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	<title>Otto Hostettler | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 18 Oct 2018 10:34:27 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Hast Du es getan?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/05/14/hast-du-es-getan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 May 2014 07:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[snowden2014]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Verschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Glenn Greenwald]]></category>
		<category><![CDATA[Edward Snowden]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Stoll]]></category>
		<category><![CDATA[Otto Hostettler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Guardian-Buch «The Snowden Files» zeigt auf, dass Journalisten gar nicht vorbereitet sind auf einen Whistleblower vom Schlage eines Edward Snowden. Um solche Quellen adäquat behandeln zu können, müssen sich Journalisten beschäftigen mit Fragen zur Verschlüsselungssicherheit. Ob Schweizer Whistleblowing-Plattformen geschützt sind vor Angriffen von Geheimdiensten, bleibt unklar. «Have you done it?» Edward Snowden 1 Jahr <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/14/hast-du-es-getan/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Guardian-Buch «The Snowden Files» zeigt auf, dass Journalisten gar nicht vorbereitet sind auf einen Whistleblower vom Schlage eines Edward Snowden. Um solche Quellen adäquat behandeln zu können, müssen sich Journalisten beschäftigen mit Fragen zur Verschlüsselungssicherheit. Ob Schweizer Whistleblowing-Plattformen geschützt sind vor Angriffen von Geheimdiensten, bleibt unklar.<br />
<span id="more-19303"></span></p>
<div align="right">
<h2>«Have you done it?»</p>
<p>Edward Snowden</h2>
</div>
<p></p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 120px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"><a href="https://medienwoche.ch/tag/snowden2014/"><strong><big>1 Jahr Snowden-Leaks</big></strong></a><br />
Am 9. Juni 2013 bekannte sich <strong>Edward Snowden</strong> verantwortlich für ein Leak, das die Öffentlichkeit über das Ausmass der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten informiert. MEDIENWOCHE beschäftigt sich ein Jahr später mit der <strong>Beziehung zwischen Journalisten und Whistleblowern</strong>.</div>
<p>Im Dezember 2012 schrieb ein Leser eine E-Mail an Glenn Greenwald. Nichts aussergewöhnliches, ein Journalist vom Ruf eines Glenn Greenwald erhält täglich mehrere solcher E-Mails. Der anonym bleibende Absender schrieb: «Ich habe ein paar Sachen, die Sie interessieren könnten», und bat ihn darum, die Verschlüsselungssoftware PGP (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pretty_Good_Privacy">Pretty Good Privacy</a>) zu installieren, so dass man miteinander verschlüsselt kommunizieren könne. Greenwald fand den Wunsch zwar etwas seltsam, hätte das aber durchaus gemacht, wenn er denn genau gewusst hätte, wie. Er vergass die Sache wieder. Doch der Leser fragte ein paar Tage später nach: «Have you done it?» Und einige Tage später wieder: «Have you done it?»</p>
<p>Das ist nachzulesen im Buch «The Snowden Files» von Luke Harding (Guardian Books) ab Seite 66. Weiter ging es wie folgt:</p>
<blockquote><p>Frustriert versuchte Greenwalds unbekannter Kommunikationspartner nun eine andere Strategie. Er erstellte ein privates YouTube-Tutorial, das Schritt für Schritt aufzeigt, wie man die korrekte Verschlüsselungs-Software herunterlädt &#8211; ein «How-to»-Leitfaden für Dummies. (&#8230;)</p>
<p>Der freie Journalist schaute es sich an. Aber &#8211; von anderer Arbeit absorbiert &#8211; schaffte er es nicht, den Anweisungen zu folgen. Er vergass es. «Ich wollte es tun. Ich arbeite viel mit Hacker-Typen», sagt Greenwald. Aber letztlich: «Er hat nicht genug getan, um auf meiner Prioritätenliste vorzurücken.»</p>
<p>Fünf Monate später, während ihrer Begegnung in Hong Kong, realisiert Greenwald, dass seine Möchtegern-Quelle Ende 2012 niemand anders als Edward Snowden gewesen war.</p></blockquote>
<p>Ist es nicht ein Wahnsinn? Da meldet sich ein Informant mit Informationen aus einem Leak, das so gigantisch ist, dass es alle bisherigen in den Schatten stellt &#8211; und der Journalist hat keine Zeit, sich richtig für ihn zu interessieren. Hinzu kommt, dass sich Edward Snowden mit seiner unverschlüsselten Anfrage per E-Mail exponiert hat. Hätte die NSA Verdacht geschöpft und Snowden und/oder Greenwald als Target identifiziert und aktiv überwacht, so wäre wohl Snowden sehr rasch verhaftet worden.</p>
<p>Was für ein Einschnitt Snowdens Enthüllungen im Wissen der Öffentlichkeit über die globale Überwachung durch Geheimdienste sind, zeigen zwei Artikel in der englischsprachigen Wikipedia: die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Global_surveillance_disclosures_%281970%E2%80%932013%29">Enthüllungen von 1970 bis 2013</a> sind mit aktuell 8436 Zeichen umschrieben, die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Global_surveillance_disclosures_%282013%E2%80%93present%29">Enthüllungen seit 2013</a> fassen aktuell 170 656 Zeichen, also rund 20 Mal mehr. Von völlig anderen Ausmassen als bisherige Fälle von Whistleblowing ist der Fall Snowden nicht nur, was den Umfang des Geheimnisverrats angeht, sondern auch, was dessen Geheimhaltungsstufe angeht. Von den 251 287 im Jahr 2010 von Chelsea Manning und Wikileaks geleakten diplomatischen Berichten (<a href="http://www.wikileaks.org/cablegate.html">«Cablegate»</a>) waren lediglich 15 652 als «geheim» eingestuft und 101 748 als «vertraulich». Bei den Snowden-Enthüllungen dagegen geht es um Dokumente mit der Geheimhaltungsstufe «streng geheim» und höher. Alle bisher veröffentlichten Dokumente sind öffentlich zugänglich, die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU hat dazu ein durchsuchbares <a href="https://www.aclu.org/nsa-documents-search">NSA-Archiv</a> bereitgestellt.</p>
<p>Wie viele gute Geschichten sind wohl schon verloren gegangen, weil sich ein Journalist nicht für Sicherheitsfragen interessiert hat? Wohl viele, denn gute Journalisten, an die sich Informanten bedenkenlos wenden können, sind leider weiterhin rar &#8211; sie können sich unmöglich um jede potentielle Quelle mit der gleichen Sorgfalt widmen. Und viele gute Journalisten sind zwar gute Journalisten, aber nicht auch noch Technik-Freaks und Verschlüsselungsexperten. Ich schätze, 98 Prozent aller Journalisten, mich inklusive, hätten sich wie Greenwald verhalten, denn das Installieren einer PGP-Verschlüsselung ist zwar nicht besonders kompliziert, aber auch nicht in einer Minute gemacht. Ich schätze sogar, dass die Mehrheit aller Journalisten, obwohl ihnen Sicherheit durchaus ein Anliegen ist, nicht mal Passwörter gewählt haben, die besonders schwierig zu knacken sind.</p>
<p>«Die Verantwortung liegt bei den Journalisten, dass sie sichere Wege anbieten, über die man ohne Gefahr Kontakt aufnehmen kann. Also zum Beispiel einen sicheren Briefkasten einrichten, der technisch jede Überwachung ausschliesst», <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/glenn-greenwald-im-interview-ein-universum-von-informationen-ist-den-ermittlern-noch-unbekannt/9755592-2.html">sagte</a> Glenn Greenwald Mitte April, der dazugelernt, sich weiter entwickelt hat. Die «Welt» bietet einen <a href="http://investigativ.welt.de/anonymer-briefkasten/">anonymen Briefkasten</a> an, und der «Spiegel» einen <a href="http://www.spiegel.de/extra/spiegel/so-nehmen-informanten-sicheren-kontakt-zum-spiegel-auf-a-919921.html">öffentlichen PGP-Schlüssel</a>.</p>
<p>Auch einige Schweizer Medien bieten Online-Briefkästen an, aber ist die Kontaktaufnahme darüber wirklich sicher? Die <a href="https://www.oeffentlichkeitsgesetz.ch/deutsch/whistle-blower-line/">«Whistleblower-Line» auf Oeffentlichkeitsgesetz.ch</a> stellt einen SSL-gesicherten Datenverkehr zur Website an. Aber ist diese Kommunikation vor dem Zugriff der Geheimdienste geschützt? «Keine Ahnung», antwortet Martin Stoll, Präsident des Vereins Oeffentlichkeitsgesetz.ch, spontan &#8211; eine nachvollziehbare Antwort, wie sie ehrlicherweise jeder Techniklaie liefern muss. Das Tool werde bisher praktisch nicht benutzt und in der aktuellen Form voraussichtlich abgeschafft. Für solche Einsendungen sei die Plattform wohl einfach nicht die Richtige.</p>
<p>Die Frage, ob die Plattform <a href="https://www.sichermelden.ch/">Sichermelden.ch</a> des «Beobachters» vor der Überwachung durch Geheimdienste wie NSA oder GCHQ geschützt ist, kann Redaktor Otto Hostettler auch nicht beantworten. Jedoch könne man durchaus ausschliessen, «dass der Schweizer Staat Einsendungen über Sichermelden.ch abfangen kann», die Übermittlungskommunikation erfolge mehrfach verschlüsselt. Vor der NSA sei man vermutlich «etwa gleich sicher wie vor einem Lauschangriff der chinesischen Mafia». Die konkreten Sicherheitsbemühungen des Portals, das wöchentlich um die zehn Einsendungen erhält, «wovon allerdings längst nicht alle Whistleblower-Charakter haben», sind in einem <a href="http://www.beobachter.ch/dossiers/whistleblowing/artikel/wwwsichermeldench_keine-sicherheitsluecke-beim-beobachter/">Beitrag auf Sichermelden.ch</a> nachzulesen.</p>
<p>Und wie verschlüsselt man nun konkret seine Daten? Der Beitrag <a href="https://pressfreedomfoundation.org/encryption-works">«Encryption Works: How to Protect Your Privacy in the Age of NSA Surveillance»</a> auf pressfreedomfoundation.org gibt darüber Auskunft. Mehr erfahren Sie auch in den nächsten Folgen <a href="https://medienwoche.ch/tag/snowden2014/">unserer Serie</a>.</p>
<p><small>Übersetzungen: Ronnie Grob</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/05/14/hast-du-es-getan/">«Hast Du es getan?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2014 14:22:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Classen]]></category>
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		<category><![CDATA[Otto Hostettler]]></category>
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		<category><![CDATA[Erklärung von Bern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was unterscheidet eine NGO, die journalistisch recherchiert, von einer Publikation, die mit anwaltschaftlichem Journalismus politische Ziele verfolgt? Gar nicht so viel: Die einen schreiben zuerst und handeln dann. Die anderen handeln zuerst und schreiben danach. Anmerkungen zu einem Disput zwischen einem Redaktor der Zeitschrift «Beobachter» und dem Medienspercher der NGO «Erklärung von Bern». Es begann <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was unterscheidet eine NGO, die journalistisch recherchiert, von einer Publikation, die mit anwaltschaftlichem Journalismus politische Ziele verfolgt? Gar nicht so viel: Die einen schreiben zuerst und handeln dann. Die anderen handeln zuerst und schreiben danach. Anmerkungen zu einem Disput zwischen einem Redaktor der Zeitschrift «Beobachter» und dem Medienspercher der NGO «Erklärung von Bern».</strong></p>
<p>Es begann <a href="https://twitter.com/ottobeobachtet/statuses/427725123077279744" target="_blank">mit einer Frage</a>: Ein Journalist wollte wissen, was ein Lobbyist an einem <a href="http://recherche.mazblog.ch/" target="_blank">Journalisten-Anlass</a> verloren hat. Die Frage war natürlich rhetorisch gemeint. Denn für den Journalisten gibt es nur eine Antwort: Nichts hat ein Lobbyist am MAZ-Recherchetag zu suchen. Denn er steht auf der anderen Seite, ist quasi der natürliche Feind der Journalisten.</p>
<p>Aus der Frage entwickelte sich <a href="http://storify.com/nick_luethi/conversation-with-oliver-classen-ottobeobachtet-do?utm_campaign=&amp;utm_source=t.co&amp;utm_medium=sfy.co-twitter&amp;utm_content=storify-pingback&amp;awesm=sfy.co_sNnd" target="_blank">ein Disput</a>. Der Journalist (Otto Hostettler, Redaktor «Beobachter») und der Lobbyist (Oliver Classen, Mediensprecher «Erklärung von Bern») haben daraufhin <a href="http://www.werbewoche.ch/zeitung/para-journalismus-als-bedrohung-undoder-bereicherung" target="_blank">ihren Standpunkt</a> <a href="http://ottohostettler.ch/?p=1599" target="_blank">dargelegt</a>. Der Lobbyist erklärt, wieso sich seine Arbeit eigentlich gar nicht so stark von derjenigen recherchierender Journalisten unterscheide. Auch darum habe er am MAZ-Recherchetag teilgenommen. Es gehe ihm um «Erfahrungsaustausch in Sachen Quellenschutz, Öffentlichkeitsgesetz, Durchleuchtung nicht börsenkotierter Unternehmen und Verwendung von Justizdokumenten als News-Quellen», schreibt Classen.</p>
<p>Das wiederum lässt der Journalist nicht gelten. Er zieht <a href="http://ottohostettler.wordpress.com/2014/02/19/warum-ich-mich-gegen-pr-abgrenze/" target="_blank">in seiner Replik</a> einen klaren Trennstrich: «Warum ich mich gegen PR abgrenze», lautet der Blogeintrag von Otto Hostettler. Lobbyisten und PR-Leute hält er grundsätzlich für «Informationsverhinderer». Besucht ein Lobbyist einen Journalistenanlass, dann nur aus einem Grund: wegen der Kontaktpflege. «Selten versammeln sich in der Schweiz so viele neugierige, motivierte Journalistinnen und Journalisten an einem Ort. Gegen 80 an der Zahl konnte er am Recherche-Anlass auf einen Schlag treffen.»</p>
<p>Da sind sie wieder, die altbekannten Frontlinien und Feindbilder. PR gegen Journalismus und vor allem umgekehrt. So weit so langweilig. Die x-te Neuauflage des identitätsstiftenden <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/05/exklusiv-gelenkte-information/" target="_self">Abgrenzungs</a>&#8211; und <a href="https://medienwoche.ch/2013/11/06/raus-aus-den-schuetzengraeben/" target="_self">Umarmungsrituals</a>. Spannend wird es im konkreten Fall bei einem genaueren Blick auf die beiden Protagonisten und ihre Arbeitgeber.</p>
<p>Otto Hostettler arbeitet beim «Beobachter». Das ist nicht irgendein <a href="http://www.axelspringer-mediapilot.ch/Medien-Portfolio-Beobachter-Gruppe_14238682.html" target="_blank">Springer-Heftli</a>, sondern eine traditionsreiche und erfolgreiche Institution in der Schweizer Medienlandschaft. Der «Beo» setzt sich nach eigener Definition gegen staatliche Willkür und andere gesellschaftliche Missstände ein. Sein politisches Programm nährt sich weniger aus einem weltanschaulichen Selbstverständnis. Es sind die Sorgen und Nöten der Leser, deren sich die Redaktion anwaltschaftlich annimmt. Und das nicht nur mit Text und Bild.</p>
<p>Regelmässig greift der «Beobachter» zu ganz handfesten politischen Instrumenten. Seit der Gründung vor bald 90 Jahren zählen dazu Kampagnen, Petitionen und Volksinitiativen. So ging es 1928 gegen die Todesstrafe, 1933 fand eine Kleidersammlung für Bergbauernkinder statt. Später folgten die erfolgreichen Begehren für eine Opferhilfe und den Gen-Schutz. Aktuell steht die Rehabilitierung der sogenannt <a href="http://www.administrativ-versorgte.ch/" target="_blank">administrativ Versorgten</a> auf dem politischen Programm. Auch dieses Anliegen wird der «Beobachter» <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/newsticker/administrativ-versorgte-sollen-rehabilitiert-werden-1.18240834" target="_blank">aller Voraussicht nach</a> als Erfolg abbuchen können. Das geht natürlich nicht ohne Lobbyarbeit. Damit die «administrativ Versorgten» rehabilitiert und entschädigt werden, müssen Kontakte zu Politikern gepflegt und hinter den Kulissen Fäden gezogen werden. Darüber liest man natürlich nichts im Heft. Journalisten können genauso als Lobbyisten auftreten, wie Lobbyisten imstande sind, eine journalistische Recherche auf den Boden zu bringen, zumal dann, wenn sie früher selbst im Journalismus tätig waren.</p>
<p>Im Vergleich zum politischen Aktivismus des «Beobachter» nehmen sich die journalistischen Aktivitäten der NGO gar nicht so grundlegend anders aus. Wenn sich eine «Erklärung von Bern» daran macht, den <a href="http://www.evb.ch/p19349.html" target="_blank">Rohstoffplatz Schweiz zu auszuleuchten</a>, dann tut sie das natürlich auch mit dem Interesse, politische Regulierung in ihrem Sinn zu forcieren. Die Recherchen sind deshalb nicht minder akkurat und gehen genauso als Journalismus durch, wie eine «Beobachter»-Recherche.</p>
<p>Die Verwandtschaft von publizistischem Aktivismus und journalistischer NGO-Arbeit gefällt nicht allen. Es sei «völlig vermessen (…), den ‹Beobachter› als Lobbyorganisation herbei zu argumentieren mit dem Ziel, die ‹Erklärung von Bern› als journalistische Kraft zu definieren», schreibt  «Beobachter»-Redaktor Otto Hostettler in seinem Blog-Eintrag. So kann nur argumentieren, wer die Rolle des «Beobachters» bewusst (?) kleinredet. Nur so lässt sich eine Trennlinie ziehen zwischen «unabhängigem» Journalismus und manipulativer Lobbyarbeit einer NGO. Doch dieser Vorwurf  fällt auf den «Beobachter» zurück. Wer einem politischen Anliegen zum Durchbruch verhelfen will, kriegt automatisch Schlagseite. Das wertet die Qualität des Journalismus überhaupt nicht ab. Im Gegenteil. Nur eine einwandfreie Recherche dient als glaubwürdige Grundlage für eine erfolgreiche Kampagne. Aber blinde Flecken bleiben. Eine harte Gegenrecherche zu einem Kampagnethema wird man nie lesen.</p>
<p>Das Beispiel zeigt: Die Trennlinie zwischen Journalismus und Lobbyarbeit, respektive politischem Aktivismus, verläuft längst nicht so deutlich, wie sie manche Journalisten gerne ziehen möchten. Der nüchterne Blick auf hybride Modelle an der Schnittstelle zwischen Journalismus und politischem Aktivismus könnte helfen, die oft mit untauglichen schwarz-weiss Schablonen geführte Debatte zu versachlichen. Das Festhalten an lieb gewonnenen Glaubenssätzen führt nicht weiter. Vielmehr gilt es genauer hinzuschauen, wer was mit welchem Interesse macht. Denn an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/06/an-ihren-taten-sollt-ihr-sie-erkennen/">An ihren Taten sollt ihr sie erkennen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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