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	<title>Martin Meyer | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>NZZ-Feuilleton-Chef Meyer geht: Gralshüters Abgang</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/06/28/nzz-feuilleton-chef-meyer-geht-gralshueters-abgang/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2015 12:12:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende Jahr tritt NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer in den Ruhestand. Wenn es darum geht, in die grossen Debatten einzugreifen, dürfte sein Nachfolger René Scheu schneller bei der Hand sein</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/28/nzz-feuilleton-chef-meyer-geht-gralshueters-abgang/">NZZ-Feuilleton-Chef Meyer geht: Gralshüters Abgang</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ende Jahr tritt NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer in den Ruhestand. Wenn es darum geht, in die grossen Debatten einzugreifen, dürfte sein Nachfolger René Scheu schneller bei der Hand sein</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/28/nzz-feuilleton-chef-meyer-geht-gralshueters-abgang/">NZZ-Feuilleton-Chef Meyer geht: Gralshüters Abgang</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Händel des Martin Meyer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/18/die-haendel-des-martin-meyer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2015 15:23:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Etienne Jornod]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Plan, Markus Somm zum NZZ-Chefredaktor zu machen, war durchdachter als bisher bekannt. Der NZZ-Verwaltungsrat um Präsident Etienne Jornod hat nicht – wie bisher allgemein dargestellt – unbedarft und politisch blind gehandelt beim putschartigen Versuch, den «Basler Zeitung»-Chef und Blocher-Intimus Markus Somm als Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» zu installieren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Plan, Markus Somm zum NZZ-Chefredaktor zu machen, war durchdachter als bisher bekannt. Der NZZ-Verwaltungsrat um Präsident Etienne Jornod hat nicht – wie bisher allgemein dargestellt – unbedarft und politisch blind gehandelt beim putschartigen Versuch, den «Basler Zeitung»-Chef und Blocher-Intimus Markus Somm als Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» zu installieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/18/die-haendel-des-martin-meyer/">Die Händel des Martin Meyer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Auf einer Glatze Locken drehen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/05/auf-einer-glatze-locken-drehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jul 2013 22:37:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Schwurbel]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Unverständlichkeit mancher Feuilleton-Texte ist nicht nur ein Problem des Schreibers, sondern auch des Rezipienten, der vermehrt nach schneller Erkenntnis sucht. Ein populäres Feuilleton wäre aber ein Widerspruch in sich. &#8222;Und jetzt noch mal auf Deutsch&#8220; schmetterte Fabian Baumann dem Feuilleton im Allgemeinen und drei Autoren im Besonderen entgegen: &#8222;Gewisse Kultur-Redaktoren unterstreichen ihre intellektuelle Brillanz <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/05/auf-einer-glatze-locken-drehen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Unverständlichkeit mancher Feuilleton-Texte ist nicht nur ein Problem des Schreibers, sondern auch des Rezipienten, der vermehrt nach schneller Erkenntnis sucht. Ein populäres Feuilleton wäre aber ein Widerspruch in sich.<br />
<span id="more-14831"></span><br />
<a href="https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/">&#8222;Und jetzt noch mal auf Deutsch&#8220; schmetterte Fabian Baumann dem Feuilleton im Allgemeinen und drei Autoren im Besonderen entgegen</a>: &#8222;Gewisse Kultur-Redaktoren unterstreichen ihre intellektuelle Brillanz gerne durch eine besonders gewählte, syntaktisch komplizierte und mit Fremdwörtern durchsetzte Sprache.&#8220;  Drei Beispiele führt er an: Zum einen Martin Meyers <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/schuld-und-buehne-1.18055624">&#8222;Schuld und Bühne&#8220;</a>, ein &#8222;Geschwauder&#8220; ohne &#8222;Rücksicht auf Klarheit und Verständlichkeit&#8220; und ein &#8222;Meisterwerk des pseudo-intellektuellen Obskurantismus&#8220;. Vieles spricht dafür, dass Meyers Feststellungen in Bezug auf die &#8222;Political correctness&#8220;, die Baumann als &#8222;angeblich&#8220; bezeichnet, dem Kritiker nicht passen.</p>
<p>In Joachim Güntners <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/niemand-will-die-hausfrau-loben-1.18083138">&#8222;Niemand will die Hausfrau loben&#8220;</a> gefällt ihm die vermeintliche politische Ausrichtung nicht. Wenn Güntner über das &#8222;Hausfrauenbild&#8220; referiere, fehlen Baumann die Hausmänner &#8211; ein Einwand, der zwar von emanzipatorischem Furor zeugt, aber haarscharf an der Intention des Artikels vorbeischrammt. Dass dann ausgerechnet <a href="http://www.zeit.de/2013/20/maler-georg-baselitz-steuerfahndung">Moritz von Uslars läppischer, vor Stereotypen und Fehlern strotzender Text</a> (Gerhard Schröder ist nicht 1995 Kanzler geworden, sondern erst 1998) über einen Besuch bei dem Maler Georg Baselitz noch halbwegs Gnade findet, weil eine &#8222;gewisse ironische Distanz&#8220; des Autors wahrgenommen wurde, ist erstaunlich. Als würde es nicht genug unernst-dauerironisierende Texte geben, die damit notdürftig ihre Bedeutungslosigkeit verschleiern.</p>
<h2>Es wird gekürzt, wo es nur geht</h2>
<p>Baumann mutmasst in seiner Polemik, die (vermeintliche) Ausführlichkeit der Texte diene nur dazu, den Platz zu füllen. Wer jemals Redakteure und freie Mitarbeiter dahingehend befragt hat, weiss, dass längst das Gegenteil der Fall ist: Es wird gekürzt, wo es nur geht. Längere Texte, die mit einer gewissen Gedankentiefe und damit natürlich auch gelegentlichen Abschweifungen daherkommen, gibt es im deutschsprachigen Feuilleton immer seltener. Die letzte Bastion (&#8222;Die Zeit&#8220;) ist vor einigen Jahren sang- und klanglos gefallen. Man will dem eiligen Leser nicht mehr allzu viel zumuten. Das schlimmste Schimpfwort lautet &#8222;Bleiwüste&#8220;. Dabei spricht vieles dafür, dass der Meyer-Text in einer längeren Darstellung an Klarheit und Eindeutigkeit hätte gewinnen können und die ein wenig abrupte Wendung am Ende abgefedert worden wäre. Ausführlichkeit kann zur Verständlichkeit beitragen. Wobei man sich natürlich auf etwaige Gedankensprünge auch einlassen müsste. Im Übrigen ist Meyers assoziativer Text, den Baumann ob seiner Ausschweifungen kritisiert, in Times New Roman 12, Zeilenabstand 1.0, tatsächlich nur etwas mehr als zwei Seiten lang.</p>
<p>Die Klage über die fremdwortgespickte Ausführlichkeit hat eine grosse Tradition. Schon der Theater- und Literaturkritiker Alfred Kerr beklagte vor 100 Jahren die &#8222;Bandwurmsätze&#8220; seiner Zeitgenossen. Dessen Intimfeind Karl Kraus zitiert Baumann sogar, wobei Kraus die &#8222;Journalisten&#8220; als Feindbild hatte. Den Feuilletonisten behandelte er milder: &#8222;Mit den perfekten Feuilletonisten liesse sich leben, wenn sie es nicht auf die Unsterblichkeit abgesehen hätten. Sie wissen fremde Werte zu placieren, haben alles bei der Hand, was sie nicht im Kopf haben, und sind häufig geschmackvoll.&#8220; Diejenigen, die Kraus da auf die Unsterblichkeit hinschreiben sieht, sind unter vielen anderen Autoren wie Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Egon Erwin Kisch und Kurt Tucholsky.</p>
<h2>Krawallmacher im Feuilleton</h2>
<p>Diese Qualität hat das deutschsprachige Feuilleton nach dem Krieg nie mehr erreicht. Die Teilnehmer der Gruppe 47, ein loser Schriftsteller-Verbund der sich 1947 in Deutschland konstituierte, wurde mit seinen politisch links-liberalen Protagonisten in den 1960er Jahren zur dominierenden publizistischen Kraft. Den aus den Feuilletons sukzessive verdrängten rechts-konservativen Kolumnisten weinte man berechtigterweise keine Träne nach. Das Bildungsbürger-Ideal, bis in die 1930er Jahre eine unsichtbare Klammer der Intellektuellen (auch derer, die es eigentlich ablehnten), hielt sich nur noch in der Nische Feuilleton. Im idealen Fall entstanden dort pluralistische Diskussionsräume (was man dann hochtrabend Diskurs nannte), die sich jenseits von tagesaktuellen Zwängen politischen, philosophischen, sozialen und ästhetischen Fragestellungen widmete. Inzwischen wird das Feuilleton insbesondere  in Deutschland fast nur noch über eigens angestellte Krawallmacher, die in überpointierten Erregungen für eruptive, aber letztlich wenig ergiebige Skandalisierungen sorgen, wahrgenommen. Ansonsten hat längst das lieblos-mainstreamige Rezensions-Feuilleton Einzug gehalten, oder, in der Provinz, beschränken sich die &#8222;Kulturseiten&#8220; auf die Übermittlung von Veranstaltungsdaten.</p>
<p>Insofern ist Baumanns gönnerhaft eingestreute Bemerkung zu Martin Meyer, dieser habe ein  <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur">&#8222;sympathisch elitäres Kulturbild&#8220;</a> nichts anderes als eine inhärente Beschreibung dessen, was Feuilleton ist. Schliesslich handelt es sich bei den dort abgedruckten Texten nicht um Schulaufsätze mit üblicher Gliederung &#8222;Einleitung-Hauptteil-Schluss&#8220; oder Bastelanleitungen für ein Modellflugzeug. Die graduelle Unverständlichkeit so manches Textes (ich nenne nur Karl-Heinz Bohrer und Jürgen Habermas; Bohrer verstehe ich fast nie) ist nicht nur ein Problem des Schreibers, sondern eben auch des Rezipienten, der nach allzu geschmeidiger, vor allem jedoch schneller Erkenntnis sucht.</p>
<h2>Quadratur des Kreises</h2>
<p>Gerade in Zeiten der öffentlich zugänglichen Enzyklopädien sollte es doch viel eher möglich sein, komplexe Inhalte nicht immer durch Erklärungen auf Vorschulfernsehniveau zu vermitteln. Der Wunsch nach einem egalitär formulierten Textgebilde, welches dennoch allumfassend bleibt, kommt der Quadratur des Kreises gleich. &#8222;Definieren Sie das Universum und geben Sie drei Beispiele&#8220; wurde dies einmal verballhornend auf den Punkt gebracht. &#8222;Aber maximal 1000 Zeichen&#8220; würde ein Redakteur heute ergänzen.</p>
<p>Das heutige Feuilleton steht längst unter immensem Rechtfertigungs- und Anpassungsdruck. Die Feuilletonisten, die (vorübergehend) Aufnahme in das Massenmedium Fernsehen geschafft haben, betonen fast unisono, wie wichtig die vereinfachende Darstellung sei, um Erfolg zu haben &#8211; was auch immer das bedeutet. Der Reduktionismus, der sich dabei beispielsweise in der Literaturkritik eingegraben hat, schafft es nur noch die biographischen Daten des Autors eines Romans mit denen der Figur(en) abzugleichen und den Text nach den Authentizitäts-Kriterien  abzuklopfen. Eine ästhetische, weitergehende Betrachtung findet kaum noch statt; aus Zeitgründen, wie man hört, denn der Stapel der ungelesenen Bücher wird ja nicht kleiner.</p>
<h2>Das Internet als Chance</h2>
<p>Als der NZZ-Redaktor Roman Bucheli kürzlich in seinem Artikel <a href=" http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/ein-leben-nach-dem-papier-1.18079214">&#8222;Ein Leben nach dem Papier&#8220;</a> ausgerechnet das Internet als Möglichkeit für die Re-Vitaliserung des Feuilletons hin zu einer &#8222;Vertiefung des argumentativen Sachverstands&#8220; skizzierte und die schlagzeilenträchtige Zuspitzung eher dem Print-Feuilleton überlassen wollte, schien dies derart abwegig zu sein, dass sich aus dem etablierten Betrieb <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literaturkritik-im-netz-wer-steht-hier-am-abgrund-12194632.html">nur eine Replik</a> fand, die naturgemäss mit Buchelis Idee nichts anfangen konnte und ihr – salopp formuliert – ein stures &#8222;Weiter so&#8220; entgegen schleuderte.</p>
<p>Der Kontrapunkt zum &#8222;egalitären&#8220; Feuilleton wäre das &#8222;populäre&#8220; – ein Widerspruch in sich. Natürlich bewegt sich der Feuilletonist auf einem schmalen Grat. Ich halte es aber nicht unbedingt für ehrenrührig, Fremdwörter wie <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Dezennium">&#8222;Dezennien&#8220;</a>, <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Syntax">&#8222;syntaktisch&#8220;</a>, <a href="http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5567/pdf/SdF-1993-1_02-04.pdf">&#8222;Tribunalisierung&#8220;</a> oder <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Obskurantismus">&#8222;Obskurantismus&#8220;</a> zu verwenden. Unter Umständen können solche Bezeichnungen treffender sein als einfacher klingende Begriffe. Ich scheue auch davor zurück, vorschnell das Präfix &#8222;pseudo&#8220; zu verwenden, wo es ein erneutes Lesen vielleicht auch tun würde. Und wenn  <a href="http://volltext.net/magazin/magazindetail/article/5380/">Hubert Winkels zum Bachmannpreis und einer &#8222;potenziellen Ubiquität&#8220; schreibt</a>, ist da tatsächlich ein Musterbeispiel für die Phrasenhaftigkeit eines Textes zu bestaunen, dessen Schreiber sich im Distinktionsgewinn massiver Unverständlichkeit sonnt. Da sollte man dem Kaiser einfach sagen, dass er nackt ist. Aber ein &#8222;Feuilleton schreiben heisst auf einer Glatze Locken drehen&#8220; schrieb der umtriebige Karl Kraus. Unklar bleibt, wessen Kopf dafür herhalten muss.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/05/auf-einer-glatze-locken-drehen/">Auf einer Glatze Locken drehen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Und jetzt noch mal auf Deutsch</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2013 09:50:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
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		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Feuilletonisten pflegen hohe intellektuelle Ansprüche und drücken ihre Gedanken entsprechend komplex aus. Oft dient aber der pseudo-intellektuelle Jargon dazu, inhaltliche Schwächen zu überdecken. Dem Schwurbel auf der Schliche. Geht es um schlechten Schreibstil, sind die Journalisten spätestens seit Alexander Popes Satiren eines der beliebtesten Angriffsziele. Oftmals zu Recht: Auch heute neigt ein grosser Teil von <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/">Und jetzt noch mal auf Deutsch</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Feuilletonisten pflegen hohe intellektuelle Ansprüche und drücken ihre Gedanken entsprechend komplex aus. Oft dient aber der pseudo-intellektuelle Jargon dazu, inhaltliche Schwächen zu überdecken. Dem Schwurbel auf der Schliche.<br />
<span id="more-14760"></span><br />
Geht es um schlechten Schreibstil, sind die Journalisten spätestens seit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Pope" target="_blank">Alexander Popes</a> Satiren eines der beliebtesten Angriffsziele. Oftmals zu Recht: Auch heute neigt ein grosser Teil von ihnen dazu, den Leser mit den immergleichen Phrasen und Gemeinplätzen zu langweilen (ein besonders schlimmes Beispiel ist die Selbstbeschreibung als <a href="https://www.google.ch/search?q=%22Journalist+aus+Leidenschaft%22&amp;oq=%22Journalist+aus+Leidenschaft%22&amp;aqs=chrome.0.57j62l3.1995j0&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8" target="_blank">«Journalist aus Leidenschaft»</a>). Aber bis zu einem bestimmten Grad gehören tote Metaphern und abgenutzte Redensarten auch zu einer Mediensprache dazu und schaffen einen sprachlichen Code, der durch den Wiedererkennungseffekt die Verständlichkeit erhöht.</p>
<p>***<br />
Replik von Lothar Struck: <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/05/auf-einer-glatze-locken-drehen/">Auf einer Glatze Locken drehen</a><br />
***</p>
<p>Im Feuilleton ist dagegen das gegenteilige Extrem verbreitet. Gewisse Kultur-Redaktoren unterstreichen ihre intellektuelle Brillanz gerne durch eine besonders gewählte, syntaktisch komplizierte und mit Fremdwörtern durchsetzte Sprache. Bei genauer Betrachtung bekommt man allerdings oft den Eindruck, dass dieser prätentiöse Stil bloss dem Kaschieren des schwachen Inhalts dient. Oder nach Karl Kraus: «Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können: Das macht den Journalisten.» Diese Gewohnheit ist im deutschsprachigen Feuilleton häufig, und ich habe deshalb ziemlich willkürlich ein paar besonders krasse Beispiele ausgesucht, die mir in den letzten Monaten aufgefallen sind.</p>
<p>Den Anfang macht, wenig überraschend, die NZZ, und zwar in der Person von Martin Meyer, dem NZZ-Feuilletonchef mit dem fast schon <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur" target="_self">sympathisch elitären Kulturbild</a>. Am Ostersamstag veröffentlichte Meyer unter dem etwas hochtrabenden Titel <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/schuld-und-buehne-1.18055624" target="_blank">«Schuld und Bühne: Konjunkturen der Hypermoral»</a> einen Essay über &#8230; ja, worüber eigentlich?</p>
<blockquote><p>«Wenn die Zukunft ihre Richtung verliert, schlagen die Stunden der Kleingeisterei. Natürlich ist gerichtete Zukunft eine Illusion. Skeptiker und Experten der Bodennähe wissen, dass der Kompass sein turbulentes Eigenleben führt. Weder läuft der Fortschritt – oder das, was wir von ihm gelten lassen – linear, noch bildet er per saldo nur Gewinne. Auch ist Vertrauen in die Akteure, die entscheiden und – oftmals dann ganz anders – handeln, wenig angebracht. Dennoch: Der Glaube versetzt bekanntlich nicht nur Berge, er hält zusammen und stiftet ein Klima gemeinschaftlicher Werte. Die Formel dafür wäre: Wir sind unterwegs.»</p></blockquote>
<p>Schon der Einstiegsparagraph ist ein Meisterwerk des pseudo-intellektuellen Obskurantismus. Die eher banale Aussage dieser sieben Sätze liesse sich problemlos in einem einzigen zusammenfassen: Obwohl die Geschichte nicht geradlinig vorwärts läuft, ist Fortschrittsglaube angebracht. Aber als NZZ-Feuilletonchef muss man ja eine Zeitungsseite füllen, egal ob man etwas zu sagen hat oder nicht.</p>
<p>Im gleichen Geiste geht es weiter. Ohne Rücksicht auf Klarheit und Verständlichkeit richtet Meyer einen Eintopf aus Versatzstücken der Weltgeschichte an (Hitler! Lenin! Auszug aus Ägypten!), rührt grosszügig unnötige Fremdwörter dazu (Dezennien! Hypokrisie! Tribunalisierungen!), bestreut sein Werk mit Banalitäten («Dass dabei Opfer nötig sind, gehört zum Spiel mit hohen Einsätzen»), und schafft es so beinahe, intellektuell zu wirken, ohne einen einzigen Gedanken zu Ende zu denken. Am Ende des Artikels erklärt er dann in ein paar Sätzen, worum es ihm eigentlich geht – sein Unbehagen gegenüber der angeblich allgegenwärtigen Political Correctness &#8211; und macht damit das ganze vorhergehende Geschwauder erst recht unnötig.</p>
<p>«Dabei verdunkelt sich die – allerdings fundamentale – Binsenwahrheit, dass nur verteilt und umverteilt werden kann, was zuvor erworben und eingelegt wurde», schreibt Meyer. Er hätte seinen Artikel auch treffend mit «Sich verdunkelnde Binsenwahrheiten» überschreiben können. Sein prätentiöser Schreibstil dient wohl dem einzigen Zweck, unaufmerksame Leser mit angeblicher Gelehrtheit zu beeindrucken und vielleicht auch etwas einzuschüchtern.</p>
<p>Das fängt ja schon beim Titel an: nichts gegen Wortspiele (ist auch egal, dass der selbe Titel zuvor schon im Januar <a href="http://www.tagesspiegel.de/wissen/gestaendnis-von-lance-armstrong-schuld-und-buehne/7654950.html" target="_blank">im Tagesspiegel</a>, danach im April im <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/818679.schuld-und-buehne.html" target="_blank">Neuen Deutschland</a> und sogar schon <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46290020.html" target="_blank">1967 im Spiegel</a> verwendet wurde), aber mit «Schuld und Bühne» hat der Grossteil des Artikels eigentlich eher wenig zu tun. Es bleibt der Wiedererkennungseffekt, der wohl dem Klassenzusammenhalt dienen soll: Dostojewski, klar, hab ich auch im Regal, bin schliesslich ein guter Bildungsbürger.</p>
<p>Doch genug von Meyer. Am 18. Mai erschien, ebenfalls in der NZZ, ein Artikel von Joachim Güntner unter dem Titel <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/niemand-will-die-hausfrau-loben-1.18083138" target="_blank">«Verfall eines Selbstbildes: Niemand will die Hausfrau loben»</a>. Darin betrauert Güntner, dessen Stil gewöhnlich verständlich und interessant ist, den Rückgang an Hausfrauen (von Hausmännern ist erst gar nicht die Rede) in der heutigen Gesellschaft. Nach relativ klarem Beginn lässt er sich aber doch dazu hinreissen, den intellektuellen Zweihänder auszupacken:</p>
<blockquote><p>«Die Frauenbewegung von den Suffragetten bis zu Simone de Beauvoir hat dafür gekämpft, die Hausarbeit aufzuwerten, sie der Erwerbsarbeit gleichzustellen. Stattdessen haben wir es nun mit ihrer fortschreitenden Entwertung zu tun. Man beachte die Dialektik.»</p></blockquote>
<p>Natürlich hätte man da auch (etwas formelhaft) von der «Ironie des Schicksals» sprechen können. Aber als Feuilletonist wirft man dann doch lieber das magische D-Wort in den Raum. Vielleicht hilft es sogar, die zweifelhafte Argumentation zu verschleiern: Güntner bedauert die Entwertung der Hausarbeit, missachtet dabei aber, dass die Hausarbeit durch den technischen Fortschritt auch einfach weniger wurde und sich daher erst mit Erwerbstätigkeit verbinden liess. Er sagt also quasi, dass die Reduzierung der Hausarbeit den Zielen der Frauenbewegung entgegen steht. Mit ähnlicher Logik könnte man auch behaupten, dass Mahatma Gandhi, der sich für die Rechte der Leprakranken einsetzte, den heutigen Rückgang der Lepra bedauern würde.</p>
<p>Doch natürlich findet sich prätentiöser Stil nicht nur bei den gesetzten Herren der Neuen Zürcher Zeitung. So veröffentlichte Moritz von Uslar, der 42-jährige Jungstar des deutschen Kulturjournalismus, am 9. Mai in der ZEIT einen Text über die <a href="http://www.zeit.de/2013/20/maler-georg-baselitz-steuerfahndung" target="_blank">Steuerprobleme des Malers Georg Baselitz</a>. Zumindest geht es darum während zweieinhalb Sätzen, bevor der Text zur Beschreibung eines Besuchs bei Baselitz vor zwei Jahren abdriftet. Den inhaltlich eher belanglosen Text versucht von Uslar durch einen Schreibstil aufzupolieren, den er wohl für «peppig-intellektuell» hält. Zum Teil liest sich das wie eine mittelmässige Goethe-Parodie («Baselitz wird – schöne Sache, scheußliche Sache – der Kanzlerkünstler») und zum Teil weiss der Autor wohl selber nicht, was er meint, etwa wenn er über Baselitzens «Glatzkopf, den man natürlich einen guten nennen muss» schreibt.</p>
<p>Von Uslar stellt auch tiefgründige Überlegungen zum deutschen Nationalcharakter an: «Georg Baselitz gilt heute ja immer auch – was gleichzeitig wunderbar bedeutsam und hohl klingt – als der deutscheste aller Maler.» Und: «Was ist so deutsch am deutschen Maler Georg Baselitz? Natürlich der Existenzialismus». Aha. Und was ist so französisch am französischen Philosophen Sartre? Natürlich der Existenzialismus. Was ist so russisch am russischen Schriftsteller Dostojewski? Natürlich der Existenzialismus. Was ist so deutsch an diesem Satz des deutschen Journalisten Moritz von Uslar? Natürlich die Inhaltslosigkeit. Einmal mehr hat man das Gefühl, es ginge vor allem darum, ein intellektuelles Schlagwort anzubringen: Dialektik, Existenzialismus, Pseudotachylit.</p>
<p>Natürlich kann man Moritz von Uslar – wohl im Gegensatz zu Martin Meyer – zu gute halten, dass er eine gewisse ironische Distanz wahrt. Aber so witzig ist sein Stil dann auch wieder nicht, dass er den Mangel an Aussagekraft überdecken würde. So bleibt der Artikel mehr hohl als wunderbar bedeutsam.</p>
<p>Damit ich richtig verstanden werde: Dies ist kein Plädoyer für eine unoriginelle, simple und letztlich langweilige Sprache. Es ist aber durchaus ein Plädoyer dafür, seine Gedanken so verständlich als möglich auszudrücken, anstatt inhaltliche Schwächen mit pseudo-intellektuellem Geschwätz zu verschleiern. Denn leider scheint es im deutschsprachigen Feuilleton doch oft so zu sein: Je anstrengender ein Artikel zu lesen ist, desto weniger hat er zu sagen.</p>
<p>Man beachte die Dialektik.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/01/und-jetzt-noch-mal-auf-deutsch/">Und jetzt noch mal auf Deutsch</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Frühling in den Schreibstuben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 06:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
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		<category><![CDATA[Roman Bucheli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die «Magazin»-Journalisten werfen sich ins Netz, das NZZ-Feuilleton gibt sich etwas lockerer und wagt Debatten, Rico Bandle bringt etwas Leichtigkeit in die Weltwoche. Eine leichte, frische Frühlingsbrise erfasst die Schweizer Feuilletons. «Um Himmels willen – selber schuld! Ich finde das in der Regel weder intellektuell noch ästhetisch ergiebig», sagte mir NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer im MEDIENWOCHE-Interview <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/">Frühling in den Schreibstuben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die «Magazin»-Journalisten werfen sich ins Netz, das NZZ-Feuilleton gibt sich etwas lockerer und wagt Debatten, Rico Bandle bringt etwas Leichtigkeit in die Weltwoche. Eine leichte, frische Frühlingsbrise erfasst die Schweizer Feuilletons.<br />
<span id="more-7581"></span><br />
«Um Himmels willen – selber schuld! Ich finde das in der Regel weder intellektuell noch ästhetisch ergiebig», sagte mir NZZ-Feuilletonchef <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur/">Martin Meyer im MEDIENWOCHE-Interview</a> über meinen Konsum von US-Fernsehserien. Und doch erschien im NZZ-Feuilleton vom 2. April das Ergebnis eines zweieinhalbstündigen Besuchs von <a href="http://www.jonathan-fischer.de/Bio.html">Jonathan Fischer</a> bei David Simon, dem Macher von «The Wire», der Serie, die von Richard Kämmerlings <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/the-wire-ein-balzac-fuer-unsere-zeit-1581949.html">2010 in der FAZ</a> mit dem Werk von Honoré de Balzac verglichen wurde. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/amerika-fuehrt-krieg-gegen-sich-selbst_1.16221631.html">Ein aufschlussreicher Text</a>, der den Serienproduzent und Schriftsteller unter anderem als enttäuschten Journalist outete. Auf die Frage, ob er noch die gesellschaftliche Kraft des Journalismus glaube, antwortet Simon: «Als junger Journalist, ja! Aber dann lernte ich bei der Baltimore Sun, dass nur billige Empörungs-Geschichten gedruckt werden. (&#8230;)»</p>
<p>Selbst die jahrelange Debattenmüdigkeit des NZZ-Feuilletons scheint etwas gewichen. Roman Bucheli beklagt am 6. März <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/tant_de_bruit_1.15435544.html">die Inkonsequenz von Georg Diez</a>, der seine ungeheuerlichen Vorwürfe gegenüber Christian Kracht nur zwei Wochen lang aufrecht erhält. Am 17. März gibt er sich in der <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/intelligenter_streiten_1.15825158.html">Kulturinfarkt-Debatte</a> angriffig gegen Pius Knüsel. Am 10. April erstaunt ihn, «dass es abermals jemandem gelungen ist, sich mit einer vermurksten Polemik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken» &#8211; <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/von-allen-guten-geistern-verlassen_1.16361661.html">gemeint ist damit</a> natürlich Genosse Grass. Und <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/kunst_architektur/weisser-lurch-im-alten-hafen_1.16373048.html">Roman Hollenstein schreibt</a> durchaus nachvollziehbar, der Neubau des Niederländischen Filminstituts in Amsterdam gleiche «einem riesigen weissen Frosch, der gerade aus dem IJ gehüpft ist, um den Overhoeks-Turm zu bestaunen». Ja, gemessen an allem, was sonst im NZZ-Feuilleton erscheint, ist das frisch und frech.</p>
<p>Bei den anderen Luxusjournalisten, den gutgekleideten Herren und Damen vom «Magazin» an der Werdstrasse, ist das Internet-Fieber ausgebrochen. Es wird nicht nur fast täglich ein neuer Eintrag im <a href="http://blog.dasmagazin.ch/">«Magazin»-Blog</a> online gestellt, die Beiträge werden auch fleissig bei <a href="https://www.facebook.com/pages/Das-Magazin/36907871426">Facebook</a> und Twitter (<a href="https://twitter.com/#!/finncanonica">@finncanonica</a>, <a href="https://twitter.com/#!/DBinswanger">@DBinswanger</a>, <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg">@thomaszaugg</a>) angekündigt. Auch wenn der Dialog durch die versteckte Facebook-Kommentarbox nach wie vor schwer fällt, nach dem beleidigten Rückzug 2009 ist die aktuelle Internet-Offensive eine erfreuliche Entwicklung, an der sich andere, möglicherweise unterforderte Journalisten messen können.</p>
<p>Und auch ein Lichtblick bei der Weltwoche: Wer nach Politik, Politik, Politik und Wirtschaft kurz vor dem Luxusteil rechtzeitig eine Pause einlegt, könnte auf einen der wenigen leichten Artikel im Blatt stossen, die nicht selten von Rico Bandle kommen, der sich, mit beachtlichem Output und scheinbar unbeeindruckt von seiner mehrheitlich bleiernen Umgebung um die schönen Dinge des Lebens kümmert oder alternative Sichtweisen zu einigen unveränderlichen Urteilen anderer Kulturjournalisten anregt. Dazu liefert er jede Woche eine scharf beobachtete und flott geschriebene Fernsehkritik.</p>
<p>Aber sollen sich Kulturjournalisten mit US-Fernsehserien und vermeintlich seichten Debatten befassen? Sollen sie mit Spass an die Arbeit und dem Publikum vermitteln, was sie selbst begeistert oder aufregt? Ja, und sie sollen sich auch mit dem auseinandersetzen, was das Publikum beschäftigt. Niemand braucht Texte, die sich nach dem Konsum wie Steine im Magen anfühlen. Was nicht gelesen wird, ist dem Tod geweiht.</p>
<p>Viele verwechseln das Leichte mit dem Gemeinen. Doch man kann über das Gemeine leicht schreiben und auch über das Herausragende. Wie ist es in <a href="http://phaidra.univie.ac.at/o:26834">«Gradus ad Parnassum»</a>, einem Werk des österreichischen Komponisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joseph_Fux">Johann Joseph Fux</a>, festgehalten? «Das Leichte ist schwer.»</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/04/das-leichte-ist-schwer.jpg" alt="«Das Leichte ist schwer»" title="«Das Leichte ist schwer»" width="460" height="293" class="alignnone size-full wp-image-7701" /><br />
<small>Bild: Ausschnitt <a href="http://phaidra.univie.ac.at/o:26834">«Gradus ad Parnassum»</a> von Johann Joseph Fux, Seite 180, bzw. 196.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/">Frühling in den Schreibstuben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Im Hort der Hochkultur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 12:12:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Roman Bucheli]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 38 Jahren schreibt Martin Meyer für das Feuilleton der NZZ, seit über 20 Jahren als dessen Leiter – und dennoch ist er, ausser mit seinen Artikeln, in der Öffentlichkeit kaum präsent. Wer ist dieser Mann, der sich dezidiert für einen engen Kulturbegriff starkmacht und gerne aufs Altertum zurückgreift, um aktuelle Entwicklungen zu erklären? Es <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit 38 Jahren schreibt Martin Meyer für das Feuilleton der NZZ, seit über 20 Jahren als dessen Leiter – und dennoch ist er, ausser mit seinen Artikeln, in der Öffentlichkeit kaum präsent. Wer ist dieser Mann, der sich dezidiert für einen engen Kulturbegriff starkmacht und gerne aufs Altertum zurückgreift, um aktuelle Entwicklungen zu erklären?<br />
<span id="more-30443"></span><br />
<em>Es gibt einen, der konsequent keinen Boulevard macht. Der Mann mit dem sorgfältig zurückgekämmten Haar holt mich in der Lobby des altehrwürdigen NZZ-Gebäudes an der Falkenstrasse ab und empfängt mich in seinem Büro, einem Eckzimmer im dritten Stock. Die Wärme, die das Büro ausstrahlt, kühlt Meyer mit seiner ernsten Art auf eine angenehme Raumtemperatur herunter. Hinter dem Schreibtisch steht eine wohlgeordnete Bücherwand, auf der Tastatur des Firmencomputers liegen von Hand beschriebene Papiere. Ich erlaube mir, meinen Laptop auf der Gegenseite des Tischs aufzubauen, Meyer redet lebhaft moduliert, in klassisch schönem Schweizerdeutsch. Trotz äusserer Ruhe bewegt er sich öfters, was auf eine gesunde innere Spannung hinweist.</p>
<p>Meyer war schon Feuilletonredaktor der NZZ, als ich noch nicht geboren war. Als er zu dessen Leiter befördert wurde, war ich im 2. Lehrjahr. Die Antwort auf meine Einstiegsfrage, wie sich die Welt seit 1974 verändert hat, ist bezeichnend: Meyer geht gleich ein paar Jahrzehnte weiter zurück. Die Welt ist nicht zu erklären ohne die Entwicklungen, die zu ihr geführt haben.</em></p>
<p><strong>In Berlin habe ich Leute beobachtet, die ins Café kommen und von allen verfügbaren Zeitungen zuerst die NZZ in die Hand nehmen. Gelobt wird der entspannte und freie Kosmopolitismus des NZZ-Feuilletons, der so in Deutschland kaum verfügbar ist. Erhalten sie viele Rückmeldungen aus dem Ausland?</strong><br />
 Ja, wir haben in Deutschland und natürlich auch in Österreich eine aufmerksame und intelligente Leserschaft. Wenn die NZZ als Weltblatt gilt, dann ist das nicht nur ein Schlagwort.</p>
<p><strong>Andere Stimmen, die ich eingeholt habe, sagen zum NZZ-Feuilleton: «Gepflegte Langeweile gepflegter Langweiler».</strong><br />
Das müsste spezifiziert werden, mit einem solchen Pauschalurteil kann ich wenig anfangen, und es müsste ja auch am Einzelfall nachgewiesen werden können. Wenn Sie ein journalistisches Profil haben, können Sie es nie allen recht machen. Franz Josef Strauss hat einmal gesagt: «Wer immer Everybody’s Darling sein will, wird schliesslich Everybody’s Depp.» Es stört mich auch gar nicht, wenn da und dort andere Leute nicht einverstanden sind mit unserem Feuilleton. Allerdings wäre es mir natürlich lieber, wenn sich die Ablehnung auf eine andere Meinung als einfach auf die Langeweile stützt.</p>
<p><strong>  Die NZZ führt als einzige mir bekannte Schweizer Zeitung den Kulturteil unter dem Titel «Feuilleton». Was bedeutet der Begriff für Sie?</strong><br />
 Es handelt sich um ein Traditionslabel, das früher gang und gäbe war. Es stammt aus dem französischen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts. Zeitungen hatten sogenannte «Blättchen» eingerückt, häufig auch unterhaltender Art und bestückt mit Fortsetzungsromanen. Jeden Tag oder jeden zweiten Tag wurde ein Teil eines neuen Romans vorabgedruckt. In der NZZ haben wir den Fortsetzungsroman bis in die späten 1970er-Jahre beibehalten. <br />
Mit diesem Wort wurde später eigentlich immer das Richtige assoziiert: Ein Kulturteil, der über verschiedene Themen berichtet. In der Schweiz ist es so, dass man der Leserschaft offenbar nicht mehr zutraut, das Wort Feuilleton so zu verstehen, wie man es verstehen kann und muss &#8211; man überschreibt es darum mit «Kultur». Wenn Sie nach Deutschland schauen: Alle überregionalen Tageszeitungen haben den Titel «Feuilleton» beibehalten.</p>
<p><strong>Es gibt Stimmen, die sagen: Kultur kann überall stattfinden, es braucht also gar kein Kulturressort. Kulturjournalisten sollen nur kulturelle Themen für die Allgemeinheit zugänglich machen und sich nicht als Teil eines elitären Kunst-Kultur-Kreises verstehen.</strong><br />
Da bin ich nicht einverstanden. Was wäre denn allgemeine Kultur? Ein Eishockeymatch?  Oder das Zürcher Seenachtsfest? Es gibt einen engeren und einen weiteren Kulturbegriff. Wir pflegen mit unserem Ressort den engeren, ohne darüber elitär zu sein.</p>
<p><strong>Warum sollte man generell Feuilleton lesen?</strong><br />
 Erstens erfrischt es den Geist. Das Turnen mit dem Gehirn hält nicht nur das Hirn jung, sondern letztlich auch die ganze physische und psychische Erscheinung. Zweitens lebt der Mensch nicht vom Brot allein, er ist auch ein Wesen, das kulturpflichtig ist. Oder so gesagt: Wir wissen nicht genau, was die Motive unserer Vorfahren waren, Ornamente, wilde Tiere, Jäger zu zeichnen. Aber das war doch eine Art von Distanzierung von sich selbst durch einen ästhetischen Ausdruck &#8211; mit dem man sich anders sieht und anders begegnet als in der reinen Unmittelbarkeit, für damals: den anderen abmurksen und schauen, dass das Feuer in der Höhle erhalten bleibt.</p>
<p><strong>Andere Schweizer Medien berichten über Malerei, bildende Kunst, Literatur oder europäisches Theater nicht oder nicht kontinuierlich. Hat die NZZ in diesem Bereich ein De-Facto-Monopol?</strong><br />
 Nun, das ist wohl etwas übertrieben; wir hätten allerdings nichts dagegen. Es hat immer zum Kerngeschäft des Feuilletons gehört, über ästhetische Hervorbringungen zu berichten. Kunst, Künstler, Literatur, Theater, Musik, Geisteswissenschaften, Theologie, das ist der Hauptauftrag unserer Berichterstattung. Ab 1992 habe ich das Feuilleton für politische, gesellschaftspolitische und teilweise auch wirtschaftliche Themen geöffnet sowie eine Globalisierung der Wahrnehmung gefordert. Also: nicht nur zu schauen, was zwischen Genf und Rorschach passiert, oder, europäisch gesehen, zwischen Lissabon und Athen, sondern auch zu beobachten, was zwischen Seattle, Katmandu und Südafrika geschieht.</p>
<p><strong>Ich sehe das Feuilleton auch als politischen Debattenraum. Andere führende Feuilletonisten, zum Beispiel Frank Schirrmacher (FAZ) oder Thomas Steinfeld (SZ), lancieren gerne mal Debatten oder greifen politische Themen auf und stellen sich dazu. Von Ihnen persönlich lese ich dazu wenig. Warum nicht?</strong><br />
Das sehe ich gar nicht so, Sie müssen nur ins NZZ-Archiv und nachschauen, was ich zuletzt geschrieben habe. In den letzten Wochen erschienen Texte von mir über die Idee Europas, über Habgier und Mässigung im Zusammenhang mit der Finanz- und Schuldenkrise, über die Thesen von Niall Ferguson, warum der Westen und die westliche Kultur anderen Kulturen überlegen waren.</p>
<p><strong>Aber beim Wechselspiel der deutschen Feuilletons, die sich gegenseitig die Themen zuspielen, stehen Sie doch eher abseits.</strong><br />
 Das hat auch mit der Schweiz zu tun. Wir sind trotz allem eine Schweizer Zeitung. Die deutschen Feuilletons haben manchmal eine etwas selbstreferenzielle Art, mit der sie einen Diskurs, einen Streit oder was auch immer führen &#8211; für den Aussenstehenden ist das manchmal kaum mehr richtig nachvollziehbar. Stichwort: selbstreferenzielle Selbstläufer. Natürlich kann man das machen, hie und da ist es sogar interessant. Manchmal aber ist es auch einfach viel Aufwand für wenig Ertrag. Wir greifen dann in Debatten ein, wenn wir sie als wichtig empfinden.</p>
<p><em>Meyer weist auf das NZZ-Feuilleton am Tag des Gesprächs hin. Die erste Seite füllt ein <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/boko_haram__nigerias_entfremdete_soehne_1.14864723.html">Text von Obi Nwakanma</a>, einem Lyriker aus Nigeria ohne Wikipediaeintrag, in dem es um die Sekte Boko Haram geht. Der die Feuilletons täglich durchforstende Perlentaucher <a href="http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2012-02-08.html">jubelt</a>: «Solche Artikel gibt es nur noch in der NZZ!» Doch werden sie auch gelesen? Man weiss es nicht, die NZZ gibt es nur im Gesamtpaket. Für den Alltagsleser ist der Text von Obi Nwakanma auf jeden Fall zähe Kost, doch er funktioniert im Long Tail, als seriöse Information über ein Nischenthema, das andere ignorieren. Auch wenn das NZZ-Feuilleton keine Gebührengelder kassiert &#8211; verdient hätte es welche, denn es produziert klassischen Service Public.</p>
<p>Manchmal scheint es, als wolle es die Redaktion den Lesern nicht zu einfach machen. Sätze wie «Stören tut allein das Fehlen von Verweisen im Text zu den ausführlichen Anmerkungen» (<a href="http://www.nzz.ch/magazin/buchrezensionen/grosse_erwartungen_1.14853131.html">Dickens-Rezension von Susanne Ostwald</a>) sind doch eher umständlich als intelligent formuliert.</em></p>
<p><strong>  Was waren erinnerungswürdige Debatten der Ära Martin Meyer? </strong><br />
 In den 1980er-Jahren stolperte der damalige «Zeit»-Feuilletonchef Fritz J. Raddatz über einen Text, den ich ins Blatt gesetzt hatte als Einleitung zu einer Beilage mit lauter ausgedachten Texten. Darin hatte ich ein Goethe-Zitat erfunden, in dem sich Goethe angeblich über den Frankfurter Bahnhof beklagt, den es damals noch gar nicht gab. Kollege Raddatz merkte es offenbar nicht und setzte das Zitat auf die erste Seite, als ob es wahr wäre. Was dazu führte, dass er seinen Posten verlor &#8211; was ich gar nicht beabsichtigt hatte. Für zwei oder drei Wochen ging darauf in Deutschland ein Lachen und Rauschen durch den Blätterwald. <br />
Doch Scherz beiseite: Wir haben immer wieder grössere Projekte angepackt. Wir hatten grosse Beilagen über die Französische Revolution, über die Kultur der Moderne, über den Islam usw. Wir werden bald eine Demokratie-Serie starten. Wir haben vielleicht ein anderes Verständnis für die Debatte als die Deutschen, die auch von der Grösse und den Herausforderungen des Landes her anders fokussieren als wir. Mit der Aussenpolitik von Joschka Fischer können wir keine Debatte entfachen; das ist auch nicht nötig. Zu dieser Art der Debatte gehört auch eine gewisse Thesenfreudigkeit und Vereinfachung. Angenommen, Kollege Roman Bucheli würde behaupten, die ganze Schweizer Literatur der letzten dreissig Jahre tauge nichts, dann gäbe das natürlich eine Debatte; aber die These wäre so hanebüchen, dass sie Bucheli nie in den Sinn käme. Deshalb würden wir auch keine Debatte riskieren wollen um des reinen Debattierens willen.</p>
<p><strong>Welche kulturellen Neuentdeckungen aus dieser Zeit werden die Gegenwart überdauern?</strong><br />
 Das kann ich nicht einfach so beantworten. Es wäre, bei allen möglichen Irrtümern,  einen verlockenden Aufsatz von mindestens zwanzig Seiten wert. In der Literatur sicher Peter Handke, vielleicht auch Botho Strauss, um wenigstens zwei zu nennen. Für die zeitgenössische Kunst freilich wäre dies schon wesentlich schwieriger zu entscheiden.</p>
<p><strong>Haben Sie Lieblingskünstler, bei denen Sie aufpassen müssen, nicht zu viel über sie zu schreiben? Oder gibt es Feuilletongrössen, die Sie hassen, über die sie aber schreiben müssen?</strong><br />
 Nein, ich bin sehr ausgeglichen: preise alles Gute, kritisiere das weniger Gute.</p>
<p><strong>Wo stehen Sie eigentlich politisch?</strong><br />
In der Mitte, ganz genau. Liberal.</p>
<p><strong>  Muss man als NZZler nicht FDP wählen?</strong><br />
  Nein, das ist ein uraltes Vorurteil. Ich stehe dem Freisinn nahe, teile das liberale Gedankengut, bin aber nicht Parteimitglied.</p>
<p><strong>Ist das Schreiben im Feuilleton eigentlich mit dem Bloggen verwandt? Beides ist doch nicht so streng in Textformen gepresst und lässt auch mal Gedankenexperimente zu …</strong><br />
 Wenn ich sehe, mit welchen sprachlichen Mitteln gebloggt wird, dann machen wir eigentlich das pure Gegenteil. Wir machen Gedankenkonzentration, wir versuchen, gut und konsistent zu argumentieren und  das in eine Sprache zu fassen, die den Regeln der Grammatik und des Stils genügt. Wenn Sie die meisten Blogs anschauen, dann geht es dort sprachlich und häufig auch gedanklich drunter und drüber. Warum? Weil das schnelle Medium dazu einlädt. Weil es aber heute so viele Ablenkungsmöglichkeiten gibt, ist es eine Kunst, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Schwierigkeit liegt darin, bei enormem Angebot das herauszufiltern, was einen selbst weiterbringt. Anders gesagt: Dass man nicht zuletzt einen unendlich grossen Legokasten mit vielen halbangefangenen Modellen am Boden herumstehen hat, über die man stolpert – ab und zu bricht etwas zusammen, aber einen von A bis Z durchgestalteten Prozess gibt es kaum mehr. Das heisst: Für die Kreativität ist es eher schwieriger geworden, weil man sich disziplinieren muss. </p>
<p><strong>In meinem Umfeld schauen alle US-amerikanische Fernsehserien, von «Homeland» über «Breaking Bad» bis «The Wire». Wieso lese ich darüber im NZZ-Feuilleton kaum etwas? Online gefunden habe ich nur einen Artikel, <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/generation_tv-serie_1.8028325.html">vom 17. Oktober 2010</a>. </strong><br />
Um Himmels willen &#8211; selber schuld! Ich finde das in der Regel weder intellektuell noch ästhetisch ergiebig. Es ist eine Art von Unterhaltung, die man sich passiv hineinzieht, und wenn man am Ende die eine Serie noch mit der anderen verwechselt, ist das Chaos komplett. Wir besprechen keine Serien, das ist auch eine Frage der Ökonomie.</p>
<p><strong>«The Wire» wird mit den grossen Romanen von Tolstoj, Balzac oder Dickens verglichen.</strong><br />
Es gibt auch Leute, die Jeff Koons oder Urs Fischer mit Rembrandts Statur vergleichen. Lesen hat überdies den Vorteil, dass es die Vorstellungskraft aktiviert.</p>
<p><strong>Wie stehen Sie zur fast schon flächendeckenden Subventionierung des Kulturbetriebs?</strong><br />
 Sie sagen selbst: flächendeckend. Ich finde das tatsächlich auch nicht unproblematisch. Früher gab es praktisch keine staatliche Kulturförderung: Im 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts sind grosse Künstler fast verhungert, weil sie den Markt, das Publikum, den Gönner, den Fürsten nicht gefunden haben. Das konnte sehr hart sein, und zur Romantisierung des darbenden Künstlers besteht kein Anlass. Heute anderseits möchten viele, die sich als Künstler sehen, auch staatlich alimentiert werden. Das hat zum Teil ein fast beamtenartiges Künstlertum zur Folge. Und dies tut der Kunst auch nicht bloss gut.</p>
<p><strong>Welche Hochkultur lässt sich problemlos vom freien Markt finanzieren?</strong><br />
 Die zeitgenössische Kunst in ihren Hypes, weil sie auch immer ein ökonomischer Faktor ist. Bei den anderen Künsten ist es schwierig. Literatur ist nichts, das grundsätzlich vom Markt finanziert werden kann. Es sei denn, es geht um Bestseller, und da kommen wir auch gleich zu den Querfinanzierungen innerhalb der Verlage. Ein sich gut verkaufendes Buch von Umberto Eco finanziert auch noch drei oder vier hervorragende Lyrikbände.</p>
<p><strong>  Könnte sich das NZZ-Feuilleton auf dem freien Markt behaupten, ohne den Rest der Zeitung?</strong><br />
 Eine interessante Idee, ich kann nur sagen, ich möchte es hoffen. Aber zum Glück sind wir nur pars in toto.</p>
<p><strong>Eigentlich haben Sie ihr privates Interesse zu einem fürstlichen bezahlten Beruf gemacht, oder? Sind Sie zufrieden mit Ihrem Einkommen?</strong><br />
Fürstlich? Das ist wohl sehr relativ. Die Hauptsache ist: ich liebe meinen Beruf.</p>
<p><strong>  Sie sagten mal, es sei eine Ehre, für die NZZ zu schreiben, auf das Honorar komme es nicht an (<a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=84275">2009</a>). Können Sie sich vorstellen, dass das ein Affront ist für einen Journalisten ist, der versucht, sein Geld auf dem freien Markt zu verdienen?</strong><br />
 Ich versuche zu erklären, was ich damit – übrigens ohne jede Provokation gegenüber freien Journalisten – gemeint habe, da es zu Missverständnissen Anlass gab. Feuilleton-Berichterstattung ist sehr aufwändig. Wenn Sie ein Buch besprechen müssen, sagen wir: von 500, 1000 oder sogar 1700 Seiten wie das neue von Péter Nádas, dann müssen Sie sich überlegen, wie lange sie brauchen, um das zu lesen. Sie kommen auf eine Woche, vielleicht zwei. Dann erstellen Sie sich ein Schreibkonzept für die Rezension, schreiben den Text, polieren und redigieren ihn. Am Schluss haben Sie sicher einen halben Monat investiert. Auch wenn Sie den Stundenlohn einer Putzfrau einsetzen, kommen Sie auf eine Summe, die wir nie zahlen könnten, weil wir unter Umständen drei, vier, fünf solche Rezensionen täglich im Blatt haben. Darum sind wir auf Idealisten angewiesen, die sich das leisten können und wollen, und das sind eigentlich sehr viele, die für uns schreiben. Ohne diese Schar von freien Mitarbeitern, die bereit sind, auf eine normale Entlöhnung zu verzichten, könnten wir unser Feuilleton gar nicht machen. Ergo: Diese Art von Feuilleton wird mindestens teilweise von unseren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern subventioniert. Ich kann und darf deshalb ergänzen: Es ist uns eine Ehre, dass diese Kolleginnen und Kollegen für uns tätig werden.</p>
<p><strong>Umgekehrt heisst das aber, dass Ihr Job um so beliebter ist. Ich glaube, für ambitionierte Feuilletonisten ist Ihr Job vergleichbar mit dem des Papsts. Im Schweizer Journalismus gibt es ja nur diesen einen Job, in dem man abseits finanzieller Sorgen ähnliche Gestaltungskraft hat.</strong><br />
 Das ist wohl doch zu viel gesagt. Abgesehen davon: Ich glaube nicht, dass das Amt des Papsts besonders beliebt ist.</p>
<p><strong>Können Sie sich eigentlich ihren Nachfolger aussuchen?</strong><br />
 Das lassen wir lieber mal etwas im Dunkeln, oder sagen wir: im Ungesagten. Diese Frage müssen Sie dem Chefredaktor stellen.</p>
<p><strong>Haben Sie irgendwelche Vorgaben, was Sie im NZZ-Feuilleton machen dürfen und was nicht?</strong><br />
 Ich kann alles machen. Das einzige Kriterium: es muss gut sein. Und ich glaube, das ist es auch.</p>
<p><strong>Wie viele Leserbriefe erhalten sie pro Monat?</strong><br />
 Das ist unterschiedlich, es kommt etwas auf die Saison an. In den Sommerferien weniger.</p>
<p><strong><a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">«Journalisten sind keine Schriftsteller»</a>, sagt Roger Köppel. Einverstanden oder nicht?</strong><br />
 Das ist in der Tendenz richtig, ich würde es aber nicht so apodiktisch sagen. Es gibt hie und da auch solche Schreiberinnen und Schreiber, die sowohl journalistische als auch literarische Qualität liefern können.</p>
<p><strong>Reagiert das NZZ-Feuilleton für eine Tageszeitung nicht äusserst bedächtig auf aktuelle Ereignisse?</strong><br />
 Ganz im Gegenteil, das war vielleicht in grauer Vorzeit so. Wenn heute Nachmittag jemand stirbt, haben wir den Nachruf heute Nachmittag online und morgen im Blatt. Nein, nein, wir sind genau so aktuell wie andere Ressorts und andere Zeitungen.</p>
<p><strong>  Mein Bild des NZZ-Feuilleton-Lesers ist etwa dieses: Goldküste, Ohrensessel, Lesebrille. Und wenn es vor die Tür geht: Pelzmantel. Und Ihres?</strong><br />
 Es gibt doch keine Pelzmäntel mehr. Und Lesebrillen sind doch patent. Und wenn Sie das Feuilleton lesen, dann stimmt das ja schon gar nicht. Ich denke im übrigen nicht primär an unser Publikum. Wir müssen machen, was wir für gut halten, was uns begeistert &#8211; und das überträgt sich auch auf eine sehr breite Leserschaft. Ich habe gar nichts gegen die Goldküste. Ich habe aber auch gar nichts gegen den Kreis 5, und dort werden wir auch gelesen.</p>
<p><strong>Wie viele Stunden pro Tag sind sie aktiv im Netz unterwegs?</strong><br />
 Ich habe es nie ausgerechnet, sicher weniger als der Durchschnittsuser.</p>
<p><strong>Wie sind Sie kommunikationstechnisch ausgestattet?</strong><br />
 iPhone, iPad, alles, was man so hat.  </p>
<p><strong>Wie stehen Sie zum <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/23/%C2%ABeigentlich-geht-es-den-zeitungen-in-deutschland-prachtig%C2%BB/">«Perlentaucher»</a>? Lesen Sie die Zusammenfassungen der Feuilleton-Rundschau?</strong><br />
 Man hat Freude, wenn man gelobt wird, und ärgert sich kurz, wenn man nicht gelobt wird. Der «Perlentaucher» ist eine Dienstleistung zum Zwecke der Orientierung. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber für unsere Tätigkeit ist dies im Grunde irrelevant. Ganz grundsätzlich: Ich sehe einen Problempunkt darin, dass sich Journalisten zu sehr mit Journalismus und anderen Journalisten beschäftigen anstatt die eigentliche Arbeit zu verrichten: Themen auswählen, Gegenstände anvisieren und kritisch durchleuchten, eine Meinung bilden und die dem Publikum weitergeben.</p>
<p><strong>Das NZZ-Feuilleton bewegt sich meist abseits der Bewegungen in den deutschen Feuilletons, einige Texte könnten auch 1992 oder 1972 erschienen sein. Haben Sie auch schon mal einen alten Text einfach wieder ins Blatt gesetzt?</strong><br />
 Ganz so direkt nicht &#8211; aber das wäre ja übrigens ein Kompliment gewesen. Die Kultur ist ein grosses Erbe seit den alten Sumerern. Es gibt Bestände, die bleiben, es gibt Bestände, die wieder verschwinden. Sehr viel von heute wird wieder verschwinden, das war schon im 18. und 19. Jahrhundert der Fall. Wir rufen den Leuten immer auch in Erinnerung, was eigentlich Bedeutung, was Wert hat.</p>
<p><strong>Sollte die aktuelle Schuldenkrise den Kulturbetrieb zu massiven Einsparungen zwingen: was müsste auf jeden Fall überleben?</strong><br />
 Am liebsten alles. Ach, wissen Sie: Wenn Sie etwas zurückblicken, etwa auf das alte Ägypten: Es gibt noch Gräber, Säulen, Statuen, ein paar Pyramiden, und viel, viel ist verschwunden. Das heisst: Das einzige, was in der und für die Geschichte bleibt, sind die kulturellen Zeugnisse, die literarischen und historischen Quellen. Politik ist verschwunden, Wirtschaft ist verschwunden, es bleibt nur Kultur. Das sollte einen in Bezug auf Kultur etwas aufgeschlossener und in Bezug auf den Rest etwas bescheidener machen. Gutes Wirtschaften ist wichtig, Staatsverschuldung ist schlecht, aber, und das sollten wir nicht vergessen: was am Schluss übrig bleibt von der menschlichen Leistung, sind die Bestände der Kultur.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Martin Meyer wurde am 8. Februar 2012 in Zürich geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur/">Im Hort der Hochkultur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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