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	<title>Oliver Classen | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Kolumne: Wer Assange schützt, stärkt den Whistleblower-Schutz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Classen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2019 12:42:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Assange]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die drohende Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange an die USA provoziert kaum journalistische Proteste. Dabei hat die vierte Gewalt dem Whistleblower-Winkelried viel zu verdanken. Einigen Medienschaffenden dämmert das langsam – selbst in der Schweiz, dieser Bananenrepublik im Umgang mit den so wichtigen Whistleblowern. Vor knapp zwei Wochen berichtete Bloomberg exklusiv über einen Zürcher Gerichtsfall. Die <a href="https://medienwoche.ch/2019/12/19/kolumne-wer-assange-schuetzt-staerkt-den-whistleblower-schutz/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die drohende Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange an die USA provoziert kaum journalistische Proteste. Dabei hat die vierte Gewalt dem Whistleblower-Winkelried viel zu verdanken. Einigen Medienschaffenden dämmert das langsam – selbst in der Schweiz, dieser Bananenrepublik im Umgang mit den so wichtigen Whistleblowern.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-75342" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/12/MW-Kolumne-Classen-20191219a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Vor knapp zwei Wochen <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-12-06/trafigura-insider-gagged-from-discussing-accounting-by-court" target="_blank" rel="noopener">berichtete Bloomberg exklusiv</a> über einen Zürcher Gerichtsfall. Die Richter verboten demnach einem Insider auf Betreiben von dessen Ex-Arbeitgeber unter Strafandrohung, eine in Belgien gemachte Aussage in der Schweiz zu wiederholen. Für die führende Wirtschaftsnachrichtenagentur ist klar: «Das zeigt, wie wenig Schutz Informanten in der Schweiz erwarten können, weil oft das Geschäftsgeheimnis zu Hilfe gerufen wird, um Lecks zu verhindern» – eine aus amerikanischer Mediensicht offenkundig befremdliche Praxis. Bei der bereits im September erlassenen Verfügung ging es um Hinweise auf einen Buchhaltungsbetrug beim Metallhändler <a href="https://www.trafigura.com/about-us/assets-and-alliances/nyrstar/" target="_blank" rel="noopener">Nyrstar</a>, einer Tochter der Genfer Trafigura. Wie häufig bei Rohstoff-Themen, hat hierzulande nur gerade Le Temps die Meldung aufgenommen. Im Deutschschweizer Blätterwald verursachte dieser von einem ebenso umstrittenen wie einflussreichen Konzern erwirkte Maulkorb nicht mal ein leises Rauschen.</p>
<blockquote><p>Wegen seiner Enthüllung von Kriegsverbrechen im Irak will Washington nun an Julian Assange ein Exempel statuieren.</p></blockquote>
<p>Whistleblower haben in der Schweiz also gleich vier Probleme: Angriffige Arbeitgeber, schlechte Gesetze, schwache Gerichte und häufig desinteressierte Medien. Chelsea Manning bot ihre knapp 500&#8217;000 Geheimdokumente aus dem Irak- und Afghanistankrieg der US-Armee 2010 erst diversen Zeitungen an, bevor sie schliesslich Julian Assange kontaktierte. Die Folgen wurden unter dem Titel <a href="https://collateralmurder.wikileaks.org/" target="_blank" rel="noopener">«Collateral Murder»</a> weltbekannt. Die Dokumente zu Kriegsverbrechen der USA im Irak sind der Hauptgrund für das Exempel, das Washington nun an «Mister Wikileaks» statuieren will. Damit würde die Pressefreiheit substanziell verletzt.</p>
<p></p>
<p>Der <a href="https://www.nzz.ch/wirtschaft/rudolf-elmer-der-fall-im-ueberblick-ld.1427084" target="_blank" rel="noopener">Whistleblower Rudolf Elmer</a> wollte seine Kundendaten aus dem Offshore-Steuerparadies der Cayman Islands zunächst auch auf Schweizer Kanälen (darunter Public Eye) an die Öffentlichkeit bringen. Assange sprang hier ebenfalls in die Lücke und veröffentlichte die Dokumente. Vielleicht hätte sich der Trafigura-Insider auch besser an eine Enthüllungsplattform gewandt, als sich von rückgratlosen Zürcher Richtern den Mund verbieten zu lassen.</p>
<blockquote><p>Assange und Wikileaks haben der wichtigen, weil wirkungsvollen, Arbeit internationaler Investigativ-Initiativen den Weg geebnet.</p></blockquote>
<p>Neuerdings ignorieren grosse Medien brisante Insider-Informationen sogar, obwohl (oder weil?) sie von Wikileaks publiziert wurden. Jüngstes Beispiel sind die sogenannten «OPCW-Leaks», wo es um mutmasslich manipulierte Untersuchungen von Giftgaseinsätzen in Syrien geht. In der Schweiz berichtete darüber unverständlicherweise nur der Infosperber.</p>
<p>Noch alarmierender ist freilich das Schweigen wichtiger Stimmen zum Schicksal jenes in Auslieferungshaft siechenden Mannes, der Whistleblowing technisch wie publizistisch überhaupt erst ins 21. Jahrhundert katapultiert hat. Der australische Avantgardist Assange hat der wichtigen, weil wirkungsvollen, Arbeit internationaler Investigativ-Vereinigungen wie dem ICIJ oder dem OCCRP erst den Weg geebnet. Kurz: Ohne Assange kein «John Doe» – das Pseudonym der anonymen Quelle der Panama Papers.</p>
<p>Wieso hagelt es dann nicht entsprechend prominenten Protest gegen seine aktuelle Behandlung und geplante Auslieferung? Die Gründe für die Vorbehalte vieler Medienhäuser gegenüber Assange sind vielschichtig: Einerseits ist da der redaktionelle Futterneid und Konkurrenzgedanke gegenüber Wikileaks respektive deren alternativem «Geschäftsmodell», wie die WOZ das kürzlich nannte. Hinzu kommen ein verbreitetes Unbehagen wegen vermeintlich unjournalistischer Qualitätsstandards und der umstrittenen Rolle im letzten US-Wahlkampf, wo Wikileaks der Trump-Kampagne Rohstoff lieferte. Der dritte und banalste Grund fürs dröhnende Schweigen vieler Leitmedien dürfte aufmerksamkeitsökonomischer Natur sein: Nach endlosen juristischen Querelen und siebenjährigem Botschaftsasyl taugt der Alt-Star scheinbar nicht mehr für Click-trächtige Schlagzeilen.</p>
<p>Doch zum Glück wird hier und dort allmählich Gegensteuer gegeben. In Europa geht wieder mal der Guardian voran und brandmarkt die US-Anklage als «Angriff auf das fundamentale Recht der Öffentlichkeit auf relevante Informationen». Inzwischen gibt es auch eine Internet-Petition, die Medienschaffende dazu auffordert, <a href="https://speak-up-for-assange.org/" target="_blank" rel="noopener">für Julian Assange einzustehen</a>. Unter den aktuell 870 Unterzeichnenden befinden sich immerhin 56 aus der Schweiz, was wohl hauptsächlich der unabhängigen Berner Journalistin und Co-Initiantin <a href="https://twitter.com/serenatinari" target="_blank" rel="noopener">Serena Tinari</a> zu verdanken ist. Der weit überwiegende Teil stammt, wenig überraschend, aus der Romandie. Von Tamedia und SRF findet sich bislang jeweils nur gerade ein Name auf der Liste, dafür aber gleich deren vier vom rechtsliberalen «Schweizer Monat». Assange ist halt auch bezüglich seiner Sympathisanten immer für eine Überraschung gut.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/12/19/kolumne-wer-assange-schuetzt-staerkt-den-whistleblower-schutz/">Kolumne: Wer Assange schützt, stärkt den Whistleblower-Schutz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«…erfüllt die Qualitätskriterien des professionellen Journalismus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/05/19/erfuellt-die-qualitaetskriterien-des-professionellen-journalismus/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kurt Imhof]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 May 2014 13:18:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Erklärung von Bern]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Classen]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoff]]></category>
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		<category><![CDATA[Mediensprecher]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Verleihung des Pro-Litteris-Förderpreises an Oliver Classen sorgte bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff: Ein Mediensprecher und Ex-Journalist wird mit einem Journalismuspreis bedacht. Wie geht das? Was soll das? In seiner Laudatio auf den Preisträger bringt Kurt Imhof, streitbarer Medienprofessor und Leiter des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft, Klarheit in die Begriffsverwirrung. Wir dokumentieren nachfolgend Imhofs Ansprache, <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/19/erfuellt-die-qualitaetskriterien-des-professionellen-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/19/erfuellt-die-qualitaetskriterien-des-professionellen-journalismus/">«…erfüllt die Qualitätskriterien des professionellen Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Verleihung des Pro-Litteris-Förderpreises an Oliver Classen sorgte bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff: Ein Mediensprecher und Ex-Journalist wird mit einem Journalismuspreis bedacht. <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/08/journalismuspreis-fuer-ex-journalist/" target="_self">Wie geht das</a>? Was soll das? In seiner Laudatio auf den Preisträger bringt Kurt Imhof, streitbarer Medienprofessor und Leiter des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft, Klarheit in die Begriffsverwirrung. Wir dokumentieren nachfolgend Imhofs Ansprache, die er anlässlich der Preisverleihung vom 18. Mai in Zürich hielt.<br />
<span id="more-19686"></span><br />
Dieser Förderpreis für Oliver Classen und sein Grund, das Buch <a href="http://www.evb.ch/en/p19141.html" target="_blank">«Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Welt»</a>, das die Erklärung von Bern herausgibt, gab zu Raunen in der Branche Anlass. Dieses ‚Raunen’ erfolgt durchaus zu recht. Aus drei Gründen:</p>
<ol>
<li>Empörungsraunen: Die beiden Verleiher des Pro Litteris Förderpreises <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/prolitteris-preis-2014-erstmals-wurden-journalisten-ausgezeichnet-314985" target="_blank">Al Imfeld und Viktor Parma</a> haben es auf dieses Raunen abgesehen. Es ist ein wesentlicher Zweck ihrer Wahl. Sie verweisen in ihrer Begründung auf den «Grat- und Grenzgang» zu dem die Medienkrise den engagierten Journalisten zwinge und als engagierten Journalisten bezeichnen sie den Preisträger, Oliver Classen, der als Mediensprecher der Erklärung von Bern tätig ist. Ausgerechnet der zum Kampagnen-Experten mutierte Journalist, erhält einen Förderpreis für Journalismus! Da kann ja jeder Interessenvertreter einen Medienpreis bekommen. Muss der gebeutelte Journalismus nun auch noch Medienpreise mit Überläufern teilen? Empörend! Raunen ist da noch eine ziemlich zivilisierte Reaktion.</li>
<p></p>
<li>Anerkennungsraunen: Das Buch das Oliver Classen mit einem Rechercheteam verfasst und koordiniert hat, ist eine ausgezeichnete journalistische Leistung. Es beleuchtet fassettenreich ein vernachlässigtes Thema mit grossen Reputationsrisiken für die Schweiz, es ist gut geschrieben und erfüllt die Qualitätskriterien des professionellen Journalismus: Es thematisiert ein ebenso relevantes wie aktuelles Problem auf vielfältige Weise in verschiedensten journalistischen Formaten. Es ordnet die reichhaltigen Fakten der Rohstoffdrehscheibe Schweiz, ihre Geschichte, ihre schiere Grösse, ihre steuerliche Begünstigung, ihre bislang unbekannten Praktiken und Akteure sorgfältig ein, weist die Quellen detailliert aus und zieht vom ausgezeichneten Vorwort von Lukas Bärfuss «Die unangenehmen Tatsachen» bis zum Schlusswort dem Leninschen «Was tun?» einen roten Faden durch: Warum und wie muss die Rohstoffbranche reguliert und damit zivilisiert werden? Raunend äussert sich auch Anerkennung.</li>
<p></p>
<li>Verblüffungsraunen: Der real existierende Journalismus hat das Thema vernachlässigt, die Resonanz der Rohstoffbranche in den Informationsmedien entspricht in keiner Weise ihrer Bedeutung. Der «Rohstoffplatz Schweiz ist gross – schwindelerregend gross» heisst es im Buch. Es gehört zu den Bizarritäten des globalisierten Kapitalismus in der Ära des Steuer und Standortwettbewerbs, dass in der Schweiz, die bezüglich Rohstoffe zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, die grösste Rohstoffdrehscheibe der Welt mit den reichsten Zwischenhändlern entstanden ist. Damit hat sich die Schweiz – massgeblich aufgrund ihres Unternehmenssteuerregimes, fehlender Transparenzgesetze und der Nichtanwendung des Geldwäschereigesetzes auf den Rohstoffhandel – ein veritables Klumpenrisiko angelacht: Unter den 11 umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz befinden sich gemäss «HandelsZeitung» 6 Rohstofffirmen (unter Berücksichtigung der Fusion von Glencore und Xstrata) und der BIP-Anteil erreichte schon 2008 die Grössenordnung der schweizerischen Maschinenindustrie und ist heute grösser als jener der Tourismusbranche.</li>
</ol>
<p>Neben der Finanzindustrie, die sich in der jüngsten Zeit vor allem durch die Akkumulation von Reputationsproblemen, Steuergutschriften, Schuldeingeständnissen und Bussen auszeichnet, ist in kurzer Zeit eine Branche herangewachsen, deren Reputationsprobleme noch zahlreicher sind: Die Gewinnung von und die Spekulation mit Rohstoffen ist ultimatives Hardcore-Business: Vertreibungen, Ausbeutung, gefährliche Arbeitsbedingungen, Allianzen mit oft korrupten staatlichen und parastaatlichen Akteuren, Spekulation mit Nahrungsmitteln und Energie und weltweite Steueroptimierung durch internen Handel sind einige Stichworte. Wie die Finanzwirtschaft handelt es sich um eine Branche, die über kurz oder lang ebenfalls weltweit reguliert werden muss. Und genauso wie einst bei der Finanzindustrie diskontierten weder Politik noch Medien die Risiken, die sich der Schweiz stellen. Das Buch hat daran etwas verändert: Seit seiner Publikation im Herbst 2011 ist die reflexive Berichterstattung über die Schweizer Rohstoffbranche sprunghaft gestiegen. Das Buch bewirkte auch ein Verblüffungsraunen und die EvB nimmt dabei eine Pionierrolle ein.</p>
<p>Unter dem Strich steht also das Anerkennungsraunen für die journalistische Leistung und das Verblüffungsraunen durch die Wahrnehmung des Klumpenrisikos Rohstoffbranche, dem Empörungsraunen über die Be-Preisung des Mediensprechers Classen gegenüber.</p>
<p>Es ist so, der Journalismus unterliegt einem Brain Drain in die PR, er franst aus in Zwischenbereiche wo PR-Hüte und Journalismus-Hüte kaum mehr zu unterscheiden sind, er büsst an Dossierwissen und Ressortspezialisierung ein, ein guter Teil des Nachwuchses verdient seine Sporen mit Softnews und Listicles und managt die Social Media von Medien, der Rest ist im Stress, verliert an Unabhängigkeit in Mischkonzernen oder kehrt zum Weltanschauungsjournalismus zurück. Angesichts dieser neuen erosionsinduzierten Unübersichtlichkeit müssen erfahrene Vertreter der Branche wissen, was guter Journalismus ist. Beim vernachlässigten Thema Rohstoffbranche Schweiz ist eine NGO in die Wahrnehmungslücke gesprungen, hat Geld in die Hand genommen, ein Rechercheteam zusammengestellt, ein ‚währschaftes’ journalistisches Werk auf die Beine gestellt und die Lücke erschlossen. Al Imfeld und Viktor Parma wissen nicht nur was guter Journalismus ist, sie wissen auch wo er nötig ist. Hier war, ist und bleibt er nötig.</p>
<p>Oliver Classen, der das Rohstoffteam der EvB repräsentiert, erhält den Förderpreis zu Recht! Vor solchen Überläufern braucht sich die Branche nicht zu fürchten: Mehr davon! Herzliche Gratulation Oliver!</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/19/erfuellt-die-qualitaetskriterien-des-professionellen-journalismus/">«…erfüllt die Qualitätskriterien des professionellen Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Journalismuspreis für Ex-Journalist</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/04/08/journalismuspreis-fuer-ex-journalist/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Apr 2014 13:30:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Erklärung von Bern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie bitte? Ein hoch dotierter Journalismuspreis für einen Mediensprecher. Was auf den ersten Blick nach postmoderner Begriffsverwirrung aussieht, zeigt sich als ernstgemeinte Auszeichnung für die Recherche zum Rohstoffplatz Schweiz der NGO «Erklärung von Bern»; der Pro-Litteris-Förderpreis geht an Oliver Classen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Mit einem Journalismuspreis werden Journalisten für herausragende publizistische Leistungen <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/08/journalismuspreis-fuer-ex-journalist/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/08/journalismuspreis-fuer-ex-journalist/">Journalismuspreis für Ex-Journalist</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie bitte? Ein hoch dotierter Journalismuspreis für einen Mediensprecher. Was auf den ersten Blick nach postmoderner Begriffsverwirrung aussieht, zeigt sich als ernstgemeinte Auszeichnung für die Recherche zum Rohstoffplatz Schweiz der NGO «Erklärung von Bern»; der Pro-Litteris-Förderpreis geht an Oliver Classen.<br />
<span id="more-19013"></span><br />
Im Prinzip ist es ganz einfach: Mit einem Journalismuspreis werden Journalisten für herausragende publizistische Leistungen ausgezeichnet. Für andere Bereiche der öffentlichen Kommunikation gibt es auch Trophäen, aber das sind keine Journalismuspreise. Wenn ein NGO-Sprecher einen Preis erhält, kann man davon ausgehen, dass er für besonders gewiefte und gelungene PR-Leistungen gewürdigt wird. Nicht so in diesem Fall.</p>
<p>Zum dritten Mal vergibt der Kulturfonds der schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft <a href="http://www.prolitteris.ch/de/stiftung-kulturfonds-der-prolitteris/prolitteris-preis/" target="_blank">Pro Litteris einen Preis</a>. 2014 kommt erstmals der Journalismus zum Zug, nachdem in den Jahren zuvor Literatur, sowie Kunst und Fotografie ausgezeichnet wurden. Die beiden Hauptpreise erhalten in diesem Jahr die Journalisten und Autoren Al Imfeld und Viktor Parma. So weit so normal.</p>
<p>Die beiden Preisträger wiederum vergeben im Namen von Pro Litteris einen Förderpreis. Und hier folgt die Überraschung: Nicht ein Journalist, sondern der <a href="https://www.dropbox.com/sh/55yxowsgndn1ukx/ireBnFA3AV/Medienmitteilung%20%26%20Jurybegründung/PL_Preis_Pressemitteilung_D.pdf">Ex-Journalist Oliver Classen erhält die Auszeichnung</a>. Seit acht Jahren arbeitet der frühere Redaktor von Handelszeitung und Werbewoche als Mediensprecher der entwicklungspolitischen NGO «Erklärung von Bern», hat also die Seiten gewechselt. Dennoch loben ihn Imfeld und Parma, die ihn gekürt haben, als «engagierten Journalisten» und verweisen zum Beleg für ihr Urteil auf die Publikation <a href="http://www.evb.ch/en/p19141.html" target="_blank">«Rohstoff: Das gefährlichste Geschäft der Schweiz»</a>, an der Classen massgeblich mitgearbeitet hat. Während andere Kollegen <a href="https://twitter.com/ottobeobachtet/statuses/427725123077279744" target="_blank">die Nase rümpfen bei der Anwesenheit Classens</a> in Journalistenkreisen, adeln nun zwei respektierte Berufsleute seine Arbeit als «eine genuin journalistische Leistung».</p>
<p>Wie ist diese überraschende Auszeichnung einzuordnen? Die Journalisten Al Imfeld und Viktor Parma teilen und stützen mit ihrer Wahl die Argumentation Classens, wonach heute Journalismus nicht mehr (und nicht ausschliesslich) dort ermöglicht wird, wo Journalismus draufsteht. Die Medienkrise habe Classen, wie andere auch, «zu einem Grat- und Grenzgänger» gemacht, schreiben Imfeld und Parma. Das heisst aber auch, dass permanent Absturzgefahr besteht und Grenzen übertreten werden können. Dessen muss sich ein Mediensprecher, der im Namen seiner NGO journalistisch arbeitet, umso stärker bewusst sein.</p>
<p>Eine Lobbyorganisation, die mit Rechercheleistung punkten will, muss den Verdacht der interessengeleiteten Parteilichkeit glaubhaft widerlegen können. Denn ein Misstritt würde einen erheblichen Reputationsschaden nach sich ziehen. Letztlich entscheidet die (Fach)Öffentlichkeit aufgrund der vorgelegten Fakten und ihrer Interpretation, ob eine Recherche glaubwürdig und verlässlich erscheint, oder ob es sich doch nur um verkappte Propaganda handelt, die sich zum Schein ein journalistisches Mäntelchen umgehängt hat. Diesen Test hat das Werk bestanden.</p>
<p>Dennoch haftet dem Preis ein Makel an. Wie man es auch dreht und wendet: Ein Mediensprecher ist kein Journalist. Er kann zwar journalistisch arbeiten, wie Figura zeigt, aber er erfüllt hauptsächlich eine Reihe weiterer Aufgaben, die einem journalistischen Berufsverständnis teils diametral entgegenlaufen. Das Dilemma einer Jury ist es nun, dass sie nicht ein Werk als Werk auszeichnen kann, sondern nur die Köpfe dahinter. Im vorliegenden Fall wäre es aber klüger gewesen, dem Autorenteam der Rohstoff-Recherche den Preis zu verleihen und nicht einer Einzelperson. Denn zur «genuinen journalistischen Leistung» für die Oliver Classen nun den Pro-Litteris-Förderpreis erhält, haben insgesamt neun Personen beigetragen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/08/journalismuspreis-fuer-ex-journalist/">Journalismuspreis für Ex-Journalist</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2014 14:22:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Erklärung von Bern]]></category>
		<category><![CDATA[NGO]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Classen]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Otto Hostettler]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was unterscheidet eine NGO, die journalistisch recherchiert, von einer Publikation, die mit anwaltschaftlichem Journalismus politische Ziele verfolgt? Gar nicht so viel: Die einen schreiben zuerst und handeln dann. Die anderen handeln zuerst und schreiben danach. Anmerkungen zu einem Disput zwischen einem Redaktor der Zeitschrift «Beobachter» und dem Medienspercher der NGO «Erklärung von Bern». Es begann <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was unterscheidet eine NGO, die journalistisch recherchiert, von einer Publikation, die mit anwaltschaftlichem Journalismus politische Ziele verfolgt? Gar nicht so viel: Die einen schreiben zuerst und handeln dann. Die anderen handeln zuerst und schreiben danach. Anmerkungen zu einem Disput zwischen einem Redaktor der Zeitschrift «Beobachter» und dem Medienspercher der NGO «Erklärung von Bern».</strong></p>
<p>Es begann <a href="https://twitter.com/ottobeobachtet/statuses/427725123077279744" target="_blank">mit einer Frage</a>: Ein Journalist wollte wissen, was ein Lobbyist an einem <a href="http://recherche.mazblog.ch/" target="_blank">Journalisten-Anlass</a> verloren hat. Die Frage war natürlich rhetorisch gemeint. Denn für den Journalisten gibt es nur eine Antwort: Nichts hat ein Lobbyist am MAZ-Recherchetag zu suchen. Denn er steht auf der anderen Seite, ist quasi der natürliche Feind der Journalisten.</p>
<p>Aus der Frage entwickelte sich <a href="http://storify.com/nick_luethi/conversation-with-oliver-classen-ottobeobachtet-do?utm_campaign=&amp;utm_source=t.co&amp;utm_medium=sfy.co-twitter&amp;utm_content=storify-pingback&amp;awesm=sfy.co_sNnd" target="_blank">ein Disput</a>. Der Journalist (Otto Hostettler, Redaktor «Beobachter») und der Lobbyist (Oliver Classen, Mediensprecher «Erklärung von Bern») haben daraufhin <a href="http://www.werbewoche.ch/zeitung/para-journalismus-als-bedrohung-undoder-bereicherung" target="_blank">ihren Standpunkt</a> <a href="http://ottohostettler.ch/?p=1599" target="_blank">dargelegt</a>. Der Lobbyist erklärt, wieso sich seine Arbeit eigentlich gar nicht so stark von derjenigen recherchierender Journalisten unterscheide. Auch darum habe er am MAZ-Recherchetag teilgenommen. Es gehe ihm um «Erfahrungsaustausch in Sachen Quellenschutz, Öffentlichkeitsgesetz, Durchleuchtung nicht börsenkotierter Unternehmen und Verwendung von Justizdokumenten als News-Quellen», schreibt Classen.</p>
<p>Das wiederum lässt der Journalist nicht gelten. Er zieht <a href="http://ottohostettler.wordpress.com/2014/02/19/warum-ich-mich-gegen-pr-abgrenze/" target="_blank">in seiner Replik</a> einen klaren Trennstrich: «Warum ich mich gegen PR abgrenze», lautet der Blogeintrag von Otto Hostettler. Lobbyisten und PR-Leute hält er grundsätzlich für «Informationsverhinderer». Besucht ein Lobbyist einen Journalistenanlass, dann nur aus einem Grund: wegen der Kontaktpflege. «Selten versammeln sich in der Schweiz so viele neugierige, motivierte Journalistinnen und Journalisten an einem Ort. Gegen 80 an der Zahl konnte er am Recherche-Anlass auf einen Schlag treffen.»</p>
<p>Da sind sie wieder, die altbekannten Frontlinien und Feindbilder. PR gegen Journalismus und vor allem umgekehrt. So weit so langweilig. Die x-te Neuauflage des identitätsstiftenden <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/05/exklusiv-gelenkte-information/" target="_self">Abgrenzungs</a>&#8211; und <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/06/raus-aus-den-schuetzengraeben/" target="_self">Umarmungsrituals</a>. Spannend wird es im konkreten Fall bei einem genaueren Blick auf die beiden Protagonisten und ihre Arbeitgeber.</p>
<p>Otto Hostettler arbeitet beim «Beobachter». Das ist nicht irgendein <a href="http://www.axelspringer-mediapilot.ch/Medien-Portfolio-Beobachter-Gruppe_14238682.html" target="_blank">Springer-Heftli</a>, sondern eine traditionsreiche und erfolgreiche Institution in der Schweizer Medienlandschaft. Der «Beo» setzt sich nach eigener Definition gegen staatliche Willkür und andere gesellschaftliche Missstände ein. Sein politisches Programm nährt sich weniger aus einem weltanschaulichen Selbstverständnis. Es sind die Sorgen und Nöten der Leser, deren sich die Redaktion anwaltschaftlich annimmt. Und das nicht nur mit Text und Bild.</p>
<p>Regelmässig greift der «Beobachter» zu ganz handfesten politischen Instrumenten. Seit der Gründung vor bald 90 Jahren zählen dazu Kampagnen, Petitionen und Volksinitiativen. So ging es 1928 gegen die Todesstrafe, 1933 fand eine Kleidersammlung für Bergbauernkinder statt. Später folgten die erfolgreichen Begehren für eine Opferhilfe und den Gen-Schutz. Aktuell steht die Rehabilitierung der sogenannt <a href="http://www.administrativ-versorgte.ch/" target="_blank">administrativ Versorgten</a> auf dem politischen Programm. Auch dieses Anliegen wird der «Beobachter» <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/newsticker/administrativ-versorgte-sollen-rehabilitiert-werden-1.18240834" target="_blank">aller Voraussicht nach</a> als Erfolg abbuchen können. Das geht natürlich nicht ohne Lobbyarbeit. Damit die «administrativ Versorgten» rehabilitiert und entschädigt werden, müssen Kontakte zu Politikern gepflegt und hinter den Kulissen Fäden gezogen werden. Darüber liest man natürlich nichts im Heft. Journalisten können genauso als Lobbyisten auftreten, wie Lobbyisten imstande sind, eine journalistische Recherche auf den Boden zu bringen, zumal dann, wenn sie früher selbst im Journalismus tätig waren.</p>
<p>Im Vergleich zum politischen Aktivismus des «Beobachter» nehmen sich die journalistischen Aktivitäten der NGO gar nicht so grundlegend anders aus. Wenn sich eine «Erklärung von Bern» daran macht, den <a href="http://www.evb.ch/p19349.html" target="_blank">Rohstoffplatz Schweiz zu auszuleuchten</a>, dann tut sie das natürlich auch mit dem Interesse, politische Regulierung in ihrem Sinn zu forcieren. Die Recherchen sind deshalb nicht minder akkurat und gehen genauso als Journalismus durch, wie eine «Beobachter»-Recherche.</p>
<p>Die Verwandtschaft von publizistischem Aktivismus und journalistischer NGO-Arbeit gefällt nicht allen. Es sei «völlig vermessen (…), den ‹Beobachter› als Lobbyorganisation herbei zu argumentieren mit dem Ziel, die ‹Erklärung von Bern› als journalistische Kraft zu definieren», schreibt  «Beobachter»-Redaktor Otto Hostettler in seinem Blog-Eintrag. So kann nur argumentieren, wer die Rolle des «Beobachters» bewusst (?) kleinredet. Nur so lässt sich eine Trennlinie ziehen zwischen «unabhängigem» Journalismus und manipulativer Lobbyarbeit einer NGO. Doch dieser Vorwurf  fällt auf den «Beobachter» zurück. Wer einem politischen Anliegen zum Durchbruch verhelfen will, kriegt automatisch Schlagseite. Das wertet die Qualität des Journalismus überhaupt nicht ab. Im Gegenteil. Nur eine einwandfreie Recherche dient als glaubwürdige Grundlage für eine erfolgreiche Kampagne. Aber blinde Flecken bleiben. Eine harte Gegenrecherche zu einem Kampagnethema wird man nie lesen.</p>
<p>Das Beispiel zeigt: Die Trennlinie zwischen Journalismus und Lobbyarbeit, respektive politischem Aktivismus, verläuft längst nicht so deutlich, wie sie manche Journalisten gerne ziehen möchten. Der nüchterne Blick auf hybride Modelle an der Schnittstelle zwischen Journalismus und politischem Aktivismus könnte helfen, die oft mit untauglichen schwarz-weiss Schablonen geführte Debatte zu versachlichen. Das Festhalten an lieb gewonnenen Glaubenssätzen führt nicht weiter. Vielmehr gilt es genauer hinzuschauen, wer was mit welchem Interesse macht. Denn an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/10/20/kernkraft-klimawandel-kinderschnitte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Torsten Haeffner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 12:26:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[EvB]]></category>
		<category><![CDATA[Foodwatch]]></category>
		<category><![CDATA[NGO]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Classen]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Amnesty International]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Graf]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Medien fressen Nichtregierungsorganisationen aus der Hand. Unhinterfragt übernehmen sie ihre Botschaften, es geht ja schliesslich um das Gute. Das Paradoxe: Die NGOs selbst wünschten sich eine kritischere Berichterstattung. Doch fehlten den Medien das Wissen und die Ressourcen, um sich kompetent mit ihnen auseinanderzusetzen, sagen NGO-Vertreter im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Stünde Thilo Bode einem Lebensmittelkonzern <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/20/kernkraft-klimawandel-kinderschnitte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/20/kernkraft-klimawandel-kinderschnitte/">Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/10/NGO_Logos.jpg" class="alignleft" width="120" height="103" />Medien fressen Nichtregierungsorganisationen aus der Hand. Unhinterfragt übernehmen sie ihre Botschaften, es geht ja schliesslich um das Gute. Das Paradoxe: Die NGOs selbst wünschten sich eine kritischere Berichterstattung. Doch fehlten den Medien das Wissen und die Ressourcen, um sich kompetent mit ihnen auseinanderzusetzen, sagen NGO-Vertreter im Gespräch mit der MEDIENWOCHE.<br />
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Stünde Thilo Bode einem Lebensmittelkonzern vor, würden ihn die meisten Medien wohl als dreisten Propaganda-Profi bezeichnen. Denn der deutsche Chef der Nichtregierungsorganisation (NGO) Foodwatch arbeitet mit den Methoden der Denunziation und des Prangers: Mitte Juni dieses Jahres liess er Konsumentinnen und Konsumenten abstimmen. Resultat: «Zehntausende Verbraucher haben entschieden: Die Milch-Schnitte von Ferrero ist die dreisteste Werbelüge des Jahres 2011», verkündete Bode auf der <a href="http://www.abgespeist.de/der_goldene_windbeutel_2011/index_ger.html" target="_blank">massgeschneiderten Kampagnensite</a> von Foodwatch.</p>
<p>Es ist Thilo Bodes gutes Recht, gegen Ferrero zu Felde zu ziehen, so wie es jedermann freisteht, Bode zu unterstellen, ihm ginge es mit seiner Kampagne um billige Stimmungsmache in eigener Sache. Stossend ist hingegen das Verhalten der Medien: Nur wenige, darunter NZZ und Südostschweiz, sprangen nicht auf den Foodwatch-Zug auf.</p>
<p>Alle anderen, von Tagesa-Anzeiger über Basler-Zeitung, bis Spiegel-Online, und Süddeutsche-Online publizierten unisono unter dem Titel «Werbelüge» artig Bodes Botschaft, als würden sie zur Gefolgschaft von Foodwatch gehören. Kein Journalist stellte das Zustandekommen des Kampagnenresultats in Frage oder stiess sich an Bodes Auftritt. Hätte umgekehrt Ferrero per Online-Abstimmung die Milchschnitte zum «Produkt des Jahres» küren lassen, wäre ein Aufschrei durch die mediale Welt gegangen.</p>
<p>Wenn NGOs anprangern und verkünden, – Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte – zeigt ein Grossteil der Medien nachhaltige Beisshemmung. Dies ist ebenso alltäglich wie in Anbetracht des Informationsauftrags der Medien stossend und störend. Oliver Classen, Sprecher der entwicklungspolitischen NGO «Erklärung von Bern», hat eine einfache Erklärung für die Behutsamkeit vieler Medienleute: «Journalisten sympathisieren häufig mit den Zielen von NGO und verhalten sich diesen gegenüber deshalb oft unkritisch.»</p>
<p>Daniel Graf, Pressesprecher von Amnesty International Schweiz bestätigt die Beobachtung seines Kollegen: «In Anbetracht der Tatsache, dass NGOs Millionenumsätze machen, wundert es einen manchmal schon, warum von Seiten der meisten Medien fast nichts hinterfragt wird.» Wer nur schon die bekanntesten NGOs näher betrachtet, stellt schnell fest, dass sich deren Motive, Organisation und Arbeitsweise stark voneinander unterscheiden. Zu recherchieren und zu schreiben gäbe es also reichlich.</p>
<p>Doch offensichtlich fehlt es auf den Redaktionen an entsprechenden Ressourcen. «Und an Kompetenzen», ergänzt Classen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass nur wenige Schweizer Journalistinnen und Journalisten sowohl das Hintergrundwissen als auch das professionelle Rüstzeug hätten, um NGOs auszuleuchten und differenziert über ihr Wollen und Wirken zu berichten. «Die meisten beschäftigen sich ausschliesslich mit unseren Botschaften. Die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der NGOs aber, ihre sehr unterschiedlichen Strukturen und Funktionen interessieren Journalisten kaum. Diese Aufklärungsarbeit über die Aufklärer ist manchen wohl zu anstrengend.»</p>
<p>Dabei wären die NGOs selber durchaus dankbar, wenn die Medien kritischer über sie berichten würden. Graf von Amnesty ist sich sicher, dass die durch eine hinterfragende Berichterstattung entstehende öffentliche Transparenz einer NGO nur gut täte – «falls sie keine Leichen im Keller hat».</p>
<p>Vielleicht zeugt die Zurückhaltung vieler Medien in Sachen NGO-Berichterstattung aber auch schlicht von Resignation. Die Anstrengung lohnt nicht mehr. Classen und Graf sind sich sicher, dass die Relevanz der Medien mehr und mehr abnimmt. «Es gibt heute derart viele Möglichkeiten, sich zu informieren, zum Beispiel über die Hausmedien einer NGO oder zivilgesellschaftliche Web-Plattformen wie interportal.ch, campact.de oder avaaz.org, dass Print und elektronische Mainstream-Medien längst nicht mehr die einzigen Kanäle für uns sind», beobachtet Oliver Classen.</p>
<p>Umgekehrt nimmt auch die Relevanz der Medien für die NGOs ab. «Früher waren wir froh, wenn wir für eine Menschenrechtskampagne die klassischen Medien als Multiplikatoren hatten», erinnert sich Graf von Amnesty. «Heute erreichen wir mit Social- und Online-Medien wie Newsnetz, blick.ch und 20min.ch, eine viel höhere Durchschlagskraft.»</p>
<p>Damit bleibt den klassischen Medien nur noch, was Thilo Bode von Foodwatch längst schon vormacht: Spekulationen und Knalleffekte. Motto: Bloss keinen Tiefgang wagen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/20/kernkraft-klimawandel-kinderschnitte/">Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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