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	<title>Netzkritik | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Kollektiv der Konservativen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 10:01:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Finn Canonica]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Das Magazin» bietet dem Internetkritiker Evgeny Morozov eine unkritische Plattform. Nichts gegen Internetkritik, doch solange die grossen, auch positiven Umwälzungen durch das Netz von den etablierten Journalisten verschwiegen werden, kann keine vernünftige Debatte stattfinden. Erst recht nicht in den Schweizer Medien, wo es keine Autoren gibt, die sich kontinuierlich mit dem Thema befassen und differenzierte <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>«Das Magazin» bietet dem Internetkritiker Evgeny Morozov eine unkritische Plattform. Nichts gegen Internetkritik, doch solange die grossen, auch positiven Umwälzungen durch das Netz von den etablierten Journalisten verschwiegen werden, kann keine vernünftige Debatte stattfinden. Erst recht nicht in den Schweizer Medien, wo es keine Autoren gibt, die sich kontinuierlich mit dem Thema befassen und differenzierte Positionen entwickelt haben. Den Internet-Freunden gegenüber stehen Bewahrer des Bisherigen, die sich selbst keinesfalls als Konservative sehen möchten.<br />
<span id="more-13371"></span><br />
Wie muss ein Konservativer sein, damit er im Hause «Tages-Anzeiger» geschätzt wird? So wie Frank Schirrmacher: kapitalismuskritisch, technologiekritisch, etwas links. Im Januar 2012 reisten zwei Journalisten des «Magazins» nach Frankfurt und kehrten sichtlich beeindruckt zurück von Schirrmacher, nannten ihn «eine Art Grossfürst des deutschen Feuilletons». <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Wir-haben-eine-Krise-der-Vernunft/story/25562048">Am Samstag</a> bezeichneten ihn zwei ebenfalls nach Frankfurt gepilgerte Journalisten des «Tages-Anzeigers» einen der «wichtigsten deutschen Vordenker». Grossfürst des deutschen Feuilletons, Vordenker, darunter geht es wohl nicht. Offenbar nicht gelesen haben die vier Journalisten <a href="http://www.merkur-blog.de/2013/02/sorgfaltspflichten-wenn-frank-schirrmacher-einen-bestseller-schreibt/">diese Kritik eines Lektors an seinem Buch «Payback»</a> &#8211; nach deren Lektüre man ganz anders blickt auf den «Grossfürst».</p>
<p>Aber keine Frage, Frank Schirrmacher ist eine beachtenswerte Figur des Geisteslebens, so wie Evgeny Morozov. Darum wurde dem weissrussischen Publizist und Technologie-Kritiker Morozov wohl auch von Schirrmacher angeboten, für die FAZ die Kolumne <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/">«Silicon Demokratie»</a> zu schreiben. Sie läuft seit 2011 und setzt sich kritisch mit fehlender Kontrolle und fehlendem Schutz von Daten im Internet auseinander (zuvor schrieb Morozov <a href="http://neteffect.foreignpolicy.com/">auf Foreignpolicy.com</a>). Wer sich dafür interessieren mag, wird neue Themen finden und kann über andere Standpunkte nachdenken, kurz, der der Leser wird mit Inhalten konfrontiert, die er vermutlich noch nicht kennt, wenn er nicht schon x Bücher von Morozov gelesen hat.</p>
<p>Kommen wir zur Handlungsweise des «Magazins». Chefredaktor Finn Canonica kontaktierte am 10. März den möglichen Gesprächspartner öffentlich:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>@<a href="https://twitter.com/evgenymorozov">evgenymorozov</a> Dear Mr. Morozov, we, the biggest Swiss weekly, would like to interview you, on your new book. Where are you?</p>
<p>— Finn Canonica (@finncanonica) <a href="https://twitter.com/finncanonica/status/310648399508680705">March 10, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Schon neun Tage später konnte zwar kein Interview, jedoch ein druckreifer Artikel vermeldet werden.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Evgeny Morozov über die Zukunft der Zeitung demnächst in Das Magazin</p>
<p>— Finn Canonica (@finncanonica) <a href="https://twitter.com/finncanonica/status/314089135151407104">March 19, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Am Karsamstag dann wurde das Stück publiziert (<a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/03/29/aus-dem-aktuellen-heft-5/">bereits am Karfreitag im Blog</a>). Geschrieben hat es nicht der Chef und auch nicht einer der vielen festangestellten «Magazin»-Redaktoren, sondern <a href="http://www.kof.ethz.ch/de/ueber-uns/personen/david-iselin/">David Iselin</a>, bei der Konjunkturforschungsstelle KOF für Forschung und Unternehmenskommunikation zuständig. Ein so wichtiges Thema wie das Internet ist offenbar nicht Chefsache. Das war es auch schon 2007 nicht, als «Das Magazin» den Internetkritiker Andrew Keen 8937 Zeichen zur Verfügung stellte, um über sein Buch «Der Kult des Amateurs» zu schreiben &#8211; eine Kritik an den Amateuren, die sich heute einfach so erlauben, im Internet zu publizieren und den daraus erwachsenden, schrecklichen Folgen.</p>
<p>Der Text von Iselin bleibt an der Oberfläche, Gegenstimmen gibt es keine, im Grunde ist es eine grosse Werbeschrift für das Geschäftsmodell von Morozov, der, wie schon Keen, hauptsächlich von Büchern lebt und von Printmedien, die Geld dafür bezahlen, um ihren Lesern Internetkritik nahe zu bringen (im naiven Glauben, so überleben zu können?). Nichts gegen das Geschäftsmodell von Morozov, aber das «Magazin» ist eine Zeitschrift mit der redaktionellen Power eines Lamborghinis, da darf eine Auseinandersetzung auf einer höheren Ebene erwartet werden &#8211; warum hat nicht «Magazin»-Internetexperte Thomas Zaugg etwas geschrieben? Besser übrigens ist das einen Tag vorher erschienene <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/digital/evgeny-morozov-interview-to-save-everything-click-here-1.18055217">Morozov-Interview</a> von Henning Steier auf Nzz.ch &#8211; da geht es nicht darum, für welchen Tee sich Morozov entscheidet (Pfefferminze).</p>
<p>Es bleibt da nur die Frage, weshalb sich nicht das NZZ-Feuilleton diesen Fragen annimmt, denn da gehörten solche Reflexionen eigentlich hin. Gibt es überhaupt Schweizer Publizisten, die regelmässig erhellend über das Internet schreiben? In Deutschland gibt es Kathrin Passig, Marcel Weiss, Sascha Lobo, Kai Biermann, Dirk Von Gehlen, Mario Sixtus, Wolfgang Michal, Markus Beckedahl, Torsten Kleinz, Martin Weigert, Stefan Niggemeier und viele mehr, vom englischsprachigen Bereich ganz zu schweigen.</p>
<p>Und in der Schweiz? Findet keine Debatte über das Internet statt, nur da und dort spriesst mal ein Pflänzlein. Printpublikationen beschäftigen sich meist nicht mit den Chancen, sondern mit den Risiken des Internets. Tatsächlich lauern viele Gefahren. Vor allem für Journalisten, die eine Welt bewahren wollen, die sich grundlegend wandelt &#8211; durch das Internet. Wer glaubt, das Internet sei mehr Segen als Fluch, wird von diesen Konservativen schnell mal als «digital-religös» abgestempelt, Morozov spricht gar von «Datensexuellen», die für das Silicon Valley das seien, «was die Hipster für Brooklyn sind». Soso.</p>
<p>Ja, es gibt Leute, die unkritisch alles abfeiern, was digital ist. Doch die sind so sehr eine Minderheit wie jene, die unkritisch alles abfeiern, was nicht digital ist. Die Allermeisten, die sich Diensten wie Google, Facebook oder Twitter ein Stück weit ausliefern, sind sich dessen bewusst. Sie nehmen kostenlose Funktionalität und Gemeinschaft und treten dafür Daten und Rechte ab. In der Bilanz der Vor- und Nachteile überwiegen offenbar bei Vielen die Vorteile.</p>
<p>Statt Google ständig wiederholend als Datenkrake zu bezeichnen, Twitter als Banalitätenschleuder und Facebook als Datenmonster, sollten sich Medien endlich wirklich kritisch mit Entwicklungen im Internet auseinandersetzen. Dazu braucht es aber Fachwissen und Ausdauer, funktionieren doch Internet-Startups oft ganz anders als Betriebe, die 50 oder 100 Jahre alt sind und regelmässig Pressekonferenzen um die Ecke veranstalten. Diese Auseinandersetzung findet kaum statt, so wird der Leser dazu gezwungen, sich über internationale Blogs, unabhängige Fachmedien wie <a href="http://www.heise.de/">Heise.de</a> oder im neu gegründeten <a href="http://socialmediawatchblog.de/">Social Media Watchblog</a> zu informieren.</p>
<p>Eine echte Debatte zum Thema kann in Printmedien schon deshalb nicht aufkommen, weil die Gegenseite nicht zu Wort kommt &#8211; oder kann sich jemand an einen Titel eines Printmagazins erinnern wie «Die beste Erfindung aller Zeiten: Wir feiern das Internet»? Wenn eigene Interessen tangiert sind &#8211; das war in Deutschland bei der Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger deutlich zu sehen &#8211; <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/tag/leistungsschutzrecht/">kann man Printmedien nicht mehr vertrauen</a>. Eigene Interessen gehen vor Ausgewogenheit. Und beim ehemals journalistischen Leuchtturm «Das Magazin» scheint es mehr um das Verkaufen von Waren (wie Bücher) zu gehen als um erhellende Analysen und kritischen Journalismus.</p>
<p>Zu den wahren Konservativen unserer Zeit gehören Journalisten, die sich dem Internet verweigern. Wahrhaben möchten das die Meisten selbstverständlich nicht, halten sie sich selbst doch für äusserst progressiv (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/wir-stehen-noch-lange-nicht-da-wo-ich-sein-m%C3%B6chte-274796#.UVlK_hmEKIY">Finn Canonica 2007</a>: «Ich will wissen, was die Menschen jetzt und heute beschäftigt und über was man in einem halben Jahr reden wird, welche Ideen die unmittelbare Zukunft gestalten werden»).</p>
<p>Dabei sind alle, die einfach nur das Bewährte verteidigen, Konservative, egal, ob es sich um die Ablehnung von neuen Entwicklungen im Internet, das Bewahren von Papierzeitungen, die Akzeptanz der Homo-Ehe oder um <a href="https://agossweiler.wordpress.com/2013/03/03/13-grunde-gegen-die-schamhaar-rasur/">das Rasieren von Schamhaaren</a> geht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">Kollektiv der Konservativen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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