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	<title>Gülsha | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wer kommt zu Wort?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nadia Bellardi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jul 2016 09:59:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gesellschaftliche Minderheiten, etwa Migranten, kommen in den Medien kaum vor – und wenn, dann oft stigmatisiert dargestellt. Das muss nicht so sein. In der Schweiz und in Europa gibt es zahlreiche Initiativen, die gesellschaftliche Vielfalt in den Medien sichtbar machen wollen. Staatliche, private und marktorientierte Modelle ergänzen sich. Die öffentliche Debatte über Migration wird stark <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/06/wer-kommt-zu-wort/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/06/wer-kommt-zu-wort/">Wer kommt zu Wort?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gesellschaftliche Minderheiten, etwa Migranten, kommen in den Medien kaum vor – und wenn, dann oft stigmatisiert dargestellt. Das muss nicht so sein. In der Schweiz und in Europa gibt es zahlreiche Initiativen, die gesellschaftliche Vielfalt in den Medien sichtbar machen wollen. Staatliche, private und marktorientierte Modelle ergänzen sich.<br />
<span id="more-27697"></span><br />
Die öffentliche Debatte über Migration wird stark von ihrer Darstellung in den Medien beeinflusst. Den Migranten werden oft bestimmte Bilder zugeordnet und ihre Identität auf wenige Charakteristika und Lebensläufe reduziert. Laut T. A. van Dijk, Sprach- und Rassismusforscher an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, <a href="http://www.discourses.org/OldBooks/Teun%20A%20van%20Dijk%20-%20Communicating%20Racism.pdf" target="_blank">spielen Medien eine zentrale Rolle</a> in der Verbreitung und Annahme von rassistischen Ideologien: «Weltweite Ereignisse werden von den Medien weder passiv beschrieben noch neutral aufgenommen, sondern aktiv re-konstruiert. Im Allgemeinen unterstützen Medien eine Informationsperspektive, die normalerweise weiss, westlich, männlich und mittelschichtig ist.»</p>
<p>Diskriminierende und isolierende Bilder schwächen die Position von Migranten und behindern ihre Entwicklung im Migrationsland. Wenn nicht negativ oder sensationserregend, dann kommen gesellschaftliche Minderheiten in den Medien in der Regel gar nicht vor. So verschwinden diese Gruppen als Gesellschaftsakteure und Publikum. Auch im Zeitalter der sozialen Netzwerke üben Massenmedien weiterhin einen grossen Einfluss darauf aus, was die Öffentlichkeit als relevant wahrnimmt und wem sie das Recht gibt, gehört zu werden.</p>
<p>Gründe für die unbefriedigende Darstellung von Migranten in den Medien gibt es viele:</p>
<ul>
<li>ein Mangel an Informationsquellen</li>
<li>zu wenige (Medien)Experten oder qualifizierte Auskunftspersonen mit Migrationserfahrung</li>
<li>Vorurteile und Stereotypen, die mit der Realität des Migrantenlebens wenig zu tun haben</li>
<li>wenig Berichterstattung über Themen und Schwerpunkte, die mit den Prioritäten und Standpunkten von Migranten und Migrantinnen im Einklang stehen</li>
<li>das Fehlen von Migrationsperspektiven bei Diskussionen über gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen</li>
<li>politische und kommerzielle Interessen, die einen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen ausüben</li>
</ul>
<p>Auch in der Schweiz zählen Migrantinnen und Ausländer seit jeher zu den vernachlässigten Minderheiten in den Medien. 2007 stellte <a href="https://www.bakom.admin.ch/dam/bakom/de/dokumente/uni_fr_integrationspotential.pdf.download.pdf/uni_fr_integrationspotential.pdf" target="_blank">eine Studie der Universität Freiburg</a> fest: «Obwohl die Schweizer Bevölkerung zu mehr als einen Fünftel aus Ausländern besteht und viele weitere ebenfalls Wurzeln im Ausland haben, fühlt sich dieser Teil der Bevölkerung in den Medien marginalisiert.» Gemäss der Studie würden Medien eine Brückenfunktion zwischen Einheimischen und Zugewanderten nicht wahrnehmen. Die wichtigste Forderung der Migranten war jene nach aktiver Partizipation in den Medien, also in der Programmgestaltung vor und hinter der Kamera.</p>
<p>Der Bericht des Bundesrates vom 17. Juni 2016 zur «Überprüfung der Definition und der Leistungen des <a href="https://www.bakom.admin.ch/dam/bakom/de/dokumente/Elektronische%20Medien/Medienpolitik/service-public-bericht.pdf" target="_blank">Service public der SRG</a>» scheint nun diese Empfehlungen ernst zu nehmen. So hält der Bundesrat fest: «Im Vordergrund dieser Integrations- und Identifikationsfunktion stehen aus heutiger Sicht in erster Linie drei Aspekte: der Austausch unter den schweizerischen Kulturen bzw. die Stärkung der gegenseitigen Verständigung und des nationalen Zusammenhalts, die Berücksichtigung der kommunikativen Bedürfnisse aller Generationen sowie die Integrationsbedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund.»</p>
<p><strong>Es fängt mit der Ausbildung an</strong></p>
<p>Verschiedene Initiativen von europäischen Organisationen, darunter Medien, Behörden und NGOs, fördern seit über 15 Jahren Vielfalt und Anti-Diskriminierung in den Medien, und reflektieren über die Schwierigkeiten deren Umsetzung. So auch «Mediane». Das <a href="http://www.coe.int/t/dg4/cultureheritage/mars/mediane/default_en.asp" target="_blank">Gemeinschaftsprogramm von EU und Europarat</a> hatte zum Ziel, mehr minderheitenspezifische Perspektiven in die Medien einzubringen, ohne dabei ausschliesslich über damit zusammenhängende Probleme zu sprechen. Zentral war die Empfehlung, in Nachrichten auf verschiedenartigere Informationsquellen und Experten zurückzugreifen und gleichzeitig die Ausbildung und Auswahl von Journalisten zu ändern, damit die Profile der Medienschaffenden auch an Vielfalt gewinnen.</p>
<p>Für Stéphane Bijoux, stellvertretendr Direktor für Informationsvielfalt von France Télévisions, wäre das <a href="http://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/vielfalt-nachrichten" target="_blank">eigentlich eine Selbstverständlichkeit</a>: «Wir sind ein öffentlicher Dienst und wichtiger, als nur für Vielfalt in den Inhalten zu sorgen, sei es, die Gesellschaft in der Unternehmensstruktur zu repräsentieren.» Journalismusschulen müssen vermehrt «Studenten mit unterschiedlichen biografischen Hintergründen auswählen – einschliesslich der am stärksten benachteiligten».</p>
<p>Es gibt durchaus auch Erfolgsmeldungen: In der europäischen TV-Fiktion und -Unterhaltung hat die Vielfalt an Boden gewonnen – oft als kommerzielle Strategie, um relevant und in Kontakt mit den Konsumenten zu bleiben. Noch wichtiger ist es aber, das Vielfaltspostulat in den berufsethischen und beschäftigungspolitischen <a href="http://www.bbc.co.uk/blogs/bbctrust/entries/76b1c3da-27e3-48d8-ae33-c85b6f56bc5c" target="_blank">Leitlinien von öffentlich-rechtlichen Anstalten</a> und Regulierungsbehörden zu verankern, basierend auf der Annahme, dass eine vielfältigere Belegschaft (Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Beeinträchtigungen) zu einer inklusiveren Medienproduktion beiträgt. Diese Strategie wäre für die SRG sicher auch sinnvoll, um ihre Leistungen im Bereich Integration zu stärken, findet der Bundesrat in seinem Service-public-Bericht: «Uvek und Bakom sollen den regelmässigen Austausch mit der SRG zu deren Integrationsbestrebungen fortsetzen. (…) Eine der grössten Herausforderungen des Service public stellt aus Sicht des Bundesrates die Erreichbarkeit des jungen Publikums dar. Er erwartet von der SRG, ihre audiovisuellen Angebote in Zukunft so auszurichten, dass sie auch beim jungen Publikum auf Resonanz stossen. Das Gleiche gilt für Menschen mit Migrationshintergrund.»</p>
<p><strong>Einander kennenlernen</strong></p>
<p>Andere Instrumente können durch Berufsverbände, etwa Mediengewerkschaften oder berufsständische Organisationen wie Presseräte oder Ombudsstellen realisiert werden. Bereits 2003 hatte die katalanische Journalistengewerkschaft eine «Agenda der Interkulturalität» in Barcelona herausgegeben, mit dem Ziel, Medieninhalte und Medienschaffende differenzierter darzulegen. Die Agenda enthalte Kontaktinformationen von qualifizierten Journalisten verschiedener Herkunft, die als Freelancers oder Festangestellte in der Region arbeiteten – oder arbeiten wollten. Zusätzlich wurden die Kontaktinformationen den Pressesprechern von Migrantengruppen und Organisationen angeboten, ebenso die Namen etablierter Medienschaffender, die sich für die Themen Migration und interkulturelles Leben interessierten. Zweck der Publikation war es, Vernetzungen zu erleichtern, Informationsquellen zu differenzieren und die Kommunikationsbestrebungen von Migranten ans Ziel zu bringen.</p>
<p>Ähnliches wird in Deutschland von den <a href="http://www.neuemedienmacher.de/" target="_blank">«Neuen Deutschen Medienmachern»</a> realisiert, ein «bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Medienschaffenden mit und ohne Migrationshintergrund». Ihr Projekt <a href="https://www.vielfaltfinder.de/" target="_blank">«Vielfaltfinder»</a> ist eine Expertendatenbank für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und viele andere Spezial- und Alltagsthemen. Die einzige Gemeinsamkeit der Fachleute: sie haben Migrationsgeschichte und spiegeln die Vielfalt Deutschlands wider. Das Ziel ist es, ihre Expertise und Leistung, in unterschiedlichen Ämtern und Tätigkeiten, sichtbar zu machen.</p>
<p>In Österreich wurde 2015 <a href="http://www.join-media.eu/" target="_blank">Join media</a> gegründet, um aus Krisenregionen geflüchteten Medienschaffenden dabei zu unterstützen, ihre Arbeit wieder aufnehmen zu können. Dem Netzwerk gehören Journalistinnen und Journalisten aus Afghanistan, dem Irak, Iran, Libanon, Österreich, Pakistan und Syrien an. Laut der Webseite hat der Branchenaustausch zwischen österreichischen Redaktionen und den „Newcomer«-Journalisten bereits zu ersten Kooperationen und Workshops geführt.</p>
<p>Auch die Entwicklung von Richtlinien, welche die Qualität der Medienarbeit zum Thema Migration verbessern, ist eine wichtige Leistung. Die italienische <a href="http://www.cartadiroma.org/who-we-are/" target="_blank">Carta di Roma</a> ist einen verbindlichen Codex für die Berichterstattung über Migrations- und Flüchtlingsthemen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Berufsverbandes (Ordine dei Giornalisti), dem Nationalen Presseverein (Federazione Nazionale della Stampa Italiana) und der UNO-Flüchtlingsorganisation (UNHCR). Seit 2011 ist der Verein Carta di Roma Ansprechpartner für Medien, Institutionen und alle, die sich mit dem Thema Asyl und Migration medial auseinandersetzen.</p>
<p>Nicht zuletzt kommt es auch auf die gewählte Darstellungsform an, um ein Thema sachgerecht darzustellen. So hilft Datenjournalismus, anhand von Daten und Fakten, statt Emotionen oder subjektive Meinungen, über komplexe Phänomene zu berichten. Folgende Projekte zum Thema Asyl und Migration sind besonders spannend: <a href="http://www.themigrantsfiles.com/" target="_blank">The Migrant Files</a>, <a href="http://openmigration.org/en/" target="_blank">Open Migration</a>, <a href="http://labs.densitydesign.org/dd11/es3/es3-g4-migrationimages/index.html#behaviour" target="_blank">The Big Picture</a>.</p>
<p><b>Wichtige Rolle der Alternativradios</b></p>
<p>In der Schweiz sind Migranten und Migrantinnen seit über 30 Jahren selber aktiv in der Medienproduktion, insbesondere bei den nicht-kommerzorientierten Radios, die den konzessionsrechtlichen Auftrag haben, ein «Minderheitenprogramm» anzubieten. <a href="http://cmfe.eu/" target="_blank">Solche Community-Medien</a>, auch als dritter Mediensektor definiert, spielen eine entscheidende Rolle darin, Partizipation, Medienkompetenzen und das Vorantreiben von sozialer Inklusion zu fördern. In ihrer Rolle als freiwillige Journalistinnen, Reporter und Sendungsmacherinnen können migrationserfahrene Medienschaffende vom Objekt zum Subjekt der Berichterstattung werden, Sichtbarkeit für ihre Anliegen und Leistungen schaffen, sowie ihre eigene Darstellung (mit)bestimmen. Die Erfahrungen bei der Programmgestaltung und Organisation des Radios tragen wesentlich zur beruflichen und sozialen Integration bei. Freiwillige können sich so im Bereich Journalismus professionell weiterbilden, sich vernetzen und ihre Kompetenzen einsetzen. Die Integrationsleistungen der <a href="http://www.unikomradios.ch/" target="_blank">komplementären Radios</a> werden wissenschaftlich anerkannt, etwa in einer <a href="http://www.klippklang.ch/download.php?id=132_7f017d8d" target="_blank">Studie der Universität Zürich</a> und auch der Bundesrat würdigt «die Leistungen der komplementären nicht kommerziellen Radios im Migrationsbereich» Sie wünsche sich eine Fortsetzung dieses Engagements, schreibt die Landeregierung im aktuellen Service-public-Bericht.</p>
<p>Alternativmedien sind prädestiniert, Vertreter der Minderheits- und der Mehrheitsbevölkerung sowie Fachleute in dieser Problematik miteinander zu vernetzen – eine Arbeit, die sich längerfristig auch auf die etablierten Medien auswirken wird. Einzelne Figuren, wie etwa der Berner Komiker Müsülm, ist diesen Weg bereits gegangen. Seine erste Medienerfahrung machte er beim Berner Alternativ Radio RaBe, bevor er schliesslich via Radio 105 als Late-Night-Comedian beim Schweizer Fernsehen landete. Mit Gülsha Adilji, Moderatorin und Aushängeschild vom Jugendsender Joiz, etablierte sich eine weitere Medienmacherin mit Migrationshintergrund mitten im Mainstream.</p>
<p>Solche Erfolgsgeschichten sind aber erst Einzelfälle. Es braucht daher weiterhin Unterstützung von <a href="http://www.annalindhfoundation.org/publications/coexistence-cooperation-experiments-intercultural-broadcasting-swiss-community-radios" target="_blank">interkulturellen und mehrsprachigen Projekten</a>, welche die Inhalte von Sendungen, Artikeln oder Berichten über die «Sprachbarriere» hinweg an ein breiteres Publikum vermitteln können. Durch die Förderung der mehrsprachigen Mediengestaltung können die Erfahrungen, die Situation und der kulturelle Hintergrund der Migranten dem gesamten Publikum näher gebracht werden.</p>
<p><strong>Mit Offenheit und Empathie zu mehr Vielfalt</strong></p>
<p>Am International Journalism Festival in Perugia wurde in diesem Jahr auch über <a href="http://www.journalismfestival.com/programme/2016/diversity-and-transcultural-competences-in-journalism-a-creative-opportunity" target="_blank">das kreative Potential der Vielfalt </a>diskutiert. Wer mit Offenheit, Neugier, Empathie – und Bescheidenheit vorgeht und den eigenen Blick auf die Welt hinterfragt, kann Stimmen und Perspektiven in die Berichterstattung einbinden, welche normalerweise nicht im Vordergrund stehen.</p>
<p>Die Fähigkeit, «das Andere» zu erfassen, müsste Teil des grundlegenden journalistischen Denkens sein oder durch spezielle Projekte/Weiterbildung gefördert werden. Der eigene Hintergrund, die Ausbildung, die man absolviert hat, Erfahrungen, die man gemacht hat und Netzwerke, die man sich aufgebaut hat, beeinflussen die Art und Weise, wie man die Welt sieht und repräsentiert. Eine transkulturelle Herangehensweise, das heisst sich selbst in dem anderen zu sehen, erlaubt es uns, Identität als etwas Facettenreiches wahrzunehmen, als etwas, dass sich konstant durch Interaktion verändert, über Nationalität, Geschlecht, Sprache und Hautfarbe hinaus.</p>
<p>Journalismus, der sich auch auf Gemeinsamkeiten und Verbindungen fokussiert, kann der Komplexität der heutigen Gesellschaft besser gerecht werden, als die kaleidoskopische Zersplitterungen, die uns aus allen Bildschirme begegnen.<br />
Aber es ist nicht ausschliesslich eine journalistische Verantwortung – die gesamte Gesellschaft muss sich ihrer Rolle in einer vernetzten Welt bewusst werden. Initiativen wie das Pilotprojekt Medien <a href="http://transkulturelle-medienkompetenz.ch/index.php" target="_blank">für 8 Millionen vielfältige Menschen</a> für die transkulturellen Gestaltung von Medieninhalte, Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen der öffentlichen Institutionen, Verwaltungen und Ausländergemeinschaften, können interkulturelle Integration und eine neue Debatte über die Rolle der Medien in der Gesellschaft vorantreiben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/06/wer-kommt-zu-wort/">Wer kommt zu Wort?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Wir sind immer sehr pragmatisch unterwegs»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/11/20/interview-alexander-mazzara/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Nov 2013 09:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
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		<category><![CDATA[TV 2.0 Summit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Fernsehen hat die jungen Zuschauer nicht verloren. Man muss nur ein Programm bieten, das die veränderte Mediennutzung ernst nimmt. Alexander Mazzara (38) hat das mit joiz geschafft. Der junge Sender verschmilzt klassisches TV und Internet zu einem hybriden Format. Wie das funktioniert und wo die Grenzen des neuartigen Konzepts liegen, erklärt joiz-Gründer und CEO <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/20/interview-alexander-mazzara/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/20/interview-alexander-mazzara/">«Wir sind immer sehr pragmatisch unterwegs»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Fernsehen hat die jungen Zuschauer nicht verloren. Man muss nur ein Programm bieten, das die veränderte Mediennutzung ernst nimmt. Alexander Mazzara (38) hat das mit joiz geschafft. Der junge Sender verschmilzt klassisches TV und Internet zu einem hybriden Format. Wie das funktioniert und wo die Grenzen des neuartigen Konzepts liegen, erklärt joiz-Gründer und CEO Mazzara im Gespräch mit der MEDIENWOCHE.<br />
<span id="more-16650"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Nach zweieinhalb Jahren auf Sendung hat sich joiz fest in der schweizerischen Fernsehlandschaft etabliert. Sind Sie vom schnellen Erfolg überrascht?</strong><br />
Alexander Mazzara: Wenn ich nun sagen würde, alles war so geplant, dann würde ich lügen. Wir hatten aber von Anfang an ein klares Konzept, daran hat sich nicht viel geändert. Wir gehen davon aus, dass junge Menschen heute soziale Medien nutzen und es sich gewohnt sind, einen Rückkanal zu haben. Sie wollen nicht nur lesen oder fernsehen, sondern auch etwas dazu sagen.</p>
<p><strong>joiz ist auch ein Experiment. Was hat bisher nicht funktioniert?</strong><br />
Wir haben viele kleine Sachen ausprobiert, die nicht funktionierten. So versuchten wir sehr schnell, die Interaktionen mit dem Publikum anzuregen. Das hat nicht immer gut geklappt. Wir mussten auch lernen, dass eine Sendung online beginnt, vielleicht sogar auf Social Media, und auch weitergeht, nachdem das TV-Signal fertig ausgestrahlt wurde.</p>
<p><strong>Wie läuft das konkret?</strong><br />
Wir versuchen bei unserem Publikum auf Social Media den Puls zu fühlen, was sie tatsächlich interessiert. Vor einer Talksendung ist es für uns natürlich interessant zu erfahren, welche Fragen das Publikum beschäftigen. Heute ist der Kontakt zum Publikum interaktiver geworden. Von Transmedia-Storytelling reden zwar alle, aber das tatsächlich zu leben, ist nicht ganz einfach.</p>
<p><strong>Bei vielen Medien laufen Online-Diskussionen <a href="http://www.wahlkampfblog.ch/bezahle-online-kommentare-medienhauser-tolerieren-dialogkultur-die-ihnen-schadet/" target="_blank">regelmässig aus dem Ruder</a>. Bei joiz geht es vergleichsweise gesittet zu und her. Wieso?</strong><br />
Es gibt zwei wichtige Elemente. Wir moderieren die Online-Kommentare und weisen die Leute frühzeitig in die Schranken, wenn sie sich daneben aufführen. Wir bieten nicht einfach ein Forum, bei dem jeder irgendetwas sagen kann. Der Live-Chat wird immer von jemandem aus der Redaktion betreut. Wenn jemand an die Grenzen geht, wird die Person verwarnt mit der klaren Drohung, sie beim nächsten Mal zu sperren. Das ist Arbeit. Ein Dialog besteht eben nicht nur darin, etwas zu senden und dann nicht zuzuhören, was der andere sagt. Es hat damit zu tun, dass ich diese Leute auch ernst nehmen. Zweitens versuchen wir auch, unser Publikum zu leiten. Wenn sie wollen, dass sie ins Fernsehen kommen, dann müssen sie auch etwas Gescheites schreiben. Sie dürften durchaus kritisch sein und auch eine andere Meinung vertreten als der Moderator oder ein Gast. Das ist keine Frage. Sie dürfen einfach nicht rassistisch, sexistisch oder ausfällig sein. Da haben wir eine ganz klare Linie. Nach zweieinhalb Jahren joiz haben das die Leute begriffen. Das hat auch dazu geführt, dass sich die Leute in ihren Nutzerprofilen vermehrt mit Klarnamen anmelden.</p>
<p><strong>Ist das für Sie Neuland?</strong><br />
Für mich ist das alles nicht ganz neu. Schon beim Schweizer Fernsehen war ich bei der Entwicklung vieler neuer Formate dabei. Ich war bei der Entwicklung der <a href="http://www.werbewoche.ch/sf-start-up-ist-begehrt" target="_blank">Sendung «Start-up»</a> dabei, als wir erstmals in der Schweiz eine Online-Community in ein Fernsehprogramm einbezogen haben.</p>
<p><strong>Wo stösst joiz an Grenzen?</strong><br />
Wir sind immer sehr pragmatisch unterwegs und nicht die Technik-Nerds, die einfach etwas Neues bauen wollen, weil es mega-cool ist. In der Schweiz zeigt uns der kleine TV-Markt die Grenzen des Machbaren auf. Eine weitere Grenze setzt uns zudem das neue Messsystem für die Zuschauerzahlen, das eine absolute Katastrophe ist. Das kann man leider nicht anders sagen.</p>
<p><strong>Eigentlich sollte in der Schweiz auch die<a href="http://www.werbewoche.ch/mediapulse-und-kantar-media-stellen-neues-panel-vor" target="_blank"> Online-Nutzung von TV-Programmen</a> gemessen werden. Das wäre dem Konzept von joiz entgegengekommen. Daraus ist <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/mediapulse-und-3-einigen-sich-1.18125935" target="_blank">nichts geworden</a>. Was heisst das für Sie?</strong><br />
Wir sind genau darum aus dem Panel ausgestiegen. Alle in der Branche, die einigermassen vorwärts denken, hatten mit der Erfassung der Online-Nutzung grosse Hoffnungen verbunden und wurden nun massiv enttäuscht. Für uns lohnt es sich finanziell einfach nicht, für ein Messsystem zu zahlen, das unsere Zuschaueraktivitäten nur unvollständig abbildet. Ausserdem sind die Schwankungen bei der Messung der klassischen TV-Nutzung zu gross, weil das Panel zu klein ist. Diese Zahlen sind für uns auf dem Werbemarkt schlicht unbrauchbar.</p>
<p><strong>Wie geht es weiter?</strong><br />
Wir suchen zusammen mit der Wissenschaft nach neuen Wegen, wie wir unsere vielfältigen Daten kommerziell nutzen können, die wir mit der Online-Nutzung unserer Zuschauer generieren. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.</p>
<p><strong>Joiz hat diesen Sommer <a href="http://www.joiz.de/home" target="_blank">nach Deutschland expandiert</a>. Wieso?</strong><br />
Mit joiz Schweiz haben wir ein Konzept entwickelt, das funktioniert und das in Europa einzigartig ist. Deshalb glauben wir daran, dass es auch in anderen Ländern funktioniert. Wir haben Anfragen erhalten aus mindestens 15 anderen Ländern. Aber wir können nicht alles gleichzeitig machen. Deshalb haben wir fürs Erste mal nach Deutschland expandiert.</p>
<p><strong>Nutzt joiz in Deutschland Synergien mit dem Schweizer Programm?</strong><br />
Uns ist klar, dass wir mit lokalen Inhalten arbeiten müssen. Deshalb wird es keine Synergien beim Programm geben, etwa mit dem Austausch von Sendungen. Wovon wir aber in Deutschland sehr wohl profitieren, ist von der Vorarbeit an Formaten, Technologie und Arbeitsabläufen.</p>
<p><strong>Gab es nach dem Start in Deutschland Überraschungen?</strong><br />
Die grösste Überraschung war natürlich das Konzert zum Tag der Deutsche Einheit am Brandenburger Tor. Im Juli hörten wir, dass wir dafür in die engere Auswahl kommen, im August erhielten wir die Zusage und mussten innert zwei Monaten ein Konzert für eine Million Menschen organisieren, das mit zwölf Kameras live übertragen wurde. Für so was braucht man sonst mindestens ein halbes Jahr Vorbereitung. Und das Ganze lief parallel zum Sendestart in Deutschland. Da waren wir selbst überrascht, dass wir das gleichzeitig zustande brachten.</p>
<p><iframe width="420" height="315" src="//www.youtube.com/embed/lP8Sd8HEo6U?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong>Lief der Start in Deutschland auch sonst so reibungslos?</strong><br />
Nicht nur. Wir wurden regelrecht überflutet von Bewerbungen. Das war fast nicht zu bewältigen, die 3 bis 4000 Dossiers. Aber das ist natürlich toll, wenn so viele Leute bei uns arbeiten wollen. Am Anfang läuft der Know-how-Transfer ausschliesslich in eine Richtung von der Schweiz nach Deutschland. Das wird sich aber schon bald ändern. Und es ist uns auch schon gelungen, mit dem Format «Jung &amp; naiv» vor den Bundestagswahlen auf uns aufmerksam zu machen. Da hatten wir Politiker wie Peer Steinbrück oder Jürgen Trittin vor der Kamera. Das hat sich dann auch in der Berichterstattung zum Start von joiz Deutschland gezeigt. Von Spiegel über Süddeutsche, FAZ, ja eigentlich alle, haben über uns berichtet.</p>
<p><strong>Macht es Ihnen manchmal Angst, mit so vielen Vorschusslorbeeren bedacht zu werden?</strong><br />
Ob Vorschusslorbeeren oder nicht, wir müssen liefern. Ich habe ehrlich gesagt keine Angst. Es braucht immer drei Sachen, damit ein Unternehmen funktioniert: ein gutes Produkt, dann einen Markt, der offen ist für dieses Produkt. Und mit Abstand am wichtigsten ist das Team. Mit einem guten Produkt allein und einem schlechten Team ist man verloren. Jetzt müssen wir einfach weiter aufbauen und gute Arbeit leisten. Am Schluss müssen wir im täglichen Business gute Geschichten erzählen, das ist jetzt unsere Arbeit.</p>
<p><strong>Zahlen sich die Geschichten aus?</strong><br />
Wir schreiben schon heute Gewinn mit joiz in der Schweiz. In Deutschland natürlich noch nicht.</p>
<p><strong>Profitiert joiz auf dem Werbemarkt von einem Pionier-Bonus?</strong><br />
Im Gegenteil. Am Anfang gab es für uns viele verschlossene Türen. Wenn man startet, braucht es Zeit. Das hat auch mit der Schweiz zu tun. Hier ist niemand bereit, ein zu grosses Risiko eingehen.</p>
<p><strong>Wie sieht der Werbemix auf joiz aus?</strong><br />
Das ist nicht ganz einfach aufzuschlüsseln. Zählt ein TV-Spot mit Targeting-Möglichkeit als klassische Werbung oder ist das bereits eine neue Form? Wir zählen diese Form zu den Spots, weil wir mittlerweile so viele Kunden haben, die das buchen, dass es mindestens so klassisch ist, wie Werbung ohne Zusatzelemente. Dieser Teil generiert fast die Hälfte unserer Werbeeinnahmen. Der Rest sind Spezialformen, wie etwa Branded Entertainment oder interaktive Formate.</p>
<p><strong>Gibt es Übernahmeangebote für joiz?</strong><br />
Da sollte man nicht darüber reden. Aber klar: Das eine oder andere Medienunternehmen hat schon mal angeklopft. Ich bin in dieser Frage sehr opportunistisch. Wenn ein Angebot kommt, das passt, dann schauen wir uns das an. Aber wenn es keinen Sinn macht, dann interessiert uns das nicht.</p>
<p><strong>Der Erfolg von joiz beruht stark auf Aushängeschildern wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClsha_Adilji" target="_blank">Gülsha</a>, <a href="https://www.facebook.com/julien.thorne" target="_blank">Julian</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Knackeboul" target="_blank">Knackeboul</a>. Wie abhängig seid ihr von einzelnen Köpfen?</strong><br />
Das kann man jeden TV-Sender fragen. Gesichter sind nun mal wichtig. Aber ich bin relativ entspannt, weil wir mit ihnen gute Verträge haben. Mit SRF sind wir sicher nicht konkurrenzfähig. In der Schweiz gibt es keinen Privatsender, der solche Löhne zahlen kann. Aber mit den Regionalsendern sind wir mehr als nur konkurrenzfähig. Wir zahlen faire Löhne.</p>
<p><strong>Gülsha und Knackeboul <a href="http://www.srf.ch/sendungen/streetgames/streetgame-1-sherlock-hol-s" target="_blank">arbeiten auch</a> <a href="http://www.srf.ch/sendungen/cover-me" target="_blank">für SRF</a>. Keine Angst, dass die plötzlich weg sind?</strong><br />
Nein, überhaupt nicht (lacht). Die Auftritte bei SRF sind nur möglich mit unserer Erlaubnis. Wir wägen gut ab und diskutieren mit ihnen, was drinliegt. Es ist ja auch immer eine Frage der Zeit. Wir sind ein Sender für junge Erwachsene. Unsere Leute werden nicht 20 Jahre bei joiz moderieren. In der nächsten Zeit habe ich keine Angst.</p>
<p><strong>Mit SRF pflegt joiz eine punktuelle Zusammenarbeit, etwa bei den Swiss Music Awards. Gleichzeitig versucht SRF Elemente <a href="http://www.srf.ch/sendungen/virus-tv" target="_blank">von joiz zu kopieren</a>. Fühlt man sich da vom Partner hintergangen?</strong><br />
Ich betrachte das eher als Kompliment. Ich habe lange genug bei der SRG gearbeitet, um zu wissen, wie das läuft. Immer wenn etwas Neues kommt, versucht man das zu kopieren. Das ist aber nicht von oben gesteuert, um die Konkurrenz kaputtmachen. Das kommt von unten, wenn man merkt, dass man etwas verpasst hat. Und weil man keine bessere Idee hat, wird halt kopiert. Ich sehe das relativ pragmatisch. Konkurrenz belebt das Geschäft und wir müssen einfach besser sein.</p>
<p><strong>Wie sorgt ihr dafür, dass ihr immer einen Schritt voraus seid?</strong><br />
Wir haben extrem gute Leute und treffen uns regelmässig zum Gedankenaustausch. Gestern war ich bis morgens um zwei im Büro in Berlin. Wir haben bei einem Bier darüber diskutiert, was wir noch besser machen könnten und welche Ideen wir im nächsten Jahr umsetzen wollen. Das Interessante ist ja, dass unsere Zielgruppe bei uns arbeitet. Man muss auch mal mit ihnen reden. Das machen andere Medien viel zu wenig. Bei uns zählt nicht, was auf der Visitenkarte steht. Wenn ein Praktikant eine gute Idee hat, dann machen wir das. Auch wenn meine ganze Erfahrung sagt, das funktioniert nicht.</p>
<p><strong>Welche Rolle spielen Sie als Chef dabei?</strong><br />
Ein Fehler wäre es zu meinen, als Chef alles zu wissen. Ein Satz von Albert Einstein hat mich sehr geprägt: Fantasie ist wichtiger als Wissen. Das predige ich hier dauernd. Aus der Erfahrung müssen wir zwar Schlüsse ziehen, aber trotzdem die Fantasie bewahren. Das Verrückte ist ja, wenn wir zehn Jahre zurückdenken, da gab es keine Smartphones, kein Youtube. Alles, was wir heute selbstverständlich nutzen. Wenn wir daraus schliessen, was in zehn Jahren sein wird, dann wird es Dinge geben, die können wir uns gar nicht vorstellen. Deshalb müssen wir extrem offen und immer wieder bereit sein, neue Wege zu gehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/20/interview-alexander-mazzara/">«Wir sind immer sehr pragmatisch unterwegs»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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