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	<title>Leak | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:06:33 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Lockerung beim Umgang mit Leaks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominique Strebel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2015 12:22:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Netzpolitik.org]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ohne dass es jemand bemerkt hätte, änderte der Schweizer Presserat im April 2015 einen wichtigen Passus des Journalistenkodex: In Zukunft dürfen Medienschaffende vertrauliche Dokumente und Informationen veröffentlichen, auch wenn diese durch unlautere Methoden erlangt wurden. Damit entfernt sich die Medienethik weiter vom Medienrecht. Bis vor einem halben Jahr musste mit einer Rüge des Presserats rechnen, <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/21/lockerung-beim-umgang-mit-leaks/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne dass es jemand bemerkt hätte, änderte der Schweizer Presserat im April 2015 einen wichtigen Passus des Journalistenkodex: In Zukunft dürfen Medienschaffende vertrauliche Dokumente und Informationen veröffentlichen, auch wenn diese durch unlautere Methoden erlangt wurden. Damit entfernt sich die Medienethik weiter vom Medienrecht.<br />
<span id="more-25962"></span><br />
Bis vor einem halben Jahr musste mit einer Rüge des Presserats rechnen, wer geleakte Informationen veröffentlichte. <a href="http://presserat.ch/13250.htm" target="_blank">Richtlinie a.1 </a>der <a href="http://www.presserat.ch/Documents/Erklaerung2008.pdf" target="_blank">«Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten»</a> hielt ausdrücklich fest: «Die Information darf nicht durch unlautere Methoden (Bestechung, Erpressung, verbotenes Abhören, Einbruch/Diebstahl) erlangt worden sein». Dieser Passus wurde im vergangenen April ersatzlos gestrichen.</p>
<p>Die Lockerung hat allerdings Grenzen. Gemäss Presserat dürfen Informationen, die auf geleakten Daten oder Dokumenten beruhen, nur dann veröffentlicht werden, wenn die Medienschaffenden die Quellen kennen, die Information im öffentlichen Interesse ist, keine äusserst wichtigen Interessen tangiert sind und wenn der Informant die Indiskretion absichtlich und freiwillig getätigt hat.</p>
<p>Die kleine aber feine Anpassung des Journalistenkodex ist bemerkenswert, weil der Presserat damit noch stärker auf Distanz zu den Schweizer Gerichten geht, die illegal erlangte Beweise für unverwertbar erklären und die die Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen (Art. 293 StGB) immer noch streng ahnden.</p>
<p>Zudem entwickelt sich das medienethische Selbstkontrollorgan der Schweiz auch weg vom Trend in Deutschland. Dort hat der Bundestag letzten Freitag, 16. Oktober 2015, von der öffentlichen Meinung wenig beachtet unter dem Titel <a href="http://www.taz.de/!5239820/">«Datenhehlerei» einen neuen Artikel 202d</a> ins Strafgesetzbuch eingefügt:</p>
<ol>
<li>Wer Daten (§ 202a Absatz 2), die nicht allgemein zugänglich sind und die ein anderer durch eine rechtswidrige Tat erlangt hat, sich oder einem anderen verschafft, einem anderen überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht, um sich oder einen Dritten zu bereichern oder einen anderen zu schädigen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.</li>
<li>(…)</li>
<li>Absatz 1 gilt nicht für Handlungen, die ausschließlich der Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten dienen (…).»</li>
</ol>
<p>Absatz 3 soll gemäss erläuterndem Bericht auch Journalisten von der Strafbarkeit ausnehmen, aber nur, wenn sie eine <a href="http://it-strafrecht.org/datenhehlerei-wird-strafbar-ausser-fuer-amtstraeger/" target="_blank">konkrete Veröffentlichung vorbereiten</a>. Der Deutsche Anwaltsverein kritisierte, diese Regelung greife zu kurz: «Ein Journalist, der Daten zugespielt bekommt, kann naturgemäss erst nach der Sichtung des Datenbestandes beurteilen, ob daraus eine Veröffentlichung werden kann bzw. soll». Dann habe er sich aber bereits strafbar gemacht. Zudem gelten Blogger, Programmierer etc. nicht als Journalisten und sind vor Strafe <a href="http://www.taz.de/Pressefreiheit-gewaehrleistet/!5239820/" target="_blank">in Zukunft nicht geschützt</a>.</p>
<p>In Deutschland scheint nach dem Debakel rund um die <a href="https://netzpolitik.org/2015/monitor-ueber-landesverrat-netzpolitik-org-skandal-vorbei/" target="_blank">Ermittlungen wegen Landesverrats</a> gegen das Blog netzpolitik.org das Pendel wieder in Richtung Geheimhaltung zurückzuschlagen.</p>
<p>Und ganz grundsätzlich fällt auf, dass die Schweiz und Deutschland nach einem neuen Gleichgewicht zwischen Öffentlichkeit und Geheimnis suchen und dabei bisher ohne kohärenten Plan agieren. Doch kein Wunder, wirken doch seit einigen Jahren zwei Kräfte, die sich teilweise entgegenlaufen, teilweise verstärken: Zum einen das Grundcredo der Transparenz, dem sich der moderne Staat verpflichtet hat, und zum andern die Unsicherheit von Daten im digitalen Zeitalter. Dass der Schweizer Presserat in dieser Grundsatzdebatte ein deutliches Zeichen setzt, ist aus Sicht des Journalismus sehr zu begrüssen. Und hoffentlich orientiert sich der Schweizer Gesetzgeber nicht an der neuen Härte Deutschlands sondern am Presserat, streicht in der laufenden Revision Artikel 293 StGB, der die Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen unter Strafe stellt, und beschliesst eine Revision des Obligationenrechts, das Whistleblower tatsächlich besser schützt.</p>
<p>Denn als Grund für die Streichung des Verwertungsverbots von unlauter beschafften Informationen nennt Presserats- Geschäftsführerin Ursina Wey gerade die Debatte über das Whistleblowing. Die ursprüngliche Fassung von Richtlinie a.1 stamme aus dem Jahr 2000, damals sei dieses Thema (noch) nicht aktuell gewesen. «Zudem erachtete es der Presserat als problematisch, (abschliessend) konkrete Delikte bzw. Straftatbestände zu nennen, welche dazu führen sollen, dass eine Indiskretion nicht veröffentlicht werden darf, andere, wie beispielsweise eine Amtsgeheimnisverletzung, hingegen nicht.»</p>
<p>Für diese Klärung gebührt dem Presserat Lob. Irritiernd hingegen ist, wie zurückhaltend er diese Änderung des Journalistenkodex kommuniziert hat. Sie ist ganz hinten im Jahresbericht 2014 erwähnt. Kommentarlos. Und bis Redaktionsschluss wurde die Neuerung weder in der Online-Version des <a href="http://ratgeber.presserat.ch/index.php?de_5-wann-darf-ich-vertrauliche-informationen-enthallen" target="_blank">Medienethik-Ratgebers des Presserats</a> noch in dessen App nachgeführt. Dort finden orientierungsbedürftige Journalisten immer noch die alte Version. So ernst der Presserat von den Gerichten bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte genommen wird, wenn sie unbestimmte Rechtsbegriffe zu füllen haben, so wenig scheint sich der Presserat selbst seiner Bedeutung bewusst zu sein.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/21/lockerung-beim-umgang-mit-leaks/">Lockerung beim Umgang mit Leaks</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gegen Journalisten, die der institutionellen Autorität dienen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/05/28/gegen-journalisten-die-der-institutionellen-autoritaet-dienen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/05/28/gegen-journalisten-die-der-institutionellen-autoritaet-dienen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2014 08:44:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Leak]]></category>
		<category><![CDATA[Washington Post]]></category>
		<category><![CDATA[snowden2014]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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		<category><![CDATA[Dean Baquet]]></category>
		<category><![CDATA[Glenn Greenwald]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Publikation der Dokumente von Edward Snowden machen Glenn Greenwald zum derzeit bekanntesten Journalisten der Welt. In seinem Buch «Die globale Überwachung» schildert er, wie es zur Publikation der Leaks gekommen ist, er kritisiert die Regierungsfreundlichkeit des etablierten Journalismus und antwortet jenen, die glauben, nichts zu verbergen zu haben. «Unsere führenden Kritiker sind Journalisten, die <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/28/gegen-journalisten-die-der-institutionellen-autoritaet-dienen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Publikation der Dokumente von Edward Snowden machen Glenn Greenwald zum derzeit bekanntesten Journalisten der Welt. In seinem Buch «Die globale Überwachung» schildert er, wie es zur Publikation der Leaks gekommen ist, er kritisiert die Regierungsfreundlichkeit des etablierten Journalismus und antwortet jenen, die glauben, nichts zu verbergen zu haben.<br />
<span id="more-19767"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Unsere führenden Kritiker sind Journalisten, die es falsch finden, Geheimnisse der US-Regierung zu veröffentlichen, obwohl genau das die Aufgabe von Journalisten ist.»</p>
<p>Glenn Greenwald <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/glenn-greenwald-im-interview-die-bundesregierung-stellt-die-beziehungen-zu-den-usa-ueber-die-privatsphaere/9755592.html">im April 2014</a></h2>
</div>
<p></p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 120px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"><a href="https://medienwoche.ch/tag/snowden2014/"><strong><big>1 Jahr Snowden-Leaks</big></strong></a><br />
Am 9. Juni 2013 bekannte sich <strong>Edward Snowden</strong> verantwortlich für ein Leak, das die Öffentlichkeit über das Ausmass der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten informiert. MEDIENWOCHE beschäftigt sich ein Jahr später mit der <strong>Beziehung zwischen Journalisten und Whistleblowern</strong>.</div>
<p>Wir leben in seltsamen Zeiten. Denn die wichtigsten Themen unserer Zeit lösen sowohl beim Publikum als auch bei den Journalisten selbst sofort Gähnreflexe aus: Die für viele neuen Gesetze verantwortlichen Mechanismen der europäischen Gesetzgebung, die gigantischen Bailouts für Banken und Staaten, die masslose Überschuldung der Staaten, die grenzen- und unterschiedslose Überwachung durch Geheimdienste. Wie sagt es Homer Simpson so schön: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Fk0To_o6NxE">Gibt&#8217;s den Blödsinn immer noch?</a></p>
<p>Glenn Greenwald kennt das. Wenn Leute ihn fragen, was sie denn Überwachung bitteschön angehe, sie hätten doch gar nichts zu verbergen, dann bittet er sie jeweils um die Passwörter zu ihren E-Mail- und Facebook-Konten, er wolle darin nur etwas lesen und gegebenenfalls daraus etwas veröffentlichen. Noch nicht eine Person, die angeblich nichts zu verbergen hat, hat ihm bislang seine Passwörter zugesandt. Wer wirklich nichts zu verbergen hat, kann doch auch Kameras in Schlaf- und Badezimmer installieren und die Aufnahmen live im Internet veröffentlichen.</p>
<p>Sind die Schweizer Leser gut über Überwachung informiert? Nun ja, vieles von dem, was zu US-Themen und zu internationalen Themen in Schweizer Publikationen steht, haben Schweizer Journalisten und Korrespondenten (vor dem Verpacken in eigene Worte) in US-Leitmedien gelesen, zum Beispiel in der Washington Post. Glenn Greenwald sieht diese Zeitung so:</p>
<blockquote><p>Ich respektiere Gellman*, nicht aber die <em>Washington Post</em>, die in meinen Augen der Inbegriff eines regierungsfreundlichen Presseorgans ist und die schlimmsten Attribute der politischen US-Medien in sich vereint: übermässige Regierungsnähe, Ehrfurcht vor dem Sicherheitsstaat, ständiges Totschweigen abweichender Meinungen.</p></blockquote>
<p><small>Glenn Greenwald, «Die globale Überwachung», Seite 84<br />
(*gemeint ist Journalist <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Barton_Gellman">Barton Gellman</a>).</small></p>
<p>Greenwald, dem seinerseits (<a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-Skandal-Wikileaks-und-der-Streit-um-den-Quellenschutz-2193557.html">von Julian Assange</a>) vorgeworfen wird, seine Veröffentlichungen einer «Zensur» zu unterziehen, kritisiert das Verhalten der Zeitung gegenüber Regierungsgeheimnissen:</p>
<blockquote><p>Ausserdem wusste ich, dass die <em>Washington Post</em> sich pflichtschuldig an die ungeschriebenen Regeln halten würde, wie die Medien des Establishments mit Regierungsgeheimnissen umzugehen haben. Gemäss diesen Regeln, die es der Regierung ermöglichen, Enthüllungen selbst zu steuern und ihre Auswirkungen zu minimieren oder gar zu neutralisieren, wendet sich die Redaktion zuerst an die Behörden und informiert sie darüber, was sie zu veröffentlichen gedenkt. Sicherheitsbeamte der Regierung erklären den Redakteuren dann lang und breit, wie die nationale Sicherheit durch diese Veröffentlichungen angeblich bedroht werden würde. Man verhandelt darüber, was veröffentlicht wird und was nicht. Im besten Fall ergibt sich dadurch zumindest eine erhebliche Verzögerung. Häufig werden dabei absolut berichtenswerte Informationen zurückgehalten. Das bewog die <em>Post</em> beispielsweise 2005, als sie über die Existenz von Geheimgefängnissen der CIA berichtete, die Namen der Länder, in denen es solche Gefängnisse gab, nicht preiszugeben; auf diese Weise trug sie sogar zum Fortbestehen dieser gesetzeswidrigen CIA-Folterstätten bei.</p></blockquote>
<p><small>Glenn Greenwald, «Die globale Überwachung», Seite 85/86.</small></p>
<p>Auch Greenwald und der Guardian kamen der gesetzlichen Verpflichtung nach, die Behörden vorab über die Veröffentlichung zu informieren, werteten die dagegen vorgebrachten Einwände aber sehr schnell als irrelevant ab. Und veröffentlichten.</p>
<p>Während Wikileaks sich als Leaking-Plattform zur Verfügung stellte, selbst prüfte und (unter Beizug etablierter Medien) veröffentlichte, leakte Snowden nur und überliess die komplette Verantwortung, was veröffentlicht wird, den Journalisten. Dass er sich Greenwald ausgesucht hatte, ist kein Zufall:</p>
<blockquote><p>Snowden erklärte mehrere Male, er habe mich und Laura von Anfang an bei den Veröfffentlichungen dabeihaben wollen, weil er wusste, dass wir offensiv berichten und uns von Drohungen seitens der Regierung nicht einschüchtern lassen würden. Häufig erwähnte er die <em>New York Times</em> und andere grosse Medien, die brisante Storys auf Verlangen der Regierung gestoppt hatten.</p></blockquote>
<p><small>Glenn Greenwald, «Die globale Überwachung», Seite 83.</small></p>
<p>Was die Beurteilung des Überwachung-Skandals betrifft, müssen sich die etablierten Journalisten Fragen gefallen lassen. Waren nicht sie es, die US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama (zumindest im Wahlkampf 2008) zu einem Mann hochgeschrieben haben, dem eigentlich nur noch Jesus, Buddha oder Mohammed das Wasser reichen konnte? Wie gehen sie damit um, ihn jetzt kritisieren zu müssen? «Der Krieg der Regierung gegen Geheimnisenthüllungen und andere Massnahmen zur Nachrichtenkontrolle sind die aggressivsten seit der Amtszeit Nixons», schrieb Leonard Downie jr., ein Ex-Chefredaktor der Washington Post über die Regierung Obama, in einem <a href="https://www.cpj.org/reports/2013/10/obama-and-the-press-us-leaks-surveillance-post-911.php">Report</a> für das internationale «Committee to Protect Journalists». Sechs beim Staat und zwei bei staatlichen Auftragnehmern Angestellte wurden von der Regierung Obama seit 2009 wegen an die Presse übermittelter vertraulicher Informationen unter dem <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Espionage_Act_of_1917#21st_century">Spionagegesetz von 1917</a> angeklagt. Unter allen Regierungen zuvor wurden deswegen lediglich drei Personen angeklagt.</p>
<p>Der «Zeit»-Podiumsdiskussion vergangenen Sonntag im Deutschen Theater in Berlin folgte ein langer, Glenn Greenwald geltender Beifall, die Rolle des Journalismus wurde leider nicht angesprochen. Greenwald sagte, sei sei eine Klischeevorstellung von Journalisten, wenn sie Snowden dazu auffordern, doch bitte seinen Mann zu stehen («to man-up») und sich in den USA zu stellen. Greenwald erinnert im Buch daran, dass das Bild, das die Öffentlichkeit von Snowden gewinnen konnte, nämlich das eines «eigenverantwortlich handelnden, sich klar äussernden Menschen, der seine Ansichten verteidigen und erklären kann, was er getan hat und warum», keineswegs selbstverständlich sei und durchaus auch «das eines Häftlings im orangefarbenen Overall und mit Fussfesseln» sein könnte. Die Präsentation von Whistleblowern als leicht irre und höchst narzisstische Wesen mit krimineller Energie sei Absicht der Regierung &#8211; ganz offensichtlich wird diese von den Medien in vielen Fällen unreflektiert weitergetragen.</p>
<blockquote><p>Natürlich haben pflichtbewusste, treue Anhänger des Präsidenten und seiner Politik, brave Bürger also, die nichts tun, was die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sie lenkt, keinerlei Grund, sich vor dem Überwachungsstaat zu fürchten. Das gilt für jede Gesellschaft: Wer den Mächtigen keine Probleme bereitet, wird selten das Ziel von Unterdrückungsmassnahmen. So jemand kann leicht zu dem Schluss kommen, dass es gar keine Unterdrückung gibt. Aber die Freiheit einer Gesellschaft misst sich eben daran, wie sie mit Abweichlern und Randgruppen umgeht, nicht daran, wie sie ihre loyalen Mitglieder behandelt.</p></blockquote>
<p><small>Glenn Greenwald, «Die globale Überwachung», Seite 278.</small></p>
<p>Im ersten Drittel erzählt «Die globale Überwachung» (im Original «No Place to Hide») auf packende Weise die Details der Veröffentlichung der Snowden-Leaks. Der mit vielen geleakten und veröffentlichen Grafiken der Geheimdienste NSA und GCHQ gespickte Mittelteil macht klar, weshalb die grenzenlose Überwachung ein Skandal ist &#8211; und ein echtes Problem, das uns auch in Zukunft noch ausgiebig beschäftigen wird.</p>
<p>Das letzte Kapitel, «Die vierte Gewalt», ist ganz dem Journalismus gewidmet. Greenwald klagt darin jene Journalisten an, die Edward Snowden ohne genauere Kenntnisse des Falls zu einem Spion Chinas oder Russlands (vgl. <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/07/guter-whistleblower-boeser-whistleblower/">«Guter Whistleblower, böser Whistleblower»</a>) machen wollten, zu einer labilen Unperson, zu einem «geltungssüchtigen Narzissten». In Tat und Wahrheit lehnte Snowden die täglich mehrfach eingehenden Interviewanfragen der Medien ab. Weil er den Fokus nicht auf sich, sondern auf den Inhalt der Leaks lenken wollte.</p>
<p>Auch Greenwald selbst musste bemerken, von anderen Journalisten plötzlich nicht mehr «Journalist», sondern «Aktivist» oder «Polemiker» genannt zu werden und durfte Zeuge werden, wie sie öffentlich darüber debattierten, ob er eine Gefängnisstrafe verdiene oder nicht. Ihm drohe eine Strafverfolgung wegen Spionage, <a href="http://www.taz.de/!139216/">sagte er der Taz</a>, wenn er als Informationsverteiler auftrete oder Dokumente an die Regierung eines anderen Staates weitergebe.</p>
<blockquote><p>Früher galten echte Journalisten als die Aussenseiter schlechthin. Viele, die diesen Beruf ergriffen, wollten sich eher den Mächtigen widersetzen als ihnen dienen, und nicht nur auf theoretischer Ebene, sondern auch mit ihrer ganzen Person. Die Wahl des Journalistenberufs war praktisch eine Garantie dafür, das Dasein eines Aussenseiters zu führen: Reporter verdienten wenig, hatten kein hohes gesellschaftliches Ansehen und galten meist als zwielichtig.<br />
Das ist heute ganz anders. Mit dem Aufkauf von Medienunternehmen durch die grössten Konzerne der Welt wurden die meisten Medienstars zu hochbezahlten Angestellten, die sich nicht von anderen Mitarbeitern gleichen Ranges unterscheiden. Sie offerieren der Öffentlichkeit Medienerzeugnisse im Namen ihres Unternehmens, als handelte es sich um Bankdienstleistungen oder Finanzprodukte. Ihre berufliche Laufbahn wird von den Parametern bestimmt, die nun einmal in einem solchen Umfeld zum Erfolg führen, also davon, inwiefern sie die Konzernchefs zufriedenstellen und den Interessen des Unternehmens dienen.<br />
Wer innerhalb der Strukturen grosser Unternehmen Karriere macht, hat sich meist daran gewöhnt, im Sinne der institutionellen Macht zu handeln, statt sie zu untergraben. Daher eignen sich die Erfolgreichen des Unternehmensjournalismus gut als Zuarbeiter der Macht. Sie identifizieren sich mit der institutionellen Autorität und sind darauf trainiert, ihr zu dienen.</p></blockquote>
<p><small>Glenn Greenwald, «Die globale Überwachung», Seite 330/331</small></p>
<p>Die New York Times, so schreibt Glenn Greenwald weiter, war 2004 bereit, auf Anweisung der Behörden die Aufdeckung des illegalen Abhörprogramms der NSA durch den damaligen Public Editor James Risen zu unterdrücken. Ähnliches sei 2006 bei der Los Angeles Times geschehen. Dessen damaliger Chefredaktor, <a href="http://topics.nytimes.com/top/reference/timestopics/people/b/dean_baquet/index.html">Dean Baquet</a>, ist seit dem 14. Mai der neue Chefredaktor der New York Times.</p>
<p><small>«Die globale Überwachung», Verlag Droemer/Knaur 2014, 365 Seiten, 31,90 Franken.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/28/gegen-journalisten-die-der-institutionellen-autoritaet-dienen/">Gegen Journalisten, die der institutionellen Autorität dienen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Wer nicht dazu steht, hat den Beruf verfehlt»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/11/19/wer-nicht-dazu-steht-hat-den-beruf-verfehlt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2013 14:01:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Leak]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Konvergenz]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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		<category><![CDATA[G 200]]></category>
		<category><![CDATA[Infosperber.ch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 120 Redaktorinnen und Redaktoren des Tages-Anzeigers unterzeichneten einen Protestbrief an die Tamedia-Unternehmensleitung. Die Namensliste wurde alsbald publik. Zum Unmut einzelner Betroffener. Veröffentlicht hat sie als Erster der preisgekrönte Walliser Journalist Kurt Marti – aus guten Gründen, wie er findet. Wäre es nach den Organisatoren des Protests gegangen, hätte bis heute niemand erfahren, woran <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/19/wer-nicht-dazu-steht-hat-den-beruf-verfehlt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/19/wer-nicht-dazu-steht-hat-den-beruf-verfehlt/">«Wer nicht dazu steht, hat den Beruf verfehlt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als 120 Redaktorinnen und Redaktoren des Tages-Anzeigers unterzeichneten einen Protestbrief an die Tamedia-Unternehmensleitung. Die Namensliste wurde alsbald publik. Zum Unmut einzelner Betroffener. Veröffentlicht hat sie als Erster der preisgekrönte Walliser Journalist Kurt Marti – aus guten Gründen, wie er findet.<br />
<span id="more-16746"></span><br />
Wäre es nach den Organisatoren des Protests gegangen, hätte bis heute niemand erfahren, woran sich der <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/tages-anzeiger-topsunmut-ueber-die-konvergenz-310923" target="_blank">Unmut von Teilen der Tagi-Redaktion</a> entzündet im Zusammenhang mit dem laufenden Konvergenzprozess. Nur so viel waren sie bereit, öffentlich preiszugeben: «Wir haben ein fünfseitiges Papier erstellt mit kritischen Punkten zur Konvergenz. Und 121 Leute haben es unterschrieben.» Es hätte eine redaktions- und verlagsinterne Auseinandersetzung bleiben sollen. Auf die mediale Begleitmusik von Konkurrenz und anderen Beobachtern wollten die Unzufriedenen verzichten. Bekanntlich blieb dies ein frommer Wunsch. Kaum gesagt, leckten die Dokumente auch schon munter aus der Redaktion und auch ausserhalb der Redaktion konnte man sich ein Bild von den Konvergenzwehen beim Tages-Anzeiger machen.</p>
<p>Nun mag man es für reichlich naiv halten, elektronische Dokumente einer breiteren Öffentlichkeit vorenthalten zu wollen, die auf einer Redaktion zwischen mehr als 200 Medienschaffenden zirkulieren; erst recht, wenn nicht alle dahinterstehen, die sie einsehen konnten. Das Leck war also vorprogrammiert. Was zumindest im Fall der Namensliste nicht hätte sein müssen. Auch 2013 lässt sich ein Dokument handschriftlich signieren.</p>
<p>Da lagen also die Liste mit 121 Namen und die Protestnote in ein paar Mailboxen ausserhalb der Tages-Anzeiger-Redaktion. Und allmählich begann der Inhalt durchzusickern. Zuerst wurde auf Twitter daraus zitiert, bis schliesslich die <a href="http://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Protestschreiben-der-Tagi-Redaktion-zur-Konvergenz1" target="_blank">Nachrichtenplattform infosperber.ch</a> und ihr <a href="http://www.beobachter.ch/dossiers/prix-courage/artikel/prix-courage-2013_kandidatnbsp5/" target="_blank">Autor Kurt Marti</a> die beiden Dokumente unter einem Artikel zum Thema integral veröffentlichten. Danach verlinkten etliche andere Medien darauf. (Indirekt auch die MEDIENWOCHE, die prominent <a href="www.presseverein.ch/2013/11/exemplarische-qualen-der-konvergenz/" target="_blank">auf einen externen Artikel verwiesen</a> hat, der den Link zur Liste enthielt.)</p>
<p>Vereinzelte Redaktorinnen und Redaktoren, die das Protestschreiben unterzeichnet hatten, sahen ihre Namen plötzlich prominent in der Branche herumgereicht – und fanden das gar nicht toll. Sie hielten die Veröffentlichung für <a href="https://twitter.com/journ_ali/status/401061289595637761" target="_blank">«fahrlässig» und für die Berichterstattung «irrelevant»</a>. Diese Einschätzung teilten notabene auch Redaktoren, die das Dokument nicht unterschrieben hatten. Ebenso der Journalistenverband impressum, dessen Geschäftsführer es für eine Selbstverständlichkeit hält, die Namensliste <a href="https://twitter.com/ursthalmann/status/401004494906855424" target="_blank">nicht publik zu machen</a>.</p>
<p>Wieso also gelangt Kurt Marti, ein Reporter mit einschlägiger Erfahrung im Umgang mit heiklen Informationen, zu einem anderen Schluss und entschied sich für die Veröffentlichung? Auf Anfrage der MEDIENWOCHE begründet Marti den Schritt mit dem Rollenverständnis der Journalisten: «Die Namenliste ist von öffentlichem Interesse, weil JournalistInnen keine gewöhnlichen BürgerInnen sind, sondern im Dienste der Öffentlichkeit stehen.» Und weiter: «Wenn JournalistInnen aus Angst vor Konsequenzen nicht mit ihrem Namen öffentlich zu Ihrer Meinung stehen dürfen, haben sie den Beruf verfehlt. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte nicht Felskletterer werden.» Seinen Beitrag als Leaker hält Marti zudem für bescheiden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung habe die Liste längst schon weite Kreise gezogen: «Wer eine Liste geheim halten will, wählt sicher nicht den Weg über ein breit gestreutes Mail.» Die Kritik von Redaktoren an der Veröffentlichung relativiert er mit der Zustimmung anderer Tagi-Mitarbeiter zu einer Publikation. «Die Stimmen halten sich die Waage.»</p>
<p>Bei aller Plausibilität dieses Vorgehens bleibt die Frage nach der Verantwortung, die Kurt Marti auf sich lädt, sollte irgendwann tatsächlich ein Unterzeichner Nachteile erfahren aufgrund seiner Signatur. Marti äussert sich dazu nicht direkt, jedoch sein Redaktionskollege Robert Ruoff, der ihn sekundiert: «Es stellt sich dann, selbstverständlich, die Frage der Solidarität im Fall von repressiven Massnahmen.» Das bleibt vorerst ein hypothetisches Szenario. Im vorliegenden Fall hätte aber Solidarität bedeuten können, auf eine Veröffentlichung der Namen zu verzichten und die Liste nur als Recherchematerial zu benutzen. Denn die Namen tun tatsächlich wenig bis nichts zur Sache, um den Unmut in der Tagi-Redaktion angemessen vermitteln und öffentlich diskutieren zu können. Das hat Marti übrigens in seinem Artikel selbst bewiesen. Ging er doch in seinem Text mit keinem Wort auf die Namen ein.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/19/wer-nicht-dazu-steht-hat-den-beruf-verfehlt/">«Wer nicht dazu steht, hat den Beruf verfehlt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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