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	<title>medienspiegel.ch | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 20 Mar 2018 09:01:06 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Im Internet zu publizieren, war vor 15 Jahren noch aufregend.»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/25/im-internet-zu-publizieren-war-vor-15-jahren-noch-aufregend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2018 12:25:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[medienspiegel.ch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der «Medienspiegel» war eines der wenigen Medienblogs der Schweiz und am Ende jenes, das am längsten durchgehalten hat. Seit Dezember ist aber auch hier Schluss. Martin Hitz (58) mag nicht mehr. 15 Jahre lang begleitete er bloggenderweise den Medienwandel in der Schweiz und regte so mitunter zu epischen Kommentar-Debatten an. Den zahlreichen Gastautorinnen und -autoren <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/25/im-internet-zu-publizieren-war-vor-15-jahren-noch-aufregend/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der <a href="http://www.medienspiegel.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Medienspiegel»</a> war eines der wenigen Medienblogs der Schweiz und am Ende jenes, das am längsten durchgehalten hat. Seit Dezember ist aber auch hier Schluss. Martin Hitz (58) mag nicht mehr. 15 Jahre lang begleitete er bloggenderweise den Medienwandel in der Schweiz und regte so mitunter zu <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002521.html" rel="noopener" target="_blank">epischen Kommentar-Debatten</a> an. Den zahlreichen Gastautorinnen und -autoren dürften nicht zuletzt die Bündner Nusstorten in guter Erinnerung bleiben, mit denen Hitz ihre Kolumnen honorierte.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-52626" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Interview-Martin-Hitz-Medienspiegel_20180125-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Du hast deinen Blog «Medienspiegel» nach 15 Jahren endgültig eingestellt. Was überwiegt zwei Monate nach dem <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/008950.html" rel="noopener" target="_blank">letzten Posting</a>, Wehmut oder Erleichterung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich kann nun das sagen, was alle sagen würden: beides. Die Wehmut ist aber schon sehr gross. Ich spüre den Trennungsschmerz, schliesslich fiel mir der Entscheid nicht leicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>In den letzten Jahren hast du kaum mehr neue Beiträge gepostet. Warum hast du nicht schon früher den Stecker gezogen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Weil ich immer gedacht habe, dass es mir den Ärmel doch wieder reinzieht und ich noch einmal in Fahrt komme. Vielleicht kommt die Lust wieder, habe ich gehofft. Denn im Endeffekt war es nur eine Frage der Lust.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Was hat dich so lange dabei gehalten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Es waren die Debatten, die zum Teil extrem gehaltvoll waren. Das war ja mein einziger Lohn, ausser einmal ein zwei, dreitausend Franken für ein paar Werbebanner. Und dann kamen natürlich Twitter und Facebook und die Diskussionen verlagerten sich vermehrt auf Social Media. Irgendwann zerfledderte das Ganze.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Das einschneidendste Ereignis, das letztlich auch dazu führte, dass ich nun aufgehört habe, war sicher der Tod von Kurt Imhof.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Ab wann ging es bergab?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p> Das einschneidendste Ereignis, das letztlich auch dazu führte, dass ich nun aufgehört habe, war sicher der Tod von Kurt Imhof. Er hat immer wieder Debatten angerissen mit seiner pointierten und prägnanten und auch provokativen Art. Kurt Imhof tauchte irgendwann mal mit Kommentaren zu den Blogeinträgen auf. Wir haben uns dann auch per E-Mail ausgetauscht und trafen uns an Branchenanlässen. Aber ich war nicht mit ihm befreundet oder hätte ihn sonst gut gekannt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Der erste Eintrag im «Medienspiegel» datiert vom November 2001. Es ist ein kurzer Hinweis auf einen Artikel über Werbeeinnahmen von Online-Medien, die weit unter den Erwartungen liegen, den du für die NZZ geschrieben hast…</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>…und den man auch heute noch jeden Tag schreiben könnte.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>War es auch dieses Ewiggleiche, das dich irgendwann gelangweilt hat?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Das ist extrem der Fall. Immer wieder die gleichen Meldungen von Stellenabbau bei gleichzeitiger Versicherung der Verlage, die Qualität werde gehalten. Blablabla. Irgendwann hat man einfach genug davon. Ich wollte auch nicht zum Grumpy Old Man werden, der immer das Gleiche kritisiert. Immer nur schimpfen geht ja auch nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Als du mit dem «Medienspiegel» gestartet bist, was hattest du dir damals vorgenommen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Gar nichts. Ich habe ja nicht einmal richtig gewusst, was ein Blog ist und was man damit alles anstellen kann. Im April 2003 habe ich für die NZZ einen Artikel geschrieben <a href="https://www.nzz.ch/article8RR20-1.235602" rel="noopener" target="_blank">über Warblogs</a>, mit denen damals Freelancer aus dem Irak-Krieg berichteten. Da dachte ich, dass ich das auch ausprobieren will. Im gleichen Jahr habe ich auch noch einen Artikel über Stellenabbau in den Schweizer Medien geschrieben und da fand ich, wenn man die Journalisten schon immer dafür kritisiert, dass sie ein Thema nicht mehr weiterverfolgen, sobald sie den Artikel dazu veröffentlicht haben, dann will ich das anders machen. So habe ich fortan eigene Artikel und danach Meldungen aus anderen Medien zum gleichen Thema gepostet. Das war damals die Grundidee, dass ich meine Artikel perpetuiere.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Kommentare gab es anfänglich kaum. Wieso hat dein Publikum dann plötzlich mitzureden begonnen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Keine Ahnung. 2003 wussten auch noch nicht viele Leute, was ein Blog ist, und auch auf den Medienwebseiten konnte man ja noch nicht kommentieren. Da gab es also noch gar keine Kommentarkultur.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Leidenschaftlich gestritten wurde bei dir über das Selbstverständnis der Blogger.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Genau. Sind Blogger die besseren Journalisten? Die Debatte hat mich nie gross gekümmert. So wie ich gebloggt habe, sah ich mich auch gar nie als Journalist – abgesehen von der Rolle als Informationsvermittler, für die auch mein Herz schlägt. Ich habe mich erst in den letzten Jahren getraut, meine Meinung zu äussern und etwas zu kritisieren.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich war nah dran, die Kommentare zu schliessen. Aber das Diskussionsklima hat sich nach ein paar Jahren wieder beruhigt.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Eine besondere Rolle spielte in diesen epischen Debatten ein damals unbekannter Journalist, der unter dem <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">Pseudonym Bobby California</a> auftrat. In all den Jahren trat er stets wortreich und angriffig für die Sache des professionellen Journalismus ein und verteidigte ihn gegen das Amateurwesen der Blogger. War der hyperaktive Stammgast eine Bereicherung oder eine Belastung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Für mich war es eher eine Belastung. Den Tiefpunkt erreichten die Streitereien als die gegenseitigen Angriffe persönlich wurden und der eine dem anderen Alkoholismus vorwarf. Damals habe ich auch hintenrum moderiert und den Beteiligten E-Mails geschickt und sie zur Mässigung aufgefordert. Ich war nah dran, die Kommentare zu schliessen. Aber das Diskussionsklima hat sich nach ein paar Jahren wieder beruhigt. Am Anfang war ich beeindruckt. Er konnte gut und schnell schreiben. Wenn ich etwas gepostet habe, ging es nicht lange, bis Bobby California, zwei, drei druckreife Absätze formuliert hatte.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Also doch auch eine Bereicherung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Am Anfang auf jeden Fall. Aber mit der Zeit haben sich seine Positionen verhärtet und entsprechend reagierten auch seine Kontrahenten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Selbst hast du dich nur eingemischt, um Leute zur Mässigung zu ermahnen. Warum?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich weiss ja, was ich denke und fand es spannender zu lesen, was die anderen schreiben.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich habe nicht so das Bedürfnis, eine Meinung zu verbreiten. Darum bin ich wahrscheinlich auch nie Journalist geworden.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Dafür stehen Journalisten in der Kritik, dass sie selbst nicht mitkommentieren unter ihren Artikeln.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe nicht so das Bedürfnis, eine Meinung zu verbreiten. Darum bin ich wahrscheinlich auch nie Journalist geworden. Als Moderator und Informationsvermittler sah ich mich.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Irgendwann gingen die Kommentare spürbar zurück.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich bin ziemlich sicher, dass das mit dem Aufkommen von Twitter und Facebook zu tun hat. Die Zahl der Nutzer hat nicht nachgelassen und ist konstant bei 4-500 User pro Tag geblieben. Darum habe ich auch nie ein Business-Model gesehen für den «Medienspiegel».</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Hast du mal ein Übernahmeangebot erhalten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich wäre nicht völlig überrascht gewesen, aber es ist nie etwas gekommen. Wobei: Ursula Klein vom Kleinreport hat einmal gesagt, nachdem sie mich wegen einer ganz anderen Sache am Telefon heftig getadelt hatte, ich solle mich dann bei ihr melden, bevor ich den Blog einstelle. Das war eigentlich das einzige «Angebot».</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Zu deinem Abschiedsposting gab es gerade noch drei Kommentare. Hat man dich vergessen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe nicht mit mehr gerechnet. Auf Twitter bedauerten noch vier Leute die Einstellung. Und ein paar E-Mails habe ich auch gekriegt. Ich habe nicht mehr verdient. Die letzten anderthalb Jahre lief ja eigentlich schon nichts mehr.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Es ist halt schon ernüchternd, wenn heute über Sachen geredet wird, die man schon vor 20 Jahren diskutiert hat und keinen Schritt weiter gekommen ist.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Auf Twitter bist du als <a href="https://twitter.com/medienspiegler" rel="noopener" target="_blank">@medienspiegler</a> weiterhin präsent. Und obwohl du vorhin gesagt hast, du wolltest nicht als Grumpy Old Man wahrgenommen werden, habe ich diesen Eindruck bei deinen Tweets.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Das stimmt. Auf Twitter giftle ich gerne manchmal. Aber selten, hoffe ich. Es ist halt schon ernüchternd, wenn heute über Sachen geredet wird, die man schon vor 20 Jahren diskutiert hat und keinen Schritt weiter gekommen ist. Das sind aber nicht Hass- oder Wut-Tweets, sondern mehr Frust-Tweets…</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>…aus denen auch deine Erfahrung spricht als ehemaliger Chef von NZZ Online, wo du von 1997 bis 2001 gearbeitet hast. Warum war das die einzige Station in er Leitung von Online-Medien?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe irgendwann gemerkt, dass es too much wurde und ich musste bremsen. Als ich dann aufgehört hatte, wollte ich natürlich nicht gleich wieder einen ähnlichen Job. Zunächst dachte ich, als freier Medienjournalist arbeiten zu können. Für die Medienseite der NZZ schrieb ich ab und zu ein paar Artikel. Aber das war mir auch klar, dass das nichts wird.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Was blieb dir dann noch?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe zunächst freiberuflich als Consultant für Online-Projekte gearbeitet, konnte aber das Pensum reduzieren, weil meine Frau ihres gerade erhöht hatte. So 2003/2004 muss es gewesen sein als ich bei Stephan Russ-Mohl an der Uni Lugano beim Aufbau des <a href="http://de.ejo-online.eu/" rel="noopener" target="_blank">European Journalism Observatory EJO</a> mithalf. Ich habe dort das Konzept für die Website entwickelt und auch Artikel redigiert und übersetzt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Du hast ja Publizistikwissenschaften studiert.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Im Hauptfach Sinologie und im Nebenfach Publizistik. Ich war aber schon immer sehr medieninteressiert.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>China und Medien: Gab es da nie eine berufliche Perspektive?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>1987 suchte ich tatsächlich nach Jobs in China. Damals ging der Markt für ausländische Arbeitskräfte erst gerade auf. Ich wäre aber im Einkauf oder Verkauf gelandet und nicht in den Medien. Für eine Handelsfirma hätte ich in China Tierhaare einkaufen können für Pinsel und Bürsten. Für eine andere Firma hätte ich in China Orangensaftkonzentrat verkaufen können.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Das ist doch ziemlich medienfern…</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Etwas später, 1988/89, arbeitete ich dann in Hongkong zusammen mit meiner Frau beim «Billion»-Magazin. Das war ein Joint-Venture von Ringier und einem lokalen Verlag. Unser Jobprofil lautete: Researcher Librarian. Hier würde das Dokumentalist heissen. Fact-Checking gehörte aber auch dazu. Unser Chefredaktor war zuvor beim «Fortune»-Magazin in den USA, wo die Fact-Checking-Kultur schon sehr ausgeprägt war. Unsere Rolle ging so weit, dass die Journalisten die Recherche von Zahlen und Fakten komplett uns überliessen und am Schluss zum Beispiel nur noch schrieben, «Das Bruttosozialprodukt wuchs um xx Prozent». Wobei wir dann den korrekten Wert recherchieren und einfügen mussten.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Wenn du den Leuten kein Honorar zahlst, ausser einer Bündner Nusstorte pro Jahr als Dankeschön, dann ist das schon etwas unangenehm.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Zurück zum «Medienspiegel». Fast zehn Jahre lang schrieben bekannte Autorinne<a href="http://workzeitung.ch" rel="noopener" target="_blank"></a>n und Autoren für die Kolumne «Mediensatz». Wie fanden die zu dir?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe all meinen Mut zusammengenommen und die Leute einfach angefragt. Aber die Autorenpflege war schon auch anspruchsvoll. Am «Mediensatz» hatte ich grosse Freude, das gab dem Blog etwas Fleisch an den Knochen und ein bisschen Qualität und Image-Transfer mit den bekannten Namen. Aber wenn du den Leuten kein Honorar zahlst, ausser einer Bündner Nusstorte pro Jahr als Dankeschön, dann ist das schon etwas unangenehm. Ich hatte ja auch keine Druckmöglichkeiten in der Hand.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Beruflich bleibst du der Medienbranche erhalten. Zuletzt hast du zusammen mit deiner Frau die Website der Gewerkschaftszeitung «Work» neu konzipiert und umgesetzt.</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Medien sind schon das, wofür mein Herz schlägt. Ich wüsste nicht, wofür sonst.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Und du vermisst nicht, dass du nicht mehr intervenieren kannst?</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe ja noch Twitter und wenn ich wollte, könnte ich jederzeit wieder weiterfahren mit dem «Medienspiegel».</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Medienwoche:</h4> <p>Was nun?!</p>
</div><div class="answer"><h4>Martin Hitz:</h4> <p>Ich habe das natürlich nicht vor. Aber ich lasse die Seite stehen und schliesse einfach die Kommentarmöglichkeit. Ich habe nicht vor, wieder anzufangen. Ich brauche auch den Kick nicht mehr. Im Internet zu publizieren, war vor 15 Jahren noch aufregend. Heute ist das ja total normal.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/25/im-internet-zu-publizieren-war-vor-15-jahren-noch-aufregend/">«Im Internet zu publizieren, war vor 15 Jahren noch aufregend.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Er wird mir, uns allen fehlen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/04/er-wird-mir-uns-allen-fehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2015 07:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Schär]]></category>
		<category><![CDATA[Nachruf]]></category>
		<category><![CDATA[medienspiegel.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir pflegten uns früher auf Medienblogs zu fetzen; einmal spottete ich so über die sprachlichen Mängel einer Studie für das Bundesamt für Kommunikation, dass er eine zweite, verbesserte Fassung nachreichte. Dann lud er mich zum Essen ein: Er wollte auch verstehen, wie die Gegner tickten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir pflegten uns früher auf Medienblogs zu fetzen; einmal spottete ich so über die sprachlichen Mängel einer Studie für das Bundesamt für Kommunikation, dass er eine zweite, verbesserte Fassung nachreichte.<br />
Dann lud er mich zum Essen ein: Er wollte auch verstehen, wie die Gegner tickten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/er-wird-mir-uns-allen-fehlen/">Er wird mir, uns allen fehlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Anstand</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/04/anstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2015 06:30:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[medienspiegel.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Spörri]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurt Imhof forderte von den Medien immer wieder, sich an den bürgerlichen Prinzipien der Höflichkeit und des Anstands zu orientieren. Nicht alles, was erlaubt ist, sei auch gut. Seine Gegner waren wohl deshalb so zahlreich. Ideologisch argumentierende Wortführer nehmen sich gerne das Recht heraus, politisch unkorrekt oder eben unanständig zu sein – im Namen der <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/007782.html">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kurt Imhof forderte von den Medien immer wieder, sich an den bürgerlichen Prinzipien der Höflichkeit und des Anstands zu orientieren. Nicht alles, was erlaubt ist, sei auch gut. Seine Gegner waren wohl deshalb so zahlreich. Ideologisch argumentierende Wortführer nehmen sich gerne das Recht heraus, politisch unkorrekt oder eben unanständig zu sein – im Namen der Freiheit, im Dienste einer Wahrheit, im Kampf um ihre Sicht der Aufklärung.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/04/anstand/">Anstand</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Multiple Choice a gogo</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/28/multiple-choice-a-gogo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2015 13:53:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Fribourg]]></category>
		<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Masüger]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[medienspiegel.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Universität Freiburg hat herausgefunden, dass sich die Schweizer Journalistinnen und Journalisten in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Schuld daran sei der zunehmende Druck auf die Arbeitsbedingungen. Dies schränke die Freiheit der Berichterstattung ein; es bleibe kaum noch Zeit für vertiefte Recherchen und für die Pflege von Netzwerken, sagen die Forscher.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/28/multiple-choice-a-gogo/">Multiple Choice a gogo</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Universität Freiburg hat herausgefunden, dass sich die Schweizer Journalistinnen und Journalisten in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Schuld daran sei der zunehmende Druck auf die Arbeitsbedingungen. Dies schränke die Freiheit der Berichterstattung ein; es bleibe kaum noch Zeit für vertiefte Recherchen und für die Pflege von Netzwerken, sagen die Forscher.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/28/multiple-choice-a-gogo/">Multiple Choice a gogo</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>L’avenir und l’idée suisse oder: ein Topf voll Gratisinhalte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/26/lavenir-und-lidee-suisse-oder-ein-topf-voll-gratisinhalte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2014 18:37:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hitz]]></category>
		<category><![CDATA[medienspiegel.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Medienförderung]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Avenir Suisse]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=1826</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der wirtschaftsnahe Think Tank Avenir Suisse ist ja nicht gerade für seine interventionistischen Neigungen bekannt. Im Falle der Schweizer Medienförderungspolitik macht er aber − mehr oder weniger zähneknirschend − eine Ausnahme.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/26/lavenir-und-lidee-suisse-oder-ein-topf-voll-gratisinhalte/">L’avenir und l’idée suisse oder: ein Topf voll Gratisinhalte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der wirtschaftsnahe Think Tank Avenir Suisse ist ja nicht gerade für seine interventionistischen Neigungen bekannt. Im Falle der Schweizer Medienförderungspolitik macht er aber − mehr oder weniger zähneknirschend − eine Ausnahme. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/26/lavenir-und-lidee-suisse-oder-ein-topf-voll-gratisinhalte/">L’avenir und l’idée suisse oder: ein Topf voll Gratisinhalte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwitschern statt bellen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 12:14:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdkontrolle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Liste der eingestellten und abgewickelten Watchblogs wird länger und länger. Das Modell der selbsternannten (und oft anonymen) Medienwachhunde konnte sich in der Schweiz nicht etablieren. Dafür fassen neue Formen der Selbstkontrolle Fuss. Sie verlassen die Bühne so unauffällig, wie sie schon gekommen waren: ein letzter Text zum Abschied und dann Abgang. Manchmal schreibt noch <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/05/watchdog.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Liste der eingestellten und abgewickelten Watchblogs wird länger und länger. Das Modell der selbsternannten (und oft anonymen) Medienwachhunde konnte sich in der Schweiz nicht etablieren. Dafür fassen neue Formen der Selbstkontrolle Fuss.<br />
<span id="more-8409"></span><br />
Sie verlassen die Bühne so unauffällig, wie sie schon gekommen waren: ein letzter Text zum Abschied und dann Abgang. Manchmal schreibt noch jemand einen freundlichen Nachruf. Nach ein paar Wochen sind sie vergessen und bestenfalls noch eine Fussnote wert in der jüngeren Mediengeschichte oder Stoff für Seminararbeiten.</p>
<p>Watchblogs sind keine Erfolgsgeschichte. Zumindest in der Schweiz nicht. Lang ist die Liste der eingestellten und eingeschlafenen Projekte. Weder <a href="http://pendlerblog.blogspot.com/" target="_blank">Pendlerblog</a>, <a href="http://blattkritik.ch/" target="_blank">Blattkritik</a>, <a href="http://weltwoche.blogspot.com/" target="_blank">Weltwochenschau</a>, <a href="http://baz.twoday.net/" target="_blank">Gesammelte Bazismen</a> und wie sie alle hiessen, haben es geschafft, länger als zwei Jahre durchzuhalten. Der letzte erfolglose Versuch, ein Medium kontinuierlich kritisch zu begleiten, endete im Februar mit dem Aus für das <a href="http://superblaa.blogspot.com/" target="_blank">«Blick am Abend»-Blog</a>.</p>
<p>Als Grund für den kurzen Atem geben die selbsternannten Medienwachhunde immer das gleiche an: Auf die Dauer wird der Aufwand zu gross. Beruf und Familie vertragen ein zeitaufwändiges Hobby nur schlecht. Ausserdem geht ihnen der Stoff aus, beginnen sich die Themen zu wiederholen. Bereits vor sechs Jahren schrieb Rainer Stadler <a href="http://www.nzz.ch/2006/12/15/em/articleEQW5G.html" target="_blank">in der NZZ</a>: «Im Internet gibt es zweifellos originelle Akteure, aber als Einzeltäter fehlt ihnen der lange Atem. Jene, die sie kritisieren, halten es länger aus.»</p>
<p>Kein Zweifel, Watchblogs können einen wertvollen Beitrag zur Medienkritik leisten: Sie decken Ungereimtheiten auf, erinnern Medien an ihre selbst formulierten Ansprüche, legen den Finger auf wunde Punkte und regen zur Diskussion an; ein Angebot, das auch gerne genutzt wird, allerdings selten von den Kritisieren selbst. Und nicht zuletzt bieten Watchblogs bisweilen auch gute Unterhaltung. Das Pendlerblog verpackte seine Kritik an der Pendlerzeitung «20 Minuten» stets <a href="http://pendlerblog.blogspot.com/2006/12/best-of-pendlerblog.html" target="_blank">in Witz und Satire</a> und auch die Texte im jüngst eingestellte «Blick am Abend»-Blog enthielten meist <a href="http://superblaa.blogspot.com/2012/01/blaablog-solidaritat-fur-blick-am-abend.html" target="_blank">einen guten Schuss Ironie</a>.</p>
<p>Noch vor wenigen Jahren <a href="https://docs.google.com/open?id=0B-Zv5IS6RhDqZGU4NDU1MDYtNWMyZC00YjA3LWI5ZDAtMDJiZjk0ODQ5YTVl" target="_blank">fragte die Wissenschaft</a> allen Ernstes, ob Blogs langfristig «traditionelle Foren der Selbstregulierung wie Presseräte, Ombudsleute und vor allem die Medienkritik in den etablierten Medien verdrängen» würden. Eine Frage, die in der Schweiz heute niemand mehr stellen würde; ihr ist schlicht der Gegenstand abhandengekommen.</p>
<p>Inzwischen lautet die Frage anders: Haben Watchblogs auch deshalb ihre Schuldigkeit getan, weil sich Medienschaffende neue Formen und Foren der Medienkritik angeeignet haben? Selbstkontrolle statt Fremdkontrolle. In der Tat: Vieles, was sich sich Watchblogs einst auf die Fahne geschrieben hatten, findet man heute auf Twitter: Hinweise auf Rechtschreibefehler, Ergänzungen zu unvollständigen Recherchen, Schelte für berufsethisch zweifelhaftes Gebaren, aber auch Lob und Komplimente für gelungene Stücke; geschrieben von Menschen mit Namen und Gesicht.</p>
<p>Natürlich kann es sich auch bei der anhaltend intensiven Twitternutzung von Medienschaffenden um ein vorübergehendes Phänomen handeln, ein Hype, der abklingt, sobald die nächste Sau durchs Internet getrieben wird. Momentan weist aber nichts auf eine Twitter-Fatigue hin. Im Gegenteil: Die Nutzungsfrequenz und Debattenintensität hält sich stabil und neue Gesichter tauchen im Tagestakt auf.</p>
<p>Die Vorteile der Selbstbeobeobachtung via Twitter gegenüber dem Fremdbeobachtungsmodell der Watchblogs sind offensichtlich: Kritiker und Kritisierte begegnen sich auf Augenhöhe, weil sie sich jederzeit in vertauschten Rollen wiederfinden können. Jeder kann austeilen, muss aber auch einstecken. Es gibt keine Zentralinstanz, die Zensuren verteilt. Der Diskussionskultur ist diese egalitäre Grundstruktur durchaus zuträglich. Gehässigkeiten, wie sie in Blogkommentaren immer wieder vorkommen, begegnet man auf Twitter selten.</p>
<p>Bei allem Gewinn für eine medienkritische Debatte weist die neu gefundene öffentliche Selbstbeobachtung und -kritik auch gravierende Mängel auf: Sie bleibt oft oberflächlich, bedingt durch die Beschränkung auf Wortmeldungen à 140 Zeichen. Das reicht bestenfalls für zwei Sätze und ein Argument. Entsprechend häufig kapitulieren Diskutanten, weil sie nicht das sagen können, was sie wollten, wenn sie dazu mehr Platz hätten.</p>
<p>Als weiteres Defizit erweist sich die Flüchtigkeit von Twitter: Wer nicht im Moment dabei ist, findet die Diskussionsstränge nur mit einigem Aufwand und oft nur unvollständig. Eine Twitterdebatte mit all ihren Verästelungen abzubilden und zugänglich zu machen, erfordert einen Aufwand, den derzeit nur Wenige zu leisten bereit sind. Instrumente, die das erleichtern, wie zum Beispiel Storify, stehen zwar bereit, aber werden erst spärlich genutzt.</p>
<p>Der wohl wichtigste Vorbehalt gegenüber Twitter als Diskussionsplattform betrifft die Besitzverhältnisse der Infrastruktur: Man ist zu Gast bei einem Unternehmen und folglich gezwungen, dessen Hausordnung und Geschäftspraktiken zu akzeptieren. Wer dagegen Vorbehalte hat, drückt entweder beide Augen zu und ignoriert die <a href="https://twitter.com/tos" target="_blank">AGB</a> oder bleibt Twitter fern. Ein Dilemma, vor dem nicht steht, wer sich auf seinem eigenen Blog artikuliert.</p>
<p>Trotz dieser Mängel vermag die neue Form der (selbst)kritischen Debatte unter Medienschaffenden die Leistung der eingestellten Watchblogs weitgehend wettzumachen. Was natürlich nicht heisst, dass sich nicht auch in Zukunft bloggende Wachhunde vor den Toren der Medien postieren werden. Nur ist ihre Aufgabe nicht leichter geworden. Das wissen auch jene Medienblogger, die sich nicht als Watchdogs verstehen. Etwa Martin Hitz, der seit zehn Jahren mit seinem Blog <a href="http://www.medienspiegel.ch/" target="_blank">medienspiegel.ch</a> den Medienwandel dokumentiert. Ihm komme Twitter immer öfter in die Quere: «Was man früher in einem kurzen Abschnitt gebloggt hat, sondert man heute als kurzen Tweet ab.» Der Dynamik von Twitter kann sich offenbar niemand entziehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/">Zwitschern statt bellen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Ich war Bobby California»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 13:11:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
		<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Bobby California]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fünf Jahre lang sorgte er mit seinen scharfen Kommentaren in Online-Diskussionen zur Medienzukunft für rote Köpfe. Mit Zähnen und Klauen verteidigte ein unbekannter Journalist die Ehre seines Berufsstandes – und nervte damit einen Teil der Mitdiskutanten gehörig. Jetzt zeigt Bobby California sein Gesicht. Es gehört Andreas Gossweiler. Die MEDIENWOCHE hat ihn getroffen. Weshalb diese Aufregung? <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fünf Jahre lang sorgte er mit seinen scharfen Kommentaren in Online-Diskussionen zur Medienzukunft für rote Köpfe. Mit Zähnen und Klauen verteidigte ein unbekannter Journalist die Ehre seines Berufsstandes – und nervte damit einen Teil der Mitdiskutanten gehörig. Jetzt zeigt Bobby California sein Gesicht. Es gehört Andreas Gossweiler. Die MEDIENWOCHE hat ihn getroffen.</strong></p>
<p>Weshalb diese Aufregung? Aus der zeitlichen Distanz betrachtet, mutet die epische Debatte nachgerade bizarr an. Zum Jahresausklang 2009 lagen sich Journalisten und Blogger in den Haaren. Über fünf Tage und in hundert Kommentaren lieferten sie sich auf medienspiegel.ch einen <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002521.html" target="_blank">Schlagabtausch zur Zukunft der Medien</a> im Allgemeinen und zum Online-Journalismus im Speziellen. Sind Blogger die neuen Journalisten, was leisten Medienblogs?</p>
<p>Unerbittlich und scharf im Ton prasselten Argumente aufeinander nieder, manchmal auch Beleidigungen. Alles in allem aber grosses Kino in der kleinen Welt der Medienblogger. «Da könnte man ein super Cabaret-Stück daraus machen, wenn man es auf einer Bühne vorlesen würde», sagt ein sichtlich amüsierter Andreas Gossweiler. Der 47-jährige Journalist zählte unter seinem Pseudonym Bobby California zu den eifrigsten Debatteuren. Jetzt sitzt Gossweiler entspannt im Café Mandarin beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich, trinkt ein Mineralwasser und sieht eigentlich ganz freundlich aus. Gossweiler arbeitet als Redaktor der Zeitschrift <a href="http://www.gesundheitstipp.ch/suchen/?search_text=andreas+gossweiler&amp;search_maxage=01.01.1999&amp;search_minage=27.10.2011&amp;search_in=all&amp;search_mag=-1&amp;search_author=&amp;select_mag=false&amp;tab=artikel&amp;showopt=0&amp;dooptsearch=1" target="_blank">«Gesundheitstipp»</a>. In den Journalismus eingestiegen war der gelernte Grafiker nach einem Praktikum beim «Beobachter». Danach schrieb er als freier Journalist und als Redaktor beim Anzeiger von Uster.</p>
<p>Gossweiler hat die Monsterdebatte von Ende 2009 ausgedruckt und zum Gespräch mitgebracht; es sind 24 A-4 Seiten. Mit Leuchtmarker hat er jene Stellen markiert, wo Bobby am heftigsten angegriffen wurde. «Solche Sprache würde ich nie verwenden», verteidigt sich der Journalist. Damit meint er Kommentare, wie: «Bobby California dreht durch und kotzt über alles, was auch nur zwischen den Zeilen an seinem Ast rüttelt, auf dem er als anonymer Holzveredler sitzt.»</p>
<p>Es waren weniger Bobbys Argumente, als das pseudonyme Auftreten, das Blogger wie Christian Röthlisberger alias <a href="http://www.henusodeblog.blogspot.com/" target="_blank">bugsierer</a> zu solch heftigen Äusserungen hinreissen liessen: «Am meisten auf den Sack ging mir, dass Bobby immer den redlichen Schurni gab und gleichzeitig latent aus dem anonymen Hinterhalt auf (fast) alles schoss, was ihm vors Korn kam», schreibt Röthlisberger auf Anfrage der MEDIENWOCHE. Mit seiner mutwilligen Unkenntlichkeit trieb Gossweiler seine Gegenüber, wovon der Grossteil mit offenem Visier zum Schlagabtausch angetreten waren, regelmässig zur Weissglut und befeuerte damit eine Debatte in der Debatte.</p>
<p>Der unbändige Wunsch ihn zu enttarnen, trieb bisweilen bunte Blüten. Einmal schlug jemand vor, ihm mithilfe der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stilometrie" target="_blank">Stilometrie</a> auf die Schliche zu kommen. Doch Gossweiler gelang es, seine wahre Identität geheim zu halten. «Die totale Anonymität war aber nie mein Ziel», relativiert der Journalist sein Mimikry. «Es gab auch Leute, die wussten, dass ich Bobby bin.» Es sei ihm darum gegangen, seinen bürgerlichen Name vor der Suchmaschine Google zu verbergen.</p>
<p>Seine pseudonyme Netzidentität fand Andreas Gossweiler im Plattenregal bei <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Curt_Boettcher" target="_blank">Curt Boettcher</a>. Der wenig bekannte, und wie Gossweiler findet, geniale Songschreiber, Produzent und Sänger aus Wisconsin, schrieb einst die Songzeile: «Changed my named to Bobby California.» Und so tat es auch Gossweiler. Ab 2006 entwickelte sich der unbekannte Bobby zu einer Konstanten in der medienkritischen Online-Debatte in der Schweiz, vornehmlich auf dem <a href="http://www.google.com/search?q=%22bobby+california%22+site%3Amedienspiegel.ch&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Blog medienspiegel.ch</a> und später auch mit <a href="http://bobbycalifornia.blogspot.com/2011/04/warum-papier-praktischer-ist.html" target="_blank">seinem eigenem Blog</a>.</p>
<p>Seit ein paar Wochen ist Bobby Geschichte. Andreas Gossweiler hat genug. «Die Diskussion &#8217;neue Medien gegen alte Medien&#8216; interessiert mich nicht mehr. Da wurde alles gesagt.» Auf die nicht enden wollenden Debatten trifft das durchaus zu. Je länger die Diskussionen dauerten, desto weniger gaben sie her.</p>
<p>Dennoch kann Martin Hitz, der mit seinem Blog medienspiegel.ch dem verbalen Ringkampf eine Plattform bot, Bobbys Auftritten auch etwas Positives abgewinnen: «Ich denke, dass er vor allem die Rolle des advocatus diaboli gespielt hat – häufig etwas gar missionarisch, oft aber auch mit gut formulierten Argumenten, die immer wieder zu hitzigen, aber durchaus auch substanziellen Debatten führten.»</p>
<p>«Missionarisch» würde Gossweiler nicht auf sich sitzenlassen. Doch frei von Emotionen sei auch er nicht gewesen. «Wenn es heisst, du seist inkompetent, ist es schwierig nüchtern zu bleiben.» Das störe ihn aber nicht. Solange man anständig bleibe, dürften die Emotionen auch mal hochgehen.</p>
<p>Sein Anliegen sei eigentlich ein ganz selbstverständliches gewesen: «Mir ging es als Journalist darum aufzuzeigen, wie aufwändig professioneller Journalismus wirklich ist.» Vehement wehrte sich Bobby und wehrt sich Gossweiler gegen die Prognose, wonach Amateure, Blogger, Bürgerjournalisten, das zu leisten imstande seien, was bisher Journalisten taten. «Ein Journalist bei einem bezahlten Titel macht etwas anderes als ein Blogger oder ein Mitarbeiter einer Gratiszeitung.»</p>
<p>Das wurde mitunter so wahrgenommen, als verteufle er das ganze Web und wolle das Rad der Mediengeschichte zurückdrehen. Was sicher auch daran liegt, dass Bobby California in diesen Diskussionen, wo er kaum auf Verbündete zählen konnte, seine Positionen plakativer darstellte, als sie nun Andreas Gossweiler in einem ruhigen Gespräch unter vier Augen wiedergeben kann.</p>
<p>Andreas Gossweiler ein Netz-Phobiker? Keineswegs, wie ihm auch seine Gegenspieler attestieren. Schliesslich wusste er die Klaviatur der Online-Medien geschickt zu bedienen und baute mit einem Pseudonym eine Marke im Netz auf. Ihm sei einfach aufgefallen, dass gewisse Leute völlig unrealistische Heilserwartungen ins Internet projizierten. Und das störe ihn.</p>
<p>Seine heftigsten Widersacher, darunter auch Medienwoche-Autor und <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/27/bobby-california/" target="_blank">Blogger Ronnie Grob</a>, ziehen eine gemischte Bilanz nach fünf Jahren Bobby California: «In den Diskussionen empfand ich seine kreativen Beleidigungen belebend, leider hat seine starre Haltung viele Gespräche erschwert und langweilig gemacht.» Das Verdienst von Gossweiler und seinem pseudonymen Alter Ego sei es gewesen, konservativen Schweizer Journalisten, die den neuen Entwicklungen aus dem Web ablehnend gegenüberstehen, eine Identität gegeben zu haben. «Ich fürchte», meint Ronnie Grob weiter, «die Gruppe, die er repräsentiert, ist gar nicht so klein.»</p>
<p>Ganz ähnlich sieht es auch Christian Röthlisberger, Texter und Blogger, der den Zorn von Bobby California immer wieder auf sich gezogen hatte. «Er war für mich die Ikone eines aufgescheuchten Berufsstandes, der sich vom Netz überrollt fühlt und erst jetzt langsam-langsam-langsam aus der Deckung auftaucht.» Zu seiner <a href="http://agossweiler.wordpress.com/" target="_blank">Zukunft im Netz unter Klarnamen </a>wünscht ihm Röthlisberger Glück und zieht einen Schlussstrich unter die jahre- und ellenlangen Wortwechsel: «Die Netzgemeinde ist weniger nachtragend, als Bobby meint.»</p>
<p>So milde und versöhnlich die Worte von Grob und Röthlisberger auch gemeint sein mögen, für Bobby wären sie mit Bestimmtheit eine Steilvorlage zu einer heftigen Replik. Doch dazu kommt es nicht mehr. Bobby ist Geschichte und Andreas Gossweiler will sich nicht mehr öffentlich an der Diskussion «neue Medien gegen alte Medien» beteiligen. Als Redaktor schreibt Gossweiler weiterhin über Gesundheitsthemen und in seinem neuen Blog über <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/08/28/88/" target="_blank">sub-originelle Namen von Coiffeursalons</a>, <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/08/21/motiers-2011/" target="_blank">Kultur in der Westschweiz</a> oder <a href="http://agossweiler.wordpress.com/2011/10/15/schade-um-den-guterbahnhof/" target="_blank">bedrohtes historisches Bauerbe</a>. Themen mit vergleichsweise geringem Aufreger- und Debattenpotenzial.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/27/ich-war-bobby-california/">«Ich war Bobby California»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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