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	<title>Mark Eisenegger | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 26 Aug 2022 16:23:42 +0000</lastBuildDate>
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		<title>25 Jahre fög: Krise und Kritik</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/08/26/krise-und-kritik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2022 16:23:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als das heutige Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) vor 25 Jahren gegründet wurde, befand sich der Schweizer Journalismus in einer Hochblüte und die Schweiz in einer Identitätskrise. Eine Geschichte des Medienwandels – erzählt anhand von vier einschneidenden Krisen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/26/krise-und-kritik/">25 Jahre fög: Krise und Kritik</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als das heutige Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) vor 25 Jahren gegründet wurde, befand sich der Schweizer Journalismus in einer Hochblüte und die Schweiz in einer Identitätskrise. Eine Geschichte des Medienwandels – erzählt anhand von vier einschneidenden Krisen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/26/krise-und-kritik/">25 Jahre fög: Krise und Kritik</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mark Eisenegger zum fög-Jubiläum: «In der Startphase waren wir mehr Aschenputtel als stolzer Schwan»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/08/25/mark-eisenegger-zum-foeg-jubilaeum-in-der-startphase-waren-wir-mehr-aschenputtel-als-stolzer-schwan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2022 08:39:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Uni Zürich knallen die Korken: Vor 25 Jahren wurde das Institut gegründet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Uni Zürich knallen die Korken: Vor 25 Jahren wurde das Institut gegründet. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/25/mark-eisenegger-zum-foeg-jubilaeum-in-der-startphase-waren-wir-mehr-aschenputtel-als-stolzer-schwan/">Mark Eisenegger zum fög-Jubiläum: «In der Startphase waren wir mehr Aschenputtel als stolzer Schwan»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Heute wird konstruktiver und sachlicher über unsere Forschung gesprochen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/10/15/heute-wird-konstruktiver-und-sachlicher-ueber-unsere-forschung-gesprochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Oct 2019 17:21:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch «Qualität der Medien»]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zum zehnten Mal wurde das «Jahrbuch Qualität der Medien» veröffentlicht. Anlässlich der ersten Ausgaben sah sich das Forschungsprojekt teils harschen Anfeindungen vonseiten der Verlage und Redaktionen ausgesetzt. Das ist heute nicht mehr so, auch weil viele Medien die Sorgen der Forschenden teilen – etwa in der Frage, wie sich die wachsende Zahl von Nachrichtenabstinenten für <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/15/heute-wird-konstruktiver-und-sachlicher-ueber-unsere-forschung-gesprochen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum zehnten Mal wurde das <a href="https://www.qualitaet-der-medien.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Jahrbuch Qualität der Medien»</a> veröffentlicht. Anlässlich der ersten Ausgaben sah sich das Forschungsprojekt teils harschen Anfeindungen vonseiten der Verlage und Redaktionen ausgesetzt. Das ist heute nicht mehr so, auch weil viele Medien die Sorgen der Forschenden teilen – etwa in der Frage, wie sich die wachsende Zahl von Nachrichtenabstinenten für den Journalismus zurückgewinnen liesse. Ein Gespräch mit Mark Eisenegger, der das «Jahrbuch» seit dem Tod von Gründer Kurt Imhof verantwortet.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-73295" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/10/MW-Mark-Eisenegger-Interview_by-Tim-Loosli_20191015-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Hättest du vor zehn Jahren gedacht, dass es das Jahrbuch heute noch gibt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Ich war zumindest nicht sicher, ob es gelingen würde, über einen so langen Zeitraum ein so grosses Projekt aufrechtzuerhalten, das in verschiedener Hinsicht extrem anforderungsreich ist, was die Geldbeschaffung angeht, aber auch den Umgang mit der Öffentlichkeit. Da mussten wir wahnsinnig viel lernen. Es ist nicht unbedingt das, was der Forscher normalerweise mitbringt: Wie speise ich Befunde in den gesellschaftlichen Diskurs ein? Wie gehe ich mit Kritik um? Gerade in den ersten Jahren war der Widerstand besonders heftig.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Lustigerweise unterstützt ein Teil der damaligen Kritiker unsere Forschung heute.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ein Tamedia-Chefredaktor warf euch 2011 <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Wissenschaftlicher-Boulevard/story/12991470" target="_blank" rel="noopener">«Wissenschaftlicher Boulevard»</a> vor. Unterliefen euch damals Anfängerfehler?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir hatten damals tatsächlich einen Bock geschossen. Es stand ursprünglich der Befund im Buch, wonach die Nutzung der Online-Medien nach unten saust. Das war schlicht und einfach ein methodisches Artefakt, das wir aber kurz vor Erscheinen noch korrigiert haben. Dennoch führte das zu diesen geharnischten Reaktionen. Wenn ich schaue, wie viel wir inzwischen in die Kontrolle der Grunddaten investieren, sind wir heute einen grossen Schritt weiter. Wir waren am Anfang noch nicht ganz so stark sensibilisiert, dass die eigene Qualität der Forschung allerhöchsten Ansprüchen genügen muss, wenn man «Qualität» auf ein Buch draufschreibt. Lustigerweise unterstützt ein Teil der damaligen Kritiker unsere Forschung heute.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was hat das Jahrbuch erreicht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir haben sicher dazu beigetragen, dass die Debatte über die Medienqualität in der Schweiz institutionalisiert ist. Das ist massgeblich unser Verdienst. Allgemein wird mehr über Qualität gesprochen, auch in den Redaktionen. Wir haben auch erreicht, dass unsere Befunde in die medienpolitische Debatte einfliessen. Wenn man etwa die Berichte der eidgenössischen Medienkommission anschaut, dann werden unsere Erkenntnisse dort regelmässig genannt. Wir haben es zudem geschafft, für Probleme zu sensibilisieren, die zuvor nicht auf dem Radar waren.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Kurt Imhof war eine wahnsinnig charismatische Figur mit allen Vor- und Nachteilen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Die ersten Ausgaben des Jahrbuchs waren sehr stark geprägt von Kurt Imhof. Er hat als Galionsfigur und streitbarer Wissenschaftler das Projekt gegen aussen geprägt. Kurt verstarb vor vier Jahren. Wie gross waren die Fussstapfen, in die du getreten bist als sein Nachfolger?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Die sind gross, natürlich. Kurt war eine wahnsinnig charismatische Figur mit allen Vor- und Nachteilen. Er war ein Garant dafür, dass die Aufmerksamkeit für unser Projekt von Beginn weg sehr gross war. Mir war von Anfang an klar, dass ich eine andere Rolle spielen muss als er. Ich konnte und wollte nicht Kurt kopieren. Der Stil unseres Auftretens hat sich verändert. Wir stehen heute an einem Punkt, wo wir sehen, dass konstruktiver und auch sachlicher über unsere Forschung gesprochen wird. Und uns ist es auch gelungen, mit der Praxis stärker im Gespräch zu sein.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wo fehlt Kurt Imhof am meisten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Er fehlt, wenn wir kritisiert werden. Dann war er natürlich derjenige, der mit breiter Brust hingestanden war. Ein Winkelried, der die Reihen geschlossen hat und die Speere auf sich zog. Er hatte auch eine wahnsinnig motivierende Wirkung nach innen. Mir fehlt er zudem als Gesprächspartner. Wie im Journalismus auch lebt gute Forschung von einem guten Binnendiskurs. Und da war Kurt für mich immer ein ganz wichtiger Gesprächspartner, wie ich hoffentlich auch für ihn. Natürlich hätte ich ihn auch gerne dabei bei der Geldbeschaffung. Dort leistete er wahnsinnig viel für das Projekt. Das musste ich alles lernen und heute funktioniert es auch.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Wir möchten nicht einfach eine Hitliste zeigen, sondern die Qualität mit erklärenden Faktoren in Verbindung setzen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Die ersten Ausgaben des Jahrbuchs waren stark geprägt von der Qualitätsrangliste der Schweizer Medien. In den letzten Jahren spielte dieses Qualitätsscoring nicht mehr eine so starke Rolle. Warum seid ihr davon weggekommen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Das Scoring spielt immer noch eine wichtige Rolle, aber nur noch im Kontext des alle zwei Jahre erscheinenden Medien-Qualitätsratings, wo wir als Partner dabei sind. Aber es ist tatsächlich so, dass wir entschieden haben, das Scoring im Jahrbuch zurückzufahren, weil wir merkten, dass die Aussenwahrnehmung sich zu stark auf die Rangliste konzentriert hatte. Andere Befunde, die uns wichtig sind, fielen unter den Tisch. Dafür ist das Jahrbuch heute viel breiter aufgestellt als in der Startphase. Damals war es eine erweitere Medienqualitätsanalyse. Heute haben wir den Anspruch, die Medienöffentlichkeit in ihrer ganzen Breite zu erforschen, auch über den Informationsjournalismus hinaus. Wir möchten nicht einfach eindimensional eine Hitliste zeigen, sondern die Qualität mit erklärenden Faktoren in Verbindung setzen und noch stärker erforschen, welche Medienqualität bei den Nutzerinnen und Nutzern ankommt. Ich würde behaupten, das Jahrbuch ist prägnanter geworden und auch gehaltvoller, weil wir insbesondre die Analyse stark ausgebaut haben und die Redundanz abgebaut haben.</p>
</div></p>
<p></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Seit ein paar Jahren stellt ihr fest, und nun auch wieder prominent in der aktuellen Ausgabe, dass es quer durch die Bevölkerung immer breitere Kreise gibt, die kaum mehr mit Informationsjournalismus in Berührung kommen. Warum nimmt diese Gruppe zu? Was sind die treibenden Faktoren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir beobachten eine Art Verdrängungseffekt. Der Fokus der Nutzer geht stark in Richtung Streaming-Dienste. Das Verrückte ist ja, dass die News-Deprivierten einen grossen Medienkonsum haben, aber eben nicht im Bereich des Informationsjournalismus. Ihre Aufmerksamkeit geht auf Netflix, Amazon Prime, Spotify. Also primär Unterhaltung. In einem endlichen Medienzeitbudget wird so der Informationsjournalismus und der Newskonsum an den Rand gedrängt. Das sehen wir als plausible Erklärung, die wir aber detailliert überprüfen müssen empirisch.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Wer wenig journalistische Informationen nutzt, hat weniger Vertrauen in die rechtsstaatlichen Institutionen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Welche Auswirkungen auf Demokratie und Gesellschaft hat es, wenn eine immer grössere Gruppe keinen Zugang mehr hat zu Informationsjournalismus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Es gibt Studien, die belegen, dass sich das niederschlägt in einem Rückgang der politischen Partizipation. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Intensität der News-Konsumation mit dem Vertrauen in die Institutionen zusammenhängt. Leute, die sehr wenig journalistische Informationen nutzen, haben weniger Vertrauen in die rechtsstaatlichen Institutionen. Das sind zwar ausländische Studien, aber mir würden die Argumente fehlen, warum das in der Schweiz anders laufen sollte.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir haben vor drei Jahren das erste Mal den Vorschlag eingebracht, dass man im Bereich Medienkompetenz mehr machen und auch andere Akzente setzen müsste. Uns schwebt etwa vor, in den Schulen in Fächern wie Deutsch oder Geschichte journalistische Beiträge mit Inhalten aus Social Media zu vergleichen, um die Leute zu sensibilisieren für die Funktion des Informationsjournalismus und auch die unterschiedlichen Qualitäten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Geht ihr selbst in die Schulen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir haben das Projekt «Newsup» lanciert und stellen Lehrmaterial zur Verfügung, das wir erstellt haben in Kooperation mit dem Medieninstitut des Verlegerverbands, der SRG, dem MAZ und weiteren Partnern. Leute von uns gehen auch selbst in die Schulen.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Man kann nicht einfach das bestehende Personal nehmen und das Gefühl haben, dass dieses auch auf Social Media funktioniert.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Eigentlich wäre es auch Aufgabe der Medien, etwas gegen die zunehmende Nachrichtenabstinenz zu unternehmen. Was können und sollen sie tun?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Die Strategie muss sein, auf Social Media zwar präsent zu sein, aber die Leute zurückzuführen auf eine eigene digitale Heimat. Wir sehen, dass Köpfe gut funktionieren. Soziale Plattformen sind getrieben von Selbstdarstellung und Personen. Das ist ganz zentral. Dazu muss man aber auch neue Figuren aufbauen. Eigentlich mag ich den Begriff des Influencers nicht, aber es geht in diese Richtung. Solche Figuren aufzubauen, ist eine Herausforderung. In dem Bereich machen die Redaktionen zu wenig. Man kann nicht einfach das bestehende Personal nehmen und das Gefühl haben, dass dieses auch auf Social Media funktioniert.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Geht das in die Richtung, wie es zum Beispiel das <a href="https://izzymag.ch/" target="_blank" rel="noopener">Izzy-Magazin</a> von Ringier macht mit Cedi?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Ich verfolge das und finde witzig, was er macht. Es hat aber nur am Rande mit Journalismus zu tun. Es ist eine Form von Unterhaltung. So einzusteigen ist ein Anfang, aber danach müsste schon noch mehr kommen. Es müssten häufiger gesellschaftspolitisch relevante Themen aufgegriffen werden. Aus dem medialen Charisma, das ein Cedi unbestritten hat, könnte man mehr machen in Richtung Informationsjournalismus.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Im Bereich Social Media konzentriert sich die Forschung stark auf Twitter, weil es dort weiterhin offene Schnittstellen gibt.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>In den letzten zehn Jahren hat sich Social Media zu einem wichtigen Forschungsfeld entwickelt. Dabei steht ihr vor dem Problem, dass ihr gar nicht an die Daten der grossen Plattformen herankommt. Facebook und Google kooperieren nicht mit der unabhängigen Forschung. Wie geht ihr damit um?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Mit der Befragung von Nutzerinnen und Nutzern können wir natürlich gewisse Aussagen machen über die Plattformen. Aber der Zugang zu den Daten der Plattformen ist tatsächlich ein Problem. Es gibt eine Initiative in den Sozialwissenschaften, das sogenannte Social Science One. Dort kann man sich bei den Plattformen bewerben, um von ihnen Daten zu erhalten. Das versuchen wir natürlich auch im Verbund mit anderen Instituten. Die Wartefristen sind aber sehr lang, bis man den Zuschlag erhält und weiss, ob man die Daten überhaupt erhält. Das ist mit ein Grund, warum sich die Forschung sehr stark auf Twitter konzentriert, weil es dort weiterhin offene Schnittstellen gibt für den Datenzugriff.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Im aktuellen Jahrbuch fordert ihr als Fazit eurer aktuellen Befunde einen <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/15/mit-mehr-medienpatriotismus-fuer-mehr-demokratierelevanten-journalismus/">«Medienpatriotismus»</a>. Was meint ihr damit?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>So wie wir in der Schweiz einen Demokratiepatriotismus kennen – man ist stolz auf die direkte Demokratie über die Parteigrenzen hinweg – genauso fordern wir einen Medienpatriotismus. Denn die direkte Demokratie funktioniert nur, solange es auch ein funktionierendes Mediensystem gibt. Der Begriff ist auch eine Reaktion auf eine verkürzte medienpolitische Debatte. Es ist der Versuch, das nationale Interesse in Bezug auf demokratierelevanten Journalismus wieder stärker ins Gesichtsfeld zu rücken. Denn die Demokratie als Gesellschaftsform funktioniert weiterhin nationalstaatlich. Vor dem Hintergrund braucht es auch einen Journalismus und ein Mediensystem, die sich am Rahmen des Nationalstaats orientieren. Aber klar: Ein Medienpatriotismus darf nie so ausgelegt werden, dass man sich national abschottet. Es braucht genauso die internationale Perspektive und Kooperationen über die Landesgrenzen hinweg.</p>
</div></p>
<p><small>Bild: <a href="http://tim.geblendet.ch/" target="_blank" rel="noopener">Tim Loosli</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/15/heute-wird-konstruktiver-und-sachlicher-ueber-unsere-forschung-gesprochen/">«Heute wird konstruktiver und sachlicher über unsere Forschung gesprochen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt.»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2018 16:04:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Qualität der Schweizer Medien ist weiterhin gut. Aber die Vielfalt nimmt ab und immer mehr Menschen nutzen kaum noch Informationsmedien. Der Zürcher Professor Mark Eisenegger kommentiert im Gespräch mit der MEDIENWOCHE die Befunde des aktuellen Jahrbuchs «Qualität der Medien» und erklärt, was gegen die Dominanz der Social-Media-Plattformen unternommen werden sollte. «Die ‹Wochenzeitung› überzeugt in <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/">«Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Qualität der Schweizer Medien ist weiterhin gut. Aber die Vielfalt nimmt ab und immer mehr Menschen nutzen kaum noch Informationsmedien. Der Zürcher Professor Mark Eisenegger kommentiert im Gespräch mit der MEDIENWOCHE die Befunde des aktuellen Jahrbuchs «Qualität der Medien» und erklärt, was gegen die Dominanz der Social-Media-Plattformen unternommen werden sollte.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-62545" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/10/MW-Qualitaet-der-Medien_Mark-Eisenegger_20181023-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Das «Jahrbuch Qualität der Medien» erscheint in diesem Jahr zum neunten Mal. Worin unterscheidet sich die Schweizer Medienlandschaft 2018 von jener von 2010 mit Blick auf die Qualitätsentwicklung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Über alles gesehen hat die Medienqualität Einbussen erlitten. Es ist aber nicht ein linearer Prozess. Da gibt es immer wieder Schwankungen. So konnten wir zum Beispiel im letzten Jahr einen Qualitätszuwachs bei den News-Sites feststellen, der bis heute allerdings schon wieder weggeschmolzen ist und sich gesamthaft auf dem Niveau von 2015 eingependelt hat. Anders als noch vor neun Jahren sehen wir heute eindeutig, wie sich die Ressourcenlage der Medienunternehmen auf die Qualität des Journalismus durchschlägt. Besonders deutlich zeigt sich das in einer abnehmenden Vielfalt und sekundär auch bei der Einordnungsleistung der Medien.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Gleichzeitig hält das Jahrbuch 2018 fest: Die Qualität der Schweizer Medien ist weiterhin gut. Was gilt jetzt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Im Vergleich mit anderen Ländern ist die Medienqualität und -vielfalt in der Schweiz immer noch überdurchschnittlich gross. Da stehen wir heute – noch – an einem relativ guten Punkt. Aber die Vielfalt nimmt ab. Gleichzeitig ist es auch der sensibelste Bereich, wo wir die grössten Einbussen feststellen. Auch gut ist die Medienqualität, wenn man schaut, wie das Publikum die Medien bewertet. Die Generaleinschätzung des Publikums ist überwiegend auf einer positiven Seite. Und schliesslich ist auch das Vertrauen in die Schweizer Informationsmedien im internationalen Vergleich hoch. Das zeigen unsere Daten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>In dieses Bild passen auch die Ergebnisse des Qualitätsscorings im aktuellen Jahrbuch. Wie eh und je belegen Informationssendungen der SRG die Spitzenplätze. Doch wie aussagekräftig ist eine solche Rangliste, wenn einzelne Sendungen von Radio und TV mit integralen Zeitungsangeboten verglichen werden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir haben klare Kriterien. Es muss sich um ein General-Interest-Medium handeln, also Medien, die ein breites Themenspektrum abbilden, sowohl Politik, Wirtschaft, Kultur, Human Interest etcetera. Wir reden durchgehend von einem Medientitel, wo das gegeben ist. Wenn man das Publikum entlang von Qualitätskriterien befragt, würde man nie auf die Idee kommen, SRF als Ganzes zu bewerten, sondern eben Sendungen wie «10 vor 10» oder «Echo der Zeit». Die von uns ausgewählten Medien spiegeln die Art und Weise einer Medieneinheit wieder, wie sie auch im öffentlichen Diskurs, bei Beschwerdestellen und in den Köpfen der Nutzerinnen und Nutzer verankert ist.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Dennoch: Der «Blick», aktuell auf dem drittletzten Platz, würde wesentlich besser abschneiden, wenn man nur seine Politikberichterstattung beurteilen würde.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Das ist so. Ich finde, der «Blick» leistet teilweise sehr gute Arbeit. Wie zuletzt mit seiner Berichterstattung zur Problematik der Waffenexporte in Krisenregionen. Er ist dann nicht nur relevant, sondern verbindet Relevanz mit Einordnung und mit Popularität…</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>…und schneidet trotzdem so schlecht ab. Die genannten Leistungen sind in der Platzierung schlicht nicht mehr zu erkennen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Da zeigt sich tatsächlich auch eine Herausforderung für die Qualitätsforschung. In Zukunft müssen wir verstärkt dazu übergehen, nicht mehr die Qualität einzelner Medien zu messen, sondern quasi das, was bei den Nutzerinnen und Nutzern auf den Bildschirm kommt. Aber beim «Blick» muss man schon auch sehen, dass ein Übergewicht an Softnews, Sex &#038; Crime, People-Geschichten das Ergebnis stark nach unten zieht. Natürlich macht das den Boulevard aus und soll auch weiterhin eine starke Rolle spielen. Aber der «Blick» war auch schon politischer.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Die ‹Wochenzeitung› überzeugt in allen vier Qualitätsdimensionen. Sie betreibt einen vielfältigen, entschleunigten Journalismus.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ein anderer Punkt, der am diesjährigen Qualitätsscoring auffällt: Die Wochenzeitung WOZ, die ihr erstmalig erfasst habt, steigt gleich als beste Zeitung auf Rang vier ein, direkt hinter den topplatzierten SRF-Sendungen und noch vor der NZZ. Wie kommt das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Die «Wochenzeitung» überzeugt in allen vier Qualitätsdimensionen. Sie betreibt einen vielfältigen, entschleunigten Journalismus. Überzeugt mit einer vielfältigen Berichterstattung auch zu überraschenden Themen. Ich vermute den Recherchefonds und die publizistische Kultur in der Redaktion als Gründe für das positive Abschneiden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Warum habt ihr die WOZ erst jetzt erfasst? Und dauert es nun auch neun Jahre, bis ihr die «Republik» untersucht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir haben jetzt fast 70 Medientitel im Sample. Das ist eine stattliche Anzahl an Medien, deren Forschung jedes Jahr aufs Neue wieder finanziert sein will. Die Aufnahme der «Wochenzeitung» rechtfertigte ihre Reichweite, der Ausgleich zur Weltwoche und dass sie in der Medienarena eine wichtige Themensetzungs-Funktion übernimmt. Es ist unser Plan, die «Republik» ins nächste Jahrbuch zu integrieren, – finanzielle Mittel vorausgesetzt. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Kommen wir zum Gesamtbild der schweizerischen Medienbranche. Kürzlich verkündete das Fachmagazin «Schweizer Journalist» eine «Wende» im krisengebeutelten Journalismus. Die Zeiten von Abbau und Konzentration seien vorbei mit den vollzogenen Umbau- und Fusionsschritten bei Tamedia und CH&nbsp;Media. Ist an der These was dran?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Das sehe ich überhaupt nicht so. Wenn das so wäre, müsste man begründen können, dass die grundsätzliche Ressourcenproblematik gelöst ist. Das ist ja der Treiber hinter allem. Werbeerträge fliessen weiter ab und die Verlage sehen sich mit einer tiefen Zahlungsbereitschaft konfrontiert. Gleichzeitig wachsen jene Nutzungsgruppen am stärksten, die am wenigsten bereit sind zu zahlen für Informationsjournalismus. Wenn man davon ausgeht, dass sich Medienqualität in Abhängigkeit der Ressourcen entwickelt, dann ist die These einer Trendwende überhaupt nicht plausibel.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Im Bereich der meinungsbetonten Formate, wie Kommentare oder Leitartikel, lässt sich gut aufzeigen, wie zunehmend mehr identische Beiträge ausgespielt werden.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mantel-Lösungen, wie sie nun Tamedia und CH&nbsp;Media sparbedingt eingeführt haben, führten zu einem «markanten Vielfaltverlust», kritisiert das Jahrbuch. Doch die Leserinnen und Leser der einzelnen Medien kriegen unter dem Strich ein besseres Produkt als zuvor. Wo ist das Problem?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Die Debatte wird verkürzt geführt. Wenn man heute die «Berner Zeitung» oder «Der Bund» isoliert anschaut, kann man tatsächlich zum Schluss kommen, dass man es mit guten Zeitungen zu tun hat. Man muss aber die Auswirkung solcher Verbundsysteme auch auf der gesellschaftlichen Ebene anschauen. Dort beobachten wir dann einen dramatischen Vielfaltverlust, der sich auf lange Sicht auf die Qualität durchschlägt. Die Idee der Aufklärung ist es ja, dass sich Qualität daraus ergibt, wenn unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen. Das ist hier nicht mehr der Fall. Im Bereich der meinungsbetonten Formate, wie Kommentare oder Leitartikel, lässt sich gut aufzeigen, wie zunehmend mehr identische Beiträge ausgespielt werden. Wir haben es mit einer sehr einseitigen Debatte zu tun. Ich finde es dann schon problematisch, wenn die Verlage die Verbundsysteme so darstellen, als würden sie damit die Qualität stärken. Das ist einfach nicht glaubwürdig.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ein grosser Teil der Mediennutzer kriegt davon gar nichts mehr mit, weil ihre Mediennutzung fast ausschliesslich auf Social-Media-Plattformen stattfindet und sie dort kaum mit Informationsjournalismus konfrontiert sind. Das Jahrbuch empfiehlt, diese «News-Deprivierten» vermehrt dort aufzusuchen, so sie sich aufhalten. Geht das so einfach?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Das ist nicht die Lösung allein. Aber die Schweizer Informationsmedien müssen sich vermehrt dorthin begeben, so die Nutzer sind. Snapchat und Instagram spielen gerade in der Mediennutzung der News-Deprivierten eine wachsende Bedeutung. Auf diesen beiden Plattformen sind Schweizer News-Medien praktisch abwesend. Allerdings muss es ganz klar auch die Strategie sein, dass man die Nutzerinnen und Nutzer – und das ist das Schwierige daran – von diesen Plattformen zurück bringt zum eigenen Angebot.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Aber die Leute sind ja genau deshalb auf Youtube, Facebook oder Instagram, weil sie dort in Fülle das finden, was sie interessiert und darum keinen Grund haben, zu einem News-Medium zu wechseln mit einem viel schmaleren Angebot.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Ich bin überzeugt, dass es ein Grundbedürfnis nach Orientierung gibt. Wenn mich ein Thema interessiert und ich realisiere, das ist ein Beitrag, der mir eine Einordnung bietet, die ich sonst nicht finde und das vermittelt mir ein Teaser auf Instagram, bin ich überzeugt, dass man den Klick zur Plattform eines Medienanbieters macht.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Je mehr sich die Leute auf den Social-Media-Plattformen aufhalten, desto geringer ist die Bindung an die herkömmliche Medienmarke.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Das Jahrbuch kritisiert die dominante Stellung von Plattformen wie Facebook und Google im schweizerischen Mediensystem. Und nun fordert ihr, dass Informationsmedien auf genau diesen Plattformen stärker präsent sein sollen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Das ist bis zu einem gewissen Grad ein Zielkonflikt. Deshalb muss es die Strategie sein, zwar auf diesen Plattformen präsent zu sein, aber nicht mit den Perlen. Man muss quasi den Teaser setzen und die Nutzerinnen und Nutzer für den Beitrag anfixen, aber die Konsumation sollte dann auf dem originären Medium stattfinden. Ein Problem, das es zu lösen gilt, ist jenes der Markenbindung, die stark erodiert. Das sieht man ja in der Forschung, je mehr sich die Leute auf den Social-Media-Plattformen aufhalten, desto geringer ist die Bindung an die herkömmliche Medienmarke. Deshalb muss die Leimrute zurückführen zu den herkömmlichen Informationsmedien.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und wenn das nicht funktioniert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Wir müssen in den Bildungsinstitutionen mehr machen. Das Hauptproblem ist die Entwöhnung vom Informationsjournalismus durch den zeitlichen Verdrängungseffekt. Die Leute machen auf sozialen Plattformen alle möglichen Dinge, aber investieren wenig in Newskonsum. Also muss man das Zeitbudget für Information wieder ausdehnen, die Leuten wieder an professionellen Informationsjournalismus gewöhnen und auch an Qualitätskriterien, die damit verbunden sind. Das ist eine Aufgabe, wo ich vor allem Schulen und Bildungsinstitutionen in der Pflicht sehe.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Bildung ist ein Ansatz, der andere wäre die Medienpolitik. Aktuell liegt ein Vorentwurf zu einem neuen Gesetz über elektronische Medien vor. Das Jahrbuch beschreibt den Vorschlag als «mutlos». Was wäre – vor den genannten Hintergründen – eine mutige Medienpolitik?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Mutiger wäre es, bei der direkten Medienförderung einen Schritt weiterzugehen. Die Einschränkung auf Online-Informationsmedien, die im Wesentlichen audio-visuelle Inhalte anbieten, genügt nicht. Es muss auch möglich sein, textbasierten Journalismus zu fördern. Und dann reichen die sechs Prozent der Medienabgabe schlicht und einfach nicht aus, um neue Angebote zu finanzieren. Das ist gleichviel Geld, wie heute für die Förderung von Privatradio und -fernsehen zur Verfügung steht. Damit sollten einerseits diese Sender weiterhin unterstützt werden, aber auch noch neue Online-Angebote. Das reicht nicht. Es muss mehr Geld vorgesehen werden, um die Privaten zu fördern. Das heisst auch, dass die Medienabgabe nicht reduziert werden darf.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt für professionelle Informationspublizistik. Dann müsste man all diese Debatten gar nicht führen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Der Gesetzgebungsprozess ist erst gerade angelaufen. Bis zu einer Inkraftsetzung wird es noch Jahre dauern. Kann man mit Medienpolitik in der bisherigen Form die heutige Situation überhaupt noch sinnvoll regulieren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt für professionelle Informationspublizistik. Dann müsste man all diese Debatten gar nicht führen. Das wäre mit Abstand das beste Modell. Aber es gibt ein wachsendes Marktversagen. Daher wüsste ich nicht, wie anders, als über die Medienpolitik da etwas zu erreichen wäre, wenn man davon überzeugt ist, dass es Qualitätsmedien weiterhin braucht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Zum Schluss zurück zum eben veröffentlichten Jahrbuch. Neu ist die Publikation <a href="https://www.qualitaet-der-medien.ch/" rel="noopener" target="_blank">frei zugänglich im Web</a>, bis jetzt war es nur gedruckt für teures Geld erhältlich. Warum dieser Schritt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mark Eisenegger:</h4> <p>Bisher waren wir immer der Ansicht, dass wir nicht die Gratiskultur der Medien kritisieren können und gleichzeitig das Jahrbuch gratis ins Netz stellen. Jetzt machen wir es trotzdem. Das Jahrbuch ist auch über öffentliche Gelder mitfinanziert. Wir finden, dass wir einen Dienst an der Gesellschaft leisten und darum müssen wir die Forschung auch breit zur Verfügung stellen. Schliesslich wollen wir etwas bewirken mit unserer Forschung.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/">«Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Mit Gratiszeitungen lässt sich politisch etwas bewegen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/18/mit-gratiszeitungen-laesst-sich-politisch-etwas-bewegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2018 10:23:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christoph Blocher trennt sich im Tausch gegen Gratiszeitungen von der «Basler Zeitung». Sinnvoll, findet Medienprofessor Mark Eisenegger.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/18/mit-gratiszeitungen-laesst-sich-politisch-etwas-bewegen/">«Mit Gratiszeitungen lässt sich politisch etwas bewegen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Blocher trennt sich im Tausch gegen Gratiszeitungen von der «Basler Zeitung». Sinnvoll, findet Medienprofessor Mark Eisenegger.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/18/mit-gratiszeitungen-laesst-sich-politisch-etwas-bewegen/">«Mit Gratiszeitungen lässt sich politisch etwas bewegen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Prof. Mark Eisenegger zum Medienwandel: «Medien, die den Mächtigen auf die Finger schauen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/02/01/medien-die-den-maechtigen-auf-die-finger-schauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Feb 2018 09:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mark Eisenegger vom Jahrbuch «Qualität der Medien» kritisiert die Schweizer Verleger für ihre Anti-SRG-Haltung heftig. Die wahre Bedrohung für das Mediensystem komme nicht von innen: Techgiganten wie Google und Facebook fressen einen Grossteil des Werbekuchens. Eisenegger wünscht sich eine Debatte über diese Bedrohung und fordert eine Werbesteuer für die Techgiganten.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/01/medien-die-den-maechtigen-auf-die-finger-schauen/">Prof. Mark Eisenegger zum Medienwandel: «Medien, die den Mächtigen auf die Finger schauen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mark Eisenegger vom Jahrbuch «Qualität der Medien» kritisiert die Schweizer Verleger für ihre Anti-SRG-Haltung heftig. Die wahre Bedrohung für das Mediensystem komme nicht von innen: Techgiganten wie Google und Facebook fressen einen Grossteil des Werbekuchens. Eisenegger wünscht sich eine Debatte über diese Bedrohung und fordert eine Werbesteuer für die Techgiganten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/02/01/medien-die-den-maechtigen-auf-die-finger-schauen/">Prof. Mark Eisenegger zum Medienwandel: «Medien, die den Mächtigen auf die Finger schauen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir haben kein abgehobenes Qualitätsverständnis, Praxis und Publikum verstehen uns»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/11/19/kein-abgehobenes-qualitaetsverstaendnis-praxis-und-publikum-verstehen-uns/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Nov 2016 20:43:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch 2016]]></category>
		<category><![CDATA[Medienqualitätsrating]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[MQR]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Qualität der Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienqualität]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28406</guid>

					<description><![CDATA[<p>Qualität wird gemessen und die Medien dazu vermessen. Das «Jahrbuch Qualität der Medien», initiiert von Kurt Imhof selig, erscheint im siebten Jahr. Seit jüngst gibt es zudem ein Medienqualitätsrating. Doch wozu der akademische Aufwand? Mark Eisenegger, Mitherausgeber des Jahrbuchs, über Qualitätsforschung in Bewegung und die Annäherung an die Erwartungen von Praxis und Publikum. MEDIENWOCHE: Die <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/19/kein-abgehobenes-qualitaetsverstaendnis-praxis-und-publikum-verstehen-uns/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Qualität wird gemessen und die Medien dazu vermessen. Das «Jahrbuch Qualität der Medien», initiiert von Kurt Imhof selig, erscheint im siebten Jahr. Seit jüngst gibt es zudem ein Medienqualitätsrating. Doch wozu der akademische Aufwand? Mark Eisenegger, Mitherausgeber des Jahrbuchs, über Qualitätsforschung in Bewegung und die Annäherung an die Erwartungen von Praxis und Publikum.<br />
<span id="more-28406"></span><br />
<strong>MEDIENWOCHE: Die diesjährige Ausgabe des <a href="https://www.foeg.uzh.ch/de/jahrbuch.html" target="_blank">Jahrbuchs «Qualität der Medien»</a> ist auffällig dünn. Wieso?</strong><br />
Mark Eisenegger: Es war schon lange unser Plan, ein schlankeres Buch herausgeben. Wir erhielten verschiedentlich Reaktionen, dass das Buch zu dick sei. Ausserdem ist das dünnere Jahrbuch Ausdruck einer geänderten Strategie: Wir publizieren stattdessen mehr Studien, auch unter dem Jahr. Zeitgleich zum jetzigen Jahrbuch haben wir der Öffentlichkeit ja auch zwei Studien vorgestellt.</p>
<p><strong>Vielleicht wird das Jahrbuch wieder dicker, wenn die Wissenschaft auch mal danach fragt, wie sich die Medienqualität auf das Funktionieren von Gesellschaft und Staat auswirkt.</strong><br />
Die Frage nach dem gesellschaftlichen Impact ist tatsächlich der zentrale Punkt für eine kritische Forschung. Hier sind wir dran. In diesem Jahr zum Beispiel mit der Erhebung sogenannter News-Repertoires. Hier konnten wir zeigen, wie das jeweilige Mediennutzungsmenü die Welt von verschiedenen Nutzergruppen unterschiedlich einfärbt. Das ist eine Form, wie man den Impact messen kann. In den Folgejahren möchten wir zeigen, wie die Themenwahrnehmung erklären kann, mit welchen Parteien oder politischen Akteuren man sympathisiert oder unter welchen Bedingungen sich Medienqualität auch ökonomisch auszahlt.</p>
<p><strong>Das Herzstück des Jahrbuchs «Qualität der Medien», das jeweils auch in der Berichterstattung starken Widerhall fand, war das sogenannte Qualitätsscoring. An der diesjährigen Medienkonferenz war das kein Thema. Warum?</strong><br />
Seit diesem Jahr gibt es das Projekt Medienqualitätsrating MQR, an dem wir auch beteiligt sind. Für das Jahrbuch steht das Vermelden der nackten Qualitätswerte deshalb nicht mehr im Vordergrund. Dafür wollen wir noch stärker auf die erklärende Ebene gehen, wie wir das in den letzten Jahren bereits gemacht haben.</p>
<p><strong>Mit dem erwähnten Medienqualitätsrating gibt es nun eine zweite Untersuchung, die im Jahresrhythmus die Qualität der Schweizer Medien beurteilt. Wieso braucht es zwei Projekte zum gleichen Thema, zumal beide Projekte mit dem gleichen Qualitätsbegriff operieren?</strong><br />
Es gibt diese Kooperation zwischen fög als Herausgeber des Jahrbuchs und dem Stifterverein Medienqualität Schweiz, der das Rating verantwortet. Und es gibt eine Arbeitsteilung: Das Jahrbuch konzentriert sich auf langfristige Entwicklungen und auf Einfluss- wie Wirkungsfaktoren der Medienqualität, das Medienqualitätsrating konzentriert sich auf das Rating der Medienqualität. Man muss sicher früher oder später diskutieren, ob sich diese beiden Initiativen zusammenschliessen müssen. Aber dafür ist es noch zu früh. Da muss man noch weiter schauen, wie sich die beiden Projekte entwickeln. Voraussetzung ist ein anhaltender Konsens in den zentralen Fragen. Hätte das MQR auf ein rein marktrelativistisches Qualitätsverständnis gesetzt – Qualität ist, was am meisten angeklickt wird – dann hätten wir nicht mitmachen können.</p>
<p><strong>Als ob Jahrbuch und Qualitätsrating noch nicht genug wären, will nun auch Tamedia – hausintern – die Qualität ihrer Medien evaluieren. Erkennen Sie darin eine Kritik an Ihren wissenschaftlichen Methoden oder ist das eine Bereicherung für den Qualitätsdiskurs?</strong><br />
Ich finde es grundsätzlich gut, wenn das Bewusstsein für Medienqualität in den Verlagen steigt und entsprechende Anstrengungen unternommen werden, Qualität zu fördern. Es gab ja auch Phasen, wo man der Ansicht war, dass das kein Thema zu sein brauche. Die grosse Herausforderung einer hausinternen Qualitätsstelle ist aber die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit. Auch wenn Tamedia ihr Projekt als interne Alternative zum externen Qualitätsrating ins Leben gerufen hat, erkenne ich keine Abwehrhaltung gegenüber der Wissenschaft, schliesslich reden wir auch miteinander und unterstützen uns mit Fachwissen.</p>
<p><strong>Das Jahrbuch «Qualität der Medien» erscheint in diesem Jahr zum siebten Mal. Was hat sich verändert seit 2010?</strong><br />
Es ist sehr viel gegangen. Das sah man zum Beispiel bei der Podiumsdiskussion anlässlich der Präsentation des diesjährigen Jahrbuchs. Natürlich würde es da einmal mehr um den Qualitätsbegriff gehen, war meine Erwartungshaltung. Mein natürlicher Reflex war: Jetzt muss ich mich einmal mehr unser Qualitätsverständnis rechtfertigen. Aber es geschah etwas völlig Überraschendes. Ich musste uns nicht verteidigen, weil niemand unseren Qualitätsbegriff in Frage stellte, nicht einmal Beat Lauber, der immerhin den Verband Schweizer Medien mitpräsidiert. Auch dies zeigt, dass wir kein abgehobenes Qualitätsverständnis von irgendwelchen Wissenschaftlern vertreten, sondern eines, das gesellschaftlich verankert ist und vom Publikum verstanden wird.</p>
<p><strong>Teilen auch Journalistinnen und Journalisten dieses Verständnis? In der Vergangenheit gab es ja auch von ihnen teils heftige Abwehrreflexe.</strong><br />
Die Unterstützung durch Journalistinnen und Journalisten hat massiv zugenommen. Sie melden sich bei uns, man will mit uns diskutieren, schlägt neue Publikationsvorhaben vor. Wir werden eingeladen unsere Befunde vorzustellen. Ich wage mal die These: Es kommt langsam so etwas wie eine Bewegung von Seiten der Journalisten in Gang, welche die Nase voll haben vom teilweise plumpen Reichweitenbolzen und die dem Informationsjournalismus wieder zu dem Ruf verhelfen wollen, der ihm gebührt.</p>
<p><strong>Qualität ist immer auch eine Frage des Geldes. Gibt es überhaupt einen Markt für hochstehenden Informationsjournalismus?</strong><br />
Davon bin ich überzeugt. Die Wochenzeitung WOZ ist ein gutes Beispiel, wie eine Zeitung, die stark auf die Karte Recherche setzt, ihre Reichweite steigern konnte. In dem Mass, wie die Desinformation – gerade in Sozialen Netzwerken – voranschreitet, wird die Bedeutung eines professionellen Informationsjournalismus wieder zunehmen in der Gesellschaft. Man wird die Wertigkeit des Informationsjournalismus neu entdecken.</p>
<p><strong>Sehen Sie dafür irgendwelche Anzeichen?</strong><br />
Die ersten Reaktionen nach der Wahl von Trump sind bemerkenswert. Die Abozahlen der New York Times schnellen in die Höhe, die Journalismus-Stiftung Pro Publica erhält deutlich mehr Spenden. Das sind gute Signale. Alle Menschen in demokratisch verfassten Gesellschaften haben ein Bedürfnis nicht nur informiert, sondern gut orientiert zu werden. Wie muss ich ein Ereignis einordnen? Was sagt mir das? Das stärkt die Position von Medien mit Qualitätsanspruch, umso mehr wenn man sieht, wie Falschmeldungen und glatte Lügen im Netz an Bedeutung gewinnen.</p>
<p><strong>Zum Schluss die Millionenfrage: Wie gewinnt man die sogenannten «News-Deprivierten» zurück als interessierte und kritische Medienkonsumenten?</strong><br />
Wenn ich das wüsste, wäre ich bald selbst Millionär. Wichtig scheint mir Folgendes: Man muss das Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge in den Bildungsinstitutionen wieder viel stärker abrufen. Als ich zur Schule ging, haben wir über gesellschaftliche und politische Themen diskutiert. Das begann in der Primarschule, am Gymnasium und im Studium sowieso. Heute haben wir eine Gesellschaft, wo unsere Kinder in der zweiten Klasse Frühfranzösisch und Frühenglisch lernen, aber das, was gesellschaftlich passiert, ist praktisch kein Thema mehr. Aber gesellschaftlich kann man nur mitdiskutieren, wenn man die Medien intensiv mitverfolgt. Das Wissen über gesellschaftliche Entwicklungen muss in den Bildungsinstitutionen wieder an Bedeutung gewinnen. Und dann müssen die Journalistinnen und Journalisten professioneller Informationsmedien noch viel stärker als bisher raus ins Netz, wo sich die jungen Nutzer befinden, und mit ihnen debattieren. Gemeinsam muss es gelingen, der sanften Gewalt des besseren Arguments wieder mehr Geltung zu verschaffen, Demokratie über gesittetes Streiten im Netz erfahr- und erlebbar zu machen. Das wirkt sinnstiftend, Vertrauen fördernd, und erhöht letztlich das Interesse am professionellen Informationsjournalismus und seinen Inhalten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/19/kein-abgehobenes-qualitaetsverstaendnis-praxis-und-publikum-verstehen-uns/">«Wir haben kein abgehobenes Qualitätsverständnis, Praxis und Publikum verstehen uns»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Ein Ritual verliert an Kraft</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/10/ein-ritual-verliert-an-kraft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2015 13:16:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Qualität der Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zum sechsten Mal ist Ende Oktober das Jahrbuch «Qualität der Medien» erschienen. Die Branche nimmt die Befunde der Forscher – wenn überhaupt – nur noch nüchtern rapportierend zur Kenntnis. Das Aufregerpotenzial ist verpufft. Als Anknüpfungspunkt für eine Qualitätsdebatte hat das Jahrbuch an Kraft verloren. Der Verlust von Kurt Imhof ist spürbar. Am heftigsten jaulten jeweils <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/10/ein-ritual-verliert-an-kraft/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/10/ein-ritual-verliert-an-kraft/">Ein Ritual verliert an Kraft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zum sechsten Mal ist Ende Oktober das Jahrbuch «Qualität der Medien» erschienen. Die Branche nimmt die Befunde der Forscher – wenn überhaupt – nur noch nüchtern rapportierend zur Kenntnis. Das Aufregerpotenzial ist verpufft. Als Anknüpfungspunkt für eine Qualitätsdebatte hat das Jahrbuch an Kraft verloren. Der Verlust von Kurt Imhof ist spürbar.<br />
<span id="more-26084"></span><br />
Am heftigsten jaulten jeweils jene auf, die sich besonders missverstanden fühlten. <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Wissenschaftlicher-Boulevard/story/12991470" target="_blank">Erfolgreiche Online-Strategen</a> und gestandene <a href="http://philippe-wampfler.com/2010/08/15/die-journalisten-schlagen-zuruck-imhof-und-die-qualitat-der-medien/" target="_blank">Boulevard-Profis</a> konterten mal wortreich analytisch, mal zugespitzt und im Frontalmodus die Befunde des Jahrbuchs «Qualität der Medien». Woraufhin die Forscher nicht <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002948.html" target="_blank">minder pointiert replizierten</a> und so eine Art Debatte entstehen konnte, wenn auch weniger über die Qualität im Journalismus an sich, als über die von den Praktikern angezweifelten Methoden und Messgrössen. Ein Forschungstransfer von der Uni in die Redaktion gelang so zumindest in Teilen.</p>
<p>Triebkraft für die Diskussionen war Kurt Imhof. Der Soziologe und Initiator des Jahrbuchs meldete sich zu Wort, wo immer sich Kritik und Zweifel an der Arbeit seines Forschungsinstituts erhob. Anfänglich bot er damit eine willkommen Zielscheibe für all jene, die im Jahrbuch eine praxisferne Veranstaltung mit untauglichem Instrumentarium sahen und sich grundsätzlich gegen wissenschaftliche Aussagen über ihr journalistisches Handeln sträubten. Mit seiner aktiven Medienpräsenz, sei es in Gastbeiträgen, unzähligen Radio- und Fernsehauftritten, aber auch <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002959.html#comment-5631" target="_blank">Blog-Kommentaren</a> sowie oft gewitzten <a href="https://twitter.com/kurtimhof/status/511579434923868160" target="_blank">Twitter-Wortwechseln</a>, gab Imhof dem Jahrbuch ein Gesicht. So wandelte er sich auch in der Wahrnehmung seiner Kritiker vom Punchingball zum Sparringpartner. Selbst eingefleischte Gegner einer wissenschaftlichen Messbarkeit der Medienqualität <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ein-grosser-Verlust-aller-Kritik-zum-Trotz/story/20804814" target="_blank">schätzten schliesslich seine Offenheit und Beharrlichkeit</a> in der Debatte.</p>
<p>Vor einem halben Jahr ist Kurt Imhof gestorben. Das Jahrbuch erscheint weiterhin. In diesem Jahr zum sechsten Mal. Und Imhof fehlt. Besonders jetzt, wo ein gewisser Gewöhnungseffekt an die stets gleich lautenden Qualitätsbefunde einsetzt. Wohl im Wissen darum haben die Forscher und Wissenschaftlerinnen den Fokus in diesem Jahr nicht auf das in früheren Jahren zentrale Qualitätsranking gelegt, sondern auf das Mediennutzungsverhalten junger Erwachsener. Darüber wurde denn auch brav berichtet. Eigenständige Ansätze, <a href="http://medienmonitor.ch/post-dossier/zielgruppe-jugend/" target="_blank">dieses topaktuelle Thema</a> zu vertiefen, suchte man allerdings vergeblich. Die Berichterstattung erfolgte «wie von den Forschern mit ihrer Pressemitteilung intendiert», beobachtete etwa Stephan Russ-Mohl, Medienwissenschaftler an der Uni Lugano.</p>
<p>Im Vergleich mit den Vorjahren gab es noch nie so wenige Reaktionen. In Deutschschweizer Publikumsmedien finden sich rund ein Dutzend Eigenleistungen zum Thema, in der Westschweiz gar nur ein einziger Artikel (gemäss Nennung in der Schweizer Mediendatenbank SMD). Dass der Forschungstransfer nur mehr schlecht gelingt, liegt nicht allein daran, dass Jahrbuch-«Botschafter» Kurt Imhof fehlt:</p>
<ul>
<li>In diesem Jahr fiel die Veröffentlichung in eine Zeit, wo gleich mehrere Redaktionen stark mit sich selbst beschäftigt waren. Das Leitungspersonal, das in den letzten Jahren immer wieder Zeit fand, gegen die Wissenschaftler anzuschreiben, musste sich diesmal mit neuen Führungsstrukturen und Sparmassnahmen herumschlagen. Dass sich der Tages-Anzeiger nicht mit einer Agenturmeldung begnügte, mag vermutlich der Tatsache geschuldet sein, dass dessen Inlandchef als geladener Diskutant an der Präsentation des Jahrbuchs teilnahm.</li>
<li>Die Herausgeberschaft vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft fög der Uni Zürich besteht aus den Medien weitgehend unbekannten Figuren. Einzig Mark Eisenegger, der Leiter des Projekts, konnte sich in den letzten Jahren mit regelmässigen Medienauftritten eine gewisse Bekanntheit erarbeiten, zählt aber nicht zum Kreis der Allerweltsexperten.</li>
<li>Von den prominenten Donatoren (u.a. Post, Credit Suisse, Allreal), welche die Herausgabe des Jahrbuchs mit stattlichen Summen erst ermöglichen, wäre kein Engagement bekannt, mit dem sie ihre Unterstützung für das Forschungsprojekt öffentlich begründen.</li>
</ul>
<p>Den Herausgebern ist das Defizit ihrer Transferleistung durchaus bewusst und das fög unternimmt auch einiges dagegen. So wurde an der Medienkonferenz zur Vorstellung das aktuellen Jahrbuchs die Präsentation der Ergebnisse bewusst knapp gehalten und die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion aufgelockert, wo Redaktoren, Forscher und professionelle Beobachter die Befindlichkeit der Branche im Spiegel der wissenschaftlichen Diagnose ausloteten. Ausserdem präsentierte Mark Eisenegger die Ergebnisse des Jahrbuchs <a href="https://jourtagblog.wordpress.com/2015/11/04/junge-menschen-sind-unterinformiert/" target="_blank">jüngst am Journalistentag</a> in Winterthur.</p>
<p>Natürlich setzen solche Bemühungen auch die Bereitschaft der Medienschaffenden voraus, sich auf eine Qualitätsdiskussion einzulassen. Aber die war noch nie besonders ausgeprägt. Schnell ist jeweils das Totschlagargument zur Hand: Ihr habt keine Ahnung, uns geht es ausgezeichnet und überhaupt waren die Medien noch nie so gut und vielfältig wie heute. Man solle doch nur einmal eine Zeitung von vor 20 Jahren in die Hand nehmen und mit dem heutigen Angebot vergleichen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">&#8222;Wer an der Qualität der heutigen Zeitungen zweifelt, soll ins Archiv gehen und eine Ausgabe von vor 20 Jahren anschauen&#8220; <a href="https://twitter.com/Peter_Jost">@Peter_Jost</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/bmt15?src=hash">#bmt15</a></p>
<p>— Berner Medientag (@medientag_be) <a href="https://twitter.com/medientag_be/status/660454793694048256">October 31, 2015</a></p></blockquote>
<p>In diesem Zusammenhang wäre es höchst aufschlussreich, wenn das fög seine Qualitätsuntersuchung für einmal in die Vergangenheit verlegen und einen historischen Pressejahrgang unter die Lupe nehmen würde mit dem Ziel, einen aussagekräftigen Vergleich zwischen der Medienqualität von gestern und heute zu erhalten.</p>
<p>Doch auch für Gegenwart und nahe Zukunft fehlen teilweise verlässliche Daten. Insbesondere bei der Messung der Social-Media-Nutzung gibt es Defizite. So hat das fög für das aktuelle Jahrbuch via themenpuls.ch ermittelt, welche Inhalte über Facebook und andere Plattformen häufig geteilt werden und daraus auf das Mediennutzungsverhalten in Social Media insgesamt geschlossen – was denn auch prompt von Sachverständigen als unzulässiger (Kurz)schluss kritisiert wurde.</p>
<p>Wenn die Autor- und Herausgeberschaft des Jahrbuchs «Qualität der Medien» in Zukunft wieder die Debatte über Medienleistung und -qualität befeuern will, taugt ihr bisheriges Instrumentarium dazu nur noch beschränkt. Ein zweiter Kurt Imhof ist nicht in Sicht. Die Aussicht, irgendwann allein dazustehen und zu sagen, wir haben es schon immer gewusst, reicht nicht als Antrieb für Forschung mit einem hohen Transferanspruch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/10/ein-ritual-verliert-an-kraft/">Ein Ritual verliert an Kraft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Vergangenheit verklären, Gegenwart verachten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/09/30/vergangenheit-verklaeren-gegenwart-verachten-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Schär]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Sep 2013 07:19:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Qualität der Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während das Jahrbuch «Qualität der Medien» eine Qualitätseinbusse der Schweizer Medien feststellt, blühen längst Alternativen im Netz auf. Die Autoren des Jahrbuchs erkennen den Strukturwandel der Öffentlichkeit nicht und verklären die Vergangenheit. Mein Reflex auf das Jahrbuch zur Qualität der Medien ist nicht eingeübt, wie ihn Nick Lüthi beschreibt: Ich habe erstmals die Urteilsverkündigung miterlebt <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/30/vergangenheit-verklaeren-gegenwart-verachten-2/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Während das Jahrbuch «Qualität der Medien» eine Qualitätseinbusse der Schweizer Medien feststellt, blühen längst Alternativen im Netz auf. Die Autoren des Jahrbuchs erkennen den Strukturwandel der Öffentlichkeit nicht und verklären die Vergangenheit.<br />
<span id="more-16111"></span><br />
Mein Reflex auf das Jahrbuch zur Qualität der Medien ist nicht eingeübt, <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/25/einfach-mal-in-den-spiegel-schauen/">wie ihn Nick Lüthi beschreibt</a>: Ich habe erstmals die Urteilsverkündigung miterlebt – und mich spontan aufgeregt. Als die Medienwissenschaftler Mark Eisenegger und Kurt Imhof uns zum Fragen und ausdrücklich auch zum Streiten aufforderten, blieb es lange ruhig. Mir war schon während den Referaten eine kurze Frage durch den Kopf geschossen: In welcher Welt leben Sie eigentlich? Doch die Begründung wäre so lang ausgefallen, dass ich es bleiben liess.</p>
<p>Ich will aber auch nicht in der Schmollecke verharren und den Blick in den Spiegel verweigern, wie es uns Nick Lüthi vorwirft. Darum reiche ich meine Fragen hier nach, damit sich auch die Qualitätspäpste dem Spiegel stellen müssen. Ich enthalte mich aber jeglicher Wertung ihrer Arbeit. (Mit Kurt Imhof lässt sich, wenn es nicht gerade um Medienqualität geht, angeregt reden und auch gepflegt streiten – das will ich nicht gefährden.)</p>
<p>Vorerst die Fragen zur Frage: Wie lässt sich die Qualität von Medien werten und vor allem messen? Was taugt also die Methode des Jahrbuchs? Warum sprechen die Forscher beispielsweise der NZZ hohe Qualität zu, der NZZ Online aber nur mittlere – obwohl sich auf dem Web dieselben Inhalte finden, plus ein reiches Angebot an News, Blogs und Archivmaterialien? Diese gute Frage stellte an der Medienkonferenz eine junge, vermutlich betroffene Kollegin. Die Antwort lautete ungefähr, auf dem Netz fänden sich halt zusätzlich viele nicht vertiefende Elemente, die den Relevanzkoeffizienten drücken. Ich gebe zu, ich hörte nicht genau hin, denn ich schaute gerade auf dem iPad NZZ Online an. Ich fand einen einzigen nicht einordnenden Artikel, die journalistisch einwandfreie Berichterstattung über die Wahl ins Bundesgericht eine Stunde zuvor. Der – verlinkte – Hintergrund dazu war am Vortag zu lesen gewesen. Und die aktuelle Meldung stand am nächsten Tag in der Zeitung, abgehangen und deshalb mediensoziologisch wertvoller.</p>
<p>Wie messen die Forscher die Qualität der Weltwoche (mittel), für die ich arbeite? Sie werten &#8211; neben stichprobeweiser Analyse der Zeitungsartikel &#8211; in erster Linie die Frontseiten aus: Halten sie sich bei der Weltwoche nur an die drei Geschichten auf dem Cover? Oder nehmen sie grosszügig auch noch die Zeile über dem Titelbild mit den Stichworten zu drei bis vier weiteren Artikeln (von insgesamt dreissig bis vierzig) dazu? Machten sie sich je Gedanken darüber, dass sich ernste und deshalb meist schwere Themen dem Publikum nur anbieten lassen, wenn es auch noch etwas leichte, aber nicht minder gute Kost bekommt – die oft für sein Alltagsleben viel wichtiger ist? Die Titelthemen der <a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe.html?tx_kbwwfrontend_pi4[issue_year]=2013&amp;tx_kbwwfrontend_pi4[issue_number]=39">aktuellen Ausgabe</a> sind übrigens: die Analyse des Therapiestaates Schweiz, die Geschichte der Juden über Jahrtausende, die Kritik eines Vierteljahrhunderts Klimapolitik, dazu Sarrazin über Angela Merkel als mächtigste Frau Europas, Engeler über ein paar Jahrhunderte Familie von Wattenwyl und Milo Rau über Lenin (1870-1924). Sorry für so viel Oberflächlichkeit, Kurzatmigkeit und Einfalt.</p>
<p>Warum schelten die Forscher die Medien und damit auch das Publikum dafür, dass sie der Fall «Carlos» mehr interessierte als die Gripen-Debatte oder auch das Schwingfest? Wie angetönt, gilt alles, was für uns im Alltag wirklich wichtig ist, für die Forscher als irrelevant: Liebe, Sex, Familie, Ernährung, Gesundheit, Ausgehen, Hobbies, Sport, aber auch die ganz normale Arbeit – das wahre Leben halt. Ob je Gripen über die Schweiz donnern, betrifft niemanden im Geringsten ausser den bedauernswerten Berner Oberländern. Der Fall «Carlos» aber packte alle, weil sich an diesem Einzelfall (der kein Einzelfall ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiss) grundsätzliche Fragen abhandeln liessen, die sich alle stellen müssen, wenn nicht in der Familie, so doch im Land: Wie setzen wir die Regeln im Alltag durch? Wie gehen wir mit Tätern und Opfern um? Und, vor allem, wie gliedern wir auch schwierige Menschen in unsere Gesellschaft ein?</p>
<p>Als Kurt Imhof und ich Geschichte studierten, entdeckte sie, inspiriert von der Sozialanthropologie, wieder einmal die narrative Methode: Am repräsentativen Einzelfall lässt sich viel erkennen und vermitteln, weil wir Menschen nun mal in individuellen Geschichten denken, nicht in systemischen Gebilden. Gerade im Fall «Carlos» gab es zahlreiche Beiträge, die an diesem Fall Grundsätzliches abhandelten – wie sogar der Medienclub anerkannte. (Einige der fundiertesten und differenziertesten, also konträren Artikel stammten von meinem Kollegen Alex Baur, der den sozialisierenden Wert des Kickbox-Trainings als erster Journalist erkannte. Im Medienclub, zumindest solange ich zuschaute, fiel – wohl aus Rücksicht auf das zarte Gemüt von Weltwoche-Hasser Roger de Weck – der Name unseres Blattes nie.)</p>
<p>Und dann noch zur grossen Frage: In welcher Welt leben Medienforscher eigentlich? Dabei geht es für mich vor allem darum, dass Kurt Imhof und Mark Eisenegger nach meiner Erfahrung, ergo Meinung die Dialektik von Fragmentierung und Konzentration in den Medien völlig falsch sehen, nämlich die Vergangenheit verklären und die Gegenwart verachten, weshalb sie den neuerlichen Strukturwandel der Öffentlichkeit – ein super Forschungsthema! – nicht erkennen.</p>
<p>Was folgt, habe ich hier schon mal geschrieben, aber Kurt Imhof erzählt ja auch jedes Jahr dasselbe. Als ich in den Achtzigerjahren ins Berufsleben einstieg, gab es im Thurgau für 200&#8217;000 Einwohner noch acht lokale Tageszeitungen – als Sozi konnte ich bei keiner davon arbeiten. Jetzt gibt es noch eine Thurgauer Zeitung, die aus St. Gallen kommt, und das ist ein Fortschritt. Nur das krasseste Beispiel, weshalb: 1987 schafften wir eine historische Sensation für den Thurgau, die erste Abwahl eines FDP-Ständerats und die erste Wahl eines SP-Ständerats seit 1848. Der Verleger der Monopolblätter für Kreuzlingen, Weinfelden und katholisch Frauenfeld war aber ein Freund des Abgewählten. Das hiess: Für die Leser des Volksfreunds, des Tagblatts und der Volkszeitung gab es SP-Ständerat Thomas Onken jahrelang nicht. Heute kommt auch die SP-Nationalrätin mehr zu Wort, als sie etwas zu sagen hat. Und die Thurgauer Zeitung – die nicht bei mir nachfragte, als ich 1999 über Nacht als SP-Kantonalpräsident zurücktrat – schreibt wochenlang gut recherchierte Artikel über das Mobbing gegen den Gemeindeammann von Güttingen oder über die «Versuche mit nicht zugelassenen Medikamenten» in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. (Man wünscht sich nur noch die Einsicht, dass es vor der Zulassung von Medikamenten Versuche braucht.)</p>
<p>Das Blatt, das jetzt vorwiegend in St. Gallen entsteht, hat vor allem ein grosses Problem: Es ist zu gut. Meine 85-jährige Mutter kann sich zwar bis zu zwei Stunden damit verweilen, aber alle ihre Bekannten schnöden darüber. Denn sie finden im gehaltvollen, also dicken Blatt nicht mehr, was für sie ein Jahrhundert lang der Grund war, eine Lokalzeitung zu lesen: die Todesanzeigen, die amtlichen Mitteilungen, die Werbung für die Metzgete, allenfalls noch die Aufsätze über die Abendunterhaltung des Männerchors oder die Ausfahrt des Damenturnvereins (zumindest für die Beteiligten). Die Frage stellt sich also, für Publizistik-Professoren halt kaum mehr beantwortbar: Wer las eigentlich, als die Thurgauer Lokalzeitungen noch publizistisch wertvoll waren, die gescheiten Leitartikel von Jürg Tobler oder Oskar Reck?</p>
<p>Jetzt kann ich in Weinfelden statt einer Lokalzeitung, die meine Leserbriefe oft nicht abdruckte, nur noch die Thurgauer Zeitung lesen. Ich bin also gemäss Kurt Imhof gefangen im Monopol, wie zu Zeiten des Bierkartells, als es nur Weinfelder Bier gab. Mit Verlaub: Was für ein Unsinn! Die Lokalpresse ist zwar gebietsmonopolisiert – zum Glück. Aber die Medienlandschaft, auch lokal, ist fragmentierter denn je. Über den Männerchor und den Damenturnverein schreiben Gratisanzeiger mehr, als ich je wissen wollte (gewisse Publizistikprofessoren wollen sie subventionieren, obwohl sie von den Inseraten gut leben); die amtlichen Mitteilungen finde ich online, die TZ-Recherchen greifen manchmal sogar überregionale Blätter auf, und um den zwei Millionen teuren Kunstrasenplatz streite ich mit dem Gemeinderat auf Facebook – so erreiche ich mehr Leute als an der Gemeindeversammlung. Nur den Todesanzeiger, den wir 1985 bei einer Businessplan-Übung in der Journalistenschule erfanden, gibt es noch nicht.</p>
<p>Anderseits geniesse ich dank dem Web eine grössere Vielfalt als beim Bier, wo häufig auch Heineken drin ist, wo nicht Heineken draufsteht – auf einem Niveau des öffentlichen Diskurses, das so hoch ist wie noch nie. Nehmen wir als Beispiel das relevanteste Thema überhaupt, die Wirtschaftspolitik: In der thurgauischen Provinz bekomme ich dank den Blogs von Paul Krugman, Greg Mankiw oder Tyler Cowen die aktuellen Debatten auf höchster Ebene mit, und für das breite Publikum schreiben Kollegen wie Philipp Löpfe dort ausgiebig ab. Auf dem Blog <a href="http://www.batz.ch/">Batz</a> äussern sich einige der interessantesten Schweizer Ökonomie-ProfessorInnen mutig und klar, jederzeit in den Medien zitierbar. Auf dem geschmähten Newsnet (am unteren Rand der mittleren Qualität) denken zwei der gescheitesten Kollegen, «Finanz-und-Wirtschaft»-Chefredaktor Mark Dittli und Privatdozent Tobias Straumann, in ihrem Blog <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/">Never Mind The Markets</a> nach, für ein Publikum, wie es die F&amp;W oder der NZZ-Wirtschaftsteil nie hatten. Und mit dem wichtigsten Forum des Finanzplatzes, <a href="http://insideparadeplatz.ch/">Inside Paradeplatz</a>, zeigen Lukas Hässig und Claude Baumann, dass sich auch mit verlagsunabhängigem hochstehendem Journalismus Geld verdienen lässt (wie übrigens auch – auf einem anderen Spezialgebiet, das halt nur die Insider bewegt – die Kollegen von der Medienwoche).</p>
<p>Oder ein anderes, trauriges Beispiel: Über die Klimaforschung berichten in den traditionellen Qualitätsmedien ein halbes Dutzend Journalisten, was ihnen ihre Buddies in der Wissenschaft vorsagen. Wer sich über die aktuellen Debatten informieren will, muss die internationalen Blogs lesen, in der Schweiz einsam verbreitet von Manfred Messmer mit seinem Blog <a href="http://arlesheimreloaded.ch/">Arlesheim Reloaded</a>. Die immer lautere und härtere Kritik der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Bibel der Klimaforschung, der IPCC-Bericht, jetzt in Frage gestellt wird.</p>
<p>Es ist halt – dank der Medienentwicklung – eine schlechte Zeit für Bibeln aller Art.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/30/vergangenheit-verklaeren-gegenwart-verachten-2/">Vergangenheit verklären, Gegenwart verachten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Ignoranten und der Hofnarr</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/02/die-ignoranten-und-der-hofnarr/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Nov 2012 15:27:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Qualität der Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Eisenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[fög]]></category>
		<category><![CDATA[Jahrbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Jahrbuch «Qualität der Medien» hat ein Problem: Viele Verleger und Journalisten nehmen die Studie nicht ernst und ignorieren sie in ihrer Berichterstattung. Als Grundlage für eine produktive Qualitätsdebatte in den Medien taugt das Jahrbuch deshalb nur bedingt. Das weiss auch Kurt Imhof, das Gesicht zum Jahrbuch und Zielscheibe der Kritik. Nun will der Professor <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/02/die-ignoranten-und-der-hofnarr/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/02/die-ignoranten-und-der-hofnarr/">Die Ignoranten und der Hofnarr</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahrbuch «Qualität der Medien» hat ein Problem: Viele Verleger und Journalisten nehmen die Studie nicht ernst und ignorieren sie in ihrer Berichterstattung. Als Grundlage für eine produktive Qualitätsdebatte in den Medien taugt das Jahrbuch deshalb nur bedingt. Das weiss auch Kurt Imhof, das Gesicht zum Jahrbuch und Zielscheibe der Kritik. Nun will der Professor seine Person aus der Schusslinie nehmen.<br />
<span id="more-30556"></span><br />
Vor zwei Jahren reagierte Tamedia-Verleger Pietro Supino persönlich auf die erstmalige Veröffentlichung des <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Seiten/default.aspx" target="_blank">Jahrbuchs «Qualität der Medien»</a>. In einem über 20&#8217;000 Zeichen langen Essay verteidigte Supino die <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-Qualitaet-unserer-Presse/story/28385132" target="_blank">Qualität seiner Presse</a> gegen die «fragwürdigen» Vorwürfe der Wissenschaft. Vor einem Jahr waren es dann die beiden Tamedia-Chefredaktoren <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Wissenschaftlicher-Boulevard/story/12991470" target="_blank">Peter Wälty</a> (Newsnet) und <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Falschaussage-mit-Qualitaetsanspruch/story/17111827" target="_blank">Hansi Voigt</a> (20min.ch), die mit Furor gegen die Befunde der Qualitätsstudie anschrieben. Nach der dritten Ausgabe des Jahrbuchs blieb es bisher still bei Tamedia, wie übrigens auch bei Ringier. Alle anderen Medien von AZ bis NZZ berichteten in der einen oder anderen Form über das Jahrbuch.</p>
<p>Als existiere eine Stallorder, schweigen die Tamedia-Blätter. Einzig eine Agenturmeldung ist <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Lob-und-Tadel-fuer-Schweizer-Medien-/story/29379046" target="_blank">auf Newsnet rausgerutscht</a>. Weder Tages-Anzeiger, noch Bund und Berner Zeitung hielten die wohl umfassendste Studie zur Medienqualität in der Schweiz für erwähnenswert. Natürlich ist das nur Zufall und die Redaktionen haben nicht auf Geheiss von oben auf eine Berichterstattung verzichtet. Ein Redaktor nennt den geringen Nachrichtenwert der Studie als möglichen Grund für die Funkstille, eine andere Journalistin findet das Jahrbuch schlichtweg langweilig und irrelevant. So unterschiedliche Medien wie NZZ und 20 Minuten liessen sich gar nicht miteinander vergleichen, meint sie. Erst recht nicht, wenn mit einem veralteten Qualitätsbegriff operiert werde, wie ihn das Jahrbuch verwende.</p>
<p>Die Kritik am Qualitätsbegriff des Jahrbuchs ist so alt wie das Projekt selber. Es geht dabei selten um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Methodik. Vielmehr handelt es sich um präventives Sperrfeuer, mit dem Ziel, die Studie in ihrem Kern zu treffen und so ihre Glaubwürdigkeit als Ganzes in Zweifel ziehen. In diese Richtung zielte auch der Verband Schweizer Medien: Ohne das Jahrbuch gelesen zu haben, feuerte er bereits eine Breitseite ab. Man vermisse «ein weiteres Mal eine seriöse und nachvollziehbare Definition des Begriffes Qualität», stand in einer Medienmitteilung zu lesen, die verschickt wurde, als das Jahrbuch noch gar nicht öffentlich verfügbar war.</p>
<p>Urs F. Meyer, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien, verteidigt das Vorgehen. Die Mitteilung beziehe sich nicht auf das Jahrbuch, sondern nur auf die vorab versandte Zusammenfassung mit den zentralen Befunden. Dort sei keine Definition des Qualitätsbegriffs enthalten. Ein kleinlicher Vorwurf. Umso mehr, als dass er bei der Präsentation der Studie gleich zu Beginn entkräftet wurde. Die Qualitätsformel des Jahrbuchs liest sich einfach und verständlich: «Qualität bemisst sich am Grad der Erfüllung zentraler Funktionen der Medien für den demokratischen Prozess.» Auch wenn nicht alle diesen Qualitätsbegriff teilen mögen, dem Vorwurf fehlender Seriosität und Nachvollziehbarkeit hält er allemal stand.</p>
<p>Jeder Massstab bringt es mit sich, dass er den Untersuchungsgegenstand in ein Oben und Unten oder ein Gut und Schlecht trennt. Entsprechend gibt es gemäss Jahrbuch dann eben auch «qualitätsmindere» Medien. Urs F. Meyer vom Verlegerverband stört das. Er nennt ein Beispiel, weshalb: Boulevardjournalismus bedeutet nicht per se mindere Qualität. Natürlich nicht «per se», aber eben dann, wenn jemand einen Massstab anlegt. Zur Qualität pflegen die Verleger ein taktisches Verhältnis: Wenn es darum geht, Subventionen einzuheimsen, werden die Verleger nicht müde, den unverzichtbaren <a href="http://www.schweizermedien.ch/index.php?id=442" target="_blank">Beitrag ihrer Medien für die Demokratie</a> und die politische Meinungsbildung zu betonen. Aber wehe es kommt jemand und prüft diese angeblichen Leistungen. Dann gilt plötzlich nur noch der kommerzielle Erfolg als einziger Qualitätsmassstab.</p>
<p>Am Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft fög der Universität Zürich beschäftigen sich insgesamt 60 Leute mit dem Jahrbuch; nicht 60 Vollstellen, aber 60 Köpfe, die mitdenken. Das alleine schützt natürlich nicht vor Fehlern. Im vergangenen Jahr musste sich das fög zurecht Vorwürfe gefallen lassen, bei den Zahlen zu den Online-Medien daneben gegriffen zu haben. Daran entspann sich eine öffentliche Debatte, die zwar auf den einen Fehler fokussierte, aber immer auch das Gesamtbild im Auge behielt. Doch driftete sie immer wieder ab, weil es auch um die Person von Kurt Imhof ging. Der Co-Leiter des fög trat bisher als Gesicht zum Jahrbuchs auf. Auch war er derjenige, der öffentlich auf die Kritik reagierte und fleissig auf Blogs und in Kommentarspalten die Befunde des Jahrbuchs erläuterte und verteidigte.</p>
<p>Nicht zuletzt wegen Imhof stösst das Jahrbuch auf so grosse Ablehnung bei den Medien. Kaum ein Medienschaffender ist auf ihn gut zu sprechen im Zusammenhang mit dem Jahrbuch. Imhof gilt als praxisferner und ideologisch verblendeter Schwarzmaler, der die Schweizer Medienlandschaft mit untauglichen Massstäben vermesse. Auch wenn sich Journalisten und Verlage bisher nur beschränkt gewillt zeigten, auf Grundlage des Jahrbuchs über Medienqualität zu diskutieren, zieht Imhof nach drei Ausgaben eine positive Bilanz. Er spricht gar von einem «gewaltigen Erfolg». Das Jahrbuch erhalte «wesentlich mehr Resonanz in der Gesellschaft als die ganzen millionenteuren nationalen Forschungsprogramme und Forschungsschwerpunkte». Schliesslich zeige sich in der Politik so etwas wie ein parteiübergreifender Konsens darüber, «dass die Medien Probleme haben.» Das sei auch eine Folge der «konfliktakzentuierenden Personalisierung», beobachtet Imhof.</p>
<p>Seit einiger Zeit hat das Pendel umgeschlagen. Die «Kosten-Nutzen-Bilanz der Personalisierung» habe sich in den negativen Bereich verschoben, weiss Imhof. Nun wolle er der Fixierung auf seine Person vermehrt entgegentreten. Auch beim Jahrbuch. Künftig soll Co-Autor Mark Eisenegger als Kopf zum Buch im Schaufenster stehen. In einem Jahr, wenn das vierte Jahrbuch erscheint, wird sich zeigen, ob es Imhof geschafft hat, ins zweite Glied zu treten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/02/die-ignoranten-und-der-hofnarr/">Die Ignoranten und der Hofnarr</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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