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	<title>Sylvia Egli von Matt | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Ein Mordaufruf ist ein Mordaufruf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2015 13:09:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Mordaufruf]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
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		<category><![CDATA[Sylvia Egli von Matt]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Namhafte Schweizer Publizistinnen, Chefredaktoren und Juristen stellen in Abrede, dass es sich bei «Tötet Roger Köppel» um einen Mordaufruf handele. Zwar hält es die Redaktion von «Surprise» inzwischen für einen «Fehler», diese Zeile veröffentlicht zu haben, aber damit ist es nicht getan. «Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!»: Nicht in einem Hetzorgan fundamentalistischer Wahnsinniger, sondern <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/05/ein-mordaufruf-ist-ein-mordaufruf/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Namhafte Schweizer Publizistinnen, Chefredaktoren und Juristen stellen in Abrede, dass es sich bei «Tötet Roger Köppel» um einen Mordaufruf handele. Zwar hält es die Redaktion von «Surprise» inzwischen für einen «Fehler», diese Zeile veröffentlicht zu haben, aber damit ist es nicht getan.</strong></p>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2015/10/surp_20150911_0_0_18.pdf">«Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!»</a>: Nicht in einem Hetzorgan fundamentalistischer Wahnsinniger, sondern im <a href="http://www.vereinsurprise.ch/magazin/archiv-2015/surprise-35815/" target="_blank">«führenden Strassenmagazin der Schweiz Surprise»</a>, laut Selbsteinschätzung «journalistisch hochwertig», ist dieser Mordaufruf erschienen. Bereits einmal musste sich Roger Köppel <a href="http://zhpv.ch/mohammed-karikaturen-koppel-unter-polizeischutz/" target="_blank">Sorgen um seine persönliche Sicherheit</a> machen, als er 2006 mutig die Mohamed-Karikaturen nachdruckte. Islamistische Hetzer riefen dazu auf, ihn umzubringen und ein Pakistanischer Student versuchte mit einem Messer <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/karikaturenstreit-selbstmord-nach-versuchtem-angriff-auf-chefredakteur-der-welt-a-414669.html" target="_blank">den Worten die Tat folgen</a> zu lassen. Zum Glück erfolglos.</p>
<p>Dass nun ausgerechnet der Zürcher Tages-Anzeiger für den Mordaufruf <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/theater/kuenstler-knoepfen-sich-koeppel-vor/story/28003800" target="_blank">Verständnis aufbringt</a>, entbehrt nicht einer bitteren Ironie der Geschichte. Publizistisch zu verantworten hat die feige Reaktion auf die infame Interpretation der Skandalzeile letztlich Chefredaktor Res Strehle. Ausgerechnet er, den die «Weltwoche» von Roger Köppel mit Dokumenten aus Strehles linksradikaler Vergangenheit in Verlegenheit gebracht hatte.</p>
<p>«Die Message und die Bildsprache des Gastbeitrags (in «Surprise») scheinen unmissverständlich, mit der zum Mord an Köppel aufgerufen wird», leitete Andreas Tobler, «Mitarbeiter Kultur» am Tages-Anzeiger, seinen launigen Beitrag ein. Was heisst da «scheinen»? Dieser «Aufruf zum Mord» könne als eine Reaktion auf Köppels Auftritt in der Talkshow «Menschen bei Maischberger» im deutschen Fernsehen «verstanden werden», wo er sich «in gewohnt pointierter Manier» geäussert habe, erklärt Tobler. Verstanden werden? Zudem stehe diese «Künstleraktion» in der Tradition von Christoph Schlingensief, der auch wiederholt zum Mord an <a href="http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=t006" target="_blank">Helmut Kohl</a> und <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2002-46/artikel-2002-46-toetet-blocher.html" target="_blank">Christoph Blocher</a> aufgerufen habe.</p>
<p>Ach so, hier wird die Freiheit der Kunst in Anspruch genommen. Satire darf alles, Künstler neigen halt zu Zuspitzungen, wollen Denkanstösse geben. Schliesslich handle es sich nur um einen «Theatermord», schreibt der Tages-Anzeiger im Vorspann zum Artikel. Da kann der Kunstkenner feinsinnig zwischen Mordaufrufen von religiösen Wahnsinnigen und künstlerisch wertvollen Mordaufrufen von anderen Amoks unterscheiden. Während wir alle entrüstet über Hass- und Hetzkommentare in den asozialen Netzwerken und im Internet allgemein sind, veröffentlicht dieses Blatt eine wohlwollende Rezension eines hetzerischen Mordaufrufs.</p>
<p>Zu verantworten hat die in «Surprise» gezeigte Zeile «Tötet Köppel» ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Ruch" target="_blank">Philipp Ruch</a>, seines Zeichens «Chefunterhändler» und «Theatermacher» beim <a href="http://www.politicalbeauty.de/" target="_blank">«Zentrum für politische Schönheit»</a> in Berlin, der damit Werbung für ein Theaterstück machen möchte. Das Strassenmagazin «Suprise» wird von einem Trägerverein herausgegeben, der vom emeritierten Basler Strafrechtsprofessor Peter Aebersold präsidiert wird. Und der Tages-Anzeiger schliesslich versteht sich den höchsten journalistischen Standards verpflichtet, denen auch der Autor Tobler nachzuleben hätte. Strehle sieht in diesem «nachrichtlich und nicht reisserisch aufgemachten Beitrag» keine «journalistische Fehlleistung». Im Übrigen sei seine persönliche Meinung, dass der Mordaufruf «geschmacklos» sei. Geschmacklos? Ein Redaktor von «Surprise» liess eine längliche «Stellungnahme der Redaktion» zukommen. Es handle sich «nicht um einen Aufruf zur Gewalt gegen eine Person». Ach nein?</p>
<p>Und Strafrechtsprofessor Aebersold sieht «strafrechtlich kaum ein Problem», würde allerdings mit der Redaktion von «Surprise» «ein Gespräch führen», falls diese Veröffentlichung «zu einem Einbruch der Verkaufszahlen» führen sollte. «Frau Sylvia Egli von Matt, die im Vorstand für die journalistischen Belange zuständig ist, geht aber nicht von einer solchen Entwicklung aus.» Da ist der Umkehrschluss erlaubt, dass Mehrverkäufe durch einen Mordaufruf allgemeinen Beifall fänden. Insbesondere von Egli von Matt, die ansonsten überall anzutreffen ist, wo es um die Bewahrung höchster ethischer Massstäbe im Qualitätsjournalismus geht. Vielleicht könnte sie im «Stifterverein Medienqualität Schweiz» mal einen Vortrag halten: «Wie man mit einem knackigen Mordaufruf die Auflage steigert.»</p>
<p>Fachlich nicht sattelfest behauptet Egli von Matt gegenüber der Medienwoche, «im äussersten Fall» könnten nur «die Autoren belangt werden», im Übrigen handle es sich nicht um einen «Mordaufruf», sondern um den «Versuch, mittels eines künstlerischen Stilelements zum Nachdenken zu animieren». Markus Notter, Präsident des <a href="http://medienqualitaet-schweiz.ch/" target="_blank">«Stiftervereins Medienqualität Schweiz»</a>, hält zwar die Publikation «für völlig verfehlt», ist aber davon «überzeugt, dass Frau Egli von Matt bei der internen Aufarbeitung dieses umstrittenen Beitrags ihre Verantwortung wahrnehmen wird». Das könnte schwierig werden, da sie betont, dass sie keine Aufsichtspflicht habe und die Redaktion «unabhängig agiert». Allenfalls werde man in «Ruhe analysieren und prüfen, ob und welche Massnahmen zu treffen sind, um künftig Missinterpretationen vermieden werden können». Eine fehlerfreie Beherrschung der deutschen Sprache wäre sicher ein Anfang.</p>
<p>Der Autor des Artikels im Tages-Anzeiger antwortete nicht auf mehrere Anfragen, ebenso wenig der eigentliche Urheber. Zum Mord aufrufen, den Mordaufruf publizieren, dem Mordaufruf unkritisch, distanzlos und ungefiltert die Plattform der grössten Qualitätszeitung der Schweiz bieten, das können diese Herren. Da es nicht nur fundamentalistische Amoks gibt: Was sagen diese verantwortungslosen Gesellen, wenn Roger Köppel tatsächlich etwas zustossen sollte? «Das haben wir nicht gewollt? Nie hätten wir gedacht, dass eine Kunstaktion solche Folgen haben könnte?» Wie würden sie sich erregen, wenn eine «Kunstaktion» formulieren würde: «Res Strehle lässt zum Töten aufrufen! Ruft zum Strehle Res Töten auf!» Strafrechtsprofessor Aebersold würde pro bono diesen Fall übernehmen.</p>
<p>Während weder Aebersold noch Egli von Matt Probleme mit diesem Mordaufruf haben, schiebt die «Redaktion Strassenmagazin und Geschäftsleitung Verein Surprise» <a href="http://www.vereinsurprise.ch/erklaerung/" target="_blank">eine «Erklärung»</a> nach. Die Publikation des «Gastbeitrags» sei «ein Fehler» gewesen, dass man «viele Menschen vor den Kopf gestossen und Gefühle verletzt» habe, tue «leid». Ja sogar: «Dazu müssen wir ernüchtert und selbstkritisch feststellen: Wir haben die Wirkungen und Interpretationen dieses Gastbeitrags eindeutig unterschätzt.» Eine Kehrtwende in Form von Geschwafel. Denn was könnte man an der Wirkung eines Mordaufrufs unterschätzen? Auf Nachfragen antwortet Prof. Aebersold nicht mehr. Inzwischen <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/mord-drohung-gegen-koeppel-jetzt-ermittelt-die-staatsanwaltschaft-id4174354.html" target="_blank">laufen Vorermittlungen</a> im Auftrag der Zürcher Staatsanwaltschaft. So untersucht die Polizei, ob sich der Autor des Aufrufs wegen einer öffentlichen Aufforderung zur Gewalttätigkeit strafbar gemacht hat.</p>
<p><span style="line-height: 1.5em;">Ich halte nichts von strafrechtlicher Verfolgung in diesem Fall. Ich halte dagegen sehr viel von Verantwortung. Mit der Übernahme der Kostenfolgen eines Personenschutzes für Roger Köppel ist es nicht getan. Professor Aebersold muss seiner Verantwortung nachleben, indem er sich für diese unglaubliche Fehlleistung entschuldigt und von seinem Amt als Präsident von «Surprise» zurücktritt. Res Strehle muss seiner Verantwortung nachleben, indem er sich für diesen unglaublichen Artikel in seinem Blatt entschuldigt und als Chefredaktor zurücktritt. Mitsamt der Redaktion von «Surprise».</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/05/ein-mordaufruf-ist-ein-mordaufruf/">Ein Mordaufruf ist ein Mordaufruf</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Tadel und Lob</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[MW Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 10:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Lüönd]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalbank]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre C. Meier]]></category>
		<category><![CDATA[SNB]]></category>
		<category><![CDATA[Edith Hollenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Sylvia Egli von Matt]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Russ-Mohl]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus. Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex Sylvia Egli von <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/Philipp-Hildebrand1.jpg" alt="" width="120" height="120" />Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus.<br />
<span id="more-30420"></span></p>
<ol>
<li><a href="#kari">Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers</a></li>
<li><a href="#pierre">Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex</a></li>
<li><a href="#sylvia">Sylvia Egli von Matt: Freibrief für Schlammschlachten</a></li>
<li><a href="#russ">Stephan Russ-Mohl: Publizistischer Konflikt</a></li>
<li><a href="#kwz">Kurt W. Zimmermann: Rechercheverweigerung</a></li>
</ol>
<p><a name="kari">Karl Lüönd, Publizist und Jäger</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/02/lueond_dup.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Ich wundere mich, dass die «Weltwoche» in ihrer Ausgabe vom 12. Januar von den Fakten her nicht nachlegen konnte. Wenn man so einen Scoop hat, behält man mit Vorteil immer man etwas Pulver zurück für den zweiten Schuss.<br />
Ich habe mich auch darüber gewundert, wie weit sich die Weltwoche und der von mir überaus geschätzte Kollege Urs Paul Engeler aus dem Fenster gelehnt haben, auch emotional. Der unbestrittene Teil der Story war doch stark genug: Über das Konto des Nationalbankpräsidenten ist ein Devisendeal im sechsstelligen Bereich gelaufen &#8211; das reicht doch. Warum dann aber Schlötterlinge wie «Gauner» und dergleichen, was nur Prozessrisiko schafft und &#8211; schlimmer &#8211; ein Urteil bedeutet, das man bei dieser Stärke der Fakten durchaus dem Leser überlassen könnte?<br />
Die Reaktionen der ausländischen, vor allem der angelsächsischen Medien waren übrigens bedeutend kühler und gegenüber Hildebrand kritischer als diejenigen in den meisten Schweizer Medien. Hier hat einmal mehr das Anti-Blocher-Grundrauschen den normalen journalistischen Reflex überstimmt. Der Kerl darf einfach nicht recht haben, auch wo er recht hat. Devisengeschäfte in diesem Umfang sind für einen Geheimnisträger an der Spitze der Notenbank ein klares «no go».<br />
Sodann würde mich interessieren, warum die Weltwoche ­ so sieht es jedenfalls für den Aussenstehenden aus ­ den Informanten aus der Bank Sarasin so rücksichtslos verheizt hat. Im Fall Wyler/Zopfi war Alex Baur dagegen so etwas von rücksichtsvoll und einvernehmlich mit seinen Gewährsleuten. Und nur über den Mittelsmann Lei mit dem Whistleblower zu kommunizieren wäre mir definitiv zu riskant gewesen.<br />
Seit Donnerstag hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, die Weltwoche sei das Opfer ihres eigenen Jagdfiebers geworden. So lange hatten sie den Hildebrand folgenlos verfolgt und kritisiert &#8211; und jetzt hatten sie ihn! Sie haben dann geschossen, sie haben auch getroffen, aber  sie haben wohl das falsche Kaliber verwendet: eine Wildsaupatrone, wo auch Vogelschrot gereicht hätte. Schiessen mag notwendig gewesen sein. Aber weidmännisch war das nicht wirklich.</p>
<p><a name="pierre">Pierre C. Meier, Chefredaktor Werbewoche</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/pcm.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Meiner Ansicht nach die beste Analyse der causa Hildebrand efolgte durch <a href="https://www.facebook.com/notes/zeit-schweiz/einer-geht-noch/357259754299794" target="_blank">Peer Teuwsen</a>. Leider vergass er die Rolle der Medien zu hinterfragen. Die war genau so pitoyabel, wie die der Wirtschaft. Dadurch, dass die ganze Sache von der rechten Schmuddelecke aus angestossen wurde, griff zuerst einmal der Anti-Blocher-Reflex. Verständlich aber leider auch unprofessionell. Anstatt, dass man versuchte, durch eigene Recherchen der Wahrheit näher zu kommen, nahm man den angeschossenen Hildebrand nur in Schutz und überliess so das Feld den selbsternannten Moralhütern der SVP. Kritischer Journalismus sollte immer neutral bleiben, auch wenn die Sympathien beim Verdächtigen liegen.</p>
<p><a name="sylvia">Sylvia Egli von Matt, Direktorin Journalistenschule MAZ</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/userphoto/sylvia.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Die Berichterstattung zum Fall Hildebrand zeigt, dass es nach wie vor Medien gibt, die ihren Job seriös und klug machen. Manchmal habe ich den Eindruck, sogar besser als früher – umfassender, einordnender, kritischer. In der Folge werden nun wohl Reglemente der SNB verschärft.<br />
Die aktuelle Arbeit der Medien zeigt aber auch Defizite auf:</p>
<ol>
<li> In Sachen Quellen/Quellenkritik: Es ist bedenklich, dass Politiker gewisse Medien für ihre Kampagne instrumentalisieren konnten. Ebenso, dass die Aussagen von Urs Paul Engeler kaum kommentiert werden: «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht. Blenden wir die Tatsachen nicht aus: Es gibt regelmässig Geschichten, die sich nicht auf zwei Quellen abstützen lassen. Entscheidend ist, dass der Journalist seinen Informanten als glaubwürdig und sicher einschätzt. Das habe ich gemacht.» Schliesslich handelt es sich bei den Vorwürfen ja um eine Geschichte mit immenser Tragweite – und nicht um journalistische Alltagsroutine.</li>
<li> In Sachen Sprache: Journalisten sollten nicht mit Attributen wie &#8222;Gauner&#8220; hantieren. Das ist eine Verluderung, ein Freibrief für Schlammschlachten. Was angeblich den demokratischen Prozessen nützen soll, schadet ihnen.</li>
<li> In Sachen Personalisierung: Diese attraktiviert die Geschichte zwar zweifelsohne, sie hat aber ihren Preis. Immer öfter wird «auf den Mann gezielt», bzw. «auf die Frau».</li>
</ol>
<p>Die Causa Hildebrand bietet einigen Stoff für Reflexion und Lehren. Auch für die Medien.</p>
<p><a name="russ">Stephan Russ-Mohl, Professor Uni Lugano</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/russ_mohl.jpg" alt="" width="120" height="121" /> Spannend wird die Sache wohl erst richtig, wenn man die Causa Hildebrand mit der Causa Wulff vergleicht &#8211; und vor allem die bisherigen Skandalisierungsmuster aufseiten der Medien.<br />
Die ursprünglichen Verfehlungen der beiden Präsidenten, die den Anlass zur Skandalisierung lieferten, scheinen mir in etwa «gleichwertig», auch wenn die Devisengeschäfte von Hildebrands Frau näher am Kerngeschäft des Nationalbankpräsidenten dran waren als die Kreditaufnahme des Minister- und späteren Bundespräsidenten bei «friends &amp; family».<br />
Ganz unterschiedlich verlief dagegen der Prozess der Skandalisierung: In der Schweiz war es, so weit ich das beobachten konnte, eher ein publizistischer Konflikt zwischen Weltwoche und dem Rest der Journaille, mit einigen differenzierten Zwischentönen, zum Beispiel von der NZZ. In Deutschland haben wir dagegen den seltenen Fall, dass von taz bis FAZ, von Bild über Frankfurter Rundschau bis hin zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Medien gemeinsam den Bundespräsidenten zum Rücktritt drängen &#8211; allerdings auch, weil er, anders als Hildebrand, bei seiner Selbstverteidigung einen Fehler nach dem anderen beging.<br />
Mich hat deshalb der Rücktritt von Hildebrand eher überrascht. Wulff wäre aus «wissenschaftlicher» Sicht – wenn man zum Beispiel Hans Mathias Kepplingers gediegene Studien zu Skandalisierungsprozessen zugrundelegt–- wohl als erster «dran» gewesen, weil er sich einer geschlossenen Phalanx der Medien gegenüber sieht. Aber in Deutschland ist der Konflikt wohl inzwischen auch zu einem sehr merkwürdigen Machtkampf zwischen moralisierenden Medien und einer in Fragen des Machterhalts über Parteigrenzen hinweg wenig feinfühligen politischen Klasse eskaliert, wie er in der Schweiz kaum denkbar wäre.</p>
<p><a name="kwz">Kurt W. Zimmermann, Medienkolumnist Weltwoche</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/kwz.jpg" alt="" width="120" height="120" />Die Rechercheverweigerung der Schweizer Journalisten im Fall Hildebrand gehört zu den skurrilsten Kapiteln unserer neueren Mediengeschichte. Lieber ein weissgewaschener Persilschein für einen Nationalbankchef als eine Untertagearbeit im Dreck der Wahrheit, war die Devise meiner Medienkollegen. Skurril und irreal.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Tadel und Lob</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Dürfen die das?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/19/durfen-die-das/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[MW Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 11:04:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Sylvia Egli von Matt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten und Medien gebärden sich bisweilen eigenartig und handeln schwer nachvollziehbar. Nun ist das keine Exklusivität dieser Branche, auch anderswo geschieht manch Merkwürdiges. Nur irritiert es in den Medien umso stärker, da sie selbst sofort zur Stelle sind, wenn sich anderswo Widersprüche auftun. Anstatt nur den Kopf zu schütteln, fragen wir nun regelmässig in Kolumnenform: <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/19/durfen-die-das/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/19/durfen-die-das/">«Dürfen die das?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten und Medien gebärden sich bisweilen eigenartig und handeln schwer nachvollziehbar. Nun ist das keine Exklusivität dieser Branche, auch anderswo geschieht manch Merkwürdiges. Nur irritiert es in den Medien umso stärker, da sie selbst sofort zur Stelle sind, wenn sich anderswo Widersprüche auftun.<br />
<span id="more-28794"></span><br />
Anstatt nur den Kopf zu schütteln, fragen wir nun regelmässig in Kolumnenform: «Dürfen die das?» <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/19/gruppenbild-ohne-dame/">Den Anfang macht Sylvia Egli von Matt</a>. Die Direktorin der Journalistenschule MAZ hat sich das offizielle Porträtbilder der SRG-Spitze angeschaut und dabei Erstaunliches, aber nur wenig Überraschendes, festgestellt und sich sofort gefragt: «Dürfen die das?»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/19/durfen-die-das/">«Dürfen die das?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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