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	<title>Journalistische Praxis | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 23 Aug 2018 14:07:51 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Der langen Rede kurzer Sinn</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/08/22/der-langen-rede-kurzer-sinn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Aug 2018 08:21:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was einen zur «Republik» als Erstes einfällt? Lange Texte. Meist schwingt dabei Kritik mit. So lang, dass man sie gar nicht erst zu lesen beginnt. Dieses Dilemma ist der Redaktion bekannt, ein Gefäss für die Kurzform wäre auch seit dem Start bereitgestanden, aber niemand hat es genutzt. Jetzt wurde das Konzept überarbeitet und Constantin Seibt erklärt gewohnt wortreich (und alles andere als kurz), wie es dazu kam, dass nun wöchentlich mindestens drei «Ameisen», so der Jargon für das Kurzformat, publiziert würden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Was einen zur «Republik» als Erstes einfällt? Lange Texte. Meist schwingt dabei Kritik mit. So lang, dass man sie gar nicht erst zu lesen beginnt. Dieses Dilemma ist der Redaktion bekannt, ein Gefäss für die Kurzform wäre auch seit dem Start bereitgestanden, aber niemand hat es genutzt. Jetzt wurde das Konzept überarbeitet und Constantin Seibt erklärt gewohnt wortreich (und alles andere als kurz), wie es dazu kam, dass nun wöchentlich mindestens drei «Ameisen», so der Jargon für das Kurzformat, publiziert würden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/08/22/der-langen-rede-kurzer-sinn/">Der langen Rede kurzer Sinn</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>EGMR: Kein Freipass für Sensationsjournalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/29/egmr-kein-freipass-fuer-sensationsjournalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2016 12:36:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein welscher Journalist, der geheime Informationen aus einem Strafverfahren veröffentlicht hatte, ist in Strassburg unterlegen. Das Urteil zeigt dem Sensationsjournalismus Grenzen auf.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/29/egmr-kein-freipass-fuer-sensationsjournalismus/">EGMR: Kein Freipass für Sensationsjournalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein welscher Journalist, der geheime Informationen aus einem Strafverfahren veröffentlicht hatte, ist in Strassburg unterlegen. Das Urteil zeigt dem Sensationsjournalismus Grenzen auf.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/29/egmr-kein-freipass-fuer-sensationsjournalismus/">EGMR: Kein Freipass für Sensationsjournalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Reporter Joël Bedetti: «Wollte wissen, wie so eine Tragödie passiert»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/24/reporter-joel-bedetti-wollte-wissen-wie-so-eine-tragoedie-passiert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2016 12:38:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Monatelange Recherchen, 15 Besuche im Knast und schlaflose Nächte: Autor Joel Bedetti erzählt die zerstörerische Familiengeschichte von Dimi und Diana, die beide einen Mord begangen haben. Und er erklärt, was es braucht, um an einer solchen Geschichte dranzubleiben, ohne dabei selbst durchzudrehen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Monatelange Recherchen, 15 Besuche im Knast und schlaflose Nächte: Autor Joel Bedetti erzählt die zerstörerische Familiengeschichte von Dimi und Diana, die beide einen Mord begangen haben. Und er erklärt, was es braucht, um an einer solchen Geschichte dranzubleiben, ohne dabei selbst durchzudrehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/24/reporter-joel-bedetti-wollte-wissen-wie-so-eine-tragoedie-passiert/">Reporter Joël Bedetti: «Wollte wissen, wie so eine Tragödie passiert»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Die Medien als Sprachrohr von Lobbys und Behörden</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/16/die-medien-als-sprachrohr-von-lobbys-und-behoerden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2016 11:29:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schlecht gestellte JournalistInnen haben es mit einer Übermacht an PR-Lobbyisten zu tun. Diese kauen die Informationen vor.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schlecht gestellte JournalistInnen haben es mit einer Übermacht an PR-Lobbyisten zu tun. Diese kauen die Informationen vor.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/16/die-medien-als-sprachrohr-von-lobbys-und-behoerden/">Die Medien als Sprachrohr von Lobbys und Behörden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wider den lokalen Filz und Betriebsblindheit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Ryser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Jan 2016 20:50:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Hooligans]]></category>
		<category><![CDATA[St. Galler Tagblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichten liegen auf der Strasse. Sie wollen nur aufgehoben werden. Dazu braucht es Journalistinnen und Journalisten mit Gespür, Geduld und Zeit für Gespräche. Nur wenn sie ihrem Gegenüber mit Respekt begegnen, kriegen sie die guten Geschichten. Ein Gastbeitrag von WOZ-Redaktor und Buchautor Daniel Ryser anlässlich des MAZ-Recherchetags. Manchmal scheint es ja tatsächlich so, als würde <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichten liegen auf der Strasse. Sie wollen nur aufgehoben werden. Dazu braucht es Journalistinnen und Journalisten mit Gespür, Geduld und Zeit für Gespräche. Nur wenn sie ihrem Gegenüber mit Respekt begegnen, kriegen sie die guten Geschichten. Ein Gastbeitrag von WOZ-Redaktor und Buchautor Daniel Ryser anlässlich des <a href="http://www.maz.ch/recherchetag16/" target="_blank">MAZ-Recherchetags</a>.<br />
<span id="more-26644"></span><br />
Manchmal scheint es ja tatsächlich so, als würde es einen stillen Handschlag geben zwischen den Mächtigen und der Presse. Wie konnte es zum Beispiel sein, dass es die Zürcher «Weltwoche» brauchte, die aufdeckte, dass der St. Galler Kantonsratspräsident (FDP) <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2015-25/koenig-des-rheintals-am-abgrund-die-weltwoche-ausgabe-252015.html" target="_blank">46 offene Betreibungen</a> am Laufen hatte? Warum brachte die lokale Monopolzeitung «St. Galler Tagblatt» die Story nicht, die in St. Gallen offenbar längst die Runde machte? Spielte der FDP-Filz? Waren die ortskundigen Journalisten einfach zu faul? Steckte man zu sehr im Alltagsstress? Kannte man sich vielleicht sogar und war betriebsblind geworden? Und welche Rolle spielten die alten Hasen auf der «Tagblatt»-Redaktion, die häufig nur zu gerne an der Morgensitzung ihr Gärtchen verteidigen, in dem sie den jungen Journalisten sagen: «Das ist keine Story, denn darüber haben wir schon vor fünf Jahren berichtet.»</p>
<p>Eigentlich ist es eine kleine Schande, dass es den Zürcher Journalisten und «Weltwoche»-Vize Philipp Gut brauchte. Eine Quelle war an ihn herangetreten, die offenbar kein Vertrauen in die lokalen Medien hatte, und, noch schlimmer, laut Gut offenbar bereits einen Lokaljournalisten darauf aufmerksam gemacht hatte. Der brachte die Geschichte nicht.</p>
<p>Lauter Fragen, die man sich stellen muss, und die man auch in Bern stellte, nachdem ich in der WOZ getitelt hatte: <a href="https://www.woz.ch/-62bb" target="_blank">«Amtlich bewilligter Polizeiterror»</a>. Auf zwei Seiten breitete ich umstrittene Methoden einer Sondereinheit der Kantonspolizei Bern aus, die besetzte Häuser stürmte – nota bene legal zwischengenutzte – und dort Dinge veranstaltete, die ein von mir zu Rate gezogener Berner Staatsrechtsprofessor als derart haarsträubend einstufte, dass sie, sollten sie nachgewiesen werden können, kriminell sind. Die Folge der Berichterstattung war, dass der Kanton Bern erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte einen ausserkantonalen Staatsanwalt beauftragte, die Ereignisse zu untersuchen.</p>
<p><strong>Warum brauchte es dazu die WOZ?</strong><br />
Als ich 2010 in Zürich lange über Fussballhooligans recherchierte, waren sie ganz verblüfft, dass man mit einem Journalisten reden kann (und dies, obwohl die Vorzeichen schlecht gestanden hatten – ich hatte in der WOZ publik gemacht, dass der Sicherheitschef des Zürcher Lezigrund-Stadions für Hooligans seltsame Erotikshows veranstaltet hatte). Sie hatten noch nie mit einem Journalisten gesprochen, die Journalisten wiederum schienen aus der Ferne alles über Hooligans zu wissen, obwohl auch sie noch nie mit einem Hooligan geredet hatten. Als Quelle dienten Einschätzungen von Polizei und Szeneexperten, aber nicht die Akteure selbst. So schafft man eine Distanz, die irgendwann unüberbrückbar wird. Wir Journalisten werden dann zu Experten aus der Ferne, zu Experten in Anführungszeichen.</p>
<p>Der Schlüssel zur Recherche lag darin, sich Zeit zu nehmen. Das ist einerseits wirklich keine Hexerei, andererseits: Zeit muss man sich in diesem temporeichen Geschäft in der Tat ganz aktiv nehmen, sich also auch dem nervenden Redaktor verweigern, der ja eine leere Zeitung füllen muss und die Story schon morgen im Blatt haben will, sowie auch dem eigenen schlechten, (protestantischen?) Gewissen, das nagt, wenn man mal ein paar Ausgaben aussetzt. Dabei arbeitet man im Hintergrund ja fleissig! Die Recherche über die Zürcher Fussballhooligans dauerte letztlich ein Jahr, bevor ich sie als Buch publizierte (<a href="https://www.woz.ch/shop/buecher/daniel-ryser-feld-wald-wiese-hooligans-in-zuerich" target="_blank">«Feld-Wald-Wiese. Hooligans in Zürich»</a>).</p>
<p>Als ich mit den Berner Hausbesetzern redete (die Häuser waren, ein wichtiges Detail, längst legal zwischengenutzt, die Bewohner angemeldet), waren sie verblüfft, dass es möglich ist, sich mit einem Journalisten hinsetzen und einfach mal die eigene Sicht der Dinge schildern zu können. So, als gäbe es in Bern keine lokalen Zeitungen. Der Lokaljournalismus hat in diesem Fall gepennt, und es ist mir unverständlich wieso. Denn die Geschichte wurde den JournalistInnen in die Redaktion geworfen: Man hat sich aber darauf beschränkt, Communiqués abzudrucken, welche die Hausbesetzer den Medien zustellten. Man zitierte die schweren Vorwürfe, dem stellte man die Antworten der Polizei gegenüber, die natürlich alles in Abrede stellt.</p>
<p>Die logische Konsequenz: Man drehte sich im Kreis und kam nicht weiter. Aber wenn ich in kurzer Zeit zwei Communiqués in den Händen halte, wo man mir mitteilt, dass eine schwer bewaffnete Sondereinheit eine legale Zwischennutzung gestürmt und kurz und klein geschlagen habe, und dabei zudem mehreren Hausbewohnern die Augen verbunden habe, dann schreit das doch nach einer Geschichte. Schon nur aus pragmatischen Gründen: So spannend ist das Journalistenleben nun auch wieder nicht. Stattdessen taten die Lokaljournalisten nichts, und ich kam, erst Monate später, ins Spiel, durch eine Bernerin, die mich auf die Geschichte aufmerksam machte und auch mit dem Hinweis, die lokalen Medien würden sich der Sache nicht annehmen.</p>
<p>Man muss sich im Lokalen natürlich gegen alle möglichen Verstrickungen abgrenzen: Gegenüber lokalen Verbandelungen (mehrere ehemalige Journalisten haben den heute üblichen aber eigentlich bizarren fliegenden Wechsel vom Journalismus in die PR-Branche vollzogen und arbeiten inzwischen bei der Berner Kantonspolizei im Mediendienst); abgrenzen muss man sich womöglich auch gegen den Umstand, dass der Chef mit dem anderen Chef freitags Golf spielt; oder im Rotary-Club diniert. Wo sich Chefredakteur und Verleger halt so rumtreiben. Kann ein Problem sein. Man muss sich auch abgrenzen gegen Vorurteile, wonach die Polizei, mit der man ja immer wieder mal zu tun hat, immer recht hat und Hausbesetzer hingegen, mit denen man eher weniger zu tun hat, grundsätzlich zweifelhaft seien, weil eine Hausbesetzung ja schon grundsätzlich ein Straftatbestand darstellt. Derartige Voreingenommenheit dürfen wir uns als Journalisten nicht leisten – uns braucht zu interessieren, ob unsere Quellen glaubwürdig sind.</p>
<p>Und wenn mir zwölf knapp zwanzig jährige Frauen unabhängig voneinander immer wieder die gleiche Geschichte erzählen, und, für meine Akten, auch mit ihren Namen dazu stehen, dann muss etwas dran sein – vor allem, wenn wie in diesem Fall, die Polizei die Härte der Einsätze mit der Gefährlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner rechtfertigt. Aussage stand gegen Aussage, aber die Aussagen der Hausbesetzer erschienen derart schlüssig, dass die Justiz zum Schluss kam, dass die Möglichkeit besteht, dass die Polizei mit ihren Gegendarstellungen hier nicht informiert, sondern desinformiert hat. Im Fall von Bern gab es in der Folge einen Knall, die Geschichte stiess auf erhebliche Resonanz – weil in Bern offenbar sehr viele Leute schlechte Erfahrungen mit einer – so der Vorwurf – häufig unverhältnismässig agierenden Polizei gemacht hatten, und somit regelrecht auf diese Geschichte gewartet hatten. Aber, und das ist die Kritik in diesem Fall, die Geschichte hatte ja auch auf der Strasse gelegen. Man hätte nur loslegen müssen.</p>
<p><strong>Warum hat man nicht?</strong><br />
Man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, eine Wochenzeitung hätte eben andere Möglichkeiten als eine Tageszeitung. Letztere müsse vor allem schnell agieren, schnell reagieren. Das stimmt, aber eben nur zur Hälfte. Ich habe selbst fünf Jahre lang für eine Tageszeitung gearbeitet, das zu Beginn gescholtene «St. Galler Tagblatt», und ich lieferte während Jahren täglich eine Story ab. Ich kenne die Mechanismen. Man läuft in der Tat Gefahr, vor lauter Abfüllen – Gemeinderatsberichterstattung, und da noch ein neues Restaurant, und dort noch ein Konzert und einer stellt am Freitag noch seine neuen Aquarelle aus – keine Zeit mehr zu finden für die Geschichten, die über das hektische Tagesgeschäft hinausgehen, für aufwändige Recherchen, oder Gedanken, die über Tage reifen müssen. Aber diese Zeit, dafür kann ich nur wiederholt plädieren, muss man sich nehmen, und man kann sie sich auch nehmen. Das sind wir unserem Job schuldig.</p>
<p>Schön hochgestochen geredet, stimmt. Nur wie sich die Zeit auch wirklich nehmen? Hier einige Tipps für den stressigen Redaktionsalltag nach fünf Jahren Tageszeitung, fünf Jahren Wochenzeitung und dreieinhalb Jahren beim «Magazin»:</p>
<ul>
<li>Nicht sofort an der Redaktionssitzung ankündigen, dass man eine Story am laufen habe: Sich damit einer Deadline verweigern, das nimmt erheblich Druck.</li>
<li>Sich nicht von Vorurteilen leiten lassen, und schon gar nicht von denen der alten Gärtchenverteidiger, die alles schon wissen, bevor es erzählt ist.</li>
<li>Zuerst einmal Ordnung: Was weiss ich? Was will ich wissen?</li>
<li>Dann in aller Ruhe die Leute angehen, sie auch mal zu rein informellen Gesprächen treffen</li>
<li>Mantra: Die Geschichte kommt erst, wenn sie fertig ist, ich lass mich nicht stressen, denn dann mache ich nur Fehler (das hilft wirklich ungemein!)</li>
<li>Erzähl deiner besten Freundin, was du für eine Geschichte am laufen hast (und am besten nimmst du deinen Monolog gleich auf Band auf – denn mit ein bisschen Glück reduziert sich der riesige Stapel an gesammeltem Material in der mündlichen Erzählung auf die spannendenden und wesentlichen Aspekte – und das ist dann womöglich schon der rote Faden deiner Story)</li>
<li>Zu einer grossen Recherche gehört auch die Produktionszeit, also sorgfältiges Gegenlesen – auch dazu muss man sich Zeit einplanen</li>
<li>Hausbesetzer sagen genauso die Wahrheit wie Polizisten (Was ich sagen will: Wenn dir jemand glaubwürdig erscheint, dann nimm ihn genauso ernst wie einen Polizeisprecher, der quasi seines Amtes die Wahrheit sagt – aber sagt er wirklich immer die Wahrheit?)</li>
<li>Fürchte nicht, dass du abgestraft wirst! Dies wiederum ist in der Tat der Vorteil einer überregionalen Wochenzeitung: Mir kann man in Bern nichts nachtragen, dem lokalen «Bund»-Redaktor schon. Nichts mühsamer, wenn morgens ein empörter Bürger im Büro steht, dem man Rechenschaft ablegen muss (andererseits: Konfrontation kann auch hilfreich sein!); definitiv mühsam ist es, wenn der Chef nervt, weil ihm sein Golfpartner vorgeschimpft hat, was für eine unseriöse Scheisse dieser Jungjournalist zusammenerfunden habe (obwohl er vielleicht sogar richtig lag). Nichts mühsamer, wenn Anzeigenkunden abspringen. Nichts mühsamer, wenn die ehemalige Bürokollegin plötzlich bei der Polizei arbeitet. Und trotzdem: Als Journalist muss man das aushalten können, auch wenn es in der Tat viel einfacher klingt, als es ist.</li>
<li>Rauchen hilft.</li>
<li>Trinken hilft übrigens nur bedingt (ist eigentlich dann am besten, wenn die Story abgeschlossen ist). Mal einen Monat lang keinen Alkohol trinken und demnach auch nicht dauernd in Bars rumlungern und klugscheissern, wie wir Journalisten das wahnsinnig gerne tun, kann in der Tat Wunder bewirken: Sich voll und ganz auf eine grosse Story konzentrieren; nur noch an die Story denken, so dass sich im Kopf alles zusammensetzt, und man am Schluss wie aus der Pistole geschossen alle Fragen, die sich stellen, beantworten kann.</li>
<li>Zuletzt: Wie das Vertrauen gewinnen von Leuten, die den Medien abgeneigt sind? Es gab mal auf einem Online-Portal eine Zusammenstellung von Gruppen, die an jenem berüchtigten «Reclaim the Streets» im Dezember 2013 teilgenommen haben sollen. Entstanden durch Rätselraten von Aussenstehenden. Das kann erstens nicht wirklich präzis sein und zweitens verbauen solche Storys dir den Zugang. Stichwort: «Lügenpresse!» Und vielleicht kann man diesen Vorwurf den Leuten manchmal ja nicht einmal verübeln. Wer dauernd aus der Ferne fertig gemacht wird, will nichts von Journalisten wissen. Dabei sollten wir Journalisten zwingend auch an den Rändern präzis sein, und nicht nur dort, wo die Macht sich ballt. Drum: Verzichte besser, wenn es irgendwie geht, im Zweifel auf die schnelle News-Story, bei der du selbst nicht sicher bist, ob sie so wasserdicht ist – halte dich für einmal zurück, denn du machst mit dem Schnellschuss mehr kaputt als du gewinnst (und zumindest hier weiss ich, wovon ich rede, es ist mir selbst zur Genüge passiert).</li>
<li>Versuche – aber immer mit offenen Karten – in eine Szene einzutauchen, und zwar anfangs ohne gezückten Stift in der Hand. Vertrauen braucht Geduld. Wir sollten uns dringend wieder davon verabschieden, jede Story gleich raushauen zu wollen. Im Moment arbeite ich, dies als praktisches Beispiel, intensiv an einer Recherche, die aber erst im Oktober erscheinen wird. Gewisse Dinge, gerade, wenn man sich an Rändern bewegt, lassen sich nicht erzwingen. Und klar, auch mit dem Bedenken, dass plötzlich ein anderer die Story bringen könnte – was aber bei komplizierten Geschichten sowieso eher nicht der Fall ist – muss man als Reporter leben können.</li>
</ul>
<p>Der Text ist das Handout zum Werkstattgespräch mit Daniel Ryser <a href="http://www.maz.ch/recherchetag16/" target="_blank">am 4. Schweizer Recherchetag</a> am MAZ in Luzern zu seinen Kapo-Bern-Recherchen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/24/wider-den-lokalen-filz-und-betriebsblindheit/">Wider den lokalen Filz und Betriebsblindheit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Reporter durchwühlen Wohnung der Attentäter</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/12/05/reporter-durchwuehlen-wohnung-der-attentaeter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Dec 2015 13:17:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehrere Reporter sind in die Wohnung von Syed Farook und seiner Frau Tashfeen Malik eingedrungen. Live auf Sendung zeigten sie persönliche Gegenstände in die Kamera. Auf Twitter hagelt es Kritik.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/05/reporter-durchwuehlen-wohnung-der-attentaeter/">Reporter durchwühlen Wohnung der Attentäter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mehrere Reporter sind in die Wohnung von Syed Farook und seiner Frau Tashfeen Malik eingedrungen. Live auf Sendung zeigten sie persönliche Gegenstände in die Kamera. Auf Twitter hagelt es Kritik.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/12/05/reporter-durchwuehlen-wohnung-der-attentaeter/">Reporter durchwühlen Wohnung der Attentäter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tote Flüchtlinge oder FC Aarau?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/06/15/tote-fluechtlinge-oder-fc-aarau/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2015/06/15/tote-fluechtlinge-oder-fc-aarau/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2015 10:16:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistische Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Blattmacher]]></category>
		<category><![CDATA[FC Aarau]]></category>
		<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aargauer Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wovon soll sich ein Blattmacher leiten lassen, wenn er die Frontseite der Zeitung gestaltet? Bei einer Regionalzeitung mit nationalem Anspruch ist diese Frage besonders heikel. Unser Kolumnist schildert das Dilemma anhand eines aktuellen Falles: Todesdrama im Mittelmeer oder Abstiegskandidat FC Aarau? Vor ein paar Wochen hatte ich Sonntagsdienst. Es war der Tag, an dem sich <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/15/tote-fluechtlinge-oder-fc-aarau/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/15/tote-fluechtlinge-oder-fc-aarau/">Tote Flüchtlinge oder FC Aarau?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wovon soll sich ein Blattmacher leiten lassen, wenn er die Frontseite der Zeitung gestaltet? Bei einer Regionalzeitung mit nationalem Anspruch ist diese Frage besonders heikel. Unser Kolumnist schildert das Dilemma anhand eines aktuellen Falles: Todesdrama im Mittelmeer oder Abstiegskandidat FC Aarau?<br />
<span id="more-24804"></span><br />
Vor ein paar Wochen hatte ich Sonntagsdienst. Es war der Tag, an dem sich das bisher folgenschwerste Flüchtlingsdrama im Mittelmeer ereignete. Bis zu 900 Menschen kamen ums Leben, die genaue Zahl wird nie jemand wissen. Es war aber auch der Tag, der im Falle einer Niederlage in Vaduz den Abstieg des FC Aarau besiegelt hätte. Im Verlauf des Nachmittags, als sich das Ausmass der Katastrophe immer deutlicher abzeichnete, der kapitale Match in Liechtenstein aber noch nicht mal angepfiffen war, musste sich der Blattmacher der Aargauer Zeitung / «az Nordwestschweiz» eine heikle Frage stellen: Mit welchem der beiden Themen soll man auf der Frontseite aufmachen, welches soll man kommentieren?</p>
<p>Es ist ein Fall, der schwarz-weiss nicht ist. Doch es ist einer, der ein stetig wiederkehrendes Dilemma einer Regionalzeitung mit nationalem Anspruch exemplarisch aufzeigt. Wovon soll sich ein Zeitungsmacher in seinen Entscheidungen leiten lassen? In erster Linie natürlich davon, was seine Konsumenten interessiert. Untersuchungen, etwa die Leserforschung mit der Reader-Scan-Methode, zeigen, dass ein Artikel markant häufiger gelesen wird, wenn sich der Leser persönlich betroffen fühlt. Journalisten können dabei alleine durch die Erzählform und insbesondere die Titelsetzung schon viel herausholen.</p>
<p>Aber natürlich nicht alles. Der FC Aarau dürfte vielen Aargauer Lesern – so gefühlskalt sich das anhört – emotional näher liegen als Flüchtlinge, die einen elenden Tod finden. Kaum ein Thema ist so von persönlicher Abstumpfung gefährdet wie die menschlichen Tragödien, die sich in regelmässigen Abständen im Mittelmeer ereignen. Die 50 Somalier, die in den Fluten ertranken, sind die gleiche Anzahl Personen, wie gestern Abend rund um uns in der vollgestopften Gartenbeiz sassen. Also ziemlich viele. Die 250 Syrer, von denen nur ein paar Dutzend gerettet werden konnten, sind die gleich grosse Gruppe, die beim letzten Konzert im Kulturlokal eine einmalige Stimmung herbeizauberte. In den Nachrichten jedoch finden die toten Flüchtlinge nur dann ernsthafte Beachtung, wenn ein neuer Höchstwert vermeldet wird oder wenn sich auf der Überfahrt bisher unbekannte Schicksale ereignen («Muslime werfen Christen über Bord»). Dann spielt der Sensationsfaktor, der beim Publikum das Interesse weckt.</p>
<p>Also auf den FC Aarau setzen? Nein. Denn die Leser erwarten von der Zeitung nicht nur das, was ihnen persönlich nahe geht. Sie erwarten auch eine Einordnung gemäss bekannten Relevanzkriterien. Dass auf dieser Ebene das Pendel zu den Flüchtlingen ausschlägt, leuchtet ein. Bezeichnenderweise hat sich bei uns noch nie ein Leser darüber beklagt, dass die Zeitung zu seriös sei. Das Gegenteil ist hingegen immer wieder der Fall. Fairerweise muss aber auch gesagt sein, dass die Ausgangslage für ein Printmedium wie die «az Nordwestschweiz», die eine Abonnentenquote von über 99 Prozent aufweist, eine bedeutend andere ist als diejenige einer Publikation, die sich wöchentlich oder gar täglich am Kiosk behaupten muss. Und: Leser, die in ihrer Zeitung über einen längeren Zeitraum nicht mehr das finden, was sie suchen, bestellen das Abo gleich ganz ab – und kehren womöglich nie mehr zurück.</p>
<p>Der Rückschluss, dass das Schicksal von verunglückten Migranten nun bei jedem neuen Fall auf der Frontseite erwähnt sein sollte, wäre falsch. Siehe Abstumpfung, siehe Leserinteresse, siehe Abokündigungen. Die Losung, die unser Chefredaktor in umstrittenen Fällen herausgibt, ist aber nicht falsch: Im Zweifel für die Relevanz.</p>
<p>Übrigens: Der FC Aarau hat damals das Spiel gegen Vaduz gewonnen und damit den Kopf nochmals, allerdings nur vorübergehend, aus der Schlinge ziehen können. Die Sportgötter können von Zeit zu Zeit auch die Freunde der Blattmacher sein.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/15/tote-fluechtlinge-oder-fc-aarau/">Tote Flüchtlinge oder FC Aarau?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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