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	<title>Heribert Prantl | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Heribert Prantl: «Trauer ist ja eigentlich still»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/31/heribert-prantl-trauer-ist-ja-eigentlich-still/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2015 20:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Germanwings]]></category>
		<category><![CDATA[Heribert Prantl]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[süddeutsche.de]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über den Absturz der Germanwings-Maschine wird intensiv berichtet &#8211; leider oft auch dann, wenn es gar nichts Neues gibt. Vier Regeln, die Journalisten jetzt dringend beachten sollten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Absturz der Germanwings-Maschine wird intensiv berichtet &#8211; leider oft auch dann, wenn es gar nichts Neues gibt. Vier Regeln, die Journalisten jetzt dringend beachten sollten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/31/heribert-prantl-trauer-ist-ja-eigentlich-still/">Heribert Prantl: «Trauer ist ja eigentlich still»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Schlechter Stil</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/08/02/schlechter-stil/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Aug 2012 08:42:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[René Pfister]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Heribert Prantl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Detailreich hat Heribert Prantl in einem Zeitungsartikel eine Szene beschrieben, die er nur vom Hörensagen kannte. Ein Fehler? Prantl, der Journalist gewordene Jurist, meint klar: nein. Das trägt ihm Spott und Häme ein. Es sind Sätze wie diese, die den Eindruck erwecken könnten, dass sich der Journalist tatsächlich in der Küche von Andreas Vosskuhle aufgehalten <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/02/schlechter-stil/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/08/prantl_klein.jpg" alt="" width="120" height="122" /> Detailreich hat Heribert Prantl in einem Zeitungsartikel eine Szene beschrieben, die er nur vom Hörensagen kannte. Ein Fehler? Prantl, der Journalist gewordene Jurist, meint klar: nein. Das trägt ihm Spott und Häme ein.</p>
<p>
<span id="more-30515"></span><br />
Es sind Sätze wie diese, die den Eindruck erwecken könnten, dass sich der Journalist tatsächlich in der Küche von Andreas Vosskuhle aufgehalten hatte: «Bei Vosskuhles setzt man sich nicht an die gedeckte Tafel und wartet, was aufgetragen wird. Eine Einladung bei dem kinderlosen Juristenpaar (&#8230;) beginnt in der Küche.» Doch Prantl war nie Gast beim Präsidenten des deutschen Bundesverfassungsgerichts. Was er schreibt, kennt er nur vom <a href="http://www.fr-online.de/medien/klage-gegen-sueddeutsche-sz-autor-faelscht-vosskuhle-portraet,1473342,16754242.html" target="_blank">Hörensagen</a>. In seinem Porträt vom 10. Juli hat das Prantl das aber nirgends deklariert.</p>
<p>Solche Unterlassung kann mitunter gravierende Folgen haben. Vor einem Jahr musste das «Spiegel»-Reporter René Pfister erfahren. Weil er – ähnlich wie jetzt auch Prantl – den Einstieg zu seinem preisgekrönten Porträt des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ohne eigenen Augenschein verfasst hatte, wurde ihm der zuvor verliehene Henri-Nannen-Preis für die beste Reportage <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/in-eigener-sache-unverstaendnis-ueber-aberkennung-des-egon-erwin-kisch-preises-a-761579.html" target="_blank">aberkannt</a>. Ein harter Entscheid, der umso unverständlicher ist, weil die Jury den Text gar nicht in den Wettbewerb hätte aufnehmen müssen, wenn sie so strenge Massstäbe anlegen will.</p>
<p>Die Journalisten Prantl und Pfister haben nicht das Publikum getäuscht mit fabrizierten Fakten und frei erfundenen Begebenheiten. Mit ihren Schilderungen, die auf Beobachtungen Dritter basieren, kommen sie der Realität vielleicht sogar näher, weil sie sich nicht nur und auf ihre eigene subjektive Wahrnehmung abstützen. Die Krux: Je plausibler sich eine solche Schilderung liest, desto stärker geht der Leser von der Anwesenheit des Reporters am Schauplatz aus – und reagiert irritiert bis empört, wenn er das Gegenteil erfährt.</p>
<p>Dessen war sich wohl auch die Redaktion der Süddeutschen Zeitung bewusst. Sie bedauere diesen «Fehler», schreibt die Redaktion. Derweil verteidigt Prantl sein Vorgehen: Aus dem Text gehe hervor, dass er nicht selbst in der Küche des Gerichtspräsidenten anwesend gewesen sei. Schliesslich habe er seine Person an keiner Stelle eingeführt. Das stimmt. Wobei Journalisten grundsätzlich nur ungern in der ersten Person schreiben. Insofern könnte das «man» in Prantls Schilderungen durchaus als Platzhalter für das verpönte «ich» gelesen werden.</p>
<p>Aber ist das ein Fehler? Oder nur schlechter Stil? Gemessen an den öffentlichen Reaktionen muss Prantl etwas ganz Schlimmes gemacht haben. Aus vielen Kommentaren trieft die Schadenfreude nur so. Ätsch-bätsch, jetzt hats ihn erwischt, selber schuld! Oder im O-Ton: «Verdiente Häme für seinen Narzismus.» Dieser Unterton ist auch in der <a href="http://www.welt.de/kultur/article108427979/Auf-ein-Gulasch-mit-Heribert-Prantl.html" target="_blank">satirischen Retourkutsche in der «Welt»</a> nicht zu überlesen, wo der Autor eine Küchenszene im Hause Prantl schildert – vom Hörensagen. Das liest sich lustig, bringt aber die Diskussion nicht weiter. Vielleicht eignet sich der Fall Prantl auch gar nicht, um die einwandfreie Machart der Reportage zu verhandeln, weil die Prominenz des mutmasslichen Missetäters einer sachlichen Debatte im Weg steht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/02/schlechter-stil/">Schlechter Stil</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Leidenschaft statt Larmoyanz</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/06/05/leidenschaft-statt-larmoyanz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 13:59:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Heribert Prantl]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus hat eine grosse Zukunft vor sich, ist Heribert Prantl überzeugt. Doch steht er sich dabei selbst im Weg, als die grösste Bedrohung für die Pressefreiheit. Der Inlandchef der Süddeutschen Zeitung und frühere Staatsanwalt hält ein leidenschaftliches Plädoyer für die Zeitung der Zukunft – ob sie auf Papier oder im Netz erscheint, ist ihm <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/05/leidenschaft-statt-larmoyanz/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/06/prantl_quadrat.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Der Journalismus hat eine grosse Zukunft vor sich, ist Heribert Prantl überzeugt. Doch steht er sich dabei selbst im Weg, als die grösste Bedrohung für die Pressefreiheit. Der Inlandchef der Süddeutschen Zeitung und frühere Staatsanwalt hält ein leidenschaftliches Plädoyer für die Zeitung der Zukunft – ob sie auf Papier oder im Netz erscheint, ist ihm einerlei.<br />
<span id="more-30488"></span><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/06/prantl_buch.jpg" class="alignright" width="200" height="372" /> Wo «Zukunft des Journalismus» draufsteht, ist oft nur Science-Fiction drin: Fantastische Wunderwelten, viel Technik, schreibende Roboter und künstliche Intelligenz. Wenn Heribert Prantl von der «Zukunft des Journalismus» spricht, dann meint er zuerst die Gegenwart. Drei Vorlesungen, die der Redaktor der Süddeutschen vor einem Jahr an der Uni Wien gehalten hatte, sind nun als Buch erschienen.</p>
<p>Prantls Diagnose liest sich wenig erbaulich. Nicht, weil er schwarzmalt, sondern weil Prantl den Finger dorthin legt, wo es wehtut. Nur: Wer spürt das noch? Eine grössere Bedrohung als staatliche Gängelung, stellten «die geistigen Zwangsjacken» dar, «die sich der Journalismus selbst anzieht.» Die Liste der hausgemachten Hindernisse ist altbekannt, aber deshalb nicht minder aktuell: Vermischung von Journalismus und PR, fehlende Ressourcen, Generalisten ersetzen Spezialisten, Exklusiveritis und Indiskretionsjournalismus.</p>
<p>Damit verspiele der Journalismus den verfassungsmässig garantierten Schutz durch das Grundrecht der Pressefreiheit – und dann «verlieren Zeitungen ihre Zukunft.» Nicht die technologische Entwicklung, nicht das Internet sieht Prantl als Bedrohung für die Zeitung, sondern der Journalismus selbst. Wobei Prantl «Zeitung» nicht als bedrucktes Papier begreift, sondern als Periodikum und publizistische Plattform mit der noblen Aufgabe eine «demokratische Mittlerrolle» zu spielen, unabhängig von seiner physischen Erscheinungsform. Auf die ewige Debatte Papier vs. Online lässt sich Prantl gar nicht erst ein. Er sagt nur: «Es gibt guten und schlechten Journalismus, in allen Medien. So einfach ist das.»</p>
<p>Anders als manche Zeitungsmacher über 50 pflegt Prantl überhaupt ein sehr entspanntes Verhältnis zum Internet, ja sogar Blogs findet er eine ganz gute Sache, da sie dort einspringen können, wo der Journalismus versagt. Bezeichnenderweise nennt er hier aber kein Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum, sondern eines aus den USA: Als die Zeitungen in der Bush-Ära «fast komplett versagt» hätten, seien Blogs «als eine demokratische Not- und Selbsthilfe» eingesprungen.</p>
<p>Für die wirtschaftliche Herausforderung von Medienunternehmen hält Prantl eine simple Regel parat: «Wenn die journalistische Bilanz (..) stimmt, dann stimmt langfristig auch die ökonomische.» Denn Qualität schaffe Vertrauen und damit «kommen auch Klicks, Reichweiten und Auflage.» Doch ganz so einfach verhält es sich mit dem Vertrauen nicht. Ein Teil des verloren gegangenen Vertrauens in die Medien lässt sich nicht mehr zurückgewinnen. Zu Fragen der praktischen Lebensgestaltung hat der Journalismus die Lufthoheit verloren. Welche Musik wir hören, wohin wir in die Ferien verreisen, für solchen Rat vertrauen wir vermehrt online vermittelten «Freunden» und algorithmisch generierten Geschmacksempfehlungen. Dagegen hat selbst der beste und integerste Journalismus einen schweren Stand.</p>
<p>Umso wichtiger, dass der Journalismus in seinen Kerngeschäft, dort wo er «systemrelevant» ist, nicht versagt. Voraussetzung dafür sei Haltung und die Bereitschaft, in einem Kommentar oder Leitartikel Partei zu ergreifen, «nicht für eine politische Partei, sondern für eine Sache.» Das erfordert Sachkunde und die Fähigkeit zu formulieren. Prantl geht hier mit gutem Beispiel voran. Seine Kritik am Journalismus der Gegenwart ist radikal und fundiert, ohne dabei in Larmoyanz oder Kulturpessimismus zu verfallen. Zu fest ist er von der Zukunft des Journalismus überzeugt. Der Optimismus, den er versprüht, wirkt ansteckend und motivierend, was auch der Eloquenz des früheren Staatsanwalts geschuldet ist. Dass es sich beim vorliegenden Bändchen um drei Reden und nicht um eine Schreibe handelt, ist bei der Lektüre nicht zu überhören.</p>
<p><small>Heribert Prantl: Die Welt als Leitartikel: Zur Zukunft des Journalismus. Theodor-Herzl-Vorlesung, Picus Verlag, Wien 2012.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/05/leidenschaft-statt-larmoyanz/">Leidenschaft statt Larmoyanz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wahlhelfer ohne Mandat</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/30/wahlhelfer-ohne-mandat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Torsten Haeffner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 14:15:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Heribert Prantl]]></category>
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		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer mehr Medien definieren ihren Auftrag neu: Sie betreiben politische Beeinflussung statt Informationsvermittlung. Die Journalisten verlassen den Pfad der Berichterstattung und machen aus ihren (partei)politischen Präferenzen keinen Hehl. Aktuelle Beispiele aus der Schweiz und Deutschland. Am 13. September kritisierte Bundesrätin Doris Leuthard die Medien: «… und man erlebt immer wieder, dass Sachverhalte falsch wiedergegeben werden. <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/30/wahlhelfer-ohne-mandat/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/798_5_Wahlurne.jpg" alt="" width="120" height="114" /> Immer mehr Medien definieren ihren Auftrag neu: Sie betreiben politische Beeinflussung statt Informationsvermittlung. Die Journalisten verlassen den Pfad der Berichterstattung und machen aus ihren (partei)politischen Präferenzen keinen Hehl. Aktuelle Beispiele aus der Schweiz und Deutschland.<br />
<span id="more-28923"></span><br />
Am 13. September kritisierte Bundesrätin Doris Leuthard <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=97341&amp;criteria=Leuthard&amp;display_search=true " target="_blank">die Medien</a>: «… und man erlebt immer wieder, dass Sachverhalte falsch wiedergegeben werden. Nicht zuletzt schreiben Journalistinnen und Journalisten voneinander ab, gerade wegen der schnellen Online-Konkurrenz, die vertiefende Recherchen kaum mehr zulässt.»</p>
<p>Die Bundesrätin betreibt, was sie den Journalisten selbst vorwirft: Sie verkürzt. Die qualitative Verluderung vieler Medien mag zwar dem Kosten- oder Zeitdruck geschuldet sein, aber sie kommt manchen Medien durchaus gelegen. Längst machen sie aus der vermeintlichen Not (Kostendruck) eine Tugend und sehen ihr Kerngeschäft nicht mehr in der aufwändigen Vermittlung und Interpretation von Information, sondern in der oft billigen Demagogie und in der Emotionalisierung der Leser. Das bringt Aufmerksamkeit und Klickraten. Die Werbebranche wirds freuen, wie die Medienmacher auch.</p>
<p>Beispiel Weltwoche: In Ausgabe 38 veröffentlichte die Wochenzeitung auf Seite 39 ein Essay von Nikolaus Blome, stellvertretender Bild-Chefredaktor. Titel: «Warum ich die Schweiz hasse» (leider nur <a href=" http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=542668" target="_blank">auszugsweise online</a>). Auf drei Spalten breitet sich Blome aus. Erst mag man angesichts der inhaltlichen wie sprachlichen Provokationen an einen Scherz glauben. Schliesslich aber wird klar, was die Weltwoche mit so einem Beitrag will: den Leser angesichts der dargebotenen deutschen Arroganz das Grausen lehren, damit er im Oktober der rechten Partei seine Stimme gibt. Die Woche zuvor übrigens besorgte dieses Geschäft kein geringerer als der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber.</p>
<p>Beispiel Tages-Anzeiger und «Newsnetz»: Am 26. September publizierte Thomas Knellwolf einen Beitrag mit dem Titel «Reimanns Geheimauftritt bei den Islamophoben». In seinem Artikel versucht der Journalist den SVP-Politiker Lukas Reimann mit allen Tricks und Kniffen in <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Reimanns-Geheimauftritt-bei-den-Islamophoben/story/10598704" target="_blank">die Ecke rechtsradikaler Islamgegner</a> zu stellen. Gleichzeitig unterstellt er ihm, einen Auftritt bei den «Islamophoben» vor einem Jahr verheimlichen zu wollen. Welche Absicht der Tagesanzeiger mit diesem Bericht verfolgt: den Leser aufwiegeln, damit er im Oktober einer Partei links von der Mitte seine Stimme gibt.</p>
<p>Weltwoche und Tages-Anzeiger sind harmlose Demagogen. Wer wissen will, wie richtiger Kampagnenjournalismus funktioniert, muss nur nach Deutschland schauen. Dort zeigen neben «Bild» auch Medien wie «Der Spiegel», dass Journalisten ihre Kernkompetenzen neu definiert haben.</p>
<p>Beispiel «Spiegel Online» SPON: Der Internet-Ableger des Nachrichtenmagazins ist längst zur führenden News-Entertainment- und Kampagnen-Plattform verkommen. Seit Monaten schreiben die Hamburger gegen die auf Bundesebene mitregierende FDP an. Nachdem Westerwelle als Parteivorsitzender zu Fall gebracht wurde, betreiben die Spiegel-Leute hartnäckig auch <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783054,00.html" target="_blank">dessen Sturz als Aussenminister</a>. Damit die Kampagne nicht abreisst, luden sie gleich auch gegen den kaum ins Amt gewählten neuen FDP-Chef Philipp Rösler die Büchsen. Als dieser sich vor kurzem Denkverbote im Kontext mit der drohenden Griechenland-Insolvenz verbat, wurde er in etlichen SPON-Artikeln regelrecht geschlachtet, währenddessen Wirtschaftsexperten, die sich ähnlich oder gleichlautend wie Rösler äusserten, von SPON wohlwollend zu Super-Experten emporgeschrieben wurden.</p>
<p>«Dürfen Journalisten Politik machen?», lautete die Frage, die Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der «Süddeutschen Zeitung», im Medienmagazin <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/prantl121.html" target="_blank">«Zapp» des NDR</a> gestellt bekam. Eine klare Antwort blieb Prantl leider schuldig. Dafür zog der renommiert Journalist gegen seine Kollegen vom Leder und offenbarte, dass da und dort ein eigenartiges Demokratieverständnis herrscht: «Die Online-Dienste hacken über Tage in die gleiche Kerbe und hauen die Kerbe immer tiefer, auch aus Lust am Zuschlagen. Und vielleicht auch deswegen (..), weil das kritische Umgehen mit Personen sehr viel einfacher ist als die kritische Auseinandersetzung mit komplexen Sachthemen. Vielleicht ist es auch ein Stück weit Erholung von den Komplexitäten der Finanzkrise, der Euro-Krise, dass man mal wieder ein klassisches Thema hat, eine Personalie, eine Person, an der man sich mit Lust abarbeiten kann.»</p>
<p>Doch auch Prantl selbst ist nicht davor gefeit, im Trüben zu fischen und zu behaupten, statt zu belegen; etwa in seinem Artikel vom 19. September 2011 <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/union-und-fdp-nach-der-berlin-wahl-gelb-vergilbt-1.1145603" target="_blank">«Gelb vergilbt»</a>, wo er kundtut: «Immer mehr Bürger erwarten daher das Ende dieser Regierung wie ein Weihnachtsfest.» Woher Prantl das weiss, schreibt er nicht.</p>
<p>Man kann, wie Bundesrätin Leuthard dies tut, die «Verarmung der Medienlandschaft» beklagen. Der CVP-Politikerin hätte es indes gut zu Gesicht gestanden, die Dinge gleich beim Namen zu nennen: Nicht die verarmende Medienlandschaft ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Journalisten heute mitunter selbst Politik betreiben und politische Prozesse aktiv mitgestalten. Ein Mandat dafür haben sie freilich keines.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/30/wahlhelfer-ohne-mandat/">Wahlhelfer ohne Mandat</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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