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	<title>journal 21 | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Überlebensübung in der Nische</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Minder]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2016 15:10:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft. Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft.<br />
<span id="more-28563"></span><br />
Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der Blick in einen kleinen Innenhof, dahinter ragt die Mauer des Zürcher Volkshauses in die Höhe. «Wenn die Chippendales auftreten, hören wir das Kreischen», sagt Pascal Sigg. Er ist einer der drei Gründer des <a href="http://www.coup-magazin.ch/" target="_blank">digitalen Gesellschaftsmagazins «Coup»</a>, das seit März 2016 online ist. Die Redaktionsstube entspricht dem romantischen Klischee vom Garagen-Start-up. Auch die Gründer passen gut ins Bild. Drei junge, leidenschaftliche Journalisten, die nicht glücklich wurden, mit dem, was in den etablierten Medien möglich ist. Sie wollten lange, aufwändig recherchierte Texte schreiben, statt täglich drei Geschichten rauszuhauen oder online Klicks zu generieren. Referenz waren die vergangenen Blütezeiten des «Magazins» des «Tages-Anzeigers», die deutsche Wirtschaftszeitschrift «brand eins», das Magazin «Reportagen». «Wir wollen Journalismus verkaufen, nicht Aufmerksamkeit», fasst Sigg zusammen.</p>
<p>Im November 2014 mietete er zusammen mit Andres Eberhard und Joel Bedetti das Kellerabteil im Volkshaus. Dort brüteten sie über einem Geschäftsmodell. Es musste etwas sein, das sich mit ihren anderen Jobs vertrug: Sigg arbeitet 50% auf dem Sportamt der Stadt Zürich und schreibt seine Dissertation, Eberhard hat eine 60%-Stelle als Redaktor beim Zürcher Oberländer, beide sind daneben noch als Freie tätig. Bedetti ist hauptsächlich Freelancer. Die Lösung: Eine grosse Geschichte im Umfang von 25&#8217;000 bis 35&#8217;000 Zeichen pro Monat. Online drängte sich auf, weil Druck und Vertrieb wegfielen, aber auch weil es mehr formale Flexibilität bietet als Papier. Die Basler Stiftung für Medienvielfalt der Roche-Erbin Beatrice Oeri unterstützte das Projekt mit 15&#8217;000 Franken, den sie in eine professionelle Crowdfunding-Kampagne steckten. Das Sammelziel waren 50‘000 Franken, die fürs erste Jahr reichen sollten: Zwölf Artikel à 3000 Franken für die Autorinnen und Autoren plus die Kosten von Website, Grafik, Marketing und Crowdfunding. Zwei Tage vor Ablauf der Sammelfrist stand der Pegel erst bei 30‘000 Franken, die Mission war gefährdet. Dann trat eine Einzelperson, die nicht genannt sein will, auf den Plan und schüttete das fehlende Geld in den Topf: <a href="https://wemakeit.com/projects/digitales-magazin-coup/show/news" target="_blank">«Coup» war gelandet</a>. Inzwischen stehen acht grosse Reportagen auf der Website. 400 Personen haben ein Abonnement. Zum Gründerteam sind die Journalistin Anna Miller und der Grafiker Konrad Mazanowski gestossen. «Im Januar ziehen wir eine erste Zwischenbilanz», sagt Pascal Sigg.</p>
<p><strong>Die andere Sicht</strong><br />
Die Geschichte von «Coup» ist in mehrfacher Hinsicht exemplarisch für verlagsunabhängige digitale Magazine. Viele entstanden, weil ihre Macherinnen und Macher mit der real existierenden Medienlandschaft unzufrieden waren. Das gilt auch für jenes Projekt, das derzeit am meisten von sich reden macht: <a href="https://project-r.construction/" target="_blank">«Project R»</a>. «Es ist Zeit, dass sich die Journalisten unabhängig machen und der Journalismus unabhängig von den Grossverlagen existieren kann», schreibt Constantin Seibt auf der Facebook-Seite von Project R. Der bekannte Noch-«Tages-Anzeiger»-Redaktor ist das Aushängeschild des geplanten Magazins. Er und Christof Moser, heute Reporter und Medienkritiker der «Schweiz am Sonntag», sind daran, sieben Millionen Franken Startkapital aufzutreiben. 3,5 Millionen seien bereits gesichert, schreibt der «Schweizer Journalist» in seiner Dezember-Ausgabe. Die Redaktion soll acht bis zehn Personen umfassen, denen «einigermassen branchenkonforme Löhne» bezahlt werden sollen. Losgehen soll es frühestens im Spätsommer 2017. Neben der Werbung sollen Abonnentinnen und Abonnenten das nötige Geld in die Kasse spülen. Gegenüber der Wochenzeitung WOZ <a href="http://www.woz.ch/-730f" target="_blank">hatte Seibt im Oktober gesagt</a>, Konzerne wie Tamedia würden sich zu «grossen Verteilstationen von Informationen und Waren» wandeln, was verheerende Folgen für den Journalismus, für Leserinnen und Leser und die Demokratie habe. Dem wolle das Projekt etwas entgegensetzen. Was genau, ist noch wolkig. «Grosse Schauplätze, grosse Debatten, verlässliche Argumente», und «entscheidende Fragen mit grossen Geschichten» werden die beiden Initianten im «Schweizer Journalist» zitiert.</p>
<p><a href="http://www.infosperber.ch/" target="_blank">«Infosperber»</a>, seit März 2011 im Netz, stört sich ebenfalls daran, dass sich die Zeitungen, Radio und Fernsehen zunehmend an Einschaltquoten und (sinkenden) Inserateeinnahmen orientieren. «Infosperber will diese Mainstream-Medien nicht konkurrenzieren, sondern sie ergänzen. Die Plattform setzt sich zum Ziel, allein nach gesellschaftlicher oder politischer Relevanz zu gewichten», steht in der Rubrik «über uns». Um Analysen und Hintergrund statt News und Kurzfutter geht es seit 2010 <a href="https://www.journal21.ch/" target="_blank">auch im «Journal 21»</a>. Dahinter stehen 80 erfahrene, viele davon pensionierte, namhafte Journalistinnen und Journalisten. «Wir richten uns an Leserinnen und Leser, die bereit sind, anspruchsvolle Texte zu konsumieren», schreibt Gründer Heiner Hug, ehemaliger Leiter der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.</p>
<p><strong>Im Reich der Monopole</strong><br />
Regionale Zeitungsmonopole wirken ebenfalls als guter Nährboden, der digitale Medien spriessen lässt. In Basel bietet der Journalist Peter Knechtli seit 1998 mit seinen <a href="http://onlinereports.ch/" target="_blank">«Online Reports»</a> eine Alternative oder zumindest eine wichtige Ergänzung zur «Basler Zeitung». Das war damals eine Pioniertat, zumal als Online-Angebot. Dank Werbung und einem mit Spenden alimentierten Recherchierfonds hält sich Knechtli bis heute gut. Daran änderte sich auch nichts, als 2011 in Basel <a href="http://www.tageswoche.ch/" target="_blank">zusätzlich die «Tageswoche»</a> auf den Plan trat, eine digitale Zeitung mit einer gedruckten Ausgabe am Freitag. Der Hybrid war entstanden, nachdem die «Basler Zeitung» in Blochers Fahrwasser geriet und sie der SVP-Politiker schliesslich kaufte. Die «Tageswoche» wurde mit viel Geld der gleichzeitig gegründeten Stiftung für Medienvielfalt von Beatrice Oeri angeschoben und wird von ihr bis heute mitfinanziert.</p>
<p>Weil die Zeitungsvielfalt auch anderswo abnimmt, entstanden in jüngerer Zeit in verschiedenen Regionen digitale Alternativen. Im Reich von Hanspeter Lebruments Südostschweiz ist mit <a href="http://grheute.ch/" target="_blank">«GR heute»</a> seit September 2015 eine neue, unabhängige Stimme zu hören. In Bern gibt es das <a href="http://www.journal-b.ch/" target="_blank">«Journal B» (seit 2013)</a>, in Zug und Luzern <a href="http://www.zentralplus.ch/" target="_blank">«zentralplus.ch» (seit 2013)</a>. Urnerinnen und Urner können sich seit 2011 <a href="https://www.politcast-uri.ch/" target="_blank">auf «politcast-uri.ch»</a> Audiobeiträge anhören. Das <a href="https://tsri.ch/zh/" target="_blank">Stadtmagazin «tsüri.ch»</a> ist seit Januar 2015 online. Mit Texten, Videos und Ausgehtipps richtet es sich an ein junges, urbanes Publikum. Nach Meinung der Macher bestand für diese Zielgruppe eine Angebotslücke. Der Erfolg scheint die Diagnose zu bestätigen: Bis zu 30‘000 Menschen besuchen die Plattform monatlich.</p>
<p>«Für die Medienvielfalt sind die Online-Medien fraglos eine gute Sache», sagt die Medienjournalistin Bettina Büsser. Viele spielten auch als Ausbildungsredaktionen für junge Journalistinnen und Journalisten eine wichtige Rolle. Davon kann ein Magazin aber nicht leben. Genug Geld zu generieren, ist die grosse Herausforderung für die digitalen Medien. Es sei denn, sie betreiben Journalismus ehrenamtlich, was keine Seltenheit ist. Bei Infosperber, Journal 21 und einigen der regionalen Magazine, etwa «Journal B» in Bern, und Fachmedien arbeiten die Leute für Gottes Lohn. Die Magazine, die ihre Mitarbeitenden entlöhnen wollen, haben das Problem, dass Werbung, wie sie heute im Web funktioniert, auf so kleinen Seiten nichts hergibt, ausser ein verschandeltes Layout. Gleichzeitig zeigt sich die Leserschaft nur bedingt bereit, für das Gelesene zu bezahlen. Und Mäzene stehen auch nicht Schlange. Oft komme es zu einem Wettlauf, sagt Medienkennerin Bettina Büsser: «Reicht der Enthusiasmus so lange, bis genügend zahlende Abonnenten vorhanden sind?» Besonders in der Startphase spielten deshalb Stiftungen eine wichtige Rolle. «Ohne reiche Erben, die solche Projekte unterstützen, wäre die Landschaft ärmer.»</p>
<p><strong>Die vom Fach</strong><br />
Unübersichtlich artenreich ist die Population der digitalen Fachmedien. Unter den ersten, die den Evolutionsschritt vom Papier ins Netz machten, waren Magazine, die über die Kommunikationsbranche berichteten. Der <a href="http://www.kleinreport.ch/" target="_blank">Newsletter «Klein Report»</a> erscheint seit dem Jahr 2000. Gleich alt ist der <a href="http://www.persoenlich.com/" target="_blank">«persoenlich.com»</a>-Newsletter, die digitale Ergänzung des Hochglanzmagazins «persönlich». Jünger (seit 2011), analytischer und kritischer kommt die «Medienwoche» daher. Bei ihr gibt es keine täglichen News, sondern Hintergrundberichte, Analysen, Interviews und Meinung. Journalismus, aber auch Kunst, Musik und Dokumentarfilm werden im <a href="http://neulandmagazin.net/" target="_blank">Magazin «Neuland»</a> thematisiert. Es erscheint alle zwei Monate.</p>
<p>Was noch? Noch ganz ganze viel. Zum Beispiel <a href="https://tink.ch/" target="_blank">«Tink.ch»</a>: Das Online-Jugendmagazin feiert dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum. Es ist aus der Berner Kultur- und Stadtagenda «Youthguide» hervorgegangen und heute ein dreisprachiges Magazin mit Redaktionen in der ganzen Schweiz. Die Schreibenden sind junge Leute zwischen 15 und 30, die hier das journalistische Handwerk lernen. Oder <a href="https://www.swissmom.ch/" target="_blank">«swissmom.ch»</a>, das Fachmagazin rund ums Kinderkriegen und –haben, das dieses Jahr vom Verlegerverband einen Q-Award bekommen hat, obwohl der eigentlich Publikationen auf Papier vorbehalten ist. Oder «Das Lamm», das kritische Fragen zur Nachhaltigkeit stellt, oder «Saiten», das Ostschweizer Kulturmagazin, oder <a href="http://finews.ch/" target="_blank">«finews.ch»</a> und <a href="http://insideparadeplatz.ch/" target="_blank">«insideparadeplatz.ch»</a>, die Intimes aus der Schweizer Finanzbranche berichten, oder… Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Die grosse Vielfalt hat auch damit zu tun, dass Fachmagazine – egal ob digital oder analog – leichter zu Geld kommen, als thematisch breit aufgestellte Medien.</p>
<p><strong>Verkaufen, planen, organisieren</strong><br />
Wer jedoch einen weiten Winkel pflegen und davon leben will, muss sich was einfallen lassen. Bei «coup» zum Beispiel ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, zu dem die Crowdfunding-Mittel zur Neige gehen. Jetzt muss wieder Geld her. Das bedeutet Klinken putzen bei Stiftungen und Privatpersonen, Bekanntheitsgrad und Abonnentenzahlen erhöhen, vielleicht einen Förderverein gründen. Also verkaufen, planen, organisieren: Machen sich Journalisten selbständig, müssen sie Dinge tun, um die sich vorher die Verlage kümmerten. «Coup»-Gründer Pascal Sigg hat damit kein Problem: «Ich finde das Unternehmerische spannend.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Überlebensübung in der Nische</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Das Lokale kommt zu kurz</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 10:12:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwar werden nahezu im Wochentakt Nachrichtenmedien im Netz gegründet. Aber keines der neuen Online-Angebote richtet seinen Blick aufs Lokale. Der Raum für Alternativen zum bestehenden Lokaljournalismus wäre aber durchaus vorhanden. Ins Jammern und Lamentieren über den Zustand der Medien mischen sich langsam aber sicher optimistische Zwischentöne. Zumindest bei denjenigen, die in der Krise eine Chance <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwar werden nahezu im Wochentakt Nachrichtenmedien im Netz gegründet. Aber keines der neuen Online-Angebote richtet seinen Blick aufs Lokale. Der Raum für Alternativen zum bestehenden Lokaljournalismus wäre aber durchaus vorhanden.<br />
<span id="more-1737"></span><br />
Ins Jammern und Lamentieren über den Zustand der Medien mischen sich langsam aber sicher optimistische Zwischentöne. Zumindest bei denjenigen, die in der Krise eine Chance sehen und selbst das Heft in die Hand nehmen. Lang ist die Liste der Neugründungen von Informationsmedien in der Schweiz, und sie wird immer länger. Vor einer Woche hat <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/29/journalismu-ohne-geschaftsmodell/" target="_blank">das Magazin Infosperber</a> das Licht der Medienwelt erblickt. Zu aktuellen Brennpunkten des Weltgeschehens, wie der Atomkatastrophe in Japan oder den gesellschaftlichen Umschichtungen in Nordafrika, liefert das neue Magazin kompetent und tagesaktuell Hintergrundbeiträge. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch <a href="http://journal21.ch/" target="_blank">Journal 21</a>. Das vor einem halben Jahr gegründete Online-Magazin aus dem Umfeld ehemaliger und inzwischen pensionierter Radio- und Fernsehmitarbeiter hat ein starkes aussenpolitisches Profil.</p>
<p>Bei aller Kompetenz der Autoren und der thematischen Vielfalt ihrer Beiträge sticht doch bei beiden Neugründungen ein Mangel ins Auge: Regionale Themen finden sich weder bei Infosperber noch im Journal 21. Damit sind sie nicht alleine. Sämtliche neu lancierten journalistischen Plattformen und Projekte im Netz – und es sind nicht wenige – lassen das Lokale links liegen. Zwar gibt es inzwischen eine reichhaltige Palette an jungen und (verlags)unabhängigen Alternativmedien, vom digitalen Feuilleton namens Neuland, über das Lifestyle- und Frauenmagazin <a href="http://clack.ch" target="_blank">clack.ch</a> bis zur Finanzplattform <a href="http://finews.ch" target="_blank">finews.ch</a>.</p>
<p>Worauf Medienkonsumenten aber weiterhin warten, die mit den Leistungen ihrer Leibblätter nicht mehr zufrieden sind, sind Alternativen zur Regionalzeitung. Ausser der löblichen Ausnahme des Einmannbetriebs <a href="onlinereports.ch" target="_blank">onlinereports.ch</a> in Basel, die aber nicht mehr als die Regel bestätigt, existieren keinerlei vergleichbare Angebote in anderen Städten oder Regionen der Schweiz.</p>
<p>Raum für Alternativen und ergänzende Angebote zu den bestehenden Regionalzeitungen besteht durchaus, wie auch die Forschung bestätigt. «Für die Regionalberichterstattung gibt es in der Regeln nebst der Regionalzeitung keine valable Alternative», heisst es in der aktuellen Studie <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/Meier+et+al+Bakom+Schlussbericht+13-1-2011.pdf" target="_blank">«Pluralismus und Vielfalt in Regionalzeitungen»</a>. Über die Gründe für das Fehlen solcher Angebote, schweigen sich die Medienwissenschaftler aber aus.</p>
<p>Erklärungen für die Absenz des Lokaljournalismus im aktuellen Gründungsboom von Online-Medien gibt es aber durchaus. Praktisch alle neuen Magazine und Plattformen werden ehrenamtlich und ohne Geschäftsmodell betreiben, das diesen Namen verdient. Journalismus wird hier weitgehend als Hobby praktiziert: Die Vorlieben der Autoren und das im Berufsleben erworbene Fachwissen stehen im Vordergrund. Nun gibt es Expertinnen für Stilfragen, Fachleute für Fussball, Kennerinnen der Aussen- und Innenpolitik, die in den neuen Medien ihrer Leidenschaft frönen und endlich das tun können, was in ihrem Beruf als angestellte Medienschaffende im besten Fall als Kür gefragt ist. Lokaljournalismus dagegen ist eine Querschnittsaufgabe. Er beobachtet Politik, Kultur, Gesellschaft, ja das ganze Leben, das sich in einem Mikrokosmos abspielt. Eine Spezialisierung ist im Lokalen höchstens handwerklich möglich, nicht aber thematisch. Ausserdem geniesst der Lokaljournalismus, obwohl er zurecht als eine der härtesten Disziplinen in den Medien gilt, weiterhin den Ruf als Tummelfeld für Einsteigerinnen und Anfänger. Die meisten Journalisten, die im «Lokalen» beginnen, streben irgendwann einmal nach Höherem. Wer sich erst einmal in die Dossiers der grossen Politik eingearbeitet hat, kehrt nicht mehr als Berichterstatterin an die Gemeindeversammlung zurück. Auch nicht für unabhängige Online-Medien.</p>
<p><em>Dieser Artikel ist zuerst in der Wochenzeitung WoZ erschienen.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/">Das Lokale kommt zu kurz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Journalismus ohne Geschäftsmodell</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 09:29:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalist und Publizist Urs P. Gasche (Ex-«Kassensturz»; «Schluss mit dem Wachstumswahn») startet den bisher ambitioniertesten Versuch, abseits der etablierten Verlagskanäle im Internet Journalismus zum Blühen zu bringen. Das Magazin «Infosperber» bietet zwar kein vollständiges Nachrichtenangebot, ergänzt aber die Themenpalette punktuell und versteht sich als Navigationshilfe durch die Informationsflut. Das Gründungsfieber grassiert weiter. Der jüngste <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/29/journalismu-ohne-geschaftsmodell/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/29/journalismu-ohne-geschaftsmodell/">Journalismus ohne Geschäftsmodell</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalist und Publizist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urs_P._Gasche" target="_blank">Urs P. Gasche</a> (Ex-«Kassensturz»; «Schluss mit dem Wachstumswahn») startet den bisher ambitioniertesten Versuch, abseits der etablierten Verlagskanäle im Internet Journalismus zum Blühen zu bringen. Das Magazin <a href="http://www.infosperber.ch/" target="_blank">«Infosperber»</a> bietet zwar kein vollständiges Nachrichtenangebot, ergänzt aber die Themenpalette punktuell und versteht sich als Navigationshilfe durch die Informationsflut.<br />
<span id="more-28773"></span><br />
Das Gründungsfieber grassiert weiter. Der jüngste Schub hat die Nachrichtenplattform «Infosperber» hervorgebracht. Wie bereits bei der Gründung von <a href="http://journal21.ch/" target="_blank">journal 21</a> hat eine Gruppe altgedienter Journalisten selbst ein Online-Magazin gegründet, anstatt über den Zustand der Medien zu lamentieren. «Infosperber», das heute offiziell das Licht der Online-Welt erblickt, will nach eigenen Angaben das Augenmerk auf «vergessene Zusammenhänge und vernachlässigte Perspektiven» richten. Aber: «Bei Infosperber gibt es keinen Pflichtstoff», sagt Urs P. Gasche, der das Projekt als treibende Kraft mit an den Start gebracht hat. Ein Blick auf die ersten Artikel widerspiegelt die allgemeine Nachrichtenlage: Prominent vertreten sind zum Start Artikel zu Atom- und Energiefragen und zur Lage in Libyen. Der Aufmacher im Wirtschaftsressort besteht überraschenderweise nur aus eine  <a href="http://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/In-Libyen-werden-die-Erdol-Reserven-neu-verteilt" target="_blank">Anreisser für einen Artikel im journal 21</a> zu den Begehrlichkeiten rund um das Erdöl in Libyen. Mit Links auf Angebote von Dritten und Zweitverwertungen hat Urs P. Gasche kein Problem. Es ist Teil der Redaktionspolitik, auf vorhandenes Textmaterial zurückzugreifen. Aus einfachen Gründen: «Bei uns können die Autoren ein zusätzliches Publikum ansprechen.» Ausserdem hoffe er, dass freie Journalistinnen und Journalisten Artikel zur kostenlosen Zweitverwertung zur Verfügung stellen. Das Angebot zum Start ist beeindruckend: Von den neun Ressorts sind die meisten bereits reich bestückt.</p>
<p>In der Redaktionsleitung befinden sich neben Gasche altbekannte Figuren aus der Schweizer Medienlandschaft mit an Bord des neuen Nachrichtenmagazins. Zum Beispiel Hanspeter Guggenbühl, der zusammen mit Gasche mehrere<a href="http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2004/nr40/Wirtschaft/10574.html" target="_blank"> konsumkritische Bücher</a> verfasst hat. Der langjährige freie Journalist ist ein ausgewiesener Spezialist für Energiefragen und deshalb gerade in diesen Tagen eine interessante Stimme. Ebenfalls in die Kategorie «alter Fuchs» fällt <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/03/portraet_ramseyer.pdf">Niklaus Ramseyer</a>. Der frühere Bundeshauskorrespondent der Basler Zeitung hat nach seiner Pensionierung den Arbeitsplatz in Bundesbern behalten und arbeitet seither als freier Journalist, unter anderem als <a href="http://www.radio1.ch/team/experten/niklaus-ramseyer/" target="_blank">Korrespondent für Roger Schawinskis Radio 1</a> und die Gewerkschaftszeitung Work. Mit <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/infosociety/02030/02034/03019/index.html?lang=de" target="_blank">Robert Ruoff </a>(Ex-Moderator und Produzent Schweizer Fernsehen) und <a href="http://www.commwork.ch/d/portrait/index.php" target="_blank">Christian Müller</a> (Ex-Verlagsleiter Vogt/Schild-Medien, Solothurn) befinden sich zwei weitere Pensionäre mit einschlägiger Vergangenheit in der Redaktionsleitung. «Es ist naheliegend, dass bei einem solchen Projekt Leute im Ruhestand mitmachen. Aber die Redaktion besteht nicht nur aus Rentnern. Eine Durchmischung finde ich wichtig. Denn ein 30-Jähriger sieht die Welt anders an als ein 60-Jähriger.» Dreissig Jahre jünger als die Altherren in der Redaktionsleitung ist Christof Moser, 31, Bundeshausredaktor vom «Sonntag»; und er ist nicht nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt. In der rund 30-köpfigen Redaktion sind Alter und Geschlecht bunter gemischt als in der Leitung.</p>
<p>Getragen wird Infosperber von der eigens zu diesem Zweck gegründeten <a href="http://ssui.ch/" target="_blank">«Schweizerischen Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI</a>. Wer beim Stichwort Stiftung an viel Geld denkt, liegt in diesem Fall falsch. «Hinter der SSUI steckt weder ein potenter Stifter noch ein Mäzen. Lediglich unser Gründungskapital von 150&#8217;000 Franken befindet sich in der Stiftung», sagt Urs P. Gasche. Man habe bewusst das Modell einer Stiftung als Trägerin von «Infosperber» gewählt. Damit ist garantiert, dass niemand den Zweck ändern und auch niemand die Plattform kaufen kann. Ein Geschäftsmodell gibt es für «Infosperber» keines. Man nimmt einfach das Geld, das kommt. Wenn es denn kommt. Zum Beispiel über Spenden, wofür es unter einem Teil der Artikel einen Paypal-Button gibt. Auch über Flattr kann man als Leser das Projekt unterstützen. «Infosperber»-Gründer Gasche hält dies das derzeit beste Spendensystem: «Flattr ist besonders geeignet, weil praktisch der ganze Betrag den Begünstigten zukommt.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/29/journalismu-ohne-geschaftsmodell/">Journalismus ohne Geschäftsmodell</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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