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	<title>Telezüri | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wir waren jung und furchtbar stolz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2014 10:03:53 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Zürich steigt Bundeskanzler Helmut Kohl aus dem Flugzeug, wuchtet sich die Gangway runter und: Bumms! knallt sein Bauch in die Kameralinse eines TeleZüri-VJs. «Na, wie gefällt Ihnen Zürich?», fragt der Einmann-Reporter und reisst seine Hi8 hoch. «Keine Ahnung», keucht Kohl, «ich seh ja nur Sie.» klingt unglaublich, ist aber nicht erfunden. Die Szene hat <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/06/wir-waren-jung-und-furchtbar-stolz/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Zürich steigt Bundeskanzler Helmut Kohl aus dem Flugzeug, wuchtet sich die Gangway runter und: Bumms! knallt sein Bauch in die Kameralinse eines TeleZüri-VJs. «Na, wie gefällt Ihnen Zürich?», fragt der Einmann-Reporter und reisst seine Hi8 hoch. «Keine Ahnung», keucht Kohl, «ich seh ja nur Sie.» klingt unglaublich, ist aber nicht erfunden. Die Szene hat sich so zugetragen damals vor 20 Jahren, beim Start von TeleZüri. Unser Kolumnist Nik Niethammer war dabei.<br />
<span id="more-21330"></span><br />
Nah. Näher. TeleZüri. Darauf hatte uns Michael Rosenblum aus New York, legendärer Erfinder des Videojournalismus, eingeschworen. Damals in einem muffigen Hinterzimmer im Hotel Limmat im August 1994. Roger Schawinski holte ihn und seine Freundin für viel Geld nach Zürich; ein Coup. Die beiden sollten uns, die wir alle vom Fernsehmachen keinen blassen Schimmer hatten, einen neuen Beruf beibringen. In zwei Monaten. In englischer Sprache.</p>
<p>Fortan war Ausnahmezustand. Der erste Auftritt von Rosenblum: ein Aufruf zur Revolution und Kindergeburtstag. Der Meister schrie, tanzte, zappelte drei Stunden um uns herum. Hämmerte uns ein, dass die Menschen nach TeleZüri lechzten. Weil das Schweizer Fernsehen so unfassbar langweilig sei. Abgefilmte Pressekonferenzen, keine Persönlichkeiten vor der Kamera, keine Geschichten, die berühren, einen ärgern oder Tränen in die Augen treiben. Wir, 15 unerschrockene, zum äussersten entschlossene Schawinski-Jünger, lauschten dem Guru und manch einer fragte sich: wo bin ich hier gelandet. Am Nachmittag bekam jeder einen grossen Karton auf den Tisch gestellt. Zeit, sein Handwerkszeug zusammen zu bauen: Kamera, Rucksack, Stativ, Kabel, Akku, Mikrophon, Kassetten, Stecker, Stöpsel und sehr viel Styropor, nach wenigen Minuten herrschte das totale Chaos. Bis in die Nacht hinein sah man erwachsene Männer, die auf allen Vieren nach Lithiumbatterien und Adaptern suchten.</p>
<p>Die ersten Monate on air waren Stochern im Nebel. Jeder Blechschaden, jede umgekippte Mülltonne, jede abgefackelte Hundehütte wurde ins Programm gehievt. Es gab an ungefähr keiner Stelle im Programm wirklich sendbares Material. Die Bilder waren wahlweise verwackelt. Überblendet. Unterbelichtet. Und gerne auch unscharf. Politiker weigerten sich, vor TeleZüri-Kameras zu treten, weil sie aussahen wie Ausserirdische mit Hautproblemen. Derweil gab sich Rosenblum unverdrossen optimistisch, lobte («You are even better than CNN») und tadelte («This is really a piece of shit. I would kill myself»). Seine, nun ja: eigenwillige Art der Motivation hielt uns auf Trab. Als Reto Brennwald einmal seine Anweisung, «no Schwänk, no Zoom» missachtete und bei der Neueröffnung eines Elektronikshops Duzende Fernsehapparate abschwenkte, flippte Rosenblum aus. In Richtung Roger Schawinski schrie er: «I would fire him.»</p>
<p>Überhaupt: Roger Schawinski. In den Anfängen von TeleZüri oft angespannt, nervös, auch launisch, harsch in der Kritik, später entspannter, gelassener doch immerzu fordernd, stolzer Übervater, Denker und Lenker, unermüdlicher Antreiber, Motivator und Ideenlieferant. Ein Ziel vor Augen: das Schweizer Fernsehen zu ärgern. Sein Motto: es gibt keine Probleme, nur Lösungen. Sein Standardspruch: Es ist schwierig. Aber Du liebst doch Herausforderungen.</p>
<p>Einmal portraitierte ihn Tagi-Karrikaturist Nico als TeleZüri-Krake, als Geschäftsführer, Programmchef, Chefredaktor, Personalchef, Talkmaster, Controller, Maskenbildner, VJ und Putzmeister in Personalunion, der nach Programmschluss noch den Studioboden feucht durchwischt. Ein Bild, das Schawinski schmeichelte, ihm aber auch etwas peinlich war, wie ein Anruf beim Schreibenden bezeugt. Der TeleZüri-Gründer gefiel sich in der Rolle des alleinigen Vorturners. Seine wichtigsten Mitarbeiter aus Redaktion, Technik und Vertrieb blieben stets im Hintergrund, auf öffentliches Lob warteten sie in all den Jahren vergebens. Intern aber erhielten wir von Roger die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die es uns leicht machte, immer wieder an unsere Grenzen zu gehen.</p>
<p>Und mit den Jahren wurde TeleZüri besser. Schneller. Professioneller. Die besten Ideen entstanden bei einem Teller Pasta in der Pizzeria Gallo am Escher-Wyss-Platz. Roger liess seine Gedanken fliegen, und ich notierte sie auf einer Papierserviette. Noch am gleichen Abend begann ich jeweils mit der Umsetzung. Die Mister Schweiz Wahlen auf TeleZüri? Klar doch. Die Street Parade? Live-Fernsehen ist hipp, also hopp. Englischer Fussball? Coole Idee, machen wir, mit Roger am Mikrophon. Als das Spiel einmal während Minuten unterbrochen war und der Fernsehzuschauer nur noch Rauchschwaden auf seinem Bildschirm sah, erzählte der Kommentator im Steinfels-Studio, der ja auch nur das Fernsehbild sah, halt ein wenig aus seiner Zeit als junger Fussballfan in Zürich-Wiedikon. Und nahm Zuschauerfragen entgegen.</p>
<p>Es war eine wunderbare Zeit. Wir waren jung und furchtbar stolz auf TeleZüri, wir waren wie eine grosse WG, eine verschworene Gemeinschaft, und alle waren wir ein wenig in Eva Wannenmacher verliebt. Abends schauten wir zusammen die Sendung, und morgens tranken wir Kaffee im «Back und Brau», wir wurden auf der Strasse erkannt, weil die Menschen unsere Gesichter von den Standups kannten («Für TeleZüri vom Kaserneareal, dä…»). Wir waren schnell, wahnsinnig schnell, einmal klappte ich das Stativ wieder zusammen, als das Team vom Schweizer Fernsehen gerade auf dem Brandplatz eintraf. Der Kameramann durfte einen kurzen Blick in meinen Sucher werfen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es aussah, als der Dachstuhl noch im Vollbrand stand…</p>
<p>Auf wenige Dinge kann man sich heutzutage noch verlassen: Am Morgen geht die Sonne auf, pünktlich zur Ferienzeit staut es vor dem Gotthard und TeleZüri sendet News, Info und Talk.</p>
<p>Dass das so bleibt, das wünsche ich mir. Und dann wünsche ich mir vom selbsternannten Mister TeleZüri Markus Gilli, dass er einmal, nur ein einziges Mal öffentlich zugibt, dass sein erbitterter Widerstand gegen TeleZüri vor 20 Jahren ein Fehler war.</p>
<p><small>Der Autor war von 1995 bis 1999 Chefredaktor von TeleZüri</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/06/wir-waren-jung-und-furchtbar-stolz/">Wir waren jung und furchtbar stolz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>An den Originalschauplätzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob &#124; Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 11:10:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Telezüri]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Ackeret]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Paul Engeler]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
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		<category><![CDATA[Markus Gilli]]></category>
		<category><![CDATA[Tele Züri]]></category>
		<category><![CDATA[Teleblocher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei aller unterschiedlicher Einschätzung der Vorgänge, die zum Rücktritt von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand führten, lieferten die letzten Wochen einen erhellenden Einblick in die Mechanismen der Medien. Zehn Beobachtungen auf zehn Schauplätzen. Ideologie statt Solidarität Der Jäger Online schlägt Print Im Twitter-Sog Die Medienkonferenz der SNB Auf wessen Namen lautet das Konto? Was ist ein Screenshot? <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/hildi_klein.jpg" alt="" width="120" height="119" /> Bei aller unterschiedlicher Einschätzung der Vorgänge, die zum Rücktritt von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand führten, lieferten die letzten Wochen einen erhellenden Einblick in die Mechanismen der Medien. Zehn Beobachtungen auf zehn Schauplätzen.<br />
<span id="more-30419"></span></p>
<ol>
<li><a href="#ideologie">Ideologie statt Solidarität</a></li>
<li><a href="#upe">Der Jäger</a></li>
<li><a href="#online">Online schlägt Print</a></li>
<li><a href="#twitter">Im Twitter-Sog</a></li>
<li><a href="#medienkonferenz">Die Medienkonferenz der SNB</a></li>
<li><a href="#konto">Auf wessen Namen lautet das Konto?</a></li>
<li><a href="#screenshot">Was ist ein Screenshot?</a></li>
<li><a href="#quellen">Die Sache mit den Quellen</a></li>
<li><a href="#gilli">TV-Duell: Gilli vs. Ackeret 1:0</a></li>
<li><a href="#treibjagd">«Mechanik einer Treibjagd»</a></li>
</ol>
<p><a name="ideologie"><strong>Ideologie statt Solidarität</strong></a><br />
Es ist erstaunlich, wenn nicht verstörend, wie viele Journalisten auf die Enthüllungen reagierten. Statt die Vorwürfe selbst zu prüfen und sich ein eigenes Bild der Lage zu machen, kümmerten sie sich zu allererst um die Enthüller (Weltwoche, Blocher, Whistleblower) und fragten nach deren Motiven. <a href="http://journal21.ch/k%C3%B6ppel-muss-gehen">Auf Journal21.ch</a> will ein aufgeregter René Zeyer gar die «Weltwoche» schliessen und hält das nicht mal für einen Eingriff in die Pressefreiheit. Wer einzelne Artikel liest und Journalisten auf Twitter und Facebook zuhört, stösst auf Ideologie statt Solidarität. Müssten Journalisten nicht Leute, die möglicherweise relevante Vorwürfe erheben, zunächst mal unterstützen, unabhängig ihrer Herkunft? Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt zwar jeder Angeschuldigte unschuldig, aber als Teil der kritischen Öffentlichkeit sind Journalisten doch selbst dringend auf die Solidarität des anderen Teils der kritischen Öffentlichkeit angewiesen. (rg)</p>
<p><a name="upe"><strong>Der Jäger</strong></a><br />
Seine Trophäensammlung wurde eben um einen prominenten Namen reicher. Urs Paul Engeler, meinungsstarker Reporter mit ausgeprägtem Jagdinstinkt, brachte mit seinem Artikel in der Weltwoche jene Dynamik in Gang, die zum Rücktritt von Philipp Hildebrand führte. Wenige Wochen zuvor war es Bundesratskandidat Bruno Zuppiger, dem ein Engeler-Artikel zum Verhängnis wurde und auch an der Demontage von Bundesanwalt Erwin Beyeler schrieb der Weltwoche-Autor fleissig mit. Der Branche scheint diese Form von Journalismus zu gefallen. Aus einer Publikumswahl ging Engeler jüngst als «Journalist des Jahres» hervor. Ein Titel, aus dem sich der Ausgezeichnete nicht viel macht. Ja, er wäre sogar bereit, darauf zu verzichten – allerdings nicht als Eingeständnis irgendwelcher Verfehlungen. In der Affäre Hildebrand stehe er weiterhin «zu jeder Zeile meines Artikels», sagte Engeler der Basler Zeitung. Nun fragt man sich natürlich: Who&#8217;s next? Die Liste der Zielobjekte ist lang. Engeler hält den halben Bundesrat, den ganzen Bankrat und den Chef der Finanzkontrolle wegen ihrer Rolle in der Affäre Hildebrand für «untragbar». (nil)</p>
<p><a name="online"><strong>Online schlägt Print</strong></a><br />
Es gibt nichts älteres als die Zeitung von gestern, lautet ein Sprichwort. In der Affäre Hildebrand kam es noch schlimmer für das gedruckte Medium: Es gibt nichts älteres als die Zeitung von morgen. Noch bevor die Weltwoche am vergangenen Donnerstag ausgeliefert wurde, hatte Wirtschaftspublizist Lukas Hässig <a href="http://www.20min.ch/news/dossier/hildebrand/story/Bank-Sarasin-dementiert-Vorwuerfe-13437818" target="_blank">am Vorabend auf 20 Minuten online</a> bereits den Artikel von Urs Paul Engeler zerpflückt. Das war natürlich nur deshalb möglich, weil auch die Weltwoche einen Teil ihrer Texte zuerst im Netz zugänglich gemacht hatte. Überhaupt blieben nur wenige Texte den bezahlenden Zeitungskäufern und -abonnenten vorbehalten; die Musik spielt online. Breaking News, überraschende Wendungen, Enthüllungen und die Post vom Datendieb halten sich nicht an einen Redaktionsschluss. Wer mit der Veröffentlichung bis zur nächsten Zeitungsausgabe wartet, riskiert von der Konkurrenz abgehängt zu werden. (nil)</p>
<p><a name="twitter"><strong>Im Twitter-Sog</strong></a><br />
Während der heissen Phase der Affäre Hildebrand fungierte Twitter als öffentliche Informations- und Diskussionsplattform in einem für Schweizer Verhältnisse noch nie gesehenen Ausmass. Aus allen Redaktionen, die zum Fall recherchierten, waren zahlreiche Journalistinnen und Redaktoren auf Twitter präsent. Den Peak erreichte das Gezwitscher während den beiden Medienkonferenzen von Philipp Hildebrand. Aber auch nach der Veröffentlichung von Primeurs und neuen Erkenntnisse schnellte der Pegel jeweils hoch. Die Dynamik auf Twitter entwickelte sich zu einem regelrechten Sog, dem sich auch Journalisten nicht mehr entziehen konnten, die bislang auf Twitter vor allem durch Schweigen aufgefallen waren. Neuerdings aktiv mit dabei sind zum Beispiel <a href="https://twitter.com/#!/hbritschgi">Hannes Britschgi</a> (Ringier), <a href="https://twitter.com/#!/andikunz">Andreas Kunz</a> (Weltwoche) oder <a href="https://twitter.com/#!/a_durisch">Andreas Durisch</a> (Ex-CR Sonntagszeitung) (nil).</p>
<p><a name="medienkonferenz"><strong>Die Medienkonferenz der SNB</strong></a><br />
Philipp Hildebrand eröffnete die Pressekonferenz der SNB am 5. Januar um 16 Uhr mit klaren, sicheren Worten, ohne irgendwelche Ähs oder Öhs (<a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=6012e730-e23a-4357-9af0-0447a3918083">hier in voller Länge</a>). Aber offenbar war es sehr heiss im Saal, denn Hildebrand begann schon nach wenigen Minuten stark zu schwitzen &#8211; man hätte ihm <a href="http://www.hossli.com/articles/2011/12/19/der-fehlgriff-in-den-kleiderschrank/">wie Richard Nixon</a> ein Taschentuch reichen wollen. Wenn Schwitzen Teil der Körpersprache ist, dann hat die Körpersprache deutlich gesprochen (ab Minute 24). Bei den Fragen der Journalisten fasste Hildebrand wieder Tritt und bedankte sich zuerst artig für jede Frage, um sie dann aber ausweichend oder auch gar nicht zu beantworten. Nicht genehme Fragen wurden abgewürgt, offenbar genehme Fragen, zum Beispiel jene des Westschweizer TV und Radios, länglich beantwortet. Fragesteller wurden willkürlich ausgewählt, die Veranstaltung nach einer Stunde abgebrochen und nicht, als es keine Fragen mehr gab. Hildebrand: «Was wollen wir, noch eine oder noch zwei? Also, noch eine.». Dass Roger Köppel, der selbst keine Frage stellen durfte, in der Konferenz <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=99457">«sowjetische Züge»</a> erkannte, verwundert nicht. Zwar war die aufgeräumte Gutgelauntheit von Hansueli Raggenbass an der Pressekonferenz so gar nicht sowjetisch, um so mehr aber seine Anwesenheit. Als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerische_Nationalbank#Bankrat">Präsident des Bankrats</a> sollte er doch die angeschuldigte Geschäftsführung der Nationalbank beaufsichtigen und kontrollieren &#8211; und nicht beim Aufkommen von Vorwürfen diese Seite an Seite verteidigen. (rg)</p>
<p><a name="konto"><strong>Auf wessen Namen lautet das Konto?</strong></a><br />
Was wurde nicht alles geschrieben über Kashya Hildebrand, die Frau des Nationalbankpräsidenten. Fantasien über fiktive Frühstücksgespräche des Ehepaars waren nicht nur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Hach-ich-fuehle-mich-wohl-bei-dieser-Transaktion/story/23080724">auf tagesanzeiger.ch</a> zu lesen, sondern auch in der «Südostschweiz am Sonntag». Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», behauptete in seinem <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/blochers_fragwuerdige_rolle_1.14015441.html">Text vom 1. Januar</a> gar fälschlicherweise, dass sich die Transaktionen auf ihrem, nicht seinem Konto abspielten: «Auf welchem Weg die Unterlagen über die privaten Konti von Kashya Hildebrand zu Blocher gelangt sind, ist unklar.» Die beiden Schlusssätze des Artikels, der auf nzz.ch seltsamerweise ohne den Namen des Autors auskommen muss, lauten: «Das Gewinnpotenzial, das Hildebrand aus den beiden Transaktionen winkt, beläuft sich laut Informationen der NZZ am Sonntag auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Dafür riskiert kein Zentralbanker der Welt seinen Job.» Es ist das Verdienst des Whistleblowers und den zuerst berichtenden Medien («Tages-Anzeiger» am 4.1., «Weltwoche» am 5.1.), dass die Öffentlichkeit erfahren hat, dass dem nicht so ist, dass die Währungsspekulationen auf dem Konto von Philipp Hildebrand vorgenommen wurden. Um diese Information zu bekräftigen, hat Urs Paul Engeler in seinen Artikel sogar das Geburtsdatum und die vollständige Adresse von Philipp Hildebrand dazugeschrieben. Das ist einerseits völlig übertrieben, andererseits ist dieser allerwichtigste Fakt der Story bei den meisten anderen Journalisten eben genau nicht angekommen. Noch einmal: Seit dem 4. Januar 2012 ist bekannt, dass auf dem Konto des Nationalbankpräsidenten, der durch seine Handlungen die Währung beeinflussen kann, Devisengeschäfte in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken abgehandelt wurden, also weit über den alltäglichen Gebrauch, zum Beispiel für eine Ferienreise, hinausgehen. Wenn Journalisten darin nicht durch eigenständiges Nachdenken einen Skandal erkennen können und stattdessen erst mal blind auf die Überbringer der Nachricht schiessen, sind sie fehl am Platz, jedenfalls als Journalisten. (rg)</p>
<p><a name="screenshot"><strong>Was ist ein Screenshot?</strong></a><br />
Gegen Ende der Pressekonferenz kam Hildebrand darauf zu sprechen, dass «mit einem Handy oder mit einer Kamera» Fotos von Screenshots genommen wurden. «Offensichtlich wurden so drei Seiten, drei Screenshots entwendet. Ich weiss nicht, ob es per Handy oder per Fotoapparat war, das wurde nicht präzisiert. Aber es wurden Fotografien gemacht von diesen Screenshots, die dann aus der Bank kamen.» Wer nun stutzt und sich fragt, warum nicht einfach Screenshots angefertigt und ausgedruckt wurden, der rechnet nicht mit Nachvollziehbarkeit solcher Vorgänge durch die IT, also der Totalüberwachung der Bankangestellten. Hildebrand weiter: «Ich habe mich da etwas erkundigt, auch bei anderen Banken. Es ist offensichtlich ein generelles Problem. Es gibt jetzt Banken, die angefangen haben, Kameras zu installieren, die sozusagen permanent auf die Screens gerichtet sind, damit man auch sehen könnte, wenn jemand mit einem Handy oder einem Fotoapparat diese Screenshots macht.» (rg)</p>
<p><a name="quellen"><strong>Die Sache mit den Quellen</strong></a><br />
Wie war das schon wieder mit den Quellen im Journalismus? Erst wenn zwei Quellen unabhängig voneinander das gleiche sagen, gilt ein Fakt als gesichert und darf als solcher veröffentlicht werden. Das weiss jeder Journalist. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus, so auch in der Causa Hildebrand. Die Geschichte der Weltwoche fusste auf einer einzigen Quelle. Dass er den Artikel gleichwohl veröffentlicht habe, begründet Autor Urs Paul Engeler mit einer simplen Gleichung: <a href="https://twitter.com/#!/SimonBaertschi/status/155197193328934913" target="_blank">«Mit null Risiko gibts auch null Artikel.»</a> Und ergänzt im Gespräch mit der <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ich-habe-natuerlich-Plausibilitaetstests-gemacht/story/18143284" target="_blank">«Basler Zeitung</a>»: «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht.» Wie wahr. Doch die Weltwoche ist keine Tageszeitung. Aber auch die Kritiker nehmen es nicht immer so genau mit der Zwei-Quellen-Regel: Als Beleg dafür, dass sich Politiker (Plural), die der Weltwoche gegenüber bisher wohlgesinnt waren, vom Blatt abwenden, <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/2063/" target="_blank">nennt «Der Sonntag»</a> gerade mal einen: Martin Bäumle. (nil)</p>
<p><a name="gilli"><strong>TV-Duell: Gilli vs. Ackeret 1:0</strong></a><br />
Zu einem Duell der besonderen Art kam es letzte Woche in Bad Horn. Innerhalb weniger Stunden empfingen sowohl Markus Gilli als auch Matthias Ackeret den SVP-Strategen und «Briefträger» Christoph Blocher zum Fernsehinterview – Gilli für <a href="http://www.telezueri.ch/index.php?id=6815&amp;show_uid=10753&amp;yyyymm=2012.01&amp;cHash=c0c94577ad" target="_blank">TeleZüri</a> und Ackeret für <a href="http://www.teleblocher.ch/new/archives/1080" target="_blank">Teleblocher</a>. Gilli legte am Donnerstagabend  im «Talk täglich» vor mit einer Leistung, die nur schwer zu toppen sein würde. Knappe, direkte Fragen zu den wesentlichen Punkten, die Blocher offensichtlich nicht gerne hört. Der Alt-Bundesrat reagiert mehrfach aufgebracht und wird laut. Als Gilli Blocher nach möglichen politischen Motiven für sein Handeln befragt, wird dieser gar persönlich: «Sie enttäuschen mich, dass Sie diesen Mainstream-Medien nachschwätzen.» Gewohnheitsgemäss gemütlicher zu und her geht es bei Teleblocher. Doch eigentlich würde nichts dagegen sprechen, dass auch Matthias Ackeret Fragen stellt und nicht nur Stichworte liefert und seinem Gegenüber zustimmend zunickt. Umso mehr, als dass Teleblocher ausnahmsweise in direkter Konkurrenz steht zu einem anderen Sender, der den gleichen Gast zum gleichen Thema befragt hat. Doch gefehlt. Auch die spezielle Konstellation vermag den journalistischen Instinkt in Ackeret nicht zu wecken; er lässt die Chance verstreichen. Wie gewohnt gibt sich Ackeret devot, ja unterwürfig und spricht Blocher gar als «Justizminister» an. Nichts Neues aus Bad Horn. Klarer Sieg nach Punkten für Gilli. (nil)</p>
<p><a name="treibjagd"><strong>«Mechanik einer Treibjagd»</strong></a><br />
Vor fünf Jahren beschrieb Weltwoche-Chef Roger Köppel die <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2006-50/artikel-2006-50-mechanik-einer-t.html" target="_blank">«Mechanik einer Treibjagd</a>». Auch damals ging es um eine Bank. Allerdings um eine private. Doch die Zeilen von damals sind im heutigen Kontext durchaus erhellend zu lesen. Zumal dann, wenn man im Originaltext «Bank Swissfirst» mit Nationalbank, «Boulevardpresse und NZZ am Sonntag» mit Weltwoche und «Thomas Matter» mit «Philipp Hildebrand» ersetzt – und siehe da: «Die angebliche Affäre um die Nationalbank droht zu einem Medienskandal zu werden. Die Vorwürfe lösen sich in Luft auf. Aller Voraussicht nach liegt kein Verschulden vor. Seit Monaten dröhnt die Kampagne. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Weltwoche mit schäumender Vehemenz neue Erörterungen zur Nationalbank präsentiert. Die Berichterstattung über die Notenbank sprengt alle Proportionen. Das Sperrfeuer setzte im letzten März ein. Im Januar trat unter dem Druck der öffentlichen Aufregung Nationalbankpräsident Hildebrand zurück. (..) Stellt man ab auf die Schlagzeilen der Weltwoche, spielte sich Besorgniserregendes, ja Skandalöses ab (..) Selten haben die medialen Gerichtshöfe der Moral gnadenloser und erfolgreicher zugeschlagen.» (nil)</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/">An den Originalschauplätzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Natürlich muss man pokern»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 10:46:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma Escor die Radio- und Fernsehsender von Tamedia kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche. Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel? Martin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma <a href="http://escor.ch/newweb/index.php?escor&amp;escororgan&amp;ct=organisation&amp;pagenav=1" target="_blank">Escor</a> die Radio- und Fernsehsender <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/" target="_blank">von Tamedia</a> kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche.<br />
<span id="more-1866"></span><br />
<em>Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Martin Wagner: Nein, Medien sind kein Glücksspiel, sondern ein Business. Im Hinblick auf die digitalen Veränderungen der Medienlandschaft sind wir hier aber vor grössere Herausforderungen gestellt als in anderen Branchen. Die Konvergenz schafft neue Geschäftsmodelle.</p>
<p><em>Sie haben in der Vergangenheit immer wieder Medien gekauft und dann wieder verkauft. Sind Medien also doch ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Jeder dieser Käufe und Verkäufe stand im Zusammenhang mit einer weiteren Transaktion. Das war bei Jean Frey so mit der späteren Veräusserung an Axel Springer und Roger Köppel. Radio Basilisk habe ich an Matthias Hagemann verkauft, damit ich Geld hatte, um die Basler Zeitung zu kaufen. Die BaZ habe ich verkauft, weil ich nicht die Rolle spielen konnte, die ich eigentlich wollte. Ich bin nicht ein Raider, der Beteiligungen kauft, um Profit zu machen. Natürlich muss man bei den Verhandlungen auch pokern. So gesehen schadet es sicher nicht, wenn man sich mit Glücksspiel auskennt.</p>
<p><em>Wie kommen die Kaufverhandlungen mit Tamedia voran?<br />
</em><br />
Wir haben erst unser Interesse angemeldet. Der Verkaufsprozess wird erst noch lanciert. Von den Preisvorstellungen von Tamedia habe ich keine Ahnung. Ich kann mir denken, dass die sich ihre Käufer gut aussuchen und strategische Überlegungen einfliessen lassen.</p>
<p><em>Weshalb wollen Sie ausgerechnet mit ihrer Glücksspielfirma Escor Radio und Fernsehen kaufen? Wie passt das zusammen?<br />
</em><br />
Bei Escor stehen wir vor grösseren Veränderungen. Wir haben unser Glück in Casinos im Ausland gesucht und sind damit gescheitert. Das Auslandgeschäft wird eingestellt. Nun konzentrieren wir uns ganz auf die Schweiz, auf das vielversprechende Casinoprojekt in Zürich, auf den Handel mit Spielautomaten und die Entwicklung von Geschicklichkeitsspielen. Der Bereich Gaming ist dann auch der Link zum Mediengeschäft. Spiele sind ja auch Unterhaltung. Wir streben mit all dem eine Diversifizierung der Firma Escor an zu einer Unterhaltungsholding mit verschiedenen Sektoren.</p>
<p><em>Der Kaufpreis der Tamedia-Sender dürfte sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Woher nehmen sie das Geld?<br />
</em><br />
Ich kann nichts zu den Preisvorstellung sagen, weil es noch keine Zahlen gibt. Da die Escor börsenkotiert ist, können wir einfacher neues Geld aufnehmen auf dem Kapitalmarkt. Ausserdem könnten wir einen Teil des Kaufpreises in Aktien bezahlen. Das wäre für den Käufer interessant, da er die Anteile später zu einem höheren Preis verkaufen kann.</p>
<p><em>Den Kauf der Jean-Frey und der Basler Zeitung Medien tätigten sie jeweils zusammen mit Financier Tito Tettamanti. Wird er nun auch wieder mit von der Partie sein?</em></p>
<p>Nein, das ist ausgeschlossen.</p>
<p><em>Glücksspiel und Rundfunk sind in der Schweiz gesetzlich stark reguliert. Würden Sie beim Kauf von Radio und Fernsehen von ihren Erfahrungen um Umgang mit engen regulatorischen Schranken profitieren?<br />
</em><br />
Absolut. Wir sehen ja in beiden Branchen, wie die Regulierung der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Die Regulierung hat im Glücksspielbereich eine ganze Branche vernichtet. Die erlaubten Geschicklichkeitsspiele sind kommerziell nicht sehr interessant. Inzwischen sind wir da aber wieder so weit, dass wir Geschäftsmodelle gefunden haben. Bei Radio und Fernsehen kann es in Zukunft nicht mehr so aufwändige Konzessionsverfahren geben. Das ist doch nicht zeitgemäss. In acht Jahren, wenn die aktuellen Konzessionen auslaufen, stehen wird vor einer ganz neuen Situation.</p>
<p><em>Die Regulierung und der kleine Markt in der Deutschschweiz sorgen dafür, dass Privatradio und Fernsehen bisher nicht eben Goldgruben waren. Weshalb haben Sie Interesse an Low-Profit-Unternehmen?<br />
</em><br />
Das war in der Vergangenheit sicher so. Da ich aber geschäftlich auch mit Medieninhalten zu tun habe, und nicht nur mit der Distribution, habe ich klare Vorstellungen, wie man in der digitalen Welt erfolgreich geschäften kann. Wichtig ist es, die richtige Zielgruppe anzusprechen. Hier wurde vor allem die Jugend vernachlässigt. Da muss auch bei der Vermarktung ein Umdenken stattfinden. Die Altersgruppe 14 bis 19 ist ebenso interessant, wenn nicht interessanter, als die 19- bis 49-Jährigen. Unsere Aufgabe wird es sein, eine optimale Verknüpfung von Information, Unterhaltung, Gaming und Film hinzukriegen.</p>
<p><em>Ihr Ziel sei es, so sagten sie schon mehrfach, ein Medien- und Unterhaltungsunternehmen nach dem Vorbild von Ringier aufzubauen. Ringier macht vor allem im Ausland gute Geschäfte. Ist das auch ihr Ziel?<br />
</em><br />
Ich sage nicht, dass Ringier mein Vorbild ist. Sie haben einfach die richtige Strategie gewählt. Aber Escor bleibt vorerst ein Schweizer Unternehmen. Was international entstehen kann, sehe ich noch nicht. Aber alles ist ja möglich.</p>
<p><em>In Basel gibt es als Reaktion auf die von ihnen mitverursachten Turbulenzen bei der BaZ eine neue Zeitung. Hat sich das Komitee «Rettet Basel» schon bei Ihnen bedankt?<br />
</em><br />
(lacht) Nein, ich habe noch kein Dankeschön erhalten. Aber ich habe ihnen zu diesem Schritt gratuliert. Diese Leute verstehen das journalistische Handwerk. So wie ich das beurteilen kann, versuchen sie mit ihrem multimedialen Zeitungsprojekt das zu realisieren, was für mich bei der BaZ wegen den politischen Wirren unmöglich wurde. Eine Zeitung muss breit abgestützt sein und darf sich nicht politisch in die eine oder andere Richtung zu stark exponieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">«Natürlich muss man pokern»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Senderlos glücklich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 22:01:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits im Februar die Rede. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten. Aufschlussreich ist <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ende-einer-television" target="_blank">im Februar die Rede</a>. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten.<br />
<span id="more-28785"></span><br />
Aufschlussreich ist nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, was er verschweigt. Wie im Fall von Tamedia-Unternehmensleiter Martin Kall. In seinem <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/kall_2010.pdf" target="_blank">Kommentar zum vergangenen Geschäftsjahr</a> spricht Kall viel von Zeitungen und Onlinemedien. Radio und TV erwähnt er mit keinem Wort. Kein Wunder: Tamedia will seine vier <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Gemeinsame%20Unternehmensstrategie%20nach%20Zusammenschluss%20mit%20Edipresse%20Schweiz.aspx" target="_blank">Sender loswerden</a>, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Kall hat sich wohl schon beim Verfassen des Geschäftsberichts mental von Telezüri, Telebärn, Radio 24 und Capital FM getrennt.</p>
<p>Der Abschied von der Rundfunksparte erscheint im Licht der Geschäftspolitik von Tamedia der letzten Jahre nur folgerichtig. Eine auf Gewinnoptimierung getrimmte <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Tamedia%20waechst%202010%20dank%20Z%C3%BCrcher%20Regionalzeitungen%20und%20Onlinemedien.aspx" target="_blank">Geldmaschine</a> (Gewinn 2010: 110 Mio. Fr.) verträgt keine Unternehmensteile, deren kommerzielles Entwicklungspotenzial beschränkt ist. Mit Radio und TV lässt sich in der Schweiz nicht das grosse Geschäft machen. Das hat zum einen mit dem vergleichsweise kleinen Markt in der Deutschschweiz zu tun und der gesetzlichen Reglementierung, die den Unternehmen klare kommerzielle und publizistische Leitplanken setzt. Zum anderen kostet die Fernsehproduktion mit ihrer aufwendigen Technik eine ganze Stange Geld. Davon kann Tamedia ein Lied singen: Vor zehn Jahren setzte der Konzern mit TV3 <a href="http://www.blick.ch/news/mit-flop-tv-112-millionen-verpulvert-aid4119" target="_blank">über 100 Millionen Franken in den Sand</a> und warf 90 Millionen auf für den Kauf von Telezüri und Radio 24.  Die Verantwortung für diese Entscheide trug Michel Favre als Konzernleiter. Unter der Führung von Martin Kall handelt Tamedia schnell und konsequent, wenn es auf der Habenseite mal nicht mehr ganz so rosig aussieht, wie sich Aktionariat und Besitzerfamilie das vorstellen. Das zeigte der Konzern in der Vergangenheit mehrmals mit Massenentlassungen bei seinen Zeitungen.</p>
<p>Wenn Tamedia nun bekanntgibt, seine vier Sender verkaufen zu wollen, hat das Signalwirkung für die ganze Branche. Denn es ist nicht ganz unerheblich, wenn das grösste private schweizerische Medienunternehmen Radio und Fernsehen als strategisch bedeutungslose Geschäftsfelder sieht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Grund, den Tamedia für seine Verkaufsabsichten nennt: Das Medienhaus will sich nicht ein weiteres Mal dem Konzessionsverfahren stellen, wenn die Sendebewilligungen für Schweizer Privatsender in acht Jahren neu vergeben werden. Seine Sender könnten dabei leer ausgehen, fürchtet Tamedia bereits heute.</p>
<p>Zumindest für Telezüri dürfte es kein Problem sein, einen Käufer zu finden. So hat Ringier das Interesse an einem eigenen TV-Sender angemeldet und Telezüri als potenziellen Kaufkandidaten genannt. Gut möglich, dass die beiden Unternehmen bereits hinter den Kulissen verhandeln. Schwieriger sieht es für die anderen drei Sender aus. Besonders für die beiden Berner Lokalmedien Telebärn und Radio Capital FM <a href="http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/TeleBaern-und-Capital-FM-hoffen-auf-einen-Kaeufer/story/29448093" target="_blank">dürfte es nicht einfach werden</a>, einen neuen Besitzer zu finden. Erst vor zwei Jahren wurden die Sender zusammen mit der Berner Zeitung BZ in das <a href="http://www.espacemedia.ch/em_de/aktuelles/meldungen/2008/2008_11_06_multimediahaus.php" target="_blank">neue Multimediahaus</a> in Bern integriert. Seither arbeiten die drei Medien eng zusammen, wobei Radio und Fernsehen vom journalistischen Know-how der BZ profitieren und die Zeitung Ton und Bild auf ihrer Website verwerten darf. Mit einem neuen Besitzer würden solche Kooperationen komplizierter, wenn nicht gar unmöglich. Ein Verkaufserfolg ist also alles andere als gewiss. Wenn Tamedia keine Käufer findet, müsste wohl mit der Schliessung des einen oder anderen Senders gerechnet werden.</p>
<p>Ob das ein Verlust für die Deutschschweizer Medien und die Meinungsvielfalt bedeuten würde, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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