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	<title>IAM | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 08:16:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft. Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Medien beklagen sich regelmässig und völlig zurecht über die Kommunikationsverhinderung durch Verwaltung und Behörden. Nur: Das Know-How der Staatsangestellten stammt mehrheitlich von praktizierenden und ehemaligen Journalistinnen und Journalisten, welche die Gegenseite schulen. Wie die Recherche zeigt, ist das ein florierendes Geschäft.<br />
<span id="more-27254"></span><br />
Ist es berufsethisch vertretbar, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen? Kein Problem, findet zum Beispiel Eva Novak, die Leiterin der Bundeshausredaktionen der Neuen Luzerner Zeitung und der Zentralschweiz am Sonntag. 2013 und 2014 liess sie sich vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für zwei Medienseminare sowie einen Grundkurs Medienarbeit bezahlen (<a href="https://medienwoche.ch/2015/11/27/hoechste-bundeshausjournalistin-staerkt-behoerdenkommunikation/">die MEDIENWOCHE berichtete</a>). Das Ziel der Kurse war es, mit Kamera- und Interview-Trainings die Kommunikations- und Auftrittskompetenz der Verwaltungsangestellten zu verbessern sowie deren Verständnis für die Arbeitsweise und Bedürfnisse von Medienschaffenden zu fördern.</p>
<p>Kein Problem, findet auch ihr langjähriger Chef, der per Ende April zurückgetretene NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser. Er wies auf die 80-Prozent-Teilzeitarbeit seiner Kadermitarbeiterin hin: «Frau Novak arbeitet bei uns als redaktionelle Teilzeitangestellte. Sie ist damit arbeitsrechtlich grundsätzlich frei in der Gestaltung ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten, soweit diese die Interessen ihres Arbeitgebers LZ Medien nicht tangieren.» Kein Problem, findet auch EDA-Sprecher Georg Farago: «Wir wollen betonen, dass Journalistinnen und Journalisten, die solche Mandate übernehmen, keinesfalls ihre Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit gegenüber dem EDA oder der Bundesverwaltung verlieren. Weder verlangt das EDA von Ihnen Wohlwollen in der Berichterstattung noch erwartet es diese indirekt.»</p>
<p>Aber ist es wirklich kein Problem? Novak unterstützt die Verwaltung, die sie mit den Fragen der Öffentlichkeit konfrontieren sollte, darin, sich geschickter diesen Fragen zu widersetzen. Kann journalistisch glaubwürdig bleiben, wer der Gegenseite beibringt, wie man die Anfragen der eigenen Zunft am Besten ins Leere laufen lässt? Können die Leser von der NLZ und der ZaS kritischen Journalismus über die Behörden erwarten, wenn die Bundeshauschefin einen Teil ihres Einkommens von ihnen finanzieren lässt? Sehen die Journalisten in der Vereinigung der Bundeshaus-Journalisten (VBJ), der Novak als Präsidentin vorsteht, in ihr weiterhin eine Vertreterin der eigenen Interessen gegenüber der Bundesverwaltung? Und wenn diese Tätigkeiten so problemlos und unverfänglich sind, wie sie dargestellt werden, warum gibt es nur sehr wenige Journalisten, die mit dem Thema offen umgehen? Einer der wenigen ist Jacques Briod, der auf seiner Website <a href="http://jbcomm.ch/" target="_blank">jbcomm.ch</a> Journalismus, Kommunikation, Beratung und Medientraining anbietet – als gäbe es keinen grundlegenden Unterschied zwischen journalistischen und werblichen Tätigkeiten. 2012 schulte er zusammen mit der ehemaligen Radio- und Fernsehjournalistin Elisabeth Weyermann das Bundesamt für Polizei fedpol – das EJPD verbuchte den Betrag von 22&#8217;872 Franken.</p>
<p>Neben Novak war auch der Verantwortliche der Bundeshausredaktion der Tageszeitung «Le Temps», Bernard Wuthrich, für die Behörden tätig. 2013 erklärte er für 1000 Franken Honorar Mitarbeitern des BFS, was ein Journalist von einer Medienmitteilung erwartet. Ausserdem führte er für das EDA an fünf halben Tagen einen jeweils mit 700 Franken vergüteten Grundkurs Medienarbeit durch. Er wäre, so schreibt er auf Anfrage, für seinen Aufwand gerne nur mit einer Schachtel Pralinen oder einer Flasche Wein kompensiert worden, aber das sei leider nicht Usus bei der Bundesverwaltung: «Mein Ziel war, die Kursteilnehmer zu ermutigen, Fragen von Journalisten zu beantworten und nicht zu verweigern. Diese Engagements wurden im Einvernehmen mit meiner Chefredaktion durchgeführt und haben immer ein einziges Ziel verfolgt: die Interessen der Journalisten zu verteidigen.»</p>
<p>Jürg Rüttimann vom Tages-Anzeiger war 2013 Leiter der Wirtschaftsredaktion bei der SDA. Für 4500 Franken brutto unterrichtete er drei Kurstage über Medienarbeit und schulte Fachmitarbeiter des Bundesamts für Kultur (BAK) im Verfassen von Medienmitteilungen. Einen Interessenskonflikt mit seiner Arbeit als Journalist sieht Rüttimann deshalb keinen, weil die Behördenmitarbeiter in einem anderen Bereich tätig waren als er (Kultur statt Wirtschaft) – wäre das anders gewesen, hätte er das Angebot abgelehnt. Vermittelt wurde er über einen Bekannten eines Bekannten, weil noch deutschsprachige Kursleiter gesucht wurden. Im Budget des BAK tauchen die Kurstage mit 9000 Franken auf, verrechnet an die Weiterbildungsstelle der Universität Fribourg.</p>
<p>Das SRF hat die Problematik von Medientrainings durch Journalisten erkannt und gehandelt. Seit einem Geschäftsleitungsentscheid im Sommer 2012 dürfen SRF-Mitarbeiter keine Medientrainings mehr anbieten. Im entsprechenden Reglement heisst es: «Eine Tätigkeit als Medientrainer/in (Training von Interviews, Medienauftritten, Tipps für Medienarbeit) ist für Mitarbeitende von SRF aus Glaubwürdigkeitsgründen problematisch und mit ihrer beruflichen Funktion grundsätzlich nicht zu vereinbaren.» Der inzwischen pensionierte SRF-Journalist Thomas Kropf führte im Auftrag des MAZ ab 2012 jedes Jahr Kurse für Personen aus dem EJPD durch – das Departement listet einen Betrag von 14&#8217;000 Franken auf. Keine Medientrainings, vielmehr schulte Kropf EJPD-Juristen in einer regelmässig stattfindenden Schreibwerkstatt, die zu besser verständlichen Manuskripten für Reden von Bundesrätin Sommaruga führen sollte. Problematisch findet er das aus mehreren Gründen nicht: die Kursteilnehmer waren nicht im Kontakt mit Journalisten, er selbst hatte als Radio-Nachrichtenredaktor keinen Kontakt zu den Kursteilnehmern und vermittelt wurde nicht, wie man sich gegenüber Journalisten verhält, sondern nur die Erstellung eines verständlichen Redetextes. SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger bestätigt seine Tätigkeiten für die Behörden: «Thomas Kropf war bis 2015 Teilzeit bei SRF in der Ausbildung und in der Chefredaktion Radio tätig und durfte damit Nebenbeschäftigungen nachgehen.»</p>
<p>Viele der Staatsbediensteten-Trainer sind ehemalige Journalisten: Noch letztes Jahr bildeten Christian Müller und Andreas Stutz die Chefredaktion der Zürcher Oberland Medien (ZOB) und verantworteten die Tageszeitungen «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Jetzt sitzen sie in einer Villa in Uster und bieten speziell auf Behörden und Organisationen zugeschnittene Medientrainings an. Zum Pauschalpreis von 4400 Franken können staatliche Stellen bei der <a href="http://dimedio.ch/#seminare" target="_blank">Dimedio GmbH</a> für maximal 12 Personen ein Tagesseminar inklusive Vorbesprechung, Kursunterlagen und Zertifikat buchen. Daniel Deicher (Ex-Sonntagsblick) und Simon Kopp (Ex-SRF) im luzernischen Buchrain werben damit, besonders praxisnah zu sein: «<a href="http://www.deicherkopp.ch/de" target="_blank">Deicher | Kopp Kommunikation</a> arbeitet mit Fallbeispielen aus dem Umfeld Ihrer Organisation oder mit realen Medienmitteilungen und Kampagnen.» Die <a href="http://www.metacom.ch/" target="_blank">metacom GmbH</a> in Aarau wird geführt vom ehemaligen Kriegsreporter Beat Krättli und von der Ex-Videojournalistin Anna Muser und beschäftigt auch SRF-Journalisten, wie die SRF-Mediensprecherin auf Anfrage bestätigt: «Henriette Engbersen arbeitet 60 Prozent als Journalistin für die Tagesschau und darf damit Nebenbeschäftigungen nachgehen. Dasselbe gilt für Thomas Pressmann, der 80 Prozent für das Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis tätig ist. Beide gehen einer Nebenbeschäftigung in Nachdiplom- und Diplomstudiengängen in Krisenkommunikation nach. Die SRF-Journalisten unterstützen dort die Übungsleitung während Krisensimulationen. Hierbei geht es primär darum, den Studierenden aufzuzeigen, wie die Medien arbeiten und welche Bedürfnisse sie haben.» Für Dimedio, Deicher/Kopp und Metacom verbuchte das Staatssekretariat für Migration SEM im Zeitraum von 2013 bis 2015 62&#8217;800 Franken. Der Gesamtbetrag aller Medientrainings für den Staat ist natürlich viel höher, kann aber nicht offiziell beziffert werden.</p>
<p>Aufgrund der Integration der Medientrainingskurse der Zollverwaltung in das Kursangebot des Ausbildungszentrums der Bundesverwaltung (AZB) musste das Eidgenössische Personalamt (EPA) Ende März erstmals eine Ausschreibung auf Simap.ch publizieren (Projekt-ID 138216), denn der im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen Art. 6b festgesetzte Schwellenwert von 230&#8217;000 Franken für Dienstleistungen wurde überschritten. Wie im Aufgabenbeschrieb der Ausschreibung ersichtlich ist, geht es bei den (allen Mitarbeitern der Bundesverwaltung offenstehenden) Medientrainings um das Erlernen des Umgangs mit Journalisten: «Die Kurse zum Umgang mit Medien bereiten Mitarbeitende und Kader auf die Kommunikation mit den Medien in unterschiedlichen Situationen vor.» Wichtig scheint die Pflege des Images der Bundesangestellten zu sein: «Der professionelle Auftritt der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vor den Medien beinhaltet immer auch die Komponente der Imagepflege der Bundesverwaltung.» Noch bis zum 13. Mai 2016 können sich Medientrainer bewerben, die dem Anforderungsprofil entsprechen – darunter werden natürlich auch Journalisten sein. Das EPA rechnet von 2017 bis 2024 mit 144 Kurstagen auf Deutsch und 48 Kurstagen auf Französisch. Rechnet man mit dem Behördentraining-Tagessatz der Dimedio von 4400 Franken, so wären es rund 120&#8217;000 Franken pro Jahr, die das EPA einsetzen will, um Journalisten zu verstehen und um den eigenen Glanz zu pflegen.</p>
<p>Anders als beispielsweise in Deutschland, wo sich renommierte Journalistenschulen klar von der PR abgrenzen, wird Journalismus und PR in der Schweiz bereits in der Ausbildung vermischt. Im Institut für angewandte Medienwissenschaften IAM in Winterthur studieren künftige Journalisten und PR-Leute im modular aufgebauten Studium «Bachelor Kommunikation» Seite an Seite. Bereits hier werden Beziehungen aufgebaut, die danach für den kritischen Journalismus zum Problem werden können. Denn welcher Journalist möchte schon einem netten ehemaligen Schulkamerad mit einer Story ein grosses Problem einhandeln? Im PR-Sprech auf der Website des IAM klingt das freilich anders: «In der Ausbildung trainieren Sie von Anfang an, die Perspektiven nicht zu vermischen, sondern einander entgegen zu setzen und im Verlauf des Studiums zu profilieren.» Die Journalistenschule MAZ führt regelmässig Medientrainings durch und unterrichtet dabei auch Behörden. Die Kursleiter werden aus einem Pool von Medientrainern ausgewählt, die nach Angaben des MAZ allesamt keine aktive Journalistenfunktion inne haben. Umsätze gibt das MAZ keine bekannt, aber die «Kunden Kommunikation | Rhetorik» sind im Jahresbericht nachzulesen. 2015 waren zum Beispiel dabei: die Eidgenössischen Departemente EDA, WBF, VBS, EFD, die Bundesämter BLV, BBL, BFE, BAG, BSV, BFS, BAV, BABS, ARE, Baspo, Bafu, Astra, Swisstopo, Armasuisse, die Finma, Präsenz Schweiz, die Zollverwaltung. Weiter aufgeführt sind sechs Universitäten, fünf Stadtverwaltungen, fünf IV-Stellen, vier Gemeindeverwaltungen, vier Kantonspolizeien, zwei Stadtpolizeien, zwei Fachstellen. Und selbst die Medien brauchen Medientrainings: Die SRG ist genau so unter den Kunden wie die NZZ, die AZ Medien AG oder die BauernZeitung. Insgesamt nahm das MAZ 4,8 Millionen Franken netto durch Kursgelder ein; die Abteilung Kommunikation erwirtschaftete dabei erstmals mehr Umsatz als die Abteilung Journalismus.</p>
<p><small>Der Text erschien zuerst in gekürzter Form in der Zeitschrift «Schweizer Journalist».</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/wenn-journalisten-am-eigenen-ast-saegen/">Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Publikumsdialog bringt Inputs, Nähe und manchmal Ärger</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/11/publikumsdialog-bringt-inputs-naehe-und-manchmal-aerger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominik Allemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2015 12:41:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die neueste IAM-Bernet-Studie beleuchtet die Nutzung des Internet – und allen voran der Social Media Kanäle – durch Medienschaffende. Beim Recherchieren, Publizieren und Diskutieren: Die Kanäle bringen mehr Tempo, Vielfalt aber auch Aufwand. Im Austausch mit dem Publikum sehen die Befragten Nutzen, aber auch Potenzial für Ärger. Bereits seit 2002 untersuchen das Institut für Angewandte <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/11/publikumsdialog-bringt-inputs-naehe-und-manchmal-aerger/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die neueste IAM-Bernet-Studie beleuchtet die Nutzung des Internet – und allen voran der Social Media Kanäle – durch Medienschaffende. Beim Recherchieren, Publizieren und Diskutieren: Die Kanäle bringen mehr Tempo, Vielfalt aber auch Aufwand. Im Austausch mit dem Publikum sehen die Befragten Nutzen, aber auch Potenzial für Ärger.<br />
<span id="more-24502"></span><br />
Bereits seit 2002 untersuchen das Institut für Angewandte Medienwissenschaften und Bernet_PR die Webnutzung von Journalistinnen und Journalisten. Erstmals liegen dieser Arbeit 18 ausführliche Interviews mit Exponenten verschiedener Journalismus-Gattungen zu Grunde. In den letzten Monaten entstanden, sind die Portraits <a href="http://bernetblog.ch/tag/jstudie/" target="_blank">regelmässig im bernetblog erschienen</a>. Die ganze Studie ist <a href="http://bernet.ch/journalistenimweb/" target="_blank">als Buch und E-Book erhältlich</a>.</p>
<p>Das Web ist im Medienalltag angekommen. Man sieht und nutzt seine Chancen, ortet aber auch Risiken und Mehraufwände. <a href="http://bernetblog.ch/2015/04/09/journalisten-im-web-rechechieren-mit-social-media/" target="_blank">In der Recherche</a> hat es die Wege zu Auskunftsquellen drastisch verkürzt. Allen voran Facebook und Twitter dienen als Seismographen für die Themenfindung und zur Inspiration für Geschichten abseits von Muss-Schlagzeilen. Zurückhaltung ist spürbar beim Publizieren durch Medienschaffende und Redaktionen: Nur wenige Journalistinnen oder Journalisten bauen sich ihre eigene «Online-Marke» auf.</p>
<p>Die Zeiten sind vorbei, wo sich das Engagement der Medien auf das Aussenden beschränkte. Formate mit Publikums-Einbezug, Feedback- und Input-Möglichkeiten bringen Nähe zum Publikum. Einige der Befragten sehen darin Chancen für mehr Qualität durch Korrekturen aus dem Publikum. Gerade Journalisten mit sehr spezifischem Themenbezug (Fachjournalisten, Special Interest) erhalten durch Aufbau und Pflege ihrer Community wertvolle Inputs, Anregungen oder auch Krititk. Hier liegen auch Befürchtungen einiger Befragten: Durch den einfachen, schnellen Austausch sei die Hürde für notorische Nörgler nochmals gesunken, im Vergleich zum Briefverkehr oder Telefonanruf von früher.</p>
<p>Die gewonnene Nähe zum Publikum kann aber trügerisch sein, so äussert sich ein Befragter. Die Offenheit auf Social Media höre meist dann auf, wenn Menschen aus dem Publikum mal persönlich auf der Redaktion vorbeischauen möchten. Hier wurde zuvor möglicherweise eine Nähe suggeriert, die dann in der Realität enttäuscht wird.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/11/publikumsdialog-bringt-inputs-naehe-und-manchmal-aerger/">Publikumsdialog bringt Inputs, Nähe und manchmal Ärger</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zukunft des Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MW Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2014 16:21:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienmonitor]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus-Tag ist das wichtigste Stelldichein der Medienschaffenden in der Schweiz. Am 5. November ging es in Winterthur in einer Mischung aus Rückblick und Ausblick um die Zukunft einer Profession, an die selbst manche ihrer Protagonisten nicht mehr richtig glauben wollen. Der MEDIENMONITOR-Schwerpunkt dieser Woche widmet sich aus aktuellem Anlass der Zukunft des Journalismus. Das <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalismus-Tag ist das wichtigste Stelldichein der Medienschaffenden in der Schweiz. Am 5. November ging es in Winterthur in einer Mischung aus Rückblick und Ausblick um die Zukunft einer Profession, an die selbst manche ihrer Protagonisten nicht mehr richtig glauben wollen. Der MEDIENMONITOR-Schwerpunkt dieser Woche widmet sich aus aktuellem Anlass der Zukunft des Journalismus.<br />
<span id="more-21875"></span><br />
<strong><a href="http://jourtag14blog.wordpress.com/" target="_blank">Das war der Journalismus-Tag 2014</a></strong><br />
Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p>
<p><strong><a href="http://www.2110.ch/qualitaet-durch-umbruch/" target="_blank">Qualität durch Umbruch</a></strong><br />
Am JournalismusTag.14 wurde ein ganzer Tag über die Qualität im Journalismus debattiert. Abgesehen von wenigen Ausnahmen kam die Innovation in den Workshops zu kurz. Ein Problembeschrieb.</p>
<p><strong><a href="http://landbote.ch/detail/article/wie-geht-es-dem-journalismus/gnews/99289588/" target="_blank">Wie geht es dem Journalismus?</a></strong><br />
Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p>
<p><strong><a href="http://www.landbote.ch/detail/article/die-redaktionen-sind-wie-irre-am-ueberreagieren/gnews/99289578/" target="_blank">«Die Redaktionen sind wie irre am Überreagieren»</a></strong><br />
Rund 200 Journalisten treffen sich morgen in Winterthur. Der Mitorganisator und ZHAW-Dozent Vinzenz Wyss übt Kritik an der Branche.</p>
<p>Weitere Artikel zum Thema:<br />
<a href="http://medienmonitor.ch/post-dossier/zukunft-des-journalismus/"><a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/10/monitor.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-21783" title="monitor" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/10/monitor.jpg" alt="" width="460" height="107" /></a></a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/zukunft-des-journalismus/">Zukunft des Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das war der Journalismus-Tag 2014</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/06/dokumentation-journalismus-tag-2014/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2014 09:29:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[Journralismus-Tag]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/dokumentation-journalismus-tag-2014/">Das war der Journalismus-Tag 2014</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das IAM-Reporterteam ist am Journalismustag 2014 unterwegs und sucht spannende Statements, provokative Behauptungen, knackige Tweets und starke Bilder. Die Studierenden des ersten Semesters Journalismus und Organisationskommunikation testen am #JourTag14 ihre Reporterfähigkeiten und bringen aus allen Tagungen Material mit, aus denen Berichte für diesen Liveblog entstehen sollen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/06/dokumentation-journalismus-tag-2014/">Das war der Journalismus-Tag 2014</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die Redaktionen sind wie irre am Überreagieren»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/04/die-redaktionen-sind-wie-irre-am-ueberreagieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2014 09:30:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vinzenz Wyss]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus Tag]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[Landbote]]></category>
		<category><![CDATA[Jigme Garne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund 200 Journalisten treffen sich morgen in Winterthur. Der Mitorganisator und ZHAW-Dozent Vinzenz Wyss übt Kritik an der Branche.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/die-redaktionen-sind-wie-irre-am-ueberreagieren/">«Die Redaktionen sind wie irre am Überreagieren»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rund 200 Journalisten treffen sich morgen in Winterthur. Der Mitorganisator und ZHAW-Dozent Vinzenz Wyss übt Kritik an der Branche.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/04/die-redaktionen-sind-wie-irre-am-ueberreagieren/">«Die Redaktionen sind wie irre am Überreagieren»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>…und wo sollen die alle arbeiten?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 13:20:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalistenschulen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt viele Journalistenschulen in der Schweiz, die theoretische Grundlagen ausbilden. Das Problem: Die Schüler treffen auf völlig andere Realitäten in den Redaktionen. Erfolgreiche Journalisten werden in der täglichen Praxis und in der Zusammenarbeit mit Vorbildern erzeugt. Während journalistisch arbeitende Medien die letzten Jahre in finanzielle Bedrängnis gekommen sind, Leistungen abbauen mussten und es überhaupt <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele Journalistenschulen in der Schweiz, die theoretische Grundlagen ausbilden. Das Problem: Die Schüler treffen auf völlig andere Realitäten in den Redaktionen. Erfolgreiche Journalisten werden in der täglichen Praxis und in der Zusammenarbeit mit Vorbildern erzeugt.<br />
<span id="more-28956"></span><br />
Während journalistisch arbeitende Medien die letzten Jahre in finanzielle Bedrängnis gekommen sind, Leistungen abbauen mussten und es überhaupt ständig weniger rein journalistische Arbeitsplätze gibt, werden immer mehr Journalisten ausgebildet​. Junge, teilweise orientierungslose Menschen, die «etwas mit Medien» machen wollen, bilden eine Nachfrage, die Journalistenschulen mit einem Angebot befriedigen  &#8211; <a href="http://www.linguistik.zhaw.ch/de/linguistik/iam/studium/bachelorstudium-journalismus-organisationskommunikation-jo/kosten.html">hier etwa der Kostenkatalog des IAM</a>. Auch das Publizistikstudium ist seit vielen Jahren ein Renner unter Studenten.</p>
<p>Wir haben dazu bei den Journalistenschulen nachgefragt, wie viele Absolventen sie denn durchschnittlich in den letzten Jahren ausgebildet haben. Genaue Zahlen konnten die <a href="http://www.ringier.ch/index.cfm?rub=718">Ringier-Journalistenschule</a> und das <a href="http://maz.ch/">MAZ</a> liefern, ungefähre Schätzungen erhalten haben wir von der <a href="http://www.medienkurse.ch/">Medienschule Nordwestschweiz</a> (MNS), dem <a href="http://www.linguistik.zhaw.ch/de/linguistik/iam.html">Institut für Angewandte Medienwissenschaft</a> (IAM) und der <a href="http://www.sal.ch/">Schule für angewandte Linguistik</a> (SAL). Zusammengezählt ergibt sich trotzdem ein klares Bild, siehe unsere Grafik hier:</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/11/Absolventen-journalistischer-Ausbildungen-an-fünf-Schweizer-Journalistenschulen-Grafik-Ronnie-Grob-medienwoche.jpg" alt="Absolventen journalistischer Ausbildungen an fünf Schweizer Journalistenschulen - Grafik: Ronnie Grob, medienwoche.ch" title="Absolventen journalistischer Ausbildungen an fünf Schweizer Journalistenschulen - Grafik: Ronnie Grob, medienwoche.ch" width="460" height="306" class="alignnone size-full wp-image-5939" /></p>
<p>Praxisorientierte Studiengänge bieten auch Hochschulen an, zum Beispiel die Abteilung <a href="http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/index.php?page=hauptfach-90-ects">Medien- und Kommunikationswissenschaft der Uni Fribourg</a>.</p>
<p>Nicht wenige Lehrer an den Journalistenschulen (auch den sogenannt praxisbezogenen) dozieren aus einer Zeit und für eine Zeit, die vorbei ist. Von den Möglichkeiten des Onlinejournalismus, von Links und sozialen Netzwerken haben viele oft keine blasse Ahnung. Journalistenschüler beklagen, in dieser Hinsicht <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/">nichts gelernt zu haben</a>, zum Beispiel Moritz Kaufmann, inzwischen Mitarbeiter der «Basellandschaftlichen Zeitung»: «Ich hätte gerne gelernt, wie man Infografiken programmiert und Websites bearbeitet.»</p>
<p>Es ist eine untergegangene Zeit, in der die gedruckte «New York Times» das leuchtendste Vorbild am Horizont, der Pulitzer-Preis das höchste Ziel, Diskussionen über die Abgrenzung verschiedener Textformen die schönste Theorie sind. Aus theoretischen und historischen Gründen ist es sicher nicht falsch, das mal zu hören. Für die zeitgenössische journalistische Praxis kann das aber nur etwa jeder zehnte oder hundertste Abgänger gebrauchen.</p>
<p>In der Newsnetz-Online-Redaktion zum Beispiel muss ein Neuling schon recht bald mal <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">zwei oder drei Storys täglich</a> raushauen. Journalismus ist da nicht das Ziel der Arbeit, sondern vielmehr das Mittel zum Erreichen der Klickperformance, mit der die Werbegelder stehen und fallen. Recherchen zu betreiben, aus denen vielleicht nichts wird, liegt nicht drin &#8211; dafür ist der Tag zu kurz (das gilt auch für viele Zeitungen). Abwehren muss der Neujournalist zudem das Bombardement der PR-Leute, die den Auftrag haben, ihn zu vereinnahmen. Einfach ist das nicht, hat er doch mit einigen von ihnen, zum Beispiel an der ZHAW, noch vor Kurzem freundschaftlich die Schulbank geteilt. Wie verschlungen die Zusammenarbeit zwischen Werbung und Journalismus in den Schweizer Medien sein kann, auch, vielleicht vor allem auf Chefredaktor-Ebene, hat Lukas Egli kürzlich in seiner <a href="http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/27071760">Gripen-Werbung-Story</a> aufgezeigt.</p>
<p>Doch Schulen und Lehrgänge hin oder her &#8211; die Praxis scheint immer noch die allerbeste Journalistenschule überhaupt zu sein. Denn wenn es darum geht, anhand von bekannten Journalisten eine Liste zu erstellen, welche Ausbildung denn nun die erfolgreichste ist, dann ragt ganz klar ein Name obenaus: Roger Schawinski.</p>
<p>Hier eine sicher unvollständige Liste von durchaus wohlbekannten Schülern der Schule Schawinski: Matthias Ackeret, Markus Gilli, Eva Wannenmacher, Hugo Bigi, Reto Brennwald, Frank Baumann, Katja Stauber, Florian Inhauser, Urs Leuthard, Röbi Koller, Ursi Spaltenstein, Dani Wyler, Daniela Lager, Nik Hartmann, Mario Torriani, Anna Maier, Nik Niethammer, Daniel Pünter, Claudio Zuccolini, Pascal Scherrer, Roman Kilchsperger, Jörg Kachelmann, Peter Wick, Marc Giriet, Daniel Ammann, Andi Büchi.</p>
<p>Nicht nur viele Radio-1-Leute, auch ein guter Teil des journalistischen Personals des Schweizer Fernsehens sind Schüler der Praxisschule Schawinski &#8211;  man fragt man sich: wo sind die SRF-Vorbilder, welche Talente ziehen sie nach, welche Talente haben sie nachgezogen? Ist die Ausbildung bewusst ausgelagert an private Medienunternehmen?</p>
<p>Es ist Zeit, Schawinski öffentlich zu danken. Seine erfolgreiche Arbeit in der Ausbildung hat er auf eigenes Risiko durchgeführt &#8211; und das ohne Studiengebühren oder Subventionen zu kassieren. Wenn auch nicht in Worten, so ist das in Taten bereits geschehen &#8211; die Montagabendsendung &#8222;Schawinski&#8220; wurde exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.</p>
<p>Dank im Namen des Schweizer Journalismus gebührt auch allen anderen, die jungen Talenten den Mut mitgegeben haben, etwas zu wagen und sie ab und zu auf den richtigen Weg zurückgeschubst haben. Für unerfahrene Journalisten ist es ein Glück, wenn sie mit den / für die Herausragenden der Branche arbeiten dürfen. Für ihre journalistische Laufbahn profitieren sie dadurch offenbar mehr als von jeder Schule.</p>
<p><strong>Nachtrag, 16. Januar 2012:</strong> Im Konzessionsgesuch<br />
für Radio 1 sind Radio- und Fernsehmitarbeiter aufgelistet, die Roger Schawinski seit 1979 ausgebildet hat:</p>
<p><a href='https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/12/Schüler-von-Roger-Schawinski.pdf'>Schüler von Roger Schawinski</a> (PDF-Datei)</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/">…und wo sollen die alle arbeiten?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Frischfleisch bilanziert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 10:41:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
		<category><![CDATA[IAM]]></category>
		<category><![CDATA[ZHAW]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 14. Oktober erhielten 99 junge Menschen in Winterthur ein weisses Couvert in die Hand gedrückt. Es wurde gelächelt, geknipst und geklatscht. Im Umschlag eine Diplomurkunde: «Bachelor of Arts ZFH in Kommunikation». 45 Studierende des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM schlossen mit der Vertiefung Journalismus und 54 in Organisationskommunikation ab. Dann wurde das Frischfleisch auf <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/12/header.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Am 14. Oktober erhielten 99 junge Menschen in Winterthur ein weisses Couvert in die Hand gedrückt. Es wurde gelächelt, geknipst und geklatscht. Im Umschlag eine Diplomurkunde: «Bachelor of Arts ZFH in Kommunikation».<br />
45 Studierende des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft IAM schlossen mit der Vertiefung Journalismus und 54 in Organisationskommunikation ab. Dann wurde das Frischfleisch auf den Markt geworfen. Und jetzt? Neun Absolventinnen und Absolventen schauen auf die Ausbildung zurück – mit gemischten Gefühlen. Zwei würden das Studium nicht mehr wählen.<br />
<span id="more-28950"></span><br />
<strong>Moritz Kaufmann (25), Basel-Stadt Redaktor <a href="http://www.basellandschaftlichezeitung.ch/" target="_blank">Basellandschaftliche Zeitung</a></strong></p>
<blockquote><p>«<a href="http://www.linguistik.zhaw.ch/de/linguistik/iam.html" target="_blank">Das IAM</a> ist in der Praxis sehr gut vernetzt und bietet deshalb spannenden Unterricht mit kompetenten Coaches. Es fördert auch den Austausch mit Hochschulen im Ausland. In gewissen Punkten besteht aber auch Verbesserungspotential. Das IAM bemüht sich, am Puls der Zeit zu bleiben, aber schafft es nicht ganz. Etwa im Online-Bereich. Ich hätte gerne gelernt, wie man Infografiken programmiert und Websites bearbeitet. Stichwort Social Media. Warum haben wir nie Blogs geführt? Das IAM ist ausserdem zu nett zu den Studenten. Französisch kann man mit Englisch kompensieren, was man dann wieder mit Deutsch kompensieren kann. So kommen trotz Assessment und vielen Prüfungen einige Studenten durch, die den Ansprüchen nicht gerecht werden. Es müsste so sein: Besteht man eine Prüfung nicht, schreibt man die Nachprüfung. Besteht man diese, kommt man weiter. Wenn nicht, dann halt basta.»</p></blockquote>
<p><strong>Noemi Fraefel (24) Beraterin, Werbeagentur <a href="http://www.hochspannung.ch/" target="_blank">Hochspannung</a></strong></p>
<blockquote><p>«Dank dem IAM kann ich Konzepte schreiben, kenne spezifische Begriffe und die Hintergründe und Funktionsweisen von Kommunikation, Zielgruppen, Botschaften, Message Design. Die Praktika im zweiten Studienjahr ermöglichen den praktischen Einblick und die Chance, Profis und Firmen kennenzulernen. Das haben viele strategisch genutzt, Networking halt. Vieles lerne ich aber erst on the job: Projekte planen, umsetzen und koordinieren. Mein Verdikt lautet so: Das IAM bietet eine gute Basis für das Berufsfeld Kommunikation, der Sprachunterricht muss revidiert und in einigen Vorlesungen muss ein Computerverbot eingeführt werden. Ausserdem hätte ich mir von Seiten der Dozenten gewünscht, dass stärker zur Diskussion und Partizipation aufgerufen worden wäre.»</p></blockquote>
<p><strong>Lukas Langhart (22), Bachelor-Student, Betriebswirtschaft Universität Bern</strong></p>
<blockquote><p>«Noch vor dem Abschluss entschied ich mich gegen den Einstieg in den Journalismus. Zumindest für den Moment. Im September begann ich ein zweites Bachelor-Studium: Wirtschaft mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft, im Nebenfach Germanistik. Wieso? Weil es in meinem Kopf noch Platz hat. Stünde ich mit dem heutigen Wissen nochmals vor der Wahl, würde ich mich nicht mehr für das IAM entscheiden, sondern direkt an die Universität gehen. Das IAM sollte meiner Meinung nach von Beginn weg rigoroser filtern und dürfte Leuten, denen es an Sprach- und Kommunikationskompetenz mangelt, keinen «BA in Kommunikation» verleihen. Mindestens zehn Prozent der Absolventen sind nicht für diese Branche gemacht und werden dies – trotz Diplom – irgendwann frustriert feststellen. Oder noch schlimmer: genau das von ihren Vorgesetzten hören. Ein grosses Manko der Ausbildung ist das Fehlen eines Fachs  «Journalismusgeschichte». Ich behaupte, dass vier von fünf IAM-Absolventen nicht wissen, worum es beim Watergate-Skandal ging, wer Günter Wallraff ist oder welchen politischen Zickzackkurs die grösste Schweizer Abonnementszeitung «Blick» in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Kurz: Wo eine Begabung vorhanden ist, wird diese vom IAM entdeckt und gefördert. Aber: Fachwissen und Berufsverständnis vermittelt das IAM praktisch keines.»</p></blockquote>
<p><strong>Martina Zürcher (31), Geschäftsführerin, Hilfswerk <a href="http://www.bayasgalant.org/de/home.aspx" target="_blank">Bayasgalant</a></strong></p>
<blockquote><p>«Nach meiner Lehre zur Floristin und sechs Jahren beim Radio Canal3 entschied ich mich, zu studieren – mit Erfolg: Was ich am IAM gelernt habe, kann ich heute anwenden. Ich bin Geschäftsführerin von Bayasgalant, meiner selbst aufgebauten Hilfsorganisation für Strassenkinder in der Mongolei. Ich habe die Vertiefung Organisationskommunikation gewählt, um in Sachen Kommunikationsmassnahmen und Medienarbeit selbstständig für Bayasgalant arbeiten zu können. Und das mache ich jetzt zu etwa 80 Prozent, verdiene aber nur 40 Prozent, weswegen ich nebenbei noch in einer Bar jobbe. Rückblickend muss ich feststellen, dass das IAM im Fremdsprachenunterricht versagt hat. Kläglich irgendwie. Es wäre besser, wenn man innerhalb des Studiums Sprachdiplome absolvieren müsste. Nicht nur Prüfungen, die man mit anderen Fächern bis zum Umfallen kompensieren kann. Das macht den Menschen berechnend und faul. Und solche Leute braucht die Kommunikationsbranche nicht»</p></blockquote>
<p><strong>Stephan Liniger (25) Sportredaktor, <a href="http://www.teleclub.ch/screenland/4-sport" target="_blank">Teleclub</a></strong></p>
<blockquote><p>«Vor und während dem Studium habe ich regelmässig fürs Radio und Fernsehen gearbeitet. Zuerst für Radio Energy Zürich und für das Schweizer Sporfernsehen, danach beim Pay-TV-Sender Teleclub Sport. Als ich mich im fünften Semester zwischen den Vertiefungen Journalismus und Organisationskommunikation entscheiden musste, wählte ich Letzteres, die PR. Ein strategischer Schachzug. Mit den Inhalten der Journalismusvorlesungen konnte ich ohnehin wenig anfangen, die Kommunikation interessierte mich mehr. Ich legte mir folgenden Plan zurecht: Journalismus auf die praktische Art on the job erlernen und PR theoretisch am IAM. So habe ich beides. Doppelt gemoppelt. Das Studium würde ich aber trotzdem nicht wieder machen. Eher ein themenspezifisches wie Jura oder Wirtschaft. Auch so kommt man in den Journalismus, und erst noch mit zusätzlichem Fachwissen.»</p></blockquote>
<p><strong>Jennifer Zimmermann (25) Praktikantin, <a href="http://www.migros.ch/de/unternehmen/migros-gruppe/genossenschaften/migros-genossenschafts-bund.html" target="_blank">Migros Genossenschaftsbund </a></strong></p>
<blockquote><p>«Ich habe am IAM studiert, da ich mit dem Gedanken spielte, Journalistin zu werden. Nebenher habe ich als Freie in verschiedenen Print-Medien publiziert. Abgeschlossen habe ich denn auch mit der Vertiefung Journalismus. Und jetzt mache ich ein achtmonatiges Praktikum in der Kommunikation. Dies, weil mich die PR sehr reizt und ich mehr erfahren möchte – auf dem praktischen Weg halt. Was mir noch Mühe bereitet, ist das werberische Schreiben. Was ich aber gut anwenden kann, ist die Schreibroutine, die ich mir durch das IAM angeeignet habe. Was das IAM jedoch unter Englisch- und Französischunterricht versteht, reicht für den Arbeitsmarkt nicht aus. Der Fremdsprachenunterricht sollte in Niveauklassen unterteilt werden, sodass alle was vom Kuchen abbekommen.»</p></blockquote>
<p><strong>Daniel Ochs (25), Praktikant, Kommunikation Soziale Dienste der Stadt Zürich</strong></p>
<blockquote><p>«Theorien, die mir im Studium als trockene Materie erschienen, machen nun plötzlich Sinn. Das ist befriedigend und beruhigend. Schreibstrategien, die uns in der Medienlinguistik vermittelt wurden, sind goldig. Auch die Vertiefung in der Organisationskommunikation war ergiebig: Fachwissen und Übungen zu Corporate Identity, Corporate Design und Medienarbeit haben meinen Werkzeugkasten gut ausgestattet. Am IAM habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen und diese einzuhalten. Was ich nicht gelernt habe: IT und Online-Kommunikation. Wer heute in der Kommunikation arbeiten will, muss ein CMS beherrschen oder zumindest gängige Standardprogramme wie Typo 3 oder CQ5 kennen. Auch im Bereich der graphischen Grundlagen und Fotografie sollte sich das IAM verbessern. Ausserdem sollten unnötige Fächer gekürzt oder gar weglassen werden – Kultur, Englisch und Französisch etwa.»</p></blockquote>
<p><strong>Florence Fischer (27), Nachrichtenmoderatorin, Tele Top und Redaktorin, DRS 3</strong></p>
<blockquote><p>«Ich würde das Studium wieder machen. Ich würde es gar bewusster machen. Nur allzu oft habe ich mir den Stoff kurzum in den Kopf gedrückt, um ihn nach der Prüfung wieder zu vergessen. So ist das als Student. Dies bedeutet aber nicht, dass das Studium nicht nachhaltig war. Ich habe viel Anwendbares puncto Präsentationen, Präsenz, Stimme, Körpersprache und Feedback-Kultur gelernt. Das kann ich heute als Moderatorin nutzen. Dank Vorlesungen wie Journalistik und Medienlinguistik wird man sich der Verantwortung bewusst, die man als Journalistin hat. Doch die vielen Seminararbeiten waren für die Katz. Da musste man sich um zig Themen kümmern, sodass eine Vertiefung unmöglich war. Ähnlich bedauerlich ist das: Innert kürzester Zeit bedeutende Theorien und Philosophien abhandeln, content droping quasi. Darf man das?»</p></blockquote>
<p><strong>Stephanie Rebonati (23), Master-Studentin, Zürcher Hochschule der Künste</strong></p>
<blockquote><p>«Journalistin zu werden, war schon immer mein Plan. So absolvierte ich nach dem Gymnasium ein Praktikum bei einem Magazin. Dort hatten wir mal eine Praktikantin, die im Praxissemester des IAM bei uns war. Cool, dachte ich mir. Ein Studium, das seine Leute ein Semester lang in die reale Welt schickt. Da will ich hin und da ging ich hin. Am IAM habe ich gelernt wie Journalismus und Public Relations in Wechselwirkung zueinander stehen und wie das Schweizer Mediensystem funktioniert – theoretisch, wirtschaftlich und juristisch. Historisch wurde zu wenig vermittelt und für wissenschaftliche Abstrakta zu viel Zeit vergeudet. Doch die Workshops mit namhaften Journalisten wie Barbara Lukesch,  Kurt Brandenberger und andere waren für mich wegweisend. Derart wegweisend, dass ich noch vor Abschluss wusste, dass ich mehr lernen wollte, um meine Ziele zu erreichen. Ich erfuhr vom <a href="http://mae.zhdk.ch/mae/deutsch/publizieren-vermitteln/" target="_blank">Master of Arts in Art Education</a> mit der Vertiefung publizieren und vermitteln an der Zürcher Hochschule der Künste. Ich las Kunst, Kultur, Reflexion, <a href="http://www.nzz.ch/_impressum_papst_manfred_1.537372.html?independent=true" target="_blank">Manfred Papst</a> und ich kreischte: Ja, ich will! Nun bin ich glücklich an der ZHDK und schätze die Ausbildung, die ich am IAM erhalten habe. Sie ist solider Boden, auf dem ich jetzt meine Kunst-Kultur-Schlösser bauen kann.»</p></blockquote><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/01/das-frischfleisch-bilanziert/">Das Frischfleisch bilanziert</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Unter falscher Identität</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/11/02/unter-falscher-identitat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Rafaela Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 15:23:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Wallraff]]></category>
		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[K-Tipp]]></category>
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		<category><![CDATA[Bachelor]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verdeckte Recherche ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch die aufwändigen und auch umstrittenen Reportagen von Günter Wallraff bekannt. Doch es gibt auch die kleinen Wallraffs. In der Schweiz arbeiten immer wieder Journalisten mit der rechtlich und ethisch heiklen Methode der verdeckten Recherche. Allerdings nur punktuell und ohne langfristig und unter falscher Identität in ein <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/02/unter-falscher-identitat/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/02/unter-falscher-identitat/">Unter falscher Identität</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/11/ali_wallraff.jpg" alt="" width="120" height="136" /> Verdeckte Recherche ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch die aufwändigen und auch umstrittenen Reportagen von Günter Wallraff bekannt. Doch es gibt auch die kleinen Wallraffs. In der Schweiz arbeiten immer wieder Journalisten mit der rechtlich und ethisch heiklen Methode der verdeckten Recherche. Allerdings nur punktuell und ohne langfristig und unter falscher Identität in ein fremdes Milieu abzutauchen.<br />
Die Autorin hat für ihre Bachelor-Arbeit sieben Schweizer Journalisten befragt, die bei ihren Recherchen verschleiern und vorspielen.<br />
<span id="more-28936"></span><br />
Verdeckte Recherche: Ein journalistisches Arbeitsinstrument aus den glorreichen Zeiten des Journalismus? Eine Methode, die nur noch in romantischen Journalistenfantasien vorkommt? Gibt es denn in der Schweiz noch verdeckte Recherche oder ist sie einfach unnötig? Doch, es gibt sie noch. Nur nicht so spektakulär wie sie ein Günter Wallraff für seine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ganz_unten" target="_blank">grossen Sozialreportagen</a> inszeniert hatte.</p>
<p>Gerade bei Recherchen zu Unternehmen aus der Privatwirtschaft oder beim Konsumentenjournalismus wird nicht selten mit verdeckten Karten gespielt. Etwa dann, wenn Journalisten einen unverfälschten Blick hinter die PR-Kulissen werfen wollen, um beispielsweise Einstandspreise bei Grosshändlern herauszufinden, oder um zu beobachten, wie kompetent Anwälte ahnungslose Bürger beraten, oder um zu testen <a href="https://www.oeffentlichkeitsgesetz.ch/deutsch/category/transparenztest-2011/" target="_blank">wie transparent Bundesämter</a> tatsächlich auf Anfragen reagieren und wie einfach man sich eine Doktorarbeit kaufen kann – verdeckte Recherche findet vielfältige Anwendung.</p>
<p>Ein aktuelles Beispiel einer verdeckten Recherche lieferte den Stoff für einen Artikel im «Beobachter». Ein Journalist loggte sich in verschiedene <a href="http://www.beobachter.ch/familie/kinder/artikel/chat-foren_kommst-du-in-die-sauna-mit-mir/" target="_blank">Chat-Räume im Internet</a> unter der Identität einer 15-Jährigen ein, kreierte eine E-Mail-Adresse und ein Personenprofil mit Bild. Er wollte herausfinden, auf welche Menschen Kinder im Internet treffen. «Ich habe dann probiert mich da reinzudenken und etwas die Naive, Verlegene und Überraschte zu spielen», erklärt der Journalist. Die unzweideutigen Angebote seien sehr schnell gekommen.</p>
<p>Es ist nicht selbstverständlich, dass noch verdeckt recherchiert wird, denn Journalisten begeben sich damit in eine Grauzone. Es gilt rechtliche und ethische Klippen zu umschiffen. Der Schweizer Presserat äussert sich in den Richtlinien des Journalistenkodex <a href="http://www.presserat.ch/12870.htm" target="_blank">klar gegen Recherchemethoden der Verschleierung</a>. In Punkt 4.2 bietet er jedoch <a href="http://www.presserat.ch/12880.htm" target="_blank">ein Schlupfloch</a>: «Verdeckte Recherchen sind ausnahmsweise zulässig, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse an den damit recherchierten Informationen besteht und wenn diese Informationen nicht auf andere Weise beschafft werden können.» Doch der Begriff «öffentliches Interesse» bedarf von Fall zu Fall der Auslegung.</p>
<p>Undercoverrecherche birgt auch rechtliche Risiken. Anders als in Deutschland ist ihr Status in der Schweiz noch nicht durch eine dezidierte Rechtsprechung geklärt, wie der deutsche Medienwissenschaftler Michael Haller in seinem Handbuch <a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783896694348" target="_blank">«Recherchieren»</a> festhält. Vor allem Rechtsbereiche zum Schutze der Persönlichkeit und der Privatsphäre können bei verdeckter Recherche verletzt werden. Bisherige <a href="http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=07.10.2008_6B_225/2008" target="_blank">Gerichtsurteile</a> aus der Schweiz, die vor allem den Einsatz von versteckter Kamera betreffen, fielen <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002152.html" target="_blank">eher restriktiv aus</a>. Dies könnte Journalisten hemmen, sich an die Methode heranzuwagen. So meint beispielsweise ein befragter Journalist: «Heute muss man damit rechnen, verurteilt zu werden. Die bisherige Rechtsprechung ist nicht ausgelotet.»</p>
<p>Es überrascht also nicht, dass die befragten Experten ihre Grenzen selber eng ziehen. Für alle gilt die verdeckte Recherche als Ausnahmeinstrument, das nur in Betracht gezogen werden darf, wenn kein anderes Recherchewerkzeug zur gewünschten Information führen kann &#8211; als Ultima Ratio sozusagen. Zudem sind sich die Experten einig, dass die Täuschung vor der Publikation des Artikels aufgelöst werden und die Intention dahinter dargelegt werden muss. Eine Mehrheit der befragten Journalisten findet, dass verdeckt recherchierte Themen eine hohe Relevanz besitzen müssen und die Wahl der Methode durch ein hohes öffentliches Interesse gerechtfertigt werden muss. Ein Journalist fasst diese Abwägungen so zusammen: «Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass wenn es in einen juristischen Graubereich geht, ich gemeinsam mit dem Verlag eine Güterabwägung vornehme, und vielleicht finde: OK, das öffentliche Interesse legitimiert, wenn man das Gesetz ein bisschen ankratzt.»</p>
<p>Als Gründe, wieso verdeckte Recherche in der Schweiz selten angewendet wird, lassen die Experten weder mangelndes Know-how noch fehlende Zeit gelten. Es brauche nicht enorm viel Zeit für verdeckte Recherche, sondern eher einen Zeithorizont, innerhalb dessen eine verdeckte Recherche laufen kann. Zudem ist natürlich etwas Kreativität erforderlich, um die Methode in den journalistischen Alltag einzubauen. Und es braucht eine mutige Redaktion: «Verdeckte Recherchen sind Geschichten mit grossem Aufwand und unklarem Output», erklärt ein befragter Journalist, «dieses Risiko muss eine Redaktion eingehen können.» Zudem beeinflussen das Recherchebudget und die Ausrichtung des Mediums die Anwendung verdeckter Recherche.</p>
<p>Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die sieben Journalisten einig waren, dass Undercoverrecherche wichtig ist für den Schweizer Journalismus und keineswegs ein Relikt aus vergangener Zeit. Es lässt sich sogar ein Trend zu einer neuen Art verdeckter Recherche ausmachen. Die befragten Journalisten tauchen nicht komplett und längerfristig in ein Milieu ab, wie Wallraff das gemacht hat. Sie nutzen verdeckte Recherche mithilfe virtueller Identitäten im Internet, fingierter Telefonanrufe und kurzfristiger Rollenspiele und helfen so Missstände aufzudecken. Dies passiert aber dank der starken innerlichen Motivation der Journalisten und weniger durch Förderung der Redaktionen.</p>
<p>Wollte man die verdeckte Recherche als Teil vom investigativen Journalismus fördern, müsste die Technik aber aktiv an Journalistenschulen gelehrt werden. Zudem müssten die rechtliche Situation geklärt und Freiräume geschaffen werden. Und nicht zuletzt braucht es eine recherchefreundliche Redaktionskultur, die den Journalisten Freiraum und Zeit lässt bei der Suche nach der angemessenen Recherchemethoden.</p>
<p><em>Dieser Artikel basiert auf der Bachelor-Arbeit der Autorin, mit der sie am Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM in Winterthur ihr Studium erfolgreich abgeschlossen hat. In sieben anonymen Experteninterviews mit namhaften Journalisten der SonntagsZeitung, des Beobachters, des Tages-Anzeigers, der Weltwoche, des K-Tipps und der WOZ ging sie der Frage nach, welche Bedeutung der verdeckten Recherche bei Deutschschweizer Printmedien zukommt, wie sie funktioniert und was ihre Möglichkeiten und Grenzen sind.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/02/unter-falscher-identitat/">Unter falscher Identität</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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