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	<title>Eva Novak | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 08:16:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft. Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft.<br />
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Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen? Kein Problem, findet zum Beispiel Eva Novak, die Leiterin der Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. 2013 und 2014 liess sie sich vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für zwei Medienseminare sowie einen Grundkurs Medienarbeit bezahlen (<a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">die MEDIENWOCHE berichtete</a>). Das Ziel der Kurse war es, mit Kamera- und Interview-Trainings die Kommunikations- und Auftrittskompetenz der Verwaltungsangestellten zu verbessern sowie deren Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern.</p>
<p>Kein Problem, findet auch ihr langjähriger Chef, der per Ende April zurückgetretene NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser. Er wies auf die 80-Prozent-Teilzeitarbeit seiner Kadermitarbeiterin hin: «Frau Novak arbeitet bei uns als redaktionelle Teilzeitangestellte. Sie ist damit arbeitsrechtlich grundsätzlich frei in der Gestaltung ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten, soweit diese die Interessen ihres Arbeitgebers LZ Medien nicht tangieren.» Kein Problem, findet auch EDA-Sprecher Georg Farago: «Wir wollen betonen, dass Journalistinnen und Journalisten, die solche Mandate übernehmen, keinesfalls ihre Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem EDA oder der Bundesverwaltung verlieren. Weder verlangt das EDA von Ihnen Wohlwollen in der Berichterstattung noch erwartet es diese indirekt.»</p>
<p>Aber ist es wirklich kein Problem? Novak unterstützt die Verwaltung, die sie mit den Fragen der Öffentlichkeit konfrontieren sollte, darin, sich geschickter diesen Fragen zu widersetzen. Kann journalistisch glaubwürdig bleiben, wer der Gegenseite beibringt, wie man die Anfragen der eigenen Zunft am Besten ins Leere laufen lässt? Können die Leser von der NLZ und der ZaS kritischen Journalismus über die Behörden erwarten, wenn die Bundeshauschefin einen Teil ihres Einkommens von ihnen finanzieren lässt? Sehen die Journalisten in der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ), der Novak als Präsidentin vorsteht, in ihr weiterhin eine Vertreterin der eigenen Interessen gegenüber der Bundesverwaltung? Und wenn diese Tätigkeiten so problemlos und unverfänglich sind, wie sie dargestellt werden, warum gibt es nur sehr wenige Journalisten, die mit dem Thema offen umgehen? Einer der wenigen ist Jacques Briod, der auf seiner Website <a href="http://jbcomm.ch/" target="_blank">jbcomm.ch</a> Journalismus, Kommunikation, Beratung und Medientraining anbietet – als gäbe es keinen grundlegenden Unterschied zwischen journalistischen und werblichen Tätigkeiten. 2012 schulte er zusammen mit der ehemaligen Radio- und Fernsehjournalistin Elisabeth Weyermann das Bundesamt für Polizei fedpol – das EJPD verbuchte den Betrag von 22&#8217;872 Franken.</p>
<p>Neben Novak war auch der Verantwortliche der Bundeshausredaktion der Tageszeitung «Le Temps», Bernard Wuthrich, für die Behörden tätig. 2013 erklärte er für 1000 Franken Honorar Mitarbeitern des BFS, was ein Journalist von einer Medienmitteilung erwartet. Ausserdem führte er für das EDA an fünf halben Tagen einen jeweils mit 700 Franken vergüteten Grundkurs Medienarbeit durch. Er wäre, so schreibt er auf Anfrage, für seinen Aufwand gerne nur mit einer Schachtel Pralinen oder einer Flasche Wein kompensiert worden, aber das sei leider nicht Usus bei der Bundesverwaltung: «Mein Ziel war, die Kursteilnehmer zu ermutigen, Fragen von Journalisten zu beantworten und nicht zu verweigern. Diese Engagements wurden im Einvernehmen mit meiner Chefredaktion durchgeführt und haben immer ein einziges Ziel verfolgt: die Interessen der Journalisten zu verteidigen.»</p>
<p>Jürg Rüttimann vom Tages-Anzeiger war 2013 Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der SDA. Für 4500 Franken brutto unterrichtete er drei Kurstage über Medienarbeit und schulte Fachmitarbeiter des Bundesamts für Kultur (BAK) im Verfassen von Medienmitteilungen. Einen Interessenskonflikt mit seiner Arbeit als Journalist sieht Rüttimann deshalb keinen, weil die Behördenmitarbeiter in einem anderen Bereich tätig waren als er (Kultur statt Wirtschaft) – wäre das anders gewesen, hätte er das Angebot abgelehnt. Vermittelt wurde er über einen Bekannten eines Bekannten, weil noch deutschsprachige Kursleiter gesucht wurden. Im Budget des BAK tauchen die Kurstage mit 9000 Franken auf, verrechnet an die Weiterbildungsstelle der Universität Fribourg.</p>
<p>Das SRF hat die Problematik von Medientrainings durch Journalisten erkannt und gehandelt. Seit einem Geschäftsleitungsentscheid im Sommer 2012 dürfen SRF-Mitarbeiter keine Medientrainings mehr anbieten. Im entsprechenden Reglement heisst es: «Eine Tätigkeit als Medientrainer/in (Training von Interviews, Medienauftritten, Tipps für Medienarbeit) ist für Mitarbeitende von SRF aus Glaubwürdigkeitsgründen problematisch und mit ihrer beruflichen Funktion grundsätzlich nicht zu vereinbaren.» Der inzwischen pensionierte SRF-Journalist Thomas Kropf führte im Auftrag des MAZ ab 2012 jedes Jahr Kurse für Personen aus dem EJPD durch – das Departement listet einen Betrag von 14&#8217;000 Franken auf. Keine Medientrainings, vielmehr schulte Kropf EJPD-Juristen in einer regelmässig stattfindenden Schreibwerkstatt, die zu besser verständlichen Manuskripten für Reden von Bundesrätin Sommaruga führen sollte. Problematisch findet er das aus mehreren Gründen nicht: die Kursteilnehmer waren nicht im Kontakt mit Journalisten, er selbst hatte als Radio-Nachrichtenredaktor keinen Kontakt zu den Kursteilnehmern und vermittelt wurde nicht, wie man sich gegenüber Journalisten verhält, sondern nur die Erstellung eines verständlichen Redetextes. SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger bestätigt seine Tätigkeiten für die Behörden: «Thomas Kropf war bis 2015 Teilzeit bei SRF in der Ausbildung und in der Chefredaktion Radio tätig und durfte damit Nebenbeschäftigungen nachgehen.»</p>
<p>Viele der Staatsbediensteten-Trainer sind ehemalige Journalisten: Noch letztes Jahr bildeten Christian Müller und Andreas Stutz die Chefredaktion der Zürcher Oberland Medien (ZOB) und verantworteten die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Jetzt sitzen sie in einer Villa in Uster und bieten speziell auf Behörden und Organisationen zugeschnittene Medientrainings an. Zum Pauschalpreis von 4400 Franken können staatliche Stellen bei der <a href="http://dimedio.ch/#seminare" target="_blank">Dimedio GmbH</a> für maximal 12 Personen ein Tagesseminar inklusive Vorbesprechung, Kursunterlagen und Zertifikat buchen. Daniel Deicher (Ex-Sonntagsblick) und Simon Kopp (Ex-SRF) im luzernischen Buchrain werben damit, besonders praxisnah zu sein: «<a href="http://www.deicherkopp.ch/de" target="_blank">Deicher | Kopp Kommunikation</a> arbeitet mit Fallbeispielen aus dem Umfeld Ihrer Organisation oder mit realen Medienmitteilungen und Kampagnen.» Die <a href="http://www.metacom.ch/" target="_blank">metacom GmbH</a> in Aarau wird geführt vom ehemaligen Kriegsreporter Beat Krättli und von der Ex-Videojournalistin Anna Muser und beschäftigt auch SRF-Journalisten, wie die SRF-Mediensprecherin auf Anfrage bestätigt: «Henriette Engbersen arbeitet 60 Prozent als Journalistin für die Tagesschau und darf damit Nebenbeschäftigungen nachgehen. Dasselbe gilt für Thomas Pressmann, der 80 Prozent für das Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis tätig ist. Beide gehen einer Nebenbeschäftigung in Nachdiplom- und Diplomstudiengängen in Krisenkommunikation nach. Die SRF-Journalisten unterstützen dort die Übungsleitung während Krisensimulationen. Hierbei geht es primär darum, den Studierenden aufzuzeigen, wie die Medien arbeiten und welche Bedürfnisse sie haben.» Für Dimedio, Deicher/Kopp und Metacom verbuchte das Staatssekretariat für Migration SEM im Zeitraum von 2013 bis 2015 62&#8217;800 Franken. Der Gesamtbetrag aller Medientrainings für den Staat ist natürlich viel höher, kann aber nicht offiziell beziffert werden.</p>
<p>Aufgrund der Integration der Medientrainingskurse der Zollverwaltung in das Kursangebot des Ausbildungszentrums der Bundesverwaltung (AZB) musste das Eidgenössische Personalamt (EPA) Ende März erstmals eine Ausschreibung auf Simap.ch publizieren (Projekt-ID 138216), denn der im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen Art. 6b festgesetzte Schwellenwert von 230&#8217;000 Franken für Dienstleistungen wurde überschritten. Wie im Aufgabenbeschrieb der Ausschreibung ersichtlich ist, geht es bei den (allen Mitarbeitern der Bundesverwaltung offenstehenden) Medientrainings um das Erlernen des Umgangs mit Journalisten: «Die Kurse zum Umgang mit Medien bereiten Mitarbeitende und Kader auf die Kommunikation mit den Medien in unterschiedlichen Situationen vor.» Wichtig scheint die Pflege des Images der Bundesangestellten zu sein: «Der professionelle Auftritt der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vor den Medien beinhaltet immer auch die Komponente der Imagepflege der Bundesverwaltung.» Noch bis zum 13. Mai 2016 können sich Medientrainer bewerben, die dem Anforderungsprofil entsprechen – darunter werden natürlich auch Journalisten sein. Das EPA rechnet von 2017 bis 2024 mit 144 Kurstagen auf Deutsch und 48 Kurstagen auf Französisch. Rechnet man mit dem Behördentraining-Tagessatz der Dimedio von 4400 Franken, so wären es rund 120&#8217;000 Franken pro Jahr, die das EPA einsetzen will, um Journalisten zu verstehen und um den eigenen Glanz zu pflegen.</p>
<p>Anders als beispielsweise in Deutschland, wo sich renommierte Journalistenschulen klar von der PR abgrenzen, wird Journalismus und PR in der Schweiz bereits in der Ausbildung vermischt. Im Institut für angewandte Medienwissenschaften IAM in Winterthur studieren künftige Journalisten und PR-Leute im modular aufgebauten Studium «Bachelor Kommunikation» Seite an Seite. Bereits hier werden Beziehungen aufgebaut, die danach für den kritischen Journalismus zum Problem werden können. Denn welcher Journalist möchte schon einem netten ehemaligen Schulkamerad mit einer Story ein grosses Problem einhandeln? Im PR-Sprech auf der Website des IAM klingt das freilich anders: «In der Ausbildung trainieren Sie von Anfang an, die Perspektiven nicht zu vermischen, sondern einander entgegen zu setzen und im Verlauf des Studiums zu profilieren.» Die Journalistenschule MAZ führt regelmässig Medientrainings durch und unterrichtet dabei auch Behörden. Die Kursleiter werden aus einem Pool von Medientrainern ausgewählt, die nach Angaben des MAZ allesamt keine aktive Journalistenfunktion inne haben. Umsätze gibt das MAZ keine bekannt, aber die «Kunden Kommunikation | Rhetorik» sind im Jahresbericht nachzulesen. 2015 waren zum Beispiel dabei: die Eidgenössischen Departemente EDA, WBF, VBS, EFD, die Bundesämter BLV, BBL, BFE, BAG, BSV, BFS, BAV, BABS, ARE, Baspo, Bafu, Astra, Swisstopo, Armasuisse, die Finma, Präsenz Schweiz, die Zollverwaltung. Weiter aufgeführt sind sechs Universitäten, fünf Stadtverwaltungen, fünf IV-Stellen, vier Gemeindeverwaltungen, vier Kantonspolizeien, zwei Stadtpolizeien, zwei Fachstellen. Und selbst die Medien brauchen Medientrainings: Die SRG ist genau so unter den Kunden wie die NZZ, die AZ Medien AG oder die BauernZeitung. Insgesamt nahm das MAZ 4,8 Millionen Franken netto durch Kursgelder ein; die Abteilung Kommunikation erwirtschaftete dabei erstmals mehr Umsatz als die Abteilung Journalismus.</p>
<p><small>Der Text erschien zuerst in gekürzter Form in der Zeitschrift «Schweizer Journalist».</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Höchste Bundeshausjournalistin stärkt Behördenkommunikation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 13:08:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eva Novak, die als Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ) sowie als Leiterin von zwei Bundeshausredaktionen die Interessen von Journalisten vertreten sollte, schult in ihrer Freizeit Mitarbeiter des Aussendepartements EDA mit Kamera- und Interviewtrainings. Die Bundesangestellten sollen so ihre «Kommunikations- und Auftrittskompetenz» verbessern &#8211; gegenüber Journalisten, versteht sich. Die Journalistin Eva Novak leitet mit einem <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eva Novak, die als Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ) sowie als Leiterin von zwei Bundeshausredaktionen die Interessen von Journalisten vertreten sollte, schult in ihrer Freizeit Mitarbeiter des Aussendepartements EDA mit Kamera- und Interviewtrainings. Die Bundesangestellten sollen so ihre «Kommunikations- und Auftrittskompetenz» verbessern &#8211; gegenüber Journalisten, versteht sich.<br />
<span id="more-26229"></span><br />
Die Journalistin Eva Novak leitet mit einem 80-Prozent-Pensum die Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. Von ihr erscheinen auch regelmässig Texte in Publikationen wie dem St. Galler Tagblatt, der Ostschweiz am Sonntag oder dem Boten der Urschweiz. Darüber hinaus ist sie die Präsidentin der Vereinigung der Bundeshaus-Journalistinnen und Journalisten (VBJ). In dieser Funktion ist es ihre Aufgabe, die Rechte und Bedürfnisse von Bundeshausjournalisten gegenüber der Verwaltung vertreten.</p>
<p>2013 und 2014 arbeitete Novak nicht nur als Journalistin. Sie liess sich auch in ihrer Freizeit von der Verwaltung für verschiedene Medienseminare anstellen und bezahlen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verbuchte Gelder für:</p>
<ul>
<li>ein Medienseminar vom 1. Juni bis zum 31. August 2013<br />
(1600 Franken)</li>
<li>ein Medienseminar vom 28. April bis zum 31. Mai 2014<br />
(1600 Franken)</li>
<li>ein Grundkurs Medienarbeit vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2014<br />
(700 Franken)</li>
</ul>
<p>Auf Anfrage bestätigt das EDA diese Informationen. Man habe von Eva Novak «einzelne Ausbildungssequenzen auf Mandatsbasis» bezogen: «Bei den aufgeführten Beträgen handelt sich um Bruttohonorare, von denen die Sozialversicherungsbeträge abgezogen wurden. Die Verträge wurden mit Frau Novak persönlich abgeschlossen.» EDA-Sprecher Georg Farago &#8211; früher übrigens auch ein Journalist (St. Galler Tagblatt) &#8211; schreibt weiter: «Beim Medienseminar und Mediengrundkurs handelt es sich um EDA-intern organisierte Kurse. Sie gehören zu den obligatorischen Weiterbildungsmassnahmen für die EDA-Mitarbeitenden. Ziel der Kurse ist es, mittels Kamera- und Interview-Training die Kommunikations- und Auftrittskompetenz zu verbessern sowie Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern. Insbesondere für die im Ausland eingesetzten Kader-Mitarbeitenden gehören Auskünfte an Medienschaffende sowie Radio- und TV-Interviews zum Berufsalltag. Die externen Mandate umfassen in der Regel ein ganz- oder halbtägiges Interview-Training in kleinen Gruppen.»</p>
<p>Ein paar Tausend Franken, die sich eine Journalistin neben ihrem Job verdient, sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass Novak das Geld vom Bund bezieht. Sie unterstützt also konkret die Verwaltung, gegenüber der sie als Bundeshausjournalistin antreten sollte, darin, sich geschickter den Fragen der Journalisten zu widersetzen. Sie korrumpiert so nicht nur die eigene journalistische Glaubwürdigkeit, sie schadet damit auch dem Ansehen der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ).</p>
<p>Novak selbst sieht die von ihr durchgeführten Kurse für Bundesangestellte nicht als Problem an. Sie beschreibt ihre Tätigkeiten für die Verwaltung wie folgt: «Was ein Kameratraining ist, können Sie sich vorstellen: Die Leute werden angewiesen, sich kurz und verständlich zu fassen, in die Kamera zu schauen und nicht ins Mikrofon zu beissen, sich angemessen zu kleiden etc. Geübt wird das in praxisnahen Situationen, unter anderem in Interviews. Ich sehe nicht, inwiefern sich das nicht mit meinen Tätigkeiten als Journalistin und als VBJ-Präsidentin vereinbaren liesse. Mein Arbeitgeber und meine Kollegen sind selbstverständlich informiert.»</p>
<p>Die Vereinigung der Bundeshaus-Journalistinnen und -Journalisten (VBJ), früher durchaus mit Haltung und Bedeutung, ist spätestens unter Novak in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht &#8211; in den Printmedien ist kaum die Rede vom der Vereinigung, im Internet ist sie nicht präsent. Ein sehr grosses Anliegen scheint der VBJ unter Novak vor allem zu sein, zu entscheiden, wer sich zum Club der vorgeblich ehrenwerten Bundeshausjournalisten zählen darf und wer nicht. Den Statuen gemäss vertritt die VBJ «die Interessen der Medienschaffenden im Bundeshaus gegenüber der Bundesverwaltung, der Regierung und dem Parlament». Davon vertreten fühlen sich nicht alle Bundeshausjournalisten. Der altgediente Journalist Markus Schär etwa, angestellt bei der «Weltwoche», schreibt auf Anfrage: «Die Bundeshausjournalisten und die Kommunikationsleute von Bundeskanzlei, Departementen und Bundesämtern sollten eigentlich natürliche Gegner sein. Die Bundeskommunikatoren, die sich immer noch rasant vermehren, betreiben teils pure Propaganda; die Journalisten müssten das aufdecken. Ein grosser Teil von ihnen schielt aber auf die andere Strassenseite, weil dort sichere, ruhige, besser bezahlte Jobs locken. Entsprechend verhalten sie sich, leider auch die Vereinigung.»</p>
<p>VBJ-Mitglied Urs Paul Engeler (Handelszeitung), der sich zweimal aufgrund von unwillentlich und unwissentlich begangenen Verletzungen von Sperrfristen vor dem VBJ-Vorstand rechtfertigen musste, sieht die Vereinigung als «schon immer viel zu behördennah», als «verlängerten Arm der Verwaltung», als «Fortsetzung des Beamtentums auf den Journalismus»: «Die VBJ müsste die Antipode zur Verwaltung sein. Sie sollte ihren Mitgliedern nicht Wohlverhalten predigen, sondern für offene Information kämpfen, das wuchernde Informationsbeamtentum und die Steuerung der Information von oben thematisieren und hart für die Rechte der Medienleute kämpfen. Das Ziel muss es doch sein, möglichst vielen Journalisten einen möglichst breiten Zugang zu möglichst vielen Informationen zu bieten. Denn die Informationen gehören der Öffentlichkeit, und nicht der Verwaltung und einem exklusiven Club von Journalisten namens VBJ.»</p>
<p>Andere Bundeshausjournalisten waren noch nie Teil der Vereinigung, und haben auch nicht vor, ihr beizutreten. So Christof Moser von der Schweiz am Sonntag: «Der VBJ ist mir zu wenig unabhängig. Was staatliche Behörden, also die Parlamentsdiente oder die Bundeskanzlei sagen, scheint für den VBJ massgebend zu sein. Das widerspricht meiner journalistischen Auffassung, die sich darin manifestieren muss, sich bei der Arbeit nicht staatlichen Vorgaben zu unterwerfen.»</p>
<p>Novak ist nicht die einzige Journalistin, welche sich von der Verwaltung bezahlen lässt. Bei Bedarf engagiere das EDA Journalistinnen und Journalisten für Medienseminare und Moderationen, lässt EDA-Sprecher Farago verlauten: «Eine Liste der Journalistinnen und Journalisten, mit denen wir in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben, können wir Ihnen nicht abgeben.»</p>
<p>Will die VBJ zukünftig von den Journalisten ernstgenommen werden, dann muss sie mehr machen als einmal im Jahr eine Schulreise und einmal im Jahr ein Essen mit dem Bundespräsidenten zu organisieren. Mit der bescheidenen Jahresgebühr von 40 Franken ist die Schlagkräftigkeit des Vereins zugegebenermassen beschränkt. Festzuhalten aber bleibt: Nicht diese Anlässe, sondern die Durchsetzung der Rechte von (allen) Journalisten gegenüber dem Staatsapparat ist die vordringlichste Aufgabe der VBJ. Eine Präsidentin, die hinter den Kulissen gegen die Anliegen der Journalisten arbeitet, ist untragbar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">Höchste Bundeshausjournalistin stärkt Behördenkommunikation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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