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	<title>Schriftstellerin | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Transparenz ohne Wert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Oct 2016 17:24:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
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		<category><![CDATA[Elena Ferrante]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und wieder ist ein Meisterstück des investigativen Journalismus gelungen. Das Geheimnis, wer sich hinter dem Pseudonym der italienischen Bestsellerautorin Elena Ferrante verbirgt, ist gelüftet. Über eine Recherche als Selbstzweck und ohne Erkenntnisgewinn. Die gesamte europäische Literaturwelt rätselte lange Jahre um den richtigen Namen. Elena Ferrante begann 1992 in Italien Romane zu publizieren. Erst mit ihrer <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/03/transparenz-ohne-wert/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder ist ein Meisterstück des investigativen Journalismus gelungen. Das Geheimnis, wer sich hinter dem Pseudonym der italienischen Bestsellerautorin Elena Ferrante verbirgt, ist gelüftet. Über eine Recherche als Selbstzweck und ohne Erkenntnisgewinn.<br />
<span id="more-28111"></span><br />
Die gesamte europäische Literaturwelt rätselte lange Jahre um den richtigen Namen. Elena Ferrante begann 1992 in Italien Romane zu publizieren. Erst mit ihrer vierbändigen «Neapolitanischen Saga» (ab 2011) stellte sich der Erfolg auch jenseits von Italien ein. Der erste Band «Meine geniale Freundin» erschien Ende August auf Deutsch im Suhrkamp-Verlag. Und keine Rezension, kein Gespräch kam ohne eine Spekulation oder mindestens den Wunsch nach Aufklärung aus, wer sich nun hinter diesem Pseudonym verberge.</p>
<p>Es ist in der Tat eine Zumutung für das Feuilleton, das auf diese Art und Weise seinem Biographismus beraubt wird. Keine Altersangabe, kein Geburtsort, keine Vita, nicht einmal die Gewissheit, ob es sich um eine Frau, einen Mann oder gar ein geheimnisvolles Autorenkollektiv handelt. <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/15/das-primitive-beduerfnis-nach-streit-und-zoff/">Und wo käme man denn hin, einen Roman ausschliesslich auf dessen literarische Qualitäten hin zu untersuchen?</a></p>
<p>Wie es heisst, haben nun Abrechnungsbelege zur Enthüllung des Geheimnisses geführt. Die Indizienkette sei eindeutig, aber der Konjunktiv wird zuweilen noch bemüht. Die entsprechenden Unterlagen hat man angeblich über eine «anonyme Quelle» erhalten, weitere Einzelheiten werden nicht genannt. Wie man dies entsprechenden Unterlagen gekommen ist und wie sich genau diese «Recherche» vollzogen hat wird nicht genauer erläutert. «Spiegel online» spricht schönfärberisch von einer <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/elena-ferrante-schnitzeljagd-um-die-wahre-identitaet-a-1114921.html" target="_blank">«Schnitzeljagd» und berichtet, der «Enthüllungsjournalist» legitimiere sein Vorgehen damit, dass Ferrante gesagt habe, in ihren Bücher zuweilen zu lügen</a>. Die Autorin habe, so der Richterspruch, damit «ihr Recht aufgegeben… hinter ihren Büchern zu verschwinden».</p>
<p>Vermutlich kennt dieser Journalist den Unterschied zwischen Literatur und Bericht, also zwischen Fiktion und Reportage, nicht. Ansonsten könnte er einen solchen hanebüchenden Unfug nicht ernsthaft behaupten. Er sei dafür da, Antworten auf Fragen zu finden und das grösste Geheimnis Italiens sei nun einmal die Identität von Elena Ferrante gewesen, so lautet seine Rechtfertigung. In Wirklichkeit dürfte es ihm weder um die Literatur Ferrantes noch um das Informationsbedürfnis eines Publikums gegangen sein. Die Aktion dient einzig dazu, seinen Ruhm zu steigern. Das Recht auf Anonymität, auf Privatsphäre, das ansonsten jedem Verbrecher zugestanden wird, wird eigenmächtig und nonchalant eines pervertierten Transparenzwahns wegen ausser Kraft gesetzt.</p>
<p>Der italienische Verlag Ferrantes (Edizioni E/O) hat wenig Verständnis für die Enthüllung. Die Autorin sei weder Mitglied der Camorra noch des Berlusconi-Clans, sagte die Verlegerin <a href="http://www.nytimes.com/2016/10/03/books/elena-ferrante-anita-raja-domenico-starnone.html" target="_blank">gegenüber der New York Times</a>. Auch der Suhrkamp-Verlag wollte die «Recherche» nicht kommentieren.</p>
<p>Interessant ist, wie schnell nach der sogenannten Enthüllung die Interpretationsmaschine einsetzt. Da die «wahre» Autorin Bücher von Christa Wolf übersetzt hatte, werden plötzlich auch Parallelen zwischen Figuren und Motiven in Ferrantes Romanen und Christa Wolfs Werken entdeckt. Aufmerksame (= belesene) Rezensenten hätten dies vorher schon bemerken können.</p>
<p>Auch wenn man nicht die Strafe von Diktatoren zu fürchten hat, kann es angebracht sein, unter einem Pseudonym zu publizieren. Dieser Wunsch ist zu respektieren; er mag Gründe haben, die sich dem Publikum entziehen. Natürlich kann es passieren, dass, wenn ein unter Pseudonym verfasstes Buch erst einmal erfolgreich ist, die Spekulation nach dem realen Namen des Autors unter Umständen den Verkauf noch zusätzlich befeuert. Der Fall der Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling, die unter dem Pseudonym «Robert Galbraith» einen Kriminalroman publizierte, der kaum verkauft wurde, zeigt das Gegenteil: Als Rowling ihr Pseudonym selber aufdeckte, erlebte das Buch einen Verkaufssturm.</p>
<p><small>Anmerkung: Der Respekt gebietet es, den Namen der mutmasslichen Autorin nicht zu nennen. Und auch die Achtung vor investigativen Journalismus verbietet es, den Namen des «Quarkschlägers» (ein Wort von Balzac) zu verschweigen.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/03/transparenz-ohne-wert/">Transparenz ohne Wert</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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