<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lateinamerika | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/lateinamerika/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 21 Apr 2022 06:13:32 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.1</generator>
	<item>
		<title>Moskau macht TV-Propaganda in Lateinamerika – mit Erfolg</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/21/moskau-macht-tv-propaganda-in-lateinamerika-mit-erfolg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2022 06:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Russia Today]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=96611</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Fernsehsender «Russia Today» wird vom russischen Staat finanziert – mit dem Auftrag, dem westlichen Publikum die russische Sicht zu zeigen. Dem Sender wird immer wieder vorgeworfen, Desinformation zu verbreiten, zum Beispiel bei der aktuellen Ukraine-Krise.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/21/moskau-macht-tv-propaganda-in-lateinamerika-mit-erfolg/">Moskau macht TV-Propaganda in Lateinamerika – mit Erfolg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fernsehsender «Russia Today» wird vom russischen Staat finanziert – mit dem Auftrag, dem westlichen Publikum die russische Sicht zu zeigen. Dem Sender wird immer wieder vorgeworfen, Desinformation zu verbreiten, zum Beispiel bei der aktuellen Ukraine-Krise.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/21/moskau-macht-tv-propaganda-in-lateinamerika-mit-erfolg/">Moskau macht TV-Propaganda in Lateinamerika – mit Erfolg</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Mit 800 Franken im Monat komme ich durch»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias von Wartburg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 2018 09:11:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=57562</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Berner Journalistin Camilla Landbø lebt mit ihrem Sohn in La Paz und arbeitet dort als freie Korrespondentin. Nach Bolivien hat es sie via Mexiko und Argentinien verschlagen. Der Konzentrationsprozess der Schweizer Medien geht auch an ihr nicht spurlos vorbei. Dass Camilla Landbø Journalistin wurde, entschied sich Ende der 1990er Jahren vor einem Abfalleimer der <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/">«Mit 800 Franken im Monat komme ich durch»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Berner Journalistin <a href="https://www.camillalandboe.com/" rel="noopener" target="_blank">Camilla Landbø</a> lebt mit ihrem Sohn in La Paz und arbeitet dort als freie Korrespondentin. Nach Bolivien hat es sie via Mexiko und Argentinien verschlagen. Der Konzentrationsprozess der Schweizer Medien geht auch an ihr nicht spurlos vorbei.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-57563" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Camilla-Landbo_20180524-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Dass Camilla Landbø Journalistin wurde, entschied sich Ende der 1990er Jahren vor einem Abfalleimer der Universität Bern. Landbø hatte soeben eine Biologievorlesung verlassen und all ihre Uni-Unterlagen in den Abfall gekippt.</p>
<p>Nach dem Gymnasium hatte Camilla Landbø ein klares Ziel: Meeresbiologin. «Ich dachte ich werde der zweite Jacques-Yves Cousteau», sagt die 43-Jährige und lacht. Doch dann, nach anderthalb Jahren an der Uni, verliess sie eine Vorlesung über Vögel und steuerte auf den Abfalleimer zu. «Zwei Mitstudentinnen waren dermassen begeistert vom Studium, da merkte ich, dass ich diese Leidenschaft nicht teile.» Als die Unterlagen im Abfall lagen, wusste Camilla Landbø: «Ich muss raus in die Welt.» Danach bereiste die Studienabbrecherin Mexiko und merkte, dass sie vielen spannenden Geschichten begegnete, die sie erzählen wollte. Ein neues Berufsziel war gefunden. </p>
<p>Insgesamt reiste Camilla Landbø damals fünfmal nach Mexiko. Während einem Zwischenstopp in der Heimat begann sie für das Burgdorfer Tagblatt als freie Mitarbeiterin zu schreiben. Bei einem nächsten Zwischenhalt heuerte sie bei der «Berner Zeitung» an. Nach einem Jahr lehnte sie ein Angebot für eine Festanstellung ab und arbeitete weitere zwei Jahre als Freie um danach wieder auf Reisen zu gehen.</p>
<p>2006 brach Camilla Landbø ihre Zelte in der Schweiz definitiv ab. Zuerst bereiste sie Brasilien. «Mein Grossvater kam aus Brasilien und ich fühlte mich von Anfang an daheim», sagt Landbø. Sie suchte Familienangehörige und den Geburtsort ihres Grossvaters. Neben ihren südamerikanischen Wurzeln ist Landbø halbe Norwegerin (daher der Name mit dem ø) und hat Vorfahren im Tessin. Nach Brasilien bereiste sie Argentinien und liess sich in Buenos Aires nieder, wo sie während sieben Jahren als freie Korrespondentin arbeitete. Am Anfang sei es mit dem Schreiben noch langsam vorwärts gegangen, sagt sie: «Ich schrieb den einen und anderen Bericht für die ‹Welt›, WoZ oder ‹das Parlament› in Deutschland.» In dieser Zeit habe sie phasenweise auch noch Deutschunterricht gegeben. Später habe sie dann, dank regelmässigen Aufträgen, voll auf den Journalismus setzen können.</p>
<p>Danach wollte die Bernerin eine kurze Auszeit vom Journalismus nehmen. «Um neue Ideen, Inspiration und Geschichten zu finden», wie sie im Gespräch mit der MEDIENWOCHE sagt. Sie nahm eine saisonale Servicestelle in einem Restaurant in der Berner Altstadt an. Kurz vor der Abreise in Südamerika nach Bern stellte sie fest, dass sie schwanger war. Ihr Sohn kam in Bern zur Welt und aus der kurzen Auszeit wurde eine längere.</p>
<p>Damals lancierte sie die Internetplattform <a href="https://www.babybaern.ch" rel="noopener" target="_blank">Baby Bärn</a>. Eine Infoseite für Eltern in Bern. Was gibt es alles für Hütedienste? In welchem Restaurant hat es einen Wickeltisch? Wo werden stillende Mütter nicht blöd angestarrt? Mittlerweile komme mit Werbeanzeigen auf der Seite schon «ein kleiner Betrag» rein, sagt Landbø. Aber Baby Bärn reichte ihr auf die Dauer nicht: «Schon nach zwei Jahren zog es mich wieder weg.» Sie habe die Freiheit als freie Korrespondentin vermisst. Nach viereinhalb Jahren in der Schweiz zog sie wieder los.</p>
<p>Seit November 2017 lebt sie in Bolivien in La Paz auf 3600 Meter über Meer. «Ich hatte hier schon Freunde und das Leben in La Paz ist etwa halb so teuer wie in Buenos Aires», so Landbø. «Pro Monat brauche ich aktuell nur 800 Franken.» Momentan lebt sie noch zur Untermiete. Aber auch mit eigener Wohnung würden die Lebenskosten tief bleiben, sagt sie. </p>
<p>Das Interview für diesen Text wurde per Skype geführt. Camilla Landbø sitzt in einem Kaffee und gönnt sich ihre Morgenzigarette. Die Internetverbindung reicht für ein Standbild (sie vor einem bunten Wandgemälde, die Zigi in der linken Hand) und scheppernden Ton. Sie habe eben ihren Sohn in die Kindertagestätte gebracht. Landbø lebt hier als alleinerziehende Mutter. «Der Begriff ‹hauptzuständig› ist mir lieber», interveniert sie. Trotz mieser Tonqualität des Skype-Anrufes ist zu hören, dass sie dabei grinst. Aber sie meint es schon ernst: «Ich möchte das ewig traurige Bild der alleinerziehenden Mütter entkräften: Ich bin hauptzuständig und der Vater, der in Buenos Aires lebt, ist nebenzuständig.» Das klinge doch viel positiver, sagt sie.</p>
<p>Aber, wie geht das überhaupt, freie Korrespondentin und dann noch die Hauptzuständigkeit für ein kleines Kind? «Das geht sehr gut», sagt sie und fügt an: «Grössere Recherchen versuche ich jeweils mit einer Reise zu kombinieren. Mein 5-jähriger Sohn begleitet mich dann jeweils.» Vor wenigen Tagen sei sie von einer Reportagereise auf der Isla del Sol zurückgekehrt. Auf der Bolivianischen Insel im Titicacasee traf sie einen Schamanen. Daraus entsteht ein Artikel für das katholische <a href="https://www.kontinente.org/" rel="noopener" target="_blank">Magazin «Kontinente»</a>.</p>
<p>«Mein Sohn geniesst diese Reisen sehr, aber ich muss längst nicht für jeden Text umherreisen.» Als langjährige Korrespondentin in Südamerika habe sie sich ein Netzwerk aufgebaut. «So kann ich bei Bedarf meine Kontakte vor Ort anzapfen und komme so schnell zu verlässlichen Informationen.» Der letzte solche Artikel handelte von Abtreibungen in Argentinien: «Abtreibung als Privileg für Reiche». Der ist in der Schweiz im «St. Galler Tagblatt», in Zeitungen in Deutschland und Österreich erschienen. Dank ihrem Kontaktnetz findet sie oft mehrere Abnehmer für einen Text. «2015 hatte ich ein <a href="https://derstandard.at/2000012314398/Pepe-Mujica-Vielleicht-bin-ich-ein-wenig-Anarchist" rel="noopener" target="_blank">Interview mit Pepe Mujica</a>, damaliger Präsident von Uruguay, sieben Mal verkauft.» Dafür musste der Text aber auch ins Französische und Italienische übersetzt werden. Kürzlich machte Camilla Landbø aber die Erfahrung, dass Zweitverwertungen innerhalb der Schweiz immer schwieriger werden: «Ich habe einen ehemaligen Kollegen bei der BZ kontaktiert und ihm eine Geschichte angeboten. Wegen der Zusammenlegung der Tamedia-Redaktionen verwies er mich direkt nach Zürich. Dort hiess es, wegen der Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung könne man keine Texte von freien Korrespondentinnen mehr nehmen.» </p>
<p>Trotzdem ist Camilla Landbø zuversichtlich, weiterhin Abnehmer für ihre Geschichten zu finden. «Beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Nachrichten-Agentur" rel="noopener" target="_blank">Agenturdienst KNA</a> in Deutschland kann ich regelmässig Texte liefern. Und auch sonst baue ich mein Abnehmernetz weiter aus – auch ausserhalb der Schweiz.» Sie habe mittlerweile Kontakt zu Redaktionen in Deutschland, Österreich und Luxemburg. «Man vergisst oft, dass es diverse Länder mit deutschsprachigen Medien gibt. Zum Beispiel auch Liechtenstein, dort bin ich aktuell in Kontakt mit einer neuen Redaktion.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/24/mit-800-franken-im-monat-komme-ich-durch/">«Mit 800 Franken im Monat komme ich durch»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir recherchieren gegen unsere politischen Präferenzen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/03/14/wir-recherchieren-gegen-unsere-politischen-praeferenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco Metzler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Mar 2013 08:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumbien]]></category>
		<category><![CDATA[La Silla vacia]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=13114</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das unabhängige Nachrichtenportal «La Silla Vacía» (dt. der leere Stuhl) hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Machtverhältnisse in Kolumbien journalistisch zu hinterfragen und tut dies mittels innovativer Erzählformen und hohem Qualitätsbewusstsein. Wer wissen will, was in Kolumbien tatsächlich vor sich geht, muss nicht die klassischen Medien lesen, sondern das Internet-Portal «La Silla Vacía». Was <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/14/wir-recherchieren-gegen-unsere-politischen-praeferenzen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/14/wir-recherchieren-gegen-unsere-politischen-praeferenzen/">«Wir recherchieren gegen unsere politischen Präferenzen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das unabhängige Nachrichtenportal «La Silla Vacía» (dt. der leere Stuhl) hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Machtverhältnisse in Kolumbien journalistisch zu hinterfragen und tut dies mittels innovativer Erzählformen und hohem Qualitätsbewusstsein.<br />
<span id="more-13114"></span><br />
Wer wissen will, was in Kolumbien tatsächlich vor sich geht, muss nicht die klassischen Medien lesen, sondern das Internet-Portal <a href="http://www.lasillavacia.com/" target="_blank">«La Silla Vacía»</a>. Was hat es mit dem «leeren Stuhl» auf sich? Ein Blick auf die Website und die Lektüre <a href="http://www.lasillavacia.com/page/26172/preguntas-frecuentes/" target="_blank">von Interviews</a> mit Direktorin und <a href="http://www.lasillavacia.com/users/juana" target="_blank">Gründerin Juanita León</a> zeigen schnell, dass das kleine aber feine Portal nicht nur in Sachen publizistischer Unabhängigkeit, sondern auch was innovative Erzählformate und zeitgemässen Onlinejournalismus betrifft, den grossen Medienhäusern einiges voraushat.</p>
<p><strong>Gegen die eigenen Vorurteile recherchieren</strong><br />
Die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Juanita_Le%C3%B3n" target="_blank">Juristin León</a> hat ihr Internetportal 2009 gegründet. Sie wollte alleine für alles verantwortlich sein, was sie veröffentlicht. «Ich glaube, dass der kolumbianische Journalismus – mit vielen Ausnahmen – sich zu stark auf die Weitergabe der Bekundungen der Mächtigen beschränkt, ohne den Kontext mitzuliefern. Die Journalisten glauben zu stark an das Märchen, das ihnen aufgetischt wird. Sie haben nicht wirklich eine eigene Agenda.» Anders bei ihrem Portal: «Das Ziel von ‚La Silla Vacía‘ ist es von einem journalistischen Standpunkt aus zu erzählen, wie und von wem in Kolumbien Macht ausgeübt wird. Wir können dabei frei und nicht beschönigend über alles berichten, was wir wissen, weil wir weder mächtige Freunde noch ökonomische Interessen haben, die unsere Geschichten beeinträchtigen können.»</p>
<p>Juanita León wollte einen Beitrag leisten, dass die Kolumbianer besser verstehen, wie ihr Land funktioniert. Der «leere Stuhl» ist eine Anspielung auf verschiedene Momente der kolumbianischen Innenpolitik. Gleichzeitig soll der Name bei den Lesern Neugierde wecken: Wer wohl auf dem leeren Stuhl Platz nimmt? «La Silla Vacía» war von León als Informations- und Debattier-Plattform für alle «modernen» Kolumbianer geplant, die an die Werte der Verfassung von 1991 – «unser ideologischer Leuchtturm» – glauben. Ihr Ziel dabei war es, besseren Journalismus als das <a href="http://www.semana.com/" target="_blank">Wochenmagazin «Semana»</a> zu machen, das laut León als Massstab für journalistische Qualität in Kolumbien gilt.</p>
<p>Am meisten Echo lösten laut León Recherchen aus, die  Landkäufe im grossen Stil unter die Lupe nahmen, oder die Auswirkungen von Megaprojekten wie beispielsweise Minen auf Umwelt und Gesellschaft sowie die Machtbeziehung zwischen Medien und Politik. «Diese Scharnierthemen zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor werden in den traditionellen Medien selten aufgenommen», so León.</p>
<p>Das Internet-Portal hat keine Verbindungen zu politischen Parteien. «Die einzelnen Journalisten haben durchaus ihre politischen Präferenzen», sagt León. Dem fügt sie ein nachahmenswertes Prinzip an: «Wir versuchen aber gegen unsere Vorurteile und Präferenzen zu recherchieren, um diese Verzerrung herauszufiltern.» Ein Grundsatz, den sich gerade jene Journalisten zu Herzen nehmen könnten, die vor allem recherchieren und schreiben, um eigene Vorurteile und Präferenzen weiter zu zementieren und zu verbreiten.</p>
<p>Die Techniken, um die Unabhängigkeit zu bewahren, sind laut León diejenigen des guten Journalismus: «Wir haben eine objektive Methode, um Daten zu verifizieren, recherchieren gegen unsere Vorurteile an, machen keine Geschichten aus nur einer Quelle, rufen alle Seiten einer Geschichte an und recherchieren so lange, bis wir von dem überzeugt sind, was geschehen ist. Wir nehmen weder Geschenke noch Einladungen von unseren Quellen an.» Ob León und ihr Team diesen Kodex immer einhalten, kann ich nicht beurteilen. Dennoch sollte sich jeder Journalist immer wieder fragen, inwieweit er solche Prinzipien im Berufsalltag verfolgt oder noch verfolgen kann.</p>
<p>«La Silla Vacía» ist der Regierung gegenüber kritisch. León ist überzeugt, dass der Journalismus ein Gegengewicht zur Macht darstellen muss. «Anstatt der Macht mit Geschichten zu schmeicheln, wollen wir sie in Schach halten.» Eine eigentliche Strategie verfolgt sie dabei nicht. Es gebe nur die Verpflichtung, alles was man wisse, zu erzählen und alles man erzähle, zu wissen.</p>
<p><strong>Erfolgreiche Personendatenbank</strong><br />
Das Portal sei erfolgreich, weil es ein Vakuum gefüllt habe, das im Bereich der politischen Information bestanden habe. «Wir wiederholen nicht einfach, was das Radio oder die grösste Tageszeitung des Landes <a href="http://www.eltiempo.com/" target="_blank">«El Tiempo»</a> sagt, sondern recherchieren und produzieren eigenständige Inhalte.»</p>
<p>León sieht ihr Portal als Laboratorium für Experimente über die Möglichkeiten und die Grenzen des Journalismus im neuen Jahrhundert. «Unsere <a href="http://www.lasillavacia.com/quienesquien" target="_blank">Personendatenbank ‚Quién es quién‘</a> (‚Wer ist Wer‘) beispielsweise ist sehr erfolgreich und hat sich rasch zu einer umfassenden Datenbank über öffentliche Personen Kolumbiens entwickelt.»</p>
<p>Neben klassischen Artikeln und Geschichten, schön gestalteten <a href="http://www.proyectorosa.com/" target="_blank">interaktiven Erzählformaten</a>, gibt es eine Rubrik «La Movida» (Die Bewegung) an dem wochentags die Redaktion eine Frage zu einem aktuellen Thema aufschaltet, die dann von Politikern, Analytikern und  Intellektuellen beantwortet werden. Die Leser können die Antworten «unterstützten» oder «ablehnen».</p>
<p>In den Blogs schreiben Experten, Organisationen und Intellektuelle über Wirtschaft, soziale Verantwortung oder Medien. Über das interaktive Tool <a href="https://urtak.com/" target="_blank">Urtak</a> können die Leser Fragen stellen und diese auch beantworten. Der Redaktion dient das Werkzeug, um Meinungstendenzen auf dem Portal zu messen. Live-Berichterstattung via Twitter nennt die Redaktion «Twitterazos». Der Kurznachrichtendienst ist prominent in die Website integriert.</p>
<p>Bei «Querido diario» (Liebes Tagebuch) wird auf politischen Klatsch und Tratsch fokussiert. In «La Butaca» (Der Sessel) wird «das andere Kolumbien» in teilweise ironischer, ätzender Art oder aus einer unkonventionellen oder amüsanten Perspektive gezeigt. Auch mit <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=i3hnbeVXqsA" target="_blank">interaktiven Video-Chats</a> experimentiert Juanita León.</p>
<p><strong>Der Familie und den Stiftungen sei dank</strong><br />
Die Anschubfinanzierung für «La Silla Vacía» kam aus Leóns Familie und aus einer Spende der Open Society Foundations von Milliardär und Hedge-Funds-Manager George Soros. León hält 53 Prozent am Portal, zusammen mit ihrer Familie sind es 85 Prozent. Pro Monat erreicht «La Silla Vacía» eine Million Seitenansichten und 300‘000 sogenannte Unique Visitors.</p>
<p>Nach einem Jahr machte Werbung etwa 15 Prozent der Einnahmen aus. Der Rest stammt aus Bereichen, die nur indirekt mit der Site verknüpft sind: Workshops für digitale Alphabetisierung, Reden, Seminare, technische Beratung sowie internationale Kooperationen in spezifischen Projekten.</p>
<p>Die Seite ist noch nicht rentabel. Bis jetzt war León stark von Spenden der Nichtregierungsorganisationen abhängig. «Dies hat aber nach vier Jahren oft Grenzen. Dann sagen sie dir, dass sie dir nicht mehr helfen können, oder dass in Afrika ein grosses Problem aufgetaucht ist. All das macht unser Portal verletzlich. Deshalb versuchen wir neue kommerzielle Strategien zu entwickeln», erzählt León jüngst in einem Interview.</p>
<p>León hat acht Vollzeitstellen geschaffen. Neben ihr arbeiten vier Journalisten, eine Kreativ-Redaktorin, ein kaufmännischer Leiter, eine Verwaltungsassistentin und ein Webmaster beim Online-Portal. Hinzu kommt eine freischaffende Designerin. Tatsächlich arbeiten aber laut León rund 70 Personen mit, seien dies Meinungsführer, Blogger oder Leser, die in die Tasten greifen.</p>
<p>Auch finanziell stehen die Leser der Seite bei. Im vergangenen Jahr spendeten Leser 50 Mio. Pesos (rund 26&#8217;000 Franken), was laut León etwa den Kosten für den Betrieb eines Monats entspricht. Mittelfristig sollen – so hofft León – die Nutzer die Seite vollständig finanzieren.</p>
<p>Überhaupt steht bei León das Publikum im Mittelpunkt. Diese werden als Teil der Redaktion gesehen und nehmen am gesamten redaktionellen Prozess teil. Knapp ein Drittel der Geschichten würden von Lesern vorgeschlagen. Die Leser reagierten über die Kommentarfunktion, wenn es Fehler in einer Geschichte gebe oder die Perspektive falsch gewählt sei. Es herrscht Registrationspflicht, dafür erhalten die Leser eine eigene Profilseite.</p>
<p>Leser schreiben gar selbst Texte, die von der Community-Redaktorin redigiert und in der Nutzersektion publiziert werden. Leóns Hoffnung ist, dass die Nutzer ihr Portal in einigen Jahren nicht nur komplett finanzieren, sondern auch noch mehr Inhalte erstellen werden.</p>
<p><strong>Keine flächendeckende Meinungsfreiheit</strong><br />
Journalismus findet in Kolumbien unter härteren Rahmenbedingungen statt als anderswo. Das Land ist zweigeteilt. Ein Teil der Gebiete wird von der staatlichen Macht kontrolliert, in den anderen Teil dringen die Institutionen des Zentralstaats kaum vor. Diese Regionen befinden sich in der Hand von Paramilitärs und Guerillas, die sich beide über den Drogenanbau und -handel finanzieren und sich in ihrer Wesensart abgesehen von ideologischen und historischen Nuancen kaum unterscheiden.</p>
<p>Die zentrale Macht hat sich mit ihrer dezentralen Ohnmacht arrangiert. Die Verknüpfungen von offizieller Elite und inoffizieller Macht sind komplex. Entsprechend wichtig ist die Rolle der Medien als demokratisches Korrektiv. Doch die grossen Medienhäuser gehören den Eliten des Landes. «Teil des Privilegs, in Kolumbien mächtig zu sein, ist es, dass du auswählen kannst, was über dich gesagt wird und was nicht», erzählt León.</p>
<p>Hinzu kommt, dass die Meinungs- und Pressefreiheit in vielen Dörfern Kolumbiens nicht gewährleistet ist. Während in den staatlich kontrollierten Gebieten die Medienfreiheit funktioniert, stehen Lokaljournalisten in den Regionen immer noch den lokalen Mafias gegenüber, erzählt Juanita León.</p>
<p>In Bogotá fühlt sich León vom Staat beschützt. «Die Inlandsjournalisten aus der Hauptstadt, die nicht alles erzählen, was sie wissen, machen es nicht aus Angst um ihre Sicherheit, sondern weil ihre Chefs verhindern wollen, dass ihre Freunde und Werbekunden angegriffen werden könnten. In Bogotá verschweigen wir Journalisten viele Dinge, weil wir faul und feige sind oder aus der Gewohnheit, dass man gewisse Dinge nicht sagt», kritisiert León.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/14/wir-recherchieren-gegen-unsere-politischen-praeferenzen/">«Wir recherchieren gegen unsere politischen Präferenzen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wo man den Esel über den Äther bestellt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/01/31/wo-man-den-esel-ueber-den-aether-bestellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco Metzler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jan 2013 13:01:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Mittelwelle]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[UKW]]></category>
		<category><![CDATA[Bolivien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=12379</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Radio als Kommunikationsapparat: Der Sender Aclo Potosí in Bolivien ist Nachrichtenkanal, Telefonersatz und Schule für die Landbevölkerung zugleich. Zu Besuch bei einem Medium mit einer Mission im ärmsten Land Südamerikas. Das Gebäude von Radio Aclo Potosí ist unscheinbar. Nur ein einfaches Schild an der Fassade lässt erkennen, dass hier ein Sender zuhause ist. Durch <a href="https://medienwoche.ch/2013/01/31/wo-man-den-esel-ueber-den-aether-bestellt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/01/31/wo-man-den-esel-ueber-den-aether-bestellt/">Wo man den Esel über den Äther bestellt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Radio als Kommunikationsapparat: Der Sender Aclo Potosí in Bolivien ist Nachrichtenkanal, Telefonersatz und Schule für die Landbevölkerung zugleich. Zu Besuch bei einem Medium mit einer Mission im ärmsten Land Südamerikas.<br />
<span id="more-31159"></span><br />
Das Gebäude von <a href="http://aclo.org.bo/bolivia/index.php?option=com_content&amp;view=category&amp;layout=blog&amp;id=52&amp;Itemid=436" target="_blank">Radio Aclo Potosí</a> ist unscheinbar. Nur ein einfaches Schild an der Fassade lässt erkennen, dass hier ein Sender zuhause ist. Durch die Tür betritt man einen kleinen Raum mit Schalter. Dahinter sitzt eine Frau mit farbigen Kleidern und Hut – den typischen Kleidern der Indigenas. Immer wieder kommen Leute, unterhalten sich kurz mit ihr, reichen ein paar Münzen unter der Glastrennscheibe hindurch und verschwinden wieder. Die Besucher stammen hauptsächlich aus der indigenen Landbevölkerung.</p>
<p><strong>Radio als Telefonersatz</strong><br />
Wie sich herausstellen wird, nehmen diese eine der wichtigsten Dienstleistung des Radios in Anspruch: Die Möglichkeit, Botschaften, Hinweise und Grüsse an Familien und Bekannte auf dem Land zu schicken. Jeden Tag um 18 Uhr liest der Moderator die gesammelten Mitteilungen dann im Studio vor – eine soziale Funktion, die das Radio in unseren Breitengraden längst verloren hat.</p>
<p>Wie der für das Radio verantwortliche Grover Alejandro Pillco erklärt, sind diese Botschaften für die Landbevölkerung ein Ersatz fürs Telefon. Die Durchsagen kosten umgerechnet 35 Rappen, ungefähr so viel wie ein frischer Fruchtsaft. So gebe es beispielsweise Bauern, die in der Stadt eingekauft haben, dann schwer bepackt mit dem Bus wieder aufs Land zurück fahren und von der Strasse noch einen Fussmarsch von drei bis vier Stunden hinter sich bringen müssen, bis sie schliesslich zu Hause ankommen. Bevor sie sich auf den Weg machen, schauen sie deshalb nochmals kurz beim Radio vorbei und wenden sich über das Radio an ihre Söhne: «Bringt mir um die und die Zeit ein Maulesel zur Strasse. Ich habe Lasten zu transportieren», sind typische Nachrichten erzählt Pillco.</p>
<p>Das Radio hat aber gerade in diesem Bereich der Kommunikationsdienstleistung mit dem Strukturwandel zu kämpfen: «Früher kamen die Leute in Scharen und standen regelrecht Schlange vor unserem Schalter, um ihre Durchsagen aufzugeben. Aber dies hat stark angenommen, seit das Mobiltelefon auch in der Landbevölkerung immer verbreiteter ist.» Das Funksignal erreicht auch im ärmsten Land Südamerikas immer entlegenere Regionen. «Heute kommt es vor, dass ein Sohn seinem Vater die Nachricht sendet, er solle auf den Hügel vor dem Haus steigen, um dem Funkloch zu entkommen», erzählt Pillco. Im 21. Jahrhundert wird der Esel vermehrt per Mobiltelefon angefordert.</p>
<p><strong>Alphabetisierung über den Äther</strong><br />
Bei Radio Aclo Potosí arbeiten acht Mitarbeiter – alle sind zweisprachig: Das Radio sendet rund die Hälfte der Sendungen auf Quechua – die Sprache der Inkas und seit 2000 auch eine der über 30 offiziellen Landessprachen Boliviens – und die andere auf Spanisch. Nachrichten gehören laut Pillco zu den meistgehörten Sendungen, danach folgen Musik, Ausbildungsprogramme und die Kommunikationsdienstleistungen für die Landbevölkerung.</p>
<p>Die Nichtregierungsorganisation <a href="http://aclo.org.bo/bolivia/" target="_blank">Acción cultural Loyola (Aclo)</a> wurde 1966 im Süden Boliviens von einer Gruppe Studenten gegründet, die von einem jesuitischen Pfarrer motiviert worden war. Die Studenten wollten etwas für die Entwicklung und die Integration der indigenen Landbevölkerung leisten. Sie begannen mit Alphabetisierungsprogrammen. Später mietete die NGO dafür Sendezeit bei Lokalradios. 1977 gründete die Organisation den ersten eigenen Sender in Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens.1981 folgte ein Radio in Tarija und 2004 schliesslich ein eigenständiges Radio in Potosí.</p>
<p><strong>Der Sender als Schule</strong><br />
Grundausbildung per Radio gehört auch heute noch zu einem der wichtigsten Dienstleistung der Aclo-Senderfamilie. Frauen und Männer über 15 Jahre, die ihre Grundschulausbildung fortsetzen wollen, können dies von ihrem Empfangsgerät aus tun. Der Stoff reicht von der 3. bis zur 8. Klasse. Gelehrt wird das ABC oder Rechnen. Um mehr Hörer zu erreichen, wechseln sich Ausbildungsmodule und Musik ab. Der Staat gibt die Schulbücher gratis ab. Jeden Monat geht ein Lehrer in die Dörfer und beantwortet Fragen, nimmt Prüfungen ab oder stellt Zeugnisse aus.</p>
<p>Pillco glaubt, dass das Radio schon einige seiner Ziele erreicht hat, vor allem was die Meinungsbildung und die Teilnahme am öffentlichen Leben angeht. «Wir konnten das Bewusstsein der Leute wecken, damit nicht einfach von oben über sie bestimmt wird. Früher konnte man mit ein paar geschenkten Heften und Stiften die Stimmen der Landbevölkerung kaufen. Das ist heute nicht mehr möglich. Die von uns ausgebildeten, indigenen Führungspersönlichkeiten sind heute Bürgermeister, Berater von Abgeordneten oder stehen Organisationen vor.“</p>
<p><strong>Dank UKW in die Städte</strong><br />
Bei der Landbevölkerung Boliviens ist Radio als Medium äusserst beliebt. Bei den langen Fussmärschen und Arbeiten auf dem Feld ist ein tragbares Radiogerät oft die einzige Unterhaltungs- und Informationsmöglichkeit. Der Reichweite von Aclo Potosí, das in rund der Hälfte der Gemeinden der Provinz empfangen werden kann, ist beachtlich: Eine Hörererhebung von 2008 zeigt, dass das Radio von knapp 90 Prozent der Landbevölkerung gehört wird und damit das mit Abstand populärste Radio ist. In der Stadt sind es deutlich weniger Hörer: Mit rund 10 Prozent liegt das Radio an zweiter Stelle.</p>
<p>Zuerst wurde nur per Mittelwelle gesendet. Seit 2008 will man per UKW auch die städtische Hörerschaft stärker ansprechen, um «der indigenen Landbevölkerung auch in der Stadt eine Stimme zu geben, um eine Brücke zwischen Stadt und Land zu bauen sowie um Quechua und die ursprüngliche Kultur in einem immer globaleren Umfeld zu fördern.» Seit Juni 2012 ist die UKW-Frequenz aber ausser Betrieb. Grund für die Abschaltung sei ein neues Mediengesetz. Bald soll sie wieder auf Sendung gehen. «Die Konsolidierung der UKW-Frequenz ist für uns die grosse Herausforderung», so Pillco. «In Taxis und Mobiltelefonen funktioniert nur UKW. Es ist eine Voraussetzung, um in der Stadtbevölkerung mehr Hörer zu gewinnen.»</p>
<p><strong>Schwierige Finanzierung</strong><br />
Die Finanzierung des Radios sei die schwierigste Aufgabe, erzählt Pillco. «Wir versuchen uns allein über Werbung und die Gebühren für Durchsagen zu finanzieren. Am Ende des Jahres wird es immer sehr knapp.» Neben dem Radio betreibt die Redaktion auch <a href="http://aclo.org.bo/bolivia/index.php?option=com_content&amp;amp;view=category&amp;amp;layout=blog&amp;amp;id=52&amp;amp;Itemid=436" target="_blank">eine eigene Website</a>. «Wie die grossen Zeitungen versuchen wir unsere Website zwei bis drei Mal am Tag zu aktualisieren. Geld kann man damit aber nicht verdienen», sagt Pillco.</p>
<h2>Potosí – in lebensfeindlicher Höhe</h2>
<p>Die bolivianische Stadt Potosí liegt auf rund 4000 Meter über Meer und wächst rasant. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein lebensfeindlicher, von Armut geprägter Moloch, der sich den Cerro Rico hochfrisst – den Berg, deren Minen schon den spanischen Konquistadoren einen grossen Teil ihres Silberreichtum bescherten. Im 17. Jahrhundert war Potosí grösser als Paris oder London. Noch heute zeugt die prunkvolle koloniale Architektur davon. Obwohl es kaum noch Silber gibt, graben die Minenarbeiter unter prekären Bedingungen weiter nach den letzten Resten Mineralien, die der Berg noch hergibt. Potosí ist eine arme Stadt mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung. Immer mehr ziehen vom Land her. Oftmals suchen sie sich in der Stadt einen Zweitwohnsitz neben ihrer Hauptexistenz auf dem Land. «Sie wechseln ihre Lebensform, bleiben aber gleichzeitig Bauern», erklärt Radiochef Pillco.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/01/31/wo-man-den-esel-ueber-den-aether-bestellt/">Wo man den Esel über den Äther bestellt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
