfall herausgestellt, dass Tele Züri ohne Konzession senden kann.</strong><br />
Das stimmt. Aber das zeigt, wie wir das Beste aus einer Situation machen und immer nach vorn schauen. Es ärgert mich aber als jemand, der in diesem Land wohnt, dass ein demokratischer Prozess zu einem so absurden Ergebnis führen konnte.</p>
<p><strong>Das Geschäftsgebaren von Tamedia wäre durchaus geeignet, sich rundum Feinde zu schaffen. Es scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein. Sie kommen mit praktisch allen der Branche gut aus, sind zum Teil sogar befreundet mit Konkurrenten und potenziellen Übernahmeopfern. Wie machen Sie das?</strong><br />
Das ist wie im Sport. Die Kunst ist es, im Wettbewerb mit Engagement, Entschlossenheit und Kreativität aufzutreten, aber dabei immer die Spielregeln einzuhalten. Nicht wenn der Schiedsrichter wegschaut, in die Beine treten. Wir teilen ja alle die gleiche Freude an diesem Spiel. Beim Sport macht es ja auch mehr Spass, wenn der Gegner auf eine tolle Leistung stolz ist. Es ist nicht lustig gegen jemanden anzutreten, der nichts zustande bringt. Diese Überzeugung ist wesentlich. Man sollte sich selbst ausserdem nicht so fürchterlich ernst nehmen. Viele Medienleute nehmen sich und das, was wir tun, viel zu ernst. Einen gewissen Spass dran zu haben und über sich selbst lachen zu können, ist entscheidend, tut gut – und das spürt dann auch der andere.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/14/es-gibt-keine-alternative/">«Es gibt keine Alternative»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die missverstandene Stadt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/10/09/die-missverstandene-stadt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joel Weibel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Oct 2012 08:08:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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		<category><![CDATA[Alain Pichard]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommt Biel in den nationalen Medien vor, zeichnen die Journalisten selten ein ausgewogenes Bild. Biel ist entweder hui oder pfui – aber meistens pfui. Das soll sich nun ändern: Biel findet Gefallen an der Idee von Pressereisen in die missverstandene Stadt. – Ein Gastbeitrag aus dem Bieler Tagblatt. «Wie schwul ist Biel?», titelte der «Sonntagsblick» <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/09/die-missverstandene-stadt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/09/die-missverstandene-stadt/">Die missverstandene Stadt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kommt Biel in den nationalen Medien vor, zeichnen die Journalisten selten ein ausgewogenes Bild. Biel ist entweder hui oder pfui – aber meistens pfui. Das soll sich nun ändern: Biel findet Gefallen an der Idee von Pressereisen in die missverstandene Stadt. – Ein Gastbeitrag aus dem Bieler Tagblatt.<br />
<span id="more-30544"></span><br />
«Wie schwul ist Biel?», titelte der «Sonntagsblick» am 30. September. Man möchte zurückfragen: Wie schwul ist der «Sonntagsblick»? Und zwar mit der jugendsprachlich konnotierten Interpretation von schwul als Adjektiv für doof, dämlich, dümmlich. Das allerdings wäre zu dumm – schliesslich ist schwul kein Schimpfwort.</p>
<p>Aber wie dumm ist es, einen Artikel so zu betiteln, wenn es letztlich darum geht, zwei volle Seiten über Biel zu schreiben und dies durchaus sachlich? Abgesehen davon zeigt dieses jüngste Beispiel, dass die Wahrnehmung Biels in der Aussenperspektive speziell ist. Als Grundsatz lässt sich festhalten: Die Stadt Biel lässt niemanden kalt und dies seit Jahrzehnten. Das zeigt ein Querschnitt von Artikeln in den grossen Publikationen aus Zürich der letzten 18 Jahre. Beim Durchblick dieser Artikel stellt sich sehr schnell das Gefühl ein, dass Biel nicht als die Stadt wahrgenommen wird, die sie ist.</p>
<p>Nick Lüthi von der «Medienwoche», der in Bern lebt und Biel gut kennt, sagt es so: «Biel war in den Medien schon immer eine Attribut-Stadt: zum Beispiel Auto-Partei-Stadt, Sozialhilfe-Metropole, Expo-Stadt, Boom-Stadt, Auto-Stadt, Uhren-Stadt und nun eben Homosexuellen-Stadt. Quasi alle fünf Jahre erhält Biel ein neues Attribut.» Man könnte auch sagen: Die immer gleichen Attribute bleiben, und ab und zu kommt ein neues dazu. Zum Beispiel: <a href="http://www.svp-wohlen-anglikon.ch/wb/media/Media/WeWwo_2012_10_01_Biel_d2.pdf">«Biel der Analphabeten»</a> («Weltwoche», 27. 9. 2012, geschrieben von Alain Pichard, Stadtrat der GLP in Biel) oder die «Goldgräberstadt» («Der Bund», 29.12.2012, Benedikt Loderer, Stadtwanderer, Wahl-Bieler und BT-Kolumnist) oder das «ungezähmte» Biel («Wochenzeitung», 24.03.05) oder alternativ auch das «Liebesnest der Islamisten» («Weltwoche», 29.04.2010).</p>
<p>Alle diese Artikel zeugen auch davon, dass Biel-Texte meist grundsätzlich mit einem Gefühl der Sehnsucht oder der Abscheu gezeichnet werden. Peter Rothenbühler kombinierte beides in der «Schweizer Illustrierten» im August 1996: «Bei der Durchfahrt nach Biel war ich schockiert. […] Warum lässt man diese Stadt einfach verlottern? Was ist los mit Biel?», schrieb Rothenbühler, der Heimweh-Bieler, damalige Wahlzürcher und heutige Wahl-Lausanner. Nur einen Monat später schrieb der «Tages Anzeiger»: «In Biel werden in den nächsten Jahren Millionen investiert. Alles mit dem Ziel, die Stadt attraktiver zu gestalten.» Und mit dem Kennerblick aus Zürich fügte der Autor an. «Die Frage ist bloss, ob sie das braucht.» Wenn Zürich unter der höchsten Arbeitslosigkeit im Land und einem permanenten Einwohnerschwund leiden würde, wie Biel damals, würde der Autor dies kaum fragen.</p>
<p>Heute, 18 Jahre später, wurden die Millionen investiert, die zentrale Achse von Guisanplatz bis und mit Nidaugasse saniert, das Manor-Gebäude steht in der Innenstadt. Rolex, Sputnik, DT-Swiss und andere Firmen haben im Bözingenfeld gebaut, bald wird die Swatch-Group ein neues architektonisches Wahrzeichen aufstellen. Die Stadien werden wohl gebaut (im Gegensatz zu Zürich), unzählige Wohnungen sind entstanden, im Zentrum entsteht ein neuer Platz.</p>
<p>Und doch fragte der «Tages-Anzeiger» im August 2011: <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Kleine-Stadt-mit-heftigen-Eruptionen/story/26499965?track" target="_blank">«Was ist los in dieser Stadt?»</a> Der erste Satz des Textes von Dario Venutti beginnt mit den zwei Worten: Jürg Scherrer. Jürg Scherrer, der Wieder-Präsident der Autopartei, ehemalige Bieler Gemeinderat und ehemalige Nationalrat, hatte sich damals schon längst aus der Politik und dem öffentlichen Leben verabschiedet. Weil man in Zürich offenbar nur ihn kennt, hat Venutti Scherrer aus der Mottenkiste geholt und sein Porträt über Biel mit einem Spruch des italienischen Philosophen und Kommunisten Antonio Gramsci beschlossen: «Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Es ist die Zeit der Monster.»</p>
<p>Monster-Biel? Monströs ist höchstens, dass Scherrer nicht kleinzukriegen ist. Der Mann, der die Gaskammern im Zweiten Weltkrieg gegenüber dem Radio RTS im Jahr 2002 als ein «Detail der Geschichte» bezeichnet hat, gilt trotzdem immer wieder als kompetenter Auskunftspartner. Auch im «Sonntagsblick»-Artikel hatte er einen prominenten Auftritt: «Sie werden sehen, am Nachmittag wird es dunkel in Biel», diktierte Scherrer dem Sobli-Schreiber. Dieser schrieb zwei Absätze später: «Tatsächlich am Nachmittag wird es dunkel. Immer mehr dunkle Gesichter auf der Strasse.» Die «Wochenzeitung» vertritt eine andere Haltung. Der «Bund»-Journalist Christoph Lenz schrieb im April unter dem Titel «Bonne nuit, Bienne»: «Biel war einst die Hochburg von Hip-Hop, Punk, alternativer Subkultur. Doch jetzt regiert die Bauspekulation, Wohnbaugenossenschaften geraten unter Druck, alternativ genutzte Fabriken werden abgerissen und Plätze privatisiert. All das unter sozialdemokratischer Regie.»</p>
<p>Dass die Steuereinnahmen pro Kopf in Biel weit unter dem Durchschnitt der anderen Städte liegen und Biel dank der steigenden Anzahl Kinder rund 250 Millionen Franken in den nächsten zehn Jahren in die Schulen investieren muss und auch in der «Seeland-Metropole» (noch so ein Attribut) das Geld nicht auf der Strasse liegt, blendet der Autor aus. Er sehnt sich nach diesem anarchistischen Biel, während sich viele Bewohner Biels nicht mehr damit zufriedengeben wollen, dass alte Sandsteinhäuser mit Gerüsten gesichert werden müssen, um die Passanten vor Steinschlag zu schützen. Ausser in Biel gibt es das nur in den ausgestorbenen Vorstädten in Ostdeutschen Bundesländern.</p>
<p>Stadtpräsident Erich Fehr sagt dazu: «Die Synthese aus den Artikeln im ‹Tages-Anzeiger› und in der ‹Wochenzeitung› käme der Wahrheit schon näher.» Auch dem Stadtoberhaupt ist aufgefallen, dass Biels Wahrnehmung in den Deutschschweizer Medien nicht optimal ist. Er hat deswegen den Kontakt zu den Medienhäusern an der Limmat gesucht und hat sich und seine Stadt in Gesprächen auf höchster Ebene vorgestellt. «Damit die Journalisten beim nächsten Mal auch unsere Meinung einholen.»</p>
<p>Peter Rothenbühler, heute stellvertretender publizistischer Leiter bei Edipresse, analysiert das Problem etwas anders: «Der Artikel im Tages-Anzeiger war eine Frechheit, zu einseitig. Ich kann in jede Stadt gehen und nur mit den Extremisten sprechen. Das ist einfach. Der Autor hatte nie das Bestreben, diese Stadt zu verstehen und zu entdecken.» Aus Rothenbühlers Sicht sollte die Bieler Presse streng sein mit Biel. «Aber von Aussen kommen und nur das Negative berichten, das geht nicht.» Allerdings fügt er an: Wenn ein solcher Artikel komme, müsse sich eine Stadt fragen, was sie falsch gemacht hat. Er plädiert dafür, dass Biel für Journalisten Pressereisen anbietet und die Leute ansonsten mit ihren Attraktionen nach Biel lockt. Zudem solle der Stadtpräsident ein neues Projekt aufziehen. Den «Sonntagsblick»-Artikel hat Rothenbühler nicht gelesen, aber: «Dass die Homosexualität in Biel kein Thema war, ist sensationell. Das zeigt wie hochentwickelt die kulturelle und gesellschaftliche Toleranz in Biel ist.» Insgesamt komme Biel in der Berichterstattung in den nationalen Medien zu wenig gut weg. «Es gibt eine Tendenz, Biel als Stadt zu vieler Sozialfälle und zu vieler Muslime zu stigmatisieren. Das ist gefährlich, da muss man Gegensteuer geben.»</p>
<p>Das versucht Fehr derzeit. Auch die Pressereisen-Idee wird derzeit diskutiert. Allerdings will Fehr nicht einfach mit der Ankündigung eines neuen Grossprojektes positive Meldungen generieren: «Für die Grösse der Stadt sind wir, was Anzahl und Grösse der Projekte betrifft, derzeit stolz unterwegs. Jetzt setzen wir unsere Kraft in den Campus der Fachhochschule und die Detailarbeit bei Littering, Wohnqualität und so weiter. Das ist vielleicht ein Unterschied in unserer Kommunikation zu früher: Wir sprechen die Probleme an und arbeiten an ihnen. Gleichzeitig sprechen wir über die Vorzüge Biels. Wir haben das Ganze auf eine realistischere Ebene geholt.» Jetzt müssten nur noch die Journalisten aus Zürich den Realismus für sich entdecken.</p>
<p><small>Dieser Artikel erscheint heute im Bieler Tagblatt. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion durfte die Medienwoche den Text übernehmen.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/09/die-missverstandene-stadt/">Die missverstandene Stadt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Grösser! Schneller! Newsnetz!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/07/15/grosser-schneller-newsnetz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 14:00:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia baut sein Newsnetz aus. Ab dem kommenden Jahr werden die Online-Ausgaben der drei Tageszeitungen von Edipresse in die Nachrichtenplattform integriert. Damit soll «das reichweitenstärkste Nachrichtennetzwerk der Schweiz» entstehen, schreibt Tamedia. Den «schnellsten Qualitätsjournalismus im Netz» hat man sich schon bisher auf die Fahne geschrieben. Wobei die Betonunng stärker auf «schnell» und weniger auf «Qualität» <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/15/grosser-schneller-newsnetz/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/07/logo_newsnetz.jpg" class="alignleft" width="120" height="115" /> Tamedia baut sein Newsnetz aus. Ab dem kommenden Jahr werden die Online-Ausgaben der drei Tageszeitungen von Edipresse in die Nachrichtenplattform integriert. Damit soll «das reichweitenstärkste Nachrichtennetzwerk der Schweiz» entstehen, schreibt Tamedia. Den  «schnellsten Qualitätsjournalismus im Netz» hat man sich schon bisher auf die Fahne geschrieben. Wobei die Betonunng stärker auf «schnell» und weniger auf «Qualität» liegt. Dem Geschäft ist das nicht abträglich. Im Gegenteil.<br />
<span id="more-28893"></span><br />
Sieben Schweizer Tageszeitungen werden ab Anfang 2012 ihre Online-Aktivitäten unter dem Dach des Newsnetz von Tamedia gemeinsam bestreiten. <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Newsnetz%20wird%20national%20Nachrichtennetzwerk%20ab%202012%20mit%2024heures%20tdg%20und%20lematin%20auch%20in%20der%20Romandie.aspx" target="_blank">Das Newsnetz wird national</a>, teilte Tamedia gestern mit. Neben den vier Gründungstiteln Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung und Basler Zeitung stossen neu die französischsprachigen Zeitungen Tribune de Genève, 24 Heures und Le Matin dazu. Im Laufe des nächsten halben Jahres werden die drei Edipresse-Titel die Plattform des Newsnetz übernehmen.</p>
<p>Auf der Basis der Juni-Zahlen von <a href="http://netreport.net-metrix.ch/suche_alpha.html" target="_blank">Net Metrix</a> wird dieser Verbund mit 3.2 Millionen Unique Clients pro Monat zur rechweitenstärksten Nachrichtenplattform. Eine Zahl, die vor allem Werbekunden interessieren dürfte. Mit dem vergrösserten Newsnetz schafft Tamedia bereits die zweite Online-Plattform mit einer nationalen Abdeckung. 20 Minuten ist seit fünf Jahren in Deutsch- und Westschweiz präsent und wird mit der kürzlich angekündigten Expansion ins Tessin als erste Medienmarke drei Sprachregionen der Schweiz abdecken. Kein anderes Schweizer Medienunternehmen kann online Werbefläche in vergleichbarem Ausmass anbieten. Kein Zweifel: Kommerziell hat Tamedia die Nase vorn.</p>
<p>Mit der Expansion des Newsnetz gibt es auch Veränderungen bei den redaktionellen Abläufen. Wie Tamedia gestern mitteilte, arbeiten die Bundeshaus-Korrespondenten der sieben Newsnetz-Titel künftig an einem gemeinsamen Newsdesk und die Mantelredaktion in Zürich wird die neu dazugestossenen Westschweizer Zeitungen mit Nachrichten beliefern. Ausserdem werden die Online-Redaktionen personell verstärkt. Ein vergleichbarer Ausbau (Tamedia will in den nächsten Jahren 200 neue Stellen für seine Online-Medien schaffen) der Zeitungsredaktionen steht nicht an. Damit nehmen die Leserinnen und Leser die Traditionsmarken der Zeitungen immer stärker über ihre Ableger im Newsnetz wahr: tagesanzeiger.ch gleich Tages-Anzeiger, bernerzeitung.ch gleich Berner Zeitung und bald gilt das ebenso für die Zeitungen in der Romandie. Was auch heisst: der schnellere, lautere, knalligere und bisweilen auch flüchtigere Online-Journalismus wird zum Nennwert dessen, was das Publikum als Journalismus versteht. In der Eigenwerbung spricht Tamedia vom «schnellsten Qualitätsjournalismus im Netz», den das Newsnetz biete. Dem «schnellsten» mag man gerne zustimmen, der behaupteten Qualität dann doch eher weniger. Häufig zielen tagesanzeiger.ch &amp; Co. <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Die-kann-ja-reinbeissen/story/12333937" target="_blank">unter die Gürtellinie</a> (wenn auch <a href="http://www.tagesanzeiger.ch//community/rating/?ratingid=126" target="_blank">dezenter</a> als der <a href="http://www.blick.ch/people/royals/auch-pippa-hat-problemzonen-176821" target="_blank">traditionelle Boulevard</a>), <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/07/tagesanzeiger.ch-Screenshot.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">bedienen Voyeurismus</a>, oder <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Das-explosive-Papier-der-CVP/story/20348189" target="_blank">forcieren Reizthemen</a>, im Wissen darum, dass diese Art der Berichterstattung Publikumskommentare en masse und damit kommerziell verwertbare Zugriffe generiert.</p>
<p>Weshalb das mit der Qualität im Netz nicht so recht will (und auch gar nicht muss), analysierte unlängst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_G%C3%A4rtner" target="_blank">Stefan Gärtner</a> für einmal ganz unsatirisch <a href="http://www.titanic-magazin.de/stefan-gaertner-leitmedium.html" target="_blank">in der Titanic</a>: «Denn Netzjournalismus, sofern er aus wirtschaftlichen Gründen und mit Blick auf Breitestwirkung betrieben wird, ist nicht irgendein Abfallprodukt für die Generation Smartphone, für das ihn der soignierte Qualitätszeitungsleser immer noch halten mag: Er ist, ganz im Gegenteil, Destillat, die Essenz von Journalismus als Geschäft, dessen Prinzip Hermann L. Gremliza vor dreissig Jahren so beschrieben hat: &#8218;Der Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten zwingt die privatwirtschaftlichen Medien, alles zu unterlassen, was die Instinkte und Vorurteile der Leser, Hörer und Seher stören könnte.&#8217;» Vor dreissig Jahren war das auf Zeitungen gemünzt, heute trifft es genauso auf Online-Medien zu.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/15/grosser-schneller-newsnetz/">Grösser! Schneller! Newsnetz!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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