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	<title>Leaks | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 14 Oct 2021 10:16:34 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Geheime Facebook-Liste mit gefährlichen Personen und Organisationen geleakt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/14/geheime-facebook-liste-mit-gefaehrlichen-personen-und-organisationen-geleakt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nicole Vontobel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Oct 2021 09:34:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Leaks]]></category>
		<category><![CDATA[schwarze Liste]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das US-amerikanische Recherche-Netzwerk The Intercept hat eine geheime Facebook-Liste veröffentlicht. Sie beinhaltet Einträge zu Personen und Organisationen, die das Unternehmen für gefährlich hält. Dazu gehören neben Terrororganisationen auch einige rechtsradikale Netzwerke aus dem deutschsprachigen Raum.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das US-amerikanische Recherche-Netzwerk The Intercept hat eine geheime Facebook-Liste veröffentlicht. Sie beinhaltet Einträge zu Personen und Organisationen, die das Unternehmen für gefährlich hält. Dazu gehören neben Terrororganisationen auch einige rechtsradikale Netzwerke aus dem deutschsprachigen Raum.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/14/geheime-facebook-liste-mit-gefaehrlichen-personen-und-organisationen-geleakt/">Geheime Facebook-Liste mit gefährlichen Personen und Organisationen geleakt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Hunde, die bellen, beissen nicht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/02/20/hunde-die-bellen-beissen-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2017 15:48:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Investigativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leaks]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zurzeit konzentriert sich die globale Medienaufmerksamkeit auf den 45. Präsidenten der USA. Manche meinen darin bereits eine Renaissance des kritischen Journalismus zu erkennen. Doch gefehlt. Die lautstarke «Entlarvung» präsidialer Misstritte sind Teil des Problems und übertönen die strukturellen Mängel einer ganzen Profession. Es gehört zum Einmaleins der Kommunikation, wie Henryk M. Broder richtig schrieb, zuerst <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/20/hunde-die-bellen-beissen-nicht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zurzeit konzentriert sich die globale Medienaufmerksamkeit auf den 45. Präsidenten der USA. Manche meinen darin bereits eine Renaissance des kritischen Journalismus zu erkennen. Doch gefehlt. Die lautstarke «Entlarvung» präsidialer Misstritte sind Teil des Problems und übertönen die strukturellen Mängel einer ganzen Profession.<br />
<span id="more-33107"></span><br />
Es gehört zum Einmaleins der Kommunikation, wie Henryk M. Broder richtig schrieb, zuerst die Laub- und sehr viel später die Kettensäge hervorzunehmen. Es ist eine Verhöhnung aller Opfer des Faschismus, jeden missliebigen Politiker als Faschisten zu beschimpfen. Es entwertet die nötige Kritik an Autokraten wie Erdogan oder an astreinen Diktaturen wie in China oder in vielen Staaten der Dritten Welt, einen einwandfrei demokratisch gewählten Präsidenten als Diktator zu denunzieren.</p>
<p>Als Gegenargument wird angeführt, dass es jetzt Zeit sei, auf den grossen Alarmknopf zu drücken. Die Darstellung von Trump als fundamentalistischen Wahnsinnigen, der das blutende Haupt der Freiheitsstatue in der einen und ein ebenfalls blutiges Messer in der Hand hält, sei eben keine Abbildung der Realität, sondern eine Warnung vor einer möglichen.</p>
<p>Schliesslich – das Heranziehen dieser historischen Parallele erfolgt so sicher wie das Amen in der Kirche – hätten schon spätestens ab 1933 viele – wobei nicht gesagt wird, dass die meisten Kommunisten waren –, klar gewarnt, dass Hitler Krieg bedeute. Allerdings: genutzt hat das offensichtlich damals auch nichts. Die Medien, die Publizistik ganz allgemein, überschätzt ihre Wirkung gewaltig.</p>
<p>Vor und nach Zolas «J’accuse», eines der wenigen Male in der jüngeren Geschichte, dass der flammende Appell eines berühmten Schriftstellers tatsächlich Folgen hatte. Inzwischen wird «ich klage an» auch für die Kritik an Unregelmässigkeiten bei der Müllabfuhr missbraucht. An jeden Pipifax wird das Wort «gate» angehängt. In Erinnerung an Watergate, wo tatsächlich die Recherche von zwei Journalisten, gedeckt von der mutigen Herausgeberschaft einer Zeitung, einen bedeutenden Beitrag zum bislang einzigen unfreiwilligen Rücktritt eines US-Präsidenten leistete.</p>
<p>Heutzutage ist das Mittel der hartnäckigen Recherche, unterstützt (und finanziert!) von Medien weitgehend durch «Leaks» ersetzt worden. Also die Auswertung von gestohlenen Datenbergen, die von meist anonymen Quellen an die Medien herangetragen werden, ohne dass genauer abgeklärt werden kann, durch welche Hintermänner sie instrumentalisiert werden. Auch wenn es hier gelegentlich zu Rücktritten oder in ganz seltenen Fällen zu Strafverfolgung kommt: Die Enthüllung der weltweiten Bespitzelungen durch US- und andere Geheimdienste, wobei sogar die Quelle in Gestalt von Edward Snowden Namen und Gesicht hat, bewirkte Aufklärung und Debatte. Es wäre aber eine Illusion anzunehmen, dass die sogenannte «Vierte Gewalt» damit verändernd in die Wirklichkeit eingegriffen hätte; bespitzelt und überwacht wird weiterhin. Noch viel weniger trifft das auf all die Finanzdatenleaks zu, die jeweils mit grossem Brimborium angekündigt wurden und dann sang- und klanglos verröchelten.</p>
<p>Es ist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte her, dass ein deutschsprachiges Medium durch eigene Recherchen einen Riesenskandal aufdeckte; nur ältere Semester erinnern sich dunkel an die Causa «Neue Heimat» oder die deutsche Parteispendenaffäre. Daraus lassen sich vier Schlussfolgerungen ziehen:</p>
<ol>
<li>Die unangemessene und frühzeitige Verwendung aller denkbaren Superlative wie «Faschismus», «Diktator» oder «Ende der Welt» entkräftet wirkungslos diese Begriffe und macht sie untauglich für die Bezeichnung von Zuständen, die sie wirklich verdienen würden. Das ist so wie beim alten Beispiel des Schwimmers, der ein ums andere Mal «Hilfe, ich ertrinke» schreit, und wenn er dann wirklich untergeht, kommt niemand zur Rettung.</li>
<li>Die durch technologische Veränderungen bewirkte Finanzkrise der Medien, also das Wegbrechen von Inserateeinnahmen, ein fehlenden Geschäftsmodell für ihren Ersatz, die Granulierung von Informationen durch unzählige Plattformen im Internet und das Leben in einer von der Realität abgekoppelten Echoblase des Mainstream-Journalismus, das ihn nicht zuletzt zu krachenden Fehlanalysen führt, ergeben einen dramatische Bedeutungsverlust bei der Lenkung des öffentlichen Diskurses.</li>
<li>Der Ersatz eigener Recherchen durch das Anfüttern mit Datenbergen verhindert Wiederholungen von Glanztaten wie die Aufdeckung des Watergate-Skandals. Indem jedem Skandälchen zur Aufplusterung das Suffix «gate» angehängt wird, entwertet man dieses Symbol, analog zum inflationären Gebrauch der Wörter Faschismus oder Diktatur, von Hetzer, Populist, Demagoge und Rechtsnationaler ganz zu schweigen.</li>
<li>Es ist zwar psychologisch verständlich, dass ein dramatischer Bedeutungsverlust der Einflussmöglichkeiten der Medien mit einer übersteigerten Haltung kompensiert wird, dass das Drücken aller publizistischen Alarmknöpfe nicht nur nötig, sondern wirksam sei. Es ist aber realitätsfremd.</li>
</ol>
<p>«Tempora mutantur, nos et mutamur in illis», könnte man in gepflegtem Latein sagen, die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen. Die Medien verlieren in offenen und zivilisierten Gesellschaften ihre Bedeutung als korrektive Gewalt in gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen.</p>
<p>Es entstehen halt neue Formen der Meinungsbildung, kleine Lagerfeuer um Blogs und in sozialen Plattformen, Entwicklungen von Schwarmintelligenz wie Wikipedia, neue Wirklichkeitswahrnehmungen via Web, wo eigentlich alles abrufbar ist, man muss nur wissen, wie man es findet. Wer sich über die Welt informieren will, dem wurde es noch nie so leicht gemacht wie heute. Wer es schon früher nicht tat, ist auch heute selber schuld. Was die Rezeptionsmöglichkeiten betrifft, ist das alles wahr und richtig.</p>
<p>Aber: Informationsaufnahme, Einordnung, Analyse und Gewichtung zur Beförderung der Meinungsbildung ist nur die Hälfte der Miete. Genauso wichtig ist, dass zumindest der Staatsbürger, der in einer partizipativen Demokratie lebt, in der er Mitbestimmungsmöglichkeiten über sein eigenes Schicksal hat, eben nach seiner Meinungsbildung entscheiden darf und soll.</p>
<p>Und wenn hier die Bedeutung der Medien bei der Entscheidungsfindung schwindet, sie nicht nur an mangelnden finanziellen Ressourcen leiden, sondern auch an einem dramatischen Verlust von Glaubwürdigkeit – bei Umfragen schneiden Medien hier regelmässig noch schlechter als Politiker ab –, wenn sie neben ihrem Beitrag zu Meinungsbildung auch die Fähigkeit zu Aufdeckung, Analyse und Aufklärung verlieren, dann muss wirklich der Alarmknopf gedrückt werden. Besonders in den aktuellen Zeiten, wo sich wirtschaftliche Probleme, ein massiver Vertrauensverlust des politischen Establishments und als Folge davon das Entstehen neuer politischer Bewegung zu einem perfekten Sturm vereinen.</p>
<p>Problem erkannt, Problem gebannt? Keinesfalls. Und was wäre die Lösung des Problems? Der Wunsch, dass letzte Leuchttürme der Publizistik, sei das mit allen Einschränkungen «Der Spiegel», «Wall Street Journal», «Financial Times», «New York Times», «Economist», «Guardian», auch «Le Canard enchainé», NZZ, FAZ, öffentlich-rechtlichen Medien und ein paar anderen weiter ein langes Leben beschieden sei? Während sie sich zumindest teilweise selbst in die Bedeutungslosigkeit schreiben und senden? Ist das Klagen über diese Phänomene einfach einer falschen Perspektive geschuldet, wo es in den USA doch neben Fox-News immerhin noch weitere bedeutende Networks, nicht zuletzt den Public Broadcasting Service gibt, dazu eine Unzahl grossartiger Zeitschriften wie «New Yorker», «Vanity Fair», «Mother Jones», um nur einige zu nennen, die einen Recherchierjournalismus betreiben, der im deutschen Sprachraum nicht existiert?</p>
<p>Der Diagnostiker ist überfordert, wenn man von ihm Therapievorschläge erwartet. Aber es ist immerhin schon ein nötiges Stück Denkarbeit, diese Diagnose zu erstellen. Ob die Rückkehr zu einem aufklärerischen Recherchierjournalismus, der durch Aufdeckung, Einordnung und Analyse die nötigen Elemente zur Meinungsbildung und zur Entscheidungsfindung des Bürgers in den wenigen demokratischen Staaten der Welt liefert, die richtige Antwort wäre – keine Ahnung. Wahrscheinlich schon, aber wie? Es bleibt die Hoffnung, und der Alarmknopf sei gedrückt. Selbstverständlich im Wissen um die Wirksamkeit solcher Aktionen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/20/hunde-die-bellen-beissen-nicht/">Hunde, die bellen, beissen nicht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>War da mal was?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/08/26/war-da-mal-was/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 13:38:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Panama Papers]]></category>
		<category><![CDATA[Leaks]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die öffentliche Aufmerksamkeit ist flüchtig. Fünf Monate nach dem grossen Paukenschlag um die Publikation der sogenannten Panama Papers ist klar, dass auch dieses «Leak», wie schon seine Vorgänger «Offshore Leaks» und «Swiss Leaks», nach sehr kurzer Halbwertszeit ins Nirwana von «war da mal was?» verschwand. Wem hat die Übung genützt? Der Gerechtigkeit und der Aufdeckung <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/26/war-da-mal-was/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die öffentliche Aufmerksamkeit ist flüchtig. Fünf Monate nach dem grossen Paukenschlag um die Publikation der sogenannten <a href="https://panamapapers.icij.org/" target="_blank">Panama Papers</a> ist klar, dass auch dieses «Leak», wie schon seine Vorgänger «Offshore Leaks» und «Swiss Leaks», nach sehr kurzer Halbwertszeit ins Nirwana von «war da mal was?» verschwand. Wem hat die Übung genützt? Der Gerechtigkeit und der Aufdeckung ungeheuerlicher Straftaten offenbar nicht.<br />
<span id="more-27932"></span><br />
An Superlativen wurde nicht gespart. <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/dossiers/wirtschaft/dossier2.html?dossier_id=3260" target="_blank">«Das bisher grösste Datenleck deckt schmutzige Geschäfte auf»</a>, «Blutiges Offshore-Geld im Syrien-Krieg», «Präsidenten und Premiers», 2,6 Terabyte Daten, 11,5 Millionen Dokumente, 214 488 Firmen, das gesamte Archiv einer panamaischen Kanzlei von 1977 bis 2015, das hatte die Welt noch nicht gesehen. Am 3. April veröffentlichten 109 Redaktionen in 76 Ländern erstmals Erkenntnisse aus der Auswertung der sogenannten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Panama_Papers" target="_blank">Panama Papers</a>.</p>
<p>Aber schon nach wenigen Tagen gähnte die Welt gelangweilt, weil sie nur wenige Bruchstücke zu sehen bekam. Beim «Tages-Anzeiger», in der Deutschschweiz zusammen mit der «SonntagsZeitung» führend im Ausschlachten dieses gestohlenen Datenschatzes, standen unter einem düsteren Foto des bösen Buben Putin und seiner «Geldspur in die Schweiz» schnell keine neuen «Enthüllungen» mehr. Dass der Whistleblower Bradley Birkenfeld im US-TV behauptete, die CIA stünde hinter den «Panama Papers», war dagegen noch eine grosse Meldung wert. Er tat das aber genau so beweisfrei wie der Verdachtsjournalismus der 376 internationalen Journalisten, die ein Jahr lang das Datenmeer durchpflügt hatten.</p>
<p>Darunter folgte die Randnotiz, dass die panamaische Staatsanwaltschaft die Büros von Mossack Fonseca durchsucht habe. Die «Kooperationsbereitschaft» dieser Kanzlei, der die Daten gestohlen wurden, lasse «Medienberichten zufolge zu wünschen übrig. Die Kanzlei widerspricht.» Das nennt man in Fachkreisen eine No-News, das schafft es höchstens als Verzweiflungstat in nachrichtenarmen Zeiten in die Medien.</p>
<p>Der ursprüngliche Empfänger des Datenraubs, die «Süddeutsche Zeitung», flüchtet sich unter dem Titel «Gestatten, Goldfinger», in Bond-Kitsch, da Firmennamen wie «Goldfinger», «Moonraker», «Spectre» und natürlich «Blofeld» verwendet wurden. Interessanterweise wurde dieser ursprüngliche Titel dann auf ein neutraleres <a href="http://meedia.de/2016/04/12/die-panama-papers-der-mega-skandal-mit-der-mini-halbwertzeit/" target="_blank">«Agenten nutzten Panama-Firmen für CIA»</a> heruntergenommen, der in der ursprünglichen Illustration unten liegende Geheimagent mit gezückter Waffe und gewisser <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/panama-papers-agenten-nutzten-panama-firmen-fuer-cia-1.2945241" target="_blank">Ähnlichkeit mit Daniel Craig</a> wurde entfernt.</p>
<p>Die letzte grosse «Enthüllung» fand vor vielen Wochen statt; auch das IKRK sei fiktiv als «beneficial owner», also als Nutzniesser bei Briefkastenfirmen, eingesetzt worden. Natürlich ohne dessen Wissen und die Neutralität, Unabhängigkeit sowie den guten Ruf des IKRK gefährdend. Ohne das herunterspielen zu wollen: Das ist alles, was sich nach der ersten Welle aus den «Panama Papers» herausdestillieren liess? Wo sind die Tausende von Namen, Personen, Firmen, gerne auch aus Deutschland oder der Schweiz, denen illegales Handeln zumindest vorgeworfen werden könnte? Wo sind die Drogenkartelle, Blutgelder, die Finanzflüsse von geraubten Reichtümern? Hier ein Tropfen, dort ein Tropfen, aber kein Meer, nicht einmal ein Tümpel. Und selbst der ist inzwischen verdampft.</p>
<p>Von Argentinien bis Uruguay nahmen staatliche Behörden Untersuchungen auf, die aber bis heute in keinem einzigen Fall zu einer Strafanklage führten. Es gab Kollateralschäden, so trat der Chef von Transparency International Chile zurück, weil sein Name mit Briefkastenfirmen in Verbindung gebracht wurde. Dazu der isländische Premierminister und ein spanischer Minister. Wohlgemerkt ohne dass ihnen strafbare Handlungen nachgewiesen worden wären. Und Putins «Geldspur in die Schweiz» verlor sich ebenfalls im Nirgendwo. 11,5 Millionen Dokumente, rund 300&#8217;000 Firmenkonstrukte wurden «enttarnt». Im Endergebnis führte das zu wohlwollend geschätzten 1000 Untersuchungen weltweit. Das ist also in 0,3 Prozent aller Fälle Anlass für einen Anfangsverdacht auf illegale Tätigkeiten unter Verwendung einer Briefkastenfirma, die von Mossack Fonseca hergestellt wurde. Die panamaische Kanzlei selbst ist bis heute, wie in den 40 Jahren ihrer Existenz, kein Ziel einer Strafuntersuchung. Man kann also im Umkehrschluss sagen, dass es wohl kaum einen Bereich in der internationalen Finanzwelt gibt, in dem es so gesittet und gesetzestreu zu und her geht wie bei Offshore-Firmen.</p>
<p>Man könnte das alles leicht belustigt zur Kenntnis nehmen, wenn hier nicht dem Investigativjournalismus ein weiteres Mal schwerer Schaden zugefügt würde. Der zu Tode gesparte Wirtschaftsjournalismus rafft sich zu einer vermeintlichen Grosstat auf. Wenn’s denn stimmt, haben 376 Journalisten ein Jahr lang hauptamtlich einen Datenberg zu handlichen Stücken zermahlen, wurde von der US-NGO ICIJ das Know-how, die Software und Hardware zur Verfügung gestellt, um Big Data überhaupt bewirtschaftbar zu machen. Es wurden Diagramme erstellt, Daten verknüpft, Marker gesetzt, PDFs, Excel-Tabellen, E-Mails, Dokumente, Urkunden, Telefonprotokolle so aufbereitet, dass man sich in ihnen bewegen konnte, ohne zu ertrinken.</p>
<p>Aber selbst dahinter ist ein Fragezeichen zu setzen, da niemand weiss, ausser den beteiligten Journalisten, in welcher allenfalls aufbereiteter Form die 2,6 Terabyte von der anonymen Quelle zur Verfügung gestellt wurden. Es erscheint plausibel, dass sicherlich weder lastwagenweise Papier aus der panamaischen Kanzlei herausgeschafft wurde, noch in deren Archiv unbemerkt ein Scanner Überstunden machte. Aber da laut eigenen Aussagen der Eingeweihten der Datendieb (oder die Diebe) bis heute unbekannt ist, weiss auch niemand, ob und in welcher Form allenfalls eine Vorselektion der Daten stattfand. Oder ob sie bereits fingerfertig angeliefert wurden.</p>
<p>Also bleibt die Frage: Wer war das? Logik und Plausibilität gebieten, dass es doch sehr unglaubwürdig ist, dass eine kleine private Gruppe oder gar ein Einzelner mit nicht unbeachtlichem technischem Aufwand, in monatelanger Vorbereitungsarbeit und mit nicht unerheblichen Unkosten diesen elektronischen Einbruch verübte, auf eine Goldmine an Erpressungsmöglichkeiten stiess und das dann als «John Doe» aus moralischer Entrüstung ausgerechnet der «Süddeutschen Zeitung» gratis anbot. Aber wenn man nicht die Methoden dieser «Enthüllungsjournalisten» verwenden will, handelt es sich bei der Vermutung von Birkenfeld, wonach die CIA die Finger mit im Spiel hatte, um eine zwar plausible, aber völlig beweis- und indizienfreie Spekulation.</p>
<p>Die Kamera-Teams sind längst von dem Eingang der panamaischen Kanzlei abgezogen, weder die Beraubten noch die lokalen Strafverfolgungsbehörden haben bislang auch nur ein Fitzelchen einer neuen Erkenntnis geliefert, wer denn nun der Datendieb gewesen sein könnte. Die Journalisten der SZ halten ebenfalls dicht, wer sie denn als «John Doe» angefüttert hat. Perverserweise sind weder der Bestohlene noch die an der Ausbeute des Diebesguts beteiligten Medien an einer Fortsetzung der Story über die Panama Papers interessiert. Die letzte Medienmitteilung von Mossack Fonseca stammt vom 10. Mai 2016. Die letzte Meldung in der «Süddeutschen» vom 21. August. Die Finanzaufsicht des Bundesstaats New York habe einer taiwanesischen Bank eine Busse von 180 Millionen Dollar aufgebrummt, weil sie «verdächtige Konten» geführt habe, in «Zusammenarbeit mit der Kanzlei Mossack Fonseca».</p>
<p>Man kann sich ein leichtes Grinsen nicht verklemmen, dass ausgerechnet das grösste Geldwäschereiparadies und der grösste Hersteller von Briefkastenfirmen der Welt, die USA, mal wieder eine ausländische Bank zur Kasse bitten. Vielleicht ist das auch eine Strafe für Dummheit, denn hätte die taiwanesische Bank einen Briefkasten im US-Bundesstaat Delaware gewählt, hätte gar kein «Verdacht» entstehen können. Dort muss bekanntlich der «beneficial owner», also der eigentlich wirtschaftliche Berechtigte an einer Briefkastenfirma, gar nicht bekannt gegeben werden.</p>
<p>Was bleibt? «Much Ado About Nothing», möchte man mit Shakespeare sagen. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine Komödie, sondern um eine Farce, mit der sich wieder einmal der moderne Investigativjournalismus blamiert hat, unter Benützung von Raubgut haltlose Anschuldigungen in den Raum stellte. Allerorten wurden, wie bei den vorherigen «Leaks», Untersuchungen von nationalen Strafverfolgungsbehörden in wenigen Fällen eingeleitet. Wieder einmal führte keine einzige bislang zu einer Anklage, höchstens zu einer US-typischen Busse.</p>
<p>Nachdem das Feuerwerk «Panama Papers» abgebrannt ist und sich der Rauch verzogen hat, kann eine weitere Frage klarer beantwortet werden: Cui bono, wem nützt es? Der Gerechtigkeit und der Aufdeckung ungeheuerlicher Straftaten offenbar nicht. Aber es gibt auf der Welt sieben Finanzzentren, die sich um den möglichst grossen Anteil an der Lagerung und Verwaltung von Vermögen und Kapital balgen. Die Schweiz, Grossbritannien, USA, Panama, Karibik, Hongkong und Singapur. In dieser Reihenfolge. Es kann natürlich reiner Zufall sein, dass in kurzem Abstand das Bankgeheimnis des Kleinstaats Schweiz, das auch als Schutzwall für die Lagerung von unversteuerten Geldern diente, geknackt und die Position des Kleinstaats Panama als wichtiger Hersteller von Offshore-Konstrukten schwer beschädigt wurde. Während die wirklichen Big Player in diesen beiden Geschäften, die USA und Grossbritannien, sich über den Zufluss von Neugeschäften freuen können. Auf der anderen Seite geht es hier um einen dermassen lukrativen Markt, alleine bei den weltweit verwalteten privaten Kundenvermögen sprechen wir von rund 10 Billionen (10&#8217;000 Milliarden) US-Dollar, dass beim Kampf um grössere Marktanteile wohl nichts reiner Zufall ist.</p>
<p>Aber immerhin, Mossfon selbst und die zuständige panamaische Staatsanwaltschaft haben höchstes Interesse, den Straftäter ausfindig zu machen. Es ist allerdings die Frage, ob sie selbst über die nötige Technologie fürs Dingfestmachen des Datendiebs verfügen. Da könnte die NSA leicht aushelfen. Womit sich die Schlange allerdings möglicherweise in den Schwanz beissen würde.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/26/war-da-mal-was/">War da mal was?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wird die Welt wirklich besser durch Leaks?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/10/wird-die-welt-wirklich-besser-durch-leaks/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 May 2016 06:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leaks]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Jahren jagt eine Massenenthüllung die nächste. Doch die Masse der Daten wird der Bedeutung der Informationen nicht mehr gerecht. Und die globale Geheimniskrämerei wächst.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren jagt eine Massenenthüllung die nächste. Doch die Masse der Daten wird der Bedeutung der Informationen nicht mehr gerecht. Und die globale Geheimniskrämerei wächst.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/10/wird-die-welt-wirklich-besser-durch-leaks/">Wird die Welt wirklich besser durch Leaks?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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