<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Pierin Vincenz | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/pierin-vincenz/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 14 Apr 2022 06:43:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.1</generator>
	<item>
		<title>Fall Vincenz in den Medien: Das Ende einer Affäre</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/14/das-ende-einer-affaere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Apr 2022 06:13:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pierin Vincenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=96492</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte von Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist auch eine Mediengeschichte: Keinem anderen Manager liess die Schweizer Presse mehr durchgehen. Wie konnte ihm eine ganze Journalisten-Generation so hörig werden?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/14/das-ende-einer-affaere/">Fall Vincenz in den Medien: Das Ende einer Affäre</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichte von Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist auch eine Mediengeschichte: Keinem anderen Manager liess die Schweizer Presse mehr durchgehen. Wie konnte ihm eine ganze Journalisten-Generation so hörig werden?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/14/das-ende-einer-affaere/">Fall Vincenz in den Medien: Das Ende einer Affäre</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die NZZ im Vincenz-Prozess</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/13/die-nzz-im-vincenz-prozess/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Apr 2022 06:41:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pierin Vincenz]]></category>
		<category><![CDATA[Zoé Baches]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=96509</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Wirtschaftsjournalistin ist wohl diejenige Person, die den Fall Raiffeisen – abgesehen von den Richtern und Parteivertretern – am besten kennt. Wie hat Zoé Bacches den Prozess erlebt? Was erscheint aus journalistischer Sicht bemerkenswert? Wie berichtet man über einen solchen Straffall? Handelt es sich um investigativen Journalismus?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/13/die-nzz-im-vincenz-prozess/">Die NZZ im Vincenz-Prozess</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wirtschaftsjournalistin ist wohl diejenige Person, die den Fall Raiffeisen – abgesehen von den Richtern und Parteivertretern – am besten kennt. Wie hat Zoé Bacches den Prozess erlebt? Was erscheint aus journalistischer Sicht bemerkenswert? Wie berichtet man über einen solchen Straffall? Handelt es sich um investigativen Journalismus?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/13/die-nzz-im-vincenz-prozess/">Die NZZ im Vincenz-Prozess</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fall Vincenz: Geheucheltes aus der Weltwoche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Mar 2018 11:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Pierin Vincenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=54741</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz werde eine «Hexenjagd» betrieben, die Unschuldsvermutung mit Füssen getreten, schimpft die Weltwoche – so wie sie es im Fall Hildebrand tat. Ist der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ein Hexer, hat er sich unziemlich bereichert, sitzt er zu Recht in Untersuchungshaft? Oder wird hier «eine geifernde Hexenjagd» betrieben, wie Roger <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/">Fall Vincenz: Geheucheltes aus der Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz werde eine «Hexenjagd» betrieben, die Unschuldsvermutung mit Füssen getreten, schimpft die Weltwoche – so wie sie es im Fall Hildebrand tat.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-54743" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/03/MW-Weltwoche-Fall-Vinzenz_20180312-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ist der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ein Hexer, hat er sich unziemlich bereichert, sitzt er zu Recht in Untersuchungshaft? Oder wird hier «eine geifernde Hexenjagd» betrieben, wie <a href="https://www.weltwoche.ch/ausgaben/2018-10/artikel/eine-gemeinheit-die-weltwoche-ausgabe-10-2018.html" rel="noopener" target="_blank">Roger Köppel in seinem Editorial</a> schäumt? Ist es gar «eine ausgemachte Gemeinheit, wie der Ex-Banker und seine Familie ohne Gerichtsurteil jetzt durch den medialen Fleischwolf gedreht werden»? Köppel konstatiert «eine journalistische Verwilderung des Rechtsstaats» und lässt seinen Wirtschaftsredaktor Beat Gygi eine mehrseitige Verteidigungsschrift für den tief gefallenen ehemaligen Star-Banker verfassen.</p>
<p>Alles erlaubt, alles Business as usual bei der Weltwoche, die reflexartig gegen den Mainstream schwimmen will, sei das beim Klimawandel oder indem sie Vincenz immer noch amtierenden Kollegen, dem Versagerrat Urs Rohner von der Credit Suisse, Gelegenheit einräumt, über Seiten Sprechblasen zu blubbern («wir können und werden profitabler werden»). Allerdings hat Köppel tatsächlich die Chuzpe, in seiner Philippika gegen die Medien auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aff%C3%A4re_Hildebrand" rel="noopener" target="_blank">die Affäre Hildebrand</a> zu erwähnen, in dem «sich das vorverurteilende Getöse in nichts anderes als heisse Luft auflöste». Er bezieht sich dabei allerdings auf die Strafuntersuchung gegen Christoph Blocher und hofft auf das Kurzzeitgedächtnis des Lesers. Denn der damalige Skandal war von der Weltwoche verursacht.</p>
<p>Kurze Rückblende: Philipp Hildebrand, der damalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, stolperte über ein Währungsgeschäft, das vom Konto seiner im Kunsthandel aktiven Gattin getätigt wurde. Die Weltwoche brachte diesen Vorgang ans Licht, unter Verwendung gestohlener und in der Faksimile-Darstellung manipulierter Bankunterlagen der Familie Hildebrand. Sie fabulierte von einem «Riesenskandal», gar einer «Staatsaffäre», Hildebrand habe sich «illegal Vorteile erschlichen», sich als «Gauner entpuppt», natürlich müsse er zurücktreten, forderte die Weltwoche. Ohne jede Rücksicht auf eine allfällige Unschuldsvermutung – oder das sonst von ihr stramm verteidigte Bankgeheimnis. Zudem ramponierte der damalige Weltwoche-Redaktor Urs-Paul Engeler seinen Ruf, indem er fälschlicherweise behauptete, es sei eine Strafanzeige gegen Hildebrand eingereicht und er habe mit mehreren Informanten gesprochen und mit einer Quelle namens «Deep Throat II» Kontakt gehabt. Damit wollte Engeler einen Watergate-Groove schaffen, also seine «Recherche» in den Rang der Aufklärungsarbeit der «Washington Post» heben, die zu Rücktritt von Richard Nixon führte und bei der die Reporter von einer hochrangigen Quelle mit dem Decknamen «Deep Throat» angefüttert wurden.</p>
<p>Die helvetische Wirklichkeit und das journalistische Niveau von Engeler waren dann aber doch eher kläglich. Wie jeder angehende Journalist in Grundkursen lernt, sollte jede zugespielte Information von einer zweiten, unabhängigen Quelle bestätigt werden, so skandalös und verführerisch sie auch sein mag. So hielten es die Reporter der «Washington Post», deshalb hatten sie Erfolg und fielen nicht auf die Schnauze. Engeler hingegen hatte im Gegensatz zu seinen Behauptungen nur mit einem Mittelsmann einer einzigen Quelle Kontakt, nicht mal direkt mit dieser. Deshalb fielen die Weltwoche und Engeler furchtbar auf die Schnauze. Hildebrand trat zwar unter dem Dauerfeuer des Blatts und nicht zuletzt wegen seiner äusserst ungeschickten Informationspolitik zurück. Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hatte, stellte sich nach umfangreichen Untersuchungen allerdings heraus: Er hatte nichts Illegales getan, wurde wegen nichts verurteilt. Es mag ungeschickt oder anrüchig gewesen sein, dass seine Frau Währungsgeschäfte tätigte. Aber bei Hildebrand bestätigte sich die Unschuldsvermutung. Die von der gleichen Weltwoche grobfahrlässig verletzt worden war, die sich nun heuchlerisch über das gleiche Vorgehen bei Vincenz erregt.</p>
<p>Diese Doppelmoral beschädigt das ohnehin schon lädierte Image der Weltwoche. Zudem ist ihr stellvertretender Chefredaktor Philipp Gut wegen «übler Nachrede» zu einer bedingten Geldstrafe, einer Busse und einer Prozessentschädigung von über 30&#8217;000 Franken <a href="http://www.persoenlich.com/medien/philipp-gut-der-ublen-nachrede-schuldig-gesprochen" rel="noopener" target="_blank">verurteilt</a>. Hier gilt also die Unschuldsvermutung definitiv nicht mehr, man kann sich den Kalauer erlauben: Die Weltwoche ist gut und gerne für eine üble Nachrede gut. Das Blatt überschreitet gesetzliche Grenzen und wird dafür sanktioniert. Es kann sich so wenig zum Kronzeugen für das Hochhalten der Unschuldsvermutung aufplustern wie eine Prostituierte ihre Jungfräulichkeit behaupten darf. Aber das löst natürlich das dahinterstehende Problem nicht.</p>
<p>Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich langsam. Es wäre weltfremd und absurd, die Unschuldsvermutung so zu verstehen, dass sich die Medien jeglicher Berichterstattung zu enthalten hätten, bis ein Übeltäter rechtskräftig, das heisst sogar bis nach dem ganzen Instanzenzug bis zum Bundesgericht, verurteilt ist. Es wäre unsinnig und sogar der Demokratie und der Gesellschaft abträglich, wenn belastende Informationen, Dokumente, die eine Schummelei, eine Schweinerei, einen Beschiss, einen Betrug, eine unstatthafte Bereicherung, ein Fehlverhalten, ein Verbrechen zu belegen scheinen, nicht öffentlich verwendet würden. Es wäre hirnrissig, aus diesem Grund selbst die Meldung darüber, dass Vincenz in Untersuchungshaft sitzt, zu unterlassen. Dass damit der Ruf, die Reputation einer Person, einer Institution, einer Firma geschädigt wird, muss als Kollateralschaden hingenommen werden, wenn sich am Schluss deren rechtlicher Unschuld herausstellt. Zudem gibt es noch das weite Feld zwischen illegal und erlaubt, aber anrüchig, unstatthaft, unanständig, übelriechend.</p>
<p>Allerdings müssen in solchen Fällen geschriebene und ungeschriebene Benimmregeln eingehalten werden, bevor sich ein Medium zur Veröffentlichung von Anschuldigungen entscheidet. Denn es war ja weder im Fall Hildebrand noch im Fall Vincenz das erste Mal, dass einer in der Öffentlichkeit stehenden Person fragwürdiges und sogar möglicherweise strafrechtlich relevantes Handeln vorgeworfen wurde. Je nach Schwere der Vorwürfe, je nach Verhalten der Person, je nach dem Urteil der Öffentlichkeit kann eine solche Meldung tatsächlich dazu führen, dass diese Person «erledigt» ist. Ihre Reputation einen unheilbaren Schaden erlitten hat, sie von ihren Ämtern zurücktreten muss, finanziellen Schaden erleidet, die Karriere beendet ist – obwohl sich am Schluss zumindest rechtlich die Unschuld herausstellt. In diesem Fall ist ein unheilbarer Schaden entstanden. Stossend, ungerecht, furchtbar für den Betroffenen. Dennoch muss das als Kollateralschaden akzeptiert werden. Weil die Überdehnung der Unschuldsvermutung verhindern würde, dass jede Menge Schweinereien, Mauscheleien, illegale, kriminelle, schändliche Handlungen und Verhaltensweisen aufgedeckt würden.</p>
<p>Um die Möglichkeit eines Kollateralschadens zu vermindern, gibt es Regeln und Schutzmechanismen. Zunächst einmal muss die beschuldigte Person (das Gleiche gilt natürlich auch für Institutionen und Firmen) vor Veröffentlichung mit den Vorwürfen konfrontiert werden und die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten. Damit hat sie die Chance, entweder mit der juristischen Keule (superprovisorische Verfügung auf Unterlassung der Veröffentlichung oder rechtliche Schritte in Sachen üble Nachrede usw.) zu drohen. Oder die Anschuldigungen als falsch zurückzuweisen. Oder eigenes Fehlverhalten einzuräumen und sich dafür zu entschuldigen. Was meistens, im persönlichen Bereich eigentlich immer, zu einem schnellen Ende des Skandals führt. Der ehemalige CVP-Präsident Christophe Darbellay hat das im Fall seines Seitensprungs mit Fruchtfolge grossartig vorexerziert. Völlig zu Recht wurde über dieses Fehlverhalten eines christlichen Politikers berichtet, der sich heuchlerisch als bibeltreu und glücklicher Familienvater inszenierte. Er selbst benützte dann ein Boulevardblatt, um gegen Exklusivität ein «mea culpa» abzusondern, ansonsten eisern zu schweigen und so seine Wahl in die Walliser Regierung zu retten.</p>
<p>Aus Angst, mit einer Fake News das eigene Image zu beschädigen, wird kein seriöses Medium zur Veröffentlichung einer Anschuldigung schreiten, wenn es dafür nicht genügend Belege, Quellen, Indizien, Dokumente gibt. Nicht nur dem «SonntagsBlick» steckt noch der Fall Borer in den Knochen, als das Boulevardblatt dem damaligen Schweizer Botschafter in Berlin einen Seitensprung unterstellte, aber nicht beweisen konnte und deshalb eine öffentliche Entschuldigung abdrucken und eine Millionenentschädigung abdrücken musste.</p>
<p>Ein gröberes Problem stellen aber komplizierte Fälle dar. Rein theoretisches Beispiel: Die Behauptung, Vincenz habe in die Raiffeisen-Kasse gegriffen, liesse sich relativ einfach verifizieren oder falsifizieren. Die Frage, ob er sich bei komplizierten Geschäftsübernahmen unstatthaft oder gar unrechtmässig bereichert hat, muss zunächst in einem Straf- und später wohl auch einem Zivilverfahren abgeklärt werden. In einem anderen Fall wurden beispielsweise die Verwaltungsräte der Swissair von jeder Schuld am Bankrott der stolzen Schweizer Airline freigesprochen, obwohl sie einwandfrei wohlbezahlte Versagerräte waren. Und dann gibt es Fälle wie den zu Recht von Köppel angeführten Bankier Oskar Holenweger, der um seine Bank gebracht und nach achtjährigen Untersuchungen vollständig freigesprochen wurde. Er ist genau ein solcher Kollateralschaden, wie Hildebrand auch. Da im Fall Vincenz noch kein Gerichtsurteil vorliegt (und es noch Jahre bis dahin dauern wird), ist eine Verdachtsberichterstattung selbstverständlich erlaubt.</p>
<p>Ein weiteres Problem der heutigen Medienlandschaft besteht allerdings darin, dass immer weniger Ressourcen für eigene Recherchen vorhanden sind. Gleichzeitig ist es aber so, dass Mainstream-Medien dem kleinen Blog «Inside Paradeplatz», der schon seit Jahren unermüdlich den Fall Raiffeisen und Vincenz verfolgt, nicht die ganzen Lorbeeren überlassen können und wollen. Also werden eigene Nachrecherchen durch zunehmende Skandalisierung ersetzt. Entweder, indem man die übliche Rücktrittforderungskeule hervor nimmt oder ein kostenloses Interview mit einem «Spezialisten» führt, der den Mann oder den Fall bereits vor einem Urteil für «erledigt» hält. Ins Archiv entsandte Reporter dürfen dann noch eine Weile aus alten Artikeln abschreiben, stossende Verhaltensweisen in der Vergangenheit (Salär, Helikopterflüge, Vetternwirtschaft) aufwärmen. Werden sie zur Verteidigung ins SMD geschickt, berichten sie über vergangene Wertsteigerungen, Erfolge, Macherqualitäten. Als ob das eine oder das andere mit der Frage zu tun hätte, ob sich Vincenz in ganz konkreten Fällen eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hat oder nicht.</p>
<p>Eigene Recherchen werden zudem mangels Mitteln durch Moralisierungen ersetzt. Interessant wäre zum Beispiel das enge Verhältnis zwischen Vincenz und der während des Steuerstreits mit den USA amtierenden Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Welcher Wirtschaftsredaktor hat noch die Zeit (oder die Kompetenz), sich komplizierte Verträge zu besorgen, sie zu analysieren und für den Leser verständlich die Knackpunkte aufzubereiten. Stattdessen ist das Schwingen der Moralkeule («unanständig von Vincenz» versus «unanständig gegen Vincenz») wohlfeil.</p>
<p>Für ihn im Besonderen gilt, dass er als in der Öffentlichkeit stehender Mensch genügend Nehmerqualitäten haben muss. Eine Archivsuche fördert im Wohlfühl-Blatt «Schweizer Illustrierte» immerhin 72 Erwähnungen von Pierin Vincenz zu Tage. Alle selbstverständlich positiv. Bis auf den letzten, wo eine angebliche «Star-Philosophin» mit der knallharten Frage konfrontiert wird, ob denn «jeder ein kleiner Vincenz» sei. Nun, der ehemalige «Star-Banker» wollte offenbar sein Vermögen mehren. Medien wollen ihre Auflage oder Einschaltquote mehren. Beide mit allen Mitteln, die rechtlich zulässig sind. Und das Publikum will gerne Skandalgeschichten wie die über einen gefallenen «Star-Banker» lesen. Und sich über seine mögliche Schuld oder darüber, dass seine zu vermutende Unschuld mit Füssen getreten wird, erregen. Und wen’s nicht interessiert: Niemand ist dazu gezwungen, entsprechende Meldungen zu lesen. Weder in den Mainstream-Medien noch in der Weltwoche.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/">Fall Vincenz: Geheucheltes aus der Weltwoche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2018/03/12/fall-vincenz-geheucheltes-aus-der-weltwoche/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>12</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>So versuchten Vincenz &#038; Co. unliebsamen Journalisten mundtot zu machen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/11/so-versuchten-vincenz-co-unliebsamen-journalisten-mundtot-zu-machen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Mar 2018 07:56:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pierin Vincenz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=54698</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Ex-Raiffeisen-Chef und sein Geschäftspartner, jetzt ebenfalls in Untersuchungshaft, drohten mit Klagen und Schadenersatzforderungen. Beinahe wäre ihr Plan aufgegangen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/11/so-versuchten-vincenz-co-unliebsamen-journalisten-mundtot-zu-machen/">So versuchten Vincenz & Co. unliebsamen Journalisten mundtot zu machen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Ex-Raiffeisen-Chef und sein Geschäftspartner, jetzt ebenfalls in Untersuchungshaft, drohten mit Klagen und Schadenersatzforderungen. Beinahe wäre ihr Plan aufgegangen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/11/so-versuchten-vincenz-co-unliebsamen-journalisten-mundtot-zu-machen/">So versuchten Vincenz & Co. unliebsamen Journalisten mundtot zu machen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
