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	<title>Matthias Chapman | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wir da oben, ihr da unten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 07:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Marti]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnetz]]></category>
		<category><![CDATA[Politblog]]></category>
		<category><![CDATA[Thierry Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich mehrere Studien mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich Andrea Masüger von der «Südostschweiz» über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten» die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/03479/index.html?lang=de">mehrere Studien</a> mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002837.html">Andrea Masüger von der «Südostschweiz»</a> über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/man_koennte_es_klarer_sagen_1.10064379.html">Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten»</a> die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin nicht überraschenden Befund, dass die eingeleiteten Sparmassnahmen Auswirkungen auf die Qualität hatten, erhalten die Wissenschaftler Zustimmung von den Lesern in den Kommentaren. Die Diskrepanz zwischen den Lesern und den Entscheidungsträgern in den Printverlagen wird immer offensichtlicher &#8211; eine Gefahr für den Journalismus und die Demokratie.</p>
<p><span id="more-28799"></span><br />
Auch Thierry Meyer, Chefredaktor von «24heures», versuchte im zweisprachigen Newsnetz-Politblog zu beweisen, <a href="http://politblog.tagesanzeiger.ch/blog/index.php/115/wie-die-wissenschaft-die-medien-schlecht-macht/?lang=de">«Wie die Wissenschaft die Presse schlecht macht»</a>. Sein Text ist einigermassen überraschend, unterstellt er doch den Bakom-Studien nicht nur «Unwahrheiten», sondern auch «Inhaltsfehler, nicht überprüfbare Thesen und methodologische Lücken»  &#8211; ausserdem sei das Ganze «mit einer Selbstgefälligkeit verfasst, die man nicht einmal dem erst besten Praktikant verzeihen würde».</p>
<p>Doch noch viel mehr ins Staunen gerät, wer die 105 bisher von Lesern des Politblogs abgegebenen Meinungen dazu liest. Man muss schon sehr lange scrollen, bis man auf einen Kommentar stösst, welcher die Kritik von Meyer an den Studien verteidigt (Edith Habermann: «Ich stimme Thierry Meyer weitgehend zu.»). Die meisten Zu-Wort-Meldungen bestätigen den von der Wissenschaft ermittelten Qualitätsverlust. Das hört sich so an:</p>
<blockquote><p>Ich kann keinen wissenschaftlichen Beweis geben, aber aus Sicht eines Leser kann ich den Verfall der Medien nur bestätigen. In der Presse wird heutzutage praktisch nur noch abgeschrieben und relativ viel einfach kopiert. (&#8230;)</p>
<p>Es kopieren alle von den selben Newstickern und der Text wird eigentlich nur mehr leicht modifiziert. (&#8230;)</p>
<p>Mag sein, dass die von T. Meyer zerrissene Studie wissenschaftlich nicht überragend ist. Es würde mich aber wundern, wenn ein engagierter Journalist zufrieden wäre mit dem Tiefgang der heutigen politischen Presse. (&#8230;)</p>
<p>Ich würde behaupten, dass die Qualität seit einigen Jahren ständig leidet und dementsprechend abnimmt! (&#8230;)</p>
<p>Es ist fast schon haarsträubend wie einseitig manche Schweizer Zeitungen berichten. (&#8230;)</p>
<p>Ich finde auch, dass es mit den Medien abwaerts geht. (&#8230;)</p>
<p>Komischer Polit-Blog. Bis jetzt jammern nur die Journalisten – im ersten Beitrag, daß sie es ja nur falsch machen können und man ihnen Unterstützung der SVP andreht, und nun, daß Studien, die mangelnde Qualtiät bescheinigen, ja sooo unseriös sind. Also mit Verlaub, die Qualität der Medien, allen voran der Presse, I S T definitiv am Sinken, nicht nur in der Schweiz, aber ganz besonders in der Schweiz. (&#8230;)</p>
<p>Das finde ich ja mal interessant. Die Journalisten zitieren blind und undifferenziert aus jeder Studie die sie gerade finden und ihrer Ideologie entspricht. Erscheinen sechs (!!!) Studien, welche die schweizerische Medianlandschaft kritisieren, dann werden diese in der Luft zerrissen und unsachlich kommentiert. Genau nach dem Vorwurf, welche die Studien der schreibenden Klasse macht. Kult!</p></blockquote>
<p>Der Newsnetz-Redaktion zugute halten muss man, dass sie sich bemüht, mitzudiskutieren. So beantwortet der stellvertrendende Chefredaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/michael-marti/s.html">Michael Marti</a> einige Kommentare. Und Redaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/matthias-chapman/s.html">Matthias Chapman</a> sieht das Offensichtliche ein:</p>
<blockquote><p>Da prasselt ja ein voller Korb an Kritik auf uns Medienschaffende nieder. Ich nehme das zur Kenntnis, und gebe weiter jeden Tag mein Bestes.</p></blockquote>
<p>Ich bin überzeugt, dass viele Journalisten täglich ihr Bestes geben. Trotzdem ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung in den Verlagen bemerkenswert &#8211; und fast scheint, als würde sie direkt proportional zum Einkommen und zur Kaderstellung der Mitarbeiter zunehmen. Das Sahnehäubchen ist dann, so zu tun, als ob es diese sich im Web artikulierende Fremdwahrnehmung gar nicht geben würde.</p>
<p>Es geht nicht nur um die Beurteilung der Qualität, sondern auch um die Herangehensweise an Themen. Nehmen wir das Web: Es kommt in den Zeitungen nach wie vor zumeist negativ vor. Auch sachliche Artikel über die alltäglichen Umwälzungen, die das Web bereits verursacht hat und noch verursachen wird, erscheinen selten. Stattdessen werden Morde mit Computerspielen in Verbindung gebracht. Jugendliche pauschal als Raubkopierer verunglimpft. Publizisten als Klowand-Schmierer dargestellt. Facebook ist ein Sicherheitsrisiko. Google eine Datenkrake.</p>
<p>Keine Frage, die Einsicht, dass das Internet nicht nur Sodom und Gomorrha hervorbringt, ist verbreiteter als auch schon. In Funktionen, in denen sie etwas bewegen und entscheiden könnten, geraten Personen mit solchen Meinungen in etablierten Organisationen aber nur selten. So erreichen die publizistischen Produkte der einst die Gesellschaft so prägenden Verlage je länger je mehr nur einen ausgewählten, finanzstarken, hochgebildeten Club mit einem Durchschnittsalter weit über dem Durchschnitt der Lesenden. Die mit dem Web aufgewachsenen Jugendlichen, also der die Zukunft sichernde Nachwuchs, blättern dagegen gelangweilt in Gratispostillen und fragen sich dann zurecht, warum sie eigentlich Zeitungen lesen sollen. Suchen sie online nach Qualität, werden sie genau so enttäuscht. Geht es nach den Führungskräften der Verlage, sollen sie Zeitungen kaufen und basta! So funktioniert die Marktwirtschaft aber nicht.</p>
<p>Wertvolle publizistische Produkte erreichen die Mitte der Gesellschaft immer weniger. Was nicht verwundert, findet doch die normale Mittelschicht gar keinen Einlass mehr in die Redaktionen, von der nicht so gebildeten Unterschicht braucht man gar nicht erst zu reden. Die «Süddeutsche Zeitung» beispielsweise <a href="http://meedia.de/details-topstory/article/wie-die-sddeutsche-ihre-volontre-rekrutiert_100034371.html">verlangt</a> schon von ihren Volontären zwingend einen Studienabschluss («Abgeschlossenes Studium muss sein, am liebsten Master-Abschluss»).</p>
<p>Journalismus darf nicht als Edukationsprogramm von oben nach unten doziert werden, sozusagen als Transfer von den angeblich gescheiteren zu den angeblich dümmeren Schichten. Journalismus muss aus der Mitte der Gesellschaft für die Mitte der Gesellschaft produziert werden. Wer den Leser mit all seinen Ängsten, Sorgen und Bedürfnissen nicht ernst nimmt, muss sich nicht wundern, wenn dieser sich abwendet und sich weitaus fragwürdigeren Quellen zuwendet. Diese Entwicklung ist nicht nur für den seriösen Journalismus eine grosse Gefahr, sondern für die Demokratie überhaupt.</p>
<p><em>Zum Newsnetz-Politblog siehe auch unseren Beitrag <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">«Viel Redundanz und wenig Substanz»</a> vom 7. März 2011.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Wir da oben, ihr da unten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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