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	<title>Serie Content Marketing | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 03 Oct 2019 15:20:35 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Beziehungen statt Kampagnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Gabriel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2015 07:40:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Content Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Advico Y&R]]></category>
		<category><![CDATA[Farner PR]]></category>
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		<category><![CDATA[Serie Content Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was tun gegen die zunehmende Wirkungslosigkeit klassischer Werbung? Eine Antwort heisst Content-Marketing. Informativen und unterhaltende Stories, die nur indirekt eine kommerzielle Botschaft transportieren, können die Wahrnehmungsbarrieren überwinden. Noch tut sich die Werbebranche schwer mit der neuen Spielart kommerzieller Kommunikation. Ein Artikel über Content Marketing kommt heute noch nicht ohne Begriffserklärung aus. Das Thema ist zwar <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/beziehungen-statt-kampagnen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Was tun gegen die zunehmende Wirkungslosigkeit klassischer Werbung? Eine Antwort heisst Content-Marketing. Informativen und unterhaltende Stories, die nur indirekt eine kommerzielle Botschaft transportieren, können die Wahrnehmungsbarrieren überwinden. Noch tut sich die Werbebranche schwer mit der neuen Spielart kommerzieller Kommunikation.<br />
<span id="more-24878"></span><br />
Ein Artikel über Content Marketing kommt heute noch nicht ohne Begriffserklärung aus. Das Thema ist zwar in aller Munde, zumindest in digitalen Medien und Marketing, dennoch liegen die Auffassungen davon zum Teil krass weit auseinander.</p>
<p>Wir wollen deshalb mit folgender Definition arbeiten: Content Marketing ist kommerzielle Kommunikation, die beeinflussen will, aber nicht auf so ungefragte und offensive Weise wie Werbung. Der Betreiber von Content Marketing möchte schon, dass sich die Sache positiv auf seinen Geschäftsgang (oder andere Marketingziele) auswirkt. Diese Wirkung soll aber nicht durch gestreute Werbemittel, sondern durch gestreute Stories erzielt werden.</p>
<p>Und unter Stories kann man alles verstehen, was der Medienkonsument freiwillig aufnimmt (also annimmt), womit er sich ohne Nötigung beschäftigt, was er oft auch aktiv sucht und womöglich gerne mit anderen teilt. Content Marketing gibt es für die linke Hirnhälfte, dann ist es informativ, gescheit, lehrreich und lösungsorientiert. Aber auch für die rechte Hirnhälfte, wo es unterhaltend, berührend, gefällig, witzig, schockierend ankommt, um nur ein paar möglich Adjektive aufzuzählen.</p>
<p><strong>Alter Wein in neuen Schläuchen?</strong><br />
Über die strategische Bedeutung von Content Marketing ist man sich in Kreisen von Suchmaschinen-, PR-, Social Media- und Dialog-Spezialisten schnell einig. Sie sind klar der Meinung, dass das Marketing der Neuzeit auf Content angewiesen ist und deshalb jedes Unternehmen essenziell <a href="http://t3n.de/news/online-marketing-trends-2015-582951/" target="_blank">eine Content Marketing Strategie</a> braucht. In Werbekreisen dagegen ist das Thema höchstens ein flankierendes. Sie glauben nach wie vor daran, dass die Markenpflege die wichtigste Aufgabe der Marketing-Kommunikation sei und dass der klassischen Werbung mit ihrer kreativen und emotionalen Kompetenz dabei die Lead-Funktion zufalle. Die inhaltegetriebene Kommunikation über digitale Kanäle halten sie für zweitrangig und Content Marketing letztlich für ein Buzzword, das bloss <a href="http://www.wuv.de/blogs/mrmedia/content_marketing_sagt_mir_bescheid_wenn_es_was_wirklich_neues_gibt" target="_blank">alten Wein in neuen Schläuchen</a> meint.</p>
<p>In der Tat: «Content Marketing» bringt derzeit alles mit, was ein aufgebauschter und gehypter Marketingbegriff beinhalten muss, um in gestandenen Kreisen belächelt zu werden. Content-Marketer sind so beflissen, Content Marketing in eigener Sache zu betreiben, dass sie den Begriff mit vielen lehrreichen Worten hochhypen aber gleichzeitig in die Enge des Rationalen wegsperren. Damit ist das Thema für Werber, welche die Seele des Menschen von Berufswegen ganzheitlicher begreifen, praktisch schon gegessen: Mit Informationen schafft man doch keine Love-Brands. Und doch bietet der Begriff Content Marketing eine so grosse Projektionsfläche, dass praktischer jeder, der irgendwie mit Kommunikation etwas zu tun hat, sich dazu rhetorisch in den Wind legen kann. Wie Content Marketing zu definieren und zu einzuordnen sei, darüber lässt sich dann auch <a href="http://www.babak-zand.de/was-ist-content-marketing-definitionen-und-teildisziplinen/" target="_blank">vortrefflich debattieren</a>. Die Werbung hat aber ganz andere Probleme:</p>
<p><strong>Werberesistenz und -überdruss</strong><br />
So wie die Medizin gegen die stetig wachsende Antibiotika-Resistenz von Bakterien kämpft, leidet die Werbebranche seit Jahrzehnten unter wachsendem Werbewirkungsverlust, weil die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns nicht parallel zur steigenden Informationsflut wuchs. Gemäss einer Studie des IMK buhlen heute über 6000 Werbeimpulse täglich um die <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/konsumenten-mehr-als-6-000-werbekontakte-pro-tag/2384706.html" target="_blank">Gunst des Konsumenten</a>, während dieser 1970 erst 300 Werbekontakte pro Tag zu verarbeiten hatte. Dagegen half der einzelnen Werbebotschaft nur häufigeres Repetieren, was aber mit steigenden Kosten verbunden war und gleichzeitig das Problem verschärfte. Kein Wunder ist im Gleichschritt mit der Reizüberflutung auch die Werberesistenz und Werbeverdrossenheit in der Gesellschaft gestiegen. Sinnbildlich: Rund die Hälfte aller Schweizer Briefkästen wehren sich mit einem Stopp-Kleber gegen Werbung, die auch sonst stark <a href="http://www.freelancermap.ch/it-news/8661-social-media-studie-die-klassischen-werbetraeger-verlieren-stark-an-einfluss" target="_blank">an Einfluss verliert</a>.</p>
<p>Kein Problem, sagen sich die Werber, wen interessiert schon der statistische Trend, wenn man den Einzelfall gestaltet. Und während sie sich darüber streiten, ob die kreativere Idee, der zeitgemässere Mediamix, die lautere Promotion, die tieferen Consumer Insights oder einfach das angehobene Werbebudget den Unterschied ausmachen, entfernen sich die Konsumenten mental und medial immer weiter von den Rohren, die auf sie schiessen.</p>
<p><strong>Der Werbung ausweichen</strong><br />
Die Digitalisierung der Medien hat im Verlauf von zwei Jahrzehnten das Mediennutzungsverhalten nachhaltig verschoben, nicht nur von Papier zu Screen, sondern auch durch die Möglichkeiten der spontanen und suche-gestützten On-Demand-Nutzung. Musik kommt nicht mehr werbeunterbrochen aus dem Radio, sondern via Spotify direkt in die Ohrstöpsel oder aus den Computerboxen. TV-Inhalte finden werbefrei ihren Weg über Netflix oder per Replay auf den Flatscreen mit Werbeblöcken, die man überspulen kann. Und doppelseitige Anzeigen, an denen man früher nicht vorbei kam, sind auf dem Handy einfach schwierig. Selbst die grossen Plakate müssen heute ihre Augenfälligkeit mit allgegenwärtigen Handy-Screens teilen.</p>
<p>Dennoch – das ist klar – wird es der Werbeindustrie immer wieder gelingen, Werbebotschaften irgendwie vor der Netzhaut des überraschten Konsumenten zu platzieren, also Mittel und Wege zu finden, die das Prinzip der Unterbrecherwerbung am Leben erhalten. Es wird auch immer brillante Werbung geben, der man dies nicht übel nimmt, wie etwa die köstliche <a href="http://www.werbewoche.ch/ruf-lanz-fuer-die-vbz-christoph-moergeli-und-daniel-jositsch-zueinander-gesetzt" target="_blank">VBZ-Werbung mit Daniel Jositsch und Christoph Mörgeli</a>.</p>
<p>Die erdrückende Mehrheit der Werbeerzeugnisse aber möchten immer mehr Leute immer weniger gern sehen. Der grosse Vorteil von klassischer Streuwerbung ist die hohe Reichweite auf einen Schlag. Aber Werbetreibende, die ehrlich mit sich sind, ahnen es im Innersten: sie investieren ihr Geld nicht in Reichweite, sondern in die Hoffnung auf Reichweite. Eine Hoffnung, die durch eindrückliche Media-Daten immer wieder genährt wird. Auch die Hoffnung auf eine unmittelbare Wirkung der Werbung bleibt im Hinterkopf wach, obwohl die Praxis diese selten kostendeckend bestätigt. Bleibt die nicht unbegründete Hoffnung übrig, dass konstante und konsistente Werbung über die Zeit ihre Wirkung entfaltet und am Ende doch noch am Erfolg einer Marke produktiv beteiligt ist. Aber zu welchem Preis?</p>
<p><strong>Langfristiger Umbau</strong><br />
Auch Content-Marketing ist eine schleppende Angelegenheit. Es ist langwieriger und zeitlich aufwändiger, Reichweiten aufzubauen, wenn man sie sich verdienen muss, statt sie einfach zu buchen. Dafür ist Content-Marketing nachhaltiger. Hier werden nicht Kampagnen gefahren, sondern Beziehungen aufgebaut. Dazu müssen zuerst Rohre verlegt werden, eigene Publikationskanäle, die sich mit den bereits verlegten (Social-Media-)Röhren zu einem Kanalisationssystem verbinden. Das Resultat ist ein Bewässerungssystem für den eigenen Garten, das natürlich nur Sinn macht, wenn auch Content fliesst.</p>
<p>Wenn ein Unternehmen sein eigenes Rohrsystem unterhält, ist es nicht mehr so sehr auf die Flutleistung von Medienhäusern, Verlagen, Fernsehanstalten oder Plakatgesellschaften angewiesen. Solche Unternehmen sind auch nicht verdammt dazu, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Sie brauchen nicht dauernd Pre-Tests und Marktstudien durchzuführen, um ja keinen Fehler in der repetitiven Verbreitung zu potenzieren. Sie müssen unter dem Gebot des effektiven Mitteleinsatzes nicht mehr alles auf eine Kampagne setzen und hoffen, dass es die richtige ist. Im Content Marketing können sie wie bei Geldanlagen ihre Kommunikation diversifizieren. Schauen was geht.</p>
<p>Das Geld wird statt in die vermeintlich ultimative Kampagne in artenreichen Content investiert, der nicht im Altpapier landet, sondern on-demand jederzeit zur Verfügung steht, gefördert von Suchalgorithmen, Backlinks und Shares. Das Unternehmen entwickelt dabei publizistische Intelligenz und gewinnt wertvolle Peer-to-Peer-Erfahrungen, die zum Beispiel in die Entwicklung neuer Produkte oder neuen Contents einfliessen können. <a href="http://www.werbewoche.ch/content-marketing-erfolgreich-meistern" target="_blank">Aber einfach ist das nicht</a>.</p>
<p>Der Haken am Content-Marketing liegt natürlich im seinem Pull-Charakter. Viele Produkte können nicht darauf vertrauen, dass man nach ihnen sucht. Eine neue Kaugummi-Sorte, auf die keiner gewartet hat – wie schafft die es zwischen die Zähne der Konsumenten, ohne die etwas aufsässige Unterstützung durch Push-Werbung?</p>
<p>Oder ein anderes Problem: Wenn alle Firmen anfangen, mit Content um sich zu schmeissen, wie stellt man dann sicher, dass der eigene Content nicht untergeht? Beide Fragen kann nur Kreativität beantworten. Mit Ideen lässt sich im Internet auch ein Kaugummi grandios inszenieren, so dass es womöglich zum digitalen Tagesgespräch wird, nicht mit Banner, nicht mit Adwords, nicht mit konventionellen Blogposts. Im Verdrängungskampf um Aufmerksamkeit, gewinnt auch hier das überraschender, schöner, intelligenter Dargereichte. Ein schönes Beispiel dafür ist die Pro-Infirmis-Aktion «Behinderte Schaufensterpuppen an Zürichs Bahnhofstrasse», bzw. das Making-of davon im Netz.</p>
<p><strong>Agenturen bewegen sich kaum</strong><br />
Und da sind wir wieder bei der Domäne der Werber. Genau diese Fähigkeit, Inhalte so umzusetzen, dass sie die Aufmerksamkeit und Sympathien der Menschen gewinnen, die Fähigkeit sich abzuheben, die Konkurrenz alt aussehen zu lassen, genau das ist die Domäne talentierter Werber. Einige wenige Werbeagenturen haben erkannt, dass ihr Handwerk auch im Content-Marketing gefragt ist, und sind dabei, entsprechende Zuständigkeiten aufzubauen; die namhafteste darunter <a href="http://www.advico.ch" target="_blank">Advico Y&amp;R.</a> Andrerseits haben sich die <a href="http://www.inm.ch" target="_blank">Digital-Agentur INM</a> mit Tamás Kiss und die <a href="http://www.farner.ch" target="_blank">PR-Agentur Farner</a> mit Philip Scraball mit genau dieser Absicht gestandene Kreative aus der Werbung an Bord geholt.</p>
<p>Bei den allermeisten Agenturen wird es aber eher bei einem rhetorischen «Machen wir auch»-Bekenntnis bleiben. Denn Content-Marketing, zu Ende gedacht, ist ein Gegenentwurf zur Werbung, der eigentliche Königsausweg aus der Werbung. Ein Nebeneinander im selben Haus ist als Übergangslösung tragbar, aber ansonsten ein Widerspruch in sich.</p>
<p>Content-Marketing stellt an die Kreation zwar ähnliche handwerkliche Anforderungen wie Werbung, aber beim Rest einer Werbeagentur bedarf es eines ziemlich radikalen Umbaus. Hier muss neues Know-How angeschafft und in neue Abläufe gepackt werden. Der intellektuelle und technische Umgang mit einer Vielzahl von Plattformen gilt es zu beherrschen. Wer entwickelt Content Strategien, wer definiert KPIs, wer setzt Inbound-Prozesse auf, mit welche Tools und Abläufen wird die Reise gesteuert, die Mannschaft koordiniert?</p>
<p>Ob diese Transformation den Werbeagenturen gelingt, darf aufgrund ihres bescheidnen Adaptionsvermögens in der Vergangenheit eher bezweifelt werden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass neue Spezialagenturen entstehen und das Feld von hinten aufrollen. Wie schnell die Unternehmen ihrerseits diesen Content Turn vollziehen, lässt sich auch nur vage voraussagen: langsamer als das benachbarte Ausland und im Vergleich zu Amerika reichlich spät, aber vermutlich schneller als die Werbeagenturen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/beziehungen-statt-kampagnen/">Beziehungen statt Kampagnen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die neue Nähe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Gabriel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2015 07:35:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Watson]]></category>
		<category><![CDATA[Content Marketing]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommerzielle Inhalte werden auch in Zukunft den Medien als wichtige Erlösquelle dienen. Aber statt abgegrenzte Werbeflächen, werden harmonischere Native-Advertising-Formate gefragt sein. Doch dann braucht es dringend auch neue Spielregeln. Es ist verständlich, dass die Medienhäuser mit dem Begriff Content Marketing ihre Mühe haben. Was soll denn das jetzt bedeuten, wenn Unternehmen, die ursprünglich mit Journalismus nichts <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/die-neue-naehe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kommerzielle Inhalte werden auch in Zukunft den Medien als wichtige Erlösquelle dienen. Aber statt abgegrenzte Werbeflächen, werden harmonischere Native-Advertising-Formate gefragt sein. Doch dann braucht es dringend auch neue Spielregeln.<br />
<span id="more-24884"></span><br />
Es ist verständlich, dass die Medienhäuser mit dem Begriff Content Marketing ihre Mühe haben. Was soll denn das jetzt bedeuten, wenn Unternehmen, die ursprünglich <a href="http://www.redbullmediahouse.com" target="_blank">mit Journalismus nichts am Hut</a> hatten, nun plötzlich mit eigenen redaktionellen Inhalten an die Öffentlichkeit drängen? Die sollen doch gefälligst Inserate buchen, fürs Redaktionelle sind die «richtigen», unabhängigen Journalisten zuständig. Und doch können die Medien nicht umhin, sich mit dem Thema zu beschäftigen, denn die klassischen Werbeinserate werden immer weniger und die – im weitesten Sinne – publizistischen Ambitionen der Unternehmen immer grösser.</p>
<p>Bei aller Veränderung im Kommunikationsverhalten der Unternehmen, ist doch der Wunsch nach Reichweite und Kontaktqualität geblieben. Ebenso konstant ist die Abhängigkeit der Medien von den Streubudgets der Wirtschaft. Also geht es darum, dass sich die Publizisten auf Firmenseite mit den Publizisten auf Verlagsseite irgendwie arrangieren. Und genau da wird es hochbrisant. Wie rot ist der Teppich, den die Medienhäuser für bezahlten Content ausrollen? Was lässt sich mit dem Berufsethos einer unabhängigen Presse vereinbaren und was mit den kaufmännischen Sachzwängen nicht?</p>
<p><strong>«Publireportage, kennen wir doch»</strong><br />
Aber was erwarten diese Content Marketer selber von den Medien? Am liebsten würden sie wohl an den Redaktionsmeetings teilnehmen und ihre eigenen Ideen einbringen. So weit wird es hoffentlich nicht kommen. Das Schlüssel- und Reizwort in diesem Zusammenhang heisst Native Advertising. Unter Native Advertising versteht man Werbung, die im redaktionellen Umfeld nicht als störende Werbung hervorsticht, sondern integrativ mit ihm verschmilzt. Also keine grossflächigen Bilder mit photoshop-veredelten Models oder blinkende Banner mitten im Lesefluss, sondern gewohnte Augen- und Ohrenkost ohne formale Extravaganz, schwerelos im Auge des Betrachters.</p>
<p>Für gestandene Verleger und Werbeprofis riecht das nach altem Wein in neuen Schläuchen: «Publireportage, kennen wir doch». Die Publireportage oder das Advertorial kann man durchaus als eine Form des Native Advertising bezeichnen. Allerdings von der Sorte, die weder die Leser noch die Content Marketer freudig stimmt. Allzuoft haben Unternehmen den journalistischen Jargon und die typografischen Look-alikes genutzt, um lobende Worte über Produkte und Unternehmen als «offiziell» erscheinen zu lassen. Die meisten Leser durchschauen den oft ätzenden Approach gähnend. Die Verleger kriegen bei der Durchsicht wohl leicht gerötete Ohrläppchen, nehmen sich aber mit dem mehr oder weniger gut sichtbaren Vermerk «Anzeige» aus der publizistischen Verantwortung. Der Kunde bezahlt ja die Fläche, also darf er da auch machen, was er will. Und wer selber nicht zensuriert werden will, ist gerne tolerant, schliesslich gibt es Geld dafür.</p>
<p><strong>Keine Schleichwerbung</strong><br />
Für einen überzeugten Content Marketer ist die Publireportage nach alter Väter Sitte ein totaler Unsinn. Wer die tägliche Anstrengung auf sich nimmt, im Namen eines Unternehmens hoch- und mehrwertige Inhalte zu publizieren, damit dessen Reputation langsam aber stetig steigt, hat für plumpe Publireportagen nur Verachtung übrig. Sie möchten Inhalte schaffen, die qualitativ im redaktionellen Umfeld bestehen und die Lesererwartung erfüllen, und sie sind bereit, für die höhere Reichweite Geld zu investieren. Wenn die Medien auf dieses Bedürfnis aber mit dem alten Publireportage-Angebot reagieren, werden sich die Content-Marketer nach anderen Optionen umsehen – die Auswahl ist gross. Denn mit der Kennzeichnung «Werbung» oder «Publireportage» möchte man nicht abgekanzelt und mit Schleichwerbern schon gar nicht in einen Topf geworfen werden.</p>
<p>Aus diesem Blickwinkel sind die Medien vielmehr angehalten, ihr Haus gepflegt zu halten, wenn sie fürs Content Marketing attraktiv sein wollen. Das funktioniert nur, wenn die Medienhäuser für den Einlass von externen Inhalten klare und verbindliche Spielregeln aufstellen, die nichts mit einer Geldüberweisung zu tun haben. Der Journalist und Autor <a href="http://www.persoenlich.com/node/323469" target="_blank">René Zeyer schreibt</a>: «Durch Schleichwerbung wie Branded Content oder Native Advertising verspielen die Medien ihre Glaubwürdigkeit.»</p>
<p>Mit dem selben erhobenen Zeigefinger wenden sich die Verfasser der <a href="http://newclues.cluetrain.com" target="_blank">«New Clues»</a> an Werbetreibende: «Wenn du Native Ads platzierst, untergräbst du nicht nur deine eigene Vertrauenswürdigkeit, sondern auch die Vertrauensbasis für ein ganz neues Miteinander». Beide haben recht, wenn sie Native Advertising als das sehen, was ungezügelte Werber daraus machen und nicht als das, was selbstbewusstes Verlegertum und ernsthaftes Content Marketing daraus machen könnten. Die Medienkonsumenten, und um die geht es ja auch noch, lesen gemäss Hansi Voigt von Watson ohnehin «&#8230; nur das, was sie interessiert und nicht das, was Werber wollen.»</p>
<p><strong>Neue Spielregeln</strong><br />
Diese verlegerischen Regeln müssen so gestaltet sein, dass die Kennzeichnung «Anzeige» oder «Publireportage» in keiner Weise mehr passt. Bereits etabliert ist «Sponsored Content», «Präsentiert von &#8230;» oder «in Zusammenarbeit mit &#8230;». Aber da wäre noch Platz für neue Ideen. Warum nicht «Ein Beitrag der Firma Huber, geprüft von unserem Wirtschaftsredaktor Peter Müller» (wobei Peter Müller das Recht hätte, einen solchen Artikel zurecht zu stutzen oder auch gänzlich abzulehnen).</p>
<p>In Anlehnung an Bewertungsplattformen wäre auch eine Beizeile wie «Firmenbeitrag mit Redaktorenrating 5,4» denkbar. Das wäre ein Ansporn für Werbetreibende, sich Mühe zu geben. Dass ein fremdfinanzierter Artikel als solcher deutlich gemacht werden muss, ist auch bei vorbildlicher Qualität im Sinne der Transparenz nötig. Ausserdem liegt es auch im Interesse der zahlenden Firma, mit ihrem Content in Verbindung gebracht zu werden.</p>
<p>Neue Regeln setzen auch neue Prozesse voraus. In der Schweiz schreitet beim Thema Native Advertising das <a href="http://www.watson.ch/!172817829" target="_blank">Newsportal Watson</a> voraus. Will hier zum Beispiel ein Unternehmen als Content Sponsor auftreten, kann es zwar die thematischen Leitplanken vorgeben; die Redaktion aber entwickelt die konkreten Vorschläge zur möglichen Aufmachung. Und zwar in einem Blindverfahren: Die Journalisten wissen nicht, um welchen Auftraggeber es sich handelt und gehen so unbeeinflusst ans Werk. Der zahlende Kunde indessen kann lediglich aus dem Brainstorming der Redaktion die passendste Umsetzungsidee aussuchen. Andrerseits erfahren die Macher erst nach Fertigstellung, wer der Sponsor hinter ihrer eigenen Story ist. So bleibt die Unabhängigkeit gewahrt, und die Firma profitiert vom Imagetransfer eines hochwertigen Artikels, der vielleicht ohne Sponsor gar nicht zustande gekommen wäre.</p>
<p>Solche Win-win-win-Situationen sollten die Verlage vor Augen haben, wenn sie sich mit zeitgemässen Werbeformen auseinandersetzen. Es ist anspruchsvoll, das Arrangement zwischen Wirtschaft und Medien neu zu erfinden. Aber es ist höchste Zeit, es zu tun.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/die-neue-naehe/">Die neue Nähe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Werbung nervt, wenn sie aussieht wie Werbung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/06/25/werbung-nervt-dann-wenn-sie-aussieht-wie-werbung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Gabriel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2015 07:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Konsument]]></category>
		<category><![CDATA[Serie Content Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Leser]]></category>
		<category><![CDATA[Publikum]]></category>
		<category><![CDATA[Native Advertising]]></category>
		<category><![CDATA[Content Marketing]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ob sich Content-Marketing als Königsweg in der Marketingkommunikation durchsetzen wird, entscheiden letztlich die Konsumenten und nicht Werber oder Journalisten. Die aktuelle Entwicklung wirft die Frage auf, wie angepasst soll oder darf Werbung sein. Besorgte Medienschaffende und Konsumentenschützer sehen den gemeinen Mediennutzer in grosser Gefahr. Sie trauen ihm nicht zu, dass er zwischen unabhängigem Journalismus und <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/werbung-nervt-dann-wenn-sie-aussieht-wie-werbung/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ob sich Content-Marketing als Königsweg in der Marketingkommunikation durchsetzen wird, entscheiden letztlich die Konsumenten und nicht Werber oder Journalisten. Die aktuelle Entwicklung wirft die Frage auf, wie angepasst soll oder darf Werbung sein.</strong></p>
<p>Besorgte Medienschaffende und Konsumentenschützer sehen den gemeinen Mediennutzer in grosser Gefahr. Sie trauen ihm nicht zu, dass er zwischen unabhängigem Journalismus und kommerzieller Kommunikation unterscheiden kann. Damit wäre er den heimlichen Werbebotschaften hilflos ausgeliefert. Es gibt tatsächlich Werber, die auf Täuschung setzen, ganz im Geiste der Betreiber von pseudo-amtlichen Handels- und Gewerberegister, die junge Firmengründer über den Tisch ziehen wollen. Sie zementieren das Vorurteil der Kritiker, dass hinter Content-Marketing und Native Advertising primär eine Täuschungsabsicht steckt.</p>
<p>So monieren etwa die Verfasser der <a href="http://newclues.cluetrain.com/" target="_blank">New Clues</a>: «Hört doch auf, Werbung wie News aufzumachen in der Hoffnung, wir übersehen den kleinen Disclaimer, der da aus den Unterhosen raushängt.» Und leider gibt es auch Medien, die den Deckel ihrer redaktionellen Gefässe für zahlende Kunden gerne mal etwas anheben. Zum Inserat noch einen Gratis-PR-Artikel war schon immer ein gängiges Angebot bei vielen Special-Interest-Titeln und gewerbefreundlichen Regionalblättern, aber auch sogenannten Qualitätstiteln ist solches Gebaren nicht fremd.</p>
<p><strong>Lieber leise, statt laut</strong><br />
Die Konsumenten indessen leiden nicht allzu stark unter den getarnten Angriffen der Werber. Denn Werbung ist so allgegenwärtig, dass sie einen nirgendwo mehr erstaunt. Als das Schweizer Fernsehen das Wetter von der Tagesschau abspaltete, um es als eigenes Format von Sponsoren bezahlen zu lassen, war das die ersten Tage etwas ungewohnt. Inzwischen stört das keinen mehr, dass statt Petrus eine Firma das Wetter macht. Auch Product-Placement in Spielfilmen quittiert der Kinogänger eher mit Schmunzeln als mit Ärger. Und wenn ein Österreicher aus dem Weltall springt, nervt man sich nicht allzu heftig über den Energy Drink, der das finanziert – schliesslich verleiht das Gebräu Flügel. Ausserdem ist es meistens relativ einfach zu erkennen, ob eine Geschichte einer Sache zuliebe oder einer Firma zuliebe öffentlich wird.</p>
<p>Offensichtlich ist es so, dass Werbung den Grossteil der Konsumenten dann am meisten ärgert, wenn sie wie Werbung daher kommt. Mehr noch als die über weite Strecken biederen und anbiedernden Werbesujets ist es ihre Aufdringlichkeit und Penetranz, die als Belästigung wahrgenommen werden: die Verstopfung des Briefkastens, die Unterbrechung des Spielfilms, der Spam in der Inbox, die penetranten Plakate.</p>
<p>An der Entwicklung des Werbebanners im Web kann man die Akzeptanz aufsässiger Werbung auf die letzten 20 Jahre verkürzt sehr gut nachvollziehen. Die ersten Banner üblicherweise im diskreten Format von 468 × 60 Pixeln erreichten noch zweistellige Klickraten. Als dann die Banner immer mehr wurden, fielen die Klickraten immer weiter in den Keller. Nicht anders erging es den Öffnungs- und Klickraten von Werbemails. Als Gegenreaktion packte die Branche ihre Inhalte bald in Pop-ups – ein Zumutung für die User, aber kein Problem für die Pop-up-Blocker. Dann kamen die grossformatigen Rich-Media-Banner mit beeindruckenden Flash-Animationen und eingebetteten Streaming-Videos, Formate wie Interstitials, Superstitials, Expandabels und weitere mit wichtigen englischen Namen.</p>
<p>Der Sinkflug der Klickraten in die Promillezone konnten aber auch sie nicht aufhalten. Die User reagieren auf die Inflation der Aufmerksamkeitsjäger mit einem evolutionären Selbstschutz, der so genannten Bannerblindheit. Je innovativer und kreativer die Formate wurden, desto klarer erfasste das Gehirn, was es ausblenden konnte. Die «Lautstärke» der Banner förderte letztlich nicht die Klickrate, sondern die Abstumpfungsrate. Ad-Blocker erledigen den Rest.</p>
<p><strong>Werbung mit Nutzen</strong><br />
Im Vergleich zur Jahrmarkt-Stimmung, die Reach-Media-Banner auf einer Seite verbreiten, kommt Content-Marketing und Native Advertising schon fast introvertiert daher. Kein Wunder steigen die User lieber darauf ein. Die erfolgreichste Werbeform im Internet ist das Native Advertising-Format von Google: das Adword. Ein spröder, uniformer Dreizeiler mit Link ist dem aufwändig bewegten Banner in Bezug auf Response klar überlegen. Google hat es geschafft, Werbung und Usernutzen zusammenzuführen. Der nutzwertige Dreizeiler hat in seiner unaufgeregten Art das Placet des Users. Auch auf anderen Plattformen geniessen Native-Ads überdurchschnittliche Akzeptanz.</p>
<p><a href="http://www.sharethrough.com/2013/05/infographic-native-advertising-effectiveness-study-by-ipg-media-labs/" target="_blank">Eine Studie</a> von IPG Media Lab und Sharethrough zur Effektivität von Native Advertising hat ergeben, dass bei den untersuchten Native-Formaten im Vergleich zu gängigen Bannern die Werte zur Beachtung, Kaufbereitschaft, Markenaffinität bis hin zur Sharing-Bereitschaft signifikant höher liegen. Zu ähnlichen Schlüssen gelangt auch eine <a href="http://www.internetworld.de/onlinemarketing/native-advertising/native-advertising-leser-ankommt-837551.html" target="_blank">deutsche Studie</a> von Tomorrow Focus Media. Am meisten verpönt sind klassische Display-Ads auf mobilen Geräten. Noch vor wenigen Jahren hiess es, Facebooks wirtschaftliche Zukunft sähe düster aus, weil es dem Social-Media-Giganten nicht gelinge, Werbung auf die Mobiles zu bringen, ohne die User zu vergraulen. Der aktuelle Börsenwert verrät: es ist ihm gelungen, mit Native Ads mitten in der Timeline. So platziert etwa der Kleinwagenhersteller Smart seinen neuesten TV-Spot in einem <a href="https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1630191087195206&amp;id=1523392271208422" target="_blank">hervorgehobenen Post</a> mit dem Kommentar «Wir könnten uns den neuen TV-Spot für den neuen smart den ganzen Tag lang anschauen. Was meint Ihr?» Und Zehntausende steigen darauf ein, weil das vielleicht grad interessanter ist, als die Ferienfotos von Onkel Karl, gleich weiter unten im Stream.</p>
<p><strong>Fluch oder Segen?</strong><br />
Warum die Akzeptanz von Native Advertising so hoch ist, darüber scheiden sich die Geister. Kritiker sagen, werbliche und redaktionelle Inhalte vermischten sich so auf undurchsichtige Weise. Konsumenten würden die Werbung nicht als solche erkennen und deshalb für wahrer und wichtiger halten, als sie ist. Befürwortende Stimmen sagen, die formale Durchgängigkeit von Content und Werbung verbessere das Nutzererlebnis und hebe so das Wohlwollen der Nutzer gegenüber der Werbung. Eine Yahoo-Studie hat gemessen, dass sich drei Viertel der Nutzer beim Klick auf ein Native Ad bewusst sind, dass sie dann auf eine kommerzielle Seite <a href="https://de.nachrichten.yahoo.com/yahoo-studie-zur-dmexco-2014-native-advertising-%C3%BCberzeugt-000000653.html" target="_blank">weitergeleitet werden</a>. Da stellt sich die Frage, wie übel ergeht es dem ahnungslosen restlichen Viertel. Sollten die Medien zum Schutz dieses Viertels auf Native Advertising verzichten und dafür die Mehrheit der Nutzer mit leicht erkennbaren, disruptiven Werbeformaten nerven?</p>
<p>Das ahnungslose Viertel wird es in Zukunft noch schwerer haben, kommerziell motivierte Inhalte als solche zu erkennen. Das nahtlose Ineinandergreifen von Werbung und Inhalt schreitet weiter voran. Algorithmen werden die Native-Ads wie auch Marketing-Content immer präziser so steuern, dass sie den Konsumenten just im richtigen Moment erreichen. Das werbliche Ranhängen an den Surfer mit einer bestimmten Interessenauffälligkeit, das so genannte Retargeting, ist erst der Anfang. Das Persönlichkeitsprofil, das Such- und Surf-Verhalten, das Beziehungsnetz und auch die Bewegungsmuster der User werden durch immer raffiniertere Algorithmen verarbeitet. So gewinnen werbliche Inhalte in der subjektiven Wahrnehmung stark an Relevanz. Google (inklusive YouTube) und Facebook treiben diese Entwicklung voran und sind längst dabei, ihre Künstliche Intelligenz über das ganze Internet auszuschütten; Twitter folgt ihnen auf dem Fuss. Auf den Online-Portalen der Verlage indessen steuern immer noch herkömmliche publizistische Prozesse die Verteilung der Inhalte, die subjektive Relevanz einzelner Beiträge bleibt Zufall.</p>
<p>Wenn die jüngsten Avancen von Facebook und Apple gegenüber Verlagshäusern fruchten, publizieren diese ihre Inhalte mit Vorteilen direkt auf deren Plattformen. Die finanziellen Anreize dafür dürften gross genug sein. Der User wird dann die News des Tages direkt in seinem Stream vorfinden, zwischen den Sonnenuntergängen der Bürokollegin, den hervorgehobenen Artikeln der Hausbank und allerlei geteilten Katzenbildern. Auch Firmen wie Keywee treiben diese Entwicklung erfolgreich voran. Keywee ist darauf spezialisiert, mittels künstlicher Intelligenz Marketing Content zu analysieren und zielgenau in die User-Streams der dafür empfänglichsten Nutzer einzuspeisen. Unternehmen wie Outbrain mischen derartige Inhalte mit algorithmischer Raffinesse in den Lesefluss der Besucher namhafter News-Portale, die daran mitverdienen. Schon heute nutzen viele User ihren Social Graph und die Plattform-Algorithmen als bequemen Relevanz-Filter, nach dem Motto: «Wenn irgendwo auf der Welt etwas Wichtiges passiert, erfahre ich es in meinem Livestream sowieso».</p>
<p>Wenn sich Social-Media-Plattformen immer erfolgreicher zwischen die Medien und deren Nutzer schieben, wird es immer schwieriger, werbliche Inhalte von redaktionellen zu unterscheiden. Diese Entwicklung ist im vollen Gang und wird da und dort noch für Stirnrunzeln sorgen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/25/werbung-nervt-dann-wenn-sie-aussieht-wie-werbung/">Werbung nervt, wenn sie aussieht wie Werbung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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